Liebes Tagebuch am Fünften (August)

Obwohl das Kind wirklich lang beim Kv war, liegen die Fünften diesen Sommer so günstig, dass es keine kindfreie Beantwortung von Frau Brüllens allmonatliche Frage gibt.

Um Mitternacht sind wir gerade mal 15 Minuten in der Wohnung. Der midi-monsieur hat das Lego-Set von Familie Rabe gefunden und MUSS es umgehend aufbauen. Ich bin total k.o. und mache mich schon mal bettfertig. Dann ist auch das Lego verbaut und das Kind macht sich bettfertig. Nach so langer Zeit darf er natürlich mit in mein Bett und Mamawärme tanken.

Wir schlafen tief und fest und gut und werden nicht zu früh, aber auch nicht zu spät wach. Danach dauert es etwas (zu) lange, bis wir uns fertig machen. Ich habe kaum was im Haus, außerdem ist Samstag und da will gemarktfrühstückt werden. Etwas hangry gehen wir los. Nach Waffel und Kaffee bzw. Kindercappucino auf Markt 1 gehen wir zu Fuß Richtung Markt 2. Wir hatten einen Grillbeschluss gefällt und ich möchte Grie Soß dazu.

Auf dem Markt gibt’s erstmal ne Vanillemilch fürs Kind und wir führen „mal eben“ ein dringendes Gespräch. Möglicherweise hat der midi-monsieur meinen Pragmatismus geerbt, denn obwohl das Gespräch nicht lange dauert, ist alles Entscheidende gesagt und geklärt. Das hat Potential.

Mit Grie Soß, Äpfeln, Pflaumen und Mirabellen verlassen wir Markt 2. Unterwegs kläre ich eine Spielverabredung fürs Kind, dann halten wir wieder auf Markt 1 und kaufen noch Grillgut. Im dm brauchen wir auch noch Kram.

Kurzer Stopp zu Hause, dann bringe ich das Kind zu seinem Kumpel.

Zurück zu Hause schreibe ich eine Einkaufsliste. Als ich losgehen will, wird es erst schwarz und dann schüttet es aus Eimern. Nagut, dann lege ich halt kurz die Füße hoch.

Der Schauer dauert nicht lang. Ich drehe meine Einkaufsrunde, kläre ein paar vermeintliche Komplikationen und versacken beim Postschreiben auf dem Sofa (statt Grie Soß zu machen).

Die Freundin, die zum Grillen kommt, vermeldet, dass sie später kommt. Da habe ich noch genug Zeit, um die Grie Soß vorzubereiten. Während ich mich über die Qualität der Kräuter ärgere (vielleicht lag’s ja am Wetter, denn eigentlich war’s Päck’cher vom besten Dealer der Stadt), kommt der midi-monsieur nach Hause. Ich unterbreche den Grie-Soß-Zinnober für Matratzen-Zinnober – sprich, das Kind und ich buggsieren endlich die neue Matratze auf sein Hochbett.

Dann mache ich die Grie Soß fertig. Die Freundin kommt. Der Grill wird angeheizt. Es dauert etwas, bis alles fertig ist. Der midi-monsieur spielt mit seiner Wasserpistole, die Freundin und ich quatschen.

Als wir endlich essen, merke ich erstmal, wieviel Hunger ich hatte.

Nachdem sich der midi-monsieur am Rippchen fast den Wackelzahn ausgebissen hat, operiert er ihn kurzerhand vor dem Spiegel aus.

Nach dem Essen machen wir eine kurze Spritztour mit dem Firmenwagen der Freundin: ein E-Auto. Ein vollwertiges, kein Hybrid. Und ja, das macht Spaß. Dann gehen wir noch schnell ein Eis essen.

Das Kind ist ziemlich müde – was er natürlich nicht zugeben kann. Aber bei ihm stimmt „nach müde kommt doof“ so dermaßen, dass ich diesen Zustand immer versuche zu vermeiden. Wieder zu Hause und nachdem wir die Freundin in den wohlverdienten Urlaub verabschiedet haben, kippt die Stimmung auch. Dass er daraufhin den Kv demonstrativ vermisst, kann ich zwar verstandsmäßig verstehen, aber innerlich bin ich trotzdem sehr genervt.

Er macht sich bettfertig. Wir lesen noch etwas zusammen. Dann lasse ich ihn mit dem Buch allein und mache den Fernseher an.

Da sitze ich auch immer noch vor. Gleich werde ich noch kurz die Wäsche aufhängen. Eigentlich wollte ich noch einen Text zuende schreiben, aber es ist mir doch zu spät.

Entschädigung

Der Tag fing spät an. Und weil ich etwas Aufwand betrieb, kam es zu einem noch späteren Marktfrühstück.

Die knapp 360 Minuten lange anschließende Begegnung kann muss ich mir z.B. mit dem langen Spaziergang schön reden.

Aber trotzdem wäre ich ziemlich frustriertgenervt nach Hause gegangen, hätte ich nicht noch eine tolle, spontane Twitterbegegnung gehabt.

90 Minuten Entschädigung.

Schlechter Witz

Ich habe es nicht so mit Witzen. Früher konnte ich mal ganz viele (schlechte) Blondinenwitze. Mittlerweile muss ich präpubertäre Witze ertragen, die der midi-monsieur aus Schule und hort mitbringt. Leider hat er das Witzerzähltalent meiner Mutter geerbt, was die Witze nicht wirklich erträglicher macht.

Der einzige (schlechten, aber nicht Blondinen-) Witz, den ich noch kenne, geht so:

Mann: „Hätte ich gewusst, dass Du noch Jungfrau bist, hätte ich mir mehr Zeit gelassen.“
Frau: „Hätte ich gewusst, dass Du Dir Zeit lässt, hätte ich die Strumpfhose ausgezogen.“

Ja, der ist flach und schlecht und überhaupt. Aber trotzdem musste ich heute daran denken, als ich einen Drink serviert bekam und die Bedienung auf meinen etwas irritierten Blick ins Glas sagte: „Hätte ich gewusst, dass Du den Gimlet in einer Schale haben willst, hätte ich es entsprechend weitergegeben.“

Tja, hätte ich gewusst, dass der Gimlet bei Euch* mit einem Riesen-Eiswürfel und ohne Limettenzeste** serviert wird, hätte ich nen GinTonic bestellt.

An den Gimlet aus der Luna Bar kommt eh nichts ran. Und auch wenn er geschmacklich ok war mit dem Gin Mare: SO sieht ein Gimlet einfach nicht aus.

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* Sugar
** Das Glas fand ich befremdlich aber nicht ausschlaggebend für meinen Unmut.

Etwas bockig

Der große kleine Rabe ist nun stolzer Besitzer des vorletzten Kinderrads vom midi-monsieur. Erfreulicherweise war der Transport im Flugzeug erstaunlich unkompliziert: Frau Rabe meldete bei der Airline an, dass sie ein Kinderrad mitnehmen wolle, das auch nicht wirklich verpackt werden musste, lediglich der Lenker sollte um 90° gedreht werden und die Pedale mussten ab.

Ich dachte gestern, als ich vom Kino nach Hause kam, noch daran, dass wir das Rad ja noch transportfähig demontieren müssten. Und sinnierte einen kurzen Moment über meine Werkzeugsituation. Für die Pedale sollte ich den richtigen Maulschlüssel auf jeden Fall da haben. Aber für den Lenker?! Ich vergaß beim Nachhausekommen noch einmal zu gucken, was für ein Werkzeug ich denn bräuchte; hatte aber schon die ungute Vorahnung, dass es die Rohrzange* ist, weil ich einfach keinen entsprechend großen Maulsschlüssel habe.

Als ich heute morgen aufwachte, galt mein erster Gedanke direkt dem Rad. Ich musste die Rabenfamilie frühstückstechnisch leider sich selbst überlassen, suchte Werkzeug, ging zum Rad. Der kleine große Rabe kam hinterher. Verständlich, ich würde auch gucken, was da mit meinem neuen Schatz passiert. Ich vertat mich (und dadurch auch Zeit) mit dem falschen Werkzeug bzw. der falschen Schraube. Doch irgendwann bekam ich wenigstens eine Pedale ab. Die andere war sehr sehr bockig. So bockig, dass ich sie ließ.

Stattdessen war es wichtiger, dass der Lenker gedreht würde. Aber wie schon befürchtet, fehlte mir die Rohrzange.

Aber ich wohne ja auf einem Dorf. Und zwei Häuser weiter hat der Schuster und Schlüsselmacher, der auch für verschiedene Reparaturen in unserem Haus zuständig ist, sein Büdchen. Der hat sicherlich ein passendes Werkzeug.

Vermutlich hätte er eine entsprechende Zange gehabt, aber er war leider nicht da. Nur seine sehr jugendliche Aushilfe. Die aber war mit meiner Frage etwas überfordert.

Ich ging unverrichteter Dinge zurück, mahnte die Rabenfamilie zum Aufbruch, dachte parallel darüber nach, wo wir das Lenkerproblem den lösen könnten.

Zum Glück hat unser Dorf auch einen kleinen Baumarkt – keine große Kette, aber bestens sortiert -, der liegt direkt an der U-Bahn-Haltestelle, zu der wir ja eh mussten. Außerdem liegt auf dem Weg zur Haltestelle ein weiterer Schuster-Schlüsselmacher.

Und so ging ich etwas strammeren Schrittes mit dem großen kleine Raben voraus und fragte freundlich – heute scheint Tag der jungen Mitarbeiter bei den Schustern gewesen zu sein – den eindeutig Jugendlichen hinterm Tresen des anderen Schusters, ob er uns mit einem passenden Werkzeug aushelfen könne. Konnte er und kümmerte sich tatkräftig mit Rohrzange und – weil der Lenker auch etwas bockig war – mit WD40 um unser Anliegen. Puh! Endlich – bis auf die zweite Pedale – war das Rad bereit für den Flug.

Es war nicht ganz einfach, das Rad mit dem gedrehten Lenker zu schieben. Aber zum Glück waren die Wege nicht zu lang und es war leicht genug, um es sich unter den Arm zu klemmen.

Am Flughafen standen wir dann auch irgendwann am Sperrgutschalter. An dem war eine leicht ungeordnete Schlage, was sicherlich auch daran lag, dass das eine oder andere Gepäckstück halt sehr sperrig war. Irgendwann nickte uns eine Dame am Schalter zu und wir gingen hin. Da sah ich, dass sie am Tier-Schalter saß.

Ich: „Oh, können wir trotzdem bei Ihnen das Gepäck einchecken? Wir haben kein Tier.“
Schalterdame *guckt aufs Rad und lächelt uns an*: „Kann das kleine Rad vielleicht bellen oder miauen?“
Ich: „Es ist schon den ganzen Vormittag über etwas bockig, aber wir arbeiten dran.“
SD *zwinkert dem großen kleinen Raben zu*: „Na, dann wird das wohl schon gehen.“

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* Die Rohzange hat aufgrund erweiterter Nachbarschafthilfe die Adora Belle. Eigentlich wollte sie sie zum Ebbelwoi-Tasting mitbringen und bot auch an, sie gestern noch vorbeizubringen. Aber nicht, weil ich Bedarf angemeldet hatte, daran hatte ich halt nicht wirklich gedacht.

12von12

12 Bilder am Zwölften sammeln. Heute gewissermaßen parallel mit Frau Rabe. Für die besondere Note war ich mal schwarz-weiß unterwegs.

#1: Der Tag fängt damit an, dass das Ebbelwoi-Tasting aufhört.

#2: Trotz kurzer Nacht verschicke ich noch vor 9h00 berufliche e-Mails. (Eigentlich hätte ich um 10h00 einen Tattoo-Termin gehabt, aber der wurde um 8h20 abgesagt und auf Freitag verschoben.)

#3: Nachdem Frau Rabe und ich per WA in Nebenzimmern geklärt haben, dass alle wach sind und Hunger haben, wird Pancake-Teig angerührt. Für den braucht’s flüssige Butter, was ohne Mikrowelle für einen kleinen Moment eine Herausforderung ist, aber ein Wasserbad reicht für die kleine Menge aus.

#4: Der große kleine Rabe kennt nun auch Hagelslag.

#5: Als ich duschen will, riecht es im Bad nach Kaffee. Ich trinke aber gar keinen Kaffee (zu Hause). So ist das, wenn noch eine Erwachsene in der Wohnung ist.

#6: Der große kleine Rabe interessiert sich (gefühlt) für alle Bilderbücher vom midi-monsieur. So komme ich zu dem Vergnügen, seit langem mal wieder den Grüffelo vorzulesen.

#7: Ich gestehe: Ich habe den großen kleinen Raben mit dem Minions-Karten-Sammelfieber infiziert. Und weil er seit gestern 8 Sticker hat, die er ja gegen 2 Wackel-Minions eintauschen kann, kommt er bereitwillig mit zum Einkaufen und schiebt auch den Einkaufswagen.

#8: Wir haben tatsächlich Glück, als wir gegen 14h30 zum Markt aufbrechen, denn wir haben das einzig lange trockene Zeitfenster erwischt. Für die weitere Hessisierung bzw. höchst spezifisch Bernemerisierung gibt’s Marktkaffee mit Latte Macchiato für die Muttis und Kinder-Cappucino für die kleinen Raben, Waffeln und Worscht.

#9: Nachdem wir auf Wunsch vom großen kleinen Raben die Berger noch ein Stück gelaufen sind, kann er irgendwann doch nicht laufen und ich fahre mit ihm zwei Stationen mit dem Bus.

#10: Auf dem Markt gab es die ersten Ockstädter Kirschen. So lecker!

#11: Abends lasse ich die Raben alleine und treffe mich mit einer Freundin fürs Kino. (Frankfurter erkennen sicherlich, in welchem Kino wir waren.)

#12: Rückfahrt nach einem tollen Film*.

Alle 12von12 sammelt wie immer Draußen nur Kännchen.

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* Die Erfindung der Wahrheit – sehr, sehr empfehlenswert!