Aut idem

Die alten Lateinerinnen unter uns wissen: Aut idem heißt „oder das Gleiche“. Und wer schon mal ein deutsches Medikamentenrezept (das rosane) genauer angeguckt hat, der sind bestimmt schon mal die drei Kästchen am linken Rand des Verordnungsfeldes aufgefallen. Da steht nämlich auch „aut idem“ drin. In den meisten Fällen sind diese Kästchen nicht duchgekreuzt. Ja, DURCH- nicht ANgekreuzt.* Sind die Felder nämlich offen, bedeutet das für die Apothekerin, dass das verordnete Mittel durch ein Gleiches – also mit gleichem Wirkstoff, in gleicher Dosierung und Packungsgröße – abgegeben werden kann. Heißt also, da steht vielleicht „ASS Firma XYZ, 500 mg, N1″** darf sie euch auch „ASS Firma ABC, 500 mg, N1“ abgeben. Von welcher Firma das Medikament ist, hängt zum einen davon ab, was die Apotheke gerade vorrätig hat, aber auch von den Rabattverträgen eurer Gesetzlichen Krankenversicherung.***

Aut idem bedeutet jedoch nicht, dass die Apothekerin nach gut Dünken einfach irgendwas rausgeben darf, was eventuell so ähnlich wirkt. Denn im Normalfall hat sich der Arzt bei der Verordnung dann doch ein paar Gedanken gemacht+.

Oder eine Mutter, in dem Fall ich, hat sich Gedanken gemacht, dass ihr Kind so krank ist, dass es einen wirklich – und vor allen Dingen schnell – wirkenden Wirkstoff benötigt. Dadrunter zählen für mich bakterielle Infektionen, die am besten und effektivsten mit Antibiotikum behandelt werden. Und nein, nein, nein, zu einem etablierten, getesteten und zugelassenen Antibotikum gibt es kein Hausmittel-aut-idem. Nein, einfach nein.

Und deswegen habe ich heute – schweren Herzens – den Besuch bei meinen Eltern abgesagt, damit wir mit dem Kind zum kinderärztlichen Bereitschaftsdienst (KiÄBD) fahren können. Denn – ob eine es glaubt oder nicht – ich kenne mein Kind: Ich weiß, wann er wie krank ist. Ich weiß, wann er simuliert. Ich weiß, wann ich mit ihm zum Arzt muss. Auch – oder gerade deswegen – wenn ich mir durchaus zutraue, ihn bis zu einem gewissen Grad mit Hausmitteln oder freiverkäuflichen Medikamenten zu behandeln.**** Und der midi-monsieur war in den letzten Jahren wirklich wenig beim Arzt – eigentlich nur zu U-, Impf- und Kontrollterminen*****.

Aber wenn mein Kind total schlapp von der Klassenfahrt wiederkommt und über Halsschmerzen klagt, die in den folgenden Tagen nicht besser, sondern unerträglicher werden und nur mit Schmerzmittel für ihn erträglich sind, dann ist ein Besuch beim Arzt indiziert. Und wenn das halt am Wochenende ist, dann müssen wir halt einmal quer durch die Stadt zum KiÄBD. Und – tadaaa – mein morgens geäußerter Verdacht wurde bestätigt:

Noch ist es „nur“ eine Angina. Mit Ausschlag wäre es Scharlach.

Ja, dafür „versaue“ ich mir gerne meinen Pfingstsonntag, denn mit Hausmitteln, Pflege und Zuspruch wären wir nicht weit gekommen. Da müssen „härtere“ Geschütze aufgefahren werden:

Nein, ich freue mich nicht, dass mein Kind ein Antibiotikum braucht, aber ich freue mich, dass er eines bekommt, weil er es braucht. Und ich freue mich auch, dass ich leider recht hatte, denn das, liebe Eltern da draußen, gilt für uns alle: Wir kennen unsere eigenen Kinder am besten.******

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*Ist das Feld nämlich in irgendeiner Weise markiert, darf die Apothekerin nur das verschriebene Medikament ausgeben.+
+ Bei berechtigten Bedenken darf die Apothekerin übrigens auch einem offenen aut-idem-Feld „widersprechen“. Aber das auszuführen, führe etwas zu weit.

** Eigentlich blödes Beispiel: ASS wird normalerweise nur noch in 100er- oder 200er-Dosierungen verordnent, nämlich zur Thromoboseprophylaxe.

*** Bei näherem Interesse einfach mal googeln.

**** Und der midi-monsieur wird auch nicht wegen jedem Wehwehchen gleich betüddelt und mit irgendwas Unwirksamen vollgestopft. Manchmal hilft auch einfach zu sagen: „Wer krank ist, braucht Bettruhe und Schlaf. TabletTVSwitch gibt es erstmal nicht.“ und oh, Wunder, es ist alles nicht mehr so schlimm.

***** Kontrolle beim HNO. Ach ja und zweimal wegen Läusen vor 2 Jahren.

****** Und wer sich unsicher ist, gehe bitte lieber einmal zu viel, als zu wenig zum Arzt. Denn die Spätfolgen mancher Infektionen kann kein Laie abschätzen!

E25

Heute kam ich mir ja ein bisschen vor wie eine Mystery-Tasterin. Nur mit dem Unterschied, dass der Tasting-Maître* ja wusste, dass ich da war und ich – zumindest bis zur Pause** – die anderen eigentlichen Tasting-Kundinnen „bespitzeln“ konnte.

Interessant war es, den eigenen Freund auch mal bei diesem Teil*** seiner Arbeit zu erleben. Ich habe mich bemüht, ihn nicht die ganze Zeit über anzuhimmeln. Und ich kann sagen: Das macht der schon ziemlich gut.**** 🙂

Und weil ich da so reingeschmuggelt beisaß, musste ich mich ja irgendwie erkenntlich zeigen. Pah, nicht was ihr denkt. Da war es sehr praktisch, dass die Spülmaschine wiederholt „E25“ anzeigte. So was fuchst mich ja und so kroch ich mit youtu.be auf dem Handy in die Maschine, schöpfte Wasser raus, friemelte Plastikteile ab, drehte an Rädchen, fummelte alles wieder an Ort und Stelle und – tadaa – das Maschinchen schnurrte wieder.

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* der RB

** Wenn eine den Chef und Tasting-Maître küsst, gehört sie anscheinend irgendwie dazu+.
+ zum Laden

*** Wir arbeiten ja hin und wieder vis-à-vis an Apfelbuch und Laptop und beim Verkauf habe ich ihn ja auch schon beobachten können.

**** Wer Bock auf ein interessantes, kurzweiliges und lustiges Tasting zu Gin, Whisky oder auch Rum hat, kann ja mal hier gucken.

***** So nennt mich der RB gelegentlich. Keine Ahnung, warum

Feud und Leid

Freud und Leid liegen bekanntlich nah beieinander. Auch kulinarisch. Nur 500 Meter* liegen zwischen dem Bornheimer Dorfstadl und dem Sonamu. In dem einen waren wir am Montag essen, im anderen heute. Ich war in beiden auch schon mal ohne den RB essen und hatte beide in guter Erinnerung.

Aber die Montagslokalität hat deutlich in der Qualität abgebaut. Ich will gar nicht auf den lieblosen Beilagensalat, der nach Salatkrönung schmeckte, eingehen und auch nicht darüber nölen, wie schlecht das Wiener Schnitzel (ja, echtes, nicht Wiener Art) war. Und dass es zwei kleine Schnitzel waren, ist dabei noch der kleinste Kritikpunkt.
Das Essen war da mal wirklich lecker. Jetzt leider nur noch okay. Es macht den Eindruck, als verkomme das Ganze zu einer Kneipe, wo sich zum Skatkloppen beim Bier getroffen wird. Da war es auch schon fast egal, dass wir nicht mit Karte zahlen konnten (was früher ging).
Sorry, but not sorry, den Laden kann ich leider nicht mehr empfehlen.**

Dafür hat uns dann der heutige Restaurantbesuch entschädigt: Koreanisch isst eine ja eh nicht so oft. Da muss eine sich erstmal bewusst werden, dass das zwar irgendwie asiatisch ist, aber dann doch ganz anders als Sushi, Thailändisch oder berühmten sieben bis acht köstlichen Kostbarkeiten***. Entsprechend lang brauchten der RB und ich, um uns auf der eigentlich nicht sehr großen Karte für Vorspeisen und Hauptgerichte zu entscheiden. Aber gelohnt hat es sich.

Leider habe ich mir nicht gemerkt, wie all die leckeren Sachen heißen. Aber weil eben lecker, besonders und nett (der Service) war, gibt es eine klare Empfehlung**** fürs Sonamu*****.

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* Zumindest, wenn ein es in Relation dazu setzt, dass die ganze Berger Straße 2,3 Kilometer lang ist.

** Es ist schon sehr aussagekräftig, dass wir keine Fotos vom Essen gemacht haben.

*** Hier wollte ich eigentlich auf Rüdiger Hoffmann’s 8 Kostbarkeiten verlinken. Aber manche Dinge sind in der Erinnerung lustiger als dann wirklich.

**** Ein klitzekleines bisschen unschön war, dass die Hauptgerichte nicht zeitgleich serviert wurden.

***** Reservierungen unbedingt erforderlich

Elefantenrunde

„Schaaatz“, setzte ich an, als der RB am Mittag nach einer aushäusigen Nacht mit Konzert leicht verkatert nach Hause kam, „Schaaatz, das Wetter ist schön. Das Kind muss gelüftet werden.* Und ich brauche Bewegung.** Ich habe eine kleine Tour mit dem Rad geplant.***“

Er erkannte schnell: Widerstand ist zwecklos und wir stiegen zu dritt aufs Rad. Also, jede auf ihres. Logisch.

Der RB sieht da einen Elefanten in der Tourführung.****

Zwischenstopp an Frankfurts klaffender Wunde. *seufz*

Wie immer im Stadtwald und Grüngürtel: Schön war’s!

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* Der war so aufgeregt wegen der bevorstehenden Klassenfahrt.

** Das rechte Knie nicht. Aber es wurde mit Bandage ruhig gestellt.

*** Naja, es waren zwei kleine, die aneinander anschließen. Und die zusammen mit der nicht geplanten Rückfahrt durch die Stadt gut 24 Kilometer ergaben.

**** Wer den richtigen Winkel rausfindet, kann ja mal kommentieren. Ich seh nämlich nix.

Liebes Tagebuch am Fünften (Mai 2018)

Es ist RugbyJugendFestival. Der midi-monsieur spielt. Ich bin für den Verein aktiv und auf dem Gelände unterwegs und entsprechend beschäftigt, aber dennoch benantworte ich Frau Brüllen ihre monatliche Frage: WMDEDGT?

7h55 erstmals wach, Toilette, das Kind spielend finden

8h25 Wecker klingelt, wohl wieder eingeschlafen, Kind kommt kuscheln

9h00 aufstehen, duschen, frühstücken, Sachen packen, schminken.

10h05 Aufbruch mit Kuchen, nochmal rein weg Handy vergessen, Kuchen auf Gepäckträger montieren, nochmal rein wegen fehlender Rocksicherung, dann endlich los Richtung Festival.

10h20 Ankunft am Vereinsgelände, Kind zur Mannschaft schicken, Kuchen abgeben, Crew-T-Shirt holen
Ab dann bin ich auf dem Gelände unterwegs, mache Fotos, zwitschere darüber, halte Smalltalk und gucke die drei Spiele vom midi-monsieur.
Es ist heiß, es ist laut, aber es ist eine tolle Stimmung und ich mag es dabei zu sein.

17h00 Das letzte Spiel vom Kind ist fertig. Er ist fertig. Ich bin auch ganz gar. Ab nach Hause.
Eigentlich.
Uneigentlich ist mein Schlüsselbund weg. Mit allem, inklusive Fahrradschlüsseln.
Mist.
Ich suche an allen möglichen Stellen. Aber ich war halt auch auf dem ganzen Gelände unterwegs. Zwischendurch mit dem RB telefonieren: Er müsse mit den Ersatzschlüsseln für die Fahrradschlösser kommen.

17h47 Ich frage an letzter „offizieller“ Stelle nach und – tadaaaa – der Schlüssel liegt schon seit heute morgen im Vereinsrestaurant. Immerhin. Also pfeife ich den RB zurück, schließe die Räder ab und es geht nach Hause.

18h10 Zu Hause wasche ich schnell meine Pitch-Füße …

… dann geht der midi-monsieur duschen, ich sortiere mich und bekomme Kopfschmerzen, der RB kommt nach Hause und ich gehe Eis kaufen

18h55 der Kv schlägt bei uns auf. Ich bin noch einkaufen. Er bleibt kurz, das Kind will nicht mehr mit ihm essen gehen.

19h30 Der Kv ist weg und wir, also der midi-monsieur, der RB und ich – machen eine kleine Eisparty auf dem Balkon.

20h15 Der midi-monsieur darf mit dem Tablet chillen und der RB und ich sind so k.o., dass wir uns hinlegen wollenmüssen.

21h15 Die Viertelstunde Powernapp haben 60 Minuten gedauert. Nun aber hoch mit uns. Ich schmeiße die Zutaten für den Quicheteig in die Küchenmaschine und lasse sie machen, während ich dem Kind vorlese und ihn ins Bett bringe. Der RB bereitet derweil Käse und Wein vor.

21h45 Wir lassen den Tag mit Wein (der eine snobt, die andere prollt) und leckerem Käse ausklingen.

Ausflug

So ein freier Feiertag bietet sich ja bestens für einen Ausflug an.* Und weil der midi-monsieur nicht nur Rugby liebt, sondern auch alles, was mit Wasser zu tun hat, wurde am Montag ein …

Das Stadtteilschwimmbad fiel aus wegen Vereinsblockadeelegung, das andere vom Kind geliebte Schwimmbad fiel aus wegen Radrennen und erschwerte An- und/oder Abreise. Also guckte ich im Internet, was Hessen so für Schwimmbäder hat. Schnell fiel die Wahl auf die Rhein-Main-Therme. Denn der Blick auf die Karte zeigte: Da kommen wir ganz gut ohne Auto, also unabhängig von irgendwelchen potentiellen Straßensperrungen wegen Radrennen, hin. Erst mit dem Rad zur S-Bahn, dann mit dem Rad in der S-Bahn und zum Schluss noch ein Stück Rad von der S-Bahn. Alles keine Entfernungen (also die Radstrecken) und so gut für den midi-monsieur – insbesondere NACH dem Schwimmen – zu bewältigen.

Nach entspanntem Frühstück wurden die Taschen gepackt** und die Räder geschnappt, Zur Konsti gedüst, eine S-Bahn erwischt und auf ging’s Richtung Vergnügen.

Das Gute ist ja, dass der midi-monsieur mittlerweile sein Silberabzeichen hat und ich ihn so wirklich entspannt alleine im Wasser agieren lassen kann. So trennten sich immer mal wieder unsere Wege. Aber da die Beckenanlage gar nicht so groß ist, schwammen wir uns regelmäßig über den Weg und konnten uns gar nicht wirklich verlieren.

Wieder zu Hause gab es dann, um den schönen Tag noch besser abzuschließen, selbstgemachte Burger (erstmals mit Patties vom Grill – nomnomnom). Woraufhin der der midi-monsieur seelig einschlief, während der RB und ich noch 1,5 Folgen „Peaky Blinders“ guckten.

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* Die Wohnung findet das nicht so prall.+ Aber mei, die sehen wir ja nicht, wenn wir ausfliegen.
+ Es muss halt mal dringend geputzt werden.++‘
++ Nein, das ist nicht passiv-agressiv bzw. brutzig, das haben der RB und ich zusammen auf dem Schirm.

** Ich habe ja blöderweise nochmal vom einen in den anderen Rucksack umgepackt.+++
+++ Dadurch hatte ich die frische Wäsche nicht mitgenommen und musste im Schwimmbad erstmal meinen Bikini trockenföhnen.

*** der RB

**** der midi-monsieur

***** schon seit 90 Jahren Stadtteil von Frankfurt

Einfach ja sagen

Manchmal ist es ja ganz gut, einfach mal ja zu sagen. Einfach darauf zu vertrauen, dass einer ein anderer Mensch nichts Böses will, wenn sie eine Unternehmung vorschlägt.

So war es, als Silke Herrn Walthers und meine Post-Richard-III.-Euphorie ausnutzte und uns direkt zum nächsten Kulturabend „verdonnerte“. Ich guckte nämlich nur aufs Datum und sagte zu. Später klärte ich dann noch mit dem RB, ob er den midi-monsieur ins Bett bringen könne an dem Abend und das war es dann auch schon. Ich kümmerte mich Nullkommanichts darum, was genau uns nun an dem Abend erwarten würde. Ich hatte noch nicht einmal registriert, dass es eine Lesung sein würde. Aber gut, nach bereits zwei*, naja drei** Lesungen, ist mir nun auch dieses Format geläufig.

Gelesen hat Ferdinand von Schirach, den ich Banausin ja bis heute auch nicht kannte. Wobei er nicht nur aus seinem Buch „Strafe“ vorgelesen hat, sondern auch über den Prozess gegen Sokrates (ja, der olle Philosph aus der Antike) referierte.

Er sieht etwas erleuchtet aus 😉

Das Publikum war sehr aufmerksam und sehr still, sodass ich mir etwas „laut“ vorkam, als ich spontan applaudieren musste, als von Schirach sinngemäß sagte: „Es ist ja schon gut, dass sich der Staat nicht in die Kirche einmischt.*** Aber noch besser wäre es, wenn sich die Kirche nicht auch in den Staat einmischen würde.“ Danach war ich dann aber auch still und lachte auch nur in mich hinein, als das Pärchen vor Herrn Walther total kinoesk die Köpfe zum Knutschen Kuscheln zusammensteckte.****

Da ich nichts wusste, habe ich nichts erwartet und so war es einfach toll: die erzählten bzw. vorgelesenen Geschichten, die Stimme, die Atmosphäre, die Begleitung (nagut, die kannte ich ja vorher, da konnte nichts schief gehen).

Doch, es lohnt sich durchaus, einfach mal ja zu sagen und Dinge zu machen, die eine sich selbst eher nicht rausgesucht hätte.

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* Sarah Kuttner und Mama Schulze

** Ich weiß immer noch nicht, ob ich die Titanic-Lesung werten soll. Wobei wir ja eigentlich wegen Andrea Diener da waren.

*** Stimmt auch nur bedingt. Aber der staatliche Einfluss auf die Kirche ist sicherlich deutlich unbedeutender, als die umgekehrte Einmischung.

**** Das muss eine Frankfurter Mode sein: Bei Richard III. hatte ich ein Pärchen im Blickfeld, das mitten im Stück tatsächlich knutschte und sie sich auf seinem Schoß räkelte. Ähmja… Ich werde alt und verständnislos.

Wildes Herz

Etwas verantwortungslos kam ich mir ja schon vor. Und auch der RB hatte zwischenzeitlich – zumindest beim Essen – Bedenken, ob das wirklich so eine gute Idee war, dass wir alle, also der midi-monsieur, der RB und ich, zusammen ins Kino gehen und zwar in einen Film, den vor allem der RB gucken wollte. Gut, er hätte auch allein gehen können. Aber da wir ja total aneinander kleben und NIIIICHTS mehr getrennt machen können ich fand den Film auch interessant. Doch er läuft nur* diese Woche im Mal-Seh’n-Kino, einem winzig kleinen, total schnuckeligen und tollem Programmkino, das ich bislang noch gar nicht kannte.

Etwas problematisch neben dem Film selbst war, dass er nur um 20h00 läuft. Das ist eigentlich etwas spät für das Kind, aber die Babysitterin war erst am Sonntag da und am Freitag und am Samstag muss er wieder von ihr betreut werden**. Und so beschlossen der RB und ich, dass wir zusammen reingehen: Der RB befand es inhaltlich für tragbar und ich hinsichtlich des Aufbleibens.

Nach einem etwas anstrengendem Essen zu dritt in einem meiner Lieblingscafés gab es auch kurz nach Beginn von „Wildes Herz“ einen Durchhänger beim midi-monsieur, den ich etwas unpädagogisch mit „Ich gehe auch mit Dir in Filme, die ich nicht gut finde“ im Keim erstickte. Nunja, was soll ich sagen?! Es hat gewirkt und das Kind hat sich dann auf den Film eingelassen: Feine Sahne Fischfilet hat nicht nur einen neuen Fan, sondern das Kind hat ein Ziel für die Pubertät:

Ich bin etwas hin- und hergerissen: Monchi als Vorbild zu haben – zumindest so aus politischer Sicht und hinsichtlich seiner Einstellung – ist sicherlich nicht verkehrt, aber vielleicht können wir, respektive der midi-monsieur, ja doch irgendwie die Pubertät anders gestalten.

Auf jeden Fall fanden wir drei den Film sehr gut:

Und ich verbuche das mal auch unter „politischer Bildung“ fürs Kind*** und fühle mich nicht mehr veranwortungslos.

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* Zumindest sieht es derzeit danach aus.

** Außerdem hatte er Rugby-Training und ihn nach Hause zu bringen und dann ins Kino zu hetzen, wäre auch blöd gewesen.

*** Vielleicht wirkt das ja so auf ihn, wie auf mich die versehentlich mit 11 gegessenen Sp**e-Co*kies und das mit 13 gelesene „Wir Kinder von Bahnhof Zoo“ – halt auf politischer Ebene.

K3

Das erste Album von Ayọ hat mich Ende 2006 und auch bis weit ins Jahr 2007 begleitet und manche Lieder erzeugen quasi Flashbacks. Das war schon damal eine ziemlich krasse Zeit. Die „Joyful“ steht da gewissermaßen konträr zu, so ruhig und melodisch wie sie ist. Ich höre die CD immer noch sehr gerne. Und so freute ich mich sehr, als die Beste vorschlug, dass wir ihr offenes Eventgeschenk zu meinem Geburtstag in einen gemeinsamen Konzertbesuch umwandeln.

Die Location kannte ich noch nicht*:

Obwohl auf der Karte und auch sonst nirgends etwas stand, gab es einen Supporting Act (Vorband kann eine ja einen einzelnen Sänger mit Gitarre nicht nennen): Jeangu Macrooy. Der war erstaunlich** gut.

Noch besser war aber der Hauptact: Ayọ bestritt die ersten beiden Songs allein mit Gitarre, bevor ihre drei Musiker auf die Bühne kamen. Klar geht es bei ihr nicht so ab wie bei „meinen“ sonstigen Punk- und Ska-lastigen Konzerten, aber tanzbar war ihre Songauswahl durchaus und sie hat einfach bestens mit dem Publikum interagiert – was sicherleich auch an der clubbigen Location lag.

Merci der Besten und auch Ayọ für den schönen Abend. (Und auch dem RB, weil er den midi-monsieur ins Bett brachte.)

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* Wobei ich tatsächlich eh wenig Discos in Frankfurt kenne.

** Ich habe bislang nur wenig gute Vorbands erlebt.

Frühjahrsputz

… oder auch: Alles muss ab.

Eigentlich wollte ich es ja schon im Februar mit der Besten ausprobieren, aber da ergab sich kein Termin. Auch der März war voll. Und so ergab es sich, dass ich meinen ersten Hamam-Besuch mit dem RB hatte. Für ihn war es auch das erste Mal.

Dank der Beschreibung auf der Webseite fühlten wir uns nicht ganz unbedarft und hatten eine grobe Vorstellung, was uns erwartet.

Was uns beide – neben dem Effekt der Bahandlung selbst – beeindruckt hat, war, dass man es tatsächlich direkt an der Konsti schafft, eine so ruhige und entspannende Atmosphäre zu schaffen.

Das eigentliche Hamam ist nicht so groß. Alles in weißem Marmor. Die Temperatur war – für uns beiden Hitzemuffel – sehr angenehm und das ständige Sich-mit-Wasser-Begießen war auch erstaunlich angenehm – auch wenn uns die letzten* 5 Minuten sehr lang vorkamen und noch weitere 5 Minuten meinem Kreislauf auch nicht gut getan hätten. Aber so weit kam es ja nicht, denn als wir maximal aufgeweicht waren, ging es weiter und wir wurden intensiv mit dem Kese behandelt. Wow, das Hautgefühl war schon krass danach: „Softtouchoberfläche“ nennt der RB es. Der ganze Winterdreck ist ab.

Dann gab es Tee und Ruhe und zum Abschluss noch eine Rückenmassage.

Entspannt an Buddha

Das war bestimmt nicht unser letztes Mal. (Ich gehe mit der Besten definitv auch noch hin.)

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* Dafür hatten wir Spaß mit einer Dame, die nackig zu uns kam, weil sie ihr Duschgelfläschchen nicht aufbekam. Und versuchten das Kopfkino loszuwerden, nachdem wir die Regel „Nicht im Hamam rasieren“ lasen… jaja, jede Regel hat eine Vorgeschichte.