Einfach ja sagen

Manchmal ist es ja ganz gut, einfach mal ja zu sagen. Einfach darauf zu vertrauen, dass einer ein anderer Mensch nichts Böses will, wenn sie eine Unternehmung vorschlägt.

So war es, als Silke Herrn Walthers und meine Post-Richard-III.-Euphorie ausnutzte und uns direkt zum nächsten Kulturabend „verdonnerte“. Ich guckte nämlich nur aufs Datum und sagte zu. Später klärte ich dann noch mit dem RB, ob er den midi-monsieur ins Bett bringen könne an dem Abend und das war es dann auch schon. Ich kümmerte mich Nullkommanichts darum, was genau uns nun an dem Abend erwarten würde. Ich hatte noch nicht einmal registriert, dass es eine Lesung sein würde. Aber gut, nach bereits zwei*, naja drei** Lesungen, ist mir nun auch dieses Format geläufig.

Gelesen hat Ferdinand von Schirach, den ich Banausin ja bis heute auch nicht kannte. Wobei er nicht nur aus seinem Buch „Strafe“ vorgelesen hat, sondern auch über den Prozess gegen Sokrates (ja, der olle Philosph aus der Antike) referierte.

Er sieht etwas erleuchtet aus 😉

Das Publikum war sehr aufmerksam und sehr still, sodass ich mir etwas „laut“ vorkam, als ich spontan applaudieren musste, als von Schirach sinngemäß sagte: „Es ist ja schon gut, dass sich der Staat nicht in die Kirche einmischt.*** Aber noch besser wäre es, wenn sich die Kirche nicht auch in den Staat einmischen würde.“ Danach war ich dann aber auch still und lachte auch nur in mich hinein, als das Pärchen vor Herrn Walther total kinoesk die Köpfe zum Knutschen Kuscheln zusammensteckte.****

Da ich nichts wusste, habe ich nichts erwartet und so war es einfach toll: die erzählten bzw. vorgelesenen Geschichten, die Stimme, die Atmosphäre, die Begleitung (nagut, die kannte ich ja vorher, da konnte nichts schief gehen).

Doch, es lohnt sich durchaus, einfach mal ja zu sagen und Dinge zu machen, die eine sich selbst eher nicht rausgesucht hätte.

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* Sarah Kuttner und Mama Schulze

** Ich weiß immer noch nicht, ob ich die Titanic-Lesung werten soll. Wobei wir ja eigentlich wegen Andrea Diener da waren.

*** Stimmt auch nur bedingt. Aber der staatliche Einfluss auf die Kirche ist sicherlich deutlich unbedeutender, als die umgekehrte Einmischung.

**** Das muss eine Frankfurter Mode sein: Bei Richard III. hatte ich ein Pärchen im Blickfeld, das mitten im Stück tatsächlich knutschte und sie sich auf seinem Schoß räkelte. Ähmja… Ich werde alt und verständnislos.

Wildes Herz

Etwas verantwortungslos kam ich mir ja schon vor. Und auch der RB hatte zwischenzeitlich – zumindest beim Essen – Bedenken, ob das wirklich so eine gute Idee war, dass wir alle, also der midi-monsieur, der RB und ich, zusammen ins Kino gehen und zwar in einen Film, den vor allem der RB gucken wollte. Gut, er hätte auch allein gehen können. Aber da wir ja total aneinander kleben und NIIIICHTS mehr getrennt machen können ich fand den Film auch interessant. Doch er läuft nur* diese Woche im Mal-Seh’n-Kino, einem winzig kleinen, total schnuckeligen und tollem Programmkino, das ich bislang noch gar nicht kannte.

Etwas problematisch neben dem Film selbst war, dass er nur um 20h00 läuft. Das ist eigentlich etwas spät für das Kind, aber die Babysitterin war erst am Sonntag da und am Freitag und am Samstag muss er wieder von ihr betreut werden**. Und so beschlossen der RB und ich, dass wir zusammen reingehen: Der RB befand es inhaltlich für tragbar und ich hinsichtlich des Aufbleibens.

Nach einem etwas anstrengendem Essen zu dritt in einem meiner Lieblingscafés gab es auch kurz nach Beginn von „Wildes Herz“ einen Durchhänger beim midi-monsieur, den ich etwas unpädagogisch mit „Ich gehe auch mit Dir in Filme, die ich nicht gut finde“ im Keim erstickte. Nunja, was soll ich sagen?! Es hat gewirkt und das Kind hat sich dann auf den Film eingelassen: Feine Sahne Fischfilet hat nicht nur einen neuen Fan, sondern das Kind hat ein Ziel für die Pubertät:

Ich bin etwas hin- und hergerissen: Monchi als Vorbild zu haben – zumindest so aus politischer Sicht und hinsichtlich seiner Einstellung – ist sicherlich nicht verkehrt, aber vielleicht können wir, respektive der midi-monsieur, ja doch irgendwie die Pubertät anders gestalten.

Auf jeden Fall fanden wir drei den Film sehr gut:

Und ich verbuche das mal auch unter „politischer Bildung“ fürs Kind*** und fühle mich nicht mehr veranwortungslos.

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* Zumindest sieht es derzeit danach aus.

** Außerdem hatte er Rugby-Training und ihn nach Hause zu bringen und dann ins Kino zu hetzen, wäre auch blöd gewesen.

*** Vielleicht wirkt das ja so auf ihn, wie auf mich die versehentlich mit 11 gegessenen Sp**e-Co*kies und das mit 13 gelesene „Wir Kinder von Bahnhof Zoo“ – halt auf politischer Ebene.

Tückische Türen

Ein Tag, der quasi damit anfängt, dass der RB und ich marktfrühstücken, kann kein schlechter sein. Zudem ich entdeckte, dass es auf unserem kleinen Bernemer Markt endlich (!!!) wieder Waffeln gibt.

Und an einen bereits tollen, flauschigen Tag darf sich auch gerne ein schöner Abend anschließen. Dass er nicht allzu schlecht werden würde, hatte ich ja bereits gehofft und geahnt, nachdem alle, die die akutelle Frankfurter Inszenierung von Shakespears Richard III. bereits gesehen hatten, schwärmten und ausschließlich viel Spaß wünschten.

Sie hätten allerdings Herrn Walther und mich auf die Tücken der Türen aufmerksam machen sollen. Denn … nunja … die städtischen Bühnen Frankfurts beherbergen nicht nur das Schauspiel, wohin wir wollten, sondern auch die Oper. Und weil (ja, warum eigentlich) wir irgendwie nicht aufpassten, nahmen wir die erstbeste Tür ins Gebäude. Der nette junge Mann am Einlass nickte unsere Karten auch brav ab, wir gaben unsere Mäntel an der Gaderobe ab und suchten dann unsere Plätze. Ich wunderte mich kurz ob des Saalaufbaus – wusste ich doch, dass es Bühnenplätze geben sollte, die ich aber nicht sah. Naja, nicht weiter nachgedacht, bis wir dann vor unseren Plätzen standen und … tadaa, man ahnt es schon … da schon jemand saß. Kleine Aufregung, bis die „Platzbesetzer“ erkannten, dass sie definitiv richtig waren, weil wir halt nicht im Schauspiel, sondern in der Oper waren.

Die Zeit war knapp und so verzichteten wir darauf, unsere Mäntel zu holen, sondern huschten schnell einen Eingang weiter. Da waren unsere Plätze auch nicht besetzt. Puh!

Da in der zweiten Reihe direkt am Aufgang sind unsere Plätze noch frei.

Und dann ging es auch schnell los. Ein Teil des Ensembles lief eh schon durch die Reihen oder saß im Publikum. Der ganze Saal wurde bespielt. 3D-Theater gewissermaßen. Immer wieder musste man sich drehen und gucken, wo etwas passierte, woher eine Stimme kam. Und Wolfram Koch als Richard III ist der Wahnsinn – im doppelten Wort sind (bezogen auf seine Rolle). Aber auch die anderen Schauspieler waren stark und äußerst präsent.

So waren wir einfach in den Bann gezogen. Dass die Aufführung über drei Stunden dauert (mit einer kurzen Pause* nach fast zwei Stunden), war kaum zu merken. Einfach stark!

Und während wir beim Gimlet den Abend ausklingen ließen, ergab sich direkt der nächste Theaterabend:

Wir wissen ja jetzt auch, welche Tür direkt zum Schauspiel führt.

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* In der wir wieder zurück in die Oper huschten und unsere Jacken holten. (Was auch schlau war, da die Oper nicht so lange dauerte wie das Schuaspiel.)

Mein Name ist Hase

Die Frankfurter Museen (55 an der Zahl) sind ja erfreulich vielfältig und auch relativ kinderfreundlich: Einige (16) sind für Kinder kostenlos. Es gibt oftmals besondere Kinderangebote (z.B. Mini-Schirn, Kinderführungen, Satourday) oder das Museum ist eh ziemlich kindgeeignet, wie das Senckenberg, das Filmmuseum oder das Museum für Kommunikation (MfK).

Und als ich mir letztens im MfK die „Oh yeah!“-Ausstellung zu Gemüte geführt hatte, war ich ja auch kurz in der „Mein Name ist Hase“-Ausstellung, beschied aber, dass ich die lieber mit Führung und dem Kind anschauen wollte.

Wir waren etwas früher da uns amüsierten uns in der Dauerausstellung, in der es immer etwas zu entdecken gibt: Während ich noch mit einem Wählscheiben-Telefon aufgewachsen bin, ist das für den midi-monsieur ja gewissermaßen prähistorisch. Und auch sonst hörte ich das Kind immer wieder mal rufen: „Mama, Mama, das musst Du Dir angucken.“ Doch, so macht Museum mit Kind Spaß. Und erstmals entdeckte ich die Kunsträume:

Dann ging es zur Führung. Und die war sehr interessant und kurzweilig. Aber die ganze Ausstellung ist so aufbereitet: interessant, lehrreich und kurzweilig. Der Kurator bittet zum Jahrmarkt der geflügelten Wörter und Redensarten:

Ach, diese Museumsufercard war eine super Anschaffung. Ihr werdet wohl einiges „ertragen“ müssen in diesem Jahr 😉

Kunst

Das Kind sitzt am Tisch und guckt auf die gegenüberliegende Wand. Die Wand, an der diverse Kunst hängt: Harry Potter vom Kind, eine Rose von mir …

Die Belichtung ist etwas suboptimal.

und seit neustem die Frankfurter Skyline von der tollen Jette.

„Mama, das Bild“, meint das Kind zum Neuzugang, „ist echt toll. Der Künstler oder die Künstlerin kann das echt gut.“
„Eine Künstlerin hat das Bild gemalt.“
Er nickt anerkennend. „Ja, das ist echt gut. Die Farben sind auch total toll.“
„Ja. Die durfte ich mir wünschen.“
„Echt?! Warum?“
„Weil ich die Künstlerin kenne.“

Tja, liebe Jette, sollte der midi-monsieur Dir mal begegnen, dann solltest Du eine Autogrammkarte parat haben.

90

Im tollen Frankfurter Museum für Kommunikation

gibt es aktuell gut 90 Jahre deutsche Musikgeschichte (noch bis zum 25.2.) zu erleben bzw. zu erhören.

Die Besucherin läuft mit Kopfhörern – mit Viertelzoll-Klinkenstecker – von den 2000er Jahren bis in die Golden Twenties und lernt hörender und lesender Weise viel über die unterschiedlichen Musikstile, wie sie in ihre Zeit einzuordnen sind.

Die andere Sonderausstellung „Mein Name ist Hase! Redewendungen auf der Spur“ (nur noch bis 11.2.) werde ich demnächst mit dem midi-monsieur besuchen. Vielleicht bekommt er dann noch ein bisschen mehr Lust auf Deutsch als Sprache.

Statt Blumen

In Frankfurt gibt es einen botanischen Garten und einen anderen botanischen Garten – und ich glaube, dass er bekannter ist – den Palmengarten. Doch im Winter ist so ein botanischer Garten etwas trostlos, wobei im Palmengarten natürlich die Gewächshäuser und das Palmenhaus auch in der kalten Jahreszeit einiges bieten. Doch draußen ist halt nicht so viel los. Das ist im Palmengarten seit 5 Jahren anders, denn seit 2012/2013 gibt es dort die Winterlichter. Und dafür lohnt es sich, (wirklich) dicke Schuhe und auch sonst warme Sachen anzuziehen, damit man entspannt durchs illuminierte Grün flanieren und die Lichtinstallationen genießen kann.

Noch bis Sonntag (21.01.) können sie besucht werden. Es lohnt sich!

19

Wenn man wie ich 19 Tage nach Weihnachten Geburtstag hat, ist das mit den Geschenken etwas kompliziert. Oft gab es zum dem einen Anlass was Größeres und zum anderen halt was kleines. Oder was ganz Großes zu beiden zusammen. So retrospektiv kann ich nicht sagen, dass ich das wirklich doof fand. (Doof fand ich nur, dass die eine Tante nur meinem Bruder was zu Weihnachten schenkte, weil er halt ihr Patenkind war und ich eben nicht. Allerdings bekam ich von ihr mal – vermutlich zum Geburtstag – ein Backbuch, das ich tatsächlich noch habe.)

Mittlerweile bin ich in dem Alter, in dem mir das mit dem Schenken nicht mehr so wichtig ist. Ich freue mich über Geschenke. Sehr sogar. Aber nicht um des Schenkens Willens, viel mehr als Zeichen, dass da jemand an mich gedacht hat. Daher mag ich auch Überraschungen sehr gerne. Weil sie zeigen, dass sich jemand besondere Gedanken über mich gemacht hat – genau überlegt hat, was mir gefallen könnte. OHNE dass ich was dazu tun musste.*

Mittlerweile bin ich auch in einem Alter, in dem ich mir auch Dinge selbst schenke. Gerne auch unabhängig von Geburtstag und Weihnachten, denn aufgrund der 19 Tage wäre ich ja sonst 345 (346) Tage im Jahr ohne Geschenk. Das sind natürlich keine Überraschungen, aber ich freue mich trotzdem. Wie heute, …

… als ich mir vorzeitig** endlich*** eine Museumsufercard**** geschenkt habe. Der Grund war, dass ich heute – an meinem letzten Kindfrei-Tag – ins Museum wollte und auch war:

Da hat das MAK eine sehr feine Ausstellung zu Jil Sander zusammengestellt. Sehr interessant. Nicht zu überladen. Informativ. Sehr passend zur Künstlerin selbst.

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* Ich merke, dass ich in letzter Zeit immer entscheidungsunlustiger bin, wenn es um Freizeitdinge geht. Also, wenn es um Freizeitdinge geht, die nicht nur mich (und/ oder den midi-monsieur) etwas angehen: Ist eine weitere Person beteiligt, wünsche ich mir oft, dass diese entscheidet, wo es wann hingeht oder was erforderlich ist.
Vermutlich entscheide und verantworte ich so viel, dass ich um jedes Bisschen, das ich abgeben kann, dankbar bin. Etwas, um das ich mir keinen Kopf machen muss. Yeah!

** Ich könnte auch sagen nachträglich zu Weihnachten, aber da der Geburtstag näher ist, halt vorzeitig.

*** Das habe ich schon jahrelang geplant und immer nicht gemacht. Jetzt habe ich ein Abo.

**** Sie könnte auch MuseumsuferKARTE heißen, aber mei…