Neuer Alltag

Der Alltag, der sich im Schulhalbjahr vor den Sommerferien entwickelt hat, hat uns wieder. Aber er ist – zum Glück (aus verschiedenen Gründen) – modifiziert…

… Das Kind hat nun Schwimmunterricht …
… und Englisch.
… Es gibt eine neue Mathelehrerin.
… Er hat jeden Tag von der 1. bis mindestens zur 5. …
… und so insgesamt 26 Wochenstunden.
… Er möchte an der Theater-AG teilnehmen (und freut sich über Daumen dafür).
… Hobbies – Aikido und Rugby – sind geblieben, aber …
… beim Rugby ist er nun in der U10 …
… mit anderen Trainern, größerem Feld und härterem Training.

Ich habe auch noch eine Modifikation, die ich hier und da mal integriere. Aber letztlich tangiert sie den Alltag nicht.

Haarig, farbig

Ich kann nicht sagen, dass ich gar keine Unterschiede bemerke, aber sie sind irgendwie „diffus“. Soll heißen, für mich nicht so wirklich greifbar. Aber vielleicht kann ich mich beim Schreiben dem annähern.

Ich bin von Natur aus blond. Ziemlich hellblond sogar. Und ich habe das Blond lange sehr gemocht. So sehr, dass ich mir regelmäßig (noch) hellere Strähnchen habe machen lassen. Die Länge der Haare war recht variabel – zwar nicht kürzer als Kinnlänge, aber auch schon deutlich über Schulterlänge. Was dabei immer war: Die Stirn war frei. Das kann man jetzt psychologisch deuten. Kann man aber auch lassen.

Der Wunsch nach bunten Haaren persistiert eigentlich in mir, seit ich mir mit 16 (oder war’s 17?) Jahren die Haare erstmals mit Midnight Blue getönt hatte. Damals war ich jung und eh als das „verrückte Huhn“ verschrien. Geschockt hat das wirklich keinen. Es hat sich auch – trotz recht sehr konservativem Gymnasium – nicht negativ auf das Verhalten mit mir oder gar auf meine Noten ausgewirkt. Auch für meine Eltern waren die blauen und die folgenden bunten Haare kein Thema.

Nach dem Blau kam Grün, Lila und Lila mit Grün. Und dann war mit meinem ersten langjährigen Freund Schluss, ich wechselte den Freundeskreis und war wieder blond (und brav, hahaha).

Mit 21 hatte ich nochmal eine kurze blaue Episode.

Während des zweiten also des Biochemie-Studiums dachte ich zwischenzeitlich darüber nach. Gepasst hätte es irgendwie, aber diese Studiumsphase war … ach … irgendwie speziell.

Dann fing ich meinen ersten Job an – in einem sehr konservativen Umfeld. Und ich glaube, dass mich das „wachgerüttelt“ hat: DAS war nicht ich. Ich bin nicht so konservativ. Der Wunsch nach blauen Haaren wuchs. Aber es war klar, dass ich mir das in meiner Position nicht erlauben konnte: Ich hatte einmal pinke Strähnen machen lassen (das Ergebnis war auch tatsächlich eher ein Unfall und ich war froh, dass die Farbe schnell ausfiel), die man deutlich sah. Das wurde von meiner damaligen Chefin auch entsprechend kommentiert. Mein Kompromiss danach waren drei bunte Strähnen unterm Deckhaar: tiefrot und blau.

Als ich schwanger war und der midi-monsieur noch klein, war so viel los, dass ich nicht über Farbe im Haar nachdenken konnte und wollte. Außerdem war ich ja noch bei meinem ersten Arbeitgeber. Die Haare waren langweilig lang und blond gesträhnt. Insgesamt ziemlich „normal“ und „angepasst“ (und das meine ich aus meiner Warte).

Beim Jobwechsel nach Hamburg dachte ich das erste Mal wieder über bunte Haare nach. Im beruflichen Umfeld hätte es vermutlich gepasst. Allerdings wäre es im Wohnumfeld nicht gut angekommen. Wir hatten eh schon unter einem Teil unserer Nachbarn zu leiden, da hätten bunte Haare noch mehr Öl ins Feuer gegossen und als wir etwas gesattelter waren, ging es zurück nach Frankfurt und in einen neuen Job und da wollte ich auch nicht direkt auffallen. Und dann kam halt die vielen Jobwechsel, die einfach keine Zeit ließen, über Haarfarbe nachzudenken.

Blaue Haare
Bei der letzten Kündigung und als klar war, dass ich mich selbstständig machen würde, war für mich klar, dass ich JETZT die Gelegenheit hätte, wieder blaue Haare zu tragen. Ich verabschiedete mich auch schon mit blauen Haaren von der Agentur.

Vielleicht war es ein Wagnis, mich mit blauen Haaren bei potentiellen Auftraggebern vorzustellen, aber ich habe NIE das Gefühl gehabt, dass die Haarfarbe ein Problem darstellte. Aber ich habe die Haare auch nie thematisiert (weder aktiv noch passiv): Sie waren halt blau und ich habe sie selbstbewusst getragen – mit einer ziemlichen „Es interessiert mich nicht, was ihr über mein Äußeres denkt“-Attitüde. Und ich denke auch, dass das das Relevante ist/ war. Klar waren sie hier und da Gesprächsstoff oder es diente als Eisbrecher. Aber sobald ich mich inhaltlich äußere, tritt die Haarfarbe in den Hintergrund.

Wobei ich mich natürlich über Komplimente zu den bunten Haaren sehr freue. Wenn es nur mit gefallen würde, würde ich durchaus darüber nachdenken, ob das wirklich das Wahre ist.

Im Privaten – also Freunde und nähere Bekannte – kam die Farbe gut an. Einige kannten mich ja schon mit bunten Haaren von früher. Andere kannten meinen Wunsch. Geschockt war niemand wirklich.

Wo es tendenziell schwierig war und vielleicht meiner Reputation nicht zuträglich war, war in neuen tendenziell konservativen Kreisen: Schule und Rugby-Club. Ich war den Leuten erstmal suspekt. Aber das war ein Ding der Erwachsenen. Die Kinder fanden es interessant und der midi-monsieur sagt, dass er niemals was Blödes deswegen gehört habe.

Auf Männer hatten die blauen Haare auch Wirkung: Entweder stößt sie total ab, oder Mann findet es schick, sich mit was „Außergewöhnlichem“ zu schmücken. Manche finden es interessant, denken aber letztlich „Meine Partnerin soll bittedanke nicht so rumlaufen“.

Was sich mit dem Blau stark geändert hat, ist der Haarschnitt: Ich trage Pony, Mittelscheitel und kann mir gerade nicht vorstellen, dass die Haar viel länger als ein Longbob sind.

Schwarz
Die Sache mit dem Schwarz war ein Kurzschluss. Ich konnte das Blau nicht mehr sehen. Aus tausend Ecken kamen Menschen mit bunten Haaren. Ja, die blauen Haare waren mir auf einmal zu gewöhnlich. Ich hatte schwarz allerdings als Haarfarbe für mich immer ausgeschlossen: zu hart, zu dunkel. Doch dann stand da ein Rest schwarzes Haarspray rum vom midi-monsieur’schen Harry-Potter-Kostüm und ich sprühte es mir kurzerhand auf die Haare und war … begeistert.

Das Schwarz war nicht so lange drauf, dass ich wirklich was zur Außenwirkung sagen kann. Im Vergleich zum Blau sieht es natürlich viel normaler aus. Was mich – mein zweiter Vorname ist Widerspruch – nicht stört. So war es in den beschriebenen „konservativen Kreisen“ war es auf einmal einfacher. Auch wenn sich wohl viele mittlerweile an des Blau gewöhnt hatten. Ansonsten habe ich viele Komplimente bekommen. Es gibt einige, die das Schwarz besser finden als das Blau. Und ich kann das verstehen. Am liebsten mag ich das Blau auch, wenn es frisch drauf ist. Je mehr es auswäscht, desto spezieller sieht es aus.

Das Problem ist allerdings, dass das Schwarz auch nicht sonderlich gut hält (vielleicht nur hielt) in meinen Haaren: Es blich schnell aus und ich hatte grüne Spitzen. Das war nicht schön. Auch die professionelle Färbung beim Friseur konnte das nicht verhindern.

Das war auch ein Grund, warum ich mir bei der letzten Tönung ein Violett, also was mit Rot, auf die Haare geschmiert habe. Die Haare sind jetzt ziemlich einheitlich – mal abgesehen vom blonden Ansatz, der das Violett voll angenommen hat – und bis in die Spitzen braun. Braun mit einem leichten Rot-Violett-Stich, aber letzten Endes sind sie braun.

Ziemlich braun irgendwie. Also die Haare.

A post shared by @littlebinf on Aug 3, 2017 at 11:01am PDT

Frau Wagnerwahn hat schon recht. Und so ist vermutlich auch meine Außenwirkung: brav, angepasst. Es gefällt. Und ich weiß auch, dass es nicht schlecht aussieht, aber irgendwie bin das nicht ich. Ich finde es langweilig.

Aber vielleicht hält ja jetzt das Schwarz wieder besser, wenn die widerspenstigen Spitzen gezähmt sind.

Entschädigung

Der Tag fing spät an. Und weil ich etwas Aufwand betrieb, kam es zu einem noch späteren Marktfrühstück.

Die knapp 360 Minuten lange anschließende Begegnung kann muss ich mir z.B. mit dem langen Spaziergang schön reden.

Aber trotzdem wäre ich ziemlich frustriertgenervt nach Hause gegangen, hätte ich nicht noch eine tolle, spontane Twitterbegegnung gehabt.

90 Minuten Entschädigung.

Nicht nett

Man glaubt es kaum, aber ich kann auch nicht nett sein. Nicht richtig böse. Dann hätte ich aufgelegt, aber sicherlich war es alles andere als nett, bei der Unterhaltung über Sternzeichen und dass ganzganz sicher 50 Prozent der Eigenschaften immer stimmen, nebenbei sehr nett zu whatsappen. Aber anders hätte ich das Gespräch auch nicht überstanden, ohne doch noch einfach aufzulegen.

Ich sollte an meiner Höflichkeit arbeiten.

Nichts

Gefühlt habe ich heute nichts gemacht. Was nicht ganz stimmt. Aber ich habe nichts Sinniges gemacht. Und nun habe ich am Ende des Tages Kopfschmerzen vom Nichtstun, also vom erfolgreichen Ablenken.#

Nunja, es muss auch mal solche Tage geben.

Blöd nur, dass sie sich nach hinten raus tendenziell rächen.

10 – 3 – 7

Oder auch Oktober 2016, März und Juli 2017 – innerhalb eines dreiviertel Jahres dreimal zu einem Konzert der gleichen Band ist vielleicht etwas verrückt, aber sie – New Model Army – waren sind es wert.

Und zur eigenen Belohnung für meine Mühen (haha), gab es heute ein Fan-Shirt.

Schlechter Witz

Ich habe es nicht so mit Witzen. Früher konnte ich mal ganz viele (schlechte) Blondinenwitze. Mittlerweile muss ich präpubertäre Witze ertragen, die der midi-monsieur aus Schule und hort mitbringt. Leider hat er das Witzerzähltalent meiner Mutter geerbt, was die Witze nicht wirklich erträglicher macht.

Der einzige (schlechten, aber nicht Blondinen-) Witz, den ich noch kenne, geht so:

Mann: „Hätte ich gewusst, dass Du noch Jungfrau bist, hätte ich mir mehr Zeit gelassen.“
Frau: „Hätte ich gewusst, dass Du Dir Zeit lässt, hätte ich die Strumpfhose ausgezogen.“

Ja, der ist flach und schlecht und überhaupt. Aber trotzdem musste ich heute daran denken, als ich einen Drink serviert bekam und die Bedienung auf meinen etwas irritierten Blick ins Glas sagte: „Hätte ich gewusst, dass Du den Gimlet in einer Schale haben willst, hätte ich es entsprechend weitergegeben.“

Tja, hätte ich gewusst, dass der Gimlet bei Euch* mit einem Riesen-Eiswürfel und ohne Limettenzeste** serviert wird, hätte ich nen GinTonic bestellt.

An den Gimlet aus der Luna Bar kommt eh nichts ran. Und auch wenn er geschmacklich ok war mit dem Gin Mare: SO sieht ein Gimlet einfach nicht aus.

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* Sugar
** Das Glas fand ich befremdlich aber nicht ausschlaggebend für meinen Unmut.