Liebes Tagebuch am Fünften (Mai)

Da es noch so aussieht, als hätte ich mich trotz Späßle nicht fürs Tagebuchbloggen disqualifiziert, beantworte ich gerne Frau Brüllen die allmonatliche Frage: WMDEDGT?

Also gefühlt habe ich heute nichts gemacht. Zumindest nichts Produktives. Ich habe mich den halben Tag in meinem Selbstmitleid und der Urlaubsreife gesuhlt. Dazu war es auch noch kalt – draußen und drinnen. Und grau. Obendrein habe ich auch eine akute Schreibblockade. So hatte ich keine andere Wahl, als mich – nachdem der midi-monsieur zur Schule losgezogen war – wieder ins Bett zu legen. Ich fühlte mich wie gelähmt. Und wäre da nicht der midi-monsieur, läge ich jetzt vermutlich immer noch im Bett. Aber den gibt es zum Glück und so sprang ich um

12h25 aus dem Bett als es klingelt, weil ich dachte, dass der Sohn nach der Schule Einlass begehrt. Aber es ist nur der Paketbote – und das noch nicht mal für mich. Naja, so bin ich wenigstens schon mal in der Vertikalen und kann die dringend nötige Ibu nehmen. Ja, Hormone habe ich auch noch zu allem Überfluss.
Bis der midi-monsieur kommt, nutze ich die Zeit und rufe bei meinem Internet- und Telefonanbieter an, um mich nach dem Stand der Anschlussumstellung zu erkundigen. Der neue Router steht schon bereit und wartet auf Signal.

12h45 Das Kind klingelt Sturm, während ich als gute Mutter schon dabei bin, Mittagessen vorzubereiten. Während er ankommt und mir durch die Wohnung brüllend erzählt, wie sein Tag war, mache ich die Suppe fertig. Dann essen wir zusammen. Anschließend überzeuge ich das Kind, direkt Hausaufgaben zu machen, damit wir am Wochenende keinen Stress mehr damit haben. Während er arbeitet, kann ich die neue Routerbox einrichten und um

13h50 habe ich auch wieder Internet. Yeah! Danach geht das Kind spielen und ich mache irgendwas. Keine Ahnung was: Ich surfe kurz durchs Netz, erkundige mich, wie die OP von meinem Dad gelaufen ist und starte dann den ftp-Upload von der alten in die neue Cloud. Datensicherung nicht nur ftw, sondern auch damit der neue Rechner einfach(er) wieder eingerichtet werden kann.

15h20 Mittlerweile habe ich tatsächlich auch mal geduscht

15h45 Der midi-monsieur und ich gehen los, damit er pünktlich zu seiner Passagen-Vorbereitung kommt. Ich muss auch nur mit, um den Lehrgang und die Aikido-Passage zu bezahlen. Dabei stelle ich fest, dass wir den Aikido-Pass und Wasser vergessen haben. Ich gehe also nach Hause, um beides zu holen und bringe es noch schnell vorbei. Ist ja zum Glück nur zwei Ecken von uns entfernt. Danach bleibe ich draußen. Denn es regnet nicht. Endlich mal! Ich nutze also das gute Wetter und setze mich auf den Platz und genieße ein Stück Kuchen und einen Kaffee.

16h45 Noch schnell zur Bank und eine Runde durch den Tiger (nichts gekauft – ich sammel Inspirationen für die Geburtstagsparty vom Kind), dann gehe ich nach Hause, um zum einen die Power-Bank und zum anderen die gute Kamera zu holen (zweiteres hätte ich mir sparen können).

17h20 Ich komme am Dojo an. Die Passage hat schon ein bisschen angefangen, aber das Kind ist noch nicht dran.

18h45 Die Passage ist vorbei. Der midi-monsieur hat sich gut gemacht, ist aber nicht ganz zufrieden mit sich. Ich hoffe einfach, dass er das nutzt, um an seiner Technik zu arbeiten.

19h00 Wir sind zu Hause. Ich mache mich direkt ans Abendessenbereiten: Kinderwunschessen aka Hamburger.

20h05 Wir haben gegessen und nun gilt es einen Film für den Kinoabend auszusuchen. Bei zwei Streaming-Diensten findet sich ja dann doch irgendwas. Wir entscheiden uns für „Vaiana“.

20h45 Der Kv erinnert daran, dass der französische Opa Geburtstag hat. Wir stoppen den Film, um anzurufen. Da stellen wir fest, dass wir nicht telefonieren können. Aarg… Ich versuche, mich selbst anzurufen. Das geht auch nicht. Ich versuche mit dem Handy unsere Festnetznummer zu erreichen: Die Easybox zeigt zwar einen eingehenden Anruf an, aber das Telefon klingelt nicht. Oooorrr, ich dreh durch. Ich google kurz, ob ich mein ISDN-Telefon eventuell in die falsche Buchse gesteckt habe – gepasst hat das Kabel nur in eine. Wie es scheint, sind mein Telefon und die Easybox nicht kompatibel.

20h55 Ich hänge mich in die Wotanfon- (ich winke Frau Novemberregen) Hotline. Zunächst in die technische. Ja, die Easybox804 ist nicht ISDN-fähig. Ob ich das nicht abgefragt worden sei. Wohl nicht, sonst stünde jetzt nicht das falsche Gerät hier. Und ja, ich brauche die ISDN-Funktion, weil ich eine private und eine berufliche Rufnummer habe. Dann müsse ich über die „Kaufmännische Hotline“ einen anderen Router bestellen. Nein, telefonieren könnte ich, bis die Box da wär, nicht. Ich glaube, es hackt. Ich schalte noch schnell, ob für meine Rufnummer wenigstens eine Rufumleitung auf mein Handy möglich ist. Das ist irgendwie mehr Gefrickel als der Kundendienstheizel und ich dachten, aber er schafft es.
Dann hänge ich mich in die andere Hotline und bin – man glaubt es kaum – etwas genervt. Das merkt der Kundendienstmitarbeiter am anderen Ende auch und bemüht sich, so hilfreich wie möglich zu sein. Ich bekomme einen neuen Router und eine Gutschrift wird mir auch versprochen. Es bleibt spanndend.

21h30 Ich bin durch mit dem Telefonieren und kann weiter Film gucken.

22h00 Der Film ist zu Ende. Das Kind macht sich bettfertig, schreibt noch schnell Glückstagebuch und kuschelt sich dann auch schon ein.
Ich gucke „Let’s dance“ und schreibe diesen Post.

23h35 Der Post geht online und ich werde mich noch um die Wäsche kümmern und dann irgendwann ins Bett gehen.

Das war … spitze!

Zwei Tage Rugby-Jugendfestival liegen hinter uns. Und es war toll! Es war toll, dass der Kv extra gekommen ist. Es war bestes Wetter. Es waren viele entspannte Menschen da. Es waren tolle Erfahrungen für das Team, die Mannschaften und den midi-monsieur im Einzelnen. Ich weiß, dass ich im Notfall auch als Bardame arbeiten könnte. Es war – obwohl Rugby sicherlich kein Gruppenkuscheln ist – unglaublich fair. Auch unter den Eltern. Es war hervorragend organisiert. Wir hatten viel Spaß.

Die Mannschaft vom midi-monsieur ist achte (von 18) geworden und sie haben wirklich toll gekämpft.
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* Beim Rugby heißt es „Versuch“ (Try). NICHT Touchdown!

Pinker Nachtrag

Hervorgehoben

Ich denke nach. Ja, das passiert auch mal. Ich denke darüber nach, ob das Tragen des Pussyhats albern ist. Oder so eine Art Ablass ist: „Seht her, ich trage einen Pussyhat. Ich bin dagegen, was Trump so macht. Und gegen ihn sowieso.“ Und habe damit meine gesellschaftliche Schuldigkeit getan.

Nein, ich denke nicht so. Aber ich überlege, ob andere so denken könnten. Und klar, es ist mir egal, was andere denken – also zumindest in Bezug auf das Tragen einer Mütze (sonst hätte ich ja auch keine blauen Haare) -, aber erziele mich mit dem Tragen des Pussyhats die Wirkung, die ich erzielen will?

Passend dazu ploppte ein Tweet in meiner Timeline auf:

„Protesthut“ – ich musste erst schmunzeln, aber doch das ist die Mütze: Öffentlicher Protest. Und mein Bekenntnis zum Protest. Ich murmel nicht nur verdrossen auf Twitter oder sonstigen SocialMedien in meiner Filterblase vor mich hin, sondern ich zeige öffentlich, dass mir was nicht passt.

Bislang ist mir noch keine mit einem Pussyhat begegnet, aber ich freue mich sehr, dass andere – u.a. meine Mutter – mich um einen Pussyhat gebeten haben. Und ich freue mich, wenn ich viele, ganz viele damit sehen kann. Denn je mehr es werden, desto größer wird der Protest. Und je mehr es werden, desto eher trauen sich vielleicht auch die, denen es schwer fällt in der ersten Reihe ihre Meinung zu sagen. Und je mehr es werden und desto sichtbarer sie werden, desto eher wird hoffentlich klar, dass sich Protest lohnt. Dass es sich lohnt eine Meinung zu haben und diese auch zu zeigen.

Der Pussyhat hilft, sich nicht allein mit seiner Meinung zu fühlen, sondern zu sehen, dass man ein kleiner Teil einer großen Masse ist, die erhört werden kann und sollte.

Sprache kommt von sprechen

„Mama, was heißt ‚welcome‘?“, frage mich das Kind heute aus vermeintlich heiterem Himmel während unserer Radtour.
„Willkommen“, antwortete ich.
„Kann das auch was anderes heißen?“
„Eigentlich bedeutet das willkommen.“
„Aber als ich gerade an den Leuten vorbeigefahren bin, habe ich ‚thank you‘ gesagt. Und da haben sie ‚welcome‘ geantwortet.“
„Die haben vermutlich ‚you’re welcome‘ gesagt. DAS heißt ‚gern geschehen‘. So wie auf Französisch: ‚de rien‘.“
„Ah ja.“

Mich hat es beeindruckt, wie klar ihm war, dass die direkte Übersetzung nicht in den Kontext passte und weiter nachfragte. Und so schwer er sich damit (immer noch) tut, auf Deutsch lesen und schreiben zu lernen, so beruhigend finde ich diese Momente, in denen mir klar wird, dass er durchaus ein gutes Sprachgefühl und -verständnis hat. Mal ganz abgesehen davon, dass er sich auf Deutsch wirklich gut mündlich ausdrücken kann und auch des Argumentierens nicht müde wird.

Beauftragt

Das hatte ich damals von meiner großen Klappe. Damals, als ich gerade mal zweidrei Monate in meinem ersten richtigen Job war:

Bezüglich der technischen Infrastruktur war es in der Agentur nicht so ganz optimal bestellt. Also irgendwie schon, aber so ganz sinnig und durchdacht wirkte es nicht. So gab es zwar immerhin einen Farbdrucker mit Scanfunktion. Doch das Problem: Er stand im einzigen Büro, das vier Arbeitsplätze hatte. Also drei Arbeitsplätze plus ein Arbeitsplatz mit Zugang zum Farbdrucker und Scanner.

Genau in diesem Raum saß ich also. Und nach zweidrei Monaten zusammen mit dem Drucker in einem Büro, machte dieser – also der Drucker – die Grätsche. Auf verschlungenen Wegen wurde ein neuer Drucker bei bzw. über unsere IT-Support-Firma bestellt. Und es dauerte ewig, bis die neue Scan-Druck-Komination endlich kam. Irgend so ein komischer riesiger HP-Klotz, der lokal an seinem Arbeitsplatz-Rechner angeschlossen war. Also musste man für einen Farbdruck die gewünschte Datei auf einen Stick ziehen und damit zum Drucker-Arbeitsplatz wandern.

Das konnte doch nicht wahr sein. Das war total unpraktisch, zumal meistens der zugehörige Drucker erst hochgefahren werden musste, oder ich vorher angerufen wurde, damit ich das bitte erledige. Das war zwar kein Akt, aber dennoch nervig. Aber keiner konnte mir Auskunft geben, wieso dieser Drucker ausgewählt wurde und warum er so komisch angeschlossen wurde.

Kurz entschlossen und höchst genervt rief ich unseren IT-Support an und fragte, wer diesen Murks verbrochen hätte. Und warum genau so und nicht anders.
Man murmelte, was von, die Chefin hätte um Ersatz gebeten und man habe das Gerät ersetzt.
Ich hakte nach: Ob dieses Gerät denn auch ihre Empfehlung für unsere Belange gewesen sei.
Naja, es wäre halt Ersatz gewünscht gewesen.
Aber sie wüssten doch, wie die Agentur aufgestellt sei und ob aus ihrer Sicht diese Art des Anschlusses sinnig für uns wäre.
Es wurde wieder was gemurmelt.
Ich wurde konkreter: Wäre denn ein Netzwerkdrucker nicht besser gewesen?
Ja, schon.
Aber warum wurde dann ein solcher nicht empfohlen?
Es wäre halt Ersatz gewünscht gewesen.
Ich erinnerte sie an ihren Beratungsauftrag. Immerhin seien sie ja die IT-Profis und wurde dann recht deutlich, dass diese Lösung Murks und absolut nicht anwendungsfreundlich sei. Und dass ich eine praktikable Lösung des Problems erwarte.

Dieser Anruf war absolut impulsiv eigenmächtig und weder mit meiner Chefin noch wenigstens mit meinem Senior besprochen. Mir war allerdings auch nicht klar, welche Wege ich hätte einhalten müssen.

Kurz darauf wurde ich zu meiner Chefin zitiert. Mir schwante Schlimmes. Sie sprach mich auf den Drucker an. Und auf unseren IT-Support. Und auf meinen Anruf. Und dann sagfragte sie micht: „Frau B., wir fänden es sehr gut, wenn Sie zukünfig als Ansprechpartnerin für die Computer-Dinge agieren könnten.“ Was sagt man dazu?! So generell und als Newbie im Besonderen?!

Und so war ich bis zum Jobwechsel neben meiner eigentlichen Arbeit auch noch interne IT-Beauftragte: Ich setzte mich für neue Hard- und Software ein. Ich „bestand“ auf einen Wechsel des IT-Supports und verantwortete einen Server-Umzug. Ich führte ein, dass e-Mails ordentlich im System gespeichert werden und sorgte dafür, dass wir ordentliche Formatvorlagen hatten. In der Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen prägte ich den Satz: „Der größte Fehler sitzt davor.“ und konnte mehrere Fehler durch meine bloße Annäherung an die betroffenen Rechner lösen.

Ich habe das eigentlich ganz gerne gemacht, nur eins mochte ich nicht: Als wir, kurz nachdem ich die Zusazuaufgabe übernommen hatte, neue Kolleginnen bekamen, wurde ich vom Geschäftsführer mit „Das ist Frau B. Sie kümmert sich hier um die Computersachen.“ vorgestellt. Das konnte und wollte ich nicht so stehen lassen und mir rutschte raus: „Ich arbeite vor allem für den Kunden XY. Und was die Computersachen anbelangt: Unter den Blinden ist halt der Einäugige König.“

Magnimmer

Ich bin es leid. Soo leid. Nach sechseinhalb Jahren Ruhe durch Schwangerschaft und Hormonspirale, leide ich nun wieder seit einem Jahr alle 26 Tage. Ich brauch das nicht. Nicht, um mich als Frau zu fühlen oder mit mir im Reinen zu sein. Im Gegenteil, es nervt mich. Ich finde es unnötig und anstrengend.

Und da ich mir jetzt nicht unbedingt die Wechseljahre wünsche, ist sicher, dass ich den nächsten größeren Betrag, den ich „zu viel“ habe, in eine neue Hormonspiral investieren werden. Nur für mich.