Baustelle

So langsam fällt mir wieder ein, warum ich in früheren Zeiten – also deutlich vor Kind – Umräumaktionen immer in einer wortwörtlichen Nacht- und Nebelaktion durchgezogen habe: Was mir so am Abend einfiel, war dann am nächsten Morgen fertig. Gut, ich war auch fertig, aber die Zimmer sahen so aus, wie ich es mir nur ein paar Stunden vorher überlegt hatte. Dabei ging es nicht darum, ein Regal umzusortieren, sondern ganze Zimmer umzustellen oder zu tauschen. Und ich hatte damals noch deutlich mehr Bücher*.

Die jetzige Umräumaktion gärt nun schon 4 Wochen. Mit der Entscheidung war klar, dass hier früher oder später Zimmer geleert und neu gefüllt werden müssen. Seit zwei Wochen weiß ich, welche Möbel hier voraussichtlich noch einziehen könnensollenmüssen. Und hätte ich nicht Fuß gehabt, hätte ich die Woche nach Ostern bereits gerne angefangen umzuräumen. Auch damit der midi-monsieur einfach sein Zimmer hat und von den Umstrukturierungen nicht direkt tangiert wird.

Aber es ging erst vor vier Tagen los. Und auch erstmal nur mit den Betten. Was zur Folge hat, dass der midi-monsieur für seine Anzieh- und Spielsachen ins Mufuzi muss, der RB und ich unsere Klamotten aus dem Kinderzimmer holen und das alles, was noch keinen neuen Platz hat im Mufuzi abgestellt wird. Die Wohnung ist eine gefühlte Komplettbaustelle.

DAS.NERVT.MICH!

Und weil mich das nervt, nerven mich auch ganz schnell andere Dinge. Dann kann ich mich in ein fehlendes Danke reinsteigern, mich sehr darüber aufregen, dass ich mir wiederholt den Kopf am Kran vom Kind gestoßen habe oder dem „normalen“ Haushaltschaos böse Blicke zuwerfen, weil es sich nicht selbst aufräumt.

Etwas weniger genervt war ich heute, als ich im Kinderzimmer Dinge von der Wand schraubte, Dübel und Schrauben entfernte, Löcher zuspachtelte …

Von Papa habe ich gelernt, Spachtelmasse in Molle mit Spachtel anzurühren.**

und den Kran ummontierte und der midi-monsieur ein paar Spielsachen schon mal in sein „neues“ Zimmer brachte.

Aber ich will, dass dieses Chaos aufhört. Dass Dinge wieder ihren Platz haben. Dass das Gerümpel nur noch im Mufuzi stattfinden wird. Dass alle Möbel da sind, wo sie hingehören. Dass klar ist, was eventuell noch fehlt. UND.ZWAR.JETZT!

Diese Interimszustände sind einfach nichts für mich. (Hoffentlich ist das bald vorbei.)

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* Ehrlicherweise habe ich einen Teil der Bücher immer noch – im Keller in Kartons.

** Ich mag ja auch Fertigspachtel aus der Tube – vor allem, weil man den so gut tief IN die Bohrlöcher applizieren kann. Aber den hatte ich nicht da und los wollte ich dafür auch nicht und das Pulver war noch da.

Update

Der Fuß ist wieder funktionstüchtig. Meine Hausärztin hat ihn besprochen* und nun tut er nicht mehr weh. Hätte ich das mal vorher gewusst.

Von Car2Go habe ich keine Daten zum Abschleppvorgang bekommen, das ist äußerst ärgerlich. Denn das Geld ist natürlich bereits abgebucht und hat ein entsprechendes Loch hinterlassen. Letztlich ist es nur Geld. Das jetzt fehlt, aber auf Dauer vermutlich zu verknusen ist. Nun gut, verbuche ich es unter … Lehrgeld und Erfahrung.

Die dunkle Tulpe fällt – wie leider zu erwarten war – relativ stark aus.

14 Tage nach Tönung. Es ist schon deutlich heller.

Aber eine neue Tulpe ist unterwegs. Mal sehen, wann ich zum Pinseln komme. Beim nächsten Friseurbesuch – also jenseits vom Ponyschneiden – darf die Friseurin auch den Haarschnitt nochmal deutlicher ausarbeiten. Und auch wenn es die Haarfarbengeschichte beschleunigen und zum derzeitigen Haarschnitt vom RB passen würde, es wird bestimmt kein Feather bzw. Chelsea Cut. Aber der Bob darf ruhig etwas steiler zum Hinterkopf verlaufen und im Nacken anrasiert fände ich auch mal wieder ganz cool.

Wenn ich so drüber nachdenke, habe ich in diesem Jahr noch nicht einmal – seit dem Glütza zu Silvester – die Nägel lackiert. Und irgendwie ist mir auch gar nicht so danach. Die Füße müssendürfen aber bald mal wieder.

Allem Anschein nach habe ich mal wieder Heuschnupfen. Das ist ja jedes Jahr ein bisschen Börenspiel, ob oder nicht und wenn ja wie schlimm. Vermutlich ist es wieder die Birke. Nunja. Die letzten Jahre waren es auch nur die Frühblüher. Hoffe ich mal das Beste und nehme so lange Antihistaminikum.

Ich nutz(t)e ja die Clue-App, um meinen Zyklus aufzuzeichnen und zu beobachten. Dann ließ ich mir die Spirale setze und hoffte, dass es da bald nichts mehr aufzuzeichnen gebe – zumindest keine Blutungen mehr. Eine kann damit aber viel mehr als nur die profane Blutung aufzeichnen. Außerdem hatte ich ja noch bis zum letzten Zyklus eine minimale Blutung. Diesen Monat, quasi jetzt bzw. vorgestern oder so, ist der erste wohl ohne. Da kann ich also nichts vermerken. Allerdings konnte ich vermerken, dass und wann mir die Hormonspirale gelegt wurde. Daher guckte ich heute auch etwas irritiert auf den Handy-Bildschirm, als Clue mir mitteilte, dass mein Zyklus dieses Mal wohl recht lang sei. Tjanun.

Der Zimmertausch nimmt weiter Formen an. Erstes Ziel ist es, das Zimmer vom midi-monsieur vollständig einzurichten. Dazu habe ich heute das Bücherregal geleert und alles im Zimmer stehende Bewegliche (Stühle, Kartons, Kisten) rausgeräumt. Zudem habe ich noch die Vorhänge der beiden Balkonzimmer getauscht (vorher einmal schnell gewaschen).

Den Abend verbrachten der midi-monsieur und ich mal wieder im Smørgås. Dieses Mal war die Runde um vier Tweeps bzw. Instagramer erweitert. Nächste Aktion: Bring a Gin.

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* Ich habe ihn ihr am Montag, als ich zur Check-Up-Besprechung da war, gezeigt. Und sie meinte halt: Kann halt dauern.

Anspruch

Mit den Jahren hat eine ja so Ideen bzw. Vorstellungen, wie etwas laufen soll(te). Eine weiß – im besten Fall – auch, ob die Ideen und Vorstellungen, kurz Ansprüche, realistisch sind.

Problematisch wird es, wenn bei Umsetzung dieser Ansprüche äußere, nicht immer unabhängige Faktoren reinspielen, die die eigentlich realistischen Ansprüche konterkarieren – derweil der Fuß, der mich immer wieder zu Pausen zwingt und mich nicht in meinem Tempo arbeiten lässt.

Wenn dann noch der Umstand dazu kommt, dass eine ja theoretisch Hilfe haben könnte, diese aber praktisch von ihrem Glück – aus Gründen – nichts weiß, dann hat eine zwar nicht immer ihre Gesichtszüge unter Kontrolle, aber muss auch innerlich in die Tüte atmen und sich sagen:

Meine Ansprüche sind meine Ansprüche sind meine Ansprüche.

Und natürlich gilt: Reden hilft. Aber alles zu seiner Zeit. Denn das ist auch mein Anspruch: Ich kann und darf keinem anderen meine Ansprüche aufdrücken.

Blümchen

Vor einer Weile erschien mir ein Bild von einer ziemlich coolen Frau mit einer neuen, sehr genialen Haarfarbe in meiner fb-Timeline. Ich war geflasht und dachte: „Sowas will ich auch.“ Denn schon seit einer Weile hardere ich mit dem Schwarz. Nicht weil ich es nicht mehr mag, sondern weil es sich so schnell auswäscht und mein Haupthaar dann braun-schwarz mit leichtem Grünstich ist. Das sieht eher semi aus.

Nun spukte mir also rot durch den Kopf. Aber nach meiner leidvollen Rot-Orange-Erfahrung mit 15/16 war klar, dass der Rotton satt rot bzw. dunkelrot sein müsste. Ich konsultierte die Webseite meines Tönungsdealers – Midnight Blue, Plum, Lagoon und Apple Green kenne ich ja schon. Poppy, Pillarbox und Fire sind definitiv zu grell. Schnell liebäugelte ich mit Dark Tulip.

Tja, und wenn ich erstmal eine Farbe ins Auge gefasst habe, dann bringt mich davon wenig ab.

Blöd nur, dass meine Friseurin beim Termingespräch meinte, dass es von schwarz auf rot nicht ginge. Wir redeten über Strähnchen. Ich dachte darüber nach.

Beim eigentlichen Termin quatschten wir nochmal. Strähnchen wollte ich nicht. Wir einigten uns auf: Ich mach Dir die Haare jetzt erstmal heller und beim nächsten Mal schaffen wir dann rot. Hmm, ja. Ich war kurz davor, einen doppelseitigen Undercut in Erwägung zu ziehen.

Aber tadaa, da meine Haare seit einem Jahr nicht mehr blondiert wurden, nahmen sie die Behandlung gut an und – jippie – der dunklen Tulpe stand nichts im Weg.

Holzbein

Ich maße mir ja durchaus an, anhand von Informationen aus dem Internet Krankheiten bzw. Krankheitssymptome grob einordnen zu können. Vor allem auch einordnen zu können, ob es sich lohnt, einen entsprechenden Facharzt zu konsultieren – sprich im Zweifelsfall auf Notfall zu plädieren, ob ein späterer Termin ausreicht oder ob es „Watch’n’Wait“ auch tut.

Aktuell habe ich Fuß: Nach dem (für meine Verältnisse eigentlich nicht so) langen Marsch durch Frankfurt hatte ich abends beim Essen auf einmal links stechende Fußschmerzen – recht punktuell und auch nur unter Belastung. Ich dachte erstmal: „Ach, eine Nacht drüber schlafen und dann ist wieder gut.“ War es aber nicht. Am Sonntag schmerzte der Fuß immer noch. Was mich aber nicht davon abhielt, unserem Besuch Frankfurt weiterhin laufend zu zeigen. Das war sicherlich nur semischlau, denn die Schmerzen wurden nicht besser und Schonung ist ja prinzipiell nicht schlecht, wenn der Fuß sagt: „He, hier ist was nicht in Ordnung.“ Der beste Kumpel (noch aus Schulzeiten) war dem Fuß recht dankbar, weil ich ja nicht wirklich laufen, sondern eher humpeln konnte und somit das Fortbewegungstempo sehr entspannt war. Ich kam mir ja vor, als würde ich mit einem Holzbein laufen.

Heute hatte ich dann etwas Zeit zu überlegen, ob ich meinen Orthopäden belatschere, dass ich dringend einen Termin bräuchte, weil unerträgliche Schmerzen. Aber eigentlich hatte ich dazu keine Lust. Meine Hausärztin wird mir sicherlich nicht weiterhelfen können und bis 19h00 zu warten, um in der Notaufnahme drölfzig Stunden auszuharren, dass man mir sagt, dass orthopädische Fälle in die BGU sollen, fand ich auch überzogen. Also befragte ich Dr. Google und beschloss nach verschiedenen Seiten mit ähnlich lautendem Ergebnisse: Ich brauche wirklich ein Holzbein habe eine Sehnenscheidenentzüdung im Fuß. Und was wird dazu geraten?! Ruhigstellen, Diclofenac-Salbe, bei Bedarf entzündungshemmende Schmerzmittel sowie Wärme oder Kälte nach Gefühl.

Wird schon. Zum Arzt kann ich zur Not immer noch.

Frau des Tages

Diese Sache mit den Gedenktagen finde ich immer etwas grenzwertig. Auf der einen Seite ist es ja schon mal gut, dass Themen irgendwann mal so im Bewusstsein waren, dass man sich überlegte, dass man regelmäßig darüber nachdenken sollte. Auf der anderen Seite ist es immer etwas blöd, wenn die restlichen 364 (365) Tage im Jahr nicht so viel passiert. So auch beim Internationalen Frauentag. Da sind eigentlich noch so viele Themen offen, dass man ein Internationales Frauenjahrhundert daraus machen könnte. Themen, die für mich zum Teil gar nicht mehr relevant sind. Denn ich habe einfach viel Glück gehabt:

  • Eltern, die an mich glaubten und unterstützten
    • relativ genderneutrale Erziehung
    • nie „Das kannst Du nicht, Du bist ein Mädchen.“
    • regelmäßig „Du musst nichts Soziales machen, weil Du ein Mädchen bist.“ (eher: „Wehe, Du machst das“)
    • Lego war nicht nur für meine Brüder
    • „Geh raus, spiel am Bach, kletter auf Bäume.“
    • Gleichberechtigung war bei uns zu Hause immens wichtig.
    • „Ja, Du musst keinen Rock anziehen.“
    • „Ich war auch schlecht in Sprachen.“
    • Meine Mutter hat „immer“ gearbeitet und war auch zeitweise immer mal wieder die Hauptverdienerin.
    • „Hätte ich bessere Lehrer gehabt, wäre ich vermutlich auch gut in Mathe gewesen.“
    • „Du macht das schon richtig so.“
    • „Du musst Dich keinem Mann unterordnen.“

Dazu noch

  • Kaum Lehrer*innen, die mir naturwissenschaftlichen Unterricht madig machten
  • Professor*innen, die die Studierenden nicht nach Geschlecht unterschieden

Das Ergebnis: Ich bin eine weiße, gut gebildete, auch gut bezahlte und recht priviligierte Frau. Ich bin auch gerne die Frau, die ich bin. Manchmal wäre ich gerne etwas kämpferischer und (politisch) engagierter, denn was ich dank dem vielen Glück wenig brauchte: für meine Rechte wirklich kämpfen. Zumindest habe ich nicht das Gefühl. Aber vielleicht habe ich sie mir auch einfach „genommen“ und genutzt, weil sie nicht infrage gestellt wurden.

Dafür sage ich DANKE. Doch widmen möchte den heutigen Tag meinem großen Vorbild: meine Großmutter.

Meine Großmutter (links) und ich

Die stets ihr Ding machte und meinen Vater und meine Tante nach dem Krieg bewusst allein aufzog. Und die mich stets darin bestätigte, wenn ich wieder mal „Wildfang“ und so wenig „mädchenhaft“ war. Die mich Haltung und Anstand lehrte, aber immer dazu aufforderte, den Mund aufzumachen. Die stets opportun war und bereit dazu, auch unkonventionelle Wege zu gehen bzw. zu akzeptieren.

Runde

Eigentlich wollte ich heute, nachdem die Jungs zum Aikido loswaren, kurz duschen, dann schnell zum Friseur springen, den Pony nachschneiden lassen, einkaufen und dann den midi-monsieur im Dojo abholen.

Dann dauerte das Duschen und Föhnen länger und so brachte ich auf dem Weg zum Dojo ein Paket weg, holte das Kind ab, kaufte mit ihm beim Schreibwarenladen ein Vokabelheft, hatte auf dem Weg zum Supermarkt Glück und meine Friseurin hatte 3 Minuten für meinen Pony. Dann gingen wir einkaufen.

Andere Runde, mehr geschafft. Runde Sache.

Gefühlig*

Ich habe mich ja ein bisschen geweigert, diese Überschrift am Valentinstag zu nehmen. Denn mal ganz ehrlich: Valentinstag ist doof. Und ich bin sehr froh, dass der RB und ich uns da sehr einig sind. Entsprechend gut fand ich es, dass er heute Abend „trotzdem“ auf das Konzert gegangen ist, auf das er gehen wollte. Allein. (Auch wenn ich es natürlich doof finde, ihn heute Abend nicht bei mir zu haben. Aber das ist valentinstagsunabhängig.)

Der Tag fing schon mit Gefühlen an – beim midi-monsieur. Er habe da so ein Gefühl im Bauch. So ein ungutes. Aha, hmhm. Ich diskutierte mit ihm und ja, er habe Bauchschmerzen. Okay. Ja, er könne zu Hause bleiben, wenn ihm nicht wohl sei, ABER dann halt erstmal noch mit Wärmflasche ins Bett und schlafen. Ob er denn im Bett essen könne. Ja, trocken Brot. Milchprodukte etc. sind nicht so gut für einen grummeligen Bauch. Hmja. Er überlegt; sieht auch nicht wirklich malad aus. Nunja, er habe ja auch eigentlich ein Verabredung mit seinen Kumpels im Hort. Tja, der Kv lässt Würmer aus dem Kind sprechen, ich kann sich anbahnende Magen-Darm-Seuche im Keim wegsprechen.

Das Kind ging also in die Schule und für den RB und mich gab es noch ein große Portion hochgradig positive Gefühle, bevor wir beide arbeiten mussten.

Im Laufe des Nachmittags bekam ich ungute Gefühl aka Schmerzen im Rücken*, weswegen ist etwas länger unter der heißen Dusche blieb. (Jetzt fällt mir wieder ein, dass ich auf die Rolle wollte.)

Der midi-monsieur kam höchst negativ gefühlig nach Hause: fehlendes Vokabelheft, noch zu machende Hausaufgaben. Alles zu viel. Doch nicht nur die Schule. Auch die Situation zu Hause: Dass hier nun recht regelmäßig der RB ist, beschäftigt ihn. (Normal. Alles andere wäre komisch.) Und ich sehe und spüre seine Ambivalenz und er tut sie auch kund. Das ist zwar auf den ersten Blick anstrengend, aber letztlich super. So bleiben wir im Gespräch. Und reden ist ja immer gut.

Danach schlugen meine Gefühle um und ich war kurzfristig ziemlich aufgebracht, sauer und vor allem genervt.

Ich ärgerte mich auf mehreren Ebenen: Über mich, dass ich dieser bekloppten Aktion überhaupt zugestimmt habe. Und über den Kv und dessen Gebaren.

Zum Glück konnte ich mich beim Radfahren durch die Kälte, um den midi-monsieur zum Rugby-Training zu bringen, wieder beruhigen. Das war nicht nur gut fürs Gemüt, sondern auch dafür, dass ich nicht impulsiv twitterte, sondern kurz darüber nachdenken konnte, wie der Tweet evtl. aufgefasst werden könnte und erstmal telefonierte. Das war richtig und gut. (Dass ich das nicht mit mir selbst ausgemacht habe, ist ja auch so ein Gefühlsding.) Und mir war gefühlsmäßig wieder deutlich wohler.

Die Rückfahrt in der Dämmerung ließ frühlingsvorfreudig werden. Klar und kalt. Toll.

Das Kind war nach dem Rugby-Training auch deutlich entspannter und machte direkt noch seine restlichen Hausaufgaben ohne Murren und ohne Gehuddel, sodass sie ohne Streit und Tränen schnell erledigt waren.

Beim Ins-Bett-Bringen kam das Gespräch nochmal auf die Übernachtungen vom Kv. Nein, ihm würden auch zwei Nächte bei uns reichen. Das letzte Mal sei ja schon sehr anstrengend gewesen. Ach, Kind, dieser Prozess muss gerade so anstrengend für Dich sein. Ich wünschte, ich könnte ihn Dir ersparen, aber da kann ich Dir nur beistehen.

Und weil ich gerade so gefühlig war, musste ich das mal loswerden:

Es ist toll zu spüren, dass ich zur Zeit fast ausschließlich Menschen um mich rum habe, die mir gut tun. Und wie wichtig und richtig die „Mentalhygiene“ der letzten Jahre war.

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* Nunja, vermutlich werde ich in Zukunft meinen Zyklus vor allem an solchen Tagen ausmachen können.

Geteilte Gefühle

Sooo, nun lassen wir die Katze mal aus dem Sack. Die meisten werden es vermutet haben – meine Tweeps kennen mich schon ganz gut:

Ja, die Mehrheit hat natürlich recht. Und ich bin nicht nur verliebt, sondern auch noch glücklich verliebt. Ich muss jetzt ein bisschen an mich halten, dass es hier nicht zu gefühlsduselig wird – so kennt man mich ja nicht, aber: Es geht mir sehrsehr gut.

Diese Beziehung hat einen Raketenstart hingelegt: 3 Tage haben der RB* und ich uns geschrieben. Dann hat er mich besucht und auch direkt die Nacht bei mir verbracht.

Weil es sich irgendwie nicht verhindern ließ, hat der midi-monsieur ihn direkt kennengelernt. Interessanterweise war das für mich total in Ordnung. Und das, wo ich mir IMMER, wenn ich darüber nachdachte, ob ich überhaupt mal eine Beziehung wollen würde, vor allem die Frage stellte, wie ich es dem Kind beibringen würde, wie ich ihn einbeziehen müsstesollte und wieviel Rücksicht ich nehmen solltemüsste. Wie lange sollte ich den Mann mindestens kennen, dass es Sinn macht, dass ihn auch der midi-monsieur kennenlernt und so halt. Und natürlich auch Gedanken darüber: Wie wird das Kind reagieren? Er ist ja nun über 3,5 Jahre das einzige männliche Wesen im Haushalt gewesen. Wieviel Platzhirsch steckt schon in einem 8-Jährigen?

Tja, und dann merkt man auf einmal, dass man sich zwar wie 15 fühlen und teilweise auch benehmen kann, aber es halt mit 41 auch Erwachsenendinge bei so Beziehungskisten zu bedenken gibt – wie eben, dass man, also ich in dem Fall, die Gefühle des eigenen Kindes abfangen muss:

Denn es steckt viiiel Platzhirsch in einem 8-Jährigen, wie sich bei der geplanten (zweiten) Begegnung der beiden zeigen sollte. Huiii.

Zu Beginn war noch alles halbwegs entspannt. Wir trafen uns draußen und gingen zusammen in den Park. Zum einen musste das Kind gelüftet werden und zum anderen fand ich „neutralen“ Boden gar nicht so schlecht.

Allerdings kippte es im Park schnell. Der midi-monsieur nahm Abstand von uns. Machte relativ bewussten Quatsch, beäugte uns aus der Ferne und war – das machte er sehr deutlich – not amused. Ich ging zweimal auf ihn zu, merkte aber, dass es zu früh war. Er war noch viel zu aufgewühlt. Er seilte sich – immer in Blickweite – ab und ich beobachtete das Geschehen auf zwei Ebenen: Als Mutter litt ich mit meinem Kind. Denn er litt und wusste nicht wohin mit sich. Aber ich konnte die Situation auch von außen betrachten und sah, dass jede Intervention nichts bringen würde. Aber auch ein Abbruch würde uns nicht weiterbringen. Da mussten wir durch. Alle zusammen.

Irgendwann kam der midi-monsieur zu uns, mopperte rum und wollte nach Hause. Auch gut, wir gingen zusammen nach Hause. Das Kind sprühte vor Ablehnung, aber ich gab nicht nach. Wir gingen zu dritt nach Hause und das Kind merkte wohl, dass es mir ernst war. Kurz vor zu Hause sprach er uns dann tatsächlich erstmals zusammen an**. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Und zu Hause wollte das Kind den restlichen Galette des Rois essen – zu dritt. Und während ich Kaffee und Tee machte, teilte das Kind das Viertelstück in drei etwas ungleiche Teile und spaßte mit dem Neuen im Gefüge rum. Und als der Kuchen fast gegessen war, schnitt der midi-monsieur von seinem Stück etwas ab, halbierte das und gab sowohl mir als auch dem RB jeweils ein Extrastückchen. Oh, wow.

Dann wollte das Kind auf dem Tablet spielen und der RB und ich hatten noch einen Moment zu zweit, bevor er losmusste.

Als er ging, verabschiedete sich der midi-monsieur formvollendet von ihm. Er gab ihm die Hand und sagte: „Hat mich gefreut, dich kenngelernt zu haben.“ Oh, wow.

Dann waren das Kind und ich allein. Er zeigte mir was am Tablet, wollte noch etwas spielen. Wir besprachen die Essenswünsche der nächsten Tage, ich machte eine Einkaufsliste und drehte dann schnell meine Runde – ohne Kind.

Wieder zu Hause kochte ich und als das Essen fast fertig war, platzte es aus dem Kind heraus: „Mama, hast du _den_ lieber als mich?“
„Wie kommst du darauf?“
„Ich hatte im Park das Gefühl. Ich war da nicht mehr für dich da und du warst nur bei ihm.“
„Ja, aber du bist doch von uns weggefahren.“
„Ihr habt euch ja auch geküsst.“
„Ja und?“
„Mama! Das ist voll peinlich! Stell dir vor, ich bin in der Nähe und das sieht wer, was sollen die denn dann denken?“
Ich muss mir ein Lachen verkneifen: „Naja, aber du hast ja nicht mitgeküsst.“
„Ihgitt.“
„Aber um deine Frage zu beantworten: Nein, ich habe ihn nicht lieber als dich. Wie könnte ich? Du bist mein Kind und das Wichtigste in meinem Leben.“
„Aber das Gefühl hatte ich heute Nachmittag nicht.“
„Ich kann mir vorstellen, dass das komisch für dich ist. Die letzten drei Jahre gab es ja nur uns beide.“
„Ja, ich musste dich nicht teilen.“
„Aber du musst mich doch jetzt auch nicht teilen. Denk doch mal an deinen besten Kumpel: Meinst du, dass der sagt, dass er seine Mama mit seinem Papa teilen muss? Oder dass die Mama sagt, dass sie den Papa lieber hat als deinen Kumpel?“***
Es arbeitet im midi-monsieur.
Dann müssen wir das Gespräch jäh abbrechen, weil das Essen sonst angebrannt wäre.

Wir essen, machen uns einen schönen Abend. Als ich ihn ins Bett bringe, kommt das Thema nochmal auf, ob ich _den_ wirklich nicht lieber mögen würde.
„Ich kann ihn gar nicht lieber haben als dich. Weil das ein ganz anderes Liebhaben ist. Man hat jeden Menschen auf eine eigene Art lieb. Du bist mein Kind und Dich lieb ich, wie man ein Kind liebt. Der RB ist ja kein Kind. Den habe ich anders lieb. Das nimmt auch nichts von meiner Liebe zu Dir weg. Das ist ganz unterschiedlich. Du hast doch auch die Menschen unterschiedlich lieb: Du hast ja auch nicht den Papa lieber als mich, sondern hast eine Papa- und eine Mama-Liebe, die sich nicht teilt.“
Er entspannt sich merklich: „Ja, das stimmt.“

Wir machen noch zusammen Quatsch mit seinen Kuscheltieren. Ich kuschel ihn in den Schlaf. Im Halbschlaf sagt er noch: „Aber heute Abend kommt er nicht vorbei, wenn ich schlafe, oder?!“ Ich muss grinsen: „Nein, er kommt heute nicht vorbei.“

Aber er kam den Tag darauf und danach und auch wenn der midi-monsieur irgendwann konstatierte, ob er nun _immer_ da sei, sagte er auch nach ein paar Tagen Bedenkzeit: „Mama, ich weiß jetzt, dass der RB keine Liebe von Dir für mich wegnimmt.“

OH, WOW!

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* Nein, das steht nicht für seine Initialen.

** „Ihr seid ja auch nicht so schnell wie ich mit dem Roller.“ (Davor immer nur „Mama“ und „der da“.)

*** Original habe ich nicht Mama und Papa gesagt, sondern die Namen der Eltern, damit das Mama-Papa-Thema gar nicht erst strapaziert wird.