Normalität

Sicherlich wäre es schlauer gewesen, heute zu Hause im Bett zu bleiben und die Seuche auszukurieren. Aber ich kann den midi-monsieur schlecht allein in den Zug setzen.* Sicherlich kommt das irgendwann, aber 8 ist dafür kein Alter.

Und daher fuhr ich heute 4 Stunden nach Paris und auch 4 wieder zurück. Dazwischen hatte ich knapp 2 Stunden Aufenthalt. Der midi-monsieur und Kv verabschiedeten sich recht schnell, sodass mir noch etwas Zeit mit mir blieb.

Und was mache ich in der Zeit?! Ich gehe ein paar Sachen einkaufen. Also Lebensmittel. Lebensmittel, die es in Deutschland nicht gibt (oder nicht so günstig). Dann setze ich mich in den Bahnhof, essen ein Pain au Chocolat und lese das Internet leer.

Ja, ich bin krank und zwei Stunden sind nicht lang. Viel hätte ich eh nicht machen können. Aber es fühlte sich so normal an, mal eben nach Paris rein- und wieder rauszufahren.

Es war auch erschreckend normal für meine Augen, die schwer bewaffnete Soldaten durch und um den Bahnhof patroullieren zu sehen.

Normal war auch – immer noch – der Sprachswitch von Deutsch auf Französisch, das relativ problemlose Verständigen im Geschäft.

So ganz schlüssig bin ich mir noch nicht, ob ich diese Normalität gut finde.

Kürchen

So ging es mir vor zehn Tagen und es war ziemlich unerträglich. Der Akku war leer. Sicherlich müsste ich auch endlich mal richtigen Urlaub machen, aber … ach .. selbst und ständig. Und so kurzfristig ging es eh nicht.

Nach dem Rat von Inkanina und mit meinem zusammengekratzen Wissen beschloss ich, dass ich mal endlich wieder das Vitamin D nehme, dass ich ja seit fast zwei Jahren mehr oder weniger regelmäßig nehme. Dazu habe ich mir dann noch Vitamin-B12 (mit Zink) und – viele jemals schwanger gewesenen Frauen werden nun verständnislos den Kopf schütteln – Floradix Kräuterblut besorgt. Herrje, das war vielleicht ein Gedöns im Reformhaus. Seit der Schwangerschaft mit dem midi-monsieur hat sich auch in diesem Marktsegment einiges getan und so gibt es nun – gefühlt – 100 Kräuterblutvarianten. Ich habe micht trotzdem für den Klassiker entschieden.

Das alles nehme ich seitdem mehr oder weniger regelmäßig. Und ja, ich würde durchaus behaupten, dass es mir mittlerweile deutlich besser geht. Müde bin ich immer noch, aber das könnte auch durchaus daran liegen, dass ich etwas wenig schlafe.

Naja, mal sehen, was die Ärztin im Dezember beim Check-Up sagt.

Lernen?

Ob ich es nochmal lerne, Wichtiges nicht aufzuschieben, sondern so schnell wie möglich zu erledigen?

Wobei es ja auch nicht auf alles Wichtige zutrifft. Manche Dinge erledige ich ja durchaus gerne und auch umgehend.

Ein Muster ist möglicherweise zu erkennen. Nun halt die Frage, ob ich es noch lernen.

Social Jetlag

Es ist ja gar nicht so, dass ich nicht unter Leute komme. Es geht – aufgrund des Single-Mom-Status – nicht immer so, wie ich es gerne hätte, und oft ist auch das Kind dabei, aber ich treffe mich mit Menschen. Denn ich brauche soziale Kontakte.

Ich bin aber auch gerne allein. Ich finde es tatsächlich sehr angenehm, dass im Alltag abends, wenn der midi-monsieur im Bett ist, für gewöhnlich keiner mehr da ist, auf dessen Wünsche, Bedürfnisse ich Rücksicht nehmen muss. Ist das sehr kauzig? War ich schon immer so? Oder hat mich die letzte Beziehung so negativ geprägt, dass ich mir nicht mehr vorstellen kann, wie es anders wäre?

Und dann verbringe ich einen schönen Abend mit tollen Menschen. Und direkt danach noch einen bei der lieben Jette. Allein, also ohne Kind. Ja, sowas genieße ich. Ich genieße, dass sowas gerade – weil der Kv da ist – ohne großen Aufwand möglich ist. Ich mache sowas auch ohne Kv vor Ort, aber mit Babysitterin muss ich halt immer auf die Uhr gucken.

Allerdings fühlte ich mich gestern, als ich nach Hause kam, komisch. Ich kam in die vermeintlich leere Wohnung, die natürlich nicht leer war, aber der midi-monsieur und der Kv schliefen um 1h30 schon. Doch es fühlte sich leer an. Und in mir fühlte es sich auch leer an und mir wurde klar, dass diese Leere dieses jähe Gefälle zwischen tollem Sozialkontakt und dann wieder Alleinsein ist. Ich kam nach Hause und da war niemand. (Eigentlich ja schon, aber letztlich halt auch nicht.) Niemand, der mich fragt: „Wie war der Abend? Hattest Du Spaß?“

Ein komisches und ehrlich gesagt auch ungutes Gefühl, aber ich weiß halt nicht (siehe oben, Stichwort „kauzig“), ob ich da wirklich entscheidend und womöglich dauerhaft gegensteuern will.

Und ob es nötig ist: Da ich dieses Gefühl an Babysitterabenden nicht habe, wie mir heute im Laufe des Tages aufging. Denn die Babysitterin fragt zuverlässig, wenn ich nach Hause komme, wie der Abend war.

#bhvn8

Als vor Kurzem mal wieder Bahnhofsviertelnacht war und es mir hier und da in die SocialMedia-Timeline gespült wurde, spürte ich so ein unangenehmes Gefühl: Dieses Event fühlt sich – für mich – falsch an. Aber ich konnte nicht genau erklären warum.

Dann erreichte mich dieser Link (Der Text ist heftig, vor allem zum Ende hin, aber das sollten wir aus unserer bequemen Bürgerlichkeit heraus mal ertragen).*

Und auf einmal wurde mir klarer, warum: Ich finde die Bahnhofsviertelnacht sehr grenzwertig. Ich war einmal da. Für einen Abend wird gefeiert, sich in der Masse sicher gefühlt und diejenigen, für die das Bahnhofviertel die letzte Zuflucht ist, werden verdrängt. Nicht nur temporär. Die Gentrifizierung ist insbesondere im Bahnhofviertel massiv. Das Moseleck wird auf einmal „kultig“. Aber in die Taunus- oder Niddastraße außerhalb der Behanhofsviertelnacht trauen sich die wenigsten – außer man will beim Mian essen.

Und ich finde dieses Einfallen der Hipstermassen in die Leben dieser Menschen schon fast widerlich. Früher wurden in Zirkussen und auf Jahrmärkten „komische“ Menschen ausgestellt. Heute geht man sie halt angucken – in ihrem natürlichen Habitat. Und ist dabei froh genug, dass sie so auf der Kaiserstraße nicht zu sehen sind.

Und da ist das Problem: Nicht zu sehen bedeutet nicht, dass es die Drogenkranken und Prostituierten nicht gibt. Sie werden halt verdrängt.

Ich habe dafür keine Lösung und fühle mich selbst im Bahnhofsviertel unwohl genug. Aber die Entwicklung finde ich eher suboptimal.

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* Ergänzend dazu empfehle ich die Lektüre von „Die Anschafferin“.

23

Ich habe heute 23 mal den Namen vom midi-monsieur auf irgendwelche Hefte, Hefthüllen, Ordner, Namensschilder, einen Stift und ein Lineal geschrieben.

Ich hätte den Namen noch viel öfter schreiben können, aber ich habe davon abgesehen, jeden einzelnen Bunt- und Bleistift, Abspitzer und Radiergummi zu beschriften. Das ging in den letzten zwei Schuljahren nach dem durchbeschrifteten Einstiegssatz auch problemlos ohne.

Und ja, wir hatten auch mal so Aufkleber, aber irgendwie ist es mir das nicht wert. Und ja, der midi-monsieur kann seinen Namen auch selbst schreiben. Aber ich jammere ja gar nicht, dass ich es gemacht habe. Ich habe es nur festgestellt.

Für alle, bei denen die Schule morgen losgeht: Guten Schulstart. Allen anderen wünsche ich noch schöne Ferien!