Normalität

Sicherlich wäre es schlauer gewesen, heute zu Hause im Bett zu bleiben und die Seuche auszukurieren. Aber ich kann den midi-monsieur schlecht allein in den Zug setzen.* Sicherlich kommt das irgendwann, aber 8 ist dafür kein Alter.

Und daher fuhr ich heute 4 Stunden nach Paris und auch 4 wieder zurück. Dazwischen hatte ich knapp 2 Stunden Aufenthalt. Der midi-monsieur und Kv verabschiedeten sich recht schnell, sodass mir noch etwas Zeit mit mir blieb.

Und was mache ich in der Zeit?! Ich gehe ein paar Sachen einkaufen. Also Lebensmittel. Lebensmittel, die es in Deutschland nicht gibt (oder nicht so günstig). Dann setze ich mich in den Bahnhof, essen ein Pain au Chocolat und lese das Internet leer.

Ja, ich bin krank und zwei Stunden sind nicht lang. Viel hätte ich eh nicht machen können. Aber es fühlte sich so normal an, mal eben nach Paris rein- und wieder rauszufahren.

Es war auch erschreckend normal für meine Augen, die schwer bewaffnete Soldaten durch und um den Bahnhof patroullieren zu sehen.

Normal war auch – immer noch – der Sprachswitch von Deutsch auf Französisch, das relativ problemlose Verständigen im Geschäft.

So ganz schlüssig bin ich mir noch nicht, ob ich diese Normalität gut finde.

Längerer Tag

6h45 aufstehen

7h40 Fahrt zum Turnier

8h20 Ankunft

9h20 erstes Spiel

10h00 zweites Spiel

10h40 letztes (von insgesamt und inkl. gestern 7 Spielen)

13h45 Abfahrt nach Hause

17h45 Ankunft zu Hause, Auto ausladen, Hausaufgaben machen, Auto wegbringen (ich)

19h30 essen, Gedicht lernen, duschen (Kind)

20h30 Bett (Kind), Sofa (ich)

Ins Bett muss ich aber auch bald. Die nächste Woche wird tough.

Jetlag

Natürlich war mir – so rein vom Verstand – klar, dass der Übergang vom (zu) langen Kv-Aufenthalt wieder in den schnöden Alltag mit mir nicht so easy-peasy sein wird. Und war es nach den letzten Papa-Zeiten neben den sehr weit interpretierten Ferienschlafzeiten eher das Papa-Vermissen, das uns zu schaffen machte, ist es wohl diesmal die (zu) lange Trennung von mir.

Und ich stecke in einem Dilemma. Ich bin die Tochter meines Vaters eine latente Eremitin und gewöhne mich schnell an den Zustand des Alleinseins – vor allen Dingen daran, dass nicht dauerhaft jemand an mir rumzusselt. Ich habe ein durchaus sehr innige Beziehung zum midi-monsieur. Und ich finde das auch gut so. Aber ich bin auch froh, dass der midi-monsieur immer selbstständiger wird und so haben wir in unserem Alltag eine – für uns beide – gute Mischung zwischen (körperlicher) Nähe und Eigenständigkeit.

Nun also sucht der midi-monsieur Nähe, viel Nähe. Und ich will, dass UNSER Alltag einfach wieder so funktioniert, wie er vor der Papa-Zeit funktioniert hat.

Und dadurch, dass diese beiden Pole an mir zerren, hänge ich zwischen dem „Druck“, meinem Kind – so wie es sich für eine erwachsene Mutter gehört – zu geben, was er will/ braucht, und meinem Wunsch bzw. Bedürfnis, authentisch zu bleiben. Dieses Kind hat so empfindliche Antennen, dass er sicherlich spürt, wenn ich etwas nicht aus mir heraus mache. Aber ich will auch nicht, dass er seine Bedürfnisse zurücksteckt.

Wir müssen wohl beide wieder im Alltag ankommen.

Tagesbilanz

  • 1,5 Stunden Schlaf
  • 0,75 fertigen Text
  • viele gestellte und beantwortete Fragen
  • 1 Latte Macchiato, 1 Green Tea Lemonade, 1 L Wasser
  • 0,5 Bagel natur, 0,5 Zimzbrötchen, 1 Foccacia, 0,5 Fruchtriegel
  • 11 km Fußmarsch durch Paris

    Und bei der etwas suboptimalen Bilanz kann ich abends um 19h20 ziemlich ungehalten reagieren, wenn das Boardrestaurant, auf das der midi-monsieur und ich uns verlassen hatten, nicht geöffnet ist und das Boardbistro nur ein minimales Angebot hat.