Bretonische Diät

Der RB nannte unser Restaurant-Woche in der Bretagne ja liebevoll seine bretonische Diät. Und zwar Diät im altgriechischen Sinne.

Ich sagte ihm, dass er seine bretonische Diät ja mit den mitgebrachten Lebensmitteln erstmal noch weiterführen könne. Aber wenn die aufgebraucht seien, wäre halt Schluss … mit Essen. Wir müssen das noch abschließend ausdiskutieren.

Heute war es zumindest sehr bretonisch mit einer hessischen Interpretation,

Dazu gab es Salat, den selbst der midi-monsieur begeistert aß

Tomaten, Aprikosen, Frühlingszwiebel, Gésiers*** und Buchweizen.

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* nächster Step: Crêpes/ Galettes auf dieser Kombi selbst zubereiten.

**Apfelwein hätte auch gepasst, aber den verträgt der RB nicht. Cidre hingegen schon. Und nein, Cidre und Apfelwein sind nicht das Gleiche. Cidre ist ein Apfelschaumwein und damit ist schon alles gesagt.

*** Gésiers sind die Kaumägen von Geflügeln – in diesem Fall Enten-Gésiers.

Taboulé

Ja, diese Woche bleibe ich bei Essensposts.

Gestern gab es ja nicht nur einen Aperitif, sondern auch einen Hauptgang (und eine Käseplatte und dann noch Eis) und der bestand aus Schurfunturf* mit Taboulé. Vor vielen Jahren machte ich das erste Mal Taboulé mit einer Gewürzmischung, die wir aus Südfrankreich mitgebracht hatten (und die ich seitdem nie wieder gesehen habe). Der Trick dabei ist, dass der Couscous kalt angesetzt wird.

Zutaten
400g Couscous
300ml kaltes Wasser
2 Zitronen
Olivenöl
1 Paprika (Farbe nach Belieben)
1 Gurke
2 Tomaten
1,5 Handvoll Rosinen
1,5 Handvoll Oliven (schwarz**)
glatte Petersilie (Blätter gehackt, eine gute Handvoll)
Pfefferminze (Blätter gehackt von zwei Stängeln)
2 Frühlingszwiebeln
Salz, Pfeffer, gem. Kumin, gem. Koriander, Kurkuma, Zimt (wenig), Paprikapulver scharf (nicht zu viel)

Zubereitung
Couscous in eine ausreichend große Schüssel geben und mit dem Wasser und dem Saft einer (!!!) Zitrone vermischen und abgedeckt in den Kühlschrank stellen (gerne über Nacht, aber 4-5 Stunden reichen auch)

Gurken und Tomaten entkernen und kleinschneiden; Paprika ebenso klein schneiden; Oliven (ggf. entkernen***) und Rosinen grob kleinhacken; Petersilie und Pfefferminze auch kleinhacken

Couscous auflockern und großzügig mit den Gewürzen würzen (aufpassen bei Zimt); dann Gemüse, Oliven, Rosinen, Kräuter zugeben

Saft der zweiten Zitrone mit einem zweiten Schwung der Gewürze anrühren (vorher das halbfertige Taboulé mal probieren) und zum Taboulé geben, vermischen und dann noch Olivenöl (vermutlich so 5-6 EL; ich hab’s halt aus der Lamäng drübergegossen) dazugeben und im Kühlschrank nochmal ziehen lassen.

Vor dem Servieren die Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden und darauf verteilen.

Et voilà:

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* Surf&Turf – in unserem Fall: Merguez, Saibling und Garnelen (und für das Kind statt Merguez ein Hühnerbein)

** hier auch mit grünen, weil der RB angeblich schwarze nicht so mag

*** geht super mit einem Kirschentkerner, wie mir bei Olive 10 von 15 einfiel

Butter bei die Fische

Gebratener oder gebackener Fisch wird oft mit einem Stückchen Butter serviert, das erst kurz vor dem Essen auf den heißen Fisch gegeben wird, damit es nicht zerläuft. Sobald Butter bei die Fische ist, kann gegessen werden, man kommt endlich zur Sache. Fehlt diese, ist dieses Gericht nur eine „halbe Sache“.

So wird es zumindest im Wiktionary und bei Geolino erklärt.

Aber ich habe heute keine Butter bei die Fische gemacht, sondern Fisch bei die Butter – für Beurre sardiné zum Aperitif mit Kir Breton:

Zutaten
125-150g Butter
glatte Petersilie (nur die Blätter, so eine gute Handvoll)
1 Dose Sardinen in Öl (ca 100g Sardine)
Pfeffer, Salz, Muskatnuss

Zubereitung
Butter, Petersilie, Salz, Pfeffer und Mußkatnuss (nicht zu sparsam würzen) in einen Zerkleinerer geben (es geht auch: Petersilie fein hacken und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss unter weiche Butter mischen); die Butter sollte schon recht doll grün gesprenkelt sein.

Sardinen abtropfen lassen und mit Gabel zerdrücken (bitte keine Wissenschaft aus potentiellen Gräten machen, die sind so fein, dass sie mitgegessen werden können), dann alles mit der Butter mischen und nach Möglichkeit durchziehen lassen.

Bon Appétit (Foto: RB)

Breizh kulinarisch

Ich habe es hier auf dem Blog schon ein paar Mal erwähnt: Eine muss sich schon extrem bemühen, um in Frankreich schlecht zu essen. Und auch wenn sich die Bretagne nicht immer Frankreich zugehörig fühlt, gilt dies auch für die Bretagne. Mit Galettes/Crêpes, Fruites de mer und Cidre* kann eine wenig falsch machen und damit kennen sich die Bretoninnen auch aus. Nomnomnom.

Der RB und ich waren jeden Tag essen – wir hätten vielleicht** im Chambre d’Hôtes kochen können, aber das wollten wir nicht: Wir haben eine Woche Urlaub und in der lassen wir es uns gutgehen. Was wir – v.a. der RB – gegessen haben, hat der RB auf Instagram und Twitter gepostet. Wo wir gegessen haben, steht hier:

Auberge de la Baie (Pontorson): Das war okay. Das Lamm vom RB war gar nicht gut. Mein Fisch dafür sehr. Der Service war etwas speziell – eigentlich ganz nett, aber der Azubi etwas ungehobelt. Es war aber zu spüren, dass am Mont Saint Michel alles sehr touristisch ausgelegt ist. Preis-Leistung: suboptimal.

Crêperie au Gouter Breton (Douarnenez): Die von mehreren Personen hochgelobte Crêperie war gut. Die Einrichtung leicht alternativ und interessant. Die Crêpes waren gut, aber nicht so gut, wie sie gelobt wurden. Der Service war etwas überfordert und vergaß immer wieder was. Die Crêpes-Auswahl war gut, ebenso die Cidre- und Kaffeeauswahl. Preis-Leistung: gut.
Was mich geärgert hat: In Frankreich bekommt eine ja problemlos und kostenlos eine „caraffe d’eau“ zum Essen***, also eine Karaffe mit Leitungswasser. Hier stand in der Karte (sinngemäß): „Leitungswasser ist schlecht bekömmlich und schwer zu verdauen, bestellen Sie besser Mineralwasser.“

La Trinquette (Douarnenez): Das hatte uns Yves empfohlen und die Fish&Chips als die „besten außerhalb Englands“ gelobt. Laut RB waren sie auch wirklich gut. Ich hatte Couteaux (Messermuscheln) und die waren auch sehr gut. Der Service war toll, der Kaffee auch in Ordnung. Schöne Lage direkt am Port du Rosmeur. Preis-Leistung: sehr gut.

Crêperie Pen Ar Bed (): Zufallsfund, da ich nach dem Besuch des Musée Hénaff kurz vor hangry war. Tolle Crêpes, guter und sehr aufmerksamer Service. Guter Kaffee. Dazu noch direkt am Strand gelegen. Preis-Leistung: sehr gut.

Crêperie Le Rayon vert (): Wir waren spät dran und nach Douarnenez zu fahren, wäre zu weit gewesen. Der RB war vom Spaziergang am Meer hangry und ich hatte Lust auf Moules Frites. Die gab es da. Sehr gut. Auch der Nachtisch-Crêpe war gut. Unsere Bedienung war sehr aufmerksam. Liegt zwar nicht direkt am Strand, aber Pointe de la Torche ist direkt nebendran. Preis-Leistung: sehr gut

Cap à l’Ouest (

Chez Fanch (Douarnenez): Wir waren fast etwas spät nach der Radtour dran, aber bekamen noch einen Platz. Der RB wurde mit seinem Lamm für das schlechte Lamm am Mont Saint Michel entschädigt. Mein Fisch war auch sehr gut. Das i-Tüpfelchen war der gute Café Gourmand. Preis-Leistung: in Ordnung

Crêperie du Cap (Plogoff): Die Gegend um den Pointe du Raz wirkt etwas ausgestorben. Um so erstaunter waren wir über die Crêperie, die direkt an der Hauptstraße gelegen ist. Die herzhaften und süßen Crêpes waren der Hammer. Der Service total perfekt und erstmals wurde uns der Kaffee mit dem Nachtischcrêpe serviert. Preis-Leistung: top

Quai29 (Douarnenez): Das Essen war top. Der RB wurde ganz unfischisch glücklich, während ich endlich gegrillte Sardinen hatte. Sehr lecker. Der Service war etwas verpeilt, aber sehr nett. Der Kaffee war gut. Schöne Lage direkt am Port du Rosmeur. Preis-Leistung: gut

L’Autre Rive (): Mitten im Wald von Huelgoat stand ein Schild zu einem Buch-Café. Und weil wir beide kaffeedurstig waren, folgten wir dem Schild. Hätten wir es gewusst, hätten wir besser eine „pot“ (aka French Press) mit zusätzlich Milch bestellt statt zwei „grand café creme“. Dazu gab es Kastenkuchen, der ökig-Lecker war und genau zum alternativen Auftreten des Cafés passte. (Es gibt da auch herzhafte Kleinigkeiten). Der Service war aufmerksam. Preis-Leistung: gut

Le Bigorneau Amoureux (Douarnenez): Das Restaurant war uns schon am ersten Abend ob seiner Lage aufgefallen. Das Essen sollte da auch gut sein und so reservierte ich einen Tisch. Ich sage es mal so: Gut, dass wir uns das Restaurant für den letzten abend aufgespart haben. Das hätte keines der anderen toppen können. Das Essen war top (und reichhaltig) und der Service war auch wirklich gut. Schöne Lage direkt am Plages des Dames mit Blick auf die Île Tristan. Preis-Leistung: top

Eigentlich alle Restaurants, in denen wir waren, waren entweder Creperien (und dann gab es auch nur Galettes/ Crêpes) oder „französische“ (Fisch, Meeresfrüchte, wenig Fleisch, KEINE Crêpes). Die Karten waren meist angenehm klein. In den Crêperien gibt es das zwar weniger, aber in Frankreich sind Menus sehr üblich: Es gibt ein Menu zu Preis X und eine kann sich dann entsprechend Vor-, Haupt- und Nachspeise aussuchen. Es geht auch nur Vor- und Haupt- oder Haupt- und Nachspeise, oder auch nur eine Hauptspeise. Ich mag das Konzept. Das dürfte es ruhig mehr in Deutschland geben.

In Deutschland geben dürfte**** es auch ein paar essentielle französische Lebensmittel, die wir importiert haben,

Carambar für die Geburtstagsparty vom Kind, Sardienen, Fischsuppe, Buchweizenmehl, Galettes und Crêpes, Salsifis*****, Fischaufstriche, Pâté Hénaff
(von li–>re und o–>u)

… sowie Getränke

Crème de Cassis, Gwenaval (Cidrebrand), Breizh Cola, H2B (bretonischer Gin), Blubber-Apfelsaft (als Cidre-Ersatz fürs Kind), verschiedene Cidre zum Degustieren

Da kann der RB auch noch ein bisschen länger seine bretonische Diät durchziehen.

Yec’hed mat****** auf einen tollen ersten Urlaub zu Zweit.

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* Kaffee ist weniger ein Spezialgebiet und die Qualität eher Glückssache.

** Also offiziell schon, aber vermutlich wäre Monk Yves dann total unruhig gewesen, weil wir seine Ordnung gestört hätten.

*** Einfach danach fragen, wenn sie einer nicht direkt hingestellt wird.

**** Gibt es zum Teil sogar auch, aber nicht in der Auswahl und/ oder Qualität.

***** Übersetzt heißt es Haferwurzel und möglicherweise ist das Schwarzwurzel, es schmeckt zumindest so,

****** Gesprochen „ger’matt“ und heißt Prost

 

RiB

Die Rückfahrt war mit 1.245 Kilometern lang und dauerte noch länger: Mit Abholstopp und Pausen waren wir am Ende 17 Stunden unterwegs.

Die Rückfahrt in Bildern:

Der RB kauft Baguette und Croissants für die Fahrt

Idyllischer Blick auf Donges

Das Kind hat Üffes schon adoptiert und macht Quatsch mit ihm – u.a. den Fahrer belagern

Pique-Nique mit Rastplatz-Brombeeren

Letzte große Pause für Internet, Fahrerinnenwechseln und Koffeinierung des Fahrers.

Nix Meer

(Ja, das Wortspiel ist … ähm, ja … mir fehlen die Worte. Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen: Der RB ist schuld.)

Durch die geschlossenen Fensterläden – ja, so typische Klappläden – sehe ich, dass der Himmel grau ist. Doch nicht nur das: Es regnet auch. Zum Glück hatte der RB mir schon gestern zugestimmt, heute in den Wald zu fahren. Und ich habe die Hoffnung, dass das Wetter im Landesinneren besser ist als an der Küste. Zumal Yves beim nervösen Rumschleichen um den Frühstückstisch mehrfach erzählt, dass das Wetter so bleiben soll.

Wir fahren bei Nieselregen los.

Es regnet auch unterwegs…

Zum Glück verfahren wir uns, sonst wäre unsere Laune wohl sehr im Keller gewesen. Aber so finden wir ein WC und können Sandwiches fürs Mittag kaufen. Außerdem gewinnen wir so Zeit, sodass es nach der Mittagspause im Auto aufgehört hat zu regnen und wir trocken durch die Valée des Saints spazieren können

Das wollte ich mir ja schon angucken, als ich 2015 mit meinen Eltern in der Bretagne war.

Und auch den sagenumwobenen Wald von Huelgoat wollte ich schon immer mal sehen

Ich könnte jetzt ketzerisch sagen: Joah, nen Felsenmeer gibt’s auch in Südhessen. (Stimmt ja auch) Aber eine kann nicht genug Felsenmeere sehen. Und der Wald ist noch total ursprünglich und die kleine Wanderung war einfach nur schön.

Auf der Rückfahrt schüttet es nochmal kräftig. Doch wieder in Douarnenez ist es dann trocken und wir gehen ein letztes Mal essen. Wir waren die ganzen Tage ja gut essen. (Ich bleib dabei: Um in Frankreich wirklich schlecht zu essen, muss eine sich auch sehr anstrengen.) Doch heute Abend ist es tatsächlich am besten und leckersten. Dazu noch ein Top-Service und eine tolle Lage.

Blick vom Stadtstrand aufs Restaurant

Und weil ich zwar schon barfuß ein bisschen am Strand spaziert bin, aber noch keinen Tropfen Atlantikwasser abbekommen hatte, muss ich wenigsten die Füße ins Wasser stecken

Das Wasser ist so warm, dass ich kurz davor bin, um 22h50 zu öffentlichen Ärgernis zu werden und nackt in die Fluten zu steigen.

Aber wir müssen ja morgen früh raus, ein lange Heimreise mit Kindabholung wartet auf uns.

Nichts tun

Nach der gestrigen Radtour fragte ich vorsichtig den RB, was er den heute machen wolle. „Nichts, einfach die Seele baumeln lassen“, lautete seine Antwort. Zum Glück waren wir uns einig, dass Nichtstun sehr gut draußen geht.

Und so fuhren wir – mit dem Auto (!!!) – los und suchten Nichts.

Zum Beispiel am Pointe du Millier (nur ein bisschen zu laufen)

… auch am Pointe du Van war nichts zu tun (außer gucken) …

… dann hatten wir nichts mehr im Magen und fanden im Nichts die wohl beste Crêperie des Finistères.

Boah, war das lecker.

Dann wollten wir aber wirklich nichts mehr machen und fuhren zurück. (Und gingen wichtige französische Lebensmittel einkaufen, Kaffee, Cidre und Bier trinken, Souveniers* kaufen und dann abends noch seeehr lecker** essen.)

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* u.a. bretonischen Gin

** und ich konnte auf meiner bretonische Essens-Bucket-Liste – Galette, Moules Frites und Sardinen – den letzten offenen Punkt abhaken.

Raue* Bretagne**

Also wirklich rau präsentiert sich die Bretagne hier im Finistère nicht: Das Wetter ist toll, das Meer hat nicht zu hohe Wellen, es weht ein Lüftchen. Die Landschaft ist aber deutlich anders als z.B. im Morbihan: hügeliger, schroffer, wilder und ja etwas unbezwingbarer. Oder zumindest nicht so leicht zu erobern, wie sich das eine Stadtpflanze wie ich so vorgestellt hat. Eine läuft nicht mal eben locker flockig zum Phare du Millier und eine fährt auch nicht mal eben 44 Kilometer über die Presqu’île de Crozon.

Menez Hom

Letzteres wäre vielleicht noch gegangen, wenn der RB und ich nicht unterschiedliche Räder und Trainingszustände hätten (das meine ich nicht böse, das ist einfach so). Aber es hätte auch mir ob der Streckenführung keinen Spaß gemacht. Denn Frankreich ist nun mal kein Fahrradland. Es ist das Land der Autofahrer und Wanderer. Paris ist da – wie bei vielem anderen – die rühmliche Ausnahme und Île de Ré ist tatsächlich auch die Fahrradinsel, die sie sein möchte. Aber sonst?! Keine bzw. kaum Radwege; mit dem Rad fährt eine halt auf den Land- und auch mal Bundesstraßen mit und die sind schmal und haben einen minifuzzikleinen Seitenstreifen. So richtig sicher fühlt eine sich da nicht.

Aber das ist uns nicht so bewusst, als wir uns an einer kleinen Badebucht zwischen Crozon und Camaret-sur-Mer auf die Räder schwingen. Ja, mit einem Anstieg anzufangen ist fies und dass wir dann kurz auf Wegen fahren, die ich mit dem Mountainbike gut bewältigen kann, aber nicht für den Breezer vom RB gemacht sind, ist auch nicht gut für die Moral. Aber dann kommt viel Asphalt und die ersten 7 Kilometer bis zum Pointe de Penhir sind geschafft.

Radidylle mit Jaques am Beg Penn Hir

Ausgesprochen hübsch da:

Die Strecke geht auf und ab, ist aber recht gut zu fahren. Bis Else meint, wir könnten doch ein kurzes Stück auf dem Sentier Cotier zurücklegen. Die Aussicht war toll:

Camaret-sur-Mer

Der Weg eigentlich auch. Nur nicht für Fahrräder geeignet. Selbst Schieben war schwierig und nervig.

Wir machen eine kleine Crêpes-Pause, die etwas länger wird, weil mein Vorderrad platt ist.

Vorderreifen zu wechseln ist ja zum Glück ein Kinderspiel (Foto: RB)

Der Ersatzschlauch ist aber schnell drin.

Eigentlich ist die Moral ganz gut. Doch dann müssen wir die Route de Montage hoch, die ihrem Namen alle Ehre macht. Und auch was danach kommt, ist nicht motivierend. Lange zähe Anstiege in der Sonne… nein, ich verstehe den RB schon sehr, dass er nicht mehr mit mir spricht. Ich hätte auch verstanden, wenn er mir das Rad an den Kopf geworfen hätte.

Zum Glück ist die Strecke so geplant, dass wir an mehreren Stellen abkürzen können.

Vor dem letzten vorletzen blöden Anstieg werfen wir noch einen schönen Blick gen Norden und fahren dann quer durch zurück.

Der weiße Streifen am Horizont ist Brest.

Die letzten Kilometer lässt mich der RB vorfahren. Am Auto schwitze ich nochmal Blut und Wasser, bevor der RB ankommt. Denn: Ich habe den Autoschlüsselnicht mehr bei mir. Ich bin mir sicher, der RB wird mich – zurecht – an mein Rad binden und im Meer versenken.

Als der RB ankommt, ist er platt wie mein Reifen zwischendurch. Aber er hat den Autoschlüssel. Phew!

Seine Laune ist so schlecht wie mein Gewissen. Wobei ich natürlich auch nichts für das Höhenprofil kann. Und das Else nicht weiß, wie gut oder schlecht französische Feldwege beschaffen sind und dass deutsche Standards in Frankreich nicht gelten, konnte ich ja auch nicht ahnen.

Trotzdem tut es mir leid, dass es so doof für ihn war*** und es täte mir noch leidera, wenn ich ihm jetzt den Spaß am Radfahren verleidet habe. (Habe ich aber wohl nicht. Nur solche Touren machen wir nie wieder vorerst nicht nochmal.)

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* rude (franz./engl.)

** breizh (bretonisch)

*** Ich hätte mich da schon durchgebissen. Wobei ich dieses Fahren an der Straße ziemlich unangenehm finde.

Obligat

Gestern räumten der RB und ich ein Missverständnis hinsichtlich der Urlaubsplanung aus dem Weg. Das ist aber auch vertrackt mit diesem Reden: Ich dachte nämlich, dass der Besuch in der Eddu-Destillerie für ihn unter die Kategorie „Da war ich schon, wenn wir dran vorbeikommen und es passt, gucke ich sie mir gerne nochmal an“ fällt. Dem war aber nicht so: Er hatte sie noch gar nicht gesehen und wollte da unbedingt hin. Damit stand dann auch ein Programmpunkt für heute fest. Und dadurch auch grob die Gegend, in der wir uns aufhalten würden. Wir überlegten ein paar Dinge drumherum, von denen zwei ein Muss meinerseits waren, andere wiederum „ja, wenn’s klappt, ist’s schön, wenn nicht, ist’s auch nicht schlimm.

Nach dem Frühstück fuhren wir los gen Süden.

Old-School-GPS*

Meine Laune war semi und dann hatte ich auch noch die Fahrradschlüssel vergessen. Dazu steckte mir die Wanderung vom Tag zuvor im Körper – nicht schlimm, aber mein Körper arbeitete und da muss ich mich entweder gleich wieder bewegen oder brauche meine Ruhe, aber im Auto sitzen war halt doof. Doch dann machte mich der RB auf ein Schild aufmerksam, fuhren ihm nach und meine Laune besserte sich.

Hübsches kleines Museum, interessante Geschichte. Nichts für Vegetarierinnen und Veganerinnen.

Dann hatte ich Hunger. Ich fragte Googel und bekam eine Antwort. Eine – wie sich herausstellen sollte – sehr gute Antwort.

Ausblick beim Essen, das auch noch sehr gut war.

Dann wurde es Zeit zur Destillerie zu fahren, …

Warum die Brennerei Distillerie des Menhirs heißt

… damit wir die Führung noch mitmachen konnten.

Auch interessant. Ich mag es ja zu lernen, wie leckere Dinge entstehen. Was für eine Geschichte dahinter steckt, was das jeweilige Produkt besonders macht.

Doch nach dem Part des Anges und der Dégustation brauchten wir frische Luft. Und die bekommt eine ja bekanntlich am Wasser bzw. Meer.

Tja und weil Seeluft und Bewegung in ebendieser hungrig macht, fragte ich wieder Google, was es uns denn diesmal empfehle (der RB war schon so hungrig, dass er nicht mehr entscheidungsfähig war) und wir wurden wieder nicht enttäuscht. Direkt am Pointe de la Torche gab es wunderbare Moules Frites mit Crêpes zum Dessert, sodass wir wieder ausreichend gestärkt ware, um diesen schönen Küstenpunkt bei beginnendem Sonnenuntergang zu genießen.

Ich habe nur gehachzt und geseuzft, weil es so schön war.

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* Das Navi im Auto kann nur Deutschland, Belgien, Schweiz und Österreich. ^^

GR34

Zum Urlaub in der Bretagne gehört Meer. Und weil der RB und ich heute auf gar keinen Fall Auto fahren wollten, aber auch noch nicht mit den Rädern*/** loswollten, machten wir uns nach dem Frühstück zu Fuß auf den Weg Richtung Meer.

Ich hatte bereits im Vorfeld geguckt, was so gut anlaufbare Ziele rund um Douarnenez sein könnten und entsprechend mit Else zusammen Routen vorbereitet. So zum Beispiel der Phare de Millier, den uns unser Vermieter auch sehr ans Herz legte.

Einfache Entfernung: 14 Kilometer. Nunja, 28 Kilometer an einem Tag sind recht sportlich, aber irgendwie zu schaffen. Vielleicht, eventuell, möglicherweise. Aber zum einen nicht in unserem Lauf-Trainingszustand und zum anderen nicht, wenn das Höhenprofil aussieht wie ein Herzrhythmusstörungs-EKG. Aber das wussten wir ja noch nicht, als wir losgingen:

Kaum waren wir aus Tréboul raus, waren wir auf dem Sentier Côtier – Teil des GR34*** – und es ging auf einem meist sehr schmalen Weg auf und ab und auf und ab.

Der Weg ist wunderschön und der Blick aufs Meer noch vielviel schönara, aber wir waren dann doch ganz froh, dass …

… Obelix einen Hinkelstein aufgestellt hatte, …

… um einen günstigen Punkt zu markieren, an dem wir unsere Wanderung beenden konnten. Wir musste ja auch wieder zurück. Wir gingen auch nicht den gleichen Weg retour, sondern verließen die Küste und gingen an der Straße lang. Nicht schön, aber dafür ging (es sich) schnell.

Und nach einem Drink am Museums-Hafen lief uns Üffes über den Weg.

Üffes, die Hummer-Langustine

Naja, das Plüschtier lag halt in dem einen Laden rum und wollte mitgenommen werden. Ich war spontan überzeugt, dass es eine Langustine sei, aber

Zumindest war sich die TL einig, dass es ein Männchen sei. Also brauchte er noch einen Namen und da kam eins zum anderen: Unser Vermieter heißt Yves, den ich recht schnell – also während der Buchung per e-Mail – Üffes nannte, zumindest wenn ich dem RB erzählte, was Üffes hinsichtlich unserer Buchung geschrieben hatte. So ganz nett und entspannt. Dann lernten wir gestern Yves in echt kennen und ja, er ist sehr nett und sehr bemüht, aber auch sehr anstrengend. Er redet sehr viel und kommt nicht zum Punkt bzw. vom Hundersten ins Tausendstel. Der RB wird müde vom Übersetzen und Versuch zu folgen und ich bereue erstmals in meinem Leben, gut Französisch zu können. Naja und weil „Üffes“ nunmal zu diesem Urlaub gehört und die Hummer-Languste auch und Namen auch neu besetzt werden müssen, heißt das blaue Plüschtier Üffes.

Zum Tagesabschluss gab es leckerstes Essen am Port du Rosmeur und einen Spaziergang zur blauen Stunde.

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* Da wir ja eh mit dem Auto gefahren sind, haben wir unsere Räder einfach mitgenommen.

** Dafür werden wir uns noch dankbar sein im Laufe des Tages.

*** Grande Randonnée