Man könnte meinen

… ich wäre in irgendwelchen Dürre-/ lebensmittelknappen Zeiten oder Krieg groß geworden. Vielleicht steckt es auch einfach epigenetisch in mir drin, dass ich zum einen Lebensmittel nur ungern wegschmeiße (und ich möchte hiermit nochmal darauf aufmerksam machen, dass im Ausdruck „Mindesthaltbarkeitsdatum“ mindest(ens) steckt. Das Lebensmittel ist also auf jeden Fall bis zu diesem Datum haltbar und setzt nicht unmittelbar eine Minute nach Mitternacht eine dicke Schimmelschicht an.) und zum anderen viele Kochüberbleibsel grundsätzlich (erst mal) aufhebe, denn daraus kann man bestimmt noch was machen.

Nunja, wir haben jetzt halt Orangenbaiser aus drei Eiweiß vorrätig (weil ich mich gestern nicht von den Eiweißen, die beim Eismachen übrige blieben, trennen wollte).

Muttertag

Dass heute Muttertag ist/ war, war mir ziemlich egal. Ich muss den Tag nicht per Hashtag zweckentfremden, ich muss mich nicht darüber echauffieren, dass es ihn überhaupt gibt und welches Mutterbild er vermittelt und ich denke auch nicht darüber nach, was es für meine Beziehung zum Kind bedeutet, wenn er mir nichts, nichts Selbstgemachtes oder irgendwas Sauteures schenkt.

Deswegen …

… bin ich heute gerne (für einen Sonntag) früh aufgestanden und bin auch ohne zu murren um 9h00 ins Auto gestiegen.

… habe ich mich zwischen Aufstehen und Losfahren sehr über das Muttertagsgeschenk gefreut, das der midi-monsieur in der Schule vorbereitet hat.

… habe ich auch gerne fünf Stunden in Heidelberg am Rugby-Pitch verbracht und vier Spiele der Mannschaft vom Kind angeschaut.

… war die Rückfahrt mit zwei übermüdetetdrehten Kindern auf der Rückbank nicht mehr oder weniger anstrengend als an anderen Tagen.

… gab es heute trotzdem nur eine Kugel Eis.

… war ich trotzdem total müde, als wir zu Hause waren, und musste mich erstmal hinlegen.

… gab es zum Abendessen nichts Besonderes leckere Reste von gestern, Brot und Tomatensalat.

… war es schön, dass ich vom midi-monsieur noch ein weiteres Muttertagsgeschenk (ein Gedicht in Schönschrift abgeschrieben) bekam.

… habe ich das Kind noch für seinen morgigen Sachkundetest abgefragt.

… war die Abendroutine wie immer – Zähneputzen, Vorlesen, Kuscheln, ab ins Bett.

Und mal abgesehen davon, dass ich das Kind ja nicht einfach an den Kv abgeben kann, um saufend und marodierend durch die Wälder zu ziehen, finde ich es auch schön, explizit den Muttertag mit meinem Kind zu verbringen. Denn ohne ihn wäre ich gar nicht Mutter.

Kräfte

Es ist erstaunlich, was so Kräfte zehrt. Vielleicht ist es Einbildung, aber seit das Implantat weg ist, geht es mir besser. Und ich habe wieder Kräfte. Klar muss ich damit haushalten, denn urlaubsreif bin ich immer noch, aber ich fühle mich nicht mehr so blockiert.

Erstaunlich ist auch, was noch so Kräfte freisetzt: Eine Freundin wird heute Nacht kommen und das sorgte tatsächlich dafür, dass ich im Wohnzimmer, in der Küche (zu 80%, aber immerhin gewischt), im Bad und im Gästezimmer endlich mal wieder klar Schiff gemacht habe. Eine Leistung, die ich mir Anfang der Woche schon gar nicht mehr zugetraut habe.

Möge es bitte so bleiben, bis ich endlich frei machen kann.

Aber vielleicht starte ich doch mal eine Petition, dass alle Alleinerziehenden einmal pro Monat ein Tag Putzdienst bezahlt bekommen.

Besser

Noch nicht gutgut, aber deutlich besser als die letzten Tag geht’s mir heute. Die Schreibblockade löst sich etwas. Ich kann mich möglicherweise auf einen Kurztrip ans Meer vorfreuen. Auf jeden Fall kann ich mich auf Basel und den Europapark (psst, das ist eine Überraschung fürs Kind) freuen.

Worauf ich mich nicht freue: Ich muss zum Zahnarzt. Und ich werde das Implantat wieder rausmachen lassen müssen. Es ist nicht fester angewachsen und macht weh. Vielleicht macht mich auch dieser latente Schmerz gerade so mööp. Genervt bin ich auf jeden Fall, weil jetzt irgendeine semioptimale Lösung her muss, um die Zahnlücke zu schließen.

Entspannung

Ich kann noch nicht mal sagen, dass ich schlecht schlafe. Und laut Tracker schlafe ich auch ausreichend und auch ausreichend tief.

Und trotzdem bin ich den ganzen Tag müde.

Mal abgesehen davon, dass ich nicht den ganzen Tag schlafen kann, habe ich eine innere Unruhe. Woher die kommt, weiß ich leider nur zu gut: Ich bin gerade im Job komplett blockiert. Schreibblockade deluxe. Hatte ich so (extrem) noch nie.*

Um wieder schreiben zu können, müsste ich entspannen.

Und um richtig entspannen zu können, müsste diese innere Unruhe mal weggehen.

Und schubbdiwubb stecke ich einem formidablen Circulus Vitiosus**.

Freitag, Samstag und heute habe ich mich gezwungen, mich um nichts Berufliches zu kümmern. Ich habe nicht die e-Mails aufgemacht und nichts gelesen – es wäre eh nichts hängen geblieben. Ich habe schöne Sachen gemacht. Aber so ganz funktioniert das mit dem Abschalten und Entspannen nicht:

Da hockt mir so ein kleiner Blödmann im Nacken und flüstert: „Aber zweidrei Stunden hätteste Freitag, Samstag und heute schon arbeiten können.“***

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* Es macht sich einfach bemerkbar, dass ich schon ewig keinen richtigen Urlaub mehr gehabt habe. Das letzte Mal ohne Laptop unterwegs war ich letztes Jahr in Paris.

** Wenn mich meine Lateinkenntnisse nicht im Stich lassen, müsste es eigentlich „circulo vitioso“ heißen.

*** Und ich kann nur zurückzischen: „Ich bin doch schon froh, dass ich etwas Haushalt geschafft habe.“

Vertrauen

Letztens bemerkte eine Freundin, wie toll sie es findet, dass der Kv und ich so ein gutes Verhältnis haben. Dazu muss gesagt sein, dass diese Freundin die Vorgeschichte nicht kennt. Wir haben uns erst kennengelernt, nachdem der ganze Gerichtsmist abgeschlossen war.

Ja, das Verhältnis zwischen dem Kv und mir ist weitestgehend entspannt. Entspannt genug, dass er bei uns übernachten kann, wenn er sein Kind abholt oder nach Hause bringt, oder wenn er kommt, um ihn zu besuchen.

So auch dieses Wochenende: Extra fürs Rugby-Turnier kommt er her. Es war nicht einfach, eine halbwegs sinnige und günstige Verbindung zu finden, und so kommt er heute Nacht an. Zu einer Zeit, zu der ich hoffentlich schlafe. Und weil ich keinen Bock auf Gewecktwerden habe mir mein Schlaf heilig ist, muss ich nicht nur ihm, sondern auch meinem Geschick und meiner Nachbarschaft vertrauen, dass er din an zwei Stellen hinterlegten Schlüssel findet, damit er rein kann, ohne wen zu wecken.

Der midi-monsieur weiß nichts von seinem Glück. Ich wollte zur Aufregung vor dem ersten Rugbyspiel überhaupt nicht auch noch diese Anspannung  („Wann kommt der Papa an?“) mischen.

Was heute gut war

Immer nur jammern ist auch nicht gesund. Und irgendwas Gutes passiert ja doch immer. Und wenn es nur die kleinen Dinge sind:

  • pünktlich wach werden
  • mit mir frühstücken, dabei von der Bedienung quasi mit einen großen Latte Macchiato begrüßt werden
  • die Job-Kröte etwas bearbeiten
  • verständiges Kind
  • mich hinlegen können
  • Markt mit Waffel und Himbeer-Schnäppchen
  • mich hinlegen können
  • Lasagne vorbereiten und dabei zum ersten Mal den Fleischwolf benutzen
  • mich hinlegen können
  • leckere Lasagne essen
  • Olchis vorgelesen bekommen
  • leckeren Nachtisch essen
  • Lasagne- und Sugo-Reste zum Bevorraten
  • Kraft zum Wäscheaufhängen haben
  • mit dem Kind Asterix gucken

Wenn ich halbwegs früh ins Bett komme, kann ich darauf hoffen, daß morgen wieder besser wird – also, dass es mir wieder besser geht.

(Urlaubsreif bin ich weiterhin und ich habe schlimme Sehnsucht nach Meer und Wind.)