Ordnung

So sehr in einigen Bereichen dieser Wohnung immer – also nicht nur aktuell wegen der Umstrukturierung – Chaos herrscht, so pingelig kann ich beim Beamtendreikampf* sein. Ich habe einen Satz Ordner**, von denen ich weiß, dass ich sie – nachdem der midi-monsieur gesichert ist – im Fall von BrandFlutGodzilla schnappen muss und da ist dann ALLES Wichtige*** drin – abgesehen von Fotos und Arbeit, dafür muss ich dann auch auf jeden Fall den Laptop retten. Ich habe die Unterlagen auch fein säuberlich mit Trennblättern und so Zeug getrennt und gekennzeichnet. In diesen Ordnern weiß ich genau, wo was zu finden ist.****

Und weil ich tief in meinem Inneren ja sehr ordentlich bin, wusste ich natürlich, dass im Keller zwei Umzugskisten stehen, in denen Ordner sind. Alle Ordner, die ich während meines Biochemiestudiums geführt und angelegt habe. Was ich nicht wusste, war, dass

  • es 15 Ordner waren und
  • ich sie noch penibler geordnet hatte als meine persönlichen Ordner.

Nun begleiten mich diese Ordner seit mindestens 13,5 Jahren; die meisten halt schon fast 19 Jahre. Ich habe seit Ende des Studiums nicht mehr reingeschaut. Aber trennen konnte ich mich auch nicht von ihnen.

Bis heute.

Heute ging ich in den Keller und öffnete die Kisten. Mit etwas Angst, denn ganz trocken ist der Keller nicht. Doch den Unterlagen ging es gut. Und schon hatte ich etwas Skrupel. Denn es wäre deutlich einfacher gewesen, wenn die Unterlagen feucht, schimmelig oder anderweitig angegriffen gewesen wären.

Ich fasste mir ein Herz und öffnete – ohne auf den Rücken zu gucken – die Ordner und entnahm den Inhalt. Denn zum einen sollen die Ordner zukünftig andere Dinge bewahren und zum anderen wollte ich die Trennblätter zur Wiederverwendung zurückgewinnen. So viel Ordnung muss sein.

Und auch wenn ich wirklich alle***** Unterlagen wegschmiss, war mir schon ein bisschen weh ums Herz. Zumal nicht nur Ordner, sondern auch Fachbücher****** zutage kamen.

Insgesamt habe ich vier Umzugskartons geleert, 12 Ordner und diverse Trennblätter und -streifen zurückgewonnen. Die können nun auch wieder verwendet werden.

Jetzt ist es im Keller – der eh schon sehr aufgeräumt war – noch ordentlicher.

————————–
* Lochen, falten, abheften

**Mittlerweile sind es drei Ordner

*** Versicherung, Steuer, Konto, Verträge

**** Das weiß ich in meinem geordneten Chaos auch. Ein Handgriff und ich habe, was ich suchebrauche.

***** Naja, fast. Meine Lernhilfen konnte ich auch nicht wegschmeißen.

****** Falls irgendwer Bedarf hat, gucke sie bitte hier, hier, da und dort.

Baustelle

So langsam fällt mir wieder ein, warum ich in früheren Zeiten – also deutlich vor Kind – Umräumaktionen immer in einer wortwörtlichen Nacht- und Nebelaktion durchgezogen habe: Was mir so am Abend einfiel, war dann am nächsten Morgen fertig. Gut, ich war auch fertig, aber die Zimmer sahen so aus, wie ich es mir nur ein paar Stunden vorher überlegt hatte. Dabei ging es nicht darum, ein Regal umzusortieren, sondern ganze Zimmer umzustellen oder zu tauschen. Und ich hatte damals noch deutlich mehr Bücher*.

Die jetzige Umräumaktion gärt nun schon 4 Wochen. Mit der Entscheidung war klar, dass hier früher oder später Zimmer geleert und neu gefüllt werden müssen. Seit zwei Wochen weiß ich, welche Möbel hier voraussichtlich noch einziehen könnensollenmüssen. Und hätte ich nicht Fuß gehabt, hätte ich die Woche nach Ostern bereits gerne angefangen umzuräumen. Auch damit der midi-monsieur einfach sein Zimmer hat und von den Umstrukturierungen nicht direkt tangiert wird.

Aber es ging erst vor vier Tagen los. Und auch erstmal nur mit den Betten. Was zur Folge hat, dass der midi-monsieur für seine Anzieh- und Spielsachen ins Mufuzi muss, der RB und ich unsere Klamotten aus dem Kinderzimmer holen und das alles, was noch keinen neuen Platz hat im Mufuzi abgestellt wird. Die Wohnung ist eine gefühlte Komplettbaustelle.

DAS.NERVT.MICH!

Und weil mich das nervt, nerven mich auch ganz schnell andere Dinge. Dann kann ich mich in ein fehlendes Danke reinsteigern, mich sehr darüber aufregen, dass ich mir wiederholt den Kopf am Kran vom Kind gestoßen habe oder dem „normalen“ Haushaltschaos böse Blicke zuwerfen, weil es sich nicht selbst aufräumt.

Etwas weniger genervt war ich heute, als ich im Kinderzimmer Dinge von der Wand schraubte, Dübel und Schrauben entfernte, Löcher zuspachtelte …

Von Papa habe ich gelernt, Spachtelmasse in Molle mit Spachtel anzurühren.**

und den Kran ummontierte und der midi-monsieur ein paar Spielsachen schon mal in sein „neues“ Zimmer brachte.

Aber ich will, dass dieses Chaos aufhört. Dass Dinge wieder ihren Platz haben. Dass das Gerümpel nur noch im Mufuzi stattfinden wird. Dass alle Möbel da sind, wo sie hingehören. Dass klar ist, was eventuell noch fehlt. UND.ZWAR.JETZT!

Diese Interimszustände sind einfach nichts für mich. (Hoffentlich ist das bald vorbei.)

—————————–
* Ehrlicherweise habe ich einen Teil der Bücher immer noch – im Keller in Kartons.

** Ich mag ja auch Fertigspachtel aus der Tube – vor allem, weil man den so gut tief IN die Bohrlöcher applizieren kann. Aber den hatte ich nicht da und los wollte ich dafür auch nicht und das Pulver war noch da.

Update

Der Fuß ist wieder funktionstüchtig. Meine Hausärztin hat ihn besprochen* und nun tut er nicht mehr weh. Hätte ich das mal vorher gewusst.

Von Car2Go habe ich keine Daten zum Abschleppvorgang bekommen, das ist äußerst ärgerlich. Denn das Geld ist natürlich bereits abgebucht und hat ein entsprechendes Loch hinterlassen. Letztlich ist es nur Geld. Das jetzt fehlt, aber auf Dauer vermutlich zu verknusen ist. Nun gut, verbuche ich es unter … Lehrgeld und Erfahrung.

Die dunkle Tulpe fällt – wie leider zu erwarten war – relativ stark aus.

14 Tage nach Tönung. Es ist schon deutlich heller.

Aber eine neue Tulpe ist unterwegs. Mal sehen, wann ich zum Pinseln komme. Beim nächsten Friseurbesuch – also jenseits vom Ponyschneiden – darf die Friseurin auch den Haarschnitt nochmal deutlicher ausarbeiten. Und auch wenn es die Haarfarbengeschichte beschleunigen und zum derzeitigen Haarschnitt vom RB passen würde, es wird bestimmt kein Feather bzw. Chelsea Cut. Aber der Bob darf ruhig etwas steiler zum Hinterkopf verlaufen und im Nacken anrasiert fände ich auch mal wieder ganz cool.

Wenn ich so drüber nachdenke, habe ich in diesem Jahr noch nicht einmal – seit dem Glütza zu Silvester – die Nägel lackiert. Und irgendwie ist mir auch gar nicht so danach. Die Füße müssendürfen aber bald mal wieder.

Allem Anschein nach habe ich mal wieder Heuschnupfen. Das ist ja jedes Jahr ein bisschen Börenspiel, ob oder nicht und wenn ja wie schlimm. Vermutlich ist es wieder die Birke. Nunja. Die letzten Jahre waren es auch nur die Frühblüher. Hoffe ich mal das Beste und nehme so lange Antihistaminikum.

Ich nutz(t)e ja die Clue-App, um meinen Zyklus aufzuzeichnen und zu beobachten. Dann ließ ich mir die Spirale setze und hoffte, dass es da bald nichts mehr aufzuzeichnen gebe – zumindest keine Blutungen mehr. Eine kann damit aber viel mehr als nur die profane Blutung aufzeichnen. Außerdem hatte ich ja noch bis zum letzten Zyklus eine minimale Blutung. Diesen Monat, quasi jetzt bzw. vorgestern oder so, ist der erste wohl ohne. Da kann ich also nichts vermerken. Allerdings konnte ich vermerken, dass und wann mir die Hormonspirale gelegt wurde. Daher guckte ich heute auch etwas irritiert auf den Handy-Bildschirm, als Clue mir mitteilte, dass mein Zyklus dieses Mal wohl recht lang sei. Tjanun.

Der Zimmertausch nimmt weiter Formen an. Erstes Ziel ist es, das Zimmer vom midi-monsieur vollständig einzurichten. Dazu habe ich heute das Bücherregal geleert und alles im Zimmer stehende Bewegliche (Stühle, Kartons, Kisten) rausgeräumt. Zudem habe ich noch die Vorhänge der beiden Balkonzimmer getauscht (vorher einmal schnell gewaschen).

Den Abend verbrachten der midi-monsieur und ich mal wieder im Smørgås. Dieses Mal war die Runde um vier Tweeps bzw. Instagramer erweitert. Nächste Aktion: Bring a Gin.

————————–
* Ich habe ihn ihr am Montag, als ich zur Check-Up-Besprechung da war, gezeigt. Und sie meinte halt: Kann halt dauern.

Anspruch

Mit den Jahren hat eine ja so Ideen bzw. Vorstellungen, wie etwas laufen soll(te). Eine weiß – im besten Fall – auch, ob die Ideen und Vorstellungen, kurz Ansprüche, realistisch sind.

Problematisch wird es, wenn bei Umsetzung dieser Ansprüche äußere, nicht immer unabhängige Faktoren reinspielen, die die eigentlich realistischen Ansprüche konterkarieren – derweil der Fuß, der mich immer wieder zu Pausen zwingt und mich nicht in meinem Tempo arbeiten lässt.

Wenn dann noch der Umstand dazu kommt, dass eine ja theoretisch Hilfe haben könnte, diese aber praktisch von ihrem Glück – aus Gründen – nichts weiß, dann hat eine zwar nicht immer ihre Gesichtszüge unter Kontrolle, aber muss auch innerlich in die Tüte atmen und sich sagen:

Meine Ansprüche sind meine Ansprüche sind meine Ansprüche.

Und natürlich gilt: Reden hilft. Aber alles zu seiner Zeit. Denn das ist auch mein Anspruch: Ich kann und darf keinem anderen meine Ansprüche aufdrücken.

Blümchen

Vor einer Weile erschien mir ein Bild von einer ziemlich coolen Frau mit einer neuen, sehr genialen Haarfarbe in meiner fb-Timeline. Ich war geflasht und dachte: „Sowas will ich auch.“ Denn schon seit einer Weile hardere ich mit dem Schwarz. Nicht weil ich es nicht mehr mag, sondern weil es sich so schnell auswäscht und mein Haupthaar dann braun-schwarz mit leichtem Grünstich ist. Das sieht eher semi aus.

Nun spukte mir also rot durch den Kopf. Aber nach meiner leidvollen Rot-Orange-Erfahrung mit 15/16 war klar, dass der Rotton satt rot bzw. dunkelrot sein müsste. Ich konsultierte die Webseite meines Tönungsdealers – Midnight Blue, Plum, Lagoon und Apple Green kenne ich ja schon. Poppy, Pillarbox und Fire sind definitiv zu grell. Schnell liebäugelte ich mit Dark Tulip.

Tja, und wenn ich erstmal eine Farbe ins Auge gefasst habe, dann bringt mich davon wenig ab.

Blöd nur, dass meine Friseurin beim Termingespräch meinte, dass es von schwarz auf rot nicht ginge. Wir redeten über Strähnchen. Ich dachte darüber nach.

Beim eigentlichen Termin quatschten wir nochmal. Strähnchen wollte ich nicht. Wir einigten uns auf: Ich mach Dir die Haare jetzt erstmal heller und beim nächsten Mal schaffen wir dann rot. Hmm, ja. Ich war kurz davor, einen doppelseitigen Undercut in Erwägung zu ziehen.

Aber tadaa, da meine Haare seit einem Jahr nicht mehr blondiert wurden, nahmen sie die Behandlung gut an und – jippie – der dunklen Tulpe stand nichts im Weg.

Holzbein

Ich maße mir ja durchaus an, anhand von Informationen aus dem Internet Krankheiten bzw. Krankheitssymptome grob einordnen zu können. Vor allem auch einordnen zu können, ob es sich lohnt, einen entsprechenden Facharzt zu konsultieren – sprich im Zweifelsfall auf Notfall zu plädieren, ob ein späterer Termin ausreicht oder ob es „Watch’n’Wait“ auch tut.

Aktuell habe ich Fuß: Nach dem (für meine Verältnisse eigentlich nicht so) langen Marsch durch Frankfurt hatte ich abends beim Essen auf einmal links stechende Fußschmerzen – recht punktuell und auch nur unter Belastung. Ich dachte erstmal: „Ach, eine Nacht drüber schlafen und dann ist wieder gut.“ War es aber nicht. Am Sonntag schmerzte der Fuß immer noch. Was mich aber nicht davon abhielt, unserem Besuch Frankfurt weiterhin laufend zu zeigen. Das war sicherlich nur semischlau, denn die Schmerzen wurden nicht besser und Schonung ist ja prinzipiell nicht schlecht, wenn der Fuß sagt: „He, hier ist was nicht in Ordnung.“ Der beste Kumpel (noch aus Schulzeiten) war dem Fuß recht dankbar, weil ich ja nicht wirklich laufen, sondern eher humpeln konnte und somit das Fortbewegungstempo sehr entspannt war. Ich kam mir ja vor, als würde ich mit einem Holzbein laufen.

Heute hatte ich dann etwas Zeit zu überlegen, ob ich meinen Orthopäden belatschere, dass ich dringend einen Termin bräuchte, weil unerträgliche Schmerzen. Aber eigentlich hatte ich dazu keine Lust. Meine Hausärztin wird mir sicherlich nicht weiterhelfen können und bis 19h00 zu warten, um in der Notaufnahme drölfzig Stunden auszuharren, dass man mir sagt, dass orthopädische Fälle in die BGU sollen, fand ich auch überzogen. Also befragte ich Dr. Google und beschloss nach verschiedenen Seiten mit ähnlich lautendem Ergebnisse: Ich brauche wirklich ein Holzbein habe eine Sehnenscheidenentzüdung im Fuß. Und was wird dazu geraten?! Ruhigstellen, Diclofenac-Salbe, bei Bedarf entzündungshemmende Schmerzmittel sowie Wärme oder Kälte nach Gefühl.

Wird schon. Zum Arzt kann ich zur Not immer noch.

Frau des Tages

Diese Sache mit den Gedenktagen finde ich immer etwas grenzwertig. Auf der einen Seite ist es ja schon mal gut, dass Themen irgendwann mal so im Bewusstsein waren, dass man sich überlegte, dass man regelmäßig darüber nachdenken sollte. Auf der anderen Seite ist es immer etwas blöd, wenn die restlichen 364 (365) Tage im Jahr nicht so viel passiert. So auch beim Internationalen Frauentag. Da sind eigentlich noch so viele Themen offen, dass man ein Internationales Frauenjahrhundert daraus machen könnte. Themen, die für mich zum Teil gar nicht mehr relevant sind. Denn ich habe einfach viel Glück gehabt:

  • Eltern, die an mich glaubten und unterstützten
    • relativ genderneutrale Erziehung
    • nie „Das kannst Du nicht, Du bist ein Mädchen.“
    • regelmäßig „Du musst nichts Soziales machen, weil Du ein Mädchen bist.“ (eher: „Wehe, Du machst das“)
    • Lego war nicht nur für meine Brüder
    • „Geh raus, spiel am Bach, kletter auf Bäume.“
    • Gleichberechtigung war bei uns zu Hause immens wichtig.
    • „Ja, Du musst keinen Rock anziehen.“
    • „Ich war auch schlecht in Sprachen.“
    • Meine Mutter hat „immer“ gearbeitet und war auch zeitweise immer mal wieder die Hauptverdienerin.
    • „Hätte ich bessere Lehrer gehabt, wäre ich vermutlich auch gut in Mathe gewesen.“
    • „Du macht das schon richtig so.“
    • „Du musst Dich keinem Mann unterordnen.“

Dazu noch

  • Kaum Lehrer*innen, die mir naturwissenschaftlichen Unterricht madig machten
  • Professor*innen, die die Studierenden nicht nach Geschlecht unterschieden

Das Ergebnis: Ich bin eine weiße, gut gebildete, auch gut bezahlte und recht priviligierte Frau. Ich bin auch gerne die Frau, die ich bin. Manchmal wäre ich gerne etwas kämpferischer und (politisch) engagierter, denn was ich dank dem vielen Glück wenig brauchte: für meine Rechte wirklich kämpfen. Zumindest habe ich nicht das Gefühl. Aber vielleicht habe ich sie mir auch einfach „genommen“ und genutzt, weil sie nicht infrage gestellt wurden.

Dafür sage ich DANKE. Doch widmen möchte den heutigen Tag meinem großen Vorbild: meine Großmutter.

Meine Großmutter (links) und ich

Die stets ihr Ding machte und meinen Vater und meine Tante nach dem Krieg bewusst allein aufzog. Und die mich stets darin bestätigte, wenn ich wieder mal „Wildfang“ und so wenig „mädchenhaft“ war. Die mich Haltung und Anstand lehrte, aber immer dazu aufforderte, den Mund aufzumachen. Die stets opportun war und bereit dazu, auch unkonventionelle Wege zu gehen bzw. zu akzeptieren.