Normalität

Sicherlich wäre es schlauer gewesen, heute zu Hause im Bett zu bleiben und die Seuche auszukurieren. Aber ich kann den midi-monsieur schlecht allein in den Zug setzen.* Sicherlich kommt das irgendwann, aber 8 ist dafür kein Alter.

Und daher fuhr ich heute 4 Stunden nach Paris und auch 4 wieder zurück. Dazwischen hatte ich knapp 2 Stunden Aufenthalt. Der midi-monsieur und Kv verabschiedeten sich recht schnell, sodass mir noch etwas Zeit mit mir blieb.

Und was mache ich in der Zeit?! Ich gehe ein paar Sachen einkaufen. Also Lebensmittel. Lebensmittel, die es in Deutschland nicht gibt (oder nicht so günstig). Dann setze ich mich in den Bahnhof, essen ein Pain au Chocolat und lese das Internet leer.

Ja, ich bin krank und zwei Stunden sind nicht lang. Viel hätte ich eh nicht machen können. Aber es fühlte sich so normal an, mal eben nach Paris rein- und wieder rauszufahren.

Es war auch erschreckend normal für meine Augen, die schwer bewaffnete Soldaten durch und um den Bahnhof patroullieren zu sehen.

Normal war auch – immer noch – der Sprachswitch von Deutsch auf Französisch, das relativ problemlose Verständigen im Geschäft.

So ganz schlüssig bin ich mir noch nicht, ob ich diese Normalität gut finde.

À la fin

Die ungeplante Strasbourg-Septologie geht hiermit zu Ende. (Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber ich fand es ja etwas grenzwärtig viel. Aber was ins Internet will, muss raus.) Ein paar Tipps, Informationen, Erfahrungen und ein paar allerletzte Fots gibt es nun noch:

Anreise: Wenn irgendwie möglich, empfehle ich die Anreise mit der Bahn. Außer man hat vor, das Umland noch zu erkunden (Wanderungen oder so). Aber IN Strasbourg selbst braucht man kein Auto. Es stört eher. Denn Parkplätze sind rar. Außerdem gibt es viele Einbahnstraßen, sodass Verfahren vorprogrammiert ist.

Unterkunft: Wir waren in einem Hotel. Logis-Hotels sind in Frankreich weit verbreitet und haben für gewöhnlich einen guten Standard. Alternativ kann man auch bei Gite de France oder Chambre d’hotes gucken. Das sind die französischen Pendants zum englischen B’n’B. Bei AirBnB habe ich diesemal gar nicht geguckt.
Unser Hotel lag wirklich sehr zentral und – wie man es so schön nennt – verkehrsgünstig. Unser Zimmer ging nach vorne raus, sodass ich doch Ohrenstöpsel zum Schlafen brauchte. Nach hinten sollten die Zimmer aber schön ruhig sein.

Unterwegs: Strasbourg ist jetzt nicht soooo riesig. Man kann vieles problemlos erlaufen. Für alles andere gibt es ein wirklich gut ausgebautes ÖPNV mit sehr moderaten Preisen. Praktisch: Es gibt ein 24-Stunden-Ticket. Es gibt auch die Möglichkeit, sich so ein Stadt-Leihrad zu besorgen. Da kann ich aber nicht viel zu sagen. Und in der Innenstadt selbst würde ich auch nicht Fahrrad fahren.

Sightseeing: Wir haben so ziemlich alles gesehen, was ich sehen wollte. Zumindest fürs erste Mal Strasbourg. Wir haben uns viel treiben lassen. Das geht ganz gut. Das funktioniert auch mit Kind gut. Und überhaupt fand der midi-monsieur die Stadt toll. Besonders toll fand er die Orangerie. Aber auch sonst gefiel ihm die Stadt. Beim nächsten Mal geht es auf jeden Fall ins Vaisseau. Und ich würde auch gerne in das eine oder andere Museum.
Eine Bootsfahrt auf der Ill um die Innenstadt, durch Petite France bis zu den EU-Gebäuden kann ich auf jeden Fall empfehlen.

Essen: Wie für überall in Frankreich gilt: Man muss sich schon sehr blöd anstellen, um schlecht zu essen. Wobei die tendenziell deftige(re) elsässische Küche bei Hitze etwas speziell ist. Aber Flammkuchen geht zur Not immer. Wir waren in: La Stub, L’Épicerie, Au Petit Bois Verte, La Crêpe Gourmande, Au Vieux Strasbourg, Le Roi et son Fou, Café Bâle. Davon empfehle ich die markierten besonders. Die anderen sind ok, wobei ich nicht nochmal ins Café Bâle gehen würde und Crêpes isst man auch besser in der Bretagne.
Ach ja, in Frankreich gibt es an vielen Stellen Trinkwasserspender. Wenn man eine Flasche oder Becher dabeihat, wird man beim Flanieren durch die Stadt nicht verdursten.

Sprache und Stimmung: Strasbourg gehört zu Frankreich und so ist Französisch natürlich die Amtssprache. Aber es sprechen auch viele Deutsch (und Englisch). Ich würde noch nicht einmal sagen, dass sie widerwillig Deutsch sprechen, aber so ganz happy scheint der Straßburger über die Touristenströme nicht zu sein. Es war manchmal etwas hamburgerisch stieselig. Da fühlte ich mich in Paris willkommener.

So, aber nun noch ein paar allerletzte Eindrücke.

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* Strasbourger Hauptbahnhof

Stadt mit Wasser

So, nach drei Tagen Unterbrechung geht es weiter mit Strasbourg-Bildern. Bald habt Ihr’s geschafft, nur noch dieser Post und der morgen und dann hab ich nichts mehr. (Also hätte schon, aber irgendwann ist ja auch mal gut.)

Wenn ich schlau oder zumindest nicht so gestresst gewesen wäre letzte Woche, weil viel Arbeit, Kindergeburtstag, Wochenende in Frankreich, wenig Schlaf, ach und überhaupt, dann gäbe es diesen Post gar nicht, weil ich die Bilder schon längst gezeigt hätte. Denn sie passen eigentlich prima zu den Innenstadt- bzw. Ill-Insel-Bildern.

Nun bekommen die Bilder, die auf oder an der Ill entstanden sind, halt einen eigenen Post. Voilà und viel Vergnügen:

Sinneswandel

Um ziemlich genau Mitternacht wachte das Kind auf und fluchte über eine Stunde. Grundaussage:

Ich hasse Zelten.

Es war durchaus nachvollziehbar. Denn zum einen hasse finde ich Zelten auch eher nicht suuuper. Zum anderen war die Straße, an der der Campingplatz lag, selbst zu dieser vorgerückten Stunde sehr laut.

Dennoch musste ich verhindern, dass er sich allzu sehr reinsteigert, damit er doch noch ein bisschen Schlaf bekam.

Um 6h30 weckte ich ihn und fürchtete schon, dass er direkt weiter schimpfte.

Er schlug die Augen auf und meinte

Ich glaub, ich habe mich daran gewöhnt.

Meister Adebar

Der Storch ist das Wappentier des Elsass und in Strasbourg allgegenwärtig. Warum der Storch es ausgerechnet im Elsass so schön findet und dort von Frühling bis Herbst lebt und Nachwuchs bekommt, konnte ich bislang nicht rausfinden. Aber vermutlich ist das einfach so.

Während es in der Innenstadt nur so vor Plüsch-Störchen wimmelt, bekamen wir echte Störche erst bei unserem Spaziergang in die EU zu sehen, denn von der EU ging es für uns direkt in die Orangerie und dort gibt eine Storchenaufzuchtstation und viele (künstliche) Nistmöglichkeiten.

Monasterium

Wikipedia sagt:

Münster (das, selten der) ist ein frühes deutsches Lehnwort aus griech./lat.monasterium, „Kloster“. Damit wurde ursprünglich eine Kirche bezeichnet, die nicht Pfarrkirche, sondern Teil eines Klosters oder Stifts war. Auch Kathedralen wurden oft so genannt, weil auch die Domkapitel ursprünglich in klosterähnlicher Gemeinschaft lebten.

Wieder was gelernt.

Das Straßburger Münster, oder wie die Franzosen sagen Cathédrale Notre-Dame de Strasbourg, ist wohl das Wahrzeichen der Stadt schlechthin. Und es ist ein bisschen wie mit der Frankfurter Skyline: Man sieht es von überall. Man kommt auch nicht daran vorbei. Was auch nicht schlimm ist, denn es ist ja durchaus schön anzuschauen.

Wir haben uns auch die Astronomische Uhr angeguckt.

Joah, vielleicht wäre es mit weniger Menschen davor und mit mehr Wissen darüber interessanter gewesen. Aber auf die 12 Apostel wollten wir auch nicht warten. Lieber hoch und runtergucken.