Sinneswandel

Um ziemlich genau Mitternacht wachte das Kind auf und fluchte über eine Stunde. Grundaussage:

Ich hasse Zelten.

Es war durchausnachvollziehbar. Denn zum einen hasse finde ich auch Zelten eher nicht suuuper. Zum anderen war die Straße, an der der Campingplatz lag, selbst zu dieser vorgerückten Stunde sehr laut.

Dennoch musste ich verhindern, dass er sich nicht allzu sehr reinsteigert und noch ein bisschen Schlaf bekam.

Um 6h30 weckte ich ihn und fürchtete schon, dass er direkt weiter schimpfte.

Er schlug die Augen auf und meinte

Ich glaub, ich habe mich daran gewöhnt.

Pittoresk

Natürlich könnte man den Strasbourger Stadtteil La Petite France auch als malerisch, beschaulich, märchenhaft, romantisch, verträumt, idyllisch, elysisch, traumhaft (schön) oder wunderschön bezeichnen. Aber pittoresk trifft es eigentlich ganz gut.

Und auf der Frankreich-Website hat man auch ganz malerische Worte gefunden:

Kleines Venedig in Straßburg
In den Gassen des Gerberviertels Petite France erwacht das alte Straßburg zum Leben. Das ehemalige Viertel der Fischer, Müller und Gerber gleicht einer Insel des Friedens inmitten der Stadt. Im, wörtlich übersetzt, ‚kleinen Frankreich‘ drängen sich dicht an dicht Fachwerkhäuser des 16. und 17. Jh. mit weiträumigen Innenhöfen und hohen Spitzdächern, welche sich über die offenen Dachböden spannen, in denen früher die gegerbten Häute zum Trocknen aufgehängt wurden.
Durch das Viertel zieht sich der Fluss Ill und 3 kleine Kanäle. Mit den Ausflugsbooten durchfährt man das Viertel und einige Schleusen. Direkt am Ufer der Ill liegt das Maison des Tanneurs (Gerberhaus), das wohl markanteste Gebäude des Viertels.
Früher soll das Viertel La Petite France ein eher unbeliebter und finsterer Stadtteil gewesen sein, denn die Häute und Felle der Gerber verbreiteten einen strengen Geruch. Im Mittelalter fanden hier auch Gauner, Banditen Unterschlupf und angeblich wurden hier viele dunkle Geschäfte gemacht – auch ein reges Rotlichtmilieu soll hier gewesen sein. In dem Viertel lag auch ein Militärkrankenhaus, in dem Soldaten von Syphillis – damals als Franzosenkrankheit bezeichnet – geheilt wurden. Daher rührt auch der Name Petite France.
Ich lasse dann mal lieber Bilder sprechen:

Besuchen Sie Europa

Ja, äh, nein, es tut mir nicht leid, wenn ihr jetzt einen Ohrwurm habt. Ich hab ihn ja schließlich auch. So seit gut zwei Wochen.

Während ich die Fotos von Strasbourg bearbeitete (es wurden 194 bearbeitete Bilder von 562 geschossenen), überlegte ich, wie ich die Bilder denn nun präsentiere. Tageweise oder nur ein paar (haha) wenige (hahaha). Aber beim Sichten der bearbeiteten Bilder (keine Sorge, ich präsentiere nicht alle 194) dachte ich, dass ich sie thematisch clustern könnte.

Und weil es schon so spät ist und ich die Bilder am einfachsten zuordnen kann, fange ich mit Europa der EU an. Da sind wir am dritten Tag, nachdem der Fuß vom midi-monsieur bereits am Tag vorher wundergeheilt durchgehalten hatte, bei bestem Wetter hinspaziert.

Tja nun …

… eigentlich hatte ich geplant, heute endlich mal ein paar Fotos aus Strasbourg zu zeigen. Aber …

… der midi-monsieur und ich frühstückten ausgiebig,
… ich buk noch einmal Eulen-Erdbeeer-Muffins (damit das Kind morgen in der Schule seinen Geburtstag nachfeiern kann),
… ich musste erstmal Photoshop auf dem neuen Laptop installieren,
… ich guckte kurz in meine Job-Mails und machte dann mal eben kurz ein Dokument fertig,
… dann war der midi-monsieur sehr undleidlich, weil sehr müde nach den letzten vier ziemlich aufregenden Tagen,
… die Fotos mussten erstmal von der Kamera auf den Rechner geladen werden,
… irgendwann – nach drei Stunden Schlaf – wachte der midi-monsieur wieder auf,
… wir mussten Abendbrot essen und dafür musste ich grillen und Salat machen,
… der midi-monsieur wünschte sich dann doch noch einen Kuchen, um im Hort auch noch den Geburtstag nachfeiern zu können,
… ich musste dann noch einen Kuchen backen und währenddessen versuchen, den midi-monsieur ins Bett zu bringen, der natürlich nicht sonderlich müde war,
… es sind ein paar zu viel Fotos, um die mal eben kurz in 30 Minuten zu editieren.

Also gibt es Fotos wohl erst morgen oder so.

Weitergeben

Es gibt da so eine Erinnerung. Die ist – und das kann ich trotz der langen Zeit genau beziffern – 28 Jahre alt. Sie ist verbunden mit großen, staunenden Augen, einem vor Faszination offen stehenden Mund, sich vor Schreck die Augen zuhalten, fast panischem Aufschreien und vielen aahhs, ohs und wows.

Es ist meine Erinnerung an meinen ersten Zirkusbesuch – „nicht irgendein Circus“*, sondern Circus Flic Flac.

Ich weiß gar nicht, ob ich jemals in einem klassischen Tierzirkus war. Falls ja, hat es mich nicht beeindruckt.

Aber Flic Flac hatte mich sofort in seinen Bann gezogen. Wahnsinn, was Menschen können. Ich war danach noch mindestens einmal in einer Flic-Flac-Show, dann gingen sie eine Weile nicht auf Tour, der midi-monsieur wurde geboren und war erstmal mini.

Das Kind war bislang auch noch nie im Zirkus. Denn Tierzirkusse sind für mich nicht nur unbeeindruckend, sondern auch ziemlich fragwürdig hinsichtlich der Tierhaltung. Aber er äußerte auch bislang nicht den Wunsch danach.

Allerdings neidete er mir letztens meinen Besuch im Tigerpalast. Und ich überlegte, ob das schon was für ihn wäre.

Doch dann fielen mir Plakate ins Auge, die ankündigten, dass Flic Flac in der Stadt sein werden. Und zwar um seinen Geburtstag rum. Ich dachte kurz darüber nach, den Kv zu fragen, ob wir das zusammen machen/ schenken wollen.

Aber ich verbinde Flic Flac mit meinen Eltern. Und weil die ja zum Geburtstag des midi-monsieurs kommen wollten, klärte ich mit ihnen, dass wir das zusammen machen wollen.

Heute war es dann so weit.

Und vielleicht ist eine Familientradition geboren. Doch auf jeden Fall habe ich meine Faszination und Begeisterung für diese Art Zirkus weitergegeben. So wie ich vor 28 Jahren saß er da und staunte mit offenem Mund und großen Augen, ging mit, rutschte vor Spannung auf seinem Sitz hin und her und applaudierte begeistert.2017-06-17 00.00.10

„Das Schlechteste an der Show war, dass sie nur zwei Stunden dauert.“

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* Das war der Titel der damaligen Premieren-Tour.

Gelegenheit

Heute war die Gelegenheit günstig, endlich mal in der Wohnung – explizit in meinem Zimmer – auzuräumen. Denn meine Elterm sind zu Besuch gekommen.

Ja, meinen Eltern, vor allem meiner Mutter, mein Vater würde es vermutlich gar nicht sehen, wäre das egal und würden es verstehen, wenn ich nicht mit einer Schöner-Wohnen-Wohnung aufwarten.

Doch zum einen nervt mich mein Chaos ja selbst, allerdings habe ich zum klar Schiff machen gerne Zeit, um auch wirklich alles erledigen zu können und nicht irgendwas anfangen, abbrechen und später fortsetzen zu müssen.

Zum anderen hatten wir heute lustiges Bettenroulette: Der midi-monsieur schlief letzte Nacht bei mir. Der Kv schlief ja schon seit einer Woche im Gästezimmer. Da aber meine Eltern nicht mehr in einem Bett schlafen können und beide richtige Betten brauchen, war klar, dass ich mein Bett zur Verfügung stelle und für zwei Nächte auf der Matratze unterm Hochbett von midi-monsieur schlafe, in dem wiederum der midi-monsieur schläft. (Wenn wir keine Gäste haben, schlafe ich ja im Gästezimmer und der midi-monsieur in meinem Zimmer.)

Also musste ich heute Morgen, nachdem der Kv weg war, die Gästebettwäsche abziehen und waschen, mein Bett abziehen und waschen und weil ich dabei Kram von A nach B, von B nach C und irgendwie wieder zurück schleppte und das Chaos wuchs, machte ich kurzen Prozess und befüllte einen schwarzen Müllsack.

Und dank meines temporären Nachtlagers im Kinderzimmer hatte der midi-monsieur auch die tolle Gelegenheit, in seinem Zimmer aufzuräumen. Nunja, da ergeben sich hoffentlich noch ein paar weitere Gelegenheiten. Und spätestens, wenn wir die Zimmer tauschen werden, wird umfassend ausgemistet.