Nachhängen

Seit Montag hängt mir ein Gedanke nach, der durch einen gestern Abend (korrekterweise heute morgen früh) geguckten Film verstärkt wurde.

Einer meiner beruflichen Schwerpunkte sind onkologische Themen, also Krebstherapien. Ich muss mich in dem Zusammenhang mit den Leitlinien zu der jeweiligen Krebsart und Studien zu dem jeweiligen Medikament beschäftigen.

Allein das macht sehr demütig und dankbar für die eigene Gesundheit.

Doch – sicherlich auch durch die abstrakte und rein wissenschaftliche Dauerpräsenz dieser Thematik, die immer wieder von realen Fällen gepusht wird – frage ich mich regelmäßig: „Was wäre, wenn ich die Diagnose Krebs bekäme?“ Wie würde ich reagieren. Wie würde ich Therapien gegenüberstehen. Weiß ich zu viel?

Sicherlich hängt viel von der Krebsart ab. Von einigen Entitäten habe ich nur rudimentäre Ahnung. In anderen bin ich dafür halt sehr tief drin. Und ich stelle mir vor, ich „müsste“ dem Arzt, der mir bei einer solchen ein mir bekanntes Medikament erklären will, sagen: „Ich kenne alle (relevanten) Studien dazu.“ Und würde ich, wenn ich wüsste, wie gut oder halt auch nicht so gut die Therapie (oder irgendwelche Alternativen) meine Prognose verbessert, die Behandlung ablehnen? Oder würde ich hoffen (wollen), dass ich zu den wenigen gehören, bei denen das Medikament bestens anschlägt?

Schwerer Gedanke. Und auch abstrakt – zum Glück. Aber trotzdem will ich ihn nicht wegwischen. Soll er mir ruhig etwas nachhängen.

Liebe Männer,

es ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal, wie Ihr es findet, wenn ich (oder halt wer anders) über Menscups, PMS und sonstige assoziierte Themen twittere und blogge.

Ja, das Thema ist sicherlich nicht so rosig-duftig-glattgeleckt wie irgendwelche Hochglanz-Bildchen von irgendwelchen perfekt gephotoshopten Models. Aber glaubt mir: Wenn die es sich nicht durch irgendeine Essstörung kaputt gemacht haben, haben auch diese Frauen einen Zyklus und Menstruation. Und vielleicht menstruierte das Model sogar an dem Tag, an dem eines der Bilder gemacht worden ist. Ja, jetzt guckt nicht so. Man sieht es ja nicht.

Man sieht es nicht und das ist auch gut so. Ich muss davon auch keine Bilder sehen. Aber dass Ihr vom alleinigen Darüberreden/ -schreiben Kopfkino bekommt, ist nicht mein Problem. Wir Frauen haben uns das mit den monatlichen Blutungen auch nicht ausgesucht oder laut hier geschrien, dass wir das unbedingt haben wollen. Aber es ist, wie es ist und damit müssen wir umgehen. Und ich finde wir Frauen machen das im Großen und Ganzen ganz gut. Und ja auch durchaus diskret. Was – zumindest in unseren Gefilden – dank Milliarden verschiedener Monatshygieneartikel* auch möglich ist. ABER: Es passiert trotzdem! Dieser ganze Zyklus passiert – ob wir es wollen oder nicht.

In meinem Dunstkreis habe ich zum Glück keine Frau, die von der eigenen Menstruation unangenehm oder gar peinlich berührt ist. „Jippie“ ruft sicherlich keine und hausieren geht damit auch keine. Aber es guckt auch keine verschämt weg, wenn das Thema zur Sprache kommt.

Und ganz ehrlich: DAS wünsche ich mir auch von Euch Männern. Tut nicht so, als gäbe es das alles nicht oder als ginge Euch das nichts an. Denn es geht Euch sehr wohl etwas an. Zumindest, wenn Ihr mit einer Frau Sex habt (haben wollt) und/ oder in einer Beziehung steckt. Wenn Ihr das so ekelig findet, solltet Ihr vielleicht über Gummipuppen nachdenken.

Ich erwarte nicht, dass Ihr nun Eure Frauen bei der Monatshygiene unterstützt oder Euch mit blutigentsprechendem Bildmaterial sensibilisiert. Ersteres will wohl auch keine Frau und für Zweiteres habt Ihr ja Euer Kopfkino. 😉

Aber einfach eine Vorstellung davon, was allmonatlich im Körper einer Frau passiert, würde durchaus das Verständnis fördern. Ja, der weibliche Hormonzyklus ist ziemlich komplex.**  Doch gerade deswegen täte es Euch gut, sich ein bisschen mehr (also überhaupt mal) mit dem Zyklus der Frau zu beschäftigen. Dann wären Sprüche wie „Oh, so zickig wie die ist, hat die bestimmt ihre Tage“ oder „Die ist bestimmt total untervögelt“ endlich mal passé***. Und an Kommentare wie „Ein wahrer Pirat sticht auch ins rote Meer“ würde dann auch keiner mehr denken, wenn Frau „mal wieder“ keine Lust hat, weil sie ihre Tage hat.

Und bevor jetzt welche von Euch vor lauter „aber“-Schnappatmung*** vor ihrem Device ohnmächtig werden, gebe ich Euch noch was auf den Weg: Auch wenn das grundlegende Prinzip, also wann welche Hormone an- und abfluten und wie sie mit- oder gegeneinander wirken, bei allen Frauen gleich ist, ist die individuelle Wirkung zum Teil sehr unterschiedlich. Das führt dazu, dass bei manchen Frauen die Stimmungsschwankungen minimal sind. Andere haben schlimme PMS-Tage. Wieder andere leiden unter der Menstruation sehr (v.a. Schmerzen), während andere kaum etwas merken. Einige spüren auch viel in den Brüsten (weswegen diese Brustfixierung bei Euch Männern auch manchmal sehr kontraproduktiv bis unangenehm ist).

Und das Blöde – nicht nur für Euch Männer – ist, dass all das von Zyklus zu Zyklus variieren kann. Das macht das Zusammenleben mit uns Frauen nicht unbedingt einfach(er), aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir, also Frauen und Männer, mit ein ein bisschen mehr Verständnis Eurerseits deutlich weniger Stress und mehr Spaß miteinander haben könnten.

Beste Grüße,
B.

(Neben einem unsäglichen Tweet, der die letzten Tage durch Twitter geisterte, hat mich eine sehr gute nächtliche Diskussion inspiriert. Ich hoffe, Du weißt, dass Du gemeint bist. 😉)

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* Und um da den Markt zu überblicken, ist es durchaus hilfreich, darüber zu reden.

** Nachzulesen z.B. hier und hier. Zumindest kann das mal eine grobe Übersicht geben.+
+ Und wenn Ihr das mal ansatzweise kapiert habt, verstündet Ihr auch besser, warum die Pille für Frauen, insbesondere junge, nicht so der Knaller ist. Aber das ist ein eigenes Thema.

*** französisch korrekt: passés

**** „Aber ich kenne eine Frau, die hat das nie oder die fand Sex immer toll.“++
++ Ja, vielleicht hat sie Glück oder es nicht zugegeben.

Nobelpreis

Im Draft liegt ein Rant. Doch der Draft ist auf dem Rechner und ich habe gerade nur das Handy zur Hand.

Daher macht Euch doch auch Gedanken darüber, ob die Erkenntnisse, die dem diesjährigen Nobelpreis für Medizin zugrunde liegen, helfen können, neue Arbeitszeitmodelle zu etablieren. Ob zukünftig Lerchen nicht blöd angeguckt werden, wenn sie um 15h00 den Arbeitsplatz verlassen (weil sie schon seit 6h00 arbeiten)?! Und dass über Nachtigallen nicht mehr die Nase gerümpft werden, weil sie erst um 11h00 oder später zur Arbeit erscheinen (aber dann problemlos bis 20h00 und länger bleiben)?

Sowas diskutiere ich nämlich gerade.

Kürchen

So ging es mir vor zehn Tagen und es war ziemlich unerträglich. Der Akku war leer. Sicherlich müsste ich auch endlich mal richtigen Urlaub machen, aber … ach .. selbst und ständig. Und so kurzfristig ging es eh nicht.

Nach dem Rat von Inkanina und mit meinem zusammengekratzen Wissen beschloss ich, dass ich mal endlich wieder das Vitamin D nehme, dass ich ja seit fast zwei Jahren mehr oder weniger regelmäßig nehme. Dazu habe ich mir dann noch Vitamin-B12 (mit Zink) und – viele jemals schwanger gewesenen Frauen werden nun verständnislos den Kopf schütteln – Floradix Kräuterblut besorgt. Herrje, das war vielleicht ein Gedöns im Reformhaus. Seit der Schwangerschaft mit dem midi-monsieur hat sich auch in diesem Marktsegment einiges getan und so gibt es nun – gefühlt – 100 Kräuterblutvarianten. Ich habe micht trotzdem für den Klassiker entschieden.

Das alles nehme ich seitdem mehr oder weniger regelmäßig. Und ja, ich würde durchaus behaupten, dass es mir mittlerweile deutlich besser geht. Müde bin ich immer noch, aber das könnte auch durchaus daran liegen, dass ich etwas wenig schlafe.

Naja, mal sehen, was die Ärztin im Dezember beim Check-Up sagt.

Die Gefahr lauert im Eierkarton

Die liebe Katharina postete auf instagram ein Bild von einem Eierkarton mit einer Kresseanzucht drin und schrieb:

Der Hypochonder in mir schreit natürlich auf: Kresse im Eierkarton? Da sind die Salmonellen schon mit eingebaut 😜. Sozusagen eine EHEC-Brutstation 😰.

Mein erster Impuls – ich gebe zu, dass Mikrobiologie nicht mein Lieblingsfach war – war: „Salmonellen und EHEC im Karton??? Wie sollen die da reinkommen?“ Und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass es im Studium mal um Salmonellen ging. Zum Glück hatte auch noch niemand in meinem Umfeld eine Salmonellose.

Was ist also dran an dieser Salmonellen-Panik?*

Ich muss ja gestehen, dass ich da nicht so empfindlich bin. Bei mir stehen Eier auch nicht im Kühlschrank (Tomaten übrigens auch nicht, aber das aus anderen Gründen). Gut, bei mir gibt es eigentlich selten etwas mir rohen Eiern. Da fällt mir eigentlich nur meine Mousse au Chocolat ein. Aber sonst kommen Eier in den Kuchen und da werden sie durchgebacken und die Eier zur Grie Soß sollen ja hartgekochte sein. Und bislang – klopf auf Holz – hat uns das noch nicht dahingerafft. (Keine anektdotische Evidenz)

Aber was ist denn mit diesen Salmonellen? Wo lauern die wirklich und wie werden die gefährlich?

Da ich nun kein wandelndes Salomonellen-Lexikon bin, trage ich hier mal meine Recherche, die hauptsächtlich aus Informationen des Robert-Koch-Instituts, des Bundesinstitutes für Risikobewertung, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel und der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung/ Infektionenschutz besteht, zusammen:

  1. Salmonellen sind Bakterien**, von denen es 2.400-2.500 sogenannte Serovare (Serotypen), also grob gesagt „Unterarten“ gibt.
  2. Grob unterteilt gibt es es Salmonellen, die Typhus bzw. Paratyphus verursachen und welche, die eine Salmonella-Enterititis hervorrufen. Letzteres ist ja das Gefürchtete. Aber das ist nicht Magen-Darm, sondern nur Darm – genau genommen eine Darmentzündung.
  3. Um zu erkranken, müssen ausreichend Salmonellen den sauren Magensaft überleben. Bei einem gesunden Erwachsenen sind 100.000 bis 10.000.000 Erreger erforderlich.
    Bei Kleinkindern, alten Menschen und solchen mit wenig Magensäure können auch viel weniger Salmonellen – weniger als 100 – zu einer Salmonellose führen.
    Aber auch bei stark fetthaltigen Lebensmitteln (Käse, Schokolade, Salami) reichen oft weniger Bakterien aus, um zu einer Erkrankung zu führen.***
  4. Salmonellen können sich bei Temperaturen zwischen 10 und 47°C vermehren. Sie werden durch Einfrieren nicht abgetötet. Und sie sind in oder auf verschiedenen Lebensmitteln bis zu mehrere Monate überlebensfähig.
  5. Salmonellen sind höchst ansteckend. Die Inkubationszeit, also Zeit von Ansteckung bis Krankheitsausbruch, beträgt in der Regel 12–36 Stunden. Eine Ansteckungsgefahr besteht solange wie die Salmonellen ausgescheiden werden. Das kann insbesondere bei Kindern sehr lange sein (7 Wochen oder mehr).
  6. Salmonellen gelangen immer über den Mund in den Körper. Ursachen sind:
    Lebensmittel
    – Übertragung von Mensch zu Mensch
    – Kontakt mit Haustieren; Besonderes Augenmerk: Bis zu 90 Prozent der Reptilien (Schildkröten, Leguane etc.) sind mit Salmonellen infiziert. Und dort befinden sich die Erreger nicht nur in den Ausscheidungen der Tiere, sondern auch auf der Haut, im Rachen oder an der Kloake.
  7. Im Normalfall wird eine Salmonellen-Infektion nicht medikamentös behandelt. Nur bei besonders empfindlichen Personen (s. 3) und wenn die Erkrankung besonders heftig verläuft, werden Antibiotika eingesetzt.

Das also zu den wichtigen Fakten (die Symptome habe ich mal weggelassen) über Salmonellen. Salmonellen finden sich vor allem in/auf eiweißreichen Lebensmitteln (Eier, Fleisch, Milch). Sind diese Lebensmittel stark mit Salmonellen besiedelt, hat dies grundsätzlich mit mangelnder Hygiene oder falscher Zubereitung zu tun. In den Lebensmittelbetrieben werden daher strikteste Hygienestandards eingehalten. Eine geringfügige Zahl von Salmonellen kann man dennoch gelegentlich finden. Die können wir aber (s. 3.) gut verkraften. Dennoch sollte man auf Folgendes achten:

  • Hände waschen
  • Verfallsdatum und ununterbrochene Kühlkette
  • eiweiß- und wasserreiche Lebensmittel immer in den Kühlschrank
  • Gefährdete Lebensmittel ausreichend erhitzen: > 70 °C und min. 10 Minuten
  • Vorgekochtes möglichst schnell auf unter 10 °C abkühlen.
  • Essen nicht lange bei ≤ 60 °C warm halten
  • Beim Auftauen von Geflügel- und Wildfleisch dafür sorgen, dass das Auftauwasser abläuft
  • Alle Gegenstände, die mit potentiell Kontaminiertem in Kontakt gekommen sind, gründlich mit möglichst heißem Wasser reinigen.
  • Instantprodukte (dazu zählt auch Säuglingsnahrung) nur direkt vor dem Verbrauch und ausreichend heiß zubereiten und möglichst sofort (spätestens innerhalb von höchstens 2 Stunden) verbrauchen.
  • Küchentücher oft wechseln – und nur solche benutzen, die für den Kochwaschgang geeignet sind.

Das ist alles schön allgemein und zu den Eiern im Besonderen findet man nicht so viel. Aber es scheint Konsenz zu sein, dass sich beim Ei Salmonellen zunächst vor allen Dingen auf der Schale befinden. Allein dadurch, dass Salmonellen natürliche Hühner-Darmbewohner sind und dann über den Kot und so weiter… Allerdings hat das Ei verschiedene Mechanismen, sich vor den Bakterien zu schützen. So unter anderem die Schale selbst, die verhindert, dass die Keime ins Ei-Innere gelangen und dort auf fruchtbaren Nährboden treffen. Wobei auch dort die Bedingungen für die Salmonellen gar nicht so ideal sind, wie man glauben mag. Wichtig ist, dass der Schutz, den die Schale bietet, durchs Waschen zerstört werden kann.
ABER: Es sind wohl weniger als 1% aller Eier mit Salmonellen belastet (egal ob Bio, Freiland oder Käfig).

Was bedeutet das jetzt für den armen Eierkarton: Ist er gefährlich oder nicht?

Mit all den Infos sage ich, dass die Gefahr, sich mit Salmonellen**** anzustecken, sicherlich an anderen Stellen deutlich erhöhter ist, als über im Eierkarton gezogene Kresse. Da hätte ich mehr Angst vor Haustieren und insbesondere Reptilien (gibt genug Menschen mit Schildkröten). NATÜRLICH ist es möglich, dass einszweidrei Salmonellen sich von der Eierschale auf den Eierkarton abgerieben haben. Und natürlich ist das feuchte Klima durch den Saatgrund für die Kresse förderlich fürs Wachstum jedweder Bakterien. Daher würde ich jetzt nicht generell zum Verzehr raten, aber für mich kann ich sagen: Ich würd’s essen.

Wer bei solchen „Experimenten“ sicher gehen will, kann ja die Eierkartons für 10 Minuten bei 80-100 °C (oder bei 70 °C mit Thermometer) im Backofen „sterilisieren“.*****

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* Ich beschränke mich mal auf Salmonellen, weil die EHEC-Gefahr nichts mit dem Eierkarton zu tun hat.
** gramnegativ und dass sie sich aerob und anaerob vermehren können etc. lasse ich mal weg
*** durch das Fett sind die Bakterien besser vor der Magensäure geschützt
**** Eine EHEC-Gefahr besteht aber sicherlich nicht, außer es wurde vorher ein Rindersteak im Eierkarton aufbewahrt.
***** Das funktioniert. Hab’s probiert. Ich würde jedoch nur das Unterteil ohne Aufkleber reinstecken.

Erkenntnis des Tages

Ich habe keinen Physiker-Humor.

Ich war heute bei den Science Busters. Das war durchaus interessant und kurzweilig. Aber eher störend waren der österreichische Akzent und die schlechten Seitenhiebe in Richtung anderer naturwissenschaftlicher Disziplinen.

Dennoch: Wer die Gelegenheit hat und naturwissenschaftlich interessiert ist, soll da ruhig mal hingehen.

Manche Dinge kann man ausblenden.

Danke

Ein liebes Dankeschön ❤ durch die halbe Republik geht an Sophie. Leider hat der Post-Streik verhindert, dass der Brief mit heißer Ware pünktlich kam. Aber möglicherweise voraussichtlich kann ich es dennoch verwenden.