Siebzehnter August

  • Grauenhaft geschlafen: spät ins Bett, nicht in den Schlaf gefunden, 3h00 kam der midi-monsieur wegen Keineahnung, ließ sich wieder ins Bett schicken, kam um 5h30 wieder und nahm viel Platz ein.
  • Nein, Achtjährige gehören in ihr eigenes Bett. Es fühlt sich mehr und mehr falsch an.
  • Um 8h00 saß ich am Schreibtisch.
  • Um 11h00 musste ich raus. Für Rad war nicht genug Zeit. Für Schwimmen war ich zu geizig. Also schnürte ich die Wanderstiefel und ging auf meinen lieben Lohrberg.
  • Mittagessen mit zwei jungen Herren aka midi-monsieur und Kumpel.
  • Zerstückelter Nachmittag.
  • Beim Hausaufgabenmachen kratzte sich das Kind wiederholt am Kopf. Ich hatte da so ein Gefühl und holte direkt den Läusekamm.
  • Zum Glück sind die Haare kurz, wir haben noch Goldgeist und so war die Behandlung nicht so aufwändig.
  • Und weil ich nicht so wirklich happy mit dem Braun auf meinem Kopf war, habe ich mir kurzerhand wieder Schwarz aufgepinselt. Viel besser!

Schall und Rauch

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich darüber schon mal gebloggt habe, aber ich finde nichts. Naja, manchmal denke ich auch sehr laut.

Heute gab es eine interessante Diskussion auf Twitter, deren Ursprung in einem Tweet von Journelle lag:

Ich habe dazu eine sehr eigene Meinung (haha): Jede soll die Namensentscheidung so treffen, wie sie für sich am besten passt. (Und damit wäre der Post zu Ende.)

Zwei Replies fand ich besonders aufschlussreich:

und

Gerade zweiteren finde ich sehr klug. Denn irgendwie sind wir mal wieder bei „Frauen erklären Frauen, wie sie zu sein und was sie zu tun oder lassen haben“. Dazu gab es neulich eine ähnliche Diskussion, in der es um Frauen ging, die für die Familie den Job aufgaben und bei Scheidung vor dem Nichts stehen. Was ich – weil ich es in der Familie bereits so erlebt habe – wirklich schlimm finde. Aber wir reden hier über erwachsene Frauen, die die Möglichkeit haben (gehabt hatten) sich zu informieren. Ich bin da etwas abgebrüht und sage: Wer es nicht tut, hat halt erstmal Pech gehabt.

Bei der Namesfrage gilt letztlich das Gleiche – auch wenn es nicht annähernd die gleiche Tragweite hat: Frau kann sich dazu an vielen verschiedenen Stellen vollumfänglich informieren (lassen). Wie sie und ihr Partner (wie sieht das eigentlich bei gleichgeschlechtlichen Ehen aus???) sich dann am Ende entscheiden, ist komplett deren Sache. Und es gibt ausreichend Gründe (s. Tweet von Frau Mutti) für die eine oder die andere Entscheidung. Und ich würde mir im Leben nicht anmaßen, das zu bewerten. Ich – für mich – finde Doppelnamen ja auch doof, würde aber keine Frau deswegen für nicht zurechnungsfähig halten.

Als ich damals heiratete und es um die Namesfrage ging, stand für mich fest, dass ich meinen Namen behalte. Für mich ist mein Name ein Teil meiner Identität. Was auch an der Familiengeschichte liegt. Mein Nachname ist nämlich der Mädchennachname meiner Großmutter. Und diese Frau ist bzw. war mein großes familiäres Vorbild.
Dazu kam, dass ich mir nicht vorstelle konnte, wie meine Schwiegereltern zu heißen. Nein, das Verhältnis war nicht schlecht, aber mit dem gleichen Namen wäre eine Nähe hergestellt worden, die es nicht gab. Eine Nähe, die es halt nur zu meinen Eltern geben kann.
Da aber für den Ex und mich klar war, dass wir einen gemeinsamen Namen wollten, nahm er halt* meinen Namen an. Und er behielt ihn auch nach der Scheidung. Ein Doppelname kam für keinen von uns infrage.

Die Sache mit dem Familiennamen ist ja durchaus nett und auch nachvollziehbar. Und ich fand die Idee, dass meine Kinder mal so heißen wie ich, auch ganz töfte. Aber dann wurde ich ja vom Kv schwanger, mit dem ich – zum Glück – nicht verheiratet war. Damit war klar, dass das Kind entweder den einen oder anderen Nachnamen bekommen wird.** Zumindest war das für mich klar. Ich hätte natürlich die Vaterschafts- und Sorgerechtsgeschichte auf nach Geburt verzögern können. Dann (2009) hätte ich das alleinige Namensrecht gehabt und der midi-monsieur würde heißen wie ich.

Letztlich bekam der midi-monsieur den Nachnamen vom Kv. Weil wir, naja ich, überlegt hatten, dass der Kv ja voraussichtlich mehr mit dem Kind unterwegs sein wird als ich. Da ich ja arbeitete und er zu Hause war (zumindest nach dem ersten Jahr). Und da ein Mann mit Kind, das nicht den gleichen Namen trägt, eher in Erklärungsnöte kommen kann als eine Frau mit Kind, fiel die Namenswahl halt so, wie sie fiel.

Nein, ich habe dem nie nachgetrauert, denn mir wurde die Entscheidung ja nicht aufgezwungen. Wir hatten gute Gründe und ich bin auch – trotz Trennung – immer noch fein damit (schließlich sieht der midi-monsieur ja mir deutlich ähnlicher als dem Kv). Es unterstreicht vielmehr meine Gedanken/ Gefühle zur Elter-Kind-Beziehung:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran

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* Seine genauen Beweggründe weiß ich gar nicht. Aber ein bisschen schwang wohl auch „Befreiung“ mit. Außerdem fand er es auch ein bisschen cool, mit meinem Nachnamen wie ein bekannter Mathematiker zu heißen.

** Was nur zwei Drittel der Wahrheit ist: Dadurch, dass der Kv Franzose ist, hätte der midi-monsieur auch einen Doppelnamen bekommen können. Aber da ich sowas ja schon für mich ablehne, kann ich das ja schlecht meinem Kind einfach aufs Auge drücken.***

*** Ich hätte natürlich auch Trick17 machen können und meinen Nachnamen, der auch ein Männervorname ist, dem midi-monsieur als Zweitnamen geben können.

Rugby

Inkania fragte auf instagram:

Wie kommt man eigentlich auf Rugby?

Ganz kurz: Durch den Kv. Der Kv hat selbst früher Rugby gespielt. Denn in Frankreich ist Rugby das, was bei uns Fußball ist: Jedes noch so kleines Kaff hat einen Club und entsprechende Jugendarbeit.

Als ich denk Kv kennenlernte, konnte er schon lange nicht mehr Rugby spielen, aber es war sein Sport. Er suchte sich in Frankfurt und auch in Hamburg Möglichkeiten, Spiele zu schauen. Auch live.

Und wie es so ist: Der Kv nahm den midi-monsieur hin und wieder mit. Und immer mal wieder äußerte das Kind den Wunsch, selbst Rugby zu spielen. Es war aber immer nicht so vehement und ich war kurz nach der Trennung, noch in Festanstellung nicht in der Lage, ihn für irgendwelche Hobbies durch die Lande zu kutschieren. Dann kam irgendwann mal der Wunsch nach Basketball auf und er versuchte es. Aber das war auf vielen Ebenen nicht seins (und meins auch nicht). Handball stand auch mal im Raum, aber das funktioniert in Ermangelung von erreichbarem Kindertraining in Frankfurt nicht.

Letztes Jahr im Herbst fing der midi-monsieur wieder an, mehr und mehr davon zu sprechen, dass er Rugby spielen wolle. Und nachdem er das Gitarrespielen an den Nagel gehängt hatte, war die Bahn Zeit frei: Im Februar dieses Jahres fing er an.

Und ich muss sagen, ich bin sehr sehr froh, dass er Rugby spielen will. Und dass es nicht Fußball ist. Ich hab’s nicht so mit Fußball außer bei Länderspielen. Aber ich mag auch nicht die Attitüde, die oftmals schon in den Fußball-F-, E- und D-Jugenden vorherrscht.

Bei unserem Rugby-Verein wird auf jeden Spieler geachtet und entsprechend gefordert und gefördert. Es gibt konstruktive Kritik, aber auch Lob. Ich habe das Gefühl, dass die Trainer ziemlich erkennen können, welche Stärken welcher Spieler hat. Es wird keiner ausgeschlossen – egal, wie lange er schon trainiert. Es geht IMMER um die Mannschaft. Und wer auf einem Turnier (es gibt ja keine Liga wie beim Fußball) mit dabei ist, der darf auch auf jeden Fall mitspielen.

Auf den ersten Blick ist das Spiel ziemlich rau. Und vermeintlich gefährlich, denn außer mit dem obligartorischen Mundschutz wird Rugby ohne weiteren Schutz gespielt. Aber die Kids bekommen von Anfang an erklärt, worauf sie beim Tacklen zu achten haben. Es darf ja auch nur der getacklet werden, der das Ei hat. Sobald der am Boden ist, darf man den auch nicht mehr angehen. Ansonsten ist das Spiel – je größer das Spielfeld wird – ziemlich schnell. Darüberhin aus ist der Sport extrem fair. Kein Spieler außer dem Kapitän darf sich beim Schiri beschweren. Man honoriert auch gute Aktionen der gegnerischen Mannschaft. Und nach dem Spiel ist das Matsch vorbei. Wer gewonnen hat, hat das verdient getan.

Nein, ich hatte als Mutter nie Angst oder Befürchtungen, dass der midi-monsieur Rugby spielt. Ja, es kann was passieren: blutende Nasen, Rippenbrüche, gestauchter Nacken, Cuts am Auge und auch die üblichen Sportverletzungen. Aber mei, ich kann und will ihn nicht in Watte packen. Ich hätte vielleicht auch Rugby spielen wollen. Ich mag es, wenn es beim Sport sportlich zur Sache geht. Deswegen mag ich auch Handball.

Und ich sehe, wie gut ihm dieser Sport tut, das Training, die Trainer und auch die Mannschaft. Für ihn ein perfekter Ausgleich zum schulischen Alltag.

Neuer Alltag

Der Alltag, der sich im Schulhalbjahr vor den Sommerferien entwickelt hat, hat uns wieder. Aber er ist – zum Glück (aus verschiedenen Gründen) – modifiziert…

… Das Kind hat nun Schwimmunterricht …
… und Englisch.
… Es gibt eine neue Mathelehrerin.
… Er hat jeden Tag von der 1. bis mindestens zur 5. …
… und so insgesamt 26 Wochenstunden.
… Er möchte an der Theater-AG teilnehmen (und freut sich über Daumen dafür).
… Hobbies – Aikido und Rugby – sind geblieben, aber …
… beim Rugby ist er nun in der U10 …
… mit anderen Trainern, größerem Feld und härterem Training.

Ich habe auch noch eine Modifikation, die ich hier und da mal integriere. Aber letztlich tangiert sie den Alltag nicht.

23

Ich habe heute 23 mal den Namen vom midi-monsieur auf irgendwelche Hefte, Hefthüllen, Ordner, Namensschilder, einen Stift und ein Lineal geschrieben.

Ich hätte den Namen noch viel öfter schreiben können, aber ich habe davon abgesehen, jeden einzelnen Bunt- und Bleistift, Abspitzer und Radiergummi zu beschriften. Das ging in den letzten zwei Schuljahren nach dem durchbeschrifteten Einstiegssatz auch problemlos ohne.

Und ja, wir hatten auch mal so Aufkleber, aber irgendwie ist es mir das nicht wert. Und ja, der midi-monsieur kann seinen Namen auch selbst schreiben. Aber ich jammere ja gar nicht, dass ich es gemacht habe. Ich habe es nur festgestellt.

Für alle, bei denen die Schule morgen losgeht: Guten Schulstart. Allen anderen wünsche ich noch schöne Ferien!

Runterfahren

Mir war schon klar, dass der midi-monsieur nicht die beste Laune haben würde nach der Übernachtung mit der Rugbymannschaft in einem Tipidorf. Nicht, weil es so schrecklich war, sondern weil klar war, dass es viele Eindrücke sein würden.

Und so war es auch: Als ich ihn abholte, war er extrem motzig. Alles war doof. Nie wieder wolle er ins Rugbycamp. Und überhaupt. Und Hunger hatte er auch. Gegen letzters konnte vor Ort was getan werden, aber es half nur bedingt. Ich wollte los, aber auch das war nicht richtig. Er wusste nicht, was er wollte. Und nachdem er mich mit jedem zweiten Satz angezickt hatte, musste ich ihn zu seinem Glück zwingen. Erster Deeskalationsschritt war geschafft.

Wir suchten das reservierte Car2Go, war auch schon half, dass er sich weiter entspannte. Bahnfahren hätte ihn nur gestresst.

Während der Autofahrt forderte ich ihn dann auf, mir ausschließlich das zu erzählen, was ihm an der Zeltübernachtung gut gefallen hatte. Ich wollte kein Gemecker und Gemotze hören.

Zu Hause ging es für ihn dann ohne Umwege in die Badewanne. Er machte sie sich voll und gab Schaumbad dazu und Entspannung bereitete sich in der Wohnung aus.

Nicht nur, weil es regnete, sondern vor allem weil er erstmal keine Interaktionen brauchte, blieben wir zu Hause und der midi-monsieur durfte fernsehen.

Und das tat ihm gut. Er war nicht mehr motzig. Irgendwann konnte er auch zugeben, dass er müde ist und so aßen wir früh zu Abend und um 19h00 schlief er entspannt ein.

Verlässlichkeit

Gestern abend versuchte der midi-monsieur seinen Vater anzurufen. Es war ihm wichtig, weil gerade der Jetlag und damit das Vermissen besonders schlimm sind. Der Vater ging aber nicht ran bzw. rief nicht zurück. Traurig und frustriert ging das Kind schlafen. Wir besprachen, dass er es ja heute früher – direkt nach dem Rugbycamp – versuchen können. Am späten Nachmittag sind die Chancen vielleicht höher, dass er den Kv nicht bei irgendeinem Aperó stört.

Um dem Kind eine erneute Enttäuschung zu ersparen, schrieb ich dem Kv heute:

„Hallo, Dein Sohn möchte gerne mit Dir telefonieren. Ist es heute möglich?“
„Hallo. Ja.“
„Am Nachmittag? Nach 16h00?“
„Er kann anrufen, wann er will. Er muss nicht fragen, um mich anzurufen. Ich mussjetzt los zum Angeln.“
„Er hat es gestern versucht. Du hast nicht zurückgerufen. Er war ziemlich traurig.“
„? Das hatte ich nicht gesehen – gehört. Er hätte es nochmal versuchen sollen.“

Der Kv war also vorgewarnt, dass sein Sohn versuchen würde, ihn anzurufen. Heute. Am Nachmittag. Nach 16h00.

Um ca 16h15 ließ es der midi-monsieur bei seinem Vater klingeln (er ruft zurück, weil in seinem Handy-Vertrag unbegrenztes Telefonieren nach Deutschland inklusive ist). Und dann wartete er. Und ich hatte meinen toten Punkt und machte etwas Entspannung. Der midi-monsieur wartete immer noch. Und wartete. Bis um 17h38 der Kv endlich zurückrief. Für ganze 8 Minuten. Der Papa hätte nochmal was erledigen müssen, sie würden später telefonieren, erklärte mir der midi-monsieur.

Um 19h38 versuchte das Kind erneut den Vater anzuklingeln.

Jetzt um 21h50 liegt er – also der midi-monsieur – seit über einer halben Stunde im Bett. Ohne noch einmal mit dem Vater telefoniert zu haben.

Was verdammte Hacke ist so schwierig an einem Minimum an Verlässlichkeit?!