Ohne Sorgen

Höhö, diese Überschrift ist so platt, wie Sanssoucis kitschig ist. Aber gut. Wenn eine in Potsdam ist, sollte sie mal Sanssoucis gesehen haben.

Der RB und ich können nun sagen: „Wir haben Sanssoucis gesehen und waren auch im großen Park ‚lustwandeln‘.“ Vom Schloss durch den wirklich schönen Park zum Neuen Palais, an Schloss Charlottenhof vorbei und dann auch wieder raus. Joah, hübsch, zum Teil hübsch-hässlich, und vermutlich nichts, was ich mir nochmal ansehen möchte. Barock und Prunk sind nicht so meins (bzw. unsers).

Von da aus ging es wieder in die Innenstadt. Erstmal was essen. Dann die letzten Eindrücke sammeln:

Potsdam ist schon schön. Aber sehr geleckt. Ein bisschen zu geleckt und ein bisschen zu viel Disney-Kulisse. Das Preußisch-Militärische scheint auch viel durch – massige Bauten, große (Aufmarsch-)Plätze. Aber einer Stadt mit so viel Wasser und Grün (und einem Lakritzladen*) verzieht eine viel.

(Spätestens zum Ultrash XIII fahren wir wohl wieder hin.)

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* und einer Bar, in der es wirklich guten Gimlet gibt und in der Sven van Thom gespielt wird

Pedal de deux

Wer feiern und demonstrieren kann, die kann auch Fahrrad fahren. Schließlich hatten der RB und ich extra ein verlängertes Wochenende aus unserem Festivalbesuch gemacht, damit wir uns auch Potsdam angucken können. Und nach meinem Kurzbesuch im April war recht klar, dass sich die Stadt per pedale deutlich umfangreicher und – zumindest aus meiner Sicht – entspannter erkunden lässt.

Zuerst überlegten wir für alle Tage Räder zu mieten, aber dann ergab sich das TweepMeet am Freitag und die Demo am Samstag und so war klar, dass wir wirklich erst am Sonntag radeln würden (die Strecke zum Festivalgelände konnten wir problemlos zu Fuß gehen). Und weil der Fahrradverleih* auch Tandems anbietet, überkam es mich und ich reservierte eins für den RB und mich.

Zum Abholen waren wir etwas später dran als vereinbart, weswegen ich dort anrief. Angeblich wäre meine Reservierung nicht im System, aber es wäre noch ein Tandem vor Ort. Aber ganz vielleicht zu groß. SOWAS kann bei mir ja schlechte Laune verursachen! Aber ich fuhr tapfer nicht-grummelnd mit dem RB per Bus zum Verleih. Ein bisschen hin und her, kurze Probefahrt – der RB vorne, ich hinten. Fühlte sich für mich, weil ich nichts sah und nicht lenken konnte, gaaaanz schlimm an, aber wir passten zumindest zusammen auf das Rad …

Foto-Credits: RB

… und wollten das Abenteuer wagen. Es ging kurz nochmal zum AirBnB, um Getränke und Notfallverpflegung aufzuladen. Dort versuchten wir dann aus mehreren Gründen, ob es nicht doch besser passen würde, wenn der RB hinten und ich vorne sitzen würde. Und ja, so war es besser**.

Wir fuhren los. Zunächst etwas wackelig und mir waren das Bremsen und vor allem Wiederanfahren nicht ganz geheuer. Aber wir groovten uns unter den interessierten Blicken „aller“ anderen Spaziergängerinnen und -fahrerinnen ein.

Erster Halt nach gut 4 Kilometern …

Wir fuhren an der Havel, der Babelsberger Enge und Glienicker Lake entlang auf die Wannsee-Insel. Auch da hatten wir die meiste Zeit beim Fahren durch den Wald Wasser an unserer Seite.

Wir fuhren an der Max-Liebermann-Villa vorbei und ich setzte Grüße nach Irland ab. Doch das wunderbare Fräulein war gar nicht in Irland, sondern ganz in unserer Nähe, was sich herausstellte, als wir gerade die Gedenkstätte der Wannsee-Konferenz*** besichtigten. Ein wunderschön gelegener Ort. Aber ein schlimmer Ort. Ein beklemmender Ort.

Dann fuhren wir zurück zur Max-Liebermann-Villa, die zwar auch Geschichte zu erzählen hat, aber trotz allem die Lebensfreude Liebermanns, mit er er diesen Ort geprägt hat, ausstrahlt. Es ging zurück, weil direkt am Wasser an einem Tisch mit vier typischen metallenen Gartenstühlen Mademoiselle ReadOn auf uns wartete und uns mit dieser besonderen Herzlichkeit begrüßte, die aus ihren Texten strömt.

So schön, sie in Echt kennenzulernen und mit ihr zu reden****. Es ist ein Wahnsinn, wie viel Großmut, Geduld, Fürsorge, Selbstlosigkeit und Liebe in einem Menschen stecken.

Dann fuhren wir noch ein kleines Stück zusammen, bis wir wieder auf unserer Tour waren. Wir fuhren weiter entlang der Inselküste, erhaschten einen Blick auf die Pfaueninsel, freuten uns, dass wir ein Mountainbike-Tandem hatten, mit dem wir auch durch die meisten Sandplacken kamen, und machten kurz Halt am Krughorn:

Den RB drückten der Hunger und die müden Beine, aber nun war es nicht mehr weit bis Potsdam. Der Weg führte uns noch über die Glienicker Brücke, zum Pfingstberg (rauf und wieder runter), einmal quer durch Alexandrowka und dann Richtung Innenstadt.

Eigentlich hatte die Routenplanung noch einen Abstecher nach Sanssoucis vorgesehen, aber dann trafen wir am Brandenburger Tor*****, den einzigen Potsdamer, den wir kennen, und gingen mit ihm und seiner Freundin essen und trinken.

Die nächsten Touren – da sind wir uns einig – fahren wir lieber auf getrennten Rädern, aber es wird auch bestimmt nochmal eine Tandemfahrt geben, sollten wir die Möglichkeit haben.*******

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* vermutlich Werbung, auch wenn wir die Mietgebühr selbst gezahlt haben

** Zumindest für mich

*** Das Haus der Wannsee-Konferenz ist kostenlos (Spenden) zugänglich. Das finde ich ehrlich gesagt sehr gut und sehr wichtig.

**** Ich wollte zunächst „plauschen“ schreiben, aber es war mehr als ein Plausch.

***** Ja, die Potsdamer haben ein eigenes.

****** Zuzüglich 3,4 Kilometer für die Rückfahrt zum AirBnB.

******* Wenn ein Pärchen bis zur Tandemfahrt nicht klar miteinander kommuniziert, wird es das spätestens dann lernen oder sollte über Trennung nachdenken.

Beeindruckend

Nachdem wir gestern spät im Bett sind, müssen wir heute früh raus.

Wir sind um 11h00 in Berlin zum Frühstück verabredet. Mit meiner Nichte, die da seit fast zwei Jahren lebt und wir uns bestimmt drei Jahre nicht gesehen haben.

Ich bin schwer begeistert, was für eine coole und taffe Frau aus ihr geworden ist. Und weil sie so cool und taff ist und noch deutlich engagierter als ich, kommt sie natürlich mit zur Demo.

Auf dem Weg zum Demostartpunkt nahe Alex.

Meine zweite Demo in Berlin. 12.000 wurden gezählt. Eine beeindruckende Zahl – auch (oder besonders) für Berliner Verhältnisse. Es gab gute Beiträge. Gute Transparente und Schilder. Und vor allem eine gute, insbesondere nicht aggressive Stimmung. Und ich hätte es wohl nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können, wenn der RB und ich nicht hingegangen wären (und es ist ja nicht so, als hätte es kein Alternativprogramm gegeben*).

Dann ging es wieder zurück nach Potsdam. Mir hatte das Laufen in der Sonne zugesetzt und ich musste mich erstmal hinlegen. Der RB war zu heiß auf den 2. Tag vom Festival und ging schon mal vor. Ich ging erst gut zwei Stunden später hinterher.

Meine Beine und ich … das ist auch so ein Kapitel in meinem Leben.

Heute fanden die Konzerte draußen statt und ich kam rechtzeitig zu Band 3… Nunja, der Sound war gut, aber die Stimme der Frontfrau war (leider) nicht schön. Der RB und ich nutzten den Moment, um das Gelände zu erkunden.

So als Hochbeet find ich Autos gut**

Band 4 war laut, aber gut. Vorausgesetzt eine mag Punk/ Oi.

Brigadir spielte, bis es dunkel wurde, um zum letzten Song Pyros zu zünden.

Der krönende Abschluss – für mich und aus meiner Sicht auch fürs Festival – waren Rhoda Dakar & The Chancers.

Eine beeindruckende Lady des 2Tone (und sie hatte so tolle Schuhe an)

Deutlich früher und deutlich weniger betrunken als am Tag davor gingen wir ins AirBnB, um für den nächsten Tag und das nächste Abenteuer fit zu sein.
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* Fußballspiel

** Keine Diskussion über Öl, Metal, Gummi etc.

K6/F1

Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal auf einem Festival war. Die großen bekannten meide ich ja wie der Teufel das Weihwasser und gehe eigentlich nur auf – am liebsten kleine – Konzerte.

Aber dann kam der RB mit dem Ultrash-Festival ums Eck und dass er da gerne hinwolle. Und weil mir die Musik zusagte, es nicht groß erschien (eher wie zwei Tage Konzert), es in den Ferien und der Kindfrei-Zeit lag, entschied ich, mitzufahren. Dass es in Potsdam stattfand, war ein zusätzlicher Pluspunkt.

Nachdem ich die Lage in der brandenburgischen Landeshauptstadt ein klitzekleines bisschen sondiert hatte, buchten wir die Reise. Ja, Punk ist nicht tot, aber alt und fliegt zum Konzert und hat ein AirBnB.

Wir fliegen verspätet, weswegen ich den Flug nicht genießen kann, denn um 12h00 sollten wir gelandet sein. Um 12h00 startet der VVK für das Frankfurter Feine-Sahne-Fischfilet-Konzert. Um 11h30 starten wir erst. Zum Glück ist das Konzert nicht so schnell ausverkauft und als wir in Berlin sind haben wir die gewünschten 3 Tickets.

Wir nehmen den Bus zum Bahnhof Zoo und treffen uns mit einer Tweep.

Ich mag TweepMeets.

Dann geht’s nach Potsdam: Wohnung beziehen, Kleinkram besorgen, fertig machen und auf zum Festival-Gelände.

Die Konzerte sind in der Halle und so bekommen wir Band 1 nicht richtig mit, weil es draußen so entspannt ist und wir quatschen.

Band 2 ist so gar nicht meins und auch den RB zieht es nicht rein.

Aber wegen Band 3 und 4 sind wir ja vor allem gekommen.

Noch ein kleiner Weit-nach-Mitternachtssnack

Und dann müssen wir schnell schlafen, denn der nächste Tag wird voll und lang und beginnt recht früh.

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* Ich vertrag es einfach nicht mehr.

Liebes Tagebuch am Fünften (Juli 2018)

Heute antworte ich nur ganz kurz auf Frau Brüllens Frage: WMDEDGT?

Recht zeitig aufgestanden, E-Mails gecheckt, gefrühstückt, Wäsche aufgehangen und über einen Text nachgedacht, andere Texte bearbeitet, noch mehr Wäsche aufgehangen, einen Text geschrieben, Wäsche vom Balkon geholt, Balkonmöbel, Herrn Weber und den Strandkorb abgedeckt, mich fertig gemacht, nach OF gefahren, gegessen, getrunken und geholfen, spät mit dem RB nach Hause gefahren, Koffer gepackt, schnell geschlafen.

Es reicht

… mir reicht es zumindest zunehmend. Regelmäßig ärgere ich mich über die Politik, über die zunehmende rechte Haltung, die durch die Gesellschaft wabert und sich langsam aber stetig manifestiert.

Es lässt sich nur mutmaßen und spekulieren, was hinter dem Schmierentheater vom Seehofer tatsächlich steckt. Der RB hat eine Theorie. Ich eine andere. Aber egal welche, so ein Verhalten ist nicht tragbar. Nicht ertragbar und schon gar nicht durch welche Theorie auch immer zu rechtfertigen.

Doch das Schlimmste für mich ist die Haltung: Im Großen und Ganzen geht es uns extrem gut in unserem Wolkenkuckucksheim Deutschland. Vieles Gejammere findet auf extrem hohen Niveau statt. Ja, eine darf das nicht mit der gesamten Weltlage relativeren und ich will auch die Probleme der einzelnen nicht schmälern, aber letztlich geht es uns sehr gut.

Und aus dieser Position heraus krähen ein paar, denen es entweder gar nicht schlecht geht (weil Politiker) oder gar nicht wissen, wovon sie reden (Menschen in Gegenden mit einer extrem niedrigen Migrantenquote), dass „unser Boot“ voll sei.

Es ist einfach nur widerlich, dass diese Leute krähen und Theater machen (dürfen), während und auch damit Menschen bei der Flucht umkommen. Es werden Menschen aktiv daran gehindert, diese Menschen zu retten. Dieser Tweet trifft mein Wut ziemlich gut:

Mich macht diese Bigotterie, dieses Messen mit zweierlei Maß fassungslos und wütend. Und sie ist real. Das ist keine Überspitzung. So sieht es derzeit aus und so kann es nicht weitergehen.

Am liebsten würde ich Wände einrennen, Menschen schütteln und eine Revolution anzetteln.

Geht aber nicht, aber dafür gehe ich erstmal auf eine Demo

Eigentlich wollte mich der RB ja zu meinem ersten Fußballspiel überhaupt schleppen, aber wir sind uns einig, dass die Demo wichtiger ist.

Neben der Demo in Berlin finden am Samstag, 7. Juli, auch in anderen Städten Demos statt:

  • Bremen
  • Zwickau
  • Frankfurt
  • Hannover
  • Heidelberg
  • Leipzig
  • Gießen

Demos sind schon mal ein guter Anfang. Aber eine Revolution wäre auch nicht so verkehrt.

Fast komplett

Ich hatte heute Termine in der Landeshauptstadt. Und weil es mit dem Auto nunmal schneller* geht, habe ich den Wagen vom RB genommen. Was ich aber jedes Mal, wenn ich mit dem Auto diese Strecke fahre, nicht bedenke: Mindesten eine der Fahrten hänge ich im Berufsverkehr. Meistens auf der Rückfahrt.

So auch heute: Auf dem Rückweg erledigte ich noch etwas für den RB und so steckte ich zur besten Zeit (16h45) im Frankfurter Nadelöhr (Alleenring) fest. Ja, Stau ist nervig – insbesondere mit Kupplungswagen -, Stau ist anstrengend … Stau ist einfach blöd.

Aber mal so unter uns: Mich macht Stau aggressiv – und vor allen Dingen die anderen Autofahrer. Ich weiß, es nützt nix und unsinnig ist es auch. ABER ich kann nicht aus meiner Haut. Vor allem, wenn ich im Stadtverkehr schlecht vorankomme, beiße ich regelmäßig ins Lenkrad und schimpfe wie ein Rohrspatz**.

Als ich dann endlich zu Hause war, war ich ausreichend genervt (wenigstens gab es einen Parkplatz direkt vor der Tür). Eigentlich hätte ich direkt an den Laptop gemusst und weiterarbeiten, aber ich war genervt und unbewegt und hatte den ganzen Tag noch nichts vom schönen Wetter. Ergo: Ich musste raus. Ich musste mich draußen bewegen.

Also verdonnerte*** ich den RB, mich bei einer Radtour zu begleiten. Ich plante kurz mit Else, erinnerte mich, dass ich den einen Griff nochmal einstellen musste, dass ich die Klingel auch mal montieren sollte, packte den Rucksack, aß einen Happen, suchte meine Sonnenbrille, montierte Griff und Klingel, pumpte die Reifen auf und gefühlt nach drölfzig Stunden Vorbereitung konnten wir endlich starten.

Eigentlich war es als Rundkurs geplant …

… Zwischenstopp eins war die „Schwanheimer Düne“ und bei der Tourenplanung dachte ich, dass wir eine zweite Pause auf dem Höchster Schlossplatz einlegen könnten****, aber dann mussten wir VOR der Düne erstmal pausieren, denn …

… es gab Brombeeren direkt vom Strauch. (Foto: RB)

Die Düne war schön wie immer. Und ich bin da echt gerne. Das ist so schön anders, so ruhig und da ist noch Urwald und es riecht so gut.

Die Düne wäre ziemlich genau die Häfte vom Rundkurs gewesen, aber bei der Fahrt an der Nidda zeigte sich, dass der RB lieber nicht komplett durchfahren wollte***** und wir stiegen in Rödelheim in den Bus. Der hätte uns auch so gut wie vor die Haustür gefahren, aber es aber voll und wurschtelig und dadurch recht nervig, sodass wir am Dornbusch wieder ausstiegen und den letzten Rest wieder mit dem Rad fuhren.

Die Kilometer- und Anstrengungsersparnis war damit auch wieder halbiert. Mir sollte das recht sein.

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* Wenn ich problemlos durchkomme, dann ist es eine Halbierung der Fahrtzeit (jeweils von Tür zu Tür). Und dabei sind die Unwägbarkeiten des S-Bahnverkehrs noch nicht einmal eingerechnet.

** Der midi-monsieur hat das übernommen und schimpft per se als Beifahrer. Das ist ein ganz guter Spiegel und effektives Korrektiv.

*** Ich wäre auch allein gefahren. Aber dann eine andere Strecke.

**** aber nicht taten, weil *****

***** Völlig in Ordnung, denn er hatte ja schon gut 15 Kilometer in den Beinen und zu viel Apfelschorle im Magen.

Kleine Freuden

Seit ich das Bett mit dem RB teile, ist es ein liebgewordenes Ritual, dass eine*r von uns beiden morgens Kaffee (für ihn) und Tee (für mich) macht. Dank Milchschäumer und Milchtest vom midi-monsieur (die 1,8%-Milch funktioniert am besten) gibt es auch immer Milchschaum für den RB.

Die Milchhaube vom Kaffee hat sich der Mütze vom Det angepasst.

Lustig in dem Zusammenhang: Während der RB seinen Kaffee (mit Milch) nur heiß bzw. sehr warm trinkt (allein deswegen ist es gut, dass es den Milchschäumer gibt), liebe ich kalten Milchkaffee und freue mich auf seinen Rest (und es bleibt meistens eine halbe Tasse wegen zu kalt stehen) im Laufe des Tages.

Meistens trinken wir die ersten Schlucke Heißgetränk noch im Bett, doch wandern dann mit (Kaffee)Tasse und (Tee)Glas auf den Balkon – zum Fühstücken und/ oder Arbeiten.

Denn: BalkonOffice ist einfach toll.

Strahlend blauer Himmel überm BalkonOffice.

Heute waren wir gefühlt den ganzen Tag auf dem Balkon*. Zumindest ich. Der RB musste zwischendurch weg, um seine alte Wohnung zu übergeben. Aus vielen Gründen war das ein Grund zum Anstoßen.

Joah, die Flasche stand schon eine Weile bei mir. Besser ist der Inhalt davon auch nicht geworden.**

Ja, dieser Schlussstrich nach 5 Monate war Blubberwasser-würdig. Aber mal unter uns: Blubberwasser ist nicht meins und gerade das teuere, herkunftsgeschütze Blubberwasser aus Frankreich wird echt überbewertet. Das nächste Mal nehme ich lieber einen Riesling.

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* Was sich auch echt anbietet, denn im Hof herrscht ein Mikroklima mit Wind, wenn es auf der Straße windstill ist und generell ist es da gefühlt 5 °C kühler.

** Es roch nach Apfelschorle und schmeckte auch so.

Begegnung

Am Montag rief mein Vater mich an und erzählte, er würde am nächsten (spätestens am übernächsten) Tag operiert. An der Lunge. Nein, es ist kein Lungenkrebs, aber je nach Stadium ist die Prognose beim ABPA auch nicht so rosig. Es steht zwar nirgens, aber ich vermute stark, dass mein Vater zwischen Stadium III und IV (von V) ist. Und nach einer nicht erfolgreichen medikamentösen Therapie bleibt halt nur eine Resektion des betroffenen Bereiches.

Diese OP bedeutet nun die zweite Vollnarkose neben drei weiteren Sedierungen innerhalb von vier Monaten für meinen Vater. Das ist viel. Und für einen älteren Menschen von 71 Jahren besonders viel. Zumal er durch seine Grunderkrankungen, die ABPA und die medikamentöse Therapie schon ziemlich geschwächt war.

Das gute an der Operation: Der Patient gilt danach als geheilt.*

Am Dienstag war die OP. Meine Mutter informierte mich, es sei alles gut gelaufen und ich entschied, dass ich meinen Papa (und meine Mutter) besuchen wolle – mit dem RB.

Ja, ich fand es etwas komisch und auch etwas doof, dass meine Eltern und der RB sich erstmals im Krankenhaus begegnen. Aber es war ja schon mal anders geplant. Und meine Mama hatte sich ja auch als Empfangkomitee „vor“ dem Krankenhaus postiert, sodass wir zusammen hingehen konnten. (Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass eine zum Eingang vom Krankenhaus aufgrund der SteilhangLage am Teutoburger Wald nicht nur, aber am besten mit einem Fahrstuhl kommt.**)

Ich ging alleine ins Zimmer von meinem Vater***, half ihm, sich fertigzumachen, damit wir in die Cafeteria gehen konnten, während der RB und meine Mutter einen ersten kurzen Schnack hatten.

In der Cafeteria aßen wir dann den Kuchen, den ich gebacken hatte und unterhielten uns. Mein Vater ist köprerlich sehr angegriffen und hat auch viel Substanz verloren. Objektiv sieht er sehr alt und gebrechlich aus. Aber das kann ich subjektiv nicht wahrnehmen. Außerdem hat er ja fast fünf Monate Krankenhausodyssee mit Eingriffen und Therapien hinter sich.

Was aber schön zu sehen war: Er ist geistig voll fit. Er hat zugehört und bei den richtigen Stichworten (Montessori und Faschismus) kam er auch direkt wieder in seinen Doziermodus. (Er nahm auch aufmerksam zur Kenntnis, dass der RB was zum Thema beitragen konnte.)

Nach einer guten Stunde signalisierte er, dass er wieder aufs Zimmer wollte. Wir brachten ihn zurück. Und auch da hätte ich ihn gerne umarmt, aber ***.

Dann fuhren wir mit meiner Mutter nach Hause. Zufälligerweise**** hatte sie was zu essen vorbereitet. Was uns sehr willkommen war, denn außer Brötchen und Kuchen hatten der RB und ich noch nichts gegessen. Wir quatschten zu dritt über vieles und ich ertappte mich bei dem Gedanken, dass vielleicht in meinem Kopf mehr stattfand, als wirklich da war*****, aber zumindest sollte ich mal ablegen, dass eine immer Kind bleibt.

Später als geplant und nach einer Minestrone („Ich weiß auch nicht, wann genau das mit dem Gemüse so eskaliert ist.“******) fuhren der RB und ich dann nach Hause.

Schön war’s.
Gut war’s.
Entspannt war’s.

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* Ja, es ließe sich vortrefflich streiten, warum nicht direkt operiert worden ist, aber eine OP ist – sofern es eine wirksame medikamentöse Option gibt – bei den allermeisten Krankheiten nicht die erste Wahl bzw. ist z.T. gleichwertig und es muss sehr genau hinsichtlich des Patientennutzens abgewägt werden. Denn eine OP ist ein OP ist eine OP.

** Auch nicht unerwähnt lassen will ich, dass der erste Fahrstuhl nicht mehr weiterfuhr, nachdem meine Mutter, der RB und ich zugestiegen waren und seine Fahrt erst fortsetzte, nachdem wir wieder ausgestiegen waren. Vielleicht war das Kilo Kirschen zu viel, aber …

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… vermutlich nur die eine Kirsche.

*** Ich hätte ihn gerne umarmt, aber damit kann mein Vater nicht umgehen.

**** In meiner Familie gilt: Essen ist Liebe. Essen verschmähen geht nicht.

***** Ich kenne meine Mutter. Und die Kommunikation via WA war ja durchaus nicht misszuverstehen.

****** Vermutlich an der gleichen Stelle, an der ich zwei Kuchen backen musste. (Aber die waren jeweils nur halbe Rezepte.)

Gearbeitet und doch nicht gearbeitet

Dieser Ein- und Umzug vom RB zieht sich. Naja, er zog sich. Gestern hat er ihn beendet und irgendwie hat mich das angestachelt, unseren wohnungsinternen Umzug weiter voranzutreiben. Ich räumte das Krusch- … ach, nein, wir wollen es ja jetzt nur noch Gästezimmer nennen, so um, dass wir die eine eigentlich freie* Wand endlich streichen konnten und schnappte mir den RB, als er wieder da war, und ging mit ihm zu unserem gut sortiertem Viertelbaumarkt, um Abdeckplane und Malerrollen zu besorgen. Auf dem Rückweg stärkten wir uns noch mit Eis (Werbung**).

Zu Hause verhängten wir schnell die Möbel mit der Plane, klebten Fußleisten und Steckdosen ab und strichen dann sehr einträchtig übereinander: Ich strich die oberen und unteren Kanten mit dem Pinsel sowie das obere Drittel mit der Rolle und der RB weißelte den Rest dazwischen. Dann ließen wir es trocknen, fingen eine Maus und grillten.

Heute ging der RB irgendwann arbeiten und ich hätte auch was tun müssen. Also arbeiten. Also Texte schreiben. ABER ich war unleidlich (aus Gründen), hatte Kopfschmerzen und wollte nicht arbeiten. Zumindest nicht mit dem Kopf.

Also pinselte ich die eine Kante zum Fenster nochmal über, kümmerte mich um die Wäsche, schob das Regal an seinen finalen Platz, schob die Nähmaschine ebenfalls an den ihr zugedachten Platz, dann schob ich das Gäsebett so, dass wir Platz hätten, Pax auszubauen. Und dann betrachtete ich den Platz und dachte: „Ach, den Pax bekommste auch allein schnell aufgebaut.“ Und so war es dann auch.

So mussten der RB, als er wieder da war, und ich den Schrank nur nach an Ort und Stelle schieben und konnten ihn direkt einräumen.

Weiße Wand
mit Rand
vom Schrank…***

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* frei im Sinne, dass an der Wand kein Schrank o.ä. stehen wird (und sollte, da Außenwand und dadurch Kältebrücken und ja, mit Schimmelschutzfarbe gestrichen)

** Nein, ich bekomme für die Nennung kein Geld. Aber das Eis ist wirklich gut.

*** Ob eine es glaubt oder nicht, aber das Zimmer ist nun viel aufgeräumter. (Es sah zwischenzeitlich echt schlimm aus.)