Schön reden

Den ganzen Tag schon denke ich darüber nach, ob ich zu dem aktuellen Kv-Drama was schreiben will oder nicht. Oder ob es mir nicht eigentlich zu müßig ist. Denn mal angesehen davon, dass vermutlich bereits die letzte Leserin und der letzte Tweep gerafft hat, dass der Kv nicht ganz knusper ist (um es mal ansatzweise euphemistisch auszudrücken), ist es halt müßig, darüber noch weitere Worte zu verlieren.

Am besten hoffe ich einfach – vor allem für den midi-monsieur-, dass die Zeit viele Dinge richten wird. Dass er älter wird und noch mehr (als eh schon) versteht und erkennt und entsprechende Schlüsse für sich zieht.

Denn was sagte die Psychologin, als ich ihr die aktuelle Situation schilderte: „Frau B., Ihre Bemühungen, den Kv nicht schlecht zu machen in allen Ehren, aber was wollen Sie da noch schön reden?!“

Also atme ich tief durch und freue mich:

Da mir der Fisch zur Zeit zu hohlkreuzig ist, finde ich die Unterstützung durch den Yogablock super.

Abgeklärt

Es fühlt sich ziemlich gut an, problemlos über den Grund des Tattoos am Arm sprechen zu können. Abgeklärt auf das zurückblicken können, was passiert ist. Spüren, dass es mich emotional nicht mehr aus der Bahn bringt.

Da fällt es mir manchmal fast schwer, die Fassungslosigkeit meines Gegenübers nachzuvollziehen.

Das Thema ist schwere Kost. Aber gerade deswegen ist es mir wichtig, darüber sprechen zu können. Ich binde es keinem auf die Nase, aber wer mich nach dem Tattoo fragt, muss die Geschichte ertragen.

Emo

Vielleicht sollte ich nicht schreiben, wenn die Konzentration diverser Hormone gerade in den Keller geht. Oder über Unverfängliches schreiben. Zum Beispiel über das Wetter. Das wird nämlich gerade wieder erfreulich gut – so für Ende September – und ich hoffe, dass ich am Wochenende eine Radtour mit dem Kind machen kann.

Aber ich WILL nicht übers Wetter schreiben. Ich muss mal – total emo – loswerden, was mir heute, ach, seit Tagen, durch den Kopf geht und ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll.

Mein Vater und ich stehen uns ziemlich nahe. Ich bin die Einzige, die ihm wirklich etwas sagen darf – vor allem in Gesundheitsdingen. Was zur Folge hat, dass meine Mutter gelegentlich bei mir anruft und mich entweder vorwarnt oder bittet, ein Thema zu besprechen. Der Grund, warum wir uns so nahe stehen, ist letztlich, dass das mit der Nähe nämlich nicht so unseres ist. Wobei mein Vater da noch vehementer ist. Während ich ganz gerne Menschen zur Begrüßung umarme und auch so durchaus herzlich bin, kann ich mich nur an eine einzige Umarmung meines Vaters erinnern. Also wo er mich umarmt hat, als ich schon älter als – sagen wir mal – 8 Jahre war. Ähnlich verhält es sich bei der Gefühlsduselei. Damit haben wir es beide nicht so. Was nicht bedeutet, dass wir nicht emotional reagieren können. Und ich sicherlich noch etwas emotionaler als er. Ich neige zu Überschwang und Enthusiasmus.

So weit, so gut. Mir geht es ziemlich gut damit. Meinem Umfeld geht es auch gut damit. Zumindest die, die mich schon länger kennen. Auf neue Menschen wirke ich schnell kühl bis arrogant. Aber keine Angst, ich beiße nicht. Und ich mag Menschen für gewöhnlich. Und wenn ich wen nicht mag, dann merkt man das halt auch sehr schnell.

Aber darum geht es gerade nicht. Eher um das totale Gegenteil. Und ich merke, wie schwer ich mich damit tue, damit überhaupt umzugehen. Wie schlecht ich es schaffe, diese Gefühle an mich heranlassen. Mir werden Fragen gestellt und ich wiegel ab. Ich habe Angst. Ich habe Angst vor etwas, das ich nun über drei Jahre (vermutlich sogar länger, aber so genau kann ich das nicht sagen) erfolgreich aus meinem Leben verdrängt habe. Ich habe Angst vor etwas, das mir davor nicht gut tat. Das mich verändert hat, das mich sehr geprägt hat. Und das mir vermutlich auch viel Leichtigkeit genommen hat. Leichtigkeit, an die ich mich erinnere, die ich über den Kopf versuche wieder herzustellen und mir dadurch im Weg stehe. Ach, und überhaupt, dieser Kopf … der meint die ganze Zeit ein Wörtchen mitreden zu müssen. Wenn er denn mal wenigstens das Richtige von sich gebe: „Mach einfach, B.“

Und er könnte das mit Recht sagen, denn schließlich weiß er, dass das Jetzt nichts mit dem Damals zu tun hat.

Laune

Heute hatte ich zumindest bis zum späten Nachmittag unterirdische Laune. Ich hatte einfach schlecht geschlafen, weil der midi-monsieur um 1h30, 3h00 und 4h30 was von mir wollte bzw. mich wach gemacht hat. Am Ende war ich so genervt, dass ich aus meinem Bett, in dem das Kind mittlerweile lag, ausgezogen bin und die restliche Nacht im Kinderbett verbracht habe.

Am Morgen regte ich mich immer noch über die Fütterungsaktion vom Kv von gestern auf. (Aber dieses ganze Konglomerat ist einen eigenen Post wert.) Ich arbeitete und dann musste ich raus.

Und ich musste kompensieren. Und tatsächlich habe ich – mache ich seltenst – mit Konsum kompensiert: Ich habe mir neue Schuhe, endlich mal wieder gut sitzende BHs und einen knallroten Lippenstift gegönnt.

Danach ging es mir tatsächlich besser. Ich war sogar bereit, ein gesundes Abendessen für alle Beteiligten zu kochen und ging zwischendurch sogar ohne größere Dramen die Hausaufgaben mit dem midi-monsieur durch.

Nach einem kurzen Powernapp habe ich den restlichen Abend mit der Suche nach schönen Dingen im Internet verbracht.

Kim-Jörg Un ist erfolgreich exzorziert worden. Ich bin wieder frohen Mutes.

„Das könnt ich nicht“

Dieser Post bzw. die Idee gärt schon eine Weile in mir. Twitter stupste mich dan wieder an:

Ich bin ja gar nicht so: Ich spreche Menschen nicht grundsätzlich ab, dass sie sich trotz Beziehung zu einem anderen Erwachsenen alleinerziehend fühlen können. Oder das Gefühl haben, sie könnten nachvollziehen, wie sich alleinerziehend anfühlt. Oder halt glauben zu wissen, was es bedeutet, alleinerziehend zu sein.

Doch ganz ehrlich: Solange es da einen Partner – im günstigsten Fall der Vater* der Kinder – gibt, mit dem man sich zu Kinder- und Erziehungsfragen (und hoffentlich auch sonst) austauschen kann, ist man – nach meiner Definition – nicht alleinerziehend. Selbst, wenn dieser viel arbeitet und/ oder viel unterwegs ist. Aber in Zeiten moderner Kommunikationstechnik ist das keine Ausrede mehr. (Selbst ich fühle mich nur bedingt alleinerziehend, weil ich mich durchaus mit dem Kv und auch anderen Menschen hinsichtlich der Erziehung des midi-monsieurs austausche.)

Ich tue mich (sehr) schwer damit, dass es oftmals beim Thema Alleinerziehend um den finanziellen Aspekt geht. Das mag sicherlich daran liegen, dass es mich nicht so wirklich betrifft, aber letztlich ist die Rede von „alleinerziehend“ und nicht von „alleinfinanzierend“ (was natürlich viele, aber halt nicht alle Alleinerziehenden betrifft).

Und nun zu meiner eigentlich Idee: Weil viele verpartnerte Mütter auch immer wieder zu Alleinerziehenden sagen „Das könnte ich nicht“ (glaubt mir, könntet ihr auch!), möchte ich hier ein Blog-Stöckchen initiieren/ auslegen. Die Regeln (haha) sind ganz einfach: Bitte beantwortet die Fragen und gebt sie via Blog weiter (nominieren oder auslegen). Ergänzungen sind willkommen – ist ja nichts in Stein gemeißelt.

  1. Wie war Deine Vorstellung von Familie vor Familie? Wieviel ist wahr? Was ist komplett anders geworden?
  2. Wie ist das Familien- und Arbeitsleben bei Dir aufgeteilt? Wer leistet wieviel in welchem Bereich: Haushalt, Kinder (Begleitung / Bringen zu Aktivitäten, Arztbesuche etc), technische Aufgaben (Auto, Reperaturen), Kochen?
  3. Entspricht das aktuelle Familienleben Deiner „Wunschvorstellung“?
  4. Ab wann würdest Du Dich „alleinerziehend“ bezeichnen?
  5. Zu zweit schafft man mehr und es bleibt – im besten Fall – auch mehr Zeit für einen selbst übrig: Was würdest Du als erstes streichen (müssen), wenn als Single-Elter die Zeit nicht mehr reicht? Wo wärst Du am ehesten bereit Abstriche zu machen?
  6. Müsstest Du als Single-Elter Abstriche beim Job machen (z.B. wegen Kinderbetreuung)?
  7. Wo werden die Kinder im Fall einer Trennung bleiben? Mutter oder Vater? Welches Modell (Wechsel, Nest, Ferien) wünschst Du Dir?
  8. Wie würde sich das Alleinerziehendsein auf die Finanzen auswirken? Hast du Angst, finanziell „abzurutschen“ als Single-Elter?
  9. Was ist mit Kindesunterhalt? Würdest Du anstandslos zahlen bzw. würde es anstandslos gezahlt?
  10. Wenn der zahlungspflichtige Elter nicht zahlt: Gang zum Jugendamt für Unterhaltsvorauszahlung?
  11. Vorausgesetzt ihr seid verheiratet: Würdest Du Trennungsunterhalt verlangen/ zahlen?
  12. Müsstet ihr umziehen?
  13. Was glaubst Du, wie schnell schafft Ihr es, von der Paar-Ebene auf die reine Eltern-Ebene zu wechseln? Wie gut würde es Dir gelingen und wie gut Deiner*m Partner*in?
  14. Sorgerecht ist ja – sofern nicht Schlimmes vorgefallen ist – unkritisch, also nicht wirklich verhandelbar. Wie würdest Du das Umgangsrecht regeln wollen: Vereinbarung unter Eltern, in Absprache mit dem JA, in Absprache mit einem Anwalt, gerichtlich?
  15. Würdest Du das alleinige Sorgerecht wollen, wenn die Kinder bei Dir bleiben? Würdest Du es dem anderen Elter „zugestehen“? (sehr hypothetische Frage)
  16. Weißt Du, was eine Sorgerechtsvollmacht ist?
  17. Was sind generell Deine größten Ängste hinsichtlich des Ein-Elter-Daseins (z.B. finanziell/ Job), organisatorisch, bzgl. der Kinder, Selfcare)?

Zuwerfen bzw. auslegen möchte ich das Stöckchen für alle, die mit einer/m Partner*in zusamenwohnen, die/der sich an der Kindererziehung beteiligt, so z.B.

Aber ich freue mich über jede*n, die*der sich das Stöckchen schnappt.

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* Ich will alleinerziehende Männer hier nicht ausschließen, aber in der Realtität sind es meist die Mütter, die nach einer Trennung den Haupt-Alleinerziehendenpart haben und entsprechend ist der Text formuliert.

Gedankenfetzen

Liegende Tulpe – Hummeln im Hintern – Diese Bockigkeit nervt – Na, danke für die Unsicherheit – geheime Mission – Freundschaft – Huups, wie ist das denn gemeint? – Nein, Du kannst nicht nein sagen – unproduktiv – Kann ich Sonntag Rad fahren? – Status: unklar – Der Herbst kommt – zwei Personen – Vorfreude

Ertappt

Manchmal ertappe ich mich ja bei dem Gedanken, wenn ich ein bisschen mehr wäre wie z.B. Frau Brüllen, dann sähe es bei uns wie geleckt deutlich ordentlicher aus. Und dann las ich von des Vrouvels lebenslanger To-Do-Liste, ohne dessen Abarbeitung noch nicht mal lesen ohne schlechtes Gewissen drin ist. (Vielleicht Lesen einfach mit auf die Liste schreiben.)

Und dann las ich den Thread, der sich aus des Vrouwels Tweet ergab. Ich las die Diskussion zwischen ihr, Frau Brüllen und Frau Rabe, während ich hochgradig prokrastinierend auf dem Sofa lag; ein halbes Auge schielte stets auf die Wäsche, die abgehängt werden könnte, ein anderes halbes Auge schielte in die Küche, die sich leider nicht von alleine aufräumt und im Hinterkopf meldete sich die gewaschene Wäsche, die noch aufgehängt werden muss. Parallel diskutierte ich noch auf anderen Kanälen über die Vormachtsstellung Deutschlands in Europa. Muss halt auch mal sein.

Und ich weiß auch, dass ich natürlich viel mehr schaffen könnte, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich den Preis zahlen kann und will. Mit meinen derzeitigen Energiehaushaltsstrategien läuft es eigentlich ganz gut. Hier und da wird es mal eng. Das liegt dann vor allem am Job.

Meine „goldene Regel“, weil bei mir halt insbesondere „Wenn ich es nicht mache, macht es halt keiner“ gilt, lautet: Keine Balanceakte am Abgrund (den ich kenne), denn wenn ich ausfalle, bricht alles zusammen.