T-11

Ach, nach ölf kommt ja zwölf und heute ist der Zwölfte und das halbe Internet macht da 12von12. Nur ich machte heute genau KEIN Foto. Hätte ich welche gemacht, hätten sie vielleicht so ausgesehen:

#1: Kind kuschelt sich von rechts an mich ins Bett.
#2: Uhr auf ca. 7h30 (Der RB spielt heute Lerche und verlässt das Haus.)
#3: Kind von hinten auf Roller mit Jeans und Kapuzenjacke (denn es hat empfindlich abgekühlt über Nacht)
#4: Tee, Teller mit Brot und aufgeklappter Laptop (obligates Arbeitsbild)
#5: Zwei volle Wächeständer (nach dem Aufhängen)
#6: Meine wohlsortierte Wäscheschublade* in der Kommode** (habe die gestern besorgten Sortierkästchen eingesetzt)
#7: In Grie Soß ertränkte Fischstäbchen (mein Mittagessen)
#8: Screenshot vom TopVintage-Warenkorb (ich schwöre, ich wollte nur nach einem Petticoat*** gucken)
#9: Ich mit Kopfhörern in den Ohren (Abhören einer mitgeschnittenen Telko, um ein Drehskript zu erstellen)
#10: Leckere**** Spinat-Lachs-Rolle
#11: Schule in der Dämmerung (SEB-Sitzung zu Ende, ab nach Hause)
#12: Huch, doch ein Bild: Der RB und ich sitzen uns arbeitend gegenüber und trinken Wein.

Aber eigentlich wollte ich ja darüber schreiben, dass ich in ölf elf Tagen – sofern die SNCF mich lässt – das Kind nach Paris bringe. Denn in zehn Tagen ist der letzte Schultag vor den dringend nötigen, heiß ersehnten, aber viel zu frühen Sommerferien. Und damit wir uns noch mehr auf die Ferien freuen, sind die nächsten Tage noch ausreichend voll:

  • viel Arbeit (ich)
  • zwei Außentermine in Wiesbaden (ich)
  • Kuchen backen (ich)
  • der Geburtstag vom midi-monsieur (alle)
  • Zwei-Tages-Tour nach Südfrankreich zum Rugbyspielen (das Kind spielt, ich betreue)
  • vier Aufführungen der Theater-AG (das Kind, ich darf eine Vorstellung angucken*****)
  • Rugby-Saison-Abschluss (alle)
  • Koffer packen (ich******)

Und ja, ich freue mich auf die Ferien. Ich freue mich auf drei Wochen kindfrei und auf eine Woche Urlaub mit dem RB. Ich freue mich darauf, dass für vier Wochen kein Wecker mehr um 7h15 oder 8h00 klingeln muss. Hach, und abends mal so verwegene Dinge machen wie Picknick am Main, Kino, essen gehen oder was eine noch so Verrücktes machen kann – zu zweit.

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* Zum Glück kein Foto, denn meine Schlüppis muss ich nicht dem Internet zeigen.

** Erstmals in meinem Erwachsenenleben habe ich Wäsche und Anziehsachen in einer Kommode.

*** den es nicht in meiner Größe gab

**** Zum Glück hatte ich direkt nach Rollen und loshirschen zur SEB-Sitzung zwei Stückchen gegessen. Den Rest haben der RB und der midi-monsieur inhaliert.

***** Der midi-monsieur war ganz schön geknickt, dass der RB wegen Arbeit nicht dabei sein kann.

****** Das Kind hilft mir.

K4

(Genaugenommen: K4.1 bis K4.5*)

Gestern war Au-Fest. Der RB wollte dahin, ich wollte gerne mit und aus der Erfahrung sagte der RB, dass Kinder dort kein Problem seien. Der midi-monsieur empört sich ja eh schon immer, dass er NIE auf Konzerte mitdarf, also war es eine günstige Gelegenheit, ihn ins wilde Konzertleben einzuführen.

Nicht so günstig war, dass er davor das letzte** Rugby-Turnier der Saison hatte. Um 9h30 wurde er von einem Teamkumpel und dessen Vater abgeholt und von diesen auch erst um 16h30 zurückgebacht. Da war der RB schon los, denn das Fest bzw. die Konzerte fingen schon um 17h00 an.

Der midi-monsieur hatte irgendwie schon Lust, aber dann auch wieder nicht. Er war ziemlich fertig und hatte Hunger und überhaupt. Ich war – ehrlich gesagt – auch nicht der personifizierte Ethusiasmus, denn die Seuche drückte immer noch auf die Stirnhöhle. Aber zu Hause bleiben fand ich auch doof und zur Not könnten wir ja auch jederzeit wieder nach Hause. Also machten wir uns fertig: Das Kind duschte, ich zog mich noch dreimal um und kam mir mit Schal*** etwas doof vor. Und los ging es.

Auf dem Weg das Kind erstmal mit einem wichtigen Ritual**** auf dem Weg zu Konzerten vertraut gemacht:

Lahmacun – immer ohne Soße und ohne Zwiebeln

Eine solide Grundlage ist wichtig. Die wird traditionell in der Bahn gegessen.

Kurz vor unserer Ankunft im Westen Frankfurts pushte mir KATWARN eine Unwetterwarnung und ich überlegte, als uns beim Aussteigen Tropfen empfingen, ob wir erstmal in der Unterführung abwarten sollten. Aber es tröpfelte nur.

Wichtiger Einlassstempel

Vor Ort fanden wir den RB recht schnell. Aber er hatte nur Augen für K4.1 (also eigentlich K4.2*), was aber in den letzten Zügen lag. Der midi-monsieur war grätig, weil k.o. und laut und überhaupt. Ich war auch nicht allerbester Laune und war froh, dass es erstmal eine Pause zwischen den Konzerten gab.

Es war schon vorher klar, dass K4.2 (also eige…*) nicht meins sein würde. HipHop und/oder Rap oder was auch immer es sein sollte, ist nicht meins. Ich dachte, es wäre mehr was fürs Kind, aber er wurde auch nicht warm.

Menschen, die zu Boykott tanzen

Er setzte die MickyMäuse auf und dann entfernten wir uns von der Bühne und jagten vegane Waffeln (gar nicht mal so schlecht, aber ihr fehlte etwas Schmier- bzw. Antiklebmittel*****).

Nach Waffel und gefühlt tausend „Können wir wieder gehen?“ vom Kind, erläuterte ich ihm das Prinzip Pfandsammeln, das auf dem Au-Fest wohl Tradition unter den Kindern ist und wir auch schon einige Kids gesehen hatten. Zunächst zögerlich zog er los. Schnell hatte er erste Erfolge und zwei Euro mehr in der Tasche.

Das Kind war nun unterwegs, der RB vor der Bühne und ich war immer noch schlecht drauf. Mir war’s zu laut, dazu nicht meine Musik und irgendwie dachte ich: „Ach, Bett und Tee wären auch nicht schlecht.“

In der Pause fanden der RB und ich uns wieder. Das Kind war unterwegs und kam nur vorbei, um uns stolz seine Einnahmen zu überreichen, die ich verwalten sollte.

K4.3 fing an und wenn der midi-monsieur da gesagt hätte: „Ich will nach Hause.“ wäre ich sofort mit ihm gegangen. Mein Kopf dröhnte, wir waren definitiv zu dicht an der Bühne, konnten aber nicht weg, weil uns ja sonst das Kind nicht wiedergefunden hätte, und ich taufte den Sänger „Schreihals“******.

Wäre ich nicht auf die gloreiche Idee gekommen, mir die MickyMäuse vom Kind überzustülpen, wäre mir vermutlich der Kopf geplatzt. Das Kind war mittlerweile total im Sammelflow******* und fand das Fest und alles auf einmal total super.

Mein Kopf beruhigte sich auch und wir wählten einen Standort weiter von der Bühne weg. Und – tadaa – so schlimm war das alles doch nicht. Wir lauschten K4.4 „aus der Ferne“, unterhielten uns und das Kind sammelte immer noch (mittlerweile mit Kiste).

Zu K4.5 zog es den RB vor die Bühne. Und ohne Kind wäre ich wohl mitgegangen. Aber so tanzten das Kind und ich etwas abseits.

Ziemlich Punkt Mitternacht war die Musik aus und dann war es auch wirklich Zeit, dass der midi-monsieur ins Bett kam. Zum Glück gibt es auch einen durchgehenden Bus, in dem das Kind an den RB gebuckt einschlief.

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* Eigentlich K4.1 bis K4.6, aber die erste Band hat nur der RB gesehen. Und von der zweiten Band (K4.1) haben das Kind und ich nur noch einen Song mitbekommen.

** Also das letzte in der Liga, bei dem es um etwas geht. Ein Turnier kommt noch nächstes Wochenende in Besancon.

*** Später am Abend sollte ich mir sehr dankbar sein, dass tolle Strick-Tuch mitgenommen zu haben.

**** Die Sache mit dem Wegebier kann der RB dann in … ähm … sieben Jahren erklären.

***** Es war halt schon eine kleine OP, sie aus dem Waffeleisen zu friemeln. Also für den Waffelbäcker. Ich schaute ja nur zu.

****** Ich habe ja eigentlich nichts gegen Punk, aber …

******* Am Ende des Abends hatte er einen knapp dreistelligen Betrag zusammengesammelt.

Samstagsdinge

  • Es ist Samstag und der Wecker klingelt um 8h00. Das Kind wird um 9h15 zum Rugby-Turnier abgeholt.
  • Der RB und ich starten den Tag mit einem Marktfrühstück: Kaffee beim Wacker und Waffel … äh … Zimt-Apfelschnecke.
  • Grie-Soß-Päckcher und Obst** gekauft.
  • Gevespert.
  • Marienkäferlarven beobachtet.
  • Möbel aus der alten Wohnung vom RB geholt, Wohnung umgeräumt, Dinge*** verräumt und Zimmer zugestellt.
  • Den RB zum Au-Fest verabschiedet.
  • Das Kind glücklich aber k.o. in Empfang genommen.
  • Dem Kind die Haare geschoren.

    Sieht nicht viel aus, war aber locker ein halber Liter Haare.

  • Einkaufen gegangen.
  • Dem RB aufs Au-Fest gefolgt.

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* Es ist echt schlimm, wie sehr die Rechten – sehr gefördert von den Medien – mit den Skins gleichgesetzt werden und wie tief das in vielen Köpfen drinsteckt. Klar weiß ich, dass es rechte Skins gibt, aber kennen tue ich nur linke.

** Ja, Rhabarber ist kein Obst.

*** drölfzig Flaschen Schnaps

Aloha

Nachdem das Kind heute morgen aus dem Haus war (gegen 7h45) habe ich geschrieben. Da waren zwei Texte, die eigentlich schon seit Ewigkeiten fertig sein sollten und die nun (sehr) drängten. Weil ich aber eigentlich aufkeimende feststeckende* Seuche habe und mir die Hitze sehr zu schaffen macht, arbeitete ich im Bett. Da sitze ich bequem und kann die Beine ausstrecken. Der RB versorgte mich zwischendurch mit Tee.

Um 13h10 hatte ich dann die Texte verschickt und war eigentlich fertig mit der Welt. Schlafen wäre toll gewesen. Aber da lauerte noch eine Textkröte und Kleinkram wollte auch erledigt werden. Das konnte ich zum Glück alles vom Bett aus tun.

Irgendwann war es dann kurz vor 15h00 und dank Twitter war ich gewahr, dass bald die Soyuz an die ISS andocken sollte. Toll, dass sowas gestreamt wird. Und eine Arbeitspause war auch dringend nötig.

Dann ging es irgendwann auf 17h00 zu und der Livestream für die Lukenöffnung lief schon. Ich hatte mich bereits über die Hawaii-Hemden gefreut

und wartete etwas ungeduldig daauf, dass der midi-monsieur endlich klingelt. Nicht, dass er genau dann klingelt, wenn die Luke geöffnet wird, oder – noch blöder – dass er die Lukenöffnung gar nicht mitbekommt.

Aber er klingelte kurz nach 17h00 und ich merkte, dass seine Laune eigentlich nicht so toll war, sagte aber direkt: „Schnell, Alexander Gerst ist an der ISS angekommen und gleich öffnet sich die Luke. Das gucken wir jetzt zusammen.“

Also warf er alle Sachen von sich, wir checkten schnell, ob schon was passiert ist. Dann ging er schnell Händewaschen und während er dann den Stream bewachte holte ich Eis (aus dem Tiefkühler). Als ich wiederkam, sagte er zu mir: „Noch fünf Minuten.“ „Woher weißt Du das?“ „Die haben da gerade ‚five minutes‘ gesagt.“ Hach, dieser Englischunterricht scheint doch etwas zu bringen.

Um ca 17h16 war es dann soweit: Die Luke der Soyuz öffnete sich und das Kind und ich schauten gebannt in den Laptop. Faszination Weltall – direkt und live und in Farbe. Das ist toll. Und als dann Alexander Gerst nach der Begrüßund der bisherigen ISS-Besatzung quasi als erste Amtshandlung Die Maus durchs Bild schweben ließ, konnte ich nicht anders und musste laut hachzen.

Doch, das ist toll, dass dank Live-Stream das alles so nah ist. Zudem leisten das DLR und Alexander Gerst selbst großartige Arbeit hinsichtlich der Kommunikation und Begeisterung, sodass eine ja gar nicht anders kann als mitzufiebern.

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* Kopfschmerzen, Erkältungsgefühl, aber der Rotz kommt nicht

Liebes Tagebuch am Fünften (Juni 2018)

Frau Brüllen ist erbarmungslos und fragt selbst bei der – Achtung, Achtung – brüllenden* Frühsommerhitze: WMDEDGT?

Der Tag fängt kurz nach Mitternacht mit Duschen an. Ich mag es nicht, verschwitzt vom Tag ins Bett zu gehen. Ist ja auch nicht so, dass eine nachts nicht schwitzt.

8h00 Ich werde sehr verwirrt wach und gucke aufs Handy bzw. dessen Uhr. Kurz denke ich, dass Wochenende ist und gucke nochmal aufs Handy, um den Wochentag herauszubekommen. Ah, Dienstag. Ich stehe auf, der midi-monsieur kommt mir schon halb angezogen entgegen.

8h10 Ich stelle fest, dass wir kein Brot haben. Das Kind verkündet: „Ich bin ja schon fast angezogen, wenn ich zum Bäcker flitze, geht es schneller.“

8h35 Das Kind rollert gefrühstückt und mit Ohnezahn zum Glückbringen für die Mathearbeit los Richtung Schule. Die obligate Diskussion, warum er einen Helm beim Rollerfahren tragen muss, beende ich mit dem Hinweis, dass ich gestern einen Fahrradunfall gesehen habe und wenn der Mann keinen Helm getragen hätte, vermutlich auf der Straße eine Blutlache wäre. Und wer sich im Straßenverkehr in irgendeiner Form auf zwei Rädern fortbewegt, trägt nun mal Helm. Diskussion Ende.
Dann mache ich Kaffee (für den RB) und Tee (für mich) und wecke den RB.

9h45 Wir frühstücken.

10h20 Wir klappen beide unsere Rechner auf.

10h25 Ich telefoniere mit der Kollegin. Der RB arbeitet weiter und bei mir meint Windows, es brauche jetzt sofort ein Update.

11h00 Als das Update endlich beendet ist, komme ich wieder an meine e-Mails und muss mit der anderen Kollegin telefonieren. Dann mache ich eine Liste mit Projekten, der RB muss los. Ich kümmere mich um ein paar Projekte.

11h55 Ich erhalte eine e-Mail von der Klassenlehrerin: Sie würde gerne Ende Klasse 4 eine Abschlussfahrt** mit der Klasse machen. Haach, DAS wäre mit der alten Lehrkraft definitiv nicht passiert.

12h15 Ich mache mich auf den Weg – erst zur Schule und danach soll es zum Friseur gehen.

Als Bötin*** unterwegs – eigentlich.

12h35 Nach 10 Minuten Warten**** vor dem Sekretariat gehe ich rein. Mööp, umsonst gewartet: Sie ist zwar im Haus, aber hat keine Zeit. Also gehe ich schnell wieder nach Hause, schnappe mir das Rad, fahre zur Bank und dann zu meiner Friseurin. Ich war ja schon recht aufgeregt.

13h00 Ich erkläre meiner Friseurin, was ich gerne hätte. Jahaa, das Bild war jetzt etwas sehr 90er, aber sie hat mich verstanden. Und schnitt und schnitt und schnitt.

13h55 Da ich keine Farbe habe machen lassen – denn das ist ja auch ein Grund für den neuen Schnitt: Ich will die Farbe und die Blondierung raus haben -, bin ich in unter einer Stunde fertig und habe nun Fell im Nacken.

14h30 Ich telefoniere und bekomme Entwarnung für ein Projekt. Ändert aber nichts daran, dass andere Projekte bearbeitet werden wollen. So richtig gut fühle ich mich aber nicht.

14h45 Mir fällt ein, dass wir dringend die Karten fürs New-Model-Army-Konzert im Oktober in Glasgow buchen müssen und tue das schnell.

15h00 Ich lege mich kurz hin. Kreislauf, Seuche, Heuschnupfen, was weiß ich. Mir tun die Beine weh, der Hals kratzt und die Augen brennen.

15h30 Etwas entspannt. Weiterarbeiten.

16h00 Die eine Kumpelmutter ruft an. Wir diskutieren die aktuellen Entwicklungen in der Schule.

16h20 Zwei e-Mails von der Kollegin, die bearbeitet werden wollen. Es ergeben sich Fragen, da ruft sie um

16h35 an. Wir besprechen, dass ich das mit dem Kunden direkt kläre. Es dauert etwas, bis ich ihn am Telefon habe.

17h00 Alles geklärt und verschickt. Ich gehe kurz zum Aikido-Dojo, um nochmal wegen der Zeiten für die Passage morgen zu fragen. Auf dem Rückweg fange ich das Kind ab. Wir gehen zusammen einkaufen.

18h00 Das Kind ist gestresst, weil er noch Hausaufgaben machen muss. Es ist echt viel und ich kann den Sinn zwar verstehen, aber die Menge ist echt übel. Wir arbeiten uns zusammen durch und ich hoffe, dass es ihm für die Deutscharbeit am Freitag hilft.

19h45 Der RB kommt nach Hause. Mittlerweile habe ich Herrn Weber abgebrannt und gebürstet, die Pimientos de Patron vorbereitet und eine Kräuterbutter aus einem bunten Strauß Balkonkräuter zubereitet. Der midi-monsieur sitzt immer noch an den Hausaufgaben und Englisch müssen wir auch noch lernen. Also er. Für morgen.

20h00 Während sich der RB ums Grillen kümmert, frage ich das Kind Englisch ab. Mit Deutsch ist er gerade fertig geworden.
Dann können wir essen. Es gibt noch eine Runde Eis.

21h00 Das Kind macht sich bettfertig. Ich lese ihm auf dem Balkon vor.

21h40 40 Minuten zu spät ist das Kind im Bett. Der RB und ich hängen noch Wäsche auf.

22h15 Mir fällt ein, dass wir keine Milch mehr haben. Also geht der RB los, welche holen. Ich mache mir derweil einen Ingwertee. Das Kratzen im Hals will nicht weggehen.

22h25 Wir sitzen uns idyllisch im Balkonoffice im Halbdunkel gegenüber. Ich muss noch ganz viele Texte schreiben und den RB drückt die Steuer.

Mal sehen, wann es ins Bett geht.

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* Möglicherweise schlägt mir die Hitze aufs Hirn.

** Ist eigentlich nicht vorgesehen.

*** Dankeschön für die freiweillige Begleitung der Klassenfahrt.

**** Ich wollte zur Rektorin, wusste aber, dass sie eigentlich bis zur 5. Stunde Unterricht hat.

Huch, die Bahn streikt?!

Und ich sagte noch vor Monaten – so vor drei – zum Kv: „Es macht doch nicht so wirklich viel Sinn, wenn Du am 14.6. zum Geburtstag vom midi-monsieur kommst, wenn am 23.6. schon die Ferien anfangen.“ Aber er wollte kommen. Wir diskutierten hin und her mit dem Resultat: Wenn er zum Geburtstag kommt, könne er nicht 10 Tage drauf wieder kommen, um das Kind zu holen. Ach?! Ob ich das Kind nach Paris bringen könne. Hmhm, eigentlich bringe ich das Kind ungern. Denn das bedeutet, dass der Kv ihn bis Frankfurt zurückbringt und dann braucht der midi-monsieur meist noch länger, um den Papa-Jetlag zu überwinden. Zähneknirschend stimmte ich zu, sagte aber direkt, dass ich das Kind dann trotzdem abholen würde, er aber dafür zahlen müsse. Ja, okay.

Wir halten also fest: ICH bringe das Kind nach Paris, weil der Kv zum Geburtstag kommt. Naja, kommen wollte. Vielleicht. Oder auch nicht. Denn vor knapp vier Wochen hatte er noch nicht für den Geburtstag gebucht. Hmhm, der Kv hat mir erst kurz vor Weihnachten vorgehalten, wie blöd es – finanziell – sei, erst kurzfristig die Zugfahren zwischen Frankfurt, Paris und seinem Dorf in der falschen Bretagne zu buchen. Und Weihnachten war es nicht anders möglich, aber der Geburtstag vom midi-monsieur ist jedes Jahr am gleichen Darum (ja, Weihnachten auch), das kann sechs Monate im Voraus gebucht werden.

In zehn Tagen hat das Kind nun Geburtstag und ich wusste immer noch nicht, ob der Kv nun kommt oder nicht, und erlaubte mir nachzufragen:

Ihr werdet es ahnen: Der Kv kommt nicht. Die Bahn würde streiken und deswegen könne er nicht kommen.*

Wenn selbst ich auf Deutsch problemlos Infos zum Streik*** in Frankreich finden… (Quelle: https://de.oui.sncf/de/train/streik)

Der midi-monsieur reagiert da erfreulich entspannt drauf**, dass sein neunter Geburtstag der erste sein wird, an dem sein Vater nicht dabei ist. Ich hoffe, dass der Kv sein Versprechen einhält, dass der Geburtstag in Frankreich groß nachgefeiert wird.

Und ich freue mich darauf, dem Kind einen schönen Tag bereiten zu können – so wie er es sich wünscht. Mit seinem besten Kumpel spielen. Kuchen essen. Zum Aikido gehen.

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* Das die französische Bahn streikt ist natürlich auch total neu und auch absolut unangekündigt. Darauf kann sich eine nun wirklich nicht einstellen.

** Und ich bin ganz froh drum, denn ich finde die Besuche vom Kv am Geburtstag des midi-monsieurs immer doppelt anstrengend und das Kind scheint es auch zu stressen.

*** Natürlich wird an dem Tag gestreikt, an dem ich das Kind nach Paris bringen werde. Schauen wir mal, wie das noch endet.

Kur(z)urlaub

Der Tag fing – sagen wir es mal euphemistisch – suboptimal an.

Da war der Metal-Splitter im Fuß noch das geringste Problem. Den bekam ich nämlich recht schnell raus.

„Raus“ war auch das Stichwort des Tages. Nach einem Tag Geräume und Gewurschtel und auch sonst einer irgendwie qualitativ nur suboptimalen Zeitausbeute in der letzten Zeit und sehr schlechtem Karma in der Nacht zu heute war es mehr als dringend nötig, dass wir rauskamen. Alle zusammen. Mal was anderes sehen und machen als Wohnung, Möbel- und Kramtetris, Lernen für vier Klassenarbeiten, Arbeit, die einer im Nacken sitzt, und sonstigen Dingen (Wäsche, Putzen, Alltag, Dings).

Weil meine beiden Männer im Haus gerade eifrig um die Wette schnief(t)en, kam Radeln nicht wirklich infrage. Also entschied ich, dass frische Luft nicht schlecht wäre. Und frische Luft gibt es in Frankfurt selbst nur wenig, also so richtig frische. Aber zum Glück ist Bad Nauheim mit den Gradierwerken nicht weit.

Wir spazierten – das Kind rollerte – durch den Kur- und Südpark. Wir veratmeten eine Familienkarte im Gardierwerk, kneipten und barfussparkten und …

… bei einem sehr mohnigen Stück Mohnkuchen merkte ich, wie gut und wichtig diese Luftveränderung war. Das Karma der Nacht hing nicht mehr nach. Phew.

Wir bewunderten auf dem Rückweg noch ein bisschen Flora und Fauna …

Naja, die Lippische Rose** wuchs da nicht, sondern fand sich am Tor zum Kurbrunnen in der Trinkkuranlage

Mit frei(er)em Kopf und frei(er)en Bronchien ließen wir dann den Abend mit Grillen, SU-Abhören und Erdbeeren ausklingen.

Gut war es, heute mal nicht zu Räumen***.

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* Ich mag ja eigentlich keine Rosen, also so zum Schenken und in der Vase.

** FAKE: Die echte Lippische Rose ist nur fünfblättrig.

*** Es braucht halt regelmäßig Bonding-Momente.

Das war’s dann wohl

So „schnell“ kann es gehen. Und so einfach macht es sich der Staat.

Um als alleinerziehend zu gelten, darf der Steuerzahler nicht mit einer anderen volljährigen Person als Paar zusammenleben. Nur wenn es sich um eine reine Wohngemeinschaft oder bei der volljährigen Person um das eigene Kind handelt, ist das Zusammenleben gestattet. Dazu darf das Kind jedoch nicht älter als 25 Jahre sein und es muss sich in einer Schulausbildung oder in einem Studium befinden beziehungsweise Zivildienst oder Wehrdienst leisten oder als Entwicklungshelfer arbeiten. Sobald ein alleinstehender Arbeitnehmer mit einem Partner zusammenzieht oder sobald der Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise auf den Freibetrag für das Existenzminimum des Kindes entfällt, verliert die Lohnsteuerklasse 2 ihre Gültigkeit. Tritt eines dieser Ereignisse im Laufe eines Kalenderjahres ein, wird der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende für jeden Monat, in dem die Voraussetzungen gem. § 24b EStG nicht erfüllt werden, um ein Zwölftel gekürzt.

Und damit gelte ich ab heute steuerrechtlich nicht mehr als alleinerziehend. Ja, natürlich entlastet es finanziell, dass der RB nun bei uns wohnt und seinen Beitrag zu Miete und Einkäufen leistet, aber er trägt ja vorrangig seine Kosten. Klar könnten wir das Ganze – die Wohnung gäbe es her – als WG deklarieren. Aber das ist mir ehrlich gesagt zu blöd, weil es ja nicht so ist.

Und was bedeutet das nun für mich?! Ich muss mit Steuerklasse I erstmal prinzipiell ca. 800 Euro mehr Lohnsteuer (als bei Klasse II) im Jahr zahlen – also so 60-70 Euro pro Monat. Das ist sicherlich zu verschmerzen, weil allein der Mietanteil vom RB das locker auffängt. Aber es ärgert mich, denn der RB hat ja nun definitv keinerlei finanzielle Pflichten für den midi-monsieur.*

Denken wir einen Schritt, der nie gegangen wird, weiter: Würden der RB und ich heiraten und wäre ich in Steuerklasse III, müsste ich ca. 5.000 Euro Lohnsteuer weniger pro Jahr abdrücken. Und ja, das ist ein Betrag, der mich weinen lässt.**

Aber warum ist das so? Warum fördert der Staat die Ehe (Ehe, NICHT Familie!!!) so dermaßen? Warum profitieren nur Menschen von der günstigen Steuerklasse, die vor einem Standesbeamten „ja“ gesagt haben? Warum bekommen zwei Menschen, die miteinander leben und damit für einander sorgen (wollen), zwar finanzielle Pflichten aufgedrückt, aber keine Rechte an- und füreinander? Warum sind Rechte so dermaßen von diesem bürokratischen Akt abhängig, aber Pflichten werden nonchalent einfach übertragen? Was bezweckt der Staat damit? Warum wird die Ehe – und definitv nicht die Familie – so extrem geschützt?

Es klingt oft durch, als fände ich Heiraten total doof. Das stimmt so halb: Wer heiraten will, soll bitte heiraten. Wem das für sich, seine Beziehung, sein Leben oder was auch immer wichtig ist, soll das halt tun.

Aber kann mir irgendeine mit wirklich guten Argumenten erklären, warum ein verheiratetes Paar besser als ein unverheiratetes Paar gestellt sein darf? Brauchen die eine finanzielle Entschädigung für die Aufwendungen für die Hochzeit?

Warum ist an die Ehe ein Steuerprivileg geknüpft? Von Patientenrechten und Erbsachen will ich gar nicht erst anfangen…

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* Es wäre ja schon schön, wenn der Kv seinen Pflichten nachkäme.

** Real wäre es, wenn wir heiraten würden, natürlich anders, nämlich vermutlich beide Steuerklasse IV und dann sähe das Ganze nicht mehr groß anders aus. ABER bei Lohnsteuerjahrsausgleich … hach … seufz … Wut schnaub

Skål

Eigentlich wollte ich heute Abend ja über dies

etwas ausführlicher bloggen. Und eigentlich müsste ich auch noch einen Text für morgen früh fertig stellen.

ABER:

Der RB ist heute ein bisschen mehr hier eingezogen. Also seine Möbel sind eingezogen (jetzt fehlt nur noch mittlerer bis kleiner Kram, der aber auch erst kommen kanndarfsollte, wenn die Möbel stehen und beräumbar sind). Dazu ist der midi-monsieur heute Mittag mal wieder alleine ins Schwimmbad gegangen und ich habe einen Carsharing-Transporter abgeholt – in einer Frankfurter Ecke, in der ich mich sonst auch selten rumtreibe -, habe mich gefreut, mal wieder Transporter fahren zu dürfen (ich fahre gerne große Autos). Dann haben der RB und ich Möbeltetris gespielt, bei uns zu Hause hat das Kind schon gewartet und kräftig beim Ausladen geholfen. Als ich danach den Wagen zurückbrachte, sagte der midi-monsieur was Tolles* zum RB. Ich kam pitschnass zurück, weil ich in den einzigen Schauer des Tages geraten war.** Nachdem ich wieder trocken gewandet war, zeigte sich, dass der Schauer neben der Erfrischung auch noch mit sich brachte, dass bei der aktuell besten Eisdiele des Viertels die Schlange sehr kurz war und wir so recht schnell an des wohlverdiente Eis kamen.

Mohn, Pistazie und Gurke – soooooooo lecker

Dann räumten wir noch ein bisschen in der Wohnung die neuen Möbel an ihren Platz. Dabei klingelte das Telefon und fast wollte das Kind nicht drangehen… tat es aber doch:

Ich lache ehrlich gesagt immer noch, weil dieses Kind einfach so cool ist und aus seinem Herzen – zum Glück – nicht mehr eine Mördergrube macht, sondern frei raus erzählt. Ich muss den einfach lieb haben ❤

Und er hatte ja recht: Wir feierten im Smørgas den offiziellen Einzug vom RB mit leckerem Essen und Trinken***:

Und weil es im Smørgas immer so nett ist und das Kind sich so wohl fühlt, hat es noch zum Dank ein Bild****** gemalt

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* Es ging um den Umzug und darum, dass der RB ja nun eine Familie habe und außerdem Glück, dass er diese Familie ja nun habe.

** Es war war, es war erfrischend und mit Blick auf den Umzug: Lieber ich beim Radfahren nass, als nasse Möbel und Kartons in die Wohnung schleppen.

*** Der midi-monsieur sagte beim ersten Anstoßen: „Auf den Einzug vom RB.“

**** mit Kardamon: seeeehr lecker

***** Der RB mag ja kein Lakritz.

****** Insgesamt waren es drei und er hat jetzt eine eigene Galerie im Restaurant 😉

Locker machen

Die hessischen Sommerferien liegen so früh wie nie. Das bedeutet, dass das 2. Halbjahr extrem kurz war (bzw. noch ist). Insgesamt 18 Schulwochen (Osterferien schon rausgerechnet), davon waren drei Wochen verkürzt wegen Feiertagen und beweglichen Ferientagen, eine Woche war die Klasse auf Klassenfahrt, eine Woche war Projektwoche. Nun bleiben noch knapp vier Wochen bis zu den Sommerferien. Zu allem Überfluss werden in Klasse 3 hessenweit Lernstandserhebungen durchgeführt. Dieses Schuljahr traf es unsere Klasse, was bedeutete, dass in den vier Wochen nach den Osterferien irgendwann auf Zuruf diese geschrieben werden mussten. Wann genau wusste keine im Voraus und so konnte in diesem Zeitraum auch nichts geplant werden. Auch keine Klassenarbeiten. Zumal ja auch erst kurz vor den Ferien welche geschrieben wurden.

Das Ende vom Lied ist, dass die Kinder in der nächsten Woche vier, bzw. wer Religion hat fünf, Klassenarbeiten schreiben. Ja, das ist viel.

Aber seien wir mal ehrlich: Wir sprechen von Klassenarbeiten bzw. angekündigten Tests (denn in SU, Englisch und Religion ist es nicht mehr) in der Grundschule. In der dritten Klasse. Das Zeugnis, in das diese Klassenarbeiten einfließen wird, interessiert KEINE – zumindest Keine, die damit etwas entscheidet.

Auch wird von der Note dieser Klassenarbeiten sicherlich nicht die Versetzung abhängen. Die Klassenarbeiten müssen geschrieben werden. Die Noten sind halt da und helfen auch grob, das Kind zu bewerten, aber letztlich traue ich unserer neuen Klassenlehrerin durchaus zu, die Noten dieser Klassenarbeiten entsprechend einzuordnen.

Und so versuche ich „meinen“ Eltern gerade beizupuhlen, dass sie sich doch einfach mal locker machen sollen. Denn was nützt es den Kindern, wenn sie von den Eltern vor und in so einer Woche noch zusätzlich gestresst werden?!