Emo

Vielleicht sollte ich nicht schreiben, wenn die Konzentration diverser Hormone gerade in den Keller geht. Oder über Unverfängliches schreiben. Zum Beispiel über das Wetter. Das wird nämlich gerade wieder erfreulich gut – so für Ende September – und ich hoffe, dass ich am Wochenende eine Radtour mit dem Kind machen kann.

Aber ich WILL nicht übers Wetter schreiben. Ich muss mal – total emo – loswerden, was mir heute, ach, seit Tagen, durch den Kopf geht und ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll.

Mein Vater und ich stehen uns ziemlich nahe. Ich bin die Einzige, die ihm wirklich etwas sagen darf – vor allem in Gesundheitsdingen. Was zur Folge hat, dass meine Mutter gelegentlich bei mir anruft und mich entweder vorwarnt oder bittet, ein Thema zu besprechen. Der Grund, warum wir uns so nahe stehen, ist letztlich, dass das mit der Nähe nämlich nicht so unseres ist. Wobei mein Vater da noch vehementer ist. Während ich ganz gerne Menschen zur Begrüßung umarme und auch so durchaus herzlich bin, kann ich mich nur an eine einzige Umarmung meines Vaters erinnern. Also wo er mich umarmt hat, als ich schon älter als – sagen wir mal – 8 Jahre war. Ähnlich verhält es sich bei der Gefühlsduselei. Damit haben wir es beide nicht so. Was nicht bedeutet, dass wir nicht emotional reagieren können. Und ich sicherlich noch etwas emotionaler als er. Ich neige zu Überschwang und Enthusiasmus.

So weit, so gut. Mir geht es ziemlich gut damit. Meinem Umfeld geht es auch gut damit. Zumindest die, die mich schon länger kennen. Auf neue Menschen wirke ich schnell kühl bis arrogant. Aber keine Angst, ich beiße nicht. Und ich mag Menschen für gewöhnlich. Und wenn ich wen nicht mag, dann merkt man das halt auch sehr schnell.

Aber darum geht es gerade nicht. Eher um das totale Gegenteil. Und ich merke, wie schwer ich mich damit tue, damit überhaupt umzugehen. Wie schlecht ich es schaffe, diese Gefühle an mich heranlassen. Mir werden Fragen gestellt und ich wiegel ab. Ich habe Angst. Ich habe Angst vor etwas, das ich nun über drei Jahre (vermutlich sogar länger, aber so genau kann ich das nicht sagen) erfolgreich aus meinem Leben verdrängt habe. Ich habe Angst vor etwas, das mir davor nicht gut tat. Das mich verändert hat, das mich sehr geprägt hat. Und das mir vermutlich auch viel Leichtigkeit genommen hat. Leichtigkeit, an die ich mich erinnere, die ich über den Kopf versuche wieder herzustellen und mir dadurch im Weg stehe. Ach, und überhaupt, dieser Kopf … der meint die ganze Zeit ein Wörtchen mitreden zu müssen. Wenn er denn mal wenigstens das Richtige von sich gebe: „Mach einfach, B.“

Und er könnte das mit Recht sagen, denn schließlich weiß er, dass das Jetzt nichts mit dem Damals zu tun hat.

Laune

Heute hatte ich zumindest bis zum späten Nachmittag unterirdische Laune. Ich hatte einfach schlecht geschlafen, weil der midi-monsieur um 1h30, 3h00 und 4h30 was von mir wollte bzw. mich wach gemacht hat. Am Ende war ich so genervt, dass ich aus meinem Bett, in dem das Kind mittlerweile lag, ausgezogen bin und die restliche Nacht im Kinderbett verbracht habe.

Am Morgen regte ich mich immer noch über die Fütterungsaktion vom Kv von gestern auf. (Aber dieses ganze Konglomerat ist einen eigenen Post wert.) Ich arbeitete und dann musste ich raus.

Und ich musste kompensieren. Und tatsächlich habe ich – mache ich seltenst – mit Konsum kompensiert: Ich habe mir neue Schuhe, endlich mal wieder gut sitzende BHs und einen knallroten Lippenstift gegönnt.

Danach ging es mir tatsächlich besser. Ich war sogar bereit, ein gesundes Abendessen für alle Beteiligten zu kochen und ging zwischendurch sogar ohne größere Dramen die Hausaufgaben mit dem midi-monsieur durch.

Nach einem kurzen Powernapp habe ich den restlichen Abend mit der Suche nach schönen Dingen im Internet verbracht.

Kim-Jörg Un ist erfolgreich exzorziert worden. Ich bin wieder frohen Mutes.

„Das könnt ich nicht“

Dieser Post bzw. die Idee gärt schon eine Weile in mir. Twitter stupste mich dan wieder an:

Ich bin ja gar nicht so: Ich spreche Menschen nicht grundsätzlich ab, dass sie sich trotz Beziehung zu einem anderen Erwachsenen alleinerziehend fühlen können. Oder das Gefühl haben, sie könnten nachvollziehen, wie sich alleinerziehend anfühlt. Oder halt glauben zu wissen, was es bedeutet, alleinerziehend zu sein.

Doch ganz ehrlich: Solange es da einen Partner – im günstigsten Fall der Vater* der Kinder – gibt, mit dem man sich zu Kinder- und Erziehungsfragen (und hoffentlich auch sonst) austauschen kann, ist man – nach meiner Definition – nicht alleinerziehend. Selbst, wenn dieser viel arbeitet und/ oder viel unterwegs ist. Aber in Zeiten moderner Kommunikationstechnik ist das keine Ausrede mehr. (Selbst ich fühle mich nur bedingt alleinerziehend, weil ich mich durchaus mit dem Kv und auch anderen Menschen hinsichtlich der Erziehung des midi-monsieurs austausche.)

Ich tue mich (sehr) schwer damit, dass es oftmals beim Thema Alleinerziehend um den finanziellen Aspekt geht. Das mag sicherlich daran liegen, dass es mich nicht so wirklich betrifft, aber letztlich ist die Rede von „alleinerziehend“ und nicht von „alleinfinanzierend“ (was natürlich viele, aber halt nicht alle Alleinerziehenden betrifft).

Und nun zu meiner eigentlich Idee: Weil viele verpartnerte Mütter auch immer wieder zu Alleinerziehenden sagen „Das könnte ich nicht“ (glaubt mir, könntet ihr auch!), möchte ich hier ein Blog-Stöckchen initiieren/ auslegen. Die Regeln (haha) sind ganz einfach: Bitte beantwortet die Fragen und gebt sie via Blog weiter (nominieren oder auslegen). Ergänzungen sind willkommen – ist ja nichts in Stein gemeißelt.

  1. Wie war Deine Vorstellung von Familie vor Familie? Wieviel ist wahr? Was ist komplett anders geworden?
  2. Wie ist das Familien- und Arbeitsleben bei Dir aufgeteilt? Wer leistet wieviel in welchem Bereich: Haushalt, Kinder (Begleitung / Bringen zu Aktivitäten, Arztbesuche etc), technische Aufgaben (Auto, Reperaturen), Kochen?
  3. Entspricht das aktuelle Familienleben Deiner „Wunschvorstellung“?
  4. Ab wann würdest Du Dich „alleinerziehend“ bezeichnen?
  5. Zu zweit schafft man mehr und es bleibt – im besten Fall – auch mehr Zeit für einen selbst übrig: Was würdest Du als erstes streichen (müssen), wenn als Single-Elter die Zeit nicht mehr reicht? Wo wärst Du am ehesten bereit Abstriche zu machen?
  6. Müsstest Du als Single-Elter Abstriche beim Job machen (z.B. wegen Kinderbetreuung)?
  7. Wo werden die Kinder im Fall einer Trennung bleiben? Mutter oder Vater? Welches Modell (Wechsel, Nest, Ferien) wünschst Du Dir?
  8. Wie würde sich das Alleinerziehendsein auf die Finanzen auswirken? Hast du Angst, finanziell „abzurutschen“ als Single-Elter?
  9. Was ist mit Kindesunterhalt? Würdest Du anstandslos zahlen bzw. würde es anstandslos gezahlt?
  10. Wenn der zahlungspflichtige Elter nicht zahlt: Gang zum Jugendamt für Unterhaltsvorauszahlung?
  11. Vorausgesetzt ihr seid verheiratet: Würdest Du Trennungsunterhalt verlangen/ zahlen?
  12. Müsstet ihr umziehen?
  13. Was glaubst Du, wie schnell schafft Ihr es, von der Paar-Ebene auf die reine Eltern-Ebene zu wechseln? Wie gut würde es Dir gelingen und wie gut Deiner*m Partner*in?
  14. Sorgerecht ist ja – sofern nicht Schlimmes vorgefallen ist – unkritisch, also nicht wirklich verhandelbar. Wie würdest Du das Umgangsrecht regeln wollen: Vereinbarung unter Eltern, in Absprache mit dem JA, in Absprache mit einem Anwalt, gerichtlich?
  15. Würdest Du das alleinige Sorgerecht wollen, wenn die Kinder bei Dir bleiben? Würdest Du es dem anderen Elter „zugestehen“? (sehr hypothetische Frage)
  16. Weißt Du, was eine Sorgerechtsvollmacht ist?
  17. Was sind generell Deine größten Ängste hinsichtlich des Ein-Elter-Daseins (z.B. finanziell/ Job), organisatorisch, bzgl. der Kinder, Selfcare)?

Zuwerfen bzw. auslegen möchte ich das Stöckchen für alle, die mit einer/m Partner*in zusamenwohnen, die/der sich an der Kindererziehung beteiligt, so z.B.

Aber ich freue mich über jede*n, die*der sich das Stöckchen schnappt.

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* Ich will alleinerziehende Männer hier nicht ausschließen, aber in der Realtität sind es meist die Mütter, die nach einer Trennung den Haupt-Alleinerziehendenpart haben und entsprechend ist der Text formuliert.

Gedankenfetzen

Liegende Tulpe – Hummeln im Hintern – Diese Bockigkeit nervt – Na, danke für die Unsicherheit – geheime Mission – Freundschaft – Huups, wie ist das denn gemeint? – Nein, Du kannst nicht nein sagen – unproduktiv – Kann ich Sonntag Rad fahren? – Status: unklar – Der Herbst kommt – zwei Personen – Vorfreude

Ertappt

Manchmal ertappe ich mich ja bei dem Gedanken, wenn ich ein bisschen mehr wäre wie z.B. Frau Brüllen, dann sähe es bei uns wie geleckt deutlich ordentlicher aus. Und dann las ich von des Vrouvels lebenslanger To-Do-Liste, ohne dessen Abarbeitung noch nicht mal lesen ohne schlechtes Gewissen drin ist. (Vielleicht Lesen einfach mit auf die Liste schreiben.)

Und dann las ich den Thread, der sich aus des Vrouwels Tweet ergab. Ich las die Diskussion zwischen ihr, Frau Brüllen und Frau Rabe, während ich hochgradig prokrastinierend auf dem Sofa lag; ein halbes Auge schielte stets auf die Wäsche, die abgehängt werden könnte, ein anderes halbes Auge schielte in die Küche, die sich leider nicht von alleine aufräumt und im Hinterkopf meldete sich die gewaschene Wäsche, die noch aufgehängt werden muss. Parallel diskutierte ich noch auf anderen Kanälen über die Vormachtsstellung Deutschlands in Europa. Muss halt auch mal sein.

Und ich weiß auch, dass ich natürlich viel mehr schaffen könnte, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich den Preis zahlen kann und will. Mit meinen derzeitigen Energiehaushaltsstrategien läuft es eigentlich ganz gut. Hier und da wird es mal eng. Das liegt dann vor allem am Job.

Meine „goldene Regel“, weil bei mir halt insbesondere „Wenn ich es nicht mache, macht es halt keiner“ gilt, lautet: Keine Balanceakte am Abgrund (den ich kenne), denn wenn ich ausfalle, bricht alles zusammen.

Bedeutungstripel

Na sowas, da dachte ich, ich hätte über Tattoo 1 und 2 etwas mehr geschrieben. Aber tja, wohl nicht. Also nutze mich mal Frau Brüllens Frage für einen Blogpost.

Tattoo 1 ist MEIN Tattoo. Wie ich schon schrieb, wusste ich, seit ich 14 Jahre alt war, dass ich an der Stelle, an der es ist, ein Tattoo haben möchte. Ein Zeit lang liebäugelte ich mit einen Tribal über den ganzen unteren Unterbauch – also so, dass es immer vom Slip verdeckt wäre. Aber irgendwie war mir das zu „banal“. Immer mal wieder dachte ich im Hinterkopf darauf rum, aber DAS Motiv kam mir nicht.
Als 2015 alles im Umbruch war, kam mir auf einmal die Idee für mein Tattoo. Und ich beschloss, dass ich es mir stechen ließe, wenn das mit der Freiberuflichkeit ein Jahr gut ginge. Außerdem hatte ich so genug Zeit, mir des Motives wirklich sicher zu sein.
Und ich war mir nach anderhalb Jahren, als endlich der Termin anstand, immer noch sehr sicher, dass ich ein Testosteron-Molekül haben will.
Und warum Testosteron?! Das ist vielschichtig und es darf gerne jede*r eigene Interpretationen anstreben. Es hat auf jeden Fall schon was mit meinem Charakter und Persönlichkeit zu tun (letztens wurde ich mit „bullying“ charakterisiert. Ich lass das mal so stehen.). Aber es steht auch dafür, dass ich als Single-Mom keine Mann brauche, um stark zu sein. Meine Stärke kommt aus mir heraus. So wie jede Frau halt auch Testosteron produziert. Und nicht zuletzt ist es eine naturwissenschafliche Reminisenz.

Das zweite Tattoo ist einfacher: Das L auf dem Finger steht für den midi-monsieur, dessen Name mit L anfängt. Ich fand den ganzen Namen oder sein Geburtsdatum als Tattoo nicht so toll und ein Porträt noch viel schlimmer. Das L ist – für die noch persönlichere Note – seine Handschrift. Die Platzierung ist auch nicht willkürlich: Es ist DER Finger.

Das neuste Tattoo ist ein Datum. Es ist kein Geburtsdatum. Von wem auch?! Die, die ich mir merken muss bzw. will, passen gerade noch ins Hirn; für alle andere habe ich diverse Kalender.
Ich glaube zwar nicht, dass ich dieses Datum* (bzw. Tag) vergessen werde. Aber das Tattoo soll eine Mahnung, eine Erinnerung sein. Eine, die mir immer wieder – auch vielleicht in unpassenden Momenten – ins Auge fallen wird. Und vielleicht vermutlich nicht nur mir.
Ich habe es bewusst in römischen Zahlen gestaltet (ist komplett mein eigener Entwurf), damit es nicht so offensichtlich ist. Und es scheint zu funktionieren.
Da ich die Zahlen nicht nackig stehen lassen wollte, habe ich noch eine Sonne (für mein anstrengend sonniges Gemüt meinen nicht tot zu kriegenden Optimismus) und einen Luftballon (für Leichtigkeit und Freiheit) quasi als Punkte integriert. Ich wollte Symbole, die positiv und nicht martialisch (Faust, Stinkefinger) wirken.

Leider war der Springer zu filigran, als dass er gut auf der Haut ausgesehen hätte.

Was ich nicht bedacht hatte, war, dass ich ja Muskeln im Arm habe. Dadurch sieht das Tattoo je nach Bewegung und Muskelanspannung immer etwas anders aus.

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* Interessanterweise hat das Datum, allerdings nicht mit dem gleichen Jahr**, auch für den Kv eine besondere Bedeutung***.
** Also vielleicht hat es auch DIESES Datum eine Bedeutung für ihn. Oder zumindest irgendwas bei ihm hinterlassen, aber das weiß ich nicht.
*** Was sicherlich mit ein Grund für seinen absolut unkontrollierten Ausbruch damals war. (Grund! keine Entschuldigung!)

Sag niemals nie

Hmhm, ich mag ja keine absoluten Aussagen – also nie, immer, alle(s), nichts – und ich habe auch keines diese Wörter benutzt, aber so ein bisschen absolut klang es doch schon:

Denn interessanterweise kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, mir die Arme tätowieren zu lassen.

Und ich rudere hiermit offiziell zurück, denn seit heute habe ich mein erstes Arm-Tattoo. (Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht das letzte sein wird, denn ich habe für den anderen Arm auch schon eine Motividee… wobei „Idee“ auch etwas lapidar ist, denn es steht in meinem Kopf schon fest.)

Mein ursprünglicher Platz am Arm ging nicht und so musste es versetzt werden. Aber mir ist es wichtig, dass ich es – sofern ich nicht lange Ärmel anhabe – sehen kann. Ich denke, dass ich es irgendwann mal in ein weiteres Tattoo einbetten lassen werden, aber erstmal darf und muss es alleine wirken.

Mit diesem Tattoo ist nun das Bedeutungstripel voll. Die nächsten Tattoos werden nur noch für den Spaß gestochen. 😀