Tja nun …

… eigentlich hatte ich geplant, heute endlich mal ein paar Fotos aus Strasbourg zu zeigen. Aber …

… der midi-monsieur und ich frühstückten ausgiebig,
… ich buk noch einmal Eulen-Erdbeeer-Muffins (damit das Kind morgen in der Schule seinen Geburtstag nachfeiern kann),
… ich musste erstmal Photoshop auf dem neuen Laptop installieren,
… ich guckte kurz in meine Job-Mails und machte dann mal eben kurz ein Dokument fertig,
… dann war der midi-monsieur sehr undleidlich, weil sehr müde nach den letzten vier ziemlich aufregenden Tagen,
… die Fotos mussten erstmal von der Kamera auf den Rechner geladen werden,
… irgendwann – nach drei Stunden Schlaf – wachte der midi-monsieur wieder auf,
… wir mussten Abendbrot essen und dafür musste ich grillen und Salat machen,
… der midi-monsieur wünschte sich dann doch noch einen Kuchen, um im Hort auch noch den Geburtstag nachfeiern zu können,
… ich musste dann noch einen Kuchen backen und währenddessen versuchen, den midi-monsieur ins Bett zu bringen, der natürlich nicht sonderlich müde war,
… es sind ein paar zu viel Fotos, um die mal eben kurz in 30 Minuten zu editieren.

Also gibt es Fotos wohl erst morgen oder so.

Danke, Stewart

Um genau zu sein: Danke, Stewart Adams. Danke dafür, dass Sie vor ca. 60 Jahren mit bzw. auf Acetylsalicylsäure rumgekocht haben, mit dem Ziel etwas stark und antiinflammatorisch Wirksames zu finden.

Ich sage vor allem im Namen meines Sohnes danke, der sonst seinen heutigen Geburtstag völlig desolat, krank und vor allem hoch fiebrig verschlafen hätte und zu allem Mist, den er gerade erlebt, wohl auch noch den blödesten 8. Geburtstag gehabt hätte, den sich so ein Achtjähriger vorstellen kann.

So scheint der Geburtstag gar nicht so schlecht gewesen zu sein: Dank einer halben Ibu am Morgen konnten das Frühstück und die Geschenke genossen werden und auch ein bisschen ausgekostet werden, dass er wegen des Fiebers nicht zur Schule musste. Dank einer weiteren halben am frühen Nachmittag konnte Netflix leergeguckt werden. Und dank einer letzten halben am Abend konnte auch das Geburtstagsessen genossen werden. Sogar Kuchen mit Sahne passte noch rein.

Klar, wäre es ganz ohne Fieber und Kopfschmerzen schöner gewesen. Aber dann hätte der midi-monsieur auch nicht seine Tablettenschlucktechnik perfektionieren können.

Erschöpft

Ich bin immer noch erschüttert, was da letztens mit der lieben Minusch via Twitter passiert ist. Und so sehr ich verstehen kann, dass sich jemand sorgt, wenn mal etwas länger Ruhe auf einem Account ist – insbesondere auch nach einem solchen Tweet -, so wenig Verständnis habe ich dafür, dass direkt die Polizei eingeschaltet wird.

Ich kann nicht wirklich beurteilen, wie nah diese Menschen Minusch stehen, aber sonderlich nah wird es nicht sein, denn sonst hätten sie andere Wege gefunden, ihrer Sorge Ausdruck zu verleihen. Am einfachsten wäre wohl anrufen gewesen. Oder sich wenigstens an wen zu wenden, von der oder dem man weiß, dass sie oder er ihr nahe steht. Gleich die Polizei einzuschalten ging gar nicht. Überhaupt nicht!

Aber eigentlich will ich mich gar nicht aufregen. Das obliegt v.a. Minusch und das hat sie ja zum Glück auch gemacht.

Ich will darüber schreiben, dass ich ihren Tweet überhaupt nicht mit auch nur den allerleisesten suizidalen Absichten in Verbindung gebracht habe. Ja, vielleicht hätte man das können. Aber vielleicht hätte man das nur können, wenn man noch nie in dieser Situation gewesen ist. Und damit meine ich in der Situation des Alleinerziehendseins – des ganz endgültigen und ganz alleinigem Alleinerziehendseins. Ja, das klingt dramatisch. Aber ganz ehrlich: Es ist auch dramatisch. Vor allem am Anfang. Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier.

Denn egal, wer sich von wem trennt, man ist von jetzt auf gleich alleinerziehend. Man kann nicht probehalber alleinerziehend sein (und temporär mit den Kinder alleine zu sein, weil der Partner nicht vor Ort ist, gibt sicherlich Einblick in die „Miesere“, hat aber trotz allem eine ganz andere Qualität). Man kann sich vielleicht, wenn man der trennende Part ist, eine zeitlang mit dem Gedanken anfreunden, aber was es wirklich bedeutet, weiß man erst, wenn die Trennung vollzogen ist.

Ja, so eine Trennung kann manchmal befreiend sein und war – in meinem Fall – auch überfällig. Beziehungen können zerstörerisch sein. Aber nur weil die Trennung, richtig, wichtig oder gar lebensrettend ist, ist man in seinem Alleinerziehendsei nicht weniger allein.

Und man steht allein vor einem Riesenberg:

  • Wie erkläre ich es den Kindern*? Was macht es mit ihnen?
  • Wie geht es finanziell weiter?
  • Wann sehen die Kinder den Vater**?
  • Wie organisiere ich unseren Alltag neu?

Und das sind nur die wichtigsten Fragen, wenn man es schafft, sich halbwegs zivilisiert und einvernehmlich zu trennen.

Doch das ist selten der Fall. Meist kommen viele Frage, Baustellen und Nebenschauplätze dazu:

  • Müssen wir umziehen? Wo finden wir eine schöne günstige Wohnung?
  • Ich will die Kinder nicht aus ihrem Umfeld reißen?
  • Warum kommt der Papa nicht? Warum dürfen wir nicht zum Papa?
  • Wieso schafft es der Ex immer wieder, mich auf die Palme zu bringen?
  • Ich kann nicht Vater und Mutter gleichzeitig sein.
  • Warum zahlt der Kv nicht?
  • Antrag auf Unterhaltsvorschuss stellen.
  • Wo finde ich eine gute Familienanwältin?
  • Warum ist das Jugendamt so doof?
  • Warum muss ich allesallesalles alleine machen und entscheiden?
  • Bekomme ich die Unterschrift vom Kv?
  • Gerichtstermine
  • Warum kann er sich verdammt nochmal nicht an Vereinbarungen halten?
  • Meine Kinderkranktage sind aufgebraucht und nun liegt schon wieder eins fiebernd im Bett?
  • Warum sind Oma und Opa so weit weg?
  • Scheidungsverfahren
  • Ich müsste dringend was für mich tun.
  • Warum kommt denn jetzt noch ein Mist dazu?
  • Klar kann man ner Alleinerziehenden kündigen. Warum auch nicht?!
  • Geschwisterkinder von Alleinerziehenden-Kindern bei der Betreuungsplatzvergaben? Die haben sie doch nicht mehr alle.
  • Elternabend 1, 2, 3, 4 und ganz viele.
  • Das Geld reicht hinten und vorne nicht.
  • Ich kann keine Formulare mehr sehen.
  • Warum darf sich der Kv die Rosinen rauspicken?
  • Die Kinder wollen den Vater nicht sehen. Und ich bin wieder die Dumme.
  • Ich muss funktionieren.
  • Wunden lecke ich dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Diese und noch viele andere Fragen, Aufgaben, Gedanken laufen den GANZEN Tag irgendwie mit. Mal mehr und mal weniger präsent. Dazu kommen noch die ganz banalen Alltagsdinge wie:

  • pünktlich aufstehen
  • ALLE zeitig loskommen
  • Hygiene
  • Essen
  • Einkaufen
  • Wäsche waschen
  • Putzen
  • Freizeitaktivitäten
  • Vorlesen / Gute-Nacht-Rituale
  • zusammen spielen

Da ist irgendwann einfach mal das Limit erreicht. Da kann man nicht mehr. Dann ist man fertig, einfach nur abgrundtief fertig und erschöpft. Und ja, sowohl physisch als auch emotional. Das belastet, das tut weh. Ja, man ist müde. UN.END.LICH müde!

Aber man ist nicht lebensmüde! Alleinerziehende sind nicht lebensmüde.

Denn da sind die Kinder, für die man sorgen und da sein will. Für die man eine Verantwortung hat. Für die man sich wünscht, dass es ihnen gut geht. Die man schlicht und einfach liebt. Und die man nicht, niemals nie allein lassen will.

Und wer helfen möchte, dem empfehle ich:

Alternativ darf auch angeboten werden, in der Wohnung klar Schiff zu machen, zu kochen oder einzukaufen, damit die Alleinerziehende auch einfach mal Zeit für ihre Kinder hat.

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* Ich wähle hier mal den Plural, damit ich mich nicht in tausend Sternchen, Klammern und Schrägstrichen verheddere.

** Auch hier der einfachheithalber das „klassische“ Modell: Die Kinder bleiben bei der Mutter.

Menschen, Tiere, Emotionen

Gestern dachte ich kurz darüber nach, ob wir ein Haustier „brauchen“. Dieser Gedanke dauerte höchstens eine Sekunde. Dann besann ich mich wieder. Nein, für noch ein Lebewesen möchte ich keine Verantwortung tragen. Kann ich nicht. Also könnte ich schon, wäre aber emotionaler Selbstmord.

Mir reicht die Verantwortung, die ich für den midi-monsieur und für mich tragen muss.

Und mir reicht es gerade auch, dass ich dabei mit Menschen agieren muss und auf Menschen angewiesen bin, die vom Karma her wohl als Amöbe, ach, was kann die Amöbe dafür Mücke* wiedergeboren werden.

Ich habe gerade keinen Bock auf Menschen, die mich emotional stressen. Die an mir zerren. Die mich ignorieren. Die unehrlich sind.

Umso verwunderlicher ist es, dass ich mich tatsächlich darauf gefreut habe, dass der Kv ab heute da ist.

Obwohl, wenn ich ehrlich bin, entlastet er mich meistens ja schon, indem er für den midi-monsieur da ist. Und das verschafft mir tatsächlich etwas Luft und Ruhe und nimmt mir etwas Verantwortung.

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* Mücken mag ja nun wirklich keiner. Höchstens Fledermäuse.

Mürbe

Vielleicht war das das Ziel: Den midi-monsieur und mich mürbe zu machen. So mürbe, dass wir „aufgeben“.

Wovon ich rede?! Von meinem „Lieblingsthema“; von der Grundschule des Kindes. Und ja, es betrifft letztlich die ganze Schule und ist ein grundstrukturelles Problem. Aber in unserem Fall geht es natürlich von den Lehrkräften aus.

Es gäbe – nach nun fast zwei Jahren Schule – einige Stories zu erzählen. Die im Einzelnen vielleicht nicht so schlimm sind, aber in der Summe ein Bild zeichnen, das einfach nur schlimm ist.

Und das Resultat: Ein midi-monsieur, der die Schule hasst. Der kein Vertrauen in seine Lehrkräfte hat. Der sich von seinen Lehrkräften schlecht behandelt, nicht wahr- und angenommen fühlt. Der darunter leidet, dass er nicht drangenommen wird und ihm nicht geglaubt wird. Dem mit schlechten Kopfnoten gedroht wird. Dem suggeriert wird, dass alles nur an seinem Verhalten läge.

Und ich erlebe, wie nur auf seinen Schwächen rumgehackt wird und seine Stärken nicht gefördert werden. Wie er morgens Bauchschmerzen hat, wenn er an die Schule denkt. Wie er sich immer wieder bemüht und dann doch enttäuscht wird. Der sich Druck macht mit den Noten, über die alles an dieser Schule geht.

Es macht mich so traurig, dass es ihm so an der Grundschule geht. Dass ihm so dermaßen die Lust am Lernen und der Spaß an der Schule genommen wird.

Ich versuche mit allen mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, ihn zu stärken, zu bestärken, ihm den Druck zu nehmen, für ihn da zu sein und mit ihm viel zu sprechen.

Aber nun sind wir an dem Punkt, an dem wir darüber nachdenken, ob es für ihn wirklich noch Sinn macht an dieser Schule. Und wenn ja, wie?

Und so werde ich wohl morgen telefonieren, Gesprächstermine ausmachen, Recherchieren und gucken, was möglich ist.

Ach, es ist zum heulen!

Wunderheilung

… als wir nach dem Flammkuchen auf dem Weg zurück zum Hotel noch einen Schlenker machten, kamen wir an so gummierten Hüppeln vorbei, auf denen diverse Kinder turnten. Das war was für den midi-monsieur: Er düste mit seinem Roller darauf rum und hatte Spaß. Ich beobachte ihn von einer Bank aus. Mir gefiel nicht so ganz, wie er den kaputten Fuß in Schonhaltung hielt.

Irgendwann kam er zu mir und guckte etwas kariert aus der Wäsche. Ob ihm der Fuß wieder mehr weh täte, fragte ich. Er wollte erst nicht ganz mit der Sprache rausrücken, denn ihm war schon klar, dass wir das dann nochmal untersuchen lassen müssten. Und er hat Angst vor Krankenhäusern. (Nicht vor Ärzten. Aber mit Krankenhaus assoziiert er OP und Schmerzen.) Ich erläuterte ihm das Prinzip einer Notaufnahme und dass das nicht automatisch bedeutet, dass er operiert wird. Ja, gab er daraufhin zu, die Schmerzen seien schlimmer. Ich guckte dem Fuß an und er war deutlich geschwollener und auch die Rötung hatte sich ausgebreitet.

Auch wenn unser Hotel in unmittelbarer Nähe zum Hôpital Civil liegt, fragte ich doch das Hotel-Personal, wo wir denn hin sollten. Und siehe da: Die Kindernotaufnahme ist am westlichen Ende der Stadt. Zum Glück fährt eine Tram direkt vom Hotel dorthin. Ticketkauf und Bahntaktung waren kein Problem und so waren wir 30 Minuten später da. Es war erfreulich wenig los. Die Verständigung funktionierte erstaunlich gut.

Um sicher zu gehen, dass nichts mehr im Fuß steckte, wurde der Fuß geröntgt. Hier zeigte sich eine gute Organisation des Krankenhauses. Um zum Röntgen zu kommen, mussten wir durch verschlungene Krankenhausflure. Und vermutlich hätten wir uns hoffnungslos verlaufen, wenn es nicht ein gutes Leitsystem gegeben hätte.

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Immer den pinken Bären folgen.

Vom Röntgen zurück wurde das Bild noch besprochen.

Wobei der Arzt auch einräumte, dass ein Rest eines Splitters organischen Ursprungs (also Holz) beim Röntgen schlecht zu erkennen sei. Das könne der Körper zwar selbst rausbefördern, aber um sicher zu gehen, dass sich da nicht entzündet, verschrieb er ein Antibiotikum. Nein, das sei kein Notfall, es würde reichen, das Rezept erst am nächsten Tag, also heute, einzulösen.

Frei nach dem Motto „Er hat gar nicht gebohrt“ war der midi-monsieur auf dem Rückweg total beschwingt. Ich war auch erleichtert, obwohl mir das Publikum in der Straßenbahn nicht ganz behagte. Hatte was von nachts durchs Gallus fahren.

Zurück im Hotel schickte ich das Kind unter die Dusche. Zum einen weil er ziemlich verschwitzt war, aber zum anderen auch, um die Fußhaut aufzuweichen.

Und heute morgen?! Da war der Fuß schon deutlich abgeschwollen. Die Rötung hatte sich verändert. Das Auftreten fiel leichter. Rugby fiel natürlich trotzdem aus. Und die erste Runde durch die Stadt machte er auch mit dem Roller. Aber als wir nach dem Regen nochmal aufbrachen, blieb der im Hotel und der midi-monsieur hüpfte neben mir, als sei nie was gewesen.

Nun haben wir halt ein Urlaubsfotos der anderen Art…

Ach ja, das Antibiotikum-Rezept haben wir dann doch nicht eingelöst. Nach Entzündung sieht da nämlich nichts mehr aus. Selbst nach einem ganzen Tag auf den Beinen ist es nicht mehr rot oder geschwollen.