Tag des unnötigen Papierkrams

Manches ist ja zum Haareausraufen. Papierkram zählt besonders dazu. Und unnötiger noch viel mehr. Ja, ich denke da auch „Le Waldsterben“. Aber noch ein bisschen mehr denke ich an mich, die sich nämlich mit so unnötigem Kram nicht beschäftigen will. Aber das war mir an zwei Stellen nicht vergönnt:

Nachdem das Kind in Strasbourg im Krankenhaus war, wähnte ich mich ja für eine kleine Weile in der trügerischen Sicherheit, das Krankenhaus wäre in der Lage gewesen, die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) so zu verwenden, wofür sie – zumindest in meinen Augen – da ist, nämlich zur direkten Abrechnung mit meiner Krankenkasse. Aber: Satz mit X. Irgendwann kam die Rechnung vom Krankenhaus direkt zu mir.

Da regte ich mich ja zum ersten Mal auf. Aber das half ja nichts. Also bezahlte ich den Betrag und schickte die Rechnung und den Behandlungsbeleg inklusive Anschreiben an meine Krankenkasse mit Bitte um Erstattung. Kurz darauf bekam ich die Rechnung inklusive einem Anschreiben und einem Formular von meiner Krankenkasse zurück mit der Bitte das Formular auszufüllen und zusammen mit der Rechnung erneut einzureichen. Was ich auch brav tat. Zum Dank bekam ich wieder Post von meiner Krankenkasse mit einer Abrechnugsbescheinigung, dem Behandlungsbeleg und der Originalrechnung zurück. Garniert mit einem zweiseitigen Anschreiben, in dem stand, dass sie nur 39 Prozent der Rechnung übernehmen würden. Den Restbetrag könne ich mir – sofern ich denn eine hätte – von der Auslandsreisekrankenversicherung erstatten lassen.

So viel Augenrollen ist bestimmt nicht gesund. Aber änderte auch nichts. Ich rief daraufhin meine Auslandsreisekrankenversicherung an, um mich nach dem Prozedere zu erkundigen. Nicht, dass es dafür auch irgendein Formular gibt und die Papiere wieder sinnlos durch die Lande geschickt werden. Nein, der Abrechnungsbeleg der GKV, der Originalbeleg und ein Anschreiben würden reichen. Das machte ich heute fertig und damit trat die Rechnung ihre sechste Reise an. Mal sehen, was dabei rumkommt zurückkommt.

Danach fischte ich aus dem Briefkasten den Verrechnungsscheck, der vor knapp zwei Wochen bei mir ankam und mich seitdem beschäftigte. Ich meine: ein Scheck. Wer benutzt den heutzutage noch Schecks?! Und wer weiß, was man damit machen muss? Zu allem Überfluss habe ich mein Konto bei einer Direkt-Bank. Also keine Filiale vor Ort, wo ich fragen könnte. Wenigstens ist der e-Mail-Service gut. Doch so ganz einverstanden, dass ich ich neben dem Porto auch noch 2,90 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen sollte, war ich nicht. Also ging ich mit dem Verrechnungsscheck zur Bank meines Sohnes, damit dieser auf dessen Sparkonto gutgeschrieben würde. Mit einem kleinen Haken:

Sie entschieden sich dagegen. Und ich bekam den Scheck mit einem Begleitschreiben zurück. Also doch meine Bank. Grmpf. Wie per e-Mail erläutert, druckte ich ein Formular aus, das mir mitgeschickt worden war, und machte Fotos vom Scheck (für mich) und verschickte dann alles mit der Post. Hoffentlich fällt denen nicht ein, dass der Scheck nicht (mehr) eingelöst werden könne müsse, weil ich über der 8-Tage-Frist bin, die übrigens die Angestellte der Bank des Kindes nicht kannte. Vielleicht entwickelt sich daraus ja auch eine Brieffreundschaft.

Besser

Meine innere Optimistin will mich am Tippen dieses Posts hindern. Denn sie ist davon überzeugt, dass alles wieder wird. Und auch besser wird. Und dass ich nicht darüber jammern sollte, dass heute

… ein Tag mit wenig Schlaf war,
… das Auge immer noch weh tut und auch lustig suppt (nein, nicht wirklich lustig und ich fürchte, dass ich mir mit der blöden Wimper über Stunden unterm Oberlid irgendeine Entzündung gezüchtet habe und dass ich morgen mal wieder zum Augenarzt muss),
… die schwierigen Schwingungen zwischen dem Kv und mir sehr deutlich zu sehen spüren waren (aus irgendwelchen Gründen scheint er angefressen),
… Nachrichten vom Finanzamt kamen, die mich kurz in Schockstarre fallen ließen,
… der Papa-Jetlag beim midi-monsieur sehr ausgeprägt ist,
… nicht weiß, wo ich schlafen soll. Denn mein Bett kann eigentlich nicht benutzt werden, weil das Kind da sehr tief eingeschlafen ist und nun ein Teil gewaschen werden muss,
.. von all dem emotional angestrengt bin und eine Umarmung jetzt toll wäre.

Naja, morgen ist’s hoffentlich einfach besser.

Liebe Männer,

es ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal, wie Ihr es findet, wenn ich (oder halt wer anders) über Menscups, PMS und sonstige assoziierte Themen twittere und blogge.

Ja, das Thema ist sicherlich nicht so rosig-duftig-glattgeleckt wie irgendwelche Hochglanz-Bildchen von irgendwelchen perfekt gephotoshopten Models. Aber glaubt mir: Wenn die es sich nicht durch irgendeine Essstörung kaputt gemacht haben, haben auch diese Frauen einen Zyklus und Menstruation. Und vielleicht menstruierte das Model sogar an dem Tag, an dem eines der Bilder gemacht worden ist. Ja, jetzt guckt nicht so. Man sieht es ja nicht.

Man sieht es nicht und das ist auch gut so. Ich muss davon auch keine Bilder sehen. Aber dass Ihr vom alleinigen Darüberreden/ -schreiben Kopfkino bekommt, ist nicht mein Problem. Wir Frauen haben uns das mit den monatlichen Blutungen auch nicht ausgesucht oder laut hier geschrien, dass wir das unbedingt haben wollen. Aber es ist, wie es ist und damit müssen wir umgehen. Und ich finde wir Frauen machen das im Großen und Ganzen ganz gut. Und ja auch durchaus diskret. Was – zumindest in unseren Gefilden – dank Milliarden verschiedener Monatshygieneartikel* auch möglich ist. ABER: Es passiert trotzdem! Dieser ganze Zyklus passiert – ob wir es wollen oder nicht.

In meinem Dunstkreis habe ich zum Glück keine Frau, die von der eigenen Menstruation unangenehm oder gar peinlich berührt ist. „Jippie“ ruft sicherlich keine und hausieren geht damit auch keine. Aber es guckt auch keine verschämt weg, wenn das Thema zur Sprache kommt.

Und ganz ehrlich: DAS wünsche ich mir auch von Euch Männern. Tut nicht so, als gäbe es das alles nicht oder als ginge Euch das nichts an. Denn es geht Euch sehr wohl etwas an. Zumindest, wenn Ihr mit einer Frau Sex habt (haben wollt) und/ oder in einer Beziehung steckt. Wenn Ihr das so ekelig findet, solltet Ihr vielleicht über Gummipuppen nachdenken.

Ich erwarte nicht, dass Ihr nun Eure Frauen bei der Monatshygiene unterstützt oder Euch mit blutigentsprechendem Bildmaterial sensibilisiert. Ersteres will wohl auch keine Frau und für Zweiteres habt Ihr ja Euer Kopfkino. 😉

Aber einfach eine Vorstellung davon, was allmonatlich im Körper einer Frau passiert, würde durchaus das Verständnis fördern. Ja, der weibliche Hormonzyklus ist ziemlich komplex.**  Doch gerade deswegen täte es Euch gut, sich ein bisschen mehr (also überhaupt mal) mit dem Zyklus der Frau zu beschäftigen. Dann wären Sprüche wie „Oh, so zickig wie die ist, hat die bestimmt ihre Tage“ oder „Die ist bestimmt total untervögelt“ endlich mal passé***. Und an Kommentare wie „Ein wahrer Pirat sticht auch ins rote Meer“ würde dann auch keiner mehr denken, wenn Frau „mal wieder“ keine Lust hat, weil sie ihre Tage hat.

Und bevor jetzt welche von Euch vor lauter „aber“-Schnappatmung*** vor ihrem Device ohnmächtig werden, gebe ich Euch noch was auf den Weg: Auch wenn das grundlegende Prinzip, also wann welche Hormone an- und abfluten und wie sie mit- oder gegeneinander wirken, bei allen Frauen gleich ist, ist die individuelle Wirkung zum Teil sehr unterschiedlich. Das führt dazu, dass bei manchen Frauen die Stimmungsschwankungen minimal sind. Andere haben schlimme PMS-Tage. Wieder andere leiden unter der Menstruation sehr (v.a. Schmerzen), während andere kaum etwas merken. Einige spüren auch viel in den Brüsten (weswegen diese Brustfixierung bei Euch Männern auch manchmal sehr kontraproduktiv bis unangenehm ist).

Und das Blöde – nicht nur für Euch Männer – ist, dass all das von Zyklus zu Zyklus variieren kann. Das macht das Zusammenleben mit uns Frauen nicht unbedingt einfach(er), aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir, also Frauen und Männer, mit ein ein bisschen mehr Verständnis Eurerseits deutlich weniger Stress und mehr Spaß miteinander haben könnten.

Beste Grüße,
B.

(Neben einem unsäglichen Tweet, der die letzten Tage durch Twitter geisterte, hat mich eine sehr gute nächtliche Diskussion inspiriert. Ich hoffe, Du weißt, dass Du gemeint bist. 😉)

—————————————
* Und um da den Markt zu überblicken, ist es durchaus hilfreich, darüber zu reden.

** Nachzulesen z.B. hier und hier. Zumindest kann das mal eine grobe Übersicht geben.+
+ Und wenn Ihr das mal ansatzweise kapiert habt, verstündet Ihr auch besser, warum die Pille für Frauen, insbesondere junge, nicht so der Knaller ist. Aber das ist ein eigenes Thema.

*** französisch korrekt: passés

**** „Aber ich kenne eine Frau, die hat das nie oder die fand Sex immer toll.“++
++ Ja, vielleicht hat sie Glück oder es nicht zugegeben.

Einreden

Da rede ich mir das ganze Jahr über – also seit meinem Geburtstag – erfolgreich* ein, dass die 40 überhaupt gar kein Problem für mich ist. Da wird es an mich herangetragen.

Letztens beim Augenarzt. MTA liest meine Karte ein, guckt in meine elektronische Akte und druckst rum: „Frau B., hatten Sie schon mal einen Augendruckuntersuchung. Weil, ähm, Sie sind ja jetzt über, ähm, 40 und da wird das empfohlen. Alle zwei Jahre.“ Ich grinse und willige ein. Ob 40 oder nicht, meine Augen brauche ich noch eine Weile.

Bei der Vorsogeuntersuchung bei der Gynäkologin spreche ich an, dass sich mein Zyklus deutlich verkürzt**. „Ja, Frau B., Sie sind ja jetzt über 40. Und da kann es zu einer Gelbkörperschwäche kommen.“ Eine FSH-Schwäche wäre mir deutlich lieber.

Lichtblick im Ganzen ist der midi-monsieur, der kleine Charmeur: „Mama, ich würde sagen, Du bist nicht älter als 29.“

————————————–
* Ist es wirklich nicht. Ich kann es ja nicht ändern. Die Zahl geht vom Jammern auch nicht weg.

** Der letzte war gerade mal 22 Tage lang kurz.

GeGe

Heute mal ein paar gemischte Gedanken:

Das Internet verführt ja gelegentlich – insbesondere durch seine Anonymität – dazu, sich im Ton zu vergreifen oder Dinge allzu offen zu kommunizieren. Ich versuche Ersters zu vermeiden und hoffe sehr, dass es mir bislang gelungen ist. Bei Zweiteren frage ich mich durchaus manchmal, ob ich zu offen bin. Weniger aus meiner Warte. Ich schreibe nicht über Dinge, bei denen ich meine eigene Schamgrenze überschreite. So therapeutisch Schreiben für mich sein kann, so wenig muss ich damit aktiv und bewusst irgendwelche meiner Grenzen überschreiten. Denn wenn irgendwas NICHT mein Problem ist, dann ist es Offenheit. Allerdings kann meine Offenheit sicherlich verschrecken, aber was weiß denn ich, wo die Schamgrenze meines Gegenübers oder von meinen Leser*innen liegt. Aber ich möchte auch diese Grenzen nicht bewusst durchbrechen, weil „man halt mal bohren muss“, wo es wehtut. Ich finde, man kann auch anders zum Denken anregen.
Warum ich darüber nachdenke? Weil der gestrige Post gewissermaßen in die Kategorie fällt: Ich habe letztlich kein Problem, darüber zu reden bzw. zu schreiben. Aber es könnte trotzdem der einen oder dem anderen unangenehm sein, sowas – in dem Fall über mich – zu lesen. Deswegen hatte ich zunächst darüber nachgedacht, die eigentliche Geschichte hinter einen „Weiterlesen“ zu verstecken und einen entsprechenden Disclaimer vorzuschalten. Nach einer kurzen Beratung mit dem internationalen Blog-Rat entschied ich mich dann aber doch für einen Passwort-Schutz. Und der Hauptgrund dafür: Ich möchte nicht, dass der midi-monsieur SOWAS über und von seiner Mutter im Internet liest. Und ich möchte nicht, dass irgendwer – aus dem sehr engen Umfeld des Kindes – diese Geschichte liest und daraus sehr krude Schlussfolgerungen zieht und diese womöglich ans Kind heranträgt.
Das Gleiche gilt übrigens auch für andere bepasswortete Posts: Ich hätte eigentlich – zumindest nur für mich – kein Problem damit, wenn Gott und die Welt … naja, meine kleine erlesene Leserschaft … all das lesen könnte. Aber auch hier gilt: Es ist nicht für den midi-monsieur – weder direkt noch indirekt – bestimmt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wer das Passwort haben möchte, schreibe mich einfach an (e-Mail-Adresse unter Mit Recht) oder kommentiere unter diesem Post hier.

Beim midi-monsieur hat es – zumindest für den Moment – geschnackelt: Wenn er sich beim Hausaufgabenmachen darauf konzentriert, also aufs Hausaufgabenmachen, dann kommt er ziemlich zügig durch und hat – TADAAA – mehr Zeit für SpielenRausgehenTablett und weniger Stress mit mir. Schlimm ist, dass es dafür einen ziemlichen „Wutausbruch“ meinerseits bedurfte.

Wenn „Fremdbestimmung“ für den einen die größte Angst und für die andere das Gegenteil von Freiheit ist, dann ist das mit der Klarheit nicht immer so einfach. Man bewegt sich irgendwie „zwei Schritt vor und einen zurück“. Ja, das ist immerhin noch besser als „einen Schritt vor und zwei zurück“. Aber mühsam ist das trotzdem. Doch da können wohl zwei nicht aus ihrer Haut. *seufz*

Bald sind Herbstferien. Und so sehr ich gerade Kindfrei brauche, so wenig will ich das Kind eigentlich wegbringen. Denn Vorfreude besteht diesmal nicht bei ihm. Wir haben jetzt das Mantra: „Es sind nur acht Tage plus An- und Abreise.“ Das Rugby-Camp in der zweiten Ferienhäfte wird ihm gut tun.