Ersatz

Weil die Kindersitterin im Urlaub ist und ich ausgerechnet während dessen min 4 Abendtermine habe, habe ich mir heute eine Ersatzsitterin, eine Freundin der eigentlichen Kindersitterin, „angeguckt“.

Pinken Jersey habe ich gekauft, damit ich eine leichtere Alternative zum gestrickten Pussyhat nähen kann.

Als ich für den midi-monsieur einen Zahnschutz bestellte, damit er beim Tackle-Training mitmachen kann, gleich einen zweiten mitbestellt.

Aus Zeitgründen gab’s heute TK-Pizza, doch anstatt wie üblich die normal großen zu nehmen, gab’s heute „nur“ Mini-Pizzen. Für jeden eine. Reicht auch.

Der erste Freitag im Februar

Ich hatte seit Anfang des Jahres eine ziemlich lange Job-To-Do-Liste, die sehr hydraeske Züge hatte: Kaum war eine Aufgabe erledigt, ploppten mindestens zwei andere auf. Hier und da verschob sich zum Glück ein Timing, aber letztlich hatte ich mir zum Ziel gesetzt, dass ich alle Punkte auf der Liste endlich mal gestrichen haben wollte. Klar kommen die zum Teil wieder, weil es erst der Anfang oder ein erster Entwurf war, aber ich wollte es nicht mehr auf meinem Tisch haben.

Und das, obwohl das Kind heute nur 3 Stunden hatte und nach diesen auch nach Hause kam und nicht in den Hort ging.

Nachmittags gingen wir zusammen Besorgungen machen und gönnten uns eine Kaffeepause im ersten Café am Platz (oder so). Da musste ich ein wenig an meine Großmutter denken, die immer mit mir, wenn ich bei meinen Großeltern in den Ferien war, in irgendein Café ging. Was nicht nur den reinen Selbstzweck des Schokoladetrinkens und Kuchenessens hatte, sondern auch Schulungsstunden nach Knigge waren. Denn meine Großmutter achtete sehr auf Tischmanieren.

Am Nebentisch saß ein älterer, etwas kauziger Herr. Dem midi-monsieur war er nicht geheuer. Das merkte ich, weil das Kind sehr meine Nähe suchte. Und als der Mann sich in unser Gespräch über unser Protestmützen („Mama, die Mützen bedeuten, dass wir gegen Trump sind, nicht?!“) einzumischen versuchte, wollte das Kind schnell zahlen („Ich geh schon mal vor und sag der Bedienung Bescheid.“). Dass ich halbwegs höflich antwortete, nahm der Herr zum Anlass, sich darüber auszulassen, was Frankfurt davon habe, dass es ja ach so liberal und weltoffen sei. „Das Pack“ am Bahnhof zeige ja, wohin das führe und von den Ausländern würde man ja immer schlecht behandelt. Mir war nicht nach Diskussion, aber unkommentiert lassen konnte ich das auch nicht.

Ich freue mich sehr, dass noch mehr Menschen Pussyhats haben wollen. Ich habe bislang 9 Aufträge, davon sind bereits 3 verschickt, eine Mütze liegt hier zur Übergabe und an der Fünften bin ich gerade dran.

Pinker Nachtrag

Hervorgehoben

Ich denke nach. Ja, das passiert auch mal. Ich denke darüber nach, ob das Tragen des Pussyhats albern ist. Oder so eine Art Ablass ist: „Seht her, ich trage einen Pussyhat. Ich bin dagegen, was Trump so macht. Und gegen ihn sowieso.“ Und habe damit meine gesellschaftliche Schuldigkeit getan.

Nein, ich denke nicht so. Aber ich überlege, ob andere so denken könnten. Und klar, es ist mir egal, was andere denken – also zumindest in Bezug auf das Tragen einer Mütze (sonst hätte ich ja auch keine blauen Haare) -, aber erziele mich mit dem Tragen des Pussyhats die Wirkung, die ich erzielen will?

Passend dazu ploppte ein Tweet in meiner Timeline auf:

„Protesthut“ – ich musste erst schmunzeln, aber doch das ist die Mütze: Öffentlicher Protest. Und mein Bekenntnis zum Protest. Ich murmel nicht nur verdrossen auf Twitter oder sonstigen SocialMedien in meiner Filterblase vor mich hin, sondern ich zeige öffentlich, dass mir was nicht passt.

Bislang ist mir noch keine mit einem Pussyhat begegnet, aber ich freue mich sehr, dass andere – u.a. meine Mutter – mich um einen Pussyhat gebeten haben. Und ich freue mich, wenn ich viele, ganz viele damit sehen kann. Denn je mehr es werden, desto größer wird der Protest. Und je mehr es werden, desto eher trauen sich vielleicht auch die, denen es schwer fällt in der ersten Reihe ihre Meinung zu sagen. Und je mehr es werden und desto sichtbarer sie werden, desto eher wird hoffentlich klar, dass sich Protest lohnt. Dass es sich lohnt eine Meinung zu haben und diese auch zu zeigen.

Der Pussyhat hilft, sich nicht allein mit seiner Meinung zu fühlen, sondern zu sehen, dass man ein kleiner Teil einer großen Masse ist, die erhört werden kann und sollte.

Pink

Pink ist eigentlich gar nicht meine Farbe. Wobei ich als Teenie vor meiner Gruftiphase einen pinken Tellerrock gehabt habe, den ich geliebt habe. Aber als ich die Bilder von den Demos gegen Trump gesehen habe, war klar:

Ich suchte und fand eine Anleitung bei PUSSYHAT PROJECT. Leider musste ich etwas warten, bis ich passende Wolle (Merino Sport von Katia; Farbe: 35) kaufen konnte, aber dann war kein Halten mehr:

Nach anderthalb Tagen – ungeübt und ich musste ja die Küche aufräumen auch arbeiten  – war es dann vollbracht.

img_20170125_200346_812.jpgHeutzutage sollte jede einen #Pussyhat tragen.

Als ich dem midi-monsieur erklärte, wofür die lustige Mütze mit den Ohren steht, wollte er auch eine. Allerdings nicht in Pink. Blaue Wolle (Soft Merino von Wolle Rödel; Farbe: 328) hatte ich zum Glück da (aus der wollte ich eigentlich mal dem Kind eine Strickjacke stricken – so vor ca.7,5 Jahren).img_20170127_214338_294.jpgFür seine Mütze habe ich das Strickmuster verändert:

  • 46 Maschen anschlagen
  • Bündchen: 24 Reihen re *2re 2li* li
  • 24 cm glatt rechts weiterstricken
  • Bündchen: 24 Reihen li *2li 2re* re (bei rechter Reihe anfangen)

Und weil mir meine etwas zu weit und das Bündchen zu breit war, habe ich sie auch nochmal angesetzt:

  • 48 Maschen anschlagen
  • Bündchen: 22 Reihen re *2re 2li* 3re (hin) / li *2li 2re* 3re (rück)
  • 24 cm glatt rechts weiterstricken
  • Bündchen: 24 Reihen li *2li 2re* 3li (hin) /  re *2re 2li* 3re (rück) (bei rechter Reihe anfangen)

2017-01-28-22.41.21.jpg.jpgWenn man erstmal im Stricken drin ist, stricken sich die Mützen ziemlich einfach! (Eine Auftragsmütze habe ich schon fertig.)

Aufauf, tragt die Pussyhats in die Welt!