Kladde

Gestern suchte ich was. Ein sehr spezielles Stück Tagebuch. Denn neben klassischen Tagebüchern, die ich lange geführt habe, habe ich ein lose Blattsammlung mit Briefen und Listen. Ich suchte sie an der vermuteten Stelle, wo sie nicht war. Dann suchte ich sie im erweiterten Umfeld. Da passierte es

Ich fand viele Dinge Erinnerungen, die ich nicht gesucht hatte, aber die anscheinend gefunden werden wollten.

Und während ich mich immer noch nicht daran traue, meine Tagebücher aus Pubertätszeiten zu lesen, musste ich die beiden Moleskine-Kladden unbedingt aufschlagen.

Die eine enthält tatsächlich sowas wie ein Tagebuch über den damals noch mini-monsieur. Ich habe doch seine ersten Worte aufgeschreiben. Und wann er das erste Mal frei gelaufen ist, habe ich auch dokumentiert. Ich war völlig überwältigt, das zu lesen. War ich doch der festen Überzeugung, dass ich das nicht getan hatte. Es hat mir bislang nicht gefehlt, aber jetzt, sieben Jahre später, finde ich es doch schön, dass ich es festgehalten habe.

Die andere Kladde ist noch älter: nämlich genau 10 Jahre. Und ich bin völlig geflasht von dem, was da drin steht. Ich habe sie gestern abend – fatalerweise – im Bett gelesen. Und wow, da stehen viele kluge Sätze drin. Sätze, die ich heute genauso schreiben würde. Sätze, die ich während der unguten Beziehung zum Kv öfters hätte lesen sollen. Vielleicht hätte ich mich dann nicht so verloren zwischendurch.

Es ist so viel passiert in diesem Jahrzehnt. Wahnsinn. Und klar habe ich mich weiterentwickelt, bin Mutter geworden, habe beruflich einiges durch, wurde geschieden und die Beziehung hat mich auch geprägt. Aber dass mir meine Gedanken von damals wieder bzw. immer noch so vertraut und nah sind, zeigt mir, dass ich wohl wieder „die alte B.“ bin.

Ein gutes Gefühl.

Verlässlichkeit

Gestern abend versuchte der midi-monsieur seinen Vater anzurufen. Es war ihm wichtig, weil gerade der Jetlag und damit das Vermissen besonders schlimm sind. Der Vater ging aber nicht ran bzw. rief nicht zurück. Traurig und frustriert ging das Kind schlafen. Wir besprachen, dass er es ja heute früher – direkt nach dem Rugbycamp – versuchen können. Am späten Nachmittag sind die Chancen vielleicht höher, dass er den Kv nicht bei irgendeinem Aperó stört.

Um dem Kind eine erneute Enttäuschung zu ersparen, schrieb ich dem Kv heute:

„Hallo, Dein Sohn möchte gerne mit Dir telefonieren. Ist es heute möglich?“
„Hallo. Ja.“
„Am Nachmittag? Nach 16h00?“
„Er kann anrufen, wann er will. Er muss nicht fragen, um mich anzurufen. Ich mussjetzt los zum Angeln.“
„Er hat es gestern versucht. Du hast nicht zurückgerufen. Er war ziemlich traurig.“
„? Das hatte ich nicht gesehen – gehört. Er hätte es nochmal versuchen sollen.“

Der Kv war also vorgewarnt, dass sein Sohn versuchen würde, ihn anzurufen. Heute. Am Nachmittag. Nach 16h00.

Um ca 16h15 ließ es der midi-monsieur bei seinem Vater klingeln (er ruft zurück, weil in seinem Handy-Vertrag unbegrenztes Telefonieren nach Deutschland inklusive ist). Und dann wartete er. Und ich hatte meinen toten Punkt und machte etwas Entspannung. Der midi-monsieur wartete immer noch. Und wartete. Bis um 17h38 der Kv endlich zurückrief. Für ganze 8 Minuten. Der Papa hätte nochmal was erledigen müssen, sie würden später telefonieren, erklärte mir der midi-monsieur.

Um 19h38 versuchte das Kind erneut den Vater anzuklingeln.

Jetzt um 21h50 liegt er – also der midi-monsieur – seit über einer halben Stunde im Bett. Ohne noch einmal mit dem Vater telefoniert zu haben.

Was verdammte Hacke ist so schwierig an einem Minimum an Verlässlichkeit?!

Jetlag

Natürlich war mir – so rein vom Verstand – klar, dass der Übergang vom (zu) langen Kv-Aufenthalt wieder in den schnöden Alltag mit mir nicht so easy-peasy sein wird. Und war es nach den letzten Papa-Zeiten neben den sehr weit interpretierten Ferienschlafzeiten eher das Papa-Vermissen, das uns zu schaffen machte, ist es wohl diesmal die (zu) lange Trennung von mir.

Und ich stecke in einem Dilemma. Ich bin die Tochter meines Vaters eine latente Eremitin und gewöhne mich schnell an den Zustand des Alleinseins – vor allen Dingen daran, dass nicht dauerhaft jemand an mir rumzusselt. Ich habe ein durchaus sehr innige Beziehung zum midi-monsieur. Und ich finde das auch gut so. Aber ich bin auch froh, dass der midi-monsieur immer selbstständiger wird und so haben wir in unserem Alltag eine – für uns beide – gute Mischung zwischen (körperlicher) Nähe und Eigenständigkeit.

Nun also sucht der midi-monsieur Nähe, viel Nähe. Und ich will, dass UNSER Alltag einfach wieder so funktioniert, wie er vor der Papa-Zeit funktioniert hat.

Und dadurch, dass diese beiden Pole an mir zerren, hänge ich zwischen dem „Druck“, meinem Kind – so wie es sich für eine erwachsene Mutter gehört – zu geben, was er will/ braucht, und meinem Wunsch bzw. Bedürfnis, authentisch zu bleiben. Dieses Kind hat so empfindliche Antennen, dass er sicherlich spürt, wenn ich etwas nicht aus mir heraus mache. Aber ich will auch nicht, dass er seine Bedürfnisse zurücksteckt.

Wir müssen wohl beide wieder im Alltag ankommen.

Tagesbilanz

  • 1,5 Stunden Schlaf
  • 0,75 fertigen Text
  • viele gestellte und beantwortete Fragen
  • 1 Latte Macchiato, 1 Green Tea Lemonade, 1 L Wasser
  • 0,5 Bagel natur, 0,5 Zimzbrötchen, 1 Foccacia, 0,5 Fruchtriegel
  • 11 km Fußmarsch durch Paris

    Und bei der etwas suboptimalen Bilanz kann ich abends um 19h20 ziemlich ungehalten reagieren, wenn das Boardrestaurant, auf das der midi-monsieur und ich uns verlassen hatten, nicht geöffnet ist und das Boardbistro nur ein minimales Angebot hat.

    Panda

    So wie es aussieht, vertrage ich meine bisherige Wimperntusche nicht mehr. Sobald ich sie auftrage, tränt mindestens ein Auge. Also habe ich mir neue – andere Marke – gekauft. Ja, mit der tränen die Augen nicht. Allerdings sind sie im Gegensatz zur alten – also von der anderen Marke – nicht wasserfest.

    Tja, und das scheint auch nicht das Wahre zu sein. Ich bin zu viel an den Augen zugange, sodass ich binnen kürzester Zeit die Wimpertusche nicht mehr auf den Wimpern, dafür rund ums Auge habe.

    Tipps für wasserfeste Mascara nehme ich gerne an.

    Entschädigung

    Der Tag fing spät an. Und weil ich etwas Aufwand betrieb, kam es zu einem noch späteren Marktfrühstück.

    Die knapp 360 Minuten lange anschließende Begegnung kann muss ich mir z.B. mit dem langen Spaziergang schön reden.

    Aber trotzdem wäre ich ziemlich frustriertgenervt nach Hause gegangen, hätte ich nicht noch eine tolle, spontane Twitterbegegnung gehabt.

    90 Minuten Entschädigung.