Liebes Tagebuch – 4. Tag

Da es Frau Brüllen ja auch ein wenig darum ging (zumindest hab ich das so verstanden), zu erfahren/teilen, welche unterschiedlichen Berufe es im Bloggerdorf gibt, führe ich mal genauer aus, was ich schon etwas kryptisch in meinem normalen-Tag-Artikel angerissen habe. Zumal ich heute wieder zu Hause bin und das spannendste bislang das Zwiebelsäckchen auf meinem Ohr ist.

Vorspann

Ich steh auf Naturwissenschaften und Medizin, und hätte ich zum Zeitpunkt der Entscheidung von Pharmazie gewusst, hätte ich sicherlich das studiert. So habe ich erstmal „Technisches Gesundheitswesen“ (so hieß das damals noch) studiert, weil ich die Kombination aus Naturwissenschaften und Ingenieurswesen sehr spannend fand. Wäre es vielleicht auch gewesen, wenn meine damalige Hochschule nicht eine der ersten gewesen wäre, die sämtliche Studiengänge auf Bachelor/Master umgestellt hat. Damit war mein Studiengang nicht mehr meiner und ich musste mir was neues suchen. Kurzfristig liebäugelte ich mit einer Ausbildung zur Mediengestalterin, da ich im AStA das Öffentlichkeitsreferat besetzt und eine wöchentliche Studi-Zeitung herausgegeben hatte.

Doch irgendwie pochte das naturwissenschaftliche Herz stärker und so wechselte ich zur Biochemie (klassischer Diplom-Studiengang). Der Studiengang war aus dem Chemie-Studiengang (und nicht Bio wie sonst sehr üblich) hervorgegangen und entsprechend viel chemisches Grundwissen wurde uns vermittelt. Das kam mir sehr entgegen, hätte ich doch niemals Biologie studieren wollen. Und bis zu meiner Diplomarbeit war klar: Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann Professorin wie mein Papa.

Doch die Laborarbeit für die Diplomarbeit zeigten mir: Nein, ich will nicht Teil der deutschen Forschungslandschaft sein. Zu meinem Glück machte mich eine Laborkollegin auf auf eine kleine, aber feine PR-Agentur aufmerksam, die Praktikanten suchte. Öffentlichkeitsarbeit mit Fokus auf naturwissenschaftliche Themen schien genau das zu sein, was ich suchte. Beworben, genommen und einen Tag nach Abgabe der Diplomarbeit dort angefangen.

Nach drei Monaten Praktikum habe ich mich bei einer anderen Agentur beworben (Schwerpunkt: Pharma, Medizin/HealthCare), wurde genommen und habe zunächst als Trainee angefangen, Karriere gemacht, verschiedene Kunden und Themen betreut. Mein persönlicher Schwerpunkt nach 8 Jahren sind die sogenannten Rx-Produkte*.

PR – was’n das?

PR = Public relations = Öffentlichkeitsarbeit. Ist das nicht Werbung?
Das höre ich oft und NEIN, das ist es nicht. Ganz kurz zusammengefasst:

Werbung verkauft ein Produkt (mit bunten Bildern und wenig Text).
PR verkauft eine Meinung (mit bunten Texten und wenig Bild).

Und was bedeutet das? Ich nenne mich ja selbst oft „professionelle Textschubse“. Denn das ist eines DER Ziele von PR: Möglichst viele Veröffentlichungen erzielen, um eine möglichste große Öffentlichkeit zu erreichen. Dabei ist Öffentlichkeit aber nicht Öffentlichkeit im „normalen“ Sinn. Hier geht es um Zielgruppen. Ein Beispiel: Es macht keinen Sinn, Informationen zu einem Rheuma-Mittel in einer Jugendzeitschrift zu platzieren. Manche Informationen in meinem Bereich dürfen nur Ärzte lesen. Was das genau wird durchs HWG geregelt.

Die PR-Arbeit beginnt im Normalfall mit dem Briefing. Der Kunde gibt Informationen und sagt, was die Aufgabenstellung ist. Danach ist die Agentur am Zug: Es wird recherchiert, was das Zeug hält. Im Idealfall folgt darauf ein sogenanntes Re-Briefing: Die Rechercheergebnisse und erste Einschätzung werden mit dem Kunden besprochen. Die Aufgabenstellung wird ggf. angepasst.
Dann beginnt ein entscheidender Part der eigentlichen Arbeit: Es wird ein Konzept geschrieben. Es werden Stärken und Schwächen, Chancen und Bedrohungen analysiert. Es wird eine Strategie überlegt und Ziele gesetzt. Dann wird überlegt, mit welchen Maßnahmen, die Ziele erreicht werden können.
Bei den Maßnahmen geht es eigentlich immer darum, wie die Öffentlichkeit am besten erreicht werden kann – entweder direkt oder indirekt über Mittler. Die Mittler sind im Normalfall die Presse (Druckerzeugnisse aller Art, aber auch online).
Das Konzept wird dem Kunden vorgestellt. Von diesem in irgendeiner Form abgesegnet (also freigegeben). Dann folgt die Umsetzung – oft gibt es Jahreskonzepte, sodass sich die Aufgaben aus dem Konzept aufs Jahr verteilen. Manchmal sind es einzelne Projekte mit einem eng gesteckten Zeitrahmen.

Warum PR

Was ich an meinem Job so mag, ist die Abwechslung. Man kommt mit vielen verschiedenen Themen und Menschen in Berührung. Und bei den Aufgaben muss man sehr flexibel sein – sowohl im Kopf als auch bei der Durchführung. Morgens muss man einen Text schreiben und dabei wissenschaftliche Studien genau kennen und Nachmittags ist man dabei, eine Veranstaltung zu organisieren. Es muss sich mit Dienstleistern abgestimmt und deren Arbeit überwacht werden. Man muss schnell reagieren können, wenn ein Thema gerade besonders wichtig wird, darf dabei aber auch nie die Finanzen aus den Augen verlieren.

Zudem erkläre ich für mein Leben gern. Komplexe Zusammenhänge so zu formulieren, dass sie auch ein Laie versteht, ist mir wichtig. Stichwort „aufgeklärter Patient“. Und wenn ich nach einer Veranstaltung das Feedback erhalte, dass der eine oder andere etwas „gelernt“ hat und dass ihm das hilft, dann weiß ich, dass ich nicht nur dafür da bin, die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben (das macht nämlich die Werbung 😉 ).

————————————————————–

* Rx = verschreibungspflichtige Medikamente (auch ethische Produkte genannt), daneben gibt es noch OTC (over the counter) = freiverkäufliche, aber apothekenpflichtige Medikament und DTC (direct to consumer) = Produkte, die so es in Apotheke und Drogeriemarkt gibt (z.B. Vitamin-Brausetabletten)

6 Gedanken zu „Liebes Tagebuch – 4. Tag

  1. Pingback: Schlüsselerlebnis | Neues aus der Großstadt

  2. Pingback: Liebes Tagebuch am Fünten (März) | Groß-Stadt-Ansichten

  3. Pingback: Vermittlung | Groß-Stadt-Ansichten

  4. Pingback: Fragwürdig | Groß-Stadt-Ansichten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s