Nunja.

Richtig wenig Schlaf war das nicht heute Nacht, aber irgenwie gestückelt. Nunja. Da meine Projekte zur Zeit etwas auf sich warten lassen, habe ich aber morgens keinen Stress. Das ist zur Zeit sehr luxoriös, da der RB und ich den Tag so entspannt angehen lassen konnten.

Nachdem es gestern gewaltig schief gelaufen war, dass der Kv VOR den Hausaugaben da war, war für heute vereinbart, dass er erst kommt, wenn das Kind mit den Hausaufgaben fertig ist. Nunja. Er begann um 14h00 mit den Hausaufgaben. Ich ging irgendwann duschen, suchte etwas im Keller, kümmerte mich um mein MTB, wechselte einen Schlauch, weckte eine Mini-Portion Hexensud ein, packte meinen Rucksack, programmierte Else. Und dann war es 16h00 Uhr, der Kv mittlerweile da und der midi-monsieur so gerade eben fertig. Nunja. Ich fuhr dann los, um den Ingwersirup auszuliefern.

Die knapp 5 Kilometer nach Südosten über den Main fuhren sich dank des angenehmen Wetters gut. Allerdings muss das Rad dringend in die Inspektion. Etwas blöd war nur der latente Unterzucker, weil das mit der Nahrungsaufnahme zur Zeit gefühlsbedingt etwas suboptimal läuft. Nunja. Vor dem Rückweg hatte ich noch was gegessen und zu Hause dann auch noch schnell etwas, bevor ich zum Elternabend musste.

Der erste Elternabend mit der neuen Klassenlehrkraft war gut. Und – nunja – die recht umfassende Fehlleistung der alten Klassenlehrkraft wurde einmal mehr als deutlich. Nicht nur uns Eltern, sondern auch der neuen Klassenlehrkraft. Nunja, aber ICH habe ja immer was gegen die Schule und die Lehrkraft gehabt und eh alles besser gewusst.

Danach tatsächlich kurz und sachlich mit dem Kv über das Kind ausgetauscht. Es geht anscheinend doch. Nunja.

Als ich dann endlich allein in der Wohnung war – abgesehen von einem schnurchelnden midi-monsieur -, habe ich den ersten Versuch der Gin-Experimentereihe gemacht. Nunja, da sind noch ein par Modifizierungs- und wohl auch Optimierungsoptionen. Ich bin gespannt.

Später dann noch endlich die Tickets für die Abholung des Kinds gordert. Nicht nur der Ticketkauf, sondern auch die Abholung selbst auf dem letzten Drücker. Nunja. Dafür findet eine Fahrt zu zweit und eine zu dritt statt.

Blau

Wer weiß schon, wie viele so schöne Tage wir noch haben, bevor es wirklich kalt und vor allen Dingen össlig wird.

Der Blick auf die WetterApp zeigte 20 °C und der Gang auf den Balkon offenbarte: sonnig, aber im Schatten etwas frischer*. Perfektes Bike-Wetter. Ich plante mit Else die Route, machte das Rad klar und schon ging es los.

Unter strahlend blauem Himmel fuhr ich quer durch die Felder nach Friedrichsdorf und wieder zurück.

Sosososo schön!

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* Weswegen ich die lange Radhose, sowie ein langärmliges Untershirt (unter dem kurzärmeligen Trikot) entschied. Und auf der Hinfahrt hoffte, dass mein Rückfahr-Ich meinem leicht schwitzendem Hinfahr-Ich danken würde.

Raus

Das Wetter nutzen, solange es da ist. Mit dem Gedanken habe ich heute das Rad mit in die Landeshauptstadt genommen. Also nicht mein Mountainbike, sondern das Stadtrad. Das nicht einfach nur ein Rad ist, sondern ein fahrbares Erinnerungsstück. Es ist das uralte Motobécane-Rad meines Vaters, auf dem ich in jungen Jahren durchaus viel durch Bielefeld gerast bin, wenn gerade mal wieder ein Rad von mir kaputt oder geklaut war.

Der Plan war eigentlich, die Strecken zum und von den jeweiligen Bahnhöfen mit dem Rad zurückzulegen. Aber als in Wiesbaden klar war, dass ich früher loskomme als gedacht, bemühte ich Else und plante eine Strecke quer durch nach Höchst. Denn quer durch ist halt schon etwas kürzer als am Main lang. Aber halt immer noch 31 Kilometer lang. Aber es fuhr sich erstaunlich gut und zügig – trotz „Gurke“ und Rucksack auf dem Rücken. Das Wetter war bestens und die Strecke sehr schön.

Ich hätte noch mehr fahren können. Wenn ich könnte, würde ich zur Zeit dauerhaft fahren und draußen sein. In Bewegung bin ich gerne mit mir allein. Dann bekomme ich klare Gedanken. Aber Stillstand ertrage ich zur Zeit nicht. Vielleicht bin ich auf der Flucht.

Erstes Mal

Weil ich ja etwas bescheuert bin und diese Rugby-Sache so toll finde – also den Sport als solches und im Besonderen für den midi-monsieur – hatte es mich letztens geritten, als ich letztens via instagram auf ein – wie ich finde – cooles Gimmick aufmerksam gemacht wurde. Zu bestellen in den USA. Meine erste USA-Bestellung überhaupt. Da sich die „shipping“-Kosten in Grenzen hielten und ich obendrein noch was umsonst bekam, musste ich das einfach mal machen.

Gestern hatte ich dann Post vom Zollamt im Briefkasten (heute nochmal, aber das ist eine andere und deutlich unschönere Geschichte). Und weil ich nach meinem Ausflug in die Landeshauptstadt früher wieder da war als geplant und das Wetter super war, beschloss ich, mich direkt darum zu kümmern. Ich las alles genau, druckte noch die Rechnung für die Bestellung aus, machte noch ein paar andere Dinge fertig, die ich auf dem Weg regeln wollte und düste los. Kurzer Stopp bei der Post, Geld abheben und ein Paket aufgeben (dank PostBox kurz und schmerzlos). Auf das Auslösen des Pakets vom KV an sich, adressiert aber an das Kind, verzichtete ich erstmal, weil die Schlange so lang war.

Weit war es zum Zollamt nicht und bei dem schönen Wetter machte das Hinradeln auch Spaß. Es ist auch gut ausgeschildert, sodass ich es kaum verfehlen konnte.

Zuerst ging ich ins angegebene Büro. Da wartete ein durchaus hübscher Zollbeamte* darauf, mir mein Päckchen auszuhändigen. Er war wohl dankbar, dass ich alle Unterlagen ordnungsgemäß bereit hatte und auch wusste, was in dem Paket ist. Während er ausrechnete, wieviel ich noch an Einfuhrzoll zahlen müsste, durfte ich in das Päckchen gucken. Ohne Päckchen, aber mit Einfuhrabgabenbescheid musste ich dann zur Zahlungsstelle.

Dann musste ich mit dem gestempelten Bescheid wieder zurück, vorzeigen und durfte meine Beute mitnehmen.

Mir gefällt’s.

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* Sein Name steht auf dem Bescheid. Hm…

Selten

Heute Nacht hatte ich ziemlich schlecht geschlafen. Das ist dem Wecker und der Schule vom midi-monsieur aber herzlich egal. Und so war ich früh wach und habe, als das Kind aus dem Haus war, direkt gearbeitet.

Dann kamen aber fiese Kopfschmerzen und die Müdigkeit mit Macht und ich legte mich hin. Später als geplant, aber wenigstens fitter wachte ich auf. Und ich hatte Hummeln im Hintern: Gestern Abend hatte ich eine kleine Radtour geplant und ich wollte musste aufs Rad. Davor musste ich noch etwas arbeiten. Was immer etwas blöd ist, da ich dann meistens vergesse zu essen.

Erst als ich mich zum Radfahren umzog, dachte ich daran, dass ich bestimmt nicht mit leerem Magen fahren sollte und aß noch schnell eine Banane und trank einen halben Liter Wasser. Das ist nicht so viel, aber für die 20 Kilometer sollte es reichen, dachte ich.

Doch ich hatte die Strecke, die ich nur in Teilen kannte, und die Mittagssonne unterschätzt. Nach 7 Kilometern geriet ich in einen Brenesseldschungel und nach gut 11 Kilometern musste ich eine fiese Steigung hoch (absteigen war keine Option). Bei Kilometer 13 ging es auf meinen liebsten Trail, der aber viel Konzentration kostet. Ich merkte wie die Körner flöten gingen und beschloss, dass ich die folgende noch fiesere Steigung allem Stolz zum Trotz schieben würde.

Am Fuße des Anstiegs radelte ich doch ein paar Meterchen weiter, merkte dann aber schnell, dass ich absteigen musste, wenn ich nicht samt Rad umfallen wollte. Ich stand also neben meinem Rad und mir war auf einmal sehr sehr schlecht. Ich versuchte zu schieben, aber ich kam nur ein paar Schritte weit. Ich musste das Rad hinlegen und erstmal atmen. Ganz bewusst atmen. Irgendwann ging es etwas besser und ich schob im Schneckentempo weiter, wusste ich doch, dass am Ende des Anstiegs eine Bank sei.

An der Bank angekommen war mir gar nicht gut. Mir war so schwummerig, dass ich mich auf die Bank legen musste.

Nach 5 Minuten liegen und flach atmen ging es wieder etwas besser. Ich setzte mich auf und trank etwas, ärgerte mich, nichts Essbares mitgenommen zu haben und motivierte mich dann selbst, dass es nur noch knapp 6 km bis nach Hause seien und nun keine nenneswerte Steigung mehr käme.

Nach einer weiteren Weile schwang ich mich wieder aufs Rad und radelte nach Hause.

Puh, das habe ich zum Glück sehr selten bzw. auch schon sehr lange nicht mehr gehabt. Aber ich muss mir unbedingt wieder schnelle Kohlenhydrate in den Rucksack packen.

Aber es ist einfach zu schön, rings um Frankfurt durchs Gelände zu gurken.

Verquatscht

Nach einem tollen Tag mit 34 km Radeln, der ersten Brombeere vom Strauch, einem tollen Treffen mit Frau Rabe, Frau Hasenherz, Frau Halbesachenblog und Lia, einem kurzen Treffen mit der liebsten Freundin und ihrem Freund, die mich und das Rad freundlicherweise nach Hause brachten, schnellem Aufräumen des Kinderzimmers, dem Einzug von Frau Rabe und ihren Minions bei mir, was wir mit einer Grillade feierten, friedlichem Spiel und entspanntem Einschlafen der Minions, Beobachten des Gewitters haben Frau Rabe und ich uns ziemlich verquatscht.

Felsenmeer

Vor langer Zeit haben im Lautertal zwei Riesen gelebt – der eine auf dem Felsberg, der andere auf dem Hohenstein. Eines Tages bekamen sie Streit und begannen, Felsbrocken aufeinander zu werfen. Der Hohensteiner Riese war im Vorteil: Er hatte viel mehr Steine zum Werfen. Er traf den Felsberger Riesen und dieser wurde unter einem „Meer aus Felsen“ begraben …

Ich bin nicht nur bekennende Frankfurterin, sondern auch Hessen-Liebhaberin. Es gibt so viele schöne Ecken. Der häsische Rundfunk tut auch sein Bestes, einem dieses interessante Bundesland schmackhaft zu machen.

Schon lange stand das Felsenmeer auf meiner Bucketlist. Jetzt war es endlich soweit. Ich fragte die sporty Freundin, ob sie und ihr Freund mitkommen wollen würden. Sie wollten und wir planten, da wir beide keine Auto haben, mit den Rädern im Zug bis Bensheim zu fahren und von da dann die knapp 9 km per Pedale zu erledigen.

Hier auch ein Lob an die Bahn (ja, ein Lob), denn zuerst dachten wird, dass ein Schönes-Wochenende-Ticket eh schon ziemlich günstig ist: Für 3 Erwachsene und ein Kind hätten wir für den ganzen Tag 48 Euro zahlen müssen. Aber bei der Recherche auf der website, „empfahl“ die Bahn, auch alternativ nach den Länder-Tickets zu gucken und siehe da: Das Hessen-Ticket ist noch günstiger – nur 35 Euro (für bis zu 5 Personen).

Gestern standen wir etwas später auf als geplant. So hatten wir nur anderhalb Stunden für Frühstück, packen, Bremsbelege wechseln und losdüsen. Während ich duschte, ging der midi-monsieur Brötchen holen. Dann kurzes Frühstück, kurze Klamotten-Panik, bis mir einfliel, dass ich die eine Jeans, die am Saum so ausgefranst ist, einfach abschneiden kann, Rucksack packen und schnell (Cantilever sei dank) die Bremsbelege gewechselt. Pünktlich fuhren wir los zum Bahnhof.

In Bensheim fanden wir schnell auf unser Strecke. Ich hatte ja zwei Alternativen geplant und mich dann für die mountainbikigere entschieden (und dabei das Höhenprofil etwas unterschätzt). Nach dem ersten Anstieg noch in der Stadt „munterte“ uns ein ortskundiger Fußgänger auf: „Das wird noch heftiger.“

Puuh, ja. Er hatte recht. Zwischen den Weinbergen ging es sehr steil hoch, was wir doch nur schieben konnten. Zumal die Sonne direkt über uns stand. Aber bald kam Schatten und das Höhenprofil war spannend. Der midi-monsieur hat sich bestens gemacht. Und einen Großteil der Steigungen haben wir nicht wegen ihm geschoben. Es ging halt lange berghoch. Aber schön war es:

Unterwegs fuhren wir am hessischen Stonehenge vorbei.

Nein, kein Stonehenge-Nachbau, sondern ein „Jerusalem Friedensmal„. Nunja. Da hatten wir zumindest schon den fiesesten Teil der Strecke hinter uns und waren bald an der „target destination“*.

Wir schlossen die Räder an, erhaschten einen ersten Blick aufs Felsenmeer, mussten dann aber erst was trinken, denn unsere Vorräte hatten wir auf der Fahrt aufgebraucht. Der midi-monsieur war nach zwei Schluck trinken und einer halben Laugenstange wieder fit und erkundete schonmal das Terrain, während wir Erwachsenen picknickten. Irgendwann waren dann auch unsere Energien wieder da und los ging es: Natürlich zu Fuß über die Felsen …

Der midi-monsieur und der Freund der Freundin kletterten bis zur Brücke. Die Freundin und ich nahmen ab der dritten Station den Weg. Dann gingen wir alle zusammen durch den Wald zurück.

Dann tranken wir noch was, füllten die Wasserflaschen auf und schwangen uns dann etwas übersützt auf die Räder. Die Rückfahrt ging super. Durchs Lautertal ging es konstant leicht bergab, sodass wir die knapp 9 km in 30 Minuten schafften und rechtzeitig den nur stündlich fahrenden Zug zurück erwischten. (Ich danke meinem total unmütterlichen Fahrrad-Ich, dass ich keine Angst habe, mit dem midi-monsieur im Straßenverkehr Rad zu fahren.)

Die Rückfahrt mit dem klimatisierten (!) Zug war entspannt. Dann trennten sich unsere Wege.

Der midi-monsieur und ich radelten nach Hause. Schon auf der Fahrt überfiel mich ein schlimmer Melonen-Jieper und ich überlegte die Fahrt über, ob der auf dem Weg befriedigt werden kann. Aber ich wollte erstmal nach Hause. Wir legten die Sachen ab und dann verkündete ich dem Kind, dass ich nochmal kurz zum türkischen Lädchen wolle und rechnete schon mit Gemeckere. Aber er schnappte sich seinen Helm und begleitete mich (zu Fuß) auf seinem Roller.

Auf dem Rückweg checkten wir, welche Essenslocation fussballfrei wäre und klärten mit unseren Mitradlern, dass wir noch zusammen essen gehen wollen.

Als wir uns frisch geduscht trafen, fiel die Wahl auf die Weiße Lilie, in der man ja samstagabends sonst eigentlich nie spontan einen Tisch bekommt, aber dank Fußball und Lage weit entfernt von irgendwelchen Fußball zeigenden Restaurants konnten wir draußen sitzen und bei leckeren Tapas, Paella und weißem Rioja den schönen Tag ausklingen lassen.

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* Der Freund der Freundin ist Ire und spricht nur Englisch. Auf dem Rückweg sprachen wir nochmal über die Tour und ich mir fiel kurzfristig nicht der richtige Ausdruck für „Ziel(ort)“ ein, wusste aber, dass „target“ falsch ist. Dann fiel mir destination ein und wir verstanden uns und diskutierten noch target vs destination und er meinte, für den Ausflug, als Ende der Strecke, würde es „target destination“ heißen.-

Das brennt!

Ich predige dem midi-monsieur ja immer wieder: „Nicht quatschen, sondern machen.“ Denn er kann reden, reden, reden und in der Zeit hätte er mindestens einen Bachelor in was auch immer machen können.

Ich quatsche meist weniger und mache stattdessen. Für gewöhnlich habe ich vor dem Machen darüber nachgedacht. Nur halt nicht geredet, was wohl zu der Annahme verleitet, ich würde immer impulsiv agieren. *hüstel*

Seit heute weiß ich, dass ich das vielleicht mehr sollte, also nicht denken, sondern einfach machen. Denn …

… am Dienstag beim Radkauf für den midi-monsieur (second hand; ist sein Geburtstagsgeschenk von Oma und Opa) sah ich direkt, dass die Bremsbelege erneuert werden müssten.

… am Mittwoch fuhr ich an einem Radladen vorbei und dachte daran, dass ich die Gelegenheit ja nutzen könnte, die Bremsbelege zu holen. Aber ich war gedanklich im Tattoo-Modus und schob den Gedanken damit weg, dass wir ja erst am Samstag eine längere Radtour machen wollen und ich dann ja noch den Freitag habe.

… heute dachte ich noch bei unserer kleinen Radtour – wir hatten uns spontan doch auf die Räder geschwungen -, als der midi-monsieur zu Beginn des Downhills (Steigung und Bodenbelag rechtfertigen diese Bezeichnung) unbedingt mit dem neuen Rad – Oma hatte erlaubt, das neue Rad schon vor dem Geburtstag zu nutzen – vorfahren wollte, dass er ganz schön mutig ist. Ich hörte ihn noch juchzen und hatte ihn dann wegen einer kleinen Kurve nicht mehr im Blick. Als ich um diese bog, hörte ich nur mein Kind brüllen. Irgendwie eher panisch denn vor Schmerzen.

Als ich ihn sah, sah ich ihn stehend. Brüllend, aber stehend. Das war schon mal ein gutes Zeichen. Aber irgendwas war passiert. Ein paar Wanderer kümmerten sich um ihn und um sein Rad. Ich stieg vom Rad und ging auf ihn zu. Er konnte nicht sprechen, wedelte nur wie wild mit den Armen und schrie: „Das brennt!“ Ich guckte mich um und da sagte einer der hilfsbereiten Passanten, dass er volle Kanne in Brennnesseln gerauscht sei. Er habe zwar noch gebremst, aber hatte so eine Geschwindigkeit, dass es nicht zu verhindern gewesen sei. Dazwischen brüllte der midi-monsieur immer wieder: „Das brennt!“ und mir schoss durch den Kopf: „Die Bremsen!“ und ich war sehr froh, dass es „nur“ Brennesseln waren, in die er gefahren ist. Wären die nicht gewesen, wäre es ein Gebüsch mit kleinen Bäumen gewesen. Das hätte unschön enden können.

Er tat mir so leid. Ich hätte ihn gerne in den Arm genommen, aber es war klar, dass das keine gute Idee gewesen wäre. Wir konnten den Quaddeln beim Aufblühen zugucken – an beiden Armen, den Unterschenkeln und – besonders fies – im Gesicht. Das musste brennen wie Hölle und tat es auch. Der arme midi-monsieur litt.

Nach einer Weile beruhigte er sich ein wenig und ließ sich die Arme mit Wasser abwaschen. Die Wanderer zogen weiter. Und ich überlegte, was wir nun tun könnten. Wir standen mitten im Enkheimer Ried: Dahin zurück, woher wir kamen, hätte bedeutet, dass wir bergauf hätten schieben müssen. Weiterfahren (bis nach Hause) war halt noch ein Stück. Ich überlegte, ob wir irgendwo mit dem Taxi geholt werden können, denn einen Krankenwagen ins Ried zu beordern, fand ich bei Brennesseln doch etwas zu viel. Ja, der midi-monsieur litt, aber er zeigte zum Glück keinerlei allergische Reaktion.

Ich erklärte dem Kind, dass er noch ein kleines Stück fahren müsste. Er war nicht erfreut, aber biss die Zähne zusammen und stieg aufs Rad. Er fluchte und fluchte und fluchte. Ich konnte es ihm nicht verdenken. Aber er fuhr. Tapfer. Er meinte, beim Bewegen würde er das Brennen nicht so spüren. Das zeigte sich deutlich, als wir anhielten, weil ich gucken wollte, welches die nächste Notdienst-Apotheke war (bei uns im Viertel). Wir kamen an einer U-Bahn-Station vorbei: „Nein, Mama, jetzt ist es ja nicht mehr weit.“ Wir fuhren die Apotheke an und kauften eine große Tube Fenistil, die wir direkt großflächig anwendeten, und fuhren dann nach Hause.

Da schaute ich dann, was man bei Brennnessel-Verbrennungen tun kann / soll und überzeugte den midi-monsieur, dass er sich unter die maximal lauwarme Dusche stellte und auch abseifte. Ich schmierte danach die kritischsten Stellen – Arme – nochmal mit Fenistil ein. Danach legte er sich ins Bett und guckte Netflix leer.

Als ich ihm um 20h30 Momo vorlas, kribbelte es nur noch ein bisschen und wir hoffen beide, dass es morgen überstanden ist.