Unentschieden

Heute war ich mal wieder beim Zahnarzt. Denn die Lücke, die nun seit einem Jahr und knapp 11 Monaten besteht, muss endlich mal geschlossen werden. Das ist keine einfache Entscheidung, nachdem die beiden Versuche Implantate zu setzen, missglückten.

Und bis zur Zahnreinigung war ich auch noch der festen Überzeugung, dass ich eine Teilprothese möchte. Mir widerstrebte der Gedanke, dass für den einen Brückenanker ein völlig gesunder Zahn beschliffen werden sollte. Zudem ist mir die Lücke, die überbrückt werden muss, auch nicht ganz geheuer. Sprich: Sie ist recht groß und ich misstraue der Statik und Physik an der Stelle.

Allerdings war mir nicht ganz klar, was eine Teilprothese wirklich bedeutet. Das erklärte mir dann die Prophylaxeassistentin. Ich wurde unsicher. Dann zog sie auch noch einen Trumpf: „Frau B., Sie sind doch noch so jung. Sie wollen doch nicht wirklich schon mit 40 so ein fieses Ding im Mund haben.“ Dann fräste und sandstrahlte sie meine Zähne und ich dachte nach.

Nachdem sie mit ihrem Werk fertig war, bat ich, nochmal mit dem Zahnarzt zu sprechen. Er sollte mir nochmal Vor- und Nachteile beider Optionen darlegen. Und mir konkret zu etwas raten. Ich machte noch einmal mein Misstrauen klar, wofür er Verständnis zeigte. Er darf sich nun mit einem Abguss meines Gebiss Gedanken machen und mit „seinem“ Zahntechniker beraten, ob eine Brücke wirklich die bessere Option ist.

Entschieden ist noch nichts.

Zugvogel

Heute beobachteten der midi-monsieur und ich fasziniert die Kraniche, die in tollen Formationen den eh schon vollen Himmel über Frankfurt bereicherten und eindeutig auf dem Weg gen Süden waren.

Neidisch Wehmütig blickte ich ihnen nach. Nein, nicht weil es mich in den Süden zieht oder ich Bock auf eine lange Reise habe. Auch kann ich mir kein Zugvogelleben für mich vorstellen. Aber ich spüre gerade, dass es Zeit ist aufzubrechen. Ich hätte jetzt fast „auszubrechen“ geschrieben, denn:

Aber ausbrechen geht nicht. Und ausbrechen ist es auch nicht. Ich will und kann mein Leben nicht komplett auf den Kopf stellen – ja, „radikal ändern“ klingt danach -, da ich ja auch eine Verantwortung für den midi-monsieur habe. Und der hat mir schon unmissverständlich klar gemacht, dass er diese Stadt – und eigentlich auch das Viertel – nicht verlassen möchte. Aber da braucht er keine Angst haben: Frankfurt und ich, das ist schon eine große Liebe und auch ich habe keine Lust und Muße, mir bzw. uns in einer neuen Stadt alles neu aufzubauen.

Aber es gibt genug andere Stellschrauben, an denen kurz- bzw. mittelfristig gedreht werden muss. Und je klarer ich weiß, welche Stellschrauben ich drehen will, desto unruhiger werde ich. Unruhig, weil Geduld einfach nicht meine Stärke ist und wenn ich erstmal weiß, was in Angriff genommen werden muss, dann möchte ich es am liebsten sofort umsetzen. Aber dafür sind die Stellschrauben etwas zu groß…

23

Seit 23 Jahren kennen wir uns. Und nie haben wir uns aus den Augen verloren. Wir haben viele Höhen und Tiefen und auch manch anderes miteinander geteilt.

Mit ihr auf dem Sofa zu sitzen und Wein zu trinken und zu quatschen, ist immer wie „hier bleibe ich, hier geht’s mir gut, egal, wie schlecht es mir geht“.

Und es ist so wunderbar egal, was wir nach außen sind. Es zählt nur, wie es der anderen geht und einander zuzuhören.

Erwachsen

Ob man will oder nicht, zumindest qua Geburtsdatum und damit wenigstens auf dem Papier wird man irgendwann auch erwachsen.

Und das ist nicht nur der Lauf der Dinge und damit nicht zu ändern, sondern auch prinzipiell nicht schlecht.

Entscheidend ist doch, was man daraus macht und was man mit „erwachsen“ assoziiert. Wenn man meint, dass man mit Wahlberechtigung langweilig, spießig, unspontan, absolut rational und ausschließlich realistisch und vernünftig sein muss, dann denkt man vielleicht so:

Aber man kann auch für sich entscheiden, wieviel Kind in einem bleibt und mit dem regelmäßig schaukeln gehen.