Erwachsen

Ob man will oder nicht, zumindest qua Geburtsdatum und damit wenigstens auf dem Papier wird man irgendwann auch erwachsen.

Und das ist nicht nur der Lauf der Dinge und damit nicht zu ändern, sondern auch prinzipiell nicht schlecht.

Entscheidend ist doch, was man daraus macht und was man mit „erwachsen“ assoziiert. Wenn man meint, dass man mit Wahlberechtigung langweilig, spießig, unspontan, absolut rational und ausschließlich realistisch und vernünftig sein muss, dann denkt man vielleicht so:

Aber man kann auch für sich entscheiden, wieviel Kind in einem bleibt und mit dem regelmäßig schaukeln gehen.

Die Achtziger sind zurück

Ich bin ein Kind der 1980er. Ich mag die Musik. Größtenteils. Ich mag aber auch andere Musik. Aber die 80er haben schon einen besonderen Platz in meinem Herzen. Man wird halt gemeinsam alt. Aber die Künstler sind meist noch etwas älter als ich und so kann ich mich noch blutjung fühlen. Dave Gahan ist dieses Jahr 55, Justin Sullivan 61 und Neil Tennant ist gerade 63 Jahre alt geworden. Hey, die könnten zum Teil meine Väter sein. Aber mal ganz ehrlich: Sie haben es (noch) drauf und stehen hinsichtlich Energie, Bühnenpräsenz und Stimme den jungen Hüpfern Künstlern in nichts nach.

Ich hatte es Barbara ja ein bisschen geneidet (trotz aller Neidfreiheit meinerseits), dass sie (und ihr auf Konzerten total durchdrehender Mann (ich hab ihn schon dabei erlebt)) das Konzert in Mainz erlebt hat. Ich habe lange gehadert, ob ich auch mitgehen soll. Aber irgendwie passte mir der Termin nicht so ganz. Außerdem hatte ich ja erst die Woche zuvor viel Geld für den Babysitter fürs Depeche-Mode-Konzert ausgegeben.

Doch es ließ mich nicht los. Barbara schwärmte und die Fotos waren einfach toll. *seufz* Also guckte ich, ob sie nicht zufällig, während der midi-monsieur in Frankreich weilt, irgendwo für mich in der Nähe erreichbar nochmal auftreten. Und tadaaaa, das nenne ich mal einen Wink des Schicksals: Sie traten heute in Bochum auf, wo ich doch am Wochenende eh nach Krefeld gefahren bin, um mit der lieben Tante Emma ihren Geburtstag nachzufeiern. Da war ich ja quasi schon im Pott Ruhrgebiet (jaja, ich duck mich schon. Krefeld ist sowenig Ruhrgebiet wie Bielefeld.)

Kurz haderte ich noch, ob sich der Aufwand wirklich lohnt. Immerhin bin ich so 3,5 Tage nicht zu Hause. Die Fahrt nach Bochum und von Bochum nach Hause kostet auch was und in Bochum muss ich ja auch übernachten (Hotel, weil AirB’n’B nicht passendes hatte).*

ABER: Nein! Es hat sich sooooo gelohnt. Es war wie eine Zeitreise in eine Großraumdisco der späten 80er / frühen 90er. Ich vermute, dass Neil Tennant und Chris Lowe ALLE noch verfügbaren Lightshow-Laser von damals aufgekauft und gehortet haben. Die Musik tat natürlich ihr Übriges.**

Haaaaaaach. Das war toll. (Und Freitag geht’s schon wieder auf ein Konzert.)

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* Kostentechnisch womöglich teuerer als mit Babysitter. Aber gut.

** Die ging direkt in die Füße zumindest bei ALLEN außer meinem direkten Stehnachbarn. Ich musste mehr als einmal an mich halten, ihn nicht zu fragen, ob er einen Stock verschluckt hätte.

Liebes Tagebuch am Fünften (Mai)

Da es noch so aussieht, als hätte ich mich trotz Späßle nicht fürs Tagebuchbloggen disqualifiziert, beantworte ich gerne Frau Brüllen die allmonatliche Frage: WMDEDGT?

Also gefühlt habe ich heute nichts gemacht. Zumindest nichts Produktives. Ich habe mich den halben Tag in meinem Selbstmitleid und der Urlaubsreife gesuhlt. Dazu war es auch noch kalt – draußen und drinnen. Und grau. Obendrein habe ich auch eine akute Schreibblockade. So hatte ich keine andere Wahl, als mich – nachdem der midi-monsieur zur Schule losgezogen war – wieder ins Bett zu legen. Ich fühlte mich wie gelähmt. Und wäre da nicht der midi-monsieur, läge ich jetzt vermutlich immer noch im Bett. Aber den gibt es zum Glück und so sprang ich um

12h25 aus dem Bett als es klingelt, weil ich dachte, dass der Sohn nach der Schule Einlass begehrt. Aber es ist nur der Paketbote – und das noch nicht mal für mich. Naja, so bin ich wenigstens schon mal in der Vertikalen und kann die dringend nötige Ibu nehmen. Ja, Hormone habe ich auch noch zu allem Überfluss.
Bis der midi-monsieur kommt, nutze ich die Zeit und rufe bei meinem Internet- und Telefonanbieter an, um mich nach dem Stand der Anschlussumstellung zu erkundigen. Der neue Router steht schon bereit und wartet auf Signal.

12h45 Das Kind klingelt Sturm, während ich als gute Mutter schon dabei bin, Mittagessen vorzubereiten. Während er ankommt und mir durch die Wohnung brüllend erzählt, wie sein Tag war, mache ich die Suppe fertig. Dann essen wir zusammen. Anschließend überzeuge ich das Kind, direkt Hausaufgaben zu machen, damit wir am Wochenende keinen Stress mehr damit haben. Während er arbeitet, kann ich die neue Routerbox einrichten und um

13h50 habe ich auch wieder Internet. Yeah! Danach geht das Kind spielen und ich mache irgendwas. Keine Ahnung was: Ich surfe kurz durchs Netz, erkundige mich, wie die OP von meinem Dad gelaufen ist und starte dann den ftp-Upload von der alten in die neue Cloud. Datensicherung nicht nur ftw, sondern auch damit der neue Rechner einfach(er) wieder eingerichtet werden kann.

15h20 Mittlerweile habe ich tatsächlich auch mal geduscht

15h45 Der midi-monsieur und ich gehen los, damit er pünktlich zu seiner Passagen-Vorbereitung kommt. Ich muss auch nur mit, um den Lehrgang und die Aikido-Passage zu bezahlen. Dabei stelle ich fest, dass wir den Aikido-Pass und Wasser vergessen haben. Ich gehe also nach Hause, um beides zu holen und bringe es noch schnell vorbei. Ist ja zum Glück nur zwei Ecken von uns entfernt. Danach bleibe ich draußen. Denn es regnet nicht. Endlich mal! Ich nutze also das gute Wetter und setze mich auf den Platz und genieße ein Stück Kuchen und einen Kaffee.

16h45 Noch schnell zur Bank und eine Runde durch den Tiger (nichts gekauft – ich sammel Inspirationen für die Geburtstagsparty vom Kind), dann gehe ich nach Hause, um zum einen die Power-Bank und zum anderen die gute Kamera zu holen (zweiteres hätte ich mir sparen können).

17h20 Ich komme am Dojo an. Die Passage hat schon ein bisschen angefangen, aber das Kind ist noch nicht dran.

18h45 Die Passage ist vorbei. Der midi-monsieur hat sich gut gemacht, ist aber nicht ganz zufrieden mit sich. Ich hoffe einfach, dass er das nutzt, um an seiner Technik zu arbeiten.

19h00 Wir sind zu Hause. Ich mache mich direkt ans Abendessenbereiten: Kinderwunschessen aka Hamburger.

20h05 Wir haben gegessen und nun gilt es einen Film für den Kinoabend auszusuchen. Bei zwei Streaming-Diensten findet sich ja dann doch irgendwas. Wir entscheiden uns für „Vaiana“.

20h45 Der Kv erinnert daran, dass der französische Opa Geburtstag hat. Wir stoppen den Film, um anzurufen. Da stellen wir fest, dass wir nicht telefonieren können. Aarg… Ich versuche, mich selbst anzurufen. Das geht auch nicht. Ich versuche mit dem Handy unsere Festnetznummer zu erreichen: Die Easybox zeigt zwar einen eingehenden Anruf an, aber das Telefon klingelt nicht. Oooorrr, ich dreh durch. Ich google kurz, ob ich mein ISDN-Telefon eventuell in die falsche Buchse gesteckt habe – gepasst hat das Kabel nur in eine. Wie es scheint, sind mein Telefon und die Easybox nicht kompatibel.

20h55 Ich hänge mich in die Wotanfon- (ich winke Frau Novemberregen) Hotline. Zunächst in die technische. Ja, die Easybox804 ist nicht ISDN-fähig. Ob ich das nicht abgefragt worden sei. Wohl nicht, sonst stünde jetzt nicht das falsche Gerät hier. Und ja, ich brauche die ISDN-Funktion, weil ich eine private und eine berufliche Rufnummer habe. Dann müsse ich über die „Kaufmännische Hotline“ einen anderen Router bestellen. Nein, telefonieren könnte ich, bis die Box da wär, nicht. Ich glaube, es hackt. Ich schalte noch schnell, ob für meine Rufnummer wenigstens eine Rufumleitung auf mein Handy möglich ist. Das ist irgendwie mehr Gefrickel als der Kundendienstheizel und ich dachten, aber er schafft es.
Dann hänge ich mich in die andere Hotline und bin – man glaubt es kaum – etwas genervt. Das merkt der Kundendienstmitarbeiter am anderen Ende auch und bemüht sich, so hilfreich wie möglich zu sein. Ich bekomme einen neuen Router und eine Gutschrift wird mir auch versprochen. Es bleibt spanndend.

21h30 Ich bin durch mit dem Telefonieren und kann weiter Film gucken.

22h00 Der Film ist zu Ende. Das Kind macht sich bettfertig, schreibt noch schnell Glückstagebuch und kuschelt sich dann auch schon ein.
Ich gucke „Let’s dance“ und schreibe diesen Post.

23h35 Der Post geht online und ich werde mich noch um die Wäsche kümmern und dann irgendwann ins Bett gehen.

Das war … spitze!

Zwei Tage Rugby-Jugendfestival liegen hinter uns. Und es war toll! Es war toll, dass der Kv extra gekommen ist. Es war bestes Wetter. Es waren viele entspannte Menschen da. Es waren tolle Erfahrungen für das Team, die Mannschaften und den midi-monsieur im Einzelnen. Ich weiß, dass ich im Notfall auch als Bardame arbeiten könnte. Es war – obwohl Rugby sicherlich kein Gruppenkuscheln ist – unglaublich fair. Auch unter den Eltern. Es war hervorragend organisiert. Wir hatten viel Spaß.

Die Mannschaft vom midi-monsieur ist achte (von 18) geworden und sie haben wirklich toll gekämpft.
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* Beim Rugby heißt es „Versuch“ (Try). NICHT Touchdown!