„Das könnt ich nicht“

Dieser Post bzw. die Idee gärt schon eine Weile in mir. Twitter stupste mich dan wieder an:

Ich bin ja gar nicht so: Ich spreche Menschen nicht grundsätzlich ab, dass sie sich trotz Beziehung zu einem anderen Erwachsenen alleinerziehend fühlen können. Oder das Gefühl haben, sie könnten nachvollziehen, wie sich alleinerziehend anfühlt. Oder halt glauben zu wissen, was es bedeutet, alleinerziehend zu sein.

Doch ganz ehrlich: Solange es da einen Partner – im günstigsten Fall der Vater* der Kinder – gibt, mit dem man sich zu Kinder- und Erziehungsfragen (und hoffentlich auch sonst) austauschen kann, ist man – nach meiner Definition – nicht alleinerziehend. Selbst, wenn dieser viel arbeitet und/ oder viel unterwegs ist. Aber in Zeiten moderner Kommunikationstechnik ist das keine Ausrede mehr. (Selbst ich fühle mich nur bedingt alleinerziehend, weil ich mich durchaus mit dem Kv und auch anderen Menschen hinsichtlich der Erziehung des midi-monsieurs austausche.)

Ich tue mich (sehr) schwer damit, dass es oftmals beim Thema Alleinerziehend um den finanziellen Aspekt geht. Das mag sicherlich daran liegen, dass es mich nicht so wirklich betrifft, aber letztlich ist die Rede von „alleinerziehend“ und nicht von „alleinfinanzierend“ (was natürlich viele, aber halt nicht alle Alleinerziehenden betrifft).

Und nun zu meiner eigentlich Idee: Weil viele verpartnerte Mütter auch immer wieder zu Alleinerziehenden sagen „Das könnte ich nicht“ (glaubt mir, könntet ihr auch!), möchte ich hier ein Blog-Stöckchen initiieren/ auslegen. Die Regeln (haha) sind ganz einfach: Bitte beantwortet die Fragen und gebt sie via Blog weiter (nominieren oder auslegen). Ergänzungen sind willkommen – ist ja nichts in Stein gemeißelt.

  1. Wie war Deine Vorstellung von Familie vor Familie? Wieviel ist wahr? Was ist komplett anders geworden?
  2. Wie ist das Familien- und Arbeitsleben bei Dir aufgeteilt? Wer leistet wieviel in welchem Bereich: Haushalt, Kinder (Begleitung / Bringen zu Aktivitäten, Arztbesuche etc), technische Aufgaben (Auto, Reperaturen), Kochen?
  3. Entspricht das aktuelle Familienleben Deiner „Wunschvorstellung“?
  4. Ab wann würdest Du Dich „alleinerziehend“ bezeichnen?
  5. Zu zweit schafft man mehr und es bleibt – im besten Fall – auch mehr Zeit für einen selbst übrig: Was würdest Du als erstes streichen (müssen), wenn als Single-Elter die Zeit nicht mehr reicht? Wo wärst Du am ehesten bereit Abstriche zu machen?
  6. Müsstest Du als Single-Elter Abstriche beim Job machen (z.B. wegen Kinderbetreuung)?
  7. Wo werden die Kinder im Fall einer Trennung bleiben? Mutter oder Vater? Welches Modell (Wechsel, Nest, Ferien) wünschst Du Dir?
  8. Wie würde sich das Alleinerziehendsein auf die Finanzen auswirken? Hast du Angst, finanziell „abzurutschen“ als Single-Elter?
  9. Was ist mit Kindesunterhalt? Würdest Du anstandslos zahlen bzw. würde es anstandslos gezahlt?
  10. Wenn der zahlungspflichtige Elter nicht zahlt: Gang zum Jugendamt für Unterhaltsvorauszahlung?
  11. Vorausgesetzt ihr seid verheiratet: Würdest Du Trennungsunterhalt verlangen/ zahlen?
  12. Müsstet ihr umziehen?
  13. Was glaubst Du, wie schnell schafft Ihr es, von der Paar-Ebene auf die reine Eltern-Ebene zu wechseln? Wie gut würde es Dir gelingen und wie gut Deiner*m Partner*in?
  14. Sorgerecht ist ja – sofern nicht Schlimmes vorgefallen ist – unkritisch, also nicht wirklich verhandelbar. Wie würdest Du das Umgangsrecht regeln wollen: Vereinbarung unter Eltern, in Absprache mit dem JA, in Absprache mit einem Anwalt, gerichtlich?
  15. Würdest Du das alleinige Sorgerecht wollen, wenn die Kinder bei Dir bleiben? Würdest Du es dem anderen Elter „zugestehen“? (sehr hypothetische Frage)
  16. Weißt Du, was eine Sorgerechtsvollmacht ist?
  17. Was sind generell Deine größten Ängste hinsichtlich des Ein-Elter-Daseins (z.B. finanziell/ Job), organisatorisch, bzgl. der Kinder, Selfcare)?

Zuwerfen bzw. auslegen möchte ich das Stöckchen für alle, die mit einer/m Partner*in zusamenwohnen, die/der sich an der Kindererziehung beteiligt, so z.B.

Aber ich freue mich über jede*n, die*der sich das Stöckchen schnappt.

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* Ich will alleinerziehende Männer hier nicht ausschließen, aber in der Realtität sind es meist die Mütter, die nach einer Trennung den Haupt-Alleinerziehendenpart haben und entsprechend ist der Text formuliert.

2 Gedanken zu „„Das könnt ich nicht“

  1. Pingback: what if – Schnauze, Lübke!

  2. Tatsächlich finde ich mich in den Fragen gar nicht wieder, weil wir wirtschaftlich ohnehin autonom sind, und jetzt beide auch genug verdienen, um den Weg von einer anderen Person durch Dienstleistungen zu substituieren. Außerdem haben wir jeweils Eltern, die sich kümmern können und wollen. Weil ich trotzdem über den Text nachgedacht habe, und in des F Kindergartengruppe gerade der Scheidungsvirus umgeht, habe ich trotzdem einen kleinen Text geschrieben. Nicht ganz ernst. http://modeste.me/2017/09/11/lange-nicht-getrennt/

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