Gelochert

Ich bin eine Fanin von Vorsorgeuntersuchungen: Ich gehe regelmäßig zum Check-Up (alle zwei Jahre), zweimal pro Jahr zur Gynäkologin (wovon einmal pro Jahr halt Krebsvorsorge mitgemacht wird), einmal pro Jahr zum Augenarzt (Sehstärke, bei Bedarf Augenhintergrund u/o Druck) und auch alle zwei Jahre zum Hautkrebsscreening. Letzteres lasse ich von meiner Haut- und nicht Hausärztin machen. Denn ich bin auch eine Fanin von Fachärztinnen (überhaupt Fachleuten – Anwältinnen, Elektrikerinnen etc.).

Im April war ich zum Hautkrebsscreening und da sagte die Dermatologin: „Frau B., da sind zwei Muttermale, die würde ich gerne vorsichtshalber wegmachen.“ Joah, wenn die Fachfrau das sagt, machen wir das. (Das ist ein bisschen wie Impfen: Wenn mir das aus medizinischer Sicht empfohlen wird, wird das schon seine Richtigkeit haben, da muss ich nichts hinterfragen.)

Heute morgen überlegte ich noch:

Allerdings war es dann, nach Frühstück und nachdem der RB aus dem Haus war, so hektisch, dass ich gar keine Zeit mehr hatte nervös zu werden. In der Praxis musste ich auch nicht lange warten – außerdem hing mir noch der in der U-Bahn gelesene Text vom verehrten Fräulein nach.

Auf der OP-Liege war ich dann doch etwas aufgeregt, da half es auch nicht, dass mir die Hautärztin, die Stellen erstmal betäubte – denn eine Stelle ist an der Nase und wenn einer so mit einer Injektionsnadel an der Nase rumgepiekt wird, treibt einer das ja die Tränen in die Augen… ob eine will oder nicht. Während das Lokalanästhetikum an Nase und Arm wirkte und die Ärztin die Stellen noch einmal desinfizierte, überlegte ich, ob ich sie bitten sollte, zuerst die Nase zu stanzen. Denn – so überlegte ich – wenn es am Arm doch irgendwie unangenehm sein sollte, würde sich das an der Nase sicherlich noch unangenehmer anfühlen. Aber da war sie schon am Arm zugange und es dauerte keine Minute, da war das erste suspekte Hautstück weg – ohne Schmerzen. Dann ging sie direkt zur Nase über und auch da ging es ähnlich schnell. Noch jeweils ein Pflaster drauf – an der Nase hätte eh nicht genäht werden können und am Arm war es nicht zwingend nötig* – und ich konnte gehen.

Die Pflaster** müssen zwei Tage drauf bleiben …

… und ich soll in zwei Wochen für den Befund anrufen.

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* Wäre nur ein Stich geworden. Aber dann hätte der Faden gezogen werden müssen und ob nun einen kleinen Strich als Narbe oder einen kleinen Punkt … das ist nun wirklich wurscht.

** Unter dem an der Nase juckt es schon.

Schweigekloster

Letzter Tag der Projektwoche: Ich kann die Namen von ca 85 Prozent der Kinder. Die restlichen 15 Porzent kann ich zuordnen, wenn ich sie lese.

Als alle endlich sitzen und konzentriert sind, gucken wir nach unseren Bananen. Da hat sich immer noch nicht so viel getan und deswegen bekommen die beheften Bananen nun noch etwas warmes Wasser. Blöd, dass die Sonne nicht scheint.

Dann kümmern wir uns um unsere Geheimtinten: Einige haben mit dreckigen Pinseln gearbeitet, bei denen sieht eine natürlich alles schon vor dem Bügeln. Bei anderen wird es tatsächlich erst durch die Hitze sichtbar:

Wir halten fest: Apfelsaft eignet sich nur so mittel, da er – wenn das Papier nach dem Beschriften nicht im sauerstoffarmen Raum gelagert wird – über Nacht schon ein bisschen vor sich hin oxidiert und dadurch etwas zu erkennen war. Das Zuckerwasser war nicht ausreichend konzentriert (mein Fehler). Und Milch und frischer Zitronensaft funktionieren ganz gut.

Dann müssen die Kinder Plakate gestalten, um die Versuche vorzustellen. Die Motivation ist anfangs nur so mittel, aber dann kommt doch noch Schwung in die Sache.

Weil es in der Pause draußen trocken ist und auch der Sand auf dem Schulhof nicht zu feucht ist, beschließe ich, dass ich doch noch das Experiment mit Feuer und dem Brennspiritus vorführe.

Schwarze Würmer, Schlangen, Hörner*

Der Versuch klappt ganz okay, aber der Sand scheint doch zu feucht und auch ist es zu windig. Aber die Kids finden es trotzdem ganz cool.**

Wieder drinnen dürfen die Kinder dann auch noch einen letzten Versuch mit Feuer machen – naja, sie dürfen kleine Teelichte löschen, ohne dass sie sie auspusten oder mit Wasser ausgießen.*** Bei einigen funktioniert das ziemlich gut, bei einer Gruppe endet es damit, dass mein „Spezialfreundchen“, der von Anfang an latent rotzig und unmotiviert ist, nicht zugehört hat und die Kerze eben doch ausgiest und damit das Projekt für seine Gruppe beendet. Schade, dass es für sie so einen Abschluss haben musste. Aber mit Chemie zu Essen**** sind dann alle wieder besänftigt.

Zu Hause muss ich erst arbeiten. Dann will ich mich hinlegen, aber

Und danach ist es auch zu spät, um mich hinzulegen. Ich wander zurück zur Schule, beklebe die Plakate, sitze dann nochmal zwei Stunden neben ebendiesen und erkläre vorbeikommenden Schülerinnen, Lehrerinnen und Eltern, was wir gemacht haben. „Meine“ Kinder zeigen ihren Eltern stolz, was sie gemacht haben und ich habe mich gefreut, was so alles an Erklärungen bei ihnen hängengeblieben ist. So wie es aussieht, konnte ich einige begeistern:

„Und, Sonja*****, wirst Du später Chemikerin?“, frage ich die Zweitklässlerin. Sie strahlt mich stolz und überzeugt an: „JA!“ Haaach, allein dafür hat es sich gelohnt. Und ich würde es jederzeit wieder machen, aber mal ganz ehrlich:

Ich bin jetzt erstmal reif für eine Woche im Schweigekloster.

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* Der Emser-Pastillen-Klassiker

** Und ich hatte kurzfristig Angst, dass mich gleich eine Lehrkraft aus dem Sand zerrt und ermahnt, nicht rumzukokeln. 😉

*** CO2 aus Backpulver oder Natron mit Zitronensäure oder Wasser+
+ Natürlich funktionierte Natron nur mit Wasser nicht. Die Gruppe bekam von mir später einen Schuss Magic Liquid, aka Zitronensäure, dazu und – tadaaa – es funktionierte.

**** Ahoi-Brausebrocken

***** Name geändert

Da tut sich nichts

Zumindest beim Vergärungsversuch hat sich über Nacht noch nicht so viel getan. Eventuell muss er noch modifiziert werden. Aber wir lassen ihn erstmal noch eine weitere Nacht stehen.

Ansonsten ging es heute um Farben um weitesten Sinne: Wir testeten verschiedene Flüssigkeiten* darauf, ob sie sich als Geheimtinte eignen. (Genaue Auswertung erst morgen, wenn alles getrocknet ist.)

Und dann „malten“ wir Muster mit Zucker und Tinte, …

… Milch, Lebensmittelfarbe und Spüli:

Das machte großen Spaß und ich hörte viele Aahs und Oohs und „das sieht aber cool aus“.

Die Chromatographie auf den Filterblättern hat nicht so toll funktioniert, aber das Grundprinzip konnte gezeigt werden.

Morgen ist die Projektwoche dann schon** zu Ende. Wenn alles gut klappt, machen wir dann noch was mit Feuer.

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* Milch, Apfelsaft, Zitronensaft, Zuckerwasser

** ein bisschen auch „zum Glück“ – noch länger würde ich den Lärmpegel nicht durchhalten.

H-zwei-O und C-O-zwei

Die Übernachtversuche haben gut geklappt: Die Gummibärchen* taten im Wasser. H2O, was sie sollten: Sie lösten sich auf oder wurden größer.

Und auch die Äpfel oxidierten – je nach Vitamin-C-Gehalt – mehr oder weniger stark.

Doch, den Kids macht es großen Spaß zu gucken, was so passieren kann. Und sie denken auch mit, beobachten genau und machen sich so ihre – manchmal etwas speziellen – Gedanken.

Eifrig waren sie auch dabei, als sie – in zugeteilten Kleingruppen – CO2 erzeugen sollten, um Luftballons aufzupusten.

Die Backpulvergruppen hatten natürlich schnellere Effekte und auch etwas mehr Wumms, als sie die Säure auf ihr Pulver kippten. „Überschäumende“ Freude 😉

Dann war die Zeit auch schon um. Wir konnten nur noch einen Vergärungsversuch ansetzen, der mindestens bis morgen, vermutlich aber bis Freitag laufen wird.

Am Abend spülte ich dann unser „Laborgeschirr“:

Mit 23 Kindern fällt so einiges an.**

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* Wir hatten Gummibärchen mit und ohne Gelantine

** Auch wenn das Einmal-Pinnchen sind, spüle ich die, weil ich nicht drölf Millionen davon verschwenden will. Und da war ja nichts Schlimmes drin

Das wird schon

Ich weiß, dass es hier manchmal ganz anders klingt: Aber ich habe einen großen Respekt vor Lehrerinnen – insbesondere Grundschullehrerinnen. Also davor, dass sie den Job ergriffen haben. Und es soll ja auch tatsächlich welche geben, die das mit Herzblut, Leidenschaft und aus einer Art Berufung heraus machen. Wurde mir erzählt. Ich hätte ganz einfach nicht die Geduld dafür. Wobei ich es total spannend und faszinierend finde, zu sehen, wie Kinder Wissen verarbeiten, wie sie Informationen aufsaugen, wie sie Spaß an Lernen haben, wenn – ja, wenn – es entsprechend vermittelt wird. Wenn Wissen erlebt und direkt begriffen werden kann. Und das gilt meiner Meinung nach insbesondere für Naturwissenschaften.

Aus diesem Grund fand ich es toll, dass der midi-monsieur damals einen Experimente-Geburtstag wollte. Aus diesem Grund habe ich eine Idee und aus dem gleichen Grund wage ich mich diese Woche in die Höhle der Löwen biete ich an der Schule vom Kind ein Projekt im Rahmen der Projektwoche an. Der vielversprechende Titel „Alles ist Chemie“ hat zu 185 Anmeldungen geführt, von denen mir 25 Kinder zugeteiltlost wurden. Die Kinder aus der Klasse vom Kind waren alle außen vor. Die bekommen einen extra Projekttag mit mir.

Die zwei Wochen vor Pfingsten waren so stressig und voll, dass ich nicht wirklich die Ruhe hatte (außerdem hatte ich eine Stimme im Ohr, die die ganze Zeit sagte: „Das wird schon.“), meine doch nicht gerade geringe Buchauswahl zum Thema durchzugehen und mir zu überlegen, welche Experimente ich mit den Kids machen könnte.

Es gibt viel tolle Literatur zum Thema.

Und so wurde es Pfingstsamstag – also vor drei Tagen -, bis ich endlich mal plante. Nunja, gut, dass unser Supermarkt bis Mitternacht geöffnet ist.

Gestern Abend dann packte ich eine große Tasche mit diversem Kram und die Stimme im Ohr sagte immer noch: „Das wird schon.“

Ja, es wurde: Wir lernten uns erstmal kennen, sprachen über Erwartungen an das Projekt – Ich will lernen, wie man eine Bombe baut. Ich möchte die Schule explodieren lassen. – und ich machte eine Labor- bzw. Sicherheitsanweisung.

25 Kinder im Schach zu halten, ist nicht ganz so einfach.* Die Namen von zweidrei Pappenheimern kannte ich direkt nach einer halben Stunden, bei einigen anderen weiß ich sie vermutlich am Ende der Woche noch nicht. Aber im Großen und Ganzen waren die Kids begeistert bei den ersten beiden Versuchen – Gummibärchen in Wasser, Apfel-Vitamin-C – dabei.

Morgen dann werden wir uns angucken, was aus dem heutigen Versuche** geworden ist.

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* Ich werde aber die ganze Woche über unterstützt.

** Werden beide über Nacht oder zumindest einen längeren Zeitraum angesetzt.

Versuch und …

Das Kind hat ja eine Antibiose gewonnen. Das ist nicht wirklich erstrebenswert, aber manchmal eben notwendig.

Blöd ist allerdings, wenn das Kind eine Stunde nach der zweiten Antibiotikumsdosis kotzt. Da fragt sich eine dann schon: Verträgt er das Zeug nicht? Ist es wirklich das AB?

Allerdings war er nach dem Kotzen erstaunlich gut drauf. Er fühlte sich besser als am Tag zuvor, turnte frühlich rum, hatte kein Fieber und auch sonst keine Anzeichen auf Unverträglichkeit.

Ich rief beim KiÄBD an. Naja, ich versuchte es. Denn telefonisch sind die nicht erreichbar. Das bedeutet, dass wir nur um abzuklären, ob das Medikament wirklich gewechselt werden muss, dahin fahren müssten. Einmal quer durch die Stadt und sich vermutlich in eine elend lange Schlange* von feiertagskranken Kindern einzureihen.

Ich beschloss, den midi-monsieur zu beobachten. Er wirkte fit, fühlte sich deutlich besser. Ich überlegte: Entweder

  • lassen wir die abendliche Dosis aus und gehen am nächsten Tag zum Kinderarzt**

oder

  • wir versuchen es noch einmal und er nimmt die abendliche Dosis. Wenn es ihm nicht bekommen sollte, können wir immer noch auf „entweder“ zurückkehren.

Wir bekamen Gäste, hatten einen schönen Nachmittag und Abend. Der midi-monsieur war immer noch fit, musste auch nach Kuchen und Grillen nicht spucken.

Tja, ich wäre wohl nicht ich, wenn ich es nicht doch noch einmal versuchen würde. Der Verlauf des restlichen Abends und der Nacht zeigten – glücklicherweise -, dass das kein Irrtum war.

(Ja, ich weiß: Hätte auch anders laufen können. Und vielleicht war es auch etwas viel Versuch – so von außen betrachtet. Aber ich bleibe dabei: Ich kenne mein Kind.)

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* Die stand da nämlich gestern, als wir gegen 13h10 den KiÄBD mit Diagnose und Rezept verließen. Glücklicherweise waren wir nach dem Frühstück direkt hingefahren und so deutlich vor 12h00 da gewesen.

** Dann hätte der RB mit dem Kind gehen müssen, denn ich biete ja ein Projekt bei der Projektwoche an der Schule des Kindes an.

Aufklärung – immer mal wieder

Letztens sitzen zwei junge Männer auf meiner Essbank und giggeln: „Du, Mama, wie heißt das, wenn sich zwei Frauen lieben?“
„Lesbisch.“
„Und wenn sich zwei Männer lieben?“
„Schwul“, antwortet der beste Kindkumpel.
Verständiges Nicken.
„Und der Überbegriff für beides: homosexuell“, gebe ich zu bedenken.
Die Jungs gucken sich an und kichern: „Hihi, sexuell…“

Das Thema Sex ist derzeit höchst präsent beim midi-monsieur und seinern Peergroup Kumpels. Was an mehreren Dingen liegt: Da sind zum einen die Viertklässler aus dem Hort, die Sexualkundeunterricht haben. Die eine Lehrerin ist schwanger – da muss man ja auch wissen, wie das so geht. Und hier zu Hause wird es sicherlich dadurch unterstützt, dass der RB da ist und wir uns halt auch mal küssen (und nein, natürlich nicht VOR dem Kind Sex haben). Küssen ist eine Vorstufe zum Sex. Aber Küssen ist auch bäh. Und vermutlich müsste ich mir mehr Gedanken machen, wenn der midi-monsieur das ekelige Geknutsche einfach zu hinnehmen würde. So schmunzel ich und verweise auf so in 5 bis 7 Jahre, was natürlich noch ekeliger ist…

Aber so ekelig und komisch das alles mit dem Sex ist, so interessant ist es natürlich auch. Und so stellt der midi-monsieur Fragen. Das Prinzip „Geschlechtsverkehr“ ist ihm schon länger geläufig, aber da gibt es ja viel drumherum, was noch besprochen werden kann, muss und sollte. Dabei bin ich sehr froh, dass er die Begriffe „Penis“ und „Scheide“ ganz normal benutzt und wir nicht irgendwelche „verniedlichen“ Worte finden müssen. Denn mal ganz ehrlich: Entweder sind die Begriffe total albern oder taugen vor allem zu Dirty Talk. Beides eher nicht so meins.

Wenn er fragt, bekommt er eine Antwort. Eine sachlich richtige Antwort. Bienen und Blumen gab es hier noch nie und ich finde es auch nicht schlimm, wenn er mit seinen 8 Jahren die „Fachbegriffe“ gleich richtig kennenlernt. Daher sprechen wir über Spermien, Eierstöcke, Eizellen, DNA, die Gebärmutter, Regelblutung und so weiter. Heute fing das Gespräch damit an, dass er postulierte, dass man Sex nicht nur hat, um schwanger zu werden.

Ja, katholisch ist hier keiner… Und ich erklärte weiter, dass man auch gar nicht bei jedem Mal Sex schwanger werden kann. Dass verschiedene Faktoren zusammenkommen müssen, damit die Frau schwanger wird, und malte stilisiert die inneren Geschlechtsorgane einer Frau auf.

Nach der ersten Erklärungsrunde wusste er dann, dass – normalerweise – immer eine Eizelle pro Zyklus heranreift. Dass es ein taugliches und erfolgreiches Spermium bedarf, damit diese befruchtet wird und dass sich die befruchtete Eizelle in die Schleimhaut in der Gebärmutter einnistet. Schmunzeln musste er, als ich sagte, dass sich Eizelle und Spermium auch verpassen können: Eizelle kommt von rechts und das Spermium schwimmt nach links. Tja, dann zack, „Bus verpasst“ (wie er es selbst ausführte).

Dann ging es in die nächste Runde: Weil es für ihn ja gerade großes Thema ist, dass er – auf gar keinen Fall – noch ein Gechwister bekommen möchte, ging ich auf das Prinzip der Hormonspirale ein und warum ich deswegen ja nicht mehr schwanger werden kann. Es war ausgesprochen aufschlussreich zu sehen, wie sehr ihn diese Zeichnung und Erklärung beruhigten. Mein Wort, dass er kein Geschwister bekommen würde, hatte da nicht so viel Gewicht gehabt bislang.

Und weil wir gerade im Thema waren und er das Wort aufbrachte, sprachen wir auch über „pervers“. Ich weiß, dass das Wort keine ausschließliche sexuelle Konnotation hat, aber für mich kommt das Wort daher und ich tue mich extrem schwer, es anders zu hören. Daher erklärte ich es ihm. Wir googelten zusammen und lasen, was da stand „(in sexueller Hinsicht) widernatürlich“. Tja, was bedeutet das und wie erkläre ich es dem Kind? Gibt es da eine allgemeingültige Definition, was widernatürlich ist, oder definiert das jede für sich? Ein heikles Thema, das aber besprochen werden wollte: „Pervers ist Sex, wenn einer etwas gut findet, womit einem anderen geschadet wird.“ Und weil ich viele Spielarten unter Erwachsenen für mich zwar nicht interessant, aber nicht zwingend wideratürlich finde, kam ich nicht umhin, auf Pädophilie einzugehen. „Wenn jemand Sex mit Kindern haben möchte, dann ist das pervers. Denn Sex sollte immer etwas zwischen Gleichberechtigten sein. Und Sex sollten auch immer beide wollen. Und ein Kind will für gewöhlich keinen Sex.“ Es arbeitete in ihm. „Du findest ja schon Küssen ekelig. Stell Dir vor jemand Fremdes will Dich küssen? Und Sex willst du ja auch noch nicht. Sex ist nur erlaubt, wenn beide es wollen und daran Spaß haben.“

Damit beendeten wir das Thema – vorerst -, sprachen kurz noch darüber, dass auch „geil“ eine andere Bedeutung neben töfte, super und knorke hat und er sich jetzt wohl überlegt, ob er das Wort wirklich so oft benutzen möchte.

Die nächsten Fragen kommen bestimmt.

Entdeckung

Das Schöne am Freiberuflichsein ist ja, dass ich im Zweifelsfall aus dem Fenster gucken, das Wetter für gut befinden und dann raus gehen kann. Denn schreiben kann ich im Zweifelsfall auch wenn es dunkel ist. Besonders schön ist, wenn man diese Freiheiten zu zweit genießen kann.

Und so kam es heute Nachmittag zu einem Spaziergang bei bestem Wetter und mit tollster Begleitung in bislang unbekannte Gefilde. Also unbekannt im Sinne von: bislang nicht dagewesen.

Dabei machte ich eine Entdeckung, die eine Idee von mir unterfütterte. Und nun habe ich noch größere Lust, diese umzusetzen. Mein innerer Erklärbär freut sich auch schon.

Nachhängen

Seit Montag hängt mir ein Gedanke nach, der durch einen gestern Abend (korrekterweise heute morgen früh) geguckten Film verstärkt wurde.

Einer meiner beruflichen Schwerpunkte sind onkologische Themen, also Krebstherapien. Ich muss mich in dem Zusammenhang mit den Leitlinien zu der jeweiligen Krebsart und Studien zu dem jeweiligen Medikament beschäftigen.

Allein das macht sehr demütig und dankbar für die eigene Gesundheit.

Doch – sicherlich auch durch die abstrakte und rein wissenschaftliche Dauerpräsenz dieser Thematik, die immer wieder von realen Fällen gepusht wird – frage ich mich regelmäßig: „Was wäre, wenn ich die Diagnose Krebs bekäme?“ Wie würde ich reagieren. Wie würde ich Therapien gegenüberstehen. Weiß ich zu viel?

Sicherlich hängt viel von der Krebsart ab. Von einigen Entitäten habe ich nur rudimentäre Ahnung. In anderen bin ich dafür halt sehr tief drin. Und ich stelle mir vor, ich „müsste“ dem Arzt, der mir bei einer solchen ein mir bekanntes Medikament erklären will, sagen: „Ich kenne alle (relevanten) Studien dazu.“ Und würde ich, wenn ich wüsste, wie gut oder halt auch nicht so gut die Therapie (oder irgendwelche Alternativen) meine Prognose verbessert, die Behandlung ablehnen? Oder würde ich hoffen (wollen), dass ich zu den wenigen gehören, bei denen das Medikament bestens anschlägt?

Schwerer Gedanke. Und auch abstrakt – zum Glück. Aber trotzdem will ich ihn nicht wegwischen. Soll er mir ruhig etwas nachhängen.

Liebe Männer,

es ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal, wie Ihr es findet, wenn ich (oder halt wer anders) über Menscups, PMS und sonstige assoziierte Themen twittere und blogge.

Ja, das Thema ist sicherlich nicht so rosig-duftig-glattgeleckt wie irgendwelche Hochglanz-Bildchen von irgendwelchen perfekt gephotoshopten Models. Aber glaubt mir: Wenn die es sich nicht durch irgendeine Essstörung kaputt gemacht haben, haben auch diese Frauen einen Zyklus und Menstruation. Und vielleicht menstruierte das Model sogar an dem Tag, an dem eines der Bilder gemacht worden ist. Ja, jetzt guckt nicht so. Man sieht es ja nicht.

Man sieht es nicht und das ist auch gut so. Ich muss davon auch keine Bilder sehen. Aber dass Ihr vom alleinigen Darüberreden/ -schreiben Kopfkino bekommt, ist nicht mein Problem. Wir Frauen haben uns das mit den monatlichen Blutungen auch nicht ausgesucht oder laut hier geschrien, dass wir das unbedingt haben wollen. Aber es ist, wie es ist und damit müssen wir umgehen. Und ich finde wir Frauen machen das im Großen und Ganzen ganz gut. Und ja auch durchaus diskret. Was – zumindest in unseren Gefilden – dank Milliarden verschiedener Monatshygieneartikel* auch möglich ist. ABER: Es passiert trotzdem! Dieser ganze Zyklus passiert – ob wir es wollen oder nicht.

In meinem Dunstkreis habe ich zum Glück keine Frau, die von der eigenen Menstruation unangenehm oder gar peinlich berührt ist. „Jippie“ ruft sicherlich keine und hausieren geht damit auch keine. Aber es guckt auch keine verschämt weg, wenn das Thema zur Sprache kommt.

Und ganz ehrlich: DAS wünsche ich mir auch von Euch Männern. Tut nicht so, als gäbe es das alles nicht oder als ginge Euch das nichts an. Denn es geht Euch sehr wohl etwas an. Zumindest, wenn Ihr mit einer Frau Sex habt (haben wollt) und/ oder in einer Beziehung steckt. Wenn Ihr das so ekelig findet, solltet Ihr vielleicht über Gummipuppen nachdenken.

Ich erwarte nicht, dass Ihr nun Eure Frauen bei der Monatshygiene unterstützt oder Euch mit blutigentsprechendem Bildmaterial sensibilisiert. Ersteres will wohl auch keine Frau und für Zweiteres habt Ihr ja Euer Kopfkino. 😉

Aber einfach eine Vorstellung davon, was allmonatlich im Körper einer Frau passiert, würde durchaus das Verständnis fördern. Ja, der weibliche Hormonzyklus ist ziemlich komplex.**  Doch gerade deswegen täte es Euch gut, sich ein bisschen mehr (also überhaupt mal) mit dem Zyklus der Frau zu beschäftigen. Dann wären Sprüche wie „Oh, so zickig wie die ist, hat die bestimmt ihre Tage“ oder „Die ist bestimmt total untervögelt“ endlich mal passé***. Und an Kommentare wie „Ein wahrer Pirat sticht auch ins rote Meer“ würde dann auch keiner mehr denken, wenn Frau „mal wieder“ keine Lust hat, weil sie ihre Tage hat.

Und bevor jetzt welche von Euch vor lauter „aber“-Schnappatmung*** vor ihrem Device ohnmächtig werden, gebe ich Euch noch was auf den Weg: Auch wenn das grundlegende Prinzip, also wann welche Hormone an- und abfluten und wie sie mit- oder gegeneinander wirken, bei allen Frauen gleich ist, ist die individuelle Wirkung zum Teil sehr unterschiedlich. Das führt dazu, dass bei manchen Frauen die Stimmungsschwankungen minimal sind. Andere haben schlimme PMS-Tage. Wieder andere leiden unter der Menstruation sehr (v.a. Schmerzen), während andere kaum etwas merken. Einige spüren auch viel in den Brüsten (weswegen diese Brustfixierung bei Euch Männern auch manchmal sehr kontraproduktiv bis unangenehm ist).

Und das Blöde – nicht nur für Euch Männer – ist, dass all das von Zyklus zu Zyklus variieren kann. Das macht das Zusammenleben mit uns Frauen nicht unbedingt einfach(er), aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir, also Frauen und Männer, mit ein ein bisschen mehr Verständnis Eurerseits deutlich weniger Stress und mehr Spaß miteinander haben könnten.

Beste Grüße,
B.

(Neben einem unsäglichen Tweet, der die letzten Tage durch Twitter geisterte, hat mich eine sehr gute nächtliche Diskussion inspiriert. Ich hoffe, Du weißt, dass Du gemeint bist. 😉)

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* Und um da den Markt zu überblicken, ist es durchaus hilfreich, darüber zu reden.

** Nachzulesen z.B. hier und hier. Zumindest kann das mal eine grobe Übersicht geben.+
+ Und wenn Ihr das mal ansatzweise kapiert habt, verstündet Ihr auch besser, warum die Pille für Frauen, insbesondere junge, nicht so der Knaller ist. Aber das ist ein eigenes Thema.

*** französisch korrekt: passés

**** „Aber ich kenne eine Frau, die hat das nie oder die fand Sex immer toll.“++
++ Ja, vielleicht hat sie Glück oder es nicht zugegeben.