Pittoresk

Natürlich könnte man den Strasbourger Stadtteil La Petite France auch als malerisch, beschaulich, märchenhaft, romantisch, verträumt, idyllisch, elysisch, traumhaft (schön) oder wunderschön bezeichnen. Aber pittoresk trifft es eigentlich ganz gut.

Und auf der Frankreich-Website hat man auch ganz malerische Worte gefunden:

Kleines Venedig in Straßburg
In den Gassen des Gerberviertels Petite France erwacht das alte Straßburg zum Leben. Das ehemalige Viertel der Fischer, Müller und Gerber gleicht einer Insel des Friedens inmitten der Stadt. Im, wörtlich übersetzt, ‚kleinen Frankreich‘ drängen sich dicht an dicht Fachwerkhäuser des 16. und 17. Jh. mit weiträumigen Innenhöfen und hohen Spitzdächern, welche sich über die offenen Dachböden spannen, in denen früher die gegerbten Häute zum Trocknen aufgehängt wurden.
Durch das Viertel zieht sich der Fluss Ill und 3 kleine Kanäle. Mit den Ausflugsbooten durchfährt man das Viertel und einige Schleusen. Direkt am Ufer der Ill liegt das Maison des Tanneurs (Gerberhaus), das wohl markanteste Gebäude des Viertels.
Früher soll das Viertel La Petite France ein eher unbeliebter und finsterer Stadtteil gewesen sein, denn die Häute und Felle der Gerber verbreiteten einen strengen Geruch. Im Mittelalter fanden hier auch Gauner, Banditen Unterschlupf und angeblich wurden hier viele dunkle Geschäfte gemacht – auch ein reges Rotlichtmilieu soll hier gewesen sein. In dem Viertel lag auch ein Militärkrankenhaus, in dem Soldaten von Syphillis – damals als Franzosenkrankheit bezeichnet – geheilt wurden. Daher rührt auch der Name Petite France.
Ich lasse dann mal lieber Bilder sprechen:

Besuchen Sie Europa

Ja, äh, nein, es tut mir nicht leid, wenn ihr jetzt einen Ohrwurm habt. Ich hab ihn ja schließlich auch. So seit gut zwei Wochen.

Während ich die Fotos von Strasbourg bearbeitete (es wurden 194 bearbeitete Bilder von 562 geschossenen), überlegte ich, wie ich die Bilder denn nun präsentiere. Tageweise oder nur ein paar (haha) wenige (hahaha). Aber beim Sichten der bearbeiteten Bilder (keine Sorge, ich präsentiere nicht alle 194) dachte ich, dass ich sie thematisch clustern könnte.

Und weil es schon so spät ist und ich die Bilder am einfachsten zuordnen kann, fange ich mit Europa der EU an. Da sind wir am dritten Tag, nachdem der Fuß vom midi-monsieur bereits am Tag vorher wundergeheilt durchgehalten hatte, bei bestem Wetter hinspaziert.

Liebes Tagebuch am Fünften (Juni)

Ist tatsächlich schon Juni?! Will Frau Brüllen wirklich schon zum 6. Mal in diesem Jahr wissen, was ich eigentlich so mache?!

Nun gut. So soll es sein. Vom Tagebuchbloggen hält mich auch kein Kurztrip ab:

Wir sind ziemlich früh im Bett, wir waren ja auch ziemlich früh essen. Der midi-monsieur schnurchelt schon lange, als mir um

1h00 einfällt, dass ich doch noch anfangen könnte zu packen. Denn heute geht es ja wieder nach Hause. Dauert aber nicht lang. Der Rest kann eh erst später eingepackt werden.

8h30 Wir werden wach, brauchen aber einen Moment, bis wir aufstehen. Dann dusche ich, das Kind zieht sich an. Ich packe den Koffer fertig.

9h45 kein. Erfreulicherweise können wir den Koffer sowie Rucksack und Roller vom midi-monsieur noch da lassen. Wir gehen los, uns eine Frühstückslocation zu suchen.

Nicht weit entfernt finden wir das Café wieder, das am Freitag schon so nett aussah. Nunja, wir bekamen ein Frühstück, aber mehr auch nicht.

11h00 Wir gehen Richtung Münster. Da müssen wir ja noch rauf. Und die astronomische Uhr haben wir auch noch nicht gesehen. Wir reihen uns brav in die Einlassschlange ein und folgen dem Menschenstrom durch die Kirche. Ich mag ja Sakralbauten, aber in dieser Kathedrale ist keine Atmosphäre.

Vor DER Uhr ist totales Gedränge. Nunja, und viel Platz ist auch nicht. Wir beschließen nach ein paar Minuten, genug gesehen zu haben und dass wir auch nicht auf die 12 Apostel warten wollen. Also gehen wir den Menschenmassen hinterher nach draußen. Da dann Toilette, Storch und rauf auf die Plattform.

2017-06-05 22.11.23

Sowohl beim Auf- als auch beim Abgang dürfen wir auf Pferdeär… äh … hintern gucken.

2017-06-05 22.12.31

Blick von halboben.

Als wir wieder unten sind, haben wir immer noch viel Zeit bis zu unserem Zug zurück. Museum bietet sich mit Kind nicht an. Also lassen wir uns treiben. Kaufen ein Eis, genießen es am Gutenberg-Platz, kaufen einen Gugelhupf als Andenken, bummelen weiter, bekamen Hunger und suchen eine vom Internet via Twitter empfohlene Essenslocation und lassen es uns da schmecken.

Dann haben wir immer noch Zeit und ich denke, dass wir nochmal nach Petite France wandern können. Bei dem besseren Wetter kann ich nochmal versuchen, ein paar schönere Fotos zu machen. Außerdem ist da ein Spielplatz.

Irgendwann ist dann soviel Zeit rum, dass es sich lohne, zurück zum Hotel zu gehen. Wir holen den Koffer umd beschließen, zu Fuß bzw. per Roller zum Bahnhof zu kommen.

2017-06-05 22.13.44

Ein Ufo als Bahnhof.

Auch am Bahnhof haben wir noch Zeit. Also nutzen wir das kostenlose Wifi auf unseren Endgeräten.

17h13 Der Zug fährt pünktlich ab. Ich bespaße das Internet mit total spannenden Fakten über mich. Der midi-monsieur darf am Tablet datteln … äh… daddeln.

19h45 Wir sind wieder zu Hause. Und direkt hat uns der Alltag wieder. Der midi-monsieur muss noch Hausaufgaben machen und ist davon total gestresst*. Aber mein Angebot, ihm eine Entschuldigung für die Hausaufgaben zu schreiben, will er nicht annehmen. Also schreibt er Klassentagebuch**, macht Deutsch- und Mathe***hausaufgaben.

Ich mache währenddessen etwas Abendbrot: Tomaten-Melone-Avocado-Ziegenkäse-Salat mit Quesadillas.

21h30 Fertig mit Essen und Schulkram. Nun muss das Kind schnell ins Bett. Wir kuscheln noch kurz und dann schläft er ziemlich schnell ein.

Ich atme durch, esse ein Eis, schreibe diesen Post.

Gleich dann auch Bett für mich.

———————————
* Und ich bin total genervt, warum es über ein langes Wochenende wie Pfingsten Hausaufgaben gibt.

** Immer der Reihe nach bekommt ein Kind das Klassentagebuch zusammen mit dem Klassenmaskottchen übers Wochenende. Und dann sollen sie schreiben, was sie gemacht haben und ein Bild malen.

*** Am Freitag vor Pfingsten haben sie eine Mathearbeit geschrieben und bekommen trotzdem Hausaufgaben auf. Ich glaub echt, es hackt.

Gute Entscheidung

Es war eine gute Entscheidung …

… unseren Kurztrip nicht gecancelt zu haben. Auch wenn ich Freitag zwischenzeitlich ja schon fast ein schlechtes Gewissen hatte. (Und einen halben Tag haben wir ja morgen noch.)

… dass das Kind trotz Wunderheilung nicht zum Rugbyturnier wollte. Auch nicht zum Zugucken. So hätten wir einen Tag mehr. Und an dem haben wir uns treiben lassen.

… nicht den Rechner mitgeschleppt zu haben. (Deswegen gab es auch noch keine Bilderflut. Die müsst ihr dann später ertragen.)

… was ich alles in den Koffer gepackt habe. Definitiv nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig (zum Glück).

… – vor allem für den midi-monsieur – dass ich die Schwimmsachen eingesteckt habe, nachdem ich beim Nachlesen der Hotelbeschreibung sah, dass es ein Schwimmbad (naja, ein Pool) gibt.

… heute nicht im Hotel zu frühstücken; danach zu Fuß zur EU zu gehen und dann den Nachmittag in der Orangerie zu verbringen.

Wunderheilung

… als wir nach dem Flammkuchen auf dem Weg zurück zum Hotel noch einen Schlenker machten, kamen wir an so gummierten Hüppeln vorbei, auf denen diverse Kinder turnten. Das war was für den midi-monsieur: Er düste mit seinem Roller darauf rum und hatte Spaß. Ich beobachte ihn von einer Bank aus. Mir gefiel nicht so ganz, wie er den kaputten Fuß in Schonhaltung hielt.

Irgendwann kam er zu mir und guckte etwas kariert aus der Wäsche. Ob ihm der Fuß wieder mehr weh täte, fragte ich. Er wollte erst nicht ganz mit der Sprache rausrücken, denn ihm war schon klar, dass wir das dann nochmal untersuchen lassen müssten. Und er hat Angst vor Krankenhäusern. (Nicht vor Ärzten. Aber mit Krankenhaus assoziiert er OP und Schmerzen.) Ich erläuterte ihm das Prinzip einer Notaufnahme und dass das nicht automatisch bedeutet, dass er operiert wird. Ja, gab er daraufhin zu, die Schmerzen seien schlimmer. Ich guckte dem Fuß an und er war deutlich geschwollener und auch die Rötung hatte sich ausgebreitet.

Auch wenn unser Hotel in unmittelbarer Nähe zum Hôpital Civil liegt, fragte ich doch das Hotel-Personal, wo wir denn hin sollten. Und siehe da: Die Kindernotaufnahme ist am westlichen Ende der Stadt. Zum Glück fährt eine Tram direkt vom Hotel dorthin. Ticketkauf und Bahntaktung waren kein Problem und so waren wir 30 Minuten später da. Es war erfreulich wenig los. Die Verständigung funktionierte erstaunlich gut.

Um sicher zu gehen, dass nichts mehr im Fuß steckte, wurde der Fuß geröntgt. Hier zeigte sich eine gute Organisation des Krankenhauses. Um zum Röntgen zu kommen, mussten wir durch verschlungene Krankenhausflure. Und vermutlich hätten wir uns hoffnungslos verlaufen, wenn es nicht ein gutes Leitsystem gegeben hätte.

2017-06-03 23.52.11

Immer den pinken Bären folgen.

Vom Röntgen zurück wurde das Bild noch besprochen.

Wobei der Arzt auch einräumte, dass ein Rest eines Splitters organischen Ursprungs (also Holz) beim Röntgen schlecht zu erkennen sei. Das könne der Körper zwar selbst rausbefördern, aber um sicher zu gehen, dass sich da nicht entzündet, verschrieb er ein Antibiotikum. Nein, das sei kein Notfall, es würde reichen, das Rezept erst am nächsten Tag, also heute, einzulösen.

Frei nach dem Motto „Er hat gar nicht gebohrt“ war der midi-monsieur auf dem Rückweg total beschwingt. Ich war auch erleichtert, obwohl mir das Publikum in der Straßenbahn nicht ganz behagte. Hatte was von nachts durchs Gallus fahren.

Zurück im Hotel schickte ich das Kind unter die Dusche. Zum einen weil er ziemlich verschwitzt war, aber zum anderen auch, um die Fußhaut aufzuweichen.

Und heute morgen?! Da war der Fuß schon deutlich abgeschwollen. Die Rötung hatte sich verändert. Das Auftreten fiel leichter. Rugby fiel natürlich trotzdem aus. Und die erste Runde durch die Stadt machte er auch mit dem Roller. Aber als wir nach dem Regen nochmal aufbrachen, blieb der im Hotel und der midi-monsieur hüpfte neben mir, als sei nie was gewesen.

Nun haben wir halt ein Urlaubsfotos der anderen Art…

Ach ja, das Antibiotikum-Rezept haben wir dann doch nicht eingelöst. Nach Entzündung sieht da nämlich nichts mehr aus. Selbst nach einem ganzen Tag auf den Beinen ist es nicht mehr rot oder geschwollen.

Achtunddreißig

Es liegen noch 38 Tage vor der nächsten Kindfrei-Phase vor mir. In dieser Zeit haben der midi-monsieur und ich viel vor: 8 Tage Kv bei uns, 4 Tage Straßburg, 3 Tage Oma und Opa, 3 Rugby-Turniere, 2 Tage Basel, Mathe-Arbeit, Deutsch-Arbeit, Klassenfest, Geburtstag vom midi-monsieur, Circus FlicFlac, GartyParty, Depeche-Mode-Konzert, Geburtstags-Party, Roche Tower, Europapark. Das bedeutet, dass wir bis wir nach Paris fahren kein Wochenende mehr frei haben.

Dazu die üblichen Termine wie Rugby-Training (9), weitere (8), Aikido-Training (6) und Französisch (1) für den midi-monsieur. Ich habe evtl. noch einen beruflichen aushäusigen Termin und arbeiten muss ich generell ja auch (wobei von den 27 Arbeitstagen in den 38 Tagen mindestens 5 arbeitsfrei sind).