Selbstwahrnehmung

Auch wenn es heutzutage nicht sonderlich angesehen ist, mit seiner Figur zu hadern, weil jede*r ja was wert ist, egal wie dick oder dünn, kann und will ich nicht aus meiner Haut bei diesem Thema.

Mir ist es ziemlich egal, was andere über meine Figur denken. Und ich habe bislang auch noch nichts Negatives erfahren. Und vermutlich vielleicht irgendwie ist meine Figur auch ganz in Ordnung. Aber sie gefällt mir nicht. Ja, ich habe da sicherlich ein Problem, dass ich meinen Körper nicht so annehmen kann und will, wie er ist. Da nützen mir auch die Bodypositiv-Bewegung nichts.

Nein, ich will kein Hungerhaken sein. Auch wenn ich mal – zu Teeniezeiten – knapp 50  Kilogramm gewogen und – Bildern nach zu urteilen – relativ dünn war, geht es mir nicht darum, wieder so dünn zu sein. Das schaffe ich eh nie wieder, macht auch keinen (gesundheitlichen) Sinn. Was ich aber auf den Bildern sehe und das ist auch das, was mir „fehlt“: Mir gefallen meine Proportionen auf den Bildern. Ich hatte schon immer Rundungen. Ich war die erste in der Klasse mit nennenswertem Busen, der gefühlt ewig nicht aufhören wollte zu wachsen, womit ich aber nie gehadert habe (außer wenn er sich beim PMS bemerkbar machte). Ich hatte eine – in meinen Augen – wirklich schöne Taille und auch meine Hüften waren schon immer etwas breiter, passten aber ganz gut zum Rest.

Das verlor ich irgendwann Anfang meiner 20er, als ich den Fehler machte, mit der Pille verhüten zu wollen. Ich nahm relativ schnell relativ viel zu. Was ich allerdings nur ganz bedingt wirklich wahrnahm. Fragt nicht, ich kann das nicht erklären.

Ender meiner 20er Jahre war ziemlich viel im Um- und Aufbruch und ich schaffte es tatsächlich, mein Essensverhalten zu ändern und trieb vermehrt Sport. Mit 30 wog ich etwas unter 70 Kilo und das fühlte sich ziemlich gut an. In die Schwangerschaft startete ich mit knapp 70 Kilo. Während der Schwangerschaft nahm ich 18 Kilo zu und danach recht schnell 13 Kilo ab.

Tja, doch davon nahm ich im Laufe der Zeit ein Großteil wieder zu. Die Gründe sind vielfältig und vielschichtig. Wohl fühlte ich mich nicht. Weder in meiner Haut, noch mit meiner Figur (bestimmt durchs Gewicht) und letztlich erst recht nicht mit meinem Leben. Aber ich nahm dieses Unwohlsein ja lange Zeit gar nicht richtig wahr.

Mittlerweile hat sich viel verändert und der Ballast der Nach-Schwangerschaftszeit ist weg – auf eigentlich allen Ebenen. Ich habe relativ schnell nach der Trennung wahrgenommen, dass mein Körper nicht die Form hat, die ich gerne hätte. Ich fühlte (und war) sehr unförmig. Aber es dauerte noch etwas, bis ich dazu kam bzw. mir die Muße nahm, das anzugehen.

Seit dem Paris-Trip war ich aber wieder angefixt. Das Fahrrad ist seitdem nicht mehr nur Transportmittel, sondern auch Sportgerät. Und seit fast einem halben Jahr mache ich ja auch relativ regelmäßig Workouts (sprich, ich hüpfe zu youtube-Videos).

Natürlich tut sich was dadurch. Das merke ich ja auch.

Aber eben … ich finde meine Hüften noch immer zu breit, meinen Bauch nicht flach genug, die Taille ist auch noch nicht in Wunschform und von dem fiesen Rückenspeck mal zu schweigen.

Und so aufgeschrieben klingt das ziemlich krass und steht auch leicht konträr zu dem, was ich im Spiegel sehe – zumindest, wenn ich nicht nackt bin.

Eigentlich ist das schon ganz hübsch und in Ordnung.

Vielleicht werden meine Selbstwahrnehmung und ich ja noch Freundinnen.

Lichtblicke 2017

Kurz zusammengefasst kann ich sagen: „Mir geht es gut.“ 2017 war im Großen und Ganzen ein ziemlich gutes, spannendes und interessantes Jahr. Hier und da war es nicht so toll. Aber das gehört auch dazu und wie ließe sich das Tolle genießen, wenn es immer da wäre?! Auch für den midi-monsieur war es ein gutes Jahr. Es sind einige Prozesse in Bewegung gekommen und ich sehe, wie er wieder zu sich selbst findet. Allein dafür bin ich so dankbar.

Januar: Der Monat ähnelt sehr dem vorjährigen Januar. Ich hole das Kind in Paris ab und habe Gelegenheit, durch Frankreichs Hauptstadt zu spazieren. Ich habe – wie immer – Geburtstag. Diese Mal gewinne ich die vierte Null. Weil der beste Kumpel auch nullt und feiert, mache ich mich extra auf den Weg nach Bielefeld. Auch habe ich wieder mit meinen Zähnen zu tun – der nächste Implantatversuch. Ebenso wie 2016 nutzen der midi-monsieur und ich den sich kurz und heftig blicken lassenden Schnee und machen eine tolle Wanderung mit Schlitten. Aber ich mache auch Sachen, die ich 2016 nicht gemacht habe: Der midi-monsieur und ich treffen ein paar Twitterer, ich bin erstmals auf einer Thermomix-Veranstaltung, ich fange an Pussyhats zu stricken und beende den Monat mit einem Konzert.
Lichtblicke des Monats: Schneeausflug, Sabaton-Konzert

Februar: Sehr arbeitsintensiv ist der zweite Monat des Jahres. Beim The-Good-Wife-Bingewatching stricke ich wie besessen Auftrags-Pussyhats. Die Beste hat Geburtstag und lädt in die Schweizer Alpen ein. Die Zahngeschichte wird nicht besser und – noch weiß ich es nicht – sie wirkt sich komplett systemisch aus. Der midi-monsieur fängt mit Rugby an und es soll wohl sein Sport sein. Ich gerate kurzfristig in die Frankfurter Bildungspolitik, aber ich muss mit meinen Energien haushalten.
Lichtblick des Monats: Wochenende in den Alpen, der midi-monsieur als Harry Potter

März: Die Zahngeschichte treibt mich weiter um und macht sich – ich sehe die Korrelation immer noch nicht – weiterhin körperlich stark bemerkbar. Im Job ist viel zu tun. Wir besuchen eine Freundin in Wiesbaden, feiern einen 50. Geburtstag. Ich gehe auf Konzert Nr. 2 (des Jahres und der Band). Die erste Radtour des Jahres geht von Raunheim bis nach Hause. Der midi-monsieur geht mit einer Schulkameradin zur Kinderkunstnacht und ich darf als Gouvernante dabei sein. Das Rugby-Training findet nun ausschließlich draußen statt und das ist eigentlich ziemlich nett. Von jetzt auf gleich bin ich das Blau auf meinem Kopf leid und färbe die Haare schwarz. Das Thema Schule und Hort bschäftigen das Kind und mich ziemlich und ich fälle Entscheidungen. Die Grie-Soß-Saison wird eingeläutet.
Lichtblicke des Monats: Radtour, New-Model-Army-Konzert

April: Die ersten zwei Wochen sind Schulferien. Ich bringe also erstmal den midi-monsieur nach Paris und nutze dann die kindfreie Zeit: Fahre nach Heidelberg, weil ich zum Essen eingeladen wurde. Wandere die Straße ein paar Häuser weiter, weil ich zum Essen eingeladen wurde. Ich fahre viel Rad und wandere. Ins Kino und Theater schaffe ich es auch endlich mal wieder. Der Kv bringt das Kind zurück und bleibt ein paar Tage. Nach den Ferien beginnt der midi-monsieur eine wichtige Maßnahme, die damit einher geht, dass wir die Hortzeiten verkürzen müssen (was sehr wohltuend für ihn ist). Außerdem nimmt die Rugby-Sache in diesem Monat gewaltig an Fahrt auf.
Lichtblicke des Monats: Radtour nach Ockstadt, Theater, Rugby-Jugendtunier 

Mai: Ein schöner Monat. Vor allem ab dem 11., denn da wurde das Implantat rausgenommen und es geht mir schlagartig besser. Ich schaffe es sogar alle (!!) Fenster meiner Wohnung zu putzen. Im Job hänge ich ein bisschen durch. Der midi-monsieur ist im Rugby angekommen und es macht ihm großen Spaß und tut ihm gut. Gefühlt bin ich mit diversen Planungen für Juni und Anfang Juli beschäftigt. Aber ein paar Mal auf dem Rad war ich bzw. waren wir schon. Und mit den Besten ging es in den Tigerpalast.
Lichtblicke des Monats: Felsenmeer, Tigerpalast, Pickert selbst backen

Juni: Der Monat ist so voll, dass ich fast nicht dazu komme, den Geburtstag vom midi-monsieur vorzubereiten. Aber der Juni ist SEIN Monat. Doch erstmal fahren wir nach Strasbourg und haben – nach dem Krankenhausausflug am ersten Abend – ein sehr schönes Pfingstwochenende zusammen. Es gibt ein Klassenfest, bei dem die Kinder ein Theaterstück aufführen. Es gibt zwei Rugby-Termine – einmal Frankfurt (sehr entspannend) und einmal in Mittelfrankreich (sehr stressig). Der Kv kommt zum Geburtstag des Kindes (an dem das Kind erstmal krank ist). Meine Eltern kommen, als der Kv weg ist. Wir gehen zusammen in den Zirkus. Das Kind und ich fahren zur Gartyparty. Und ich gehe aufs Depeche-Mode-Konzert. Schlussendlich bin ich froh, dass die Geburtstagsparty mit den Kumpel im Kletterpark stattfindet und ich so kaum Vorbereitungsstress hatte. Der Schulmist erfährt einen Höhepunkt in Form eines Gesprächs mit der Schulleitung. Dafür ist das Zeugnis erfreulich gut und wir starten entspannt in die Ferien.
Lichtblick des Monats: Strasbourg (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7), FlicFlac, Klettergeburtstag

Juli: Weil der Juni so actionreich war, setzen wir den Juli erstmal so fort und fahren nach Basel bzw. Suburbia, um Frau Brüllen und Familie zu besuchen und den Roche-Turm zu besichtigen. Von da aus geht es nach Rust, weil ich dem Kind einen Besuch im Europa-Park geschenkt hatte. Bevor ich fünf Tage später nach Paris bringe (damit er vier Wochen beim Kv verbringt), übernachtet sein bester Kumpel bei uns. Ich bekomme dann direkt unbekannten Übernachtungsbesuch aus dem Internet. Und ja, das kann ich nur empfehlen! Danach fahre ich zu Menschen aus dem Internet, um Geburtstag zu feiern und nutze die Gelegenheit, um mir doch die Pet Shop Boys anzugucken. Ich muss beruflich nach Leipzig und dann darf ich zum zweiten Mal in diesem Jahr New Model Army sehen. Ich lasse mir mein zweites Tattoo stechen. Ansonsten bin ich viel draußen. Das Rad will bewegt werden. StOffeL und Sommerwerft laden ein.
Lichtblicke des Monats: Frau Rabe und Kids zu Besuch, Pet Shop Boys, New Model Army

August: Dieser Monat führt zu einigen Neuerungen und Umbrüchen, die auch über die kommenden Monate weiter wirken.
Nach vier Wochen, in denen ich mich zwischenzeitlich doch um das Kind gesorgt habe, hole ich den midi-monsieur in Paris ab. Er hat in der letzten Ferieneoche Rugby-Camp. Direkt mit der neuen Mannschaft. Ich habe mir vorgenommen, nun regelmäßig zu Hause etwas rumzuturnen (Workouts), was gut funktioniert und zu einer liebgewonnenen Routine wird. Dann geht auch die Schule wieder los und wir müssen uns in dem neuen Alltag einfinden. Viele Extra-Aktivitäten machen wir daher nicht: Schwimmen, Freunde treffen, Geburtstage, Tattoo Nr. 3 für mich, Rad fahren.
Lichtblicke des Monats: Kino, draußen sein können

September: Wir haben uns so langsam eingegroovt. Rugby nimmt viel Zeit in Anspruch, aber das ist ganz gut so. Halb Frankfurt wurde wegen einer Fliegerbombe evakuiert. Der Kv kommt zu Besuch und das ist ziemlich einfach nur anstrengend (ich bin immer noch genervt). Aber es gibt mir Gelegenheit auch mal im Alltag Dinge nur für mich zu machen (weil ich es einfach mache). Wir nutzen ein Rugby-Wochenende in der Nähe meiner Eltern, um ebendiese zu besuchen. Ich gehe auf die Buchpremiere der lieben Mama Schulze. Erstmals kümmere ich mich bereits im September um einen Adventskalender – und zwar um meinen. Ansonsten bin ich ein bisschen mit mir beschäftigt.
Lichtblicke des Monats: Buchpremiere, meine Eltern sehen

Oktober: Puhh, dieser Monat ist so aufreibend. Vor allem emotional ab Mitte. Aber erstmal sind mal wieder Ferien und der midi-monsieur verbringt nur eine Woche beim Kv. In der Kindfrei-Woche mache ich die üblichen Dinge: Leute treffen, wandern, Radfahren. Die zweite Ferienwoche ist wieder Rugby-Camp. Ich habe im Job viel zu tun und eigentlich fühlt sich das ganz gut an. Zumal ich auch wieder motiviert bin. Und erstmals muss ich auf einen Übernacht-Businesstrip, seitdem ich alleinerziehend bin.
Lichtblicke des Monats: Nacht-Spaziergang, Radtouren, die Beste sehen

November: Ein immens arbeitsintensiver Monat. Ich muss zweimal über Nacht zu einem Termin und auch sonst häufen sich die Projekte. Dazu kommt noch, dass es einscheidende Veränderungen für die Klasse vom midi-monsieur gibt und ich in meiner Funktion als Elternbeirätin gefordert bin. Es liegt sehr viel an in diesem Monat und daher bin ich nicht undankbar, dass der midi-monsieur so erkältet ist, dass ich ihn nicht guten Gewissens zum Outdoor-Rugby-Training schicken kann. Wir haben mal wieder eine unbekannte Internet-Übernachtungs-Gästin. Ich schaffe es tatsächlich den diesjährigen Backwahn zu planen, aber es dauert noch, bis ich in medias res gehen kann. Und weil mir ja anscheinend langweilig ist, habe ich noch Termine bei Zahn- und Frauenärztin. Zum Monatsabschluss geht es nach Friedberg, um mit Keksen und Punsch endlich in Adventsstimmung zu kommen.
Lichtblicke des Monats: Einigkeit der Klasseneltern, dass die Übernacht-Geschäftsterminen bzgl. midi-monsieur gut klappen, Hilfe bekommen, Adventsanglühen

Dezember: Einen Monat mit einem Konzert zu starten und dann noch mit einem der Toten Hosen, ist nicht das Schlechteste. Doch dann erwischt es mich und ich bin krank. Was aber auch nichts daran ändert, dass ich zu einem letzten Geschäftstermin nach Leipzig fahren muss. Die Situation der Klasse beschäftigt weiterhin. Dem midi-monsieur geht es – völlig verständlich – mit der neuen Situation sehr gut. Meine Hühner-Freundinnen und ich treffen uns zum obligaten (und schönen) Weihnachtsessen. Ich schaffe es tatsächlich alle Kekse zu backen und auch adventlich zu dekorieren und so ist zum Adventskaffee alles wie es sein soll und es ist ein sehr schöner Nachmittag. Das Kind wird für die Weihnachtsferien abgeholt. Danach heißt es für mich: Schlafen, Twühwein, Stadtgeläut, The Busters, Kunst und Kultur.
Lichtblicke des Monats: Toten Hosen, Adventskaffee, The Busters, keine Arthrose im Knie

Das war ein ziemlich gutes und spannendes Jahr, an dem viele Menschen beteiligt waren. Ich danke Euch von Herzen fürs Dasein, Mitlesen, Unterstützen, Kritisieren, Daumendrücken, Mitfreuen, Folgen und Entfolgen, Bereichern!

Startet gut ins neue Jahr, macht das beste draus!

Karöttchen

Ich muss ja gestehen, dass ich bis zur Verurteilung von Kristina Hänel dachte, dass Schwangerschaftsabbrüche generell straffrei sind. Über die Bewerbung von Schwangerschaftsabbrüchen habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Dass es §219 gibt, wusste ich nicht. Ich kenne ja das HWG und fand, dass das ausreicht und auch zu Recht Werbung im Gesundheitsbereich reglementiert (wobei ich mich immer noch frage, warum plastische Chirurgen werben dürfen).

Dann las ich mich ein bisschen ins Thema ein. Und seitdem kommt mir regelmäßig die Galle hoch, wenn ich irgendwie auf das Thema stoße. So auch beim Besuch der „Glanz und Elend“-Ausstellung (Text aus der Schirn-Ausstellung):

1871 war das Abtreibungsverbot unter Paragraf 218 ins Reichsstrafgesetzbuch aufgenommen worden. Nicht nur die Schwangere, die abtrieb, konnte nun mit Gefängnis bestraft werden, sondern auch derjenige, der den Abbruch vornahm. Als Machtinstrument der Geburtenpolitik wurde das Thema zum Gegenstand einer öffentlichen Debatte, geprägt auch durch Juristen, Mediziner, Kirchen und Parteinen sowie die sich formierende Frauenbewegung. In der Weimarer Republik wurde die Abtreibungsdebatte zum Synonym für die Gesellschaftskritik und zu einer Volksbewegung, welche die unterschiedlichsten progressiven Kräfte aus Bürgertum und Arbeiterschaft vereinte. Die Forderung nach dem „Recht am eigenen Körper“ gewann im Zuge des 1918 eingeführten Frauenwahlrechts erneut an Aktualität. In zahlreichen Büchern und Theaterstücken, aber auch in der bildenden Kunst wurde das brennende Thema aufgegriffen.

Bis zum Ende der Inflation 1924 stand insbesondere die arme, kinderreiche Proletariarin als Opfer der sozialen Verhältnisse, versinnbildlicht im staatlich verordneten „Gebärzwang“, im Fokus der Proteste. […] Die entscheidenden Impulse für die Mobilisierung der Bevölkerung entstanden unter dem Eindruck der mit der Massenarbeitslosigkeit einhergehenden Weltwirtschaftskrise. Aber alle in den folgenden Jahren von USPD, SPD und KPD im Reichstag eingebrachten Aufhebungsanträge bliebe erfolglos. Trotz zahlreicher Bündnisse, zahlloser Kampagnen und Massendemostrationen gelang es nicht, den Paragraphen abzuschaffen.

Mal ehrlich: 1871 … Reichsstrafgesetzbuch?! Die Menschheit befindet sich im 21. Jahrhundert, aber der weibliche Körper ist in Deutschland weiterhin im 19. Jahrhundert hängengeblieben.

Der Frau wird weiterhin eine Entscheidung über den eigenen Körper nicht wirklich zugetraut. Die Frau braucht Beratung. Eine Beratung, die aber nicht der Frau dienen soll, sondern dem „Schutz des ungeborenen Lebens“. Als würde auch nur eine Frau diese Entscheidung leichtfertig fällen. Und als wäre sie (mental, intellektuell) nicht in der Lage die Reichweite einer solchen Entscheidung zu erfassen.

Ich frage mich gar nicht, warum der Gesetzgeber das nicht ändern will. Denn es ist klar, dass es letztlich der Sicherung des Patriarchats und der konventionellen Rollenbilder dient. Die vielen Rechte, die Frauen heutzutage bereits haben, sind vielen Altvorderen ja eh schon mehr als suspekt. Von der (katholischen) Kirche mal ganz zu schweigen.

Aber warum lassen wir Frauen das mit uns machen? Warum akzeptieren wir, dass wir uns, weil §218 weiterhin besteht, bei einem Schwangerschaftsabbruch irgendwie ja doch strafbar machen. Dank (eigentlich gibt es da nichts zu danken) §218a mit Auflagen ist ein Abbruch nicht mehr gesetzlich strafbar, aber doch moralisch. Eine ohnehin schon schwere Entscheidung wird – unnötig – noch schwerer gemacht.

Was muss eigentlich passieren, dass Frauen sich nicht mehr mit so kleinen Karöttchen zufrieden geben? Warum sind Frauen froh um jedes – noch so kleine – Zugeständnis und wagen nicht einen (großen) Schritt weiter? Diese ganzen Rechte für Frauen und entsprechenden Gesetzgebungen dazu sind – mal abgesehen vom Wahlrecht, das 2018 seit 100 Jahre besteht – teilweise noch so verdammt jung, dass ich tatsächlich befürchte, dass diese nach dem Motto „Last comes, first goes“ als erste übern Jordan gehen, sollte es politsch und gesellschaftlich (weiter) kippen.

Danke für nichts

Ich könnte jetzt meckern. Über den RMV. Wobei der RMV dann wieder sagen würde, dass er ja gar nicht für mein Problem zuständig ist, sondern der traffiQ. Oder wer auch immer. Das ist nämlich ein bisschen sehr nervig, dass wir zwar einen tollen Verbund haben, der eigentlich (!) auch echt gut sein könnte und der Region einen echten Mehrwert bieten würden, wenn – ja wenn – das nicht dieses Flickwerk aus lokalen Verbünden und hin- und hergeschobenen Verantwortlichkeiten wäre.

Ich könnte jetzt meckern, weil ich heute Abend zum Zahnarzt wollte und zuerst die U-Bahn ausfiel bzw. nicht klar war, ob und wann die nächste fahren würde. Also nahm ich ein Car2go um zur Straßenbahnhaltestelle zu kommen. Dort zeigte sich dann, dass ich die eine Tram gerade verpasst hatte und die nächste 16 Minuten verspätung haben würde. Ich nahm also wieder das Car2Go und musste damit außerhalb des Gebietes fahren. Die Folge: Ich muss auch für die Standzeiten zahlen. Mal abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, warum Oberrad nicht mehr zum Car2Go-Gebiet gehört, wäre das ja nicht nötig gewesen, wenn der ÖPNV getan hätte, was er soll, nämlich fahren.

Beim Zahnarzt selbst war es auch nicht sonderlich erquicklich: Die Brücke ging nicht rauf. Die Provisorien mussten wieder rein.* Ich muss nochmal hin, sobald sich der Doc mit der Dentaltechnikerin besprochen hat. Der midi-monsieur, den ich mitnehmen musste, benahm sich unmöglich und ich musste ihm danach sagen, dass ich mich für ihn geschämt hatte.

Und vielleicht wäre ich schlechter Laune geblieben, wenn wir auf dem „Rückweg“ (direkt auf dem Weg lag das nicht) nicht bei einer der Besten kurz angehalten hätten, um ihr zum einen Post zu bringen und zum anderen eine kleine Überraschung in Form eines Adventskalenders.

Als der midi-monsieur schlief, befüllte ich dann seinen Adventskalender und suchte noch die (einen für ihn, einen für mich) von Oma raus und präparierte den Flur.

Doch, anderen eine Freude zu machen, hilft schon sehr, nicht zu sehr oder zu lang im Moppermodus zu verharren.

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* Und eines fiel natürlich beim Essen raus und ich habe morgen KEINE Zeit, zum Zahnarzt zu fahren, um das Provisorium wieder oder halt direkt die Brücke einsetzen zu lassen.

Beinkleid

Ich trage eigentlich ganz gerne Röcke. Eine zeitlang hatte ich den Spleen, ich dürfte meine Beine nicht der Öffentlichkeit zumuten, und trug halt keine oder nur lange Röcke. Das habe ich aus verschiedenen Gründen überwunden. Und im Sommer ist es einfach schön, wenn einem die Luft um die Beine wehen kann.

Das mache ich im Winter aber nicht, weil mir sonst einfach zu kalt ist und auch bei Geschäftsterminen trage ich unterm Rock lieber eine Strumpfhose irgendwas aus Nylon* direkt auf der Haut. Und wenn dann – wie heute – Winter (haha, also <15°C) und Geschäftstermin zusammenkommen, ich aber Rock tragen möchte, muss irgendwas an die Beine**. Und das ist für mich ein Problem, denn ALLES*** rutscht:

Ich verrate nicht, was ich heute trug, denn ich werde erstmal noch ein paar der Tipps ausprobieren. Vielleicht finde ich dann ja doch noch die optimale Lösung. Dann schreibe ich nochmal ausführlich über meine Für und Wider der einzelnen Optionen.

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* Definitiv keine Leggings!

** Der Rock erforderte irgendwas nicht Blickdichtes***.

*** Insbesondere alles unter 40 den. Blickdichte Strumpfhosen sitzen noch mit am besten.

Erdloch

Vielleicht sollte ich mir fürs nächste Jahr merken, mir für Oktober und/oder November ein Erdloch zu suchen, in dem ich mich verkriechen kann für ein kleine Weile.

Was eigentlich schade wäre. Denn ich mag den Herbst.

Und es liegt auch nicht am Herbst. Es liegt an mir selbst. Es liegt an Ansprüchen, Unorganisiertheit, Prokrastination, Selbstüberschätzung, Ignoranz und auch ein bisschen an meinem Optimismus.

Vielleicht schaffe ich es auch einfach, endlich daraus zu lernen.

Launisch

Orrrrrrr, ich gehe mir selbst auf den Keks. Kurz nachdem ich heute zu Hause war, schlug meine Laune von „müde, aber fröhlich“ auf „boah, mir ist so schwer ums Herz“ um. Als das Kind draußen unterwegs war, legte ich mich aufs Sofa und schlief tatsächlich kurz ein. Aber es half nix. Meine Laune war nach dem Nickerchen nicht besser. Ich habe keinen Bock auf diese Laune. Ich will das nicht. Und ich wüsste gerne, woher das kommt. Dann könnte ich es vielleicht abschalten. Die Analyse bis jetzt hat verschiedene Optionen ergeben:

  • Zu wenig Schlaf (seit Tagen)
  • Beginn der Wechseljahre
  • Oxytocin-Jetlag
  • Alkohol-Nachwehen
  • Freiheits-Jetlag
  • das noch nicht final geklärte Problem
  • Wunsch nach Veränderung
  • fehlender Sport

Der midi-monsieur ist es definitiv nicht. Mit ihm läuft gerade alles ziemlich gut. Vermutlich ist es eine Mischung aus allem.

A.ber.ich.will.das.nicht! Ich will nicht nölig und weinerlich sein. Ich will gute Laune haben.