Geht doch!

In meinem jugendlichen Leichtsinn war für ich das ideale Familienmodell, dass ich arbeiten gehe und mein Partner mit dem Kind zu Hause bleibt. Damals dachte ich aber auch noch, dass ich unbedingt keine eigenen Kinder möchte.

Dann war ich irgendwann verheiratet und vermutlich hätten wir uns, wenn wir ein Kind bekommen hätten, doch eher für das klassische Modell entschieden. Zumindest für den Anfang aus rein ökonomischen Gründen. Naja, alles Makulatur: Diese Ehe wurde kinderlos geschieden.

Als der Vater vom mini-monsieur in mein Leben trat, war klar, dass ich in der ökonomisch stärkeren Position bin. Und als er zu mir zog erst recht. Dann tickte meine biologische Uhr und ich wollte unbedingt mit diesem Mann ein Kind und es war klar, dass sich dann wohl mein jugendliches Idealmodell erfüllen würde.

Auch wenn es finanziell eher grenzwertig war, nahm ich zwei Jahre Elternzeit, von denen ich das erste Jahr mit Elterngeld zu Hause blieb. Das hatte auch berufliche Gründe. Ich habe lange gehadert, ob ich wirklich dahin zurück möchte. Aber ich bin zurück und das war gut. Mal abgesehen vom ersten Gespräch zur Rückkehr. Ich habe das zweite Jahr in Elternzeit in Teilzeit gearbeitet und bin soger in der Zeit befördert worden.

Als ich mich dann später beworben habe, stand mein Kind nie im Weg. Im Gegenteil: Bei einem potentiellen Arbeitgeber hatte ich gepokert und mein bis dato Vollzeitgehalt als Basis für eine 30 Stundenstelle gefordert. Kein Problem. Auch nicht, dass ich Mutter bin, dass sei ja ganz gut, weil Mütter ja deutlich effizienter – gerade in Teilzeit – arbeiten. Ich habe mich dann doch anders entschieden.

Aber auch da war es kein Problem, dass ich temoprär (für knapp 3 Monate) mit Kind alleine war. Ich bekam eine individuelle HomeOffice-Lösung.

Beim letzten Job war ich auf einmal wirklich final alleinerziehend. Kein Problem. Reiserei zwischen den Standorten wurde reduziert. Ich konnte auch dank Mary Poppins relativ entspannt agieren. Aber ich wurde auch nicht blöd angeguckt, wenn ich abends pünktlich ging.

Als ich für meinen jetztigen Job bei meinem zukünftigen Chef saß und es um Arbeitszeiten ging, sagte ich direkt, dass ich alleinerziehend sei und dass ich trotz guter Betreuung durch unsere Kinderfrau mein Sohn gerne regelmäßig sehen möchte. Zwei Tage drauf hatte ich die Jobzusage.

Meine Erfahrung ist, dass gerade wir Frauen viel selbstverständlicher mit dem Thema Kind umgehen sollten. Und vor allen Dingen nicht dankbar sein müssen, weil uns jemand TROTZ Kind einstellt. Wir müssen uns vor Augen halten, dass wir eingestellt werden, weil wir GUT für den Job sind. Wenn wir Mütter also ein Job angeboten bekommen, dann weiß der Arbeitgeber, worauf er sich einlässt, da müssen wir nicht auf dem Knien rutschen, sobald wir den Vertrag unterschrieben haben.*

Und wir müssen auch daran denken, dass wir mit unserem Arbeitgeber nicht verheiratet sind, sondern für gewöhnlich „nur“ durch einen Arbeitsvertrag an ihn gebunden sind. (Wobei die standesamtliche Hochzeit meiner Meinung nach nur ein Vertragsabschluss ist.) Das gilt insbesondere, wenn er uns dumm kommt: Müttermobbing, Verstoß gegen Recht auf Teilzeit während der Elternzeit, Kündigungsschutz während der Elternzeit, Abschiebejob nach Ende der Elternzeit oder halt auch Kündigung.

Wer sich in der Elternzeit befindet (und im Betrieb mehr als 15 Beschäftigte sind), dann darf und muss man sich erstmal nicht so viel gefallen lassen. Will der Arbeitgeber einen nicht zurück, muss er das begründen. Und da hilft auch mal ein guter Arbeitsrechtler.

Ich will keine(n) aufwiegeln, aber dieses blöde Gekusche, weil man sich als Arbeitnehmerin mit Kind eh nicht so ganz vollwertig fühlt, geht mir auf den Geist. In der Arbeitswelt haben sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer Rechte. Und während Arbeitgeber jederzeit von ihrern Rechten Gebrauch machen und sich auch männliche Arbeitnehmer deutlich weniger scheuen, sich zu wehren, machen sich Arbeitnehmerinnen (besonders mit Kind) klein.

Ich bin nun schon drei Mal gekündigt worden. Zwei Mal habe ich mich gewehrt (beim dritten Mal ging meine Kraft schon für anderes drauf). Zwei Mal habe ich eine Abfindung bekommen. Einmal auch eine Freistellung. Ich habe Kollegen gesehen, die trotz Kündigung bis zum letzten Tag gebuckelt haben und sogar noch Überstunden geleistet haben, die sich nicht gewehrt haben – aus Angst.

Aber Angst wovor? Vor Kündigung?! Hahaha! Vor einem schlechten Zeugnis? Sowas lässt sich einfach (juristisch) regeln. Im Moment einer Kündigung braucht der Arbeitgeber keine Loyalität mehr erwarten und er kann uns auch nur in eine gewissen Rahmen ans Bein pinkeln. Seid Euch Eurer Rechte bewusst. Lasst Euch im Fall des Falles juristisch beraten.

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* Ja, natürlich war es auch mir unangenehm, dass ich am meinem dritten Arbeitstag gleich früher los musste, weil die Kita wegen der EZB-Randale früher zu machen musste und dass ich zwei Tage drauf wegen eines kranken Kindes zu Hause bleiben musste. Aber so war es nun mal und heute denkt auch keiner mehr darüber nach.

2 Gedanken zu „Geht doch!

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