Gelegenheit

Heute war die Gelegenheit günstig, endlich mal in der Wohnung – explizit in meinem Zimmer – auzuräumen. Denn meine Elterm sind zu Besuch gekommen.

Ja, meinen Eltern, vor allem meiner Mutter, mein Vater würde es vermutlich gar nicht sehen, wäre das egal und würden es verstehen, wenn ich nicht mit einer Schöner-Wohnen-Wohnung aufwarten.

Doch zum einen nervt mich mein Chaos ja selbst, allerdings habe ich zum klar Schiff machen gerne Zeit, um auch wirklich alles erledigen zu können und nicht irgendwas anfangen, abbrechen und später fortsetzen zu müssen.

Zum anderen hatten wir heute lustiges Bettenroulette: Der midi-monsieur schlief letzte Nacht bei mir. Der Kv schlief ja schon seit einer Woche im Gästezimmer. Da aber meine Eltern nicht mehr in einem Bett schlafen können und beide richtige Betten brauchen, war klar, dass ich mein Bett zur Verfügung stelle und für zwei Nächte auf der Matratze unterm Hochbett von midi-monsieur schlafe, in dem wiederum der midi-monsieur schläft. (Wenn wir keine Gäste haben, schlafe ich ja im Gästezimmer und der midi-monsieur in meinem Zimmer.)

Also musste ich heute Morgen, nachdem der Kv weg war, die Gästebettwäsche abziehen und waschen, mein Bett abziehen und waschen und weil ich dabei Kram von A nach B, von B nach C und irgendwie wieder zurück schleppte und das Chaos wuchs, machte ich kurzen Prozess und befüllte einen schwarzen Müllsack.

Und dank meines temporären Nachtlagers im Kinderzimmer hatte der midi-monsieur auch die tolle Gelegenheit, in seinem Zimmer aufzuräumen. Nunja, da ergeben sich hoffentlich noch ein paar weitere Gelegenheiten. Und spätestens, wenn wir die Zimmer tauschen werden, wird umfassend ausgemistet.

Erschöpft

Ich bin immer noch erschüttert, was da letztens mit der lieben Minusch via Twitter passiert ist. Und so sehr ich verstehen kann, dass sich jemand sorgt, wenn mal etwas länger Ruhe auf einem Account ist – insbesondere auch nach einem solchen Tweet -, so wenig Verständnis habe ich dafür, dass direkt die Polizei eingeschaltet wird.

Ich kann nicht wirklich beurteilen, wie nah diese Menschen Minusch stehen, aber sonderlich nah wird es nicht sein, denn sonst hätten sie andere Wege gefunden, ihrer Sorge Ausdruck zu verleihen. Am einfachsten wäre wohl anrufen gewesen. Oder sich wenigstens an wen zu wenden, von der oder dem man weiß, dass sie oder er ihr nahe steht. Gleich die Polizei einzuschalten ging gar nicht. Überhaupt nicht!

Aber eigentlich will ich mich gar nicht aufregen. Das obliegt v.a. Minusch und das hat sie ja zum Glück auch gemacht.

Ich will darüber schreiben, dass ich ihren Tweet überhaupt nicht mit auch nur den allerleisesten suizidalen Absichten in Verbindung gebracht habe. Ja, vielleicht hätte man das können. Aber vielleicht hätte man das nur können, wenn man noch nie in dieser Situation gewesen ist. Und damit meine ich in der Situation des Alleinerziehendseins – des ganz endgültigen und ganz alleinigem Alleinerziehendseins. Ja, das klingt dramatisch. Aber ganz ehrlich: Es ist auch dramatisch. Vor allem am Anfang. Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier.

Denn egal, wer sich von wem trennt, man ist von jetzt auf gleich alleinerziehend. Man kann nicht probehalber alleinerziehend sein (und temporär mit den Kinder alleine zu sein, weil der Partner nicht vor Ort ist, gibt sicherlich Einblick in die „Miesere“, hat aber trotz allem eine ganz andere Qualität). Man kann sich vielleicht, wenn man der trennende Part ist, eine zeitlang mit dem Gedanken anfreunden, aber was es wirklich bedeutet, weiß man erst, wenn die Trennung vollzogen ist.

Ja, so eine Trennung kann manchmal befreiend sein und war – in meinem Fall – auch überfällig. Beziehungen können zerstörerisch sein. Aber nur weil die Trennung, richtig, wichtig oder gar lebensrettend ist, ist man in seinem Alleinerziehendsei nicht weniger allein.

Und man steht allein vor einem Riesenberg:

  • Wie erkläre ich es den Kindern*? Was macht es mit ihnen?
  • Wie geht es finanziell weiter?
  • Wann sehen die Kinder den Vater**?
  • Wie organisiere ich unseren Alltag neu?

Und das sind nur die wichtigsten Fragen, wenn man es schafft, sich halbwegs zivilisiert und einvernehmlich zu trennen.

Doch das ist selten der Fall. Meist kommen viele Frage, Baustellen und Nebenschauplätze dazu:

  • Müssen wir umziehen? Wo finden wir eine schöne günstige Wohnung?
  • Ich will die Kinder nicht aus ihrem Umfeld reißen?
  • Warum kommt der Papa nicht? Warum dürfen wir nicht zum Papa?
  • Wieso schafft es der Ex immer wieder, mich auf die Palme zu bringen?
  • Ich kann nicht Vater und Mutter gleichzeitig sein.
  • Warum zahlt der Kv nicht?
  • Antrag auf Unterhaltsvorschuss stellen.
  • Wo finde ich eine gute Familienanwältin?
  • Warum ist das Jugendamt so doof?
  • Warum muss ich allesallesalles alleine machen und entscheiden?
  • Bekomme ich die Unterschrift vom Kv?
  • Gerichtstermine
  • Warum kann er sich verdammt nochmal nicht an Vereinbarungen halten?
  • Meine Kinderkranktage sind aufgebraucht und nun liegt schon wieder eins fiebernd im Bett?
  • Warum sind Oma und Opa so weit weg?
  • Scheidungsverfahren
  • Ich müsste dringend was für mich tun.
  • Warum kommt denn jetzt noch ein Mist dazu?
  • Klar kann man ner Alleinerziehenden kündigen. Warum auch nicht?!
  • Geschwisterkinder von Alleinerziehenden-Kindern bei der Betreuungsplatzvergaben? Die haben sie doch nicht mehr alle.
  • Elternabend 1, 2, 3, 4 und ganz viele.
  • Das Geld reicht hinten und vorne nicht.
  • Ich kann keine Formulare mehr sehen.
  • Warum darf sich der Kv die Rosinen rauspicken?
  • Die Kinder wollen den Vater nicht sehen. Und ich bin wieder die Dumme.
  • Ich muss funktionieren.
  • Wunden lecke ich dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Diese und noch viele andere Fragen, Aufgaben, Gedanken laufen den GANZEN Tag irgendwie mit. Mal mehr und mal weniger präsent. Dazu kommen noch die ganz banalen Alltagsdinge wie:

  • pünktlich aufstehen
  • ALLE zeitig loskommen
  • Hygiene
  • Essen
  • Einkaufen
  • Wäsche waschen
  • Putzen
  • Freizeitaktivitäten
  • Vorlesen / Gute-Nacht-Rituale
  • zusammen spielen

Da ist irgendwann einfach mal das Limit erreicht. Da kann man nicht mehr. Dann ist man fertig, einfach nur abgrundtief fertig und erschöpft. Und ja, sowohl physisch als auch emotional. Das belastet, das tut weh. Ja, man ist müde. UN.END.LICH müde!

Aber man ist nicht lebensmüde! Alleinerziehende sind nicht lebensmüde.

Denn da sind die Kinder, für die man sorgen und da sein will. Für die man eine Verantwortung hat. Für die man sich wünscht, dass es ihnen gut geht. Die man schlicht und einfach liebt. Und die man nicht, niemals nie allein lassen will.

Und wer helfen möchte, dem empfehle ich:

Alternativ darf auch angeboten werden, in der Wohnung klar Schiff zu machen, zu kochen oder einzukaufen, damit die Alleinerziehende auch einfach mal Zeit für ihre Kinder hat.

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* Ich wähle hier mal den Plural, damit ich mich nicht in tausend Sternchen, Klammern und Schrägstrichen verheddere.

** Auch hier der einfachheithalber das „klassische“ Modell: Die Kinder bleiben bei der Mutter.

12 von 12

Weil mein Instagram-Account irgendwie verwaist, dachte ich mir, dass ich mal wieder bei 12von12 mitmachen könnte.

#1: Zum Duschen brauche ich Musik. Und danach brauche ich leider auch Fenistil, denn ich habe mir am Samstag Nacken und Dekolleté verbrannt. Gar nicht schön das.-

#2: Es ist BalkonOffice-Wetter, aber die Wärme und das Sitzen bekommen meinen Beinen nicht. Also quetsche ich mich ganz uneitel in die Kompressionsstrümpfe.

#3: Vor lauter Arbeiten komme ich nicht zum Essen. Der Skyr transpieriert schon.

# 4: Ich räume das BalkonOffice, weil …

#5a/b: … ich noch schnell (haha) die Griffe vom Mountainbike tauschen will. Zum Glück klappt es wie gewünscht.

#6: Beim Rugby ist heute Elternabend. Saisonrückblick und -ausblick. Wobei uns das nur teilweise betrifft, da der midi-monsieur ja ab Sommer in der nächsthöheren Altersklasse spielt.

#7: Schulelternbeiratssitzung ist heute auch.

#8: Weil der Kv da ist, kann ich nach dem SEB noch in Ruhe einkaufen gehen.

#9: Als ich die Einköufe in die Küche bringen, gucken mich die Gerbera sehr traurig an.

#10: Ich setze mich kurz auf den Balkon und genieße die frische Luft.

#11: Aber die Gedanke an das Gespräch, das mir morgen bevor steht, lassen mich nicht los und ich gucke mir meine Notizen an.

#12: Ich sinniere noch kurz über die magere Dekoausbeute: So ohne Motto bin ich etwas ideenlos.

Alle 12von12 sammelt wie immer Draußen nur Kännchen.

Knapp

Warum sagt denn keine*r was?! In drei Tagen hat der midi-monsieur Geburtstag und irgendwie ist gefühlt noch nichts bin ich nicht vorbereitet.

Was natürlich nicht stimmt. Ich habe Geschenke fürs Kind. Ich habe auf dem Schirm, dass ich am Dienstag eine Geburtstagskuchen (für die Tradition) und Geburtstagsmuffins (für die Schule) backen muss. Ich habe dem Kv rechtzeitig gebeten, dass er Carambar aus Frankreich fürs Verteilen beim Rugby mitbringt. Es ist getimet, wann der Kv fährt und meine Eltern kommen.

Der Kindergeburtstag ist erst in 13 Tagen, also habe ich da noch etwas Zeit. Aber der Klettergarten ist gebucht. Ich muss mir nur noch überlegen, was es zu essen gibt und was in die Mitgebseltüten kommt.

Was mir aber gerade siedend heiß einfiel: das Geburtstags-Shirt. Da ich ja nicht nähen kann, kaufe ich für gewöhnlich eins*, das ich pimpe. Nun habe ich ein T-Shirt bestellt und muss hoffen, dass es rechtzeitig ankommt.

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* Zum 6. Geburtstag war es ein Glas mit einer 6 drauf.

Erstaunlich

Nein, es ist nicht wirklich erstaunlich, was es mit mir macht, wenn ich nicht den ganzen Tag auf Kind-Standby bin. Ja, es ist erholsam, wenn ein zweiter Erwachsener, derzeit der Kv, da ist und sich um den midi-monsieur kümmert.

Weil der Kv nach dem Rugby-Turnier mit dem Kind auf den Spielplatz ging, konnte ich schlafen. Was dringendst nötig war.

Sonst hätte ich danach nicht einkaufen gehen, nicht Essen machen, nicht in der Küche endlich mal klar Schiff machen und nicht eine Quiche vorbereiten können, weil ich von der gestern gebackenen heute nichts bekommen habe, aber seitdem Lust auf Quiche habe.

Und trotzdem finde ich den Gedanken, dass hier dauerhaft ein weiterer Erwachsener wohnt, nicht sonderlich attraktiv.

Aber auch das ist nicht erstaunlich. 😁

Nachts, halb zwölf

Freitagnacht um 23h30 schiebt die Rugby-Mum noch schnell eine Quiche zum Bananenbrot in den Ofen.

Denn morgen ist Rugby-Turnier bei uns, also in Frankfurt, nicht bei uns zu Hause (aber das dachtet ihr euch schon), und der Club bietet für die Gäste ein Kuchen-Buffet an. Da trägt halt jede*r ihren Teil bei. 🙂

Captain Holzbein

Es ist ja nicht so, dass der midi-monsieur keine Ausdauer hätte. Also physische*. Er hält ja erstaunlich gut mit, wenn wir zusammen Rad fahren (und unsere Touren sind selten kürzer als 10 km).

Von dieser Ausdauer profitiert er auch beim Rugby. Schließlich stehen die während ihres Trainings, das anderthalb Stunden lang ist, ja nicht rum, sondern sind ständig (!) in Bewegung. Er ist nach dem Training zwar ausgepowert, aber nicht total fertig.

Dennoch beobachte ich seit Anfang des Trainings, dass er bei Laufübungen, bei denen es um Schnelligkeit geht, immer (!) der langsamste ist. Und ich rätselte warum.

Doch seitdem ich mehr das Training verfolge, sprich die ganze Zeit am Spielfeldrand hocke und zugucke, ist mir aufgegangen, woran es liegt: Der midi-monsieur kann nicht laufen. Also natürlich kann er laufen, er kann sich problemlos mit seinen Füßen fortbewegen, aber seine Lauftechnik (wobei „Technik“ aus rein sportlichen Aspekten ein Euphemismus ist) ist … nennen wir es mal „eigenwillig“. Denn er hebt die Füße nicht hoch. Überspitzt gesagt: Er läuft, als hätte er zwei Holzbeine.

Am Schuhwerk sollte es nicht liegen

Diese Erkenntnis hat mich jetzt an der Ehre gepackt. Nein, ich bin keine passionierte Läuferin, aber ich habe früherTM** mal Handball-Minis trainiert. Und die waren so mini, dass es beim Training vorranig um Laufübungen ging: Hopserlauf, Anfersen, große Schritte, Trippelschritte, Fersenlauf, auf Zehenspitzen, Schleichen, Seitwärtslauf, Rückwärtslaufen. Halt so alles, was man mit den Beinen und Füßen anstellen und üben kann, um sich (effektiver) fortzubewegen.

Und so habe ich dem Kind ein paar Übungen gezeigt, die er problemlos zwischendurch machen kann, damit er hoffentlich lernt, das ganze Bein für die Laufbewegung zu nutzen.

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* Er hat auch anderweitig Ausdauer, aber darum geht’s ja heute nicht.

** Vor mittlerweile 25 Jahren.