Fahrlässig

Das Netz ist voller Texte zum Thema Nicht-Impfen. Schwurbelige unwissenschaftliche Texte mit Aluhut-Siegel. Texte ohne Referenzen – und wenn dann falschen oder gefälschten oder falsch interpretierten.

Zum Glück ist das Netz auch voller kluger Texte zum Thema Impfen. Kluge, wissenschaftlich fundierte und referenzierte Texte.

Und vielleicht schaffe ich es auch noch mal irgendwann, einen solchen Text zu verfassen. Weil es mir wichtig ist. Heute bleibe ich emotional, ja sogar polemisch:

Alle, die nicht ausreichend geimpft sind, obwohl sie es könnten und ihr(e) Kind(er) nicht durchimpfen lassen, sind doof.

Ja, sogar noch mehr als das: Sie handeln fahrlässig. Fahrlässig sich gegenüber, fahrlässig der geliebten* Brut gegenüber, fahrlässig gegenüber der Gesellschaft.

Ersters wäre ja noch zu verknusen. Im besten Fall würde Darwin das erledigen. (Tut er natürlich nicht, weil das ja noch die Herde ist.)
Bei zweiterem würde ich auch gerne sagen: Dann soll es halt Darwin richten. So wichtig und geliebt scheint die Brut ja doch nicht zu sein. ABER was können die Kinder für ihre bekloppten Eltern?!
Wenn ich an Drittens denke, könnte ich die Wände hoch gehen: Jaja, profitiert ihr ruhig vom (noch bestehenden) Herdenschutz, aber leistet bloß nicht Euren Beitrag dazu.

Wenn ich lese, dass gerade in Köln fast 100 Masernfälle bestätigt wurde, wenn ich zufällig erfahre, dass meine Nichte wegen Windpocken – ja, diese ach so harmlose Kinderkrankheit – im Krankenhaus war, dann frage ich mich echt, was mit der Menschheit nicht stimmt. Ist Euch Euer Leben und das Eurer Kinder so wenig wert, dass ihr unnötige Krankenhausaufenhalte und Tod einfach in Kauf nehmt?

Das muss eine erstmal in den Kopf bekommen: Ein Kind ist wegen einer Kinderkrankheit im Krankenhaus. Was muss denn noch passieren, um zu raffen, dass Kinderkrankheiten nicht niedlich sind.

Kinderkrankheiten heißen Kinderkrankheiten, weil Kinder daran sterben können.

Was ist so toll daran, Kinder leiden zu sehen? Kinder im Fieberdelir, mit Juckreiz aus der Hölle, mit Schmerzen, die eine eigentlich keiner wünscht.

Sorry, but not sorry: Ich habe ab.so.lut kein Verständnis für so ein Handeln.

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* Viele Impfgegnerinnen/ -verweigererinnen behaupten zumindest, dass sie das tun.

Öhrchen

Eigentlich täglich trage ich meine Pussyhat. Manachmal sogar in der Wohnung, weil ich das Kopfgefühl so mag (und ich eh so kältempfindlich am Kopf bin).
Mit meinen bunten Haaren bin ich es ja gewohnt, dass die Leute doch mal gucken. In Kombination mit der pinken Mütze natürlich noch mehr. Manchmal werde ich wissend bis wohlwollend angelächelt.

Noch immer ist mir kein anderer Pussyhat begegnet. Aber das wird sich hoffentlich bald ändern, denn eigentlich stricke ich auch, seitdem ich meinen ersten Pussyhat fertiggestellt habe, täglich an einer weiteren pinken Mütze. Sechs habe ich bereits „ans Internet ausgeliefert“.

Meine Mama hat ihren auch schon.2017-02-13-23.08.31.jpg.jpgDrei warten auf Auslieferung an Internet. Nummer 11 ist aktuell auf der Nadel. Dann werden wohl noch sieben folgen.

Ich finde es schade, dass ich noch keinen anderen Pussyhat in freier Wildbahn gesehen habe und habe mich dadurch schon gefragt, ob es was bringt. Aber dann reagierte am Sonntag im Zug eine Frau – dem Akzent nach Amerikanerin, dem Aussehen nach mit afro-amerikanischen Wurzeln – auf meinen Pussyhat:

Pinker Nachtrag

Ich denke nach. Ja, das passiert auch mal. Ich denke darüber nach, ob das Tragen des Pussyhats albern ist. Oder so eine Art Ablass ist: „Seht her, ich trage einen Pussyhat. Ich bin dagegen, was Trump so macht. Und gegen ihn sowieso.“ Und habe damit meine gesellschaftliche Schuldigkeit getan.

Nein, ich denke nicht so. Aber ich überlege, ob andere so denken könnten. Und klar, es ist mir egal, was andere denken – also zumindest in Bezug auf das Tragen einer Mütze (sonst hätte ich ja auch keine blauen Haare) -, aber erziele mich mit dem Tragen des Pussyhats die Wirkung, die ich erzielen will?

Passend dazu ploppte ein Tweet in meiner Timeline auf:

„Protesthut“ – ich musste erst schmunzeln, aber doch das ist die Mütze: Öffentlicher Protest. Und mein Bekenntnis zum Protest. Ich murmel nicht nur verdrossen auf Twitter oder sonstigen SocialMedien in meiner Filterblase vor mich hin, sondern ich zeige öffentlich, dass mir was nicht passt.

Bislang ist mir noch keine mit einem Pussyhat begegnet, aber ich freue mich sehr, dass andere – u.a. meine Mutter – mich um einen Pussyhat gebeten haben. Und ich freue mich, wenn ich viele, ganz viele damit sehen kann. Denn je mehr es werden, desto größer wird der Protest. Und je mehr es werden, desto eher trauen sich vielleicht auch die, denen es schwer fällt in der ersten Reihe ihre Meinung zu sagen. Und je mehr es werden und desto sichtbarer sie werden, desto eher wird hoffentlich klar, dass sich Protest lohnt. Dass es sich lohnt eine Meinung zu haben und diese auch zu zeigen.

Der Pussyhat hilft, sich nicht allein mit seiner Meinung zu fühlen, sondern zu sehen, dass man ein kleiner Teil einer großen Masse ist, die erhört werden kann und sollte.

A wie …

… Auswandern.

Heute wurde mir zum x-Ten Mal die Ankündigung des eigenen Auswanders  im Fall eines ähnlichen Wahlergebnisses wie in den USA in meine SocialMedia-Timeline gespült:

Wie wird es in Deutschland in ein paar Jahren aussehen? Wir machen ja traditionell gerne nach, was Amerika vormacht. Auswandern wird zur realistischen Option. Nur wohin???

Was ist das für ein blödsinniges Geblubber? Ich musste antworten:

Wir könnten auch einfach verhindern, dass Deutschland es „nachmacht“ (wobei ich auch nicht weiß, was Du genau meinst). Kopf in den Sand bringt nicht viel. Das hat vor 80 Jahren auch nichts genützt. Und Auswandern ist feige.

Und dann machte ich auch auf Twitter meinem Ärger Luft.

Dann habe ich aber gearbeiten, wobei ich die ganze Zeit auf diesem Tweet rumdachte und mir klar war, dass ich darüber mehr schreiben wollte. Auch wenn ich jedem erstmal gerne: „Am Arsch mit deiner blöden Auswanderei!“ zurufen würde.

Mein erster Gedanke, wenn ich sowas lese, ist dann ja neben der Wut, die hochkriecht, dass ich mich frage: „Ja, und wohin soll es gehen?!“ Als ob es irgendeinen Ort gibt, an dem wir vor sowas sicher wären. Man möchte auch trotzig auffordern: „Dann geh doch dahin, wo es keine Demokratie gibt.“ Und mal ganz ehrlich, welches Land hat denn gerade auf „uns Deutsche“ gewartet und nimmt uns mit Kusshand auf?!

Dann schrieb die tolle Petrolgrau so ziemlich genau meine Gedanken auf: Ja, mich nervt diese Resignation. Dieses Aufgeben ohne gekämpft zu haben. Anstelle JETZT selbst gestaltend einzugreifen, sich schon mal einen – wie ich finde – feigen Ausweg zu suchen. Was ist das für eine Art, sich nur die Kirschen der Demokratie abzupflücken: Wenn sie mir schmeckt, bleibe ich, und wenn mir das Ergebnis einer demokratischen Wahl nicht passt, dann haue ich halt ab? Demokratie ist auch das Aushalten anderer Meinungen, aber auch das Recht die eigene kundzutun. Wenn man das aber nicht macht, weil man keinen Bock auf unbequeme Wege hat, oder noch lieber nur den Weg des geringsten Widerstands geht, ja, dann frage ich mich: Warum nicht jetzt schon auswandern?! Vielleicht in eine Diktatur, da muss darf man ja nicht selbst denken. (Mal angesehen davon, dass ich mir sicher bin, dass noch nicht mal 10 Prozent derjenigen, die auswandern „wollen“, dies auch wirklich täten.)

Ich kann doch nicht allen Ernstes vor und nach Wahlen über das Ergebnis jammern, wenn das aktivste, was ich dazu beigetragen habe, mein Kreuz ist.

… Angst.

Viele äußern auch Angst nach dem Trump-Sieg: Angst um diverse Randgruppen. Ängste, die sie auf Deutschland übertragen. Ängste, die sicher nicht völlig unbegründet sind, ABER die bei uns NOCH nicht durch die Regierung gefüttert und unterstützt werden. Ja, es kann kommen (wenn AfD und Co zu stark bzw. noch stärker werden). Und davor habe ich auch ein bisschen Angst. Aber wir haben noch gut 10 Monate Zeit, dies zu verhindern. Und das macht mir ehrlich gesagt Mut.

Mein erstes Vorhaben ist, dass ich dieses blöde Gequatsche (s.o.) nicht mehr hinnehme und stehen lasse, sondern dass ich was dazu sage.

Auf die Straße

Als mir via Retweet diese Information in die Timeline flatterte, zog sich mir alles zusammen. Ich musste das kommentiert weiterverbreiten.

Ja, das ist meine große Frage derzeit, auf der ich schon eine Weile rumdenke. Auf facebook formulierte ich es schon vor vier Wochen:

Bei all dem, was gerade passiert da in Sachsen und anderswo, ist es doch endlich an der Zeit, ein Zeichen zu setzen. Aufregen, posten und sich dann wieder in den Sessel fallen lassen, kann es doch nicht sein.

Mein Traum/ Wunsch, meine Idee:
Bundesweit zeitgleiche Demos in so vielen Städten wie möglich mit wirklich vielen Menschen, die dem braunen Mob zeigen, was Deutschland wirklich ist: BUNT. Viele Menschen, die nicht wollen, dass sich Geschichte wiederholt.
„Das Volk“ ist bunt und wird und muss es bleiben!

Wer macht mit?

Die Resonanz darauf war erschreckend gering (gering! nicht keine!). Und ich frage: WARUM?

Ja, ich ärgere mich über diese Ignoranz der breiten Mitte, in der ich irgendwie auch verortet bin. Nein, ich halte mich nicht für politisch. Ich kümmere mich vor den Wahlen nicht um die Parteiprogramme – zumindest nicht wirklich detailliert. Aber ich gehe wählen. Weil ich es für meine verdammte Bürgerpflicht halte. Das ist mein klitzekleiner Teil, den ich zu dieser Demokratie beitragen kann … nein … muss.

Apropos Demokratie – und jetzt komme ich wieder auf den Ursprungs-Tweet: Ob es uns nun passt oder nicht, in unserem demokratischen Rechtsstaat haben alle die gleichen Rechte. Meinungsfreiheit und Demonstrationsrecht gelten für alle. Auch für die Rechten, Pegida und sonstige Gruppierungen, die eigentlich nicht sonderlich demokratisch und rechtsstaatlich eingestellt sind.

„Wir alle“ regen uns darüber auf, dass die, die auf die Straße gehen, Montagsdemos in Dresden abhalten, NICHT die Mehrheit in unserem Land repräsentieren. Aber wo, bitte, wo ist das sichtbar? WO IST DIE MEHRHEIT?

Es nützt nicht viel, wenn wir uns darüber in unserem kleinen hübschen Filterbläschen echauffieren. Ein paar dramatische Tweets und Bilder verbreiten und dann wieder zur Tagesordnung übergehen. Wir dürfen auch demonstrieren und wir sollten diese Rechte auch nutzen! Oder anderweitig aktiv werden.

Ich habe Angst. Angst, dass sich Geschichte wiederholt. Dass wir den Moment verpassen, uns einer politischen Entwicklung entgegenzustellen, die wir angeblich eigentlich nicht wollen. Historiker mögen sagen, dass in unseren Gefilden erstaunlich lange Ruhe herrschte. Aber ist das ein Grund sich widerstandslos zu ergeben?!

Das kann es doch nicht sein!

Vermutlich müsste ich einfach anfangen, was zu tun, um meine Idee umzusetzen. Aber ich habe tatsächlich das Problem, dass ich es ganz allein nicht schaffe. Meine Zeit und meine Kraft sind einfach begrenzt – so als alleinerziehende (mit Partner ist es sicher auch viel einfacher) Selbstständige (ja, Angestellte habe auch nicht mehr Zeit). Ein Team, ein harter Kern, wäre toll. *träum*

Ich bin unzufrieden damit. Ich will was tun. Ich will, dass sich was tut.
Weil ich das Gefühl habe, dass sich was tun muss.
Dass wir aufhören müssen, Maulhelden zu sein.
Dass wir Gesicht zeigen müssen.

Wissen ist Macht

Der Brockhaus existiert nicht mehr. Schon seit 2014 ist die gedruckte Version nicht mehr erhältlich. Die digitale Version ist Schulen, Hochschulen, Behörden und so vorbehalten. Marion Mustermann und Otto Normalverbraucher gucken in die Röhre auf wikipedia. Nichts gegen wikipedia, aber man sollte dem ganzen doch etwas kritisch gegenüberstehen. Immerhin kann da letztlich jeder seinen Senf zugeben.

Ja, das macht den Reiz aus. Ja, das unterstützt eine gewisse Aktualität. ABER es verführt auch dazu, Fehlinformationen zu streuen. wikipedia zu missbrauchen. PR-Agenturen haben es eine zeitlang intensiv für eigene Zwecke genutzt. Bis es zu viel wurde. Aber trotzdem stehen seitdem (und auch immer wieder neu) Inhalte drin, die mehr als bedenklich sind. Die sehr gezielt sind. Die keinen Informationsauftrag erfüllen, sondern klar der Meinungsmache dienen.

Und das gilt letztlich für das ganze Internet. Wir meinen heutzutage alles zu wissen. Oder wissen zu können, weil wir es ja vermeintlich googeln können. Wer hinterfragt schon groß Google-Ergebnisse? Dann öffnet man zweidreivier Seiten zum gleichen Thema. Im besten Fall bildet man sich aus allen eine Meinung oder nimmt halt die, die einem am besten passt. Letzlich sind nur die wenigstens wirklich in der Lage und machen sich die Mühe, diese Hülle und Fülle an Informationen zu überblicken. Dinge, die im Internet stehen, werden erstaunlich schnell zur Wahrheit.

Nicht einfacher wird es, wenn man Informationen aus fremden Ländern sucht. Die Webseiten sind meist in einer fremden Sprache, Google-Translator ist da nur eine sehr schlechte Hilfe und wer weiß schon, wie es um den Informationsgehalt der fremden Webseite besteht. Wie sieht es in dem Land mit Meinungsfreiheit aus? Gibt es da Zensur? Vielleicht vesteckte? Versucht man vielleicht gewissen Bereichen, die grenzübergreifendes Belang haben, eine bestimmte Färbung/ Tonalität/ Meinung zu geben?!

Es ist schwierig. Sehr schwierig. Und ich glaube ehrlich, dass diese ungefilterte und unendliche Informationsflut noch wirklich Schlimmes anrichten wird.

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Disclaimer: Dieser Text entstand aufgrund einer sehr langen, eigentlich unnötigen Diskussion zu einem Thema, zu dem man nicht das Internet befragen sollte, sondern wirklichwirklich wen, der sich damit auskennt.

Scheißtag

Heute ist ein ziemlich blöder Tag:

Ich konnte nicht einschlafen, weil ich mittlerweile Kopf- und Magenschmerzen vom Ibuprofen habe.

Prompt hatten wir total verschlafen (7h47) und der midi-monsieur war binnen 8 Minuten aus dem Haus. Neuer Rekord.

Ich war dann durch schlechte Nacht und immer noch latente Schmerzen so fertig, dass ich mich nach Schlucken des Antibiotikums (Antibiotiki?) wieder hinlegen musste. So matsch, wie ich war, hätte ich eh nicht arbeiten können.

Geweckt wurde ich dann vom sturmklingelnden Paketboten, der zwar Erfreuliches (Pizzastahl für mich) brachte, aber wirklich sehr intensiv klingelte.

Danach war ich wach, aber habe seitdem Kopfschmerzen. Und Zahnschmerzen. Und ich musste abwägen, welche Schmerzen unerträglicher waren und nahm mittags dann doch eine Ibu. Zu Lasten von Kopf und Magen. Damit konnte ich auch nicht weiterarbeiten.

Ich beschloss rauszugehen. Mit Brummschädel und trotzdem noch schmerzendem Kiefer. Ach, was nervt mich das alles.

Ich fühle mich gerade wie auf Entzug – rein physisch; ich hatte noch nicht mal psychisch Spaß damit 😦 Wenigstens half der Kaffee ein bisschen dagegen.

Dann bin ich auch noch total mit dem midi-monsieur aneinander geraten und musste ein paar Tränen vergießen.

Außerdem habe ich in einer Tour Hunger und dabei besonders Appetit auf Milchprodukte, die ich aber Dank Antibiotikum (Antibiotiko?) nur bedingt zu mir nehmen kann.

Wenigstens konnte ich heute Mission:Adventix komplett abschließen, eine Rechnung verschicken und bekam ein tolles Päckchen von meiner Mama.

Aber sonst?! Kacktag! Und arbeiten muss ich immer noch.

Tag Drei

Heute ist der dritte Tag nach der Zahn-OP und der erste Tag, an dem es mir etwas besser geht. Von Montag bis gestern ging es ja kontinuierlich schlechter. Zum Glück hat mein Zahnarzt auch Mittwochnachmittag Sprechstunde. Und die verließ ich mit einem Antibiotikum, einem verschreibungsplichtigen Schmerzmittel und Chlorhexidin-Spüllösung.

Der Tag gestern war sehr bescheiden und ich rannte den ganzen Tag mit irgendwas Kühlendem an der Wange rum. Das verschreibungspflichtige Schmerzmittel wirkt bei mir gar nicht. Als ich über eine Stunde litt in der Hoffnung, dass es doch noch anfangen würde zu wirken, musste ich noch zusätzlich Ibuprofen nehmen. Meine Leber und Nieren werden es mir danken. Nicht.

Heute morgen musste ich zwar noch schlafen, aber ich schaffte es tatsächlich später noch einen Auftrag abzuarbeiten. Danach duschte ich und ging sogar noch einkaufen. Auch räumte ich die Küche auf, die nach drei Tagen Schmerzzombie aussah, wie ich mich fühlte. Und tatsächlich machte ich abends wieder was Richtiges zu essen. Die letzten Tage gab es ja doch nur Dosensuppen.

Drückt mir die Daumen, dass es so bleibt und weiter besser wird.

Nichts darf man … äh, frau

Gerade möchte ich schreiend irgendwo rumlaufen. So Urschreitherapie-mäßig. Und Menschen schütteln möchte ich.

Denn so langsam bin ich es leid: Nichts darf man frau irgendwer mehr. Vor allen Dingen was sagen. Und ich meine nicht Äußerungen besorgter Bürger, die doch bittedanke noch mal was sagen dürfen. Es ist doch zum Verrücktwerden.

Ich habe ja schon letztens dumm aus der Wäsche geguckt, was man alles nicht mehr zu Alleinerziehenden sagen darf. Aber jetzt soll man auch nicht mehr ALLEINerziehend sagen, weil … ja, warum eigentlich?!

Ich lasse ja noch gelten, dass getrennte Eltern, die sich aber relativ gleichberechtigt um die Aufzucht (und Erziehung) der Brut kümmern, das Wort doof finden. Denn so richtig allein erziehen sie ja nicht. Im besten Fall gemeinsam oder zumindest getrennt. Ich fände es aber als faktisch Alleinerziehende (88,5 Prozent dieses Jahres ist der midi-monsieur in meiner Obhut und Erziehungsgewalt) auch nicht schlimm, wenn sich jeder Elternteil als alleinerziehend bezeichnen würde. Soweit zur Randgruppe der Randgruppe.

Doch was ist denn mit der vermeintlich politisch unkorrekten Kuh, die gerade durchs Dorf getrieben wird? Alleinerziehend suggeriere, dass man allein sei. Und ich überlege gerade, ob ich lachen oder weinen soll. Sicherlich kann man das Wort wie folgt lesen:
allein erziehend (man darf es nach Duden sogar so schreiben).
Dann wird mir, armen Frau, die vom Manne verlassen wurde, (natürlich) erst recht schmerzlich bewusst, dass und vor allen Dingen wie alleine ich sei. Und dann fühle ich mich gleich noch allaleiner (ich weiß, dass es keine Steigerung von allein gibt) und schwupps, bin ich ein Häufchen Elend, das nienienie wieder einen Mann abbekommt. Self fulfilling prophecy und so.

Und da frage ich mich tatsächlich: Geht’s noch gut?

Wenn man das arme Wort, das im Duden mittlerweile mühsam zusammengefunden hat, schon auseinander fleddert, dann sollt man sich (wenigstens auch) mal den zweiten Wortteil zu Gemüte führen und sich nicht im Selbstmitleid des ersten baden: erziehend. Hey, das ist ein großes, mächtiges Wort. Ein Wort, in dem Verantwortung mitschwingt. Auf das wir verdammt noch mal stolz sein können. Dass wir diese Verantwortung wahrnehmen, dass wir uns dem stellen, dass wir es machen, so gut wir können. Und dass wir das auch noch allein machen, sollte uns einfach noch stolzer machen.

Wie sollen denn diejenigen, die sich (hauptsächlich) allein um die Erziehung kümmern bei denen die Kinder (hauptsächlich) wohnen, bezeichnet werden?

  • Mutter bzw. Vater?
    Faktisch richtig, aber für diese Problematik zu unaussagekräftig
  • Mutter bzw. Vater mit X Kind(er)?
    s.o. und zudem auch noch ein „weißer Schimmel“
  • Vom Vater bzw. Mutter getrennt lebende(r) Mutter bzw. Vater?
    Das sagt ja auch irgendwie nicht aus, wo das Kind ist
  • Verlassene(r) Erziehungsberechtigte(r)?
    Klingt ehrlichgesagt, deutlich deprimierender als alleinerziehend und wird auch dem geteilten Sorgerecht nicht gerecht
  • Das Elter? (und ja, nach Duden ist das Elter richtig)
    Nur das Wort oder mit den vorangeführten Spielchen …

Man kann das Wort natürlich einfach mal zusammen lassen und als Beschreibung des Familienstands nehmen. Mal abgesehen davon, dass ich mich lieber als alleinerziehend denn als geschieden* bezeichne(n würde), glaube ich, dass, wenn dieses Wort mal wirklich in die Bürokratie als offizielle Familien-/ Personenstandsbezeichung einziehen würde, sich ganz langsam etwas mehr in den Köpfen derer bewegen wird, die darüber entscheiden, dass endlich dieses beschissene Ehegattensplitting** aufgehoben überdacht wird und stattdessen Familien – egal, wie sie aussehen – ab dem Moment steuerlich begünstigt werden, ab dem ein Kind mit im Haushalt wohnt.

Habe fertig.

Vorerst.

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* Ich habe kein Problem damit, mich als „geschieden“ zu bezeichnen. Aber diese Trennung/ Scheidung ist so weit weg mittlerweile und hat ü.ber.haupt nichts mehr mit meinem aktuellen Leben zu tun und kehrt zudem noch die Anwesenheit des midi-monsieurs unter den Teppich.

** Was ja vor 16 Jahren auch ein Grund für die Heirat war.