Ende gut, alles gut

Geschafft!

Wir haben das dritte Schuljahr geschafft. Dieses turbulente Schuljahr, das so viele Änderungen brachte. Änderungen, die für den midi-monsieur auf gewisse Weise überlebenswichtig waren – zumindest fürs psychische Überleben.

Nun ist es geschafft. Das Zeugnis ist nicht überraschend – weder negativ noch positiv. Es ist ehrlich und konstruktiv. Und damit kann ich gut arbeiten.

Mal abgesehen davon, dass nach dem das Dritte-Klasse-Zeugnis eh kein Hahn nach kräht keine interessiert, ist ein Zeugnis ohne eine Vier immer ein Grund zu feiern.

Daher gab es mittags die obligaten Zeugnisburger, …

… für die wir extra nach Offenbach gefahren sind. (Auch damit der RB dabei sein konnte. Denn das war dem midi-monsieur schon wichtig.)

Und abends machten wir Kinoabend (Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln*) mit passendem Beiwerk

Dabei war das lästige Kofferpacken auch nicht ganz so nervig.

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* Die Alternative wäre „Zurück in die Zukunft“ gewesen.

Vorhang auf

(Naja, einen Vorhang gab es nicht.)

An der Schule vom Kind gibt es nicht sooo viele* Arbeitsgemeinschaften. Die paar, die es gibt, sind recht begehrt. Besonders beliebt ist die Theater-AG. Der Lehrer, der die anbietet, ist auch recht beliebt. Allerdings dürfen an der Theater-AG nur die Dritt- und Viertklässlerinnen teilnehmen – so wegen Aufmerksamkeit, Konzentration und Textlernen (nein, das muss ich nicht diskutieren).

Der midi-monsieur kündigte schon Ende Klasse 2 an, dass er in Klasse 3 an der Theater-AG teilnehmen wolle. Gut, wenn er das will, darf er das machen. Und weil die Theater-AG so überlaufen ist, wurde gelost und so konnte er erst im zweiten Halbjahr mitmachen. In diesem kurzen, total vollgepackten und eng getackteten Halbjahr. Aber gut, so war es halt.

Schnell stellte sich heraus, dass er nicht damit gerechnet hatte, Text lernen zu müssen. Und dann bekam er auch noch drei Rollen. Tjanun…

Ein paar Mal wollte er hinschmeißen und fluchte wild. Insbesondere in der letzten Woche war es arg, als die Klassenlehrerin ankündigte, in dieser letzten Schulwoche vielleicht mit der Klasse ins Freibad zu gehen**. Denn in dieser letzten Schulwoche waren die Aufführungen der Theater-AG angesetzt. Von Montag bis Donnerstag jeden Tag Aufführungen. Montag, Dienstag, Mittwoch und heute fanden vormittags Aufführungen für die anderen Klassen statt. Wodurch die Theater-Kinder so gut wie keinen Unterricht hatten und dementsprechend auch nicht – zumindest die Kinder „unserer“ Klasse – den Aufsatz schreiben mussten. Auf einmal war all der Ärger übers Textlernen und die vielen Termine vergessen. Heute am späten Nachmittag gab es die – für den midi-monsieur – wichtigste Vorstellung – die für die Eltern***.

Ich hatte mittags noch einen Termin in Köln. Aber dank Sprinterstrecke kann eine von 13h00 bis 14h00 eine Veranstaltung in Köln besuchen und trotzdem rechtzeitig um 17h00**** im Theater sitzen.

Ich mag ja minimalistische Bühnenbilder.

Aufgeführt wurde „Die wilden Schwäne“ von Hans Christian Andersen. Und das Kind war König, …

… Erzähler und …

… Bischof.

Aber nicht nur der midi-monsieur hatte mehr als eine Rolle. Die Kids haben das toll gemacht. Dass der midi-monsieur angeblich etwas textschwach war, war gar nicht zu merken. Zumindest hat er sich Hänger nicht anmerken lassen. Und es war toll ihn zu sehen: Er stand fest und selbstbewusst auf der Bühne. Wenn er Lampenfieber hatte, hat eine das nicht gemerkt. Er hat laut gesprochen und tatsächlich auch geschauspielt.

Das Stück selbst war auch gut. Andersen-Märchen sind ja immer etwas speziell, aber halt auch sehr schön. Außerdem sind Andersen-Märchen nicht so bekannt und daher auch nicht so ausgenudelt.

Mal sehen, ob er in Klasse 4 doch noch mal in die AG will.

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* Es gibt verschiedene Gründe dafür. Ein zentraler ist leider, dass es den Lehrkräften zu viel Arbeit ist. AGs bedeuten zusätzliche Arbeit, weniger Freizeit und erfordern Engagement.

** nur bei entsprechendem Wetter

***Der midi-monsieur war sehr enttäuscht, dass der RB nicht dabei sein konnte.

**** Ich war schon um 16h40 am Theater.

Rollig

Nein, ich plaudere jetzt nicht aus unserem Bett dem Nähkästchen und auch über die Katzen in der Nachbarschaft habe nicht mehr zu sagen als:

Ich verrate Euch mal wieder ein Rezept. Diesmal für eine Spinat-Lachs-Rolle, die saulecker ist, einfach geht und dabei auch noch quasi no-carb ist. Nicht, dass ich auf sowas wirklich achten würde*.

Zutaten
1,2 kg TK-Spinat (2 Beutel)
5 Eier
Salz (viel, also nicht zu wenig)
Pfeffer
frisch geriebene Muskatnuss
50-100 g geriebenen Käse
Meerrettich-Frischkäse
2 Pk Räucherlachs (300-400 g)

Zubereitung
Spinat auftauen*

Eier mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss verquirlen

Halbwegs trockenen** Spinat mit Eiermasse vermischen und auf mit Backpapier ausgelegtes Backblech verteilen.

Geriebenen Käse (nicht zu dick) darauf verteilen und bei 180 °C backen*** bis Eier gestockt bzw. Käse gebräunt. Danach abkühlen lassen.

Spinatplatte auf Käseseite drehen, Backpapier abziehen und mit Meerrettich-Frischkäse**** bestreichen, zwei Drittel der Platte über die längere Kante mit Lachs belegen und dann vorsichtig von der Lachsseite anfangend aufrollen. (Ich hatte die große Platte geteilt, dann rollt es sich leichter).

Et voilà

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* Vielleicht sollte, zumindest meint das meine Hausärztin das. Aber irgendwie finde ich, dass ich zum Abnehmen erstmal Fett reduzieren sollte und dann Kohlenhydrate. „Low Carb, High Fat“ erschließt sich mir nicht und finde es tendenziell auch nicht lecker

** Geht gut über Nacht in einer Salatschleuder. Da kann das Tauwasser gleich abtropfen (alternativ im Topf vorsichtig erhitzen)

*** In der Salatschleuder kann eine ihn gleich trocken(er) schleudern. (Im Topf ohne Deckel erhitzen und anschließend im Sieb abtropfen lassen.)

**** Ich habe zur Zeit ja nur Ober- und Unterhitze.

***** Eine halbes Pöttchen reichte bei mir.

Einig und einfach

Das war einfach. Einfach und erfreulich entspannt. Diese Schottlandreiseplanung mit dem RB. Klar, er hat Vorgaben gemacht, weil er sich bestimmte Whisky-Destillerien* angucken möchte – also wenn möglich von außen UND innen. Ich mag Whisky, war auch schon mal in einer Destillerie und Schottland ist eh toll**. Und als sich dann auch noch herausstellte, dass New Model Army im anvisierten Zeitraum in Glasgow spielen werden, freute ich mich noch mehr auf den Urlaub.

Dank und mit GoogleMaps konnten wir einfach die Route planen. Der RB zeichnete Destillerien ein, die er sehen wollte. Ich zeichnete Brücken ein, die ich sehen wollte. Das waren die beiden Fixpunkte, die die Route maßgeblich bestimmten – neben dem Termin*** in Glasgow für das Konzert. Dann recherchierten wir Übernachtungsmöglichkeiten bzw. befragten das Internet nach Empfehlungen.

Wir waren uns erfreulich einig mit allem. Auch als mir irgendwann die Idee kam, die Route nicht rechtsrum, sondern linksrum zu fahren. Dann kam die Frage auf, ob wir wirklich mehr als eine Nacht in Glasgow bleiben wollen. Nein. Route wieder geändert. Wir buchten die erste Unterkunft, der RB ganz allein**** die zweite. Dann guckten wir zusammen nach Unterkunft drei.

Und während wir heute Unterkunft vier, fünf und sechs***** fix machen wollten, guckten wir so auf die Route und die Destillerien und waren etwas genervt von den BnB, die sich uns so in dem einen Übernachtungsort boten und stellten fest, dass Einzelübernachtungen ja eh doof sind, und änderten nochmal zwei Übernachtungsorte.

Aber nun ist alles fix und wir werden in folgenden Orten übernachten: Glencoe, Tain, Wick, Muir of Ord, Glasgow, Perth.

Hochprofessioneller Screenshot******

Hauptsächlich in BnB, aber auch einmal in einer Ferienwohnung und einmal im Hotel. Die Strecke zwischen den Orten ist insgesamt 1.108 Kilometer lang – Abstecher und Tagestouren noch nicht inklusive.

Auch nicht miteingerechnet sind die vermutlich vielen Kilometer zu Fuß, wenn wir im Nordosten bzw. an der Ostküste sind, die ich zurücklegen werde, um Puffins zu sehen. Ich habe schon zum RB gesagt: „Ich verlasse Schottland erst, wenn ich Puffins gesehen habe.“

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* Nein, es heißt nicht Destille(n)

** Ich war bislang nur 1997 da.

*** Der nicht ganz optimal liegt, aber gut.

**** Wir hatten schon mal zusammen ein paar in dem Ort rausgesucht, aber eben nichts gebucht.

***** Und eigentlich sieben, aber die siebte entfiel wegen Zusammenlegung auf anderen Ort.

****** Über die Drucktaste von der Tastatur geht es bei mir nicht. Also Bild vom Bildschirm.

Auge um Auge

Ich habe eigentlich ein großes Herz für Apothekerinnen. Berufsbedingt kenne ich mich ein bisschen mit der Gesetzeslage und dem Haftungsmist aus, der sie betrifft. Hätte ich früher gewusst, dass eine Pharmazie studieren kann, hätte ich das getan.

Auch aus diesem Grund ärgere ich mich immer, wenn eine Apothekerin ihren Job nicht ernst nimmt. Sei es, dass sie Glaubulis verkaufen, sie – trotz besserem Wissen – als Naturheilmittel positionieren oder sie ihren Beratungsauftrag nicht ernst nehmen:

Der Job einer Apothekerin ist stets eine Gratwanderung. Und schnell können auch mal Kompetenzen überschritten und halbe Diagnosen gestellt werden. Diagnosen sind aber – zurecht – Aufgabe des Arztes. Aber auch das ist ein schmaler Grat – insbesondere in Zeiten freiverkäuflicher Medikament: Die Patientin fordert ASSParacetamolIbu gegen KopfRegelZahnschmerzen und bekommt diese für gewöhnlich. Woher weiß die Patientin oder die Apothekerin, dass die Schmerzen nichts Schlimmeres bedeuten. Vielleicht sogar was, bei dem ASSParacetamolIbu kontraindiziert sind?! Es ist schwierig.

Ja, und vielleicht war der notdiensthabenden Apothekerin gerade auch der Grat zu schmal, als der RB* vor ihr stand und um ein Mittel bat, dass mein gereiztes linkes Auge beruhigen möge. Es fiel das Wort „Bindehautentzündung“, denn es fühlte es sich so an, als könne sich daraus eine entwickeln. Daher wollte ich etwas zur Beruhigung** des Auges. Ich habe da Tropfen der Wahl, mit denen ich gut zurechtkomme, bis ich zum Augenarzt meines Vertrauens gehe(n kann).

Der RB schilderte also das Problem und wurde sehr unfreundlich abgebügelt, dass ich mit einer Bindehautentzündung zum Arzt gehen solle; antibiotische Tropfen gebe es nur auf Rezept. Ach.** Ich hatte ihm vorher meine Tropfen der Wahl auf einen Zettel geschrieben, aber er wurde weiter abgebügelt, sie wisse, welche Tropfen er haben wolle. Die seien nicht gegen Konjuktivits und bei bakterieller Konjunktivits kontraindiziert***. Und nein, sie würde ihm nichts verkaufen. Auch nichts zur Beruhigung.

Unverrichteter Dinge kam er wieder und war – zurecht – etwas ungehalten. Ich war immer noch unleidlich, weil das Auge sich einfach unangenehm anfühlte: Es brannte, war etwas geschwollen und tränte immer wieder munter vor sich hin. Richtig rot war es allerdings noch nicht. Wenn wirklich Bindehautentzündung dann noch im frühen Stadium, ich tippte mehr auf Zug bekommen von der Klimaanlage im Bus.

Weil ich fürchtete, dass die Nacht mit dem Auge nicht sonderlich lustig würde, rief ich bei einer anderen Notfallapotheke**** an. Eine freundliche Apothekerin am anderen Ende. Ich schilderte das Problem, nannte ihr die Tropfen, die ich gerne hätte. Ja, die würde sie auch empfehlen. Damit könnte ich zumindest über die Nacht kommen und morgen dann zum Augenarzt. Nein, deswegen würde sie sich auch nicht die halbe Nacht ins Bürger***** setzen.

Der RB schwang sich also nochmal aufs Rad und besorgte die Tropfen. Währenddessen schrieb ich die Landesapothekenkammer an, um nach einer Beschwerdestelle****** zu fragen.

Dann versorgte ich das betroffene Auge, blinzelte und – tadaaa – es beruhigte sich schnell.

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* War recht unleidlich mit dem Auge und nicht willens irgendwohin zu fahren. Der RB war so lieb, es anzubieten.

** Denn dass ich für ein antibiotisches Mittel ein Rezept brauche, weiß ich selbst.

*** Stimmt nicht, ich habe es nachgeguckt.

**** Kurz überlegte ich, die 116117 anzurufen.

***** Ein Krankenhaus, in dem der kassenärztliche Notdienst im Rahmen der Notaufnahme bereitgestellt wird. Eine sitzt da auch gerne mal ein paar Stunden und zu guter Letzt guckt eine Gynäkologin aufs Auge. Danke, aber nein danke!

****** Ja, ich finde, dass so eine Art der Beratung „angezeigt“ werden sollte. Sei es, um darauf aufmerksam zu machen, dass es auch einen Diensleistungs- und Beratungsauftrag gibt, aber auch, um solche Missstände nicht einfach hinzunehmen.

Rügbiiii

Jajaja, ich darf „unser“ wirklich gut organisiertes Internationales RugbyJugendfestival nicht als Maßstab anlegen, aber schon letztes Jahr fand ich das französische Turnier nur so semi-gut organisiert. Es wirkte alles so improvisiert und „ja, findet sich schon irgendwie“. Dazu noch, dass es insgesamt nur 4 Toiletten (und etwa 6 Pissoirs für die Herren) gab. Hocktoiletten versteht sich.

Letztes Jahr war aber alles, was Rugby anbelangt noch recht neu. Und der midi-monsieur war zum Spielen da und ich seine Begleitung. Nicht mehr (auch wenn ich wohl noch heute dafür verantwortlich gemacht werde, dass die Trinkflaschen der U8 verschwunden sind). Es war heiß, die Busfahrt lang. Aber das Kind hatte Spaß und gute Spiele.

Dieses Jahr war es anders: Ich war Interims-Teammanagerin*. Ich durfte mich zwar ins gemachte Nest setzen hatte zwar nichts mit der Orga im Vorfeld zu tun, war aber „verantwortlich“ ab Moment der Abfahrt des Busses. Kinderzählen und hoffen darauf achten, dass bei Ankunft in Frankreich auch noch alle da sind. In der Jugendherberge war es dann unser Glück, dass ich der örtlichen Sprache mächtig bin: Ich konnte uns schon einchecken und Zimmer verteilen, sodass das Team vom Kind und die Handvoll Begleiter (neben mir noch 6 Väter) die etwas besseren Zimmer in der ersten Etage bekamen.

Die Jugendherberge war zum Übernachten definitiv besser als der Zeltplatz**. Denn um 22h00 war bei allen Spielern Ruhe und auch die Erwachsenen waren gegen 23h00 im Bett, sodass wir definitiv mehr geschlafen haben als letztes Jahr beim Campen. Ohne Zelte war auch die Abreise zum Turniergelände deutlich entspannter und wir waren sehr pünktlich um 8h45 vor Ort.

Dunkle Wolken verheißen nichts Gutes.

Wir okkupieren einen Treffpunkt (und markieren ihn mit Pavillion und Kinderrucksäcken). Dann muss ich teammanagern: Die Mannschaft anmelden und einen Spielplan organisieren. Anmeldung verläuft problemlos. Spielpläne gibt es am Pitch.

Oder auch nicht – zumindest nicht vor 9h40 (das Turnier sollte eigentlich um 9h30 starten). Da dann schon das erste Chaos: Der Spielplan*** stimmt schon nicht mehr, bevor der erste Ankick war. Es wird rumgewurschtelt, wir versuchen die Regeln**** und Spielzeit zu klären. Einer unserer Trainer muss das erste Spiel pfeifen, unsere Mannschaft spielt das zweite. Die Spielzeit ist für die Altersklasse (zu) kurz: eine Halbzeit à 6 Minuten. Da kommt doch keiner ins Spiel*****…

Es regnet, es ist ungemütlich und insgesamt läuft es mäßig für uns. Eine merkt, dass die Kids wenig in dieser Konstellation miteinander****** spielen. Sie müssen in der Vormittagsrunde drei Spiele spielen. Am Nachmittag sind es vier Spiele (je eine Halbzeit à 8 Minuten*****). Ähnlich wie am morgen bekommen wir den Spielplan erst kurz vor knapp am Pitch. Unser Team muss auch gleich als erstes spielen.

Ab Spiel drei fallen nach und nach die Spieler aus: Der erste wird so hart und dazu unglücklich mit der Gegnerschulter im Zwechfell getacklet, dass er sofort vom Platz muss. Er kann nur flach atmen. Ich gehe mit ihm zu den Sanis: Vielleicht Rippenanbruch. Damit darf er nicht mehr spielen.

Am Nachmittag – wenigstens ist das Wetter mittlerweile gut – sehe ich die freundlichen Sanitäterinnen noch zwei Mal: Einmal mit Verdacht auf Kreuzbandirgendwas und eine gequetschte Hand. Das Knie muss ruhig gestellt werden. Die Hand ist nach Kühlen und Arnikagel wieder schnell in Ordnung.

Die Jungs sind sichtlich froh, dass ich sie begleiten und vor allem auch übersetzen kann. Sie danach dazu zu bringen, sich ruhig zu verhalten ist deutlich schwieriger.

Um 15h20 war unsere Mannschaft durch – so insgesamt, aber auch mit dem Turnier. Viel habe ich von den Spielen am Nachmittag nicht gesehen, da ich ja bei den Sanis war.

Der Bus zurück kann frühestens um 17 Uhr bestiegen werden. Aber wir müssen eh noch auf die U12 warten und zwei weitere Trainer. Das führt dann auch noch fast zu einem Eklat und ich bin echt erschüttert, wie viel Ego so in diesem Verein rumläuft. Ich fürchte, dass die nächste Saison in der U10 noch „spaßig“ wird.

Allen Querelen zum Trotz sitzen wir um 17h40 im Bus (ohne die zwei weiteren Trainer). Der Busfahrer ist auch deutlich organisierter und kooperativer, sodass wir VOR Mitternacht (letztes Jahr waren der midi-monsieur uns ich erst um 1h30 zu Hause) in Frankfurt ankommen und – dank Abholservice durch den RB – auch VOR Mitternacht zu Hause sind.

Der midi-monsieur ist total grumpy und ranzt den RB an, duscht aber doch noch freiwillig und schläft dann sofort ein.

Ich brauch Schnaps, aber vor dem Schnaps muss ich noch als Requisitöse wirken:

Ein Mitra*******

Denn ab morgen führt der midi-monsieur mit der Theater-AG der Schule das einstudierte Stück vor. Und das Kind ist Erzähler, König und Bischof.

Aber jetzt. Jetzt gibt es Schnaps********.

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* freiwillig gemeldet, da ich dachte, dass es bei einem Turnier in Frankreich hilfreich sein kann, wenn eine Französisch kann.

** Toll gelegener Platz: direkt am Fluss mit Freibad. Nur nachts rauscht die Bundesstraße keine 50 Meter Luftlinie am Kopf vorbei.

*** Es bekam auch nicht jedes Team ein Blatt mit dem Spielplan ausgehändigt, sondern eine durfte es sich abfotografieren. ^^

**** Die französischen Regeln sind in den jeweiligen Altersstufen anders und es gibt bereits andere typischen Rugby-Elemente (Gasse, Gedränge, Hand-off, Vorkick).

***** Zwei Halbzeiten à 5 Minuten wären besser gewesen und zeitlich locker zu machen

****** Es gibt eine eine erste und eine zweite Mannschaft, aber für dieses Turnier ist keine der beiden Mannschaften vollständig gewesen.

******* Mit einem klitzekleinen blasphemischen Detail 😉

******** GinTonic

Rugby on Tour

Ob es nun so schlau war, den midi-monsieur für das Turnier in Besançon zu melden, ist noch nicht so sicher. Zumindest so vom Zeitlichen. Aber sein Motivation ist da und ich finde es auch nett, nochmal ein exklusives Wochenende mit ihm zu haben, bevor er ab nächstem Wochenende vier Wochen in Frankreich ist.

Zum Glück Zelten wir nicht.

Wobei ich noch nicht sicher bin, wie die Jugendherberge als Alternative taugt.

Schauen wir mal wie die Nacht wird. Die Kids scheinen zu schlafen.

Hetzhetz

Irgendwie gibt es wohl ein ungeschriebenes Gesetz, das besagt, dass der Tag vor Fahrten, für die ich packen muss, pickepackevoll ist.

Der midi-monsieur hat erst zur Zweiten, aber der RB und ich sind trotz des späteren Tagesstart noch zu k.o. und schlafen nochmal. Dann wird es mit Frühstück und „noch schnell“ eine e-Mail bearbeiten fast etwas knapp: Ich muss um 13h30 in der Landeshauptstadt sein. Mit dem Auto vom RB stehe ich erstmal im Stadtstau. Ja, die Sache mit dem Reißverschlussverfahren ist nicht so einfach… auf der Fahrt werde ich dann auch angerufen, ob ich nicht eher da sein kann. Vor 13h00 ist aber nicht möglich.

Kaum da werde ich geschminkt und dann gibt’s neue Business-Bilder von mir.

Die Spachtelmasse aka Make-Up (bzw. Foundation – ich weiß noch nicht mal, wie das richtig heißt) fühlt sich nicht gut auf der Haut an. Dabei ist es gutes, leichtes Zeug. Aber ich mag das Gefühl nicht.

Zwei Foto-Durchläufe brauchen wir, dann ist ein Foto dabei, mit dem ich leben kann. Ich bin bei sowas recht uneitel. Außerdem habe ich keine Zeit: Ich muss die E-Mail vom Morgen noch zu Ende bearbeiten und habe noch einen Telko-Termin.

Davor noch eine kurze Mittagspause. Die Kolleginnen freuen sich über den mitgebrachten Kuchen.

Die Telko ist zäh und ich bin sooooo froh, dass wir deswegen nicht nach Berlin mussten.

So muss ich mich nur kurz nach 17h00 in den normalen Wahnsinn Feierabendverkehr zwischen Wiesbaden und Frankfurt begeben. 18h30 bin ich dank Stau erst zu Hause. Ich tröste mich, dass ich mit dem ÖPNV nicht vor 19h00 zu Hause gewesen wäre.

Der midi-monsieur ist seit eine Stunde zu Hause. Dank Schlüssel und Tablet ist das mittlerweile kein Problem mehr.

Ich mache eine Pack- und eine Einkaufsliste, gehe einkaufen, koche Essen, das Kind ist mit Lego beschäftigt, ich suche Sachen zusammen. Dann essen wir. Ich besorge noch zwei fehlende Dinge, während der midi-monsieur sich nicht vom Lego lösen kann.

Ich bin weiter mit der Packliste beschäftigt, um 22h00 geht das Kind ins Bett, ich hänge 3 Ladungen Wäsche auf, während ich diverse Unterlagen fürs Wochenende ausdrucke, kommt der RB nach Hause. Ich verpflichte ihn zu einem GinTonic.

Und dann bin ich auch reif fürs Bett. Der Koffer wird morgen gepackt.

Neun

Ich fange jetzt nicht an mit „Hach, der war doch gestern erst frisch geschlüpft *seufz* wo ist nur die Zeit geblieben.“ Denn der midi-monsieur ist vor neun Jahren geboren worden und in diesen neuen Jahren ist verdammt viel passiert und vor allen Dingen: Er wird groß und (immer) selbstständig(er). Das ist toll. Das muss so und ich finde es super, ihn dabei begleiten zu dürfen.

Es ist also der letzte einstellige Geburtstag. Es ist der erste Geburtstag ohne einen anwesenden Kv. Es ist der zweite Geburtstag, an dem er den Tag exklusiv mit seinem besten Kumpel feiert. Es ist der erste Geburtstag, bei dem der RB dabei* ist (und zum Burgergrillen verpflichtet wurde**). Es ist der erste Geburtstag, in dessen unmittelbaren zeitlichen Umfeld wir nicht Oma und Opa sehen werden. Es ist auch der erste Geburtstag, den wir deutlich später (nach den Ferien) nachfeiern werden. Es wäre fast (!) der erste Geburtstag ohne Rüblikuchen gewesen. Dafür ist es der erste Geburtstag mit zwei Geburtstagskuchen.

Es ist der siebte Geburtstag mit dem Geburtstagskranz

Es brennen schon immer alle Kerzen (nicht nur die Anzahl des Geburtstags)

und – ich bin mir recht sicher – der neunte Geburtstag mit seinem Piraten-Happy-Birthday-Banner. Es ist der erste Geburtstag seit Langem, zu dem es kein Lego-Set*** gab. Es ist der zweite Geburtstag, zu dem er sich Erdbeermuffins (in Eulenform) zum Mitnehmen in die Schule wünschte (und bekam). Tja, und das war es dann auch schon fast mit irgendwelchen Wünschen****.

Als ich ihn, weil die Oma fragte, fragte, was denn seine Geburtstagswünsche sein, antwortete er: „Weißt Du, Mama, je älter man wird, desto weniger Wünsche hat man.“ Wir befüllten zwar seine Amazon-Wunschliste mit einigen Lego-Sets, aber er fügte direkt an, dass er ja eigentlich genug Lego habe und es nicht schlimm sei, wenn er dieses Jahr keines bekäme. (Spoiler: Es war irgendwie doch schlimm.) Also überlegte ich nach Alternativen und zum Schluss war sein Geburtstagstisch recht voll.***** Und er staunte nicht schlecht, als er heute morgen um 7h00 endlich****** ins Wohnzimmer durfte. Als erstes setzte er sich die Geburtstagskrone auf und ab da war der Tag gut – sagt der midi-monsieur. Er hatte Spaß mit seinem besten Kumpel und den neuen Sachen. Wie ein neunter Geburtstag halt sein sollte.

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* Vor vier Monaten hieß es noch: „Aber der RB darf nicht zu meinem Geburtstag kommen.“ Heute morgen dann war er enttäuscht, dass der RB nicht direkt mitaufgestanden ist: „Mama, die eine Hälfte der Geschenke mache ich mit dir auf und die andere erst, wenn der RB dabei ist.“

** „Mama, Du kannst echt gut backen und kochen. Aber grillen kann der RB besser.“

*** Er hat sich selbst eins für sein K4-Beutegeld gekauft. Das sollte morgen oder so ankommen.

**** Er nannte irgendwann Merchandise-Zeug von Chaosflo44. Und so wenig ich das gutheiße, genauso wenig Sinn macht es wohl, mich da komplett gegen zu sperren.

***** Und für alle, die auch nicht wissen, was sie einem 9Jährigen schenken können, hier mal die Geschenke: Merchandise von Chaosflo44 (T-Shirt, Beutel, Kuscheldings-Blocky), Merchandise von FeineSahneFischfilet (T-Shirt, Becher, Frühstücksbrett), eine Nerf mit floureszierenden Geschossen, Todesstern-Lampe vom Möbelschweden, ein Luftkissen aka Lamzac-Imitat, Klebetattoos, Darth-Vader-Schlüsselanhänger von Lego, Das Tagebuch der Anne Frank (als Comic von Ari Folman, David Polonsky), Das große Buch vom Angeln (Casper Verner-Carlsson, Sven Nordqvist (ja, der von Pettersson und Findus)), Das kleine Böse Buch (Magnus Myst), einen Indoor-Fußball

****** Nachdem er um 1h00 rumspukte, weil er auf Toilette musste, um 5h30 sich ins Bett kuschelte, um 6h00 nicht mehr schlafen konnte und ich ihn dann in sein Zimmer schickte, dann um 6h30 nochmal ankam, sich noch mal ins Zimmer schicke ließ, bis ich endlich um 6h50 aufstand.

T-1

Was dem midi-monsieur neben dem baldigen Schuljahresende sehr wichtig ist, ist natürlich sein Geburtstag. Hui, morgen wird dieses coole Kind also 9, in Worten: NEUN, Jahre alt. Und ich könnte so kurz vor seinem letzten einstelligen Geburtstag ja ein bisschen sentimental werden.

Könnte…

Aber damit das gar nicht erst passiert, ist der Tag gut voll mit allerlei Hin-und-Her. Nach Frühstück und Arbeit beim Frühstück „muss“ ich in die Landeshauptstadt, um einem Abschied beizuwohnen und mich hinsichtlich einiger Projekte zu besprechen. Ich komme später los als geplant und bin froh, ein Auto geshared zu haben. Zu Hause erledige ich kurz Dinge wichtigen Papierkram, dann kommt der midi-monsieur und muss Hausaufgaben machen. Fast vergisst er darüber, dass er zum Rugby muss. Wir hetzen hin, ich fahre direkt wieder: Erst zum Spielwarenladen, um im Namen des KV ein Geschenk zu besorgen. Dann einkaufen für den obligate und den gewünschten Geburtstagskuchen sowie für die Schulmuffins und das Wunschgeburtstagsessen. Alles schnell nach Hause bringen, wieder zum Rugby hetzen. Mich dort absprechen, weil ich am Wochenende Interims-Teammanagerin bin. Ab nach Hause. Noch drei letzte Dinge einkaufen, während das Kind duscht. Essen und schon fange ich an, den Muffin-Teig anzusetzen. Die erste Fuhre Muffins wird nichts und ich sehe mich schon neuen Muffin-Teig ansetzen, weil es sonst nicht genug Muffins sind. Die zweite Fuhre ist im Ofen und ich setze den Teig für den Rüblikuchen an. Die zweite Fuhre Muffins ist, wie sie sein soll. Aber erstmal geht der Rüblikuchen in den Ofen, damit er noch auskühlen kann zum späteren Dekorieren. Während der Rüblikuchen backt, fange ich an aufzuräumen. Nach dem Rüblikuchen kommt noch dreimal die Muffinform in den Ofen.

Mount Owl

Dazwischen räume ich weiter auf und fange an die Geschenke einzupacken und den Geburtstagstisch zu dekorieren. Währenddessen kommt der RB nach Hause.

Dafür, dass der midi-monsieur sich nichts gewünscht hat, war der Tisch ordentlich voll.

Zwischen all dem muss ich aber trotzdem daran denken, was seit dem letzten Geburtstag vom Kind alles passiert ist und was für eine wahnsinnig tolle Entwicklung er und auch alles andere genommen hat. Er ist wieder bei sich wie schon lange nicht mehr. Er fühlt sich wohl – in der Schule, mit seinen Freunden, mit der neuen Situation zu Hause (aka RB), in seinem Leben. Es tut gut, ihn endlich (wieder) so zu erleben. Wichtige Schritte, die wir vor über einem Jahr angestoßen haben, tragen deutlich Früchte und auch wenn sie sicherlich „nur“ Teil eines großen Ganzen waren, so möchte ich gar nicht wissen, wie es ohne gelaufen wäre. Ich bin sehr stolz auf den midi-monsieur, dass er sich darauf eingelassen hat und dass er es für sich genutzt hat. Und ein bisschen bin ich auch stolz auf uns zusammen und mich, wie wir das alles wuppen. Hach, seufz… ich geh wohl besser ins Bett.