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Ich habe heute 23 mal den Namen vom midi-monsieur auf irgendwelche Hefte, Hefthüllen, Ordner, Namensschilder, einen Stift und ein Lineal geschrieben.

Ich hätte den Namen noch viel öfter schreiben können, aber ich habe davon abgesehen, jeden einzelnen Bunt- und Bleistift, Abspitzer und Radiergummi zu beschriften. Das ging in den letzten zwei Schuljahren nach dem durchbeschrifteten Einstiegssatz auch problemlos ohne.

Und ja, wir hatten auch mal so Aufkleber, aber irgendwie ist es mir das nicht wert. Und ja, der midi-monsieur kann seinen Namen auch selbst schreiben. Aber ich jammere ja gar nicht, dass ich es gemacht habe. Ich habe es nur festgestellt.

Für alle, bei denen die Schule morgen losgeht: Guten Schulstart. Allen anderen wünsche ich noch schöne Ferien!

Haarig, farbig

Ich kann nicht sagen, dass ich gar keine Unterschiede bemerke, aber sie sind irgendwie „diffus“. Soll heißen, für mich nicht so wirklich greifbar. Aber vielleicht kann ich mich beim Schreiben dem annähern.

Ich bin von Natur aus blond. Ziemlich hellblond sogar. Und ich habe das Blond lange sehr gemocht. So sehr, dass ich mir regelmäßig (noch) hellere Strähnchen habe machen lassen. Die Länge der Haare war recht variabel – zwar nicht kürzer als Kinnlänge, aber auch schon deutlich über Schulterlänge. Was dabei immer war: Die Stirn war frei. Das kann man jetzt psychologisch deuten. Kann man aber auch lassen.

Der Wunsch nach bunten Haaren persistiert eigentlich in mir, seit ich mir mit 16 (oder war’s 17?) Jahren die Haare erstmals mit Midnight Blue getönt hatte. Damals war ich jung und eh als das „verrückte Huhn“ verschrien. Geschockt hat das wirklich keinen. Es hat sich auch – trotz recht sehr konservativem Gymnasium – nicht negativ auf das Verhalten mit mir oder gar auf meine Noten ausgewirkt. Auch für meine Eltern waren die blauen und die folgenden bunten Haare kein Thema.

Nach dem Blau kam Grün, Lila und Lila mit Grün. Und dann war mit meinem ersten langjährigen Freund Schluss, ich wechselte den Freundeskreis und war wieder blond (und brav, hahaha).

Mit 21 hatte ich nochmal eine kurze blaue Episode.

Während des zweiten also des Biochemie-Studiums dachte ich zwischenzeitlich darüber nach. Gepasst hätte es irgendwie, aber diese Studiumsphase war … ach … irgendwie speziell.

Dann fing ich meinen ersten Job an – in einem sehr konservativen Umfeld. Und ich glaube, dass mich das „wachgerüttelt“ hat: DAS war nicht ich. Ich bin nicht so konservativ. Der Wunsch nach blauen Haaren wuchs. Aber es war klar, dass ich mir das in meiner Position nicht erlauben konnte: Ich hatte einmal pinke Strähnen machen lassen (das Ergebnis war auch tatsächlich eher ein Unfall und ich war froh, dass die Farbe schnell ausfiel), die man deutlich sah. Das wurde von meiner damaligen Chefin auch entsprechend kommentiert. Mein Kompromiss danach waren drei bunte Strähnen unterm Deckhaar: tiefrot und blau.

Als ich schwanger war und der midi-monsieur noch klein, war so viel los, dass ich nicht über Farbe im Haar nachdenken konnte und wollte. Außerdem war ich ja noch bei meinem ersten Arbeitgeber. Die Haare waren langweilig lang und blond gesträhnt. Insgesamt ziemlich „normal“ und „angepasst“ (und das meine ich aus meiner Warte).

Beim Jobwechsel nach Hamburg dachte ich das erste Mal wieder über bunte Haare nach. Im beruflichen Umfeld hätte es vermutlich gepasst. Allerdings wäre es im Wohnumfeld nicht gut angekommen. Wir hatten eh schon unter einem Teil unserer Nachbarn zu leiden, da hätten bunte Haare noch mehr Öl ins Feuer gegossen und als wir etwas gesattelter waren, ging es zurück nach Frankfurt und in einen neuen Job und da wollte ich auch nicht direkt auffallen. Und dann kam halt die vielen Jobwechsel, die einfach keine Zeit ließen, über Haarfarbe nachzudenken.

Blaue Haare
Bei der letzten Kündigung und als klar war, dass ich mich selbstständig machen würde, war für mich klar, dass ich JETZT die Gelegenheit hätte, wieder blaue Haare zu tragen. Ich verabschiedete mich auch schon mit blauen Haaren von der Agentur.

Vielleicht war es ein Wagnis, mich mit blauen Haaren bei potentiellen Auftraggebern vorzustellen, aber ich habe NIE das Gefühl gehabt, dass die Haarfarbe ein Problem darstellte. Aber ich habe die Haare auch nie thematisiert (weder aktiv noch passiv): Sie waren halt blau und ich habe sie selbstbewusst getragen – mit einer ziemlichen „Es interessiert mich nicht, was ihr über mein Äußeres denkt“-Attitüde. Und ich denke auch, dass das das Relevante ist/ war. Klar waren sie hier und da Gesprächsstoff oder es diente als Eisbrecher. Aber sobald ich mich inhaltlich äußere, tritt die Haarfarbe in den Hintergrund.

Wobei ich mich natürlich über Komplimente zu den bunten Haaren sehr freue. Wenn es nur mit gefallen würde, würde ich durchaus darüber nachdenken, ob das wirklich das Wahre ist.

Im Privaten – also Freunde und nähere Bekannte – kam die Farbe gut an. Einige kannten mich ja schon mit bunten Haaren von früher. Andere kannten meinen Wunsch. Geschockt war niemand wirklich.

Wo es tendenziell schwierig war und vielleicht meiner Reputation nicht zuträglich war, war in neuen tendenziell konservativen Kreisen: Schule und Rugby-Club. Ich war den Leuten erstmal suspekt. Aber das war ein Ding der Erwachsenen. Die Kinder fanden es interessant und der midi-monsieur sagt, dass er niemals was Blödes deswegen gehört habe.

Auf Männer hatten die blauen Haare auch Wirkung: Entweder stößt sie total ab, oder Mann findet es schick, sich mit was „Außergewöhnlichem“ zu schmücken. Manche finden es interessant, denken aber letztlich „Meine Partnerin soll bittedanke nicht so rumlaufen“.

Was sich mit dem Blau stark geändert hat, ist der Haarschnitt: Ich trage Pony, Mittelscheitel und kann mir gerade nicht vorstellen, dass die Haar viel länger als ein Longbob sind.

Schwarz
Die Sache mit dem Schwarz war ein Kurzschluss. Ich konnte das Blau nicht mehr sehen. Aus tausend Ecken kamen Menschen mit bunten Haaren. Ja, die blauen Haare waren mir auf einmal zu gewöhnlich. Ich hatte schwarz allerdings als Haarfarbe für mich immer ausgeschlossen: zu hart, zu dunkel. Doch dann stand da ein Rest schwarzes Haarspray rum vom midi-monsieur’schen Harry-Potter-Kostüm und ich sprühte es mir kurzerhand auf die Haare und war … begeistert.

Das Schwarz war nicht so lange drauf, dass ich wirklich was zur Außenwirkung sagen kann. Im Vergleich zum Blau sieht es natürlich viel normaler aus. Was mich – mein zweiter Vorname ist Widerspruch – nicht stört. So war es in den beschriebenen „konservativen Kreisen“ war es auf einmal einfacher. Auch wenn sich wohl viele mittlerweile an des Blau gewöhnt hatten. Ansonsten habe ich viele Komplimente bekommen. Es gibt einige, die das Schwarz besser finden als das Blau. Und ich kann das verstehen. Am liebsten mag ich das Blau auch, wenn es frisch drauf ist. Je mehr es auswäscht, desto spezieller sieht es aus.

Das Problem ist allerdings, dass das Schwarz auch nicht sonderlich gut hält (vielleicht nur hielt) in meinen Haaren: Es blich schnell aus und ich hatte grüne Spitzen. Das war nicht schön. Auch die professionelle Färbung beim Friseur konnte das nicht verhindern.

Das war auch ein Grund, warum ich mir bei der letzten Tönung ein Violett, also was mit Rot, auf die Haare geschmiert habe. Die Haare sind jetzt ziemlich einheitlich – mal abgesehen vom blonden Ansatz, der das Violett voll angenommen hat – und bis in die Spitzen braun. Braun mit einem leichten Rot-Violett-Stich, aber letzten Endes sind sie braun.

Ziemlich braun irgendwie. Also die Haare.

A post shared by @littlebinf on Aug 3, 2017 at 11:01am PDT

Frau Wagnerwahn hat schon recht. Und so ist vermutlich auch meine Außenwirkung: brav, angepasst. Es gefällt. Und ich weiß auch, dass es nicht schlecht aussieht, aber irgendwie bin das nicht ich. Ich finde es langweilig.

Aber vielleicht hält ja jetzt das Schwarz wieder besser, wenn die widerspenstigen Spitzen gezähmt sind.

Jetlag

Natürlich war mir – so rein vom Verstand – klar, dass der Übergang vom (zu) langen Kv-Aufenthalt wieder in den schnöden Alltag mit mir nicht so easy-peasy sein wird. Und war es nach den letzten Papa-Zeiten neben den sehr weit interpretierten Ferienschlafzeiten eher das Papa-Vermissen, das uns zu schaffen machte, ist es wohl diesmal die (zu) lange Trennung von mir.

Und ich stecke in einem Dilemma. Ich bin die Tochter meines Vaters eine latente Eremitin und gewöhne mich schnell an den Zustand des Alleinseins – vor allen Dingen daran, dass nicht dauerhaft jemand an mir rumzusselt. Ich habe ein durchaus sehr innige Beziehung zum midi-monsieur. Und ich finde das auch gut so. Aber ich bin auch froh, dass der midi-monsieur immer selbstständiger wird und so haben wir in unserem Alltag eine – für uns beide – gute Mischung zwischen (körperlicher) Nähe und Eigenständigkeit.

Nun also sucht der midi-monsieur Nähe, viel Nähe. Und ich will, dass UNSER Alltag einfach wieder so funktioniert, wie er vor der Papa-Zeit funktioniert hat.

Und dadurch, dass diese beiden Pole an mir zerren, hänge ich zwischen dem „Druck“, meinem Kind – so wie es sich für eine erwachsene Mutter gehört – zu geben, was er will/ braucht, und meinem Wunsch bzw. Bedürfnis, authentisch zu bleiben. Dieses Kind hat so empfindliche Antennen, dass er sicherlich spürt, wenn ich etwas nicht aus mir heraus mache. Aber ich will auch nicht, dass er seine Bedürfnisse zurücksteckt.

Wir müssen wohl beide wieder im Alltag ankommen.

Vergessen

Warum nur vergesse ich immer wieder, wie wohl ich mich im Wasser und beim Schwimmen fühle?!

Heute waren wir auf Wunsch vom midi-monsieur im Schwimmbad und ich bin mal eben einen Kilometer geschwommen.

Das tat so gut. Warum vergesse ich das immer wieder?

Alltag

Übermorgen hole ich den midi-monsieur wieder. Dann haben wir noch eine Woche Schonfrist, bis der Alltag wieder beginnt.

Und ich bin so ambivalent wie schon lange nicht mehr. Die vier Wochen waren ziemlich lange. Nicht nur für mich. Es war eine Woche zu viel. Ich habe mein Kind zwischendurch sehr vermisst. Natürlich habe ich die kindfreie Zeit auch genossen und vielleicht habe ich mich durch die lange Zeit ohne den midi-monsieur auch ein bisschen zu sehr an meine Freiheiten gewöhnt. So sehr, dass ich jetzt schon überlege, wie ich mir auch in der Standby-Zeit qualitative kindfrei Zeiten verschaffen kann. Und so nachvollziehbar der Gedanke ist, so schäbig komme ich mir dennoch vor. Denn ich freue mich sehr darauf, mein Kind am Freitag wieder in den Arm nehmen zu können.

Ich freue mich auch auf den Alltag. Ich mag die Struktur, die ich dadurch habe. Doch so definiert vieles ist, so variabel sind ein paar andere Dinge. Und ich weiß nicht, wie viel Variabilität ich und auch der midi-monsieur vertragen; wie viel Variabilität ich will.

Objektiv und subjektiv haben wir uns mit allem gut arrangiert und unseren Rhythmus gefunden. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich Stillstand und „das war schon immer* so“ nicht ertrage. Das Leben will bewegt werden, muss in Bewegung bleiben. Doch wo hört Bewegung auf und wo fängt stressiges Durchrütteln an? Und wann ist dann Alltag nicht mehr Alltag?

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* so 4-6 Monate 😆

Interessant

Heute Abend mal wieder Kopfschmerzen. Nicht toll. Eher nervig. Und dann fiel mir ein, dass ich bis morgen noch Unterlagen zum Behördenzentrum bringen muss.

Als ich anfing, die Papiere zu suchen, kam mir der Gedanke, dass ich die Suchzeit ja als Einwirkzeit für die neue Färbung nutzen könnte. Kurz haderte ich, ob das mit den Kopfschmerzen so eine gute Idee wäre, aber, ach, irgendwie wollte ich mit dem Färben nicht warten, damit ich am Samstag gegebenfalls nochmal drüber könnte, falls mir die neue Farbe nicht gefallen sollte.

Die Unterlagen sind gefunfen. Die neue Farbe gefällt.

Interessanterweise sind nun auch die Kopfschmerzen weg.