Auge um Auge

Ich habe eigentlich ein großes Herz für Apothekerinnen. Berufsbedingt kenne ich mich ein bisschen mit der Gesetzeslage und dem Haftungsmist aus, der sie betrifft. Hätte ich früher gewusst, dass eine Pharmazie studieren kann, hätte ich das getan.

Auch aus diesem Grund ärgere ich mich immer, wenn eine Apothekerin ihren Job nicht ernst nimmt. Sei es, dass sie Glaubulis verkaufen, sie – trotz besserem Wissen – als Naturheilmittel positionieren oder sie ihren Beratungsauftrag nicht ernst nehmen:

Der Job einer Apothekerin ist stets eine Gratwanderung. Und schnell können auch mal Kompetenzen überschritten und halbe Diagnosen gestellt werden. Diagnosen sind aber – zurecht – Aufgabe des Arztes. Aber auch das ist ein schmaler Grat – insbesondere in Zeiten freiverkäuflicher Medikament: Die Patientin fordert ASSParacetamolIbu gegen KopfRegelZahnschmerzen und bekommt diese für gewöhnlich. Woher weiß die Patientin oder die Apothekerin, dass die Schmerzen nichts Schlimmeres bedeuten. Vielleicht sogar was, bei dem ASSParacetamolIbu kontraindiziert sind?! Es ist schwierig.

Ja, und vielleicht war der notdiensthabenden Apothekerin gerade auch der Grat zu schmal, als der RB* vor ihr stand und um ein Mittel bat, dass mein gereiztes linkes Auge beruhigen möge. Es fiel das Wort „Bindehautentzündung“, denn es fühlte es sich so an, als könne sich daraus eine entwickeln. Daher wollte ich etwas zur Beruhigung** des Auges. Ich habe da Tropfen der Wahl, mit denen ich gut zurechtkomme, bis ich zum Augenarzt meines Vertrauens gehe(n kann).

Der RB schilderte also das Problem und wurde sehr unfreundlich abgebügelt, dass ich mit einer Bindehautentzündung zum Arzt gehen solle; antibiotische Tropfen gebe es nur auf Rezept. Ach.** Ich hatte ihm vorher meine Tropfen der Wahl auf einen Zettel geschrieben, aber er wurde weiter abgebügelt, sie wisse, welche Tropfen er haben wolle. Die seien nicht gegen Konjuktivits und bei bakterieller Konjunktivits kontraindiziert***. Und nein, sie würde ihm nichts verkaufen. Auch nichts zur Beruhigung.

Unverrichteter Dinge kam er wieder und war – zurecht – etwas ungehalten. Ich war immer noch unleidlich, weil das Auge sich einfach unangenehm anfühlte: Es brannte, war etwas geschwollen und tränte immer wieder munter vor sich hin. Richtig rot war es allerdings noch nicht. Wenn wirklich Bindehautentzündung dann noch im frühen Stadium, ich tippte mehr auf Zug bekommen von der Klimaanlage im Bus.

Weil ich fürchtete, dass die Nacht mit dem Auge nicht sonderlich lustig würde, rief ich bei einer anderen Notfallapotheke**** an. Eine freundliche Apothekerin am anderen Ende. Ich schilderte das Problem, nannte ihr die Tropfen, die ich gerne hätte. Ja, die würde sie auch empfehlen. Damit könnte ich zumindest über die Nacht kommen und morgen dann zum Augenarzt. Nein, deswegen würde sie sich auch nicht die halbe Nacht ins Bürger***** setzen.

Der RB schwang sich also nochmal aufs Rad und besorgte die Tropfen. Währenddessen schrieb ich die Landesapothekenkammer an, um nach einer Beschwerdestelle****** zu fragen.

Dann versorgte ich das betroffene Auge, blinzelte und – tadaaa – es beruhigte sich schnell.

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* War recht unleidlich mit dem Auge und nicht willens irgendwohin zu fahren. Der RB war so lieb, es anzubieten.

** Denn dass ich für ein antibiotisches Mittel ein Rezept brauche, weiß ich selbst.

*** Stimmt nicht, ich habe es nachgeguckt.

**** Kurz überlegte ich, die 116117 anzurufen.

***** Ein Krankenhaus, in dem der kassenärztliche Notdienst im Rahmen der Notaufnahme bereitgestellt wird. Eine sitzt da auch gerne mal ein paar Stunden und zu guter Letzt guckt eine Gynäkologin aufs Auge. Danke, aber nein danke!

****** Ja, ich finde, dass so eine Art der Beratung „angezeigt“ werden sollte. Sei es, um darauf aufmerksam zu machen, dass es auch einen Diensleistungs- und Beratungsauftrag gibt, aber auch, um solche Missstände nicht einfach hinzunehmen.

K4

(Genaugenommen: K4.1 bis K4.5*)

Gestern war Au-Fest. Der RB wollte dahin, ich wollte gerne mit und aus der Erfahrung sagte der RB, dass Kinder dort kein Problem seien. Der midi-monsieur empört sich ja eh schon immer, dass er NIE auf Konzerte mitdarf, also war es eine günstige Gelegenheit, ihn ins wilde Konzertleben einzuführen.

Nicht so günstig war, dass er davor das letzte** Rugby-Turnier der Saison hatte. Um 9h30 wurde er von einem Teamkumpel und dessen Vater abgeholt und von diesen auch erst um 16h30 zurückgebacht. Da war der RB schon los, denn das Fest bzw. die Konzerte fingen schon um 17h00 an.

Der midi-monsieur hatte irgendwie schon Lust, aber dann auch wieder nicht. Er war ziemlich fertig und hatte Hunger und überhaupt. Ich war – ehrlich gesagt – auch nicht der personifizierte Ethusiasmus, denn die Seuche drückte immer noch auf die Stirnhöhle. Aber zu Hause bleiben fand ich auch doof und zur Not könnten wir ja auch jederzeit wieder nach Hause. Also machten wir uns fertig: Das Kind duschte, ich zog mich noch dreimal um und kam mir mit Schal*** etwas doof vor. Und los ging es.

Auf dem Weg das Kind erstmal mit einem wichtigen Ritual**** auf dem Weg zu Konzerten vertraut gemacht:

Lahmacun – immer ohne Soße und ohne Zwiebeln

Eine solide Grundlage ist wichtig. Die wird traditionell in der Bahn gegessen.

Kurz vor unserer Ankunft im Westen Frankfurts pushte mir KATWARN eine Unwetterwarnung und ich überlegte, als uns beim Aussteigen Tropfen empfingen, ob wir erstmal in der Unterführung abwarten sollten. Aber es tröpfelte nur.

Wichtiger Einlassstempel

Vor Ort fanden wir den RB recht schnell. Aber er hatte nur Augen für K4.1 (also eigentlich K4.2*), was aber in den letzten Zügen lag. Der midi-monsieur war grätig, weil k.o. und laut und überhaupt. Ich war auch nicht allerbester Laune und war froh, dass es erstmal eine Pause zwischen den Konzerten gab.

Es war schon vorher klar, dass K4.2 (also eige…*) nicht meins sein würde. HipHop und/oder Rap oder was auch immer es sein sollte, ist nicht meins. Ich dachte, es wäre mehr was fürs Kind, aber er wurde auch nicht warm.

Menschen, die zu Boykott tanzen

Er setzte die MickyMäuse auf und dann entfernten wir uns von der Bühne und jagten vegane Waffeln (gar nicht mal so schlecht, aber ihr fehlte etwas Schmier- bzw. Antiklebmittel*****).

Nach Waffel und gefühlt tausend „Können wir wieder gehen?“ vom Kind, erläuterte ich ihm das Prinzip Pfandsammeln, das auf dem Au-Fest wohl Tradition unter den Kindern ist und wir auch schon einige Kids gesehen hatten. Zunächst zögerlich zog er los. Schnell hatte er erste Erfolge und zwei Euro mehr in der Tasche.

Das Kind war nun unterwegs, der RB vor der Bühne und ich war immer noch schlecht drauf. Mir war’s zu laut, dazu nicht meine Musik und irgendwie dachte ich: „Ach, Bett und Tee wären auch nicht schlecht.“

In der Pause fanden der RB und ich uns wieder. Das Kind war unterwegs und kam nur vorbei, um uns stolz seine Einnahmen zu überreichen, die ich verwalten sollte.

K4.3 fing an und wenn der midi-monsieur da gesagt hätte: „Ich will nach Hause.“ wäre ich sofort mit ihm gegangen. Mein Kopf dröhnte, wir waren definitiv zu dicht an der Bühne, konnten aber nicht weg, weil uns ja sonst das Kind nicht wiedergefunden hätte, und ich taufte den Sänger „Schreihals“******.

Wäre ich nicht auf die gloreiche Idee gekommen, mir die MickyMäuse vom Kind überzustülpen, wäre mir vermutlich der Kopf geplatzt. Das Kind war mittlerweile total im Sammelflow******* und fand das Fest und alles auf einmal total super.

Mein Kopf beruhigte sich auch und wir wählten einen Standort weiter von der Bühne weg. Und – tadaa – so schlimm war das alles doch nicht. Wir lauschten K4.4 „aus der Ferne“, unterhielten uns und das Kind sammelte immer noch (mittlerweile mit Kiste).

Zu K4.5 zog es den RB vor die Bühne. Und ohne Kind wäre ich wohl mitgegangen. Aber so tanzten das Kind und ich etwas abseits.

Ziemlich Punkt Mitternacht war die Musik aus und dann war es auch wirklich Zeit, dass der midi-monsieur ins Bett kam. Zum Glück gibt es auch einen durchgehenden Bus, in dem das Kind an den RB gebuckt einschlief.

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* Eigentlich K4.1 bis K4.6, aber die erste Band hat nur der RB gesehen. Und von der zweiten Band (K4.1) haben das Kind und ich nur noch einen Song mitbekommen.

** Also das letzte in der Liga, bei dem es um etwas geht. Ein Turnier kommt noch nächstes Wochenende in Besancon.

*** Später am Abend sollte ich mir sehr dankbar sein, dass tolle Strick-Tuch mitgenommen zu haben.

**** Die Sache mit dem Wegebier kann der RB dann in … ähm … sieben Jahren erklären.

***** Es war halt schon eine kleine OP, sie aus dem Waffeleisen zu friemeln. Also für den Waffelbäcker. Ich schaute ja nur zu.

****** Ich habe ja eigentlich nichts gegen Punk, aber …

******* Am Ende des Abends hatte er einen knapp dreistelligen Betrag zusammengesammelt.

Samstagsdinge

  • Es ist Samstag und der Wecker klingelt um 8h00. Das Kind wird um 9h15 zum Rugby-Turnier abgeholt.
  • Der RB und ich starten den Tag mit einem Marktfrühstück: Kaffee beim Wacker und Waffel … äh … Zimt-Apfelschnecke.
  • Grie-Soß-Päckcher und Obst** gekauft.
  • Gevespert.
  • Marienkäferlarven beobachtet.
  • Möbel aus der alten Wohnung vom RB geholt, Wohnung umgeräumt, Dinge*** verräumt und Zimmer zugestellt.
  • Den RB zum Au-Fest verabschiedet.
  • Das Kind glücklich aber k.o. in Empfang genommen.
  • Dem Kind die Haare geschoren.

    Sieht nicht viel aus, war aber locker ein halber Liter Haare.

  • Einkaufen gegangen.
  • Dem RB aufs Au-Fest gefolgt.

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* Es ist echt schlimm, wie sehr die Rechten – sehr gefördert von den Medien – mit den Skins gleichgesetzt werden und wie tief das in vielen Köpfen drinsteckt. Klar weiß ich, dass es rechte Skins gibt, aber kennen tue ich nur linke.

** Ja, Rhabarber ist kein Obst.

*** drölfzig Flaschen Schnaps

Kur(z)urlaub

Der Tag fing – sagen wir es mal euphemistisch – suboptimal an.

Da war der Metal-Splitter im Fuß noch das geringste Problem. Den bekam ich nämlich recht schnell raus.

„Raus“ war auch das Stichwort des Tages. Nach einem Tag Geräume und Gewurschtel und auch sonst einer irgendwie qualitativ nur suboptimalen Zeitausbeute in der letzten Zeit und sehr schlechtem Karma in der Nacht zu heute war es mehr als dringend nötig, dass wir rauskamen. Alle zusammen. Mal was anderes sehen und machen als Wohnung, Möbel- und Kramtetris, Lernen für vier Klassenarbeiten, Arbeit, die einer im Nacken sitzt, und sonstigen Dingen (Wäsche, Putzen, Alltag, Dings).

Weil meine beiden Männer im Haus gerade eifrig um die Wette schnief(t)en, kam Radeln nicht wirklich infrage. Also entschied ich, dass frische Luft nicht schlecht wäre. Und frische Luft gibt es in Frankfurt selbst nur wenig, also so richtig frische. Aber zum Glück ist Bad Nauheim mit den Gradierwerken nicht weit.

Wir spazierten – das Kind rollerte – durch den Kur- und Südpark. Wir veratmeten eine Familienkarte im Gardierwerk, kneipten und barfussparkten und …

… bei einem sehr mohnigen Stück Mohnkuchen merkte ich, wie gut und wichtig diese Luftveränderung war. Das Karma der Nacht hing nicht mehr nach. Phew.

Wir bewunderten auf dem Rückweg noch ein bisschen Flora und Fauna …

Naja, die Lippische Rose** wuchs da nicht, sondern fand sich am Tor zum Kurbrunnen in der Trinkkuranlage

Mit frei(er)em Kopf und frei(er)en Bronchien ließen wir dann den Abend mit Grillen, SU-Abhören und Erdbeeren ausklingen.

Gut war es, heute mal nicht zu Räumen***.

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* Ich mag ja eigentlich keine Rosen, also so zum Schenken und in der Vase.

** FAKE: Die echte Lippische Rose ist nur fünfblättrig.

*** Es braucht halt regelmäßig Bonding-Momente.

Skål

Eigentlich wollte ich heute Abend ja über dies

etwas ausführlicher bloggen. Und eigentlich müsste ich auch noch einen Text für morgen früh fertig stellen.

ABER:

Der RB ist heute ein bisschen mehr hier eingezogen. Also seine Möbel sind eingezogen (jetzt fehlt nur noch mittlerer bis kleiner Kram, der aber auch erst kommen kanndarfsollte, wenn die Möbel stehen und beräumbar sind). Dazu ist der midi-monsieur heute Mittag mal wieder alleine ins Schwimmbad gegangen und ich habe einen Carsharing-Transporter abgeholt – in einer Frankfurter Ecke, in der ich mich sonst auch selten rumtreibe -, habe mich gefreut, mal wieder Transporter fahren zu dürfen (ich fahre gerne große Autos). Dann haben der RB und ich Möbeltetris gespielt, bei uns zu Hause hat das Kind schon gewartet und kräftig beim Ausladen geholfen. Als ich danach den Wagen zurückbrachte, sagte der midi-monsieur was Tolles* zum RB. Ich kam pitschnass zurück, weil ich in den einzigen Schauer des Tages geraten war.** Nachdem ich wieder trocken gewandet war, zeigte sich, dass der Schauer neben der Erfrischung auch noch mit sich brachte, dass bei der aktuell besten Eisdiele des Viertels die Schlange sehr kurz war und wir so recht schnell an des wohlverdiente Eis kamen.

Mohn, Pistazie und Gurke – soooooooo lecker

Dann räumten wir noch ein bisschen in der Wohnung die neuen Möbel an ihren Platz. Dabei klingelte das Telefon und fast wollte das Kind nicht drangehen… tat es aber doch:

Ich lache ehrlich gesagt immer noch, weil dieses Kind einfach so cool ist und aus seinem Herzen – zum Glück – nicht mehr eine Mördergrube macht, sondern frei raus erzählt. Ich muss den einfach lieb haben ❤

Und er hatte ja recht: Wir feierten im Smørgas den offiziellen Einzug vom RB mit leckerem Essen und Trinken***:

Und weil es im Smørgas immer so nett ist und das Kind sich so wohl fühlt, hat es noch zum Dank ein Bild****** gemalt

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* Es ging um den Umzug und darum, dass der RB ja nun eine Familie habe und außerdem Glück, dass er diese Familie ja nun habe.

** Es war war, es war erfrischend und mit Blick auf den Umzug: Lieber ich beim Radfahren nass, als nasse Möbel und Kartons in die Wohnung schleppen.

*** Der midi-monsieur sagte beim ersten Anstoßen: „Auf den Einzug vom RB.“

**** mit Kardamon: seeeehr lecker

***** Der RB mag ja kein Lakritz.

****** Insgesamt waren es drei und er hat jetzt eine eigene Galerie im Restaurant 😉

Oase

Der Balkon, der an dieser Wohnung ist, ist eher ein Terrasse – so von der Größe her. Vom Prinzip her ist es nur ein Balkon, der – wie bei Balkonen üblich – nur über die Wohnung begangen werden kann. Aber egal, was es wirklich ist, er ist eine wahre Oase. Er geht in den Hinterhof, die Nachbarn über uns haben alle keine Balkone. Wir gucken auf die Hinterhäuser, die nur zweigeschossig sind, und auf den Kirschbaum. Beim BalkonOffice können wir beobachten, welche Menschen bei der Ärztin im Hinterhaus ein- und ausgehen.* Tagsüber ist es manchmal etwas laut, denn auf dem Nachbargrundstück ist eine Kita. Aber gut, dafür sind die ab 17h00 und am Wochenende nicht da.

Ein Vorteil, den ich anfangs als Nachteil wähnte, ist, dass der Balkon nach Osten geht. Dadurch knallt nämlich im Sommer die Sonne nur so bis max. 12h30 drauf und zieht danach ums Haus. Durch den Hinterhof kommt es zudem zu einem sehr angenehmen Mikroklima – soll heißen, wenn es auf der Straßenseite noch heiß und drückend ist, ist es auf dem Balkon meistens kühler und oft weht auch ein angenehmes Lüftchen.

Nagut, für die Bepflanzung ist die Ost-Ausrichtung auch etwas tricky und ich darf halt nichts anpflanzen, was wirklich viel Sonne braucht. Und die Dinge brauchen meist etwas länger, bis sie reif sind.** Aber gut, das kann ich ja berücksichtigen – zumal die Hochbeete ja eh schon vom Vermieter bepflanzt waren und ich nur meine Balkonkästen bestücken mussdarf und ein paar Pflanzen im Topf pflege.

Letztes Jahr war ich diesbezüglich ja etwas nachlässig, aber dieses Jahr sollte mal wieder mehr sprießen, blühen und wachsen. Und so freue ich mich, über erstes Rot, gelbe Blüten, Düfte und essbares Unkraut***

Nein, den Balkon möchte ich möchten wir***** nicht missen. Und ich weiß, dass ich ohne den Balkon in den letzten Jahren ohne mit kaum Urlaub wohl durchgedreht wäre.

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* Was ich mir aber verkneife, da die Ärztin Psychologin ist, mit einem sehr speziellen Schwerpunkt und ihren Patienten ist es oft schon unangenehm, wenn sie einer an der Tür begegnen.

** Möglicherweise liegt es auch daran, dass ich meist erst im April/ Mai daran denke, den Balkon zu bepflanzen.

*** Dank Twitter weiß ich nun, dass sie essbar sind.

**** Die „ollen“, nun 6 Jahre alten Erdbeerpflanzen tragen immer noch.

***** der midi-monsieur, der RB, ich und natürlich auch Herr Weber, der dieser Tage Geburtstag hat.

Stille(r)

Ich hätte nichts gegen totale Stille gehabt heute. Aber ich habe ja den midi-monsieur und wenn der nicht gerade fiebernd und mit Halsschmerzen daniederliegt, dann redet er ohne Punkt und Komma*. Und da er es die Woche über verpasst hatte, sich zu verabreden, war er heute zu Hause. Stille, also dass niemand mich zutextete oder was von mir wollte, hatte ich dann in der dreiviertel Stunde, in der ich allein auf dem Markt war. Und dann noch per Tablet erkaufte. Anders wäre ich vermutlich auch durchgedreht.

Zur weiteren Entspannung trug bei, dass der midi-monsieur und ich am späten Nachmittag mit dem Rad** zum Laden vom RB fuhren, um den RB abzuholen.

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* Das klingt jetzt sehr genervt. Und in der Tat ist es anstrengend, aber letztlich ist mir ein Kind, das redet, deutlich lieber als eines, dem ich jede Info aus der Nase ziehen muss.

** Dabei konnte der midi-monsieur auch nicht so viel reden.

*** Blaues Wasser

**** Electro. Laut. Anstrengend. Nervig.

Aut idem

Die alten Lateinerinnen unter uns wissen: Aut idem heißt „oder das Gleiche“. Und wer schon mal ein deutsches Medikamentenrezept (das rosane) genauer angeguckt hat, der sind bestimmt schon mal die drei Kästchen am linken Rand des Verordnungsfeldes aufgefallen. Da steht nämlich auch „aut idem“ drin. In den meisten Fällen sind diese Kästchen nicht duchgekreuzt. Ja, DURCH- nicht ANgekreuzt.* Sind die Felder nämlich offen, bedeutet das für die Apothekerin, dass das verordnete Mittel durch ein Gleiches – also mit gleichem Wirkstoff, in gleicher Dosierung und Packungsgröße – abgegeben werden kann. Heißt also, da steht vielleicht „ASS Firma XYZ, 500 mg, N1″** darf sie euch auch „ASS Firma ABC, 500 mg, N1“ abgeben. Von welcher Firma das Medikament ist, hängt zum einen davon ab, was die Apotheke gerade vorrätig hat, aber auch von den Rabattverträgen eurer Gesetzlichen Krankenversicherung.***

Aut idem bedeutet jedoch nicht, dass die Apothekerin nach gut Dünken einfach irgendwas rausgeben darf, was eventuell so ähnlich wirkt. Denn im Normalfall hat sich der Arzt bei der Verordnung dann doch ein paar Gedanken gemacht+.

Oder eine Mutter, in dem Fall ich, hat sich Gedanken gemacht, dass ihr Kind so krank ist, dass es einen wirklich – und vor allen Dingen schnell – wirkenden Wirkstoff benötigt. Dadrunter zählen für mich bakterielle Infektionen, die am besten und effektivsten mit Antibiotikum behandelt werden. Und nein, nein, nein, zu einem etablierten, getesteten und zugelassenen Antibotikum gibt es kein Hausmittel-aut-idem. Nein, einfach nein.

Und deswegen habe ich heute – schweren Herzens – den Besuch bei meinen Eltern abgesagt, damit wir mit dem Kind zum kinderärztlichen Bereitschaftsdienst (KiÄBD) fahren können. Denn – ob eine es glaubt oder nicht – ich kenne mein Kind: Ich weiß, wann er wie krank ist. Ich weiß, wann er simuliert. Ich weiß, wann ich mit ihm zum Arzt muss. Auch – oder gerade deswegen – wenn ich mir durchaus zutraue, ihn bis zu einem gewissen Grad mit Hausmitteln oder freiverkäuflichen Medikamenten zu behandeln.**** Und der midi-monsieur war in den letzten Jahren wirklich wenig beim Arzt – eigentlich nur zu U-, Impf- und Kontrollterminen*****.

Aber wenn mein Kind total schlapp von der Klassenfahrt wiederkommt und über Halsschmerzen klagt, die in den folgenden Tagen nicht besser, sondern unerträglicher werden und nur mit Schmerzmittel für ihn erträglich sind, dann ist ein Besuch beim Arzt indiziert. Und wenn das halt am Wochenende ist, dann müssen wir halt einmal quer durch die Stadt zum KiÄBD. Und – tadaaa – mein morgens geäußerter Verdacht wurde bestätigt:

Noch ist es „nur“ eine Angina. Mit Ausschlag wäre es Scharlach.

Ja, dafür „versaue“ ich mir gerne meinen Pfingstsonntag, denn mit Hausmitteln, Pflege und Zuspruch wären wir nicht weit gekommen. Da müssen „härtere“ Geschütze aufgefahren werden:

Nein, ich freue mich nicht, dass mein Kind ein Antibiotikum braucht, aber ich freue mich, dass er eines bekommt, weil er es braucht. Und ich freue mich auch, dass ich leider recht hatte, denn das, liebe Eltern da draußen, gilt für uns alle: Wir kennen unsere eigenen Kinder am besten.******

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*Ist das Feld nämlich in irgendeiner Weise markiert, darf die Apothekerin nur das verschriebene Medikament ausgeben.+
+ Bei berechtigten Bedenken darf die Apothekerin übrigens auch einem offenen aut-idem-Feld „widersprechen“. Aber das auszuführen, führe etwas zu weit.

** Eigentlich blödes Beispiel: ASS wird normalerweise nur noch in 100er- oder 200er-Dosierungen verordnent, nämlich zur Thromoboseprophylaxe.

*** Bei näherem Interesse einfach mal googeln.

**** Und der midi-monsieur wird auch nicht wegen jedem Wehwehchen gleich betüddelt und mit irgendwas Unwirksamen vollgestopft. Manchmal hilft auch einfach zu sagen: „Wer krank ist, braucht Bettruhe und Schlaf. TabletTVSwitch gibt es erstmal nicht.“ und oh, Wunder, es ist alles nicht mehr so schlimm.

***** Kontrolle beim HNO. Ach ja und zweimal wegen Läusen vor 2 Jahren.

****** Und wer sich unsicher ist, gehe bitte lieber einmal zu viel, als zu wenig zum Arzt. Denn die Spätfolgen mancher Infektionen kann kein Laie abschätzen!

E25

Heute kam ich mir ja ein bisschen vor wie eine Mystery-Tasterin. Nur mit dem Unterschied, dass der Tasting-Maître* ja wusste, dass ich da war und ich – zumindest bis zur Pause** – die anderen eigentlichen Tasting-Kundinnen „bespitzeln“ konnte.

Interessant war es, den eigenen Freund auch mal bei diesem Teil*** seiner Arbeit zu erleben. Ich habe mich bemüht, ihn nicht die ganze Zeit über anzuhimmeln. Und ich kann sagen: Das macht der schon ziemlich gut.**** 🙂

Und weil ich da so reingeschmuggelt beisaß, musste ich mich ja irgendwie erkenntlich zeigen. Pah, nicht was ihr denkt. Da war es sehr praktisch, dass die Spülmaschine wiederholt „E25“ anzeigte. So was fuchst mich ja und so kroch ich mit youtu.be auf dem Handy in die Maschine, schöpfte Wasser raus, friemelte Plastikteile ab, drehte an Rädchen, fummelte alles wieder an Ort und Stelle und – tadaa – das Maschinchen schnurrte wieder.

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* der RB

** Wenn eine den Chef und Tasting-Maître küsst, gehört sie anscheinend irgendwie dazu+.
+ zum Laden

*** Wir arbeiten ja hin und wieder vis-à-vis an Apfelbuch und Laptop und beim Verkauf habe ich ihn ja auch schon beobachten können.

**** Wer Bock auf ein interessantes, kurzweiliges und lustiges Tasting zu Gin, Whisky oder auch Rum hat, kann ja mal hier gucken.

***** So nennt mich der RB gelegentlich. Keine Ahnung, warum

Feud und Leid

Freud und Leid liegen bekanntlich nah beieinander. Auch kulinarisch. Nur 500 Meter* liegen zwischen dem Bornheimer Dorfstadl und dem Sonamu. In dem einen waren wir am Montag essen, im anderen heute. Ich war in beiden auch schon mal ohne den RB essen und hatte beide in guter Erinnerung.

Aber die Montagslokalität hat deutlich in der Qualität abgebaut. Ich will gar nicht auf den lieblosen Beilagensalat, der nach Salatkrönung schmeckte, eingehen und auch nicht darüber nölen, wie schlecht das Wiener Schnitzel (ja, echtes, nicht Wiener Art) war. Und dass es zwei kleine Schnitzel waren, ist dabei noch der kleinste Kritikpunkt.
Das Essen war da mal wirklich lecker. Jetzt leider nur noch okay. Es macht den Eindruck, als verkomme das Ganze zu einer Kneipe, wo sich zum Skatkloppen beim Bier getroffen wird. Da war es auch schon fast egal, dass wir nicht mit Karte zahlen konnten (was früher ging).
Sorry, but not sorry, den Laden kann ich leider nicht mehr empfehlen.**

Dafür hat uns dann der heutige Restaurantbesuch entschädigt: Koreanisch isst eine ja eh nicht so oft. Da muss eine sich erstmal bewusst werden, dass das zwar irgendwie asiatisch ist, aber dann doch ganz anders als Sushi, Thailändisch oder berühmten sieben bis acht köstlichen Kostbarkeiten***. Entsprechend lang brauchten der RB und ich, um uns auf der eigentlich nicht sehr großen Karte für Vorspeisen und Hauptgerichte zu entscheiden. Aber gelohnt hat es sich.

Leider habe ich mir nicht gemerkt, wie all die leckeren Sachen heißen. Aber weil eben lecker, besonders und nett (der Service) war, gibt es eine klare Empfehlung**** fürs Sonamu*****.

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* Zumindest, wenn ein es in Relation dazu setzt, dass die ganze Berger Straße 2,3 Kilometer lang ist.

** Es ist schon sehr aussagekräftig, dass wir keine Fotos vom Essen gemacht haben.

*** Hier wollte ich eigentlich auf Rüdiger Hoffmann’s 8 Kostbarkeiten verlinken. Aber manche Dinge sind in der Erinnerung lustiger als dann wirklich.

**** Ein klitzekleines bisschen unschön war, dass die Hauptgerichte nicht zeitgleich serviert wurden.

***** Reservierungen unbedingt erforderlich