Raue* Bretagne**

Also wirklich rau präsentiert sich die Bretagne hier im Finistère nicht: Das Wetter ist toll, das Meer hat nicht zu hohe Wellen, es weht ein Lüftchen. Die Landschaft ist aber deutlich anders als z.B. im Morbihan: hügeliger, schroffer, wilder und ja etwas unbezwingbarer. Oder zumindest nicht so leicht zu erobern, wie sich das eine Stadtpflanze wie ich so vorgestellt hat. Eine läuft nicht mal eben locker flockig zum Phare du Millier und eine fährt auch nicht mal eben 44 Kilometer über die Presqu’île de Crozon.

Menez Hom

Letzteres wäre vielleicht noch gegangen, wenn der RB und ich nicht unterschiedliche Räder und Trainingszustände hätten (das meine ich nicht böse, das ist einfach so). Aber es hätte auch mir ob der Streckenführung keinen Spaß gemacht. Denn Frankreich ist nun mal kein Fahrradland. Es ist das Land der Autofahrer und Wanderer. Paris ist da – wie bei vielem anderen – die rühmliche Ausnahme und Île de Ré ist tatsächlich auch die Fahrradinsel, die sie sein möchte. Aber sonst?! Keine bzw. kaum Radwege; mit dem Rad fährt eine halt auf den Land- und auch mal Bundesstraßen mit und die sind schmal und haben einen minifuzzikleinen Seitenstreifen. So richtig sicher fühlt eine sich da nicht.

Aber das ist uns nicht so bewusst, als wir uns an einer kleinen Badebucht zwischen Crozon und Camaret-sur-Mer auf die Räder schwingen. Ja, mit einem Anstieg anzufangen ist fies und dass wir dann kurz auf Wegen fahren, die ich mit dem Mountainbike gut bewältigen kann, aber nicht für den Breezer vom RB gemacht sind, ist auch nicht gut für die Moral. Aber dann kommt viel Asphalt und die ersten 7 Kilometer bis zum Pointe de Penhir sind geschafft.

Radidylle mit Jaques am Beg Penn Hir

Ausgesprochen hübsch da:

Die Strecke geht auf und ab, ist aber recht gut zu fahren. Bis Else meint, wir könnten doch ein kurzes Stück auf dem Sentier Cotier zurücklegen. Die Aussicht war toll:

Camaret-sur-Mer

Der Weg eigentlich auch. Nur nicht für Fahrräder geeignet. Selbst Schieben war schwierig und nervig.

Wir machen eine kleine Crêpes-Pause, die etwas länger wird, weil mein Vorderrad platt ist.

Vorderreifen zu wechseln ist ja zum Glück ein Kinderspiel (Foto: RB)

Der Ersatzschlauch ist aber schnell drin.

Eigentlich ist die Moral ganz gut. Doch dann müssen wir die Route de Montage hoch, die ihrem Namen alle Ehre macht. Und auch was danach kommt, ist nicht motivierend. Lange zähe Anstiege in der Sonne… nein, ich verstehe den RB schon sehr, dass er nicht mehr mit mir spricht. Ich hätte auch verstanden, wenn er mir das Rad an den Kopf geworfen hätte.

Zum Glück ist die Strecke so geplant, dass wir an mehreren Stellen abkürzen können.

Vor dem letzten vorletzen blöden Anstieg werfen wir noch einen schönen Blick gen Norden und fahren dann quer durch zurück.

Der weiße Streifen am Horizont ist Brest.

Die letzten Kilometer lässt mich der RB vorfahren. Am Auto schwitze ich nochmal Blut und Wasser, bevor der RB ankommt. Denn: Ich habe den Autoschlüsselnicht mehr bei mir. Ich bin mir sicher, der RB wird mich – zurecht – an mein Rad binden und im Meer versenken.

Als der RB ankommt, ist er platt wie mein Reifen zwischendurch. Aber er hat den Autoschlüssel. Phew!

Seine Laune ist so schlecht wie mein Gewissen. Wobei ich natürlich auch nichts für das Höhenprofil kann. Und das Else nicht weiß, wie gut oder schlecht französische Feldwege beschaffen sind und dass deutsche Standards in Frankreich nicht gelten, konnte ich ja auch nicht ahnen.

Trotzdem tut es mir leid, dass es so doof für ihn war*** und es täte mir noch leidera, wenn ich ihm jetzt den Spaß am Radfahren verleidet habe. (Habe ich aber wohl nicht. Nur solche Touren machen wir nie wieder vorerst nicht nochmal.)

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* rude (franz./engl.)

** breizh (bretonisch)

*** Ich hätte mich da schon durchgebissen. Wobei ich dieses Fahren an der Straße ziemlich unangenehm finde.

Obligat

Gestern räumten der RB und ich ein Missverständnis hinsichtlich der Urlaubsplanung aus dem Weg. Das ist aber auch vertrackt mit diesem Reden: Ich dachte nämlich, dass der Besuch in der Eddu-Destillerie für ihn unter die Kategorie „Da war ich schon, wenn wir dran vorbeikommen und es passt, gucke ich sie mir gerne nochmal an“ fällt. Dem war aber nicht so: Er hatte sie noch gar nicht gesehen und wollte da unbedingt hin. Damit stand dann auch ein Programmpunkt für heute fest. Und dadurch auch grob die Gegend, in der wir uns aufhalten würden. Wir überlegten ein paar Dinge drumherum, von denen zwei ein Muss meinerseits waren, andere wiederum „ja, wenn’s klappt, ist’s schön, wenn nicht, ist’s auch nicht schlimm.

Nach dem Frühstück fuhren wir los gen Süden.

Old-School-GPS*

Meine Laune war semi und dann hatte ich auch noch die Fahrradschlüssel vergessen. Dazu steckte mir die Wanderung vom Tag zuvor im Körper – nicht schlimm, aber mein Körper arbeitete und da muss ich mich entweder gleich wieder bewegen oder brauche meine Ruhe, aber im Auto sitzen war halt doof. Doch dann machte mich der RB auf ein Schild aufmerksam, fuhren ihm nach und meine Laune besserte sich.

Hübsches kleines Museum, interessante Geschichte. Nichts für Vegetarierinnen und Veganerinnen.

Dann hatte ich Hunger. Ich fragte Googel und bekam eine Antwort. Eine – wie sich herausstellen sollte – sehr gute Antwort.

Ausblick beim Essen, das auch noch sehr gut war.

Dann wurde es Zeit zur Destillerie zu fahren, …

Warum die Brennerei Distillerie des Menhirs heißt

… damit wir die Führung noch mitmachen konnten.

Auch interessant. Ich mag es ja zu lernen, wie leckere Dinge entstehen. Was für eine Geschichte dahinter steckt, was das jeweilige Produkt besonders macht.

Doch nach dem Part des Anges und der Dégustation brauchten wir frische Luft. Und die bekommt eine ja bekanntlich am Wasser bzw. Meer.

Tja und weil Seeluft und Bewegung in ebendieser hungrig macht, fragte ich wieder Google, was es uns denn diesmal empfehle (der RB war schon so hungrig, dass er nicht mehr entscheidungsfähig war) und wir wurden wieder nicht enttäuscht. Direkt am Pointe de la Torche gab es wunderbare Moules Frites mit Crêpes zum Dessert, sodass wir wieder ausreichend gestärkt ware, um diesen schönen Küstenpunkt bei beginnendem Sonnenuntergang zu genießen.

Ich habe nur gehachzt und geseuzft, weil es so schön war.

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* Das Navi im Auto kann nur Deutschland, Belgien, Schweiz und Österreich. ^^

GR34

Zum Urlaub in der Bretagne gehört Meer. Und weil der RB und ich heute auf gar keinen Fall Auto fahren wollten, aber auch noch nicht mit den Rädern*/** loswollten, machten wir uns nach dem Frühstück zu Fuß auf den Weg Richtung Meer.

Ich hatte bereits im Vorfeld geguckt, was so gut anlaufbare Ziele rund um Douarnenez sein könnten und entsprechend mit Else zusammen Routen vorbereitet. So zum Beispiel der Phare de Millier, den uns unser Vermieter auch sehr ans Herz legte.

Einfache Entfernung: 14 Kilometer. Nunja, 28 Kilometer an einem Tag sind recht sportlich, aber irgendwie zu schaffen. Vielleicht, eventuell, möglicherweise. Aber zum einen nicht in unserem Lauf-Trainingszustand und zum anderen nicht, wenn das Höhenprofil aussieht wie ein Herzrhythmusstörungs-EKG. Aber das wussten wir ja noch nicht, als wir losgingen:

Kaum waren wir aus Tréboul raus, waren wir auf dem Sentier Côtier – Teil des GR34*** – und es ging auf einem meist sehr schmalen Weg auf und ab und auf und ab.

Der Weg ist wunderschön und der Blick aufs Meer noch vielviel schönara, aber wir waren dann doch ganz froh, dass …

… Obelix einen Hinkelstein aufgestellt hatte, …

… um einen günstigen Punkt zu markieren, an dem wir unsere Wanderung beenden konnten. Wir musste ja auch wieder zurück. Wir gingen auch nicht den gleichen Weg retour, sondern verließen die Küste und gingen an der Straße lang. Nicht schön, aber dafür ging (es sich) schnell.

Und nach einem Drink am Museums-Hafen lief uns Üffes über den Weg.

Üffes, die Hummer-Langustine

Naja, das Plüschtier lag halt in dem einen Laden rum und wollte mitgenommen werden. Ich war spontan überzeugt, dass es eine Langustine sei, aber

Zumindest war sich die TL einig, dass es ein Männchen sei. Also brauchte er noch einen Namen und da kam eins zum anderen: Unser Vermieter heißt Yves, den ich recht schnell – also während der Buchung per e-Mail – Üffes nannte, zumindest wenn ich dem RB erzählte, was Üffes hinsichtlich unserer Buchung geschrieben hatte. So ganz nett und entspannt. Dann lernten wir gestern Yves in echt kennen und ja, er ist sehr nett und sehr bemüht, aber auch sehr anstrengend. Er redet sehr viel und kommt nicht zum Punkt bzw. vom Hundersten ins Tausendstel. Der RB wird müde vom Übersetzen und Versuch zu folgen und ich bereue erstmals in meinem Leben, gut Französisch zu können. Naja und weil „Üffes“ nunmal zu diesem Urlaub gehört und die Hummer-Languste auch und Namen auch neu besetzt werden müssen, heißt das blaue Plüschtier Üffes.

Zum Tagesabschluss gab es leckerstes Essen am Port du Rosmeur und einen Spaziergang zur blauen Stunde.

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* Da wir ja eh mit dem Auto gefahren sind, haben wir unsere Räder einfach mitgenommen.

** Dafür werden wir uns noch dankbar sein im Laufe des Tages.

*** Grande Randonnée

Back in Breizh

Wer mir (und/oder dem RB) auf instagram und/oder Twitter folgt, hat es vermutlich schon mitbekommen, dass wir unsere Fotos und Tweets zur Reise unter #rudebreizh (gesprochen rüd’brähß) veröffentlichen.

Heute fahren wir also endlich in die Bretagne. Der Mont Saint Michel ist ja so ziemlich hart auf der Grenze, gehört habe nun mal noch zur Normandie. Und weil wir ja nicht am Mont Saint Michel übernachtet haben, weil es so praktisch auf dem Weg liegt, sondern weil wir es uns auch angucken wollen. Aber erstmal freuen wir uns nachts über den wirklich tollen Sternenhimmel. Es waren so viele Stern zu erkennen, dass wir sie schon nicht mehr richtig wahrnehmen konnten. Wow. Da wird einer erstmal bewusst, wie stark die Lichtverschmutzung über Frankfurt* ist.

Pünktlich zum Sonnenaufgang werde ich wach und kann kurz den Blick aus dem Chambre-d’Hôtes-Fenster genießen und einfangen.

**

Ich schlafe aber nochmal ein. Später dann in relativer Ruhe frühstücken, Sachen verstauen und ab zum Mont Saint Michel. Huiiii, da hat sich viel verändert. Zumindest, was die Zufahrt anbelangt. Damals, vor fast 11 Jahren, war das noch nicht so organisiert mit Parkplätzen und Bus- bzw. Kutschen-Shuttle zum Berg selbst. Um den Parkplatz kommen wir nicht herum, aber wenigstens können wir über den neuen Steg laufen.

Wir laufen auch ein bisschen über den Berg, aber wollen beide nicht ins Kloster selbst, sodass wir auch relativ schnell wieder auf dem Weg zum Auto sind. Herrje, auf einmal zieht sich der Weg über den Steg. Mir ist heiß, weil die Sonne brennt und irgendwie waren das auch zu viele Menschen auf viel zu kleinem Raum. Ich freue mich sehr auf wenige Menschen**** und viel Meeresrauschen in den nächsten Tagen.

Wir fahren weiter mit einem leider vergeblichen Abstecher nach Dinard, machen kurz Pause…

… und fahren dann quer durch die Bretagne bis nach Douarnenez. (Die Anfahrt ist noch recht spannend, da wir ewig nicht das Meer sehen und es extrem hügelig ist. Wir sind beide etwas verwirrt. Außerdem fahre ich die Etappe ins Städtchen rein und das ist eher suboptimal für meine Laune*****.) Wir werden aber herzlich am Chambre d’Hôtes empfangen und so bin ich recht schnell wieder entspannt.

Zu essen bekommen wir auch noch.

Und weil das gestern mit der Romantik ja so gut ging, heute gleich wieder bei einem Nachst-Spaziergang entlang der Sardinen-Route.

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* Ja, nichts Neues. Aber ich finde es ja totzdem erstaunlich, dass wir überhaupt Sterne über Frankfurt sehen.

** Weil so schön, diesmal kein Zuschnitt auf 1:1

*** Jedes Schild (dieser Art) hat eine Geschichte.

**** Am liebsten gar keine außer dem RB.

***** Ich hasse Stadtverkehr wirklich und nicht auf die Karte gucken zu können, weil das Navi vom Auto keine Frankreichkarte geladen hat, stresst mich zusätzlich.

****** Obwohl hier sowohl die herzhaften Galettes aus Buchweizenmehl als auch die süßen Crêpes aus Weißenmehl „Crêpes“ genannt werden.

Romantik-Profi

Nach eine höchst durchwachsenen Nacht wegen fremdem Haus, fremdem Bett, schnarchendem RB und juckendem Tattoo brechen wir zeitig im Saarland auf.

Schon schön, wenn einer den Grenzübertritt nach Frankreich nur daran merkt, dass andere Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten und das Handy vorrübergehend nicht weiß, ob sie sich noch ins deutsche Netz einwählen kann oder ins französische muss.

Ich bin die meiste Zeit Beifahrerin. Und das ist auch ganz gut so. Ich finde Autofahren immer anstrengender und hatte auch schon etwas Horror vor meinem Fahrtpart, denn

Aber mit Tempomat fährt es sich ja dann doch sehr entspannt auf französischen Autobahnen.

Natürlich machen wir unterwegs Pique-Nique* – allerdings mit saarländischen Zutaten. Aber ich bin froh, dass wir gestern noch daran gedacht hatten.

Die Stecke zieht sich. Und mal so unter uns: Französische Autobahnen sind furchtbar langweilig – so was die Umgebung anbelangt. Daher bin ich sehr sehr froh, dass sich bei der Routenplanung eine Abwechslung ergeben hat.

Da freute ich mich tatsächlich sehr drüber. Und kurz vor der Brücke haben der RB und ich auch noch einen Fahrerinnenwechsel gemacht, damit ich die Brücke auch fotografieren kann.

Aber weil die Brücke so toll ist, haben wir direkt vor der Péage-Station auf dem Parkplatz angehalten und haben genutzt, dass wir näher dran konnten und von der Panoramabrücke fotografieren. Schöne, elegante und seeehr steile Brücke. Ja, Brücken können die Franzosen.

Dann war es auch nicht mehr so weit. (Bekanntlich zieht sich ja die letzte halbe Stunde einer Fahrt wie Kaugummi.) Doch kaum am vermeintlich gebuchten Chambre d’Hôtes angekommen, stellte sich heraus, dass mein ungutes Gefühl wegen der Buchung nicht falsch war: Die Buchung war nicht richtig durchgegangen und entsprechend nicht als „confirmé“** vermerkt. Die Unterkunft hatte uns nicht eingeplant und kein Zimmer mehr. Aber ein Telefonat und wir hatten wieder ein Zimmer.

Wo Andy Warhol vermutlich nicht gewohnt hätte***

Das Schöne am unfreiwilligen Umzug: Wir sind näher am Mont Saint Michel.

Ich werden noch Romantik-Profi.

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* Ja, das muss ich französisch schreiben, denn in Frankreich fährt eine Punkt 12h30 (bis 13h30 geht auch) einen Rastplatz an – am besten einen OHNE Tankstelle+ – und sucht sich okkupiert dort einen Pique-Nique-Tisch, um in Ruhe (!!!) zu essen.
+ Eigentlich ALLE Rastplätze, also auch die OHNE Tankstelle, haben in Frankreich Toiletten und gerade die ohne Tankstelle sind meistens so gelegen, dass von der Autobahn weg viel Grün ist und halt recht viele Pique-Nique-Bänke.

** bestätigt

*** Das Zimmer war wirklich gut!

Rügbiiii

Jajaja, ich darf „unser“ wirklich gut organisiertes Internationales RugbyJugendfestival nicht als Maßstab anlegen, aber schon letztes Jahr fand ich das französische Turnier nur so semi-gut organisiert. Es wirkte alles so improvisiert und „ja, findet sich schon irgendwie“. Dazu noch, dass es insgesamt nur 4 Toiletten (und etwa 6 Pissoirs für die Herren) gab. Hocktoiletten versteht sich.

Letztes Jahr war aber alles, was Rugby anbelangt noch recht neu. Und der midi-monsieur war zum Spielen da und ich seine Begleitung. Nicht mehr (auch wenn ich wohl noch heute dafür verantwortlich gemacht werde, dass die Trinkflaschen der U8 verschwunden sind). Es war heiß, die Busfahrt lang. Aber das Kind hatte Spaß und gute Spiele.

Dieses Jahr war es anders: Ich war Interims-Teammanagerin*. Ich durfte mich zwar ins gemachte Nest setzen hatte zwar nichts mit der Orga im Vorfeld zu tun, war aber „verantwortlich“ ab Moment der Abfahrt des Busses. Kinderzählen und hoffen darauf achten, dass bei Ankunft in Frankreich auch noch alle da sind. In der Jugendherberge war es dann unser Glück, dass ich der örtlichen Sprache mächtig bin: Ich konnte uns schon einchecken und Zimmer verteilen, sodass das Team vom Kind und die Handvoll Begleiter (neben mir noch 6 Väter) die etwas besseren Zimmer in der ersten Etage bekamen.

Die Jugendherberge war zum Übernachten definitiv besser als der Zeltplatz**. Denn um 22h00 war bei allen Spielern Ruhe und auch die Erwachsenen waren gegen 23h00 im Bett, sodass wir definitiv mehr geschlafen haben als letztes Jahr beim Campen. Ohne Zelte war auch die Abreise zum Turniergelände deutlich entspannter und wir waren sehr pünktlich um 8h45 vor Ort.

Dunkle Wolken verheißen nichts Gutes.

Wir okkupieren einen Treffpunkt (und markieren ihn mit Pavillion und Kinderrucksäcken). Dann muss ich teammanagern: Die Mannschaft anmelden und einen Spielplan organisieren. Anmeldung verläuft problemlos. Spielpläne gibt es am Pitch.

Oder auch nicht – zumindest nicht vor 9h40 (das Turnier sollte eigentlich um 9h30 starten). Da dann schon das erste Chaos: Der Spielplan*** stimmt schon nicht mehr, bevor der erste Ankick war. Es wird rumgewurschtelt, wir versuchen die Regeln**** und Spielzeit zu klären. Einer unserer Trainer muss das erste Spiel pfeifen, unsere Mannschaft spielt das zweite. Die Spielzeit ist für die Altersklasse (zu) kurz: eine Halbzeit à 6 Minuten. Da kommt doch keiner ins Spiel*****…

Es regnet, es ist ungemütlich und insgesamt läuft es mäßig für uns. Eine merkt, dass die Kids wenig in dieser Konstellation miteinander****** spielen. Sie müssen in der Vormittagsrunde drei Spiele spielen. Am Nachmittag sind es vier Spiele (je eine Halbzeit à 8 Minuten*****). Ähnlich wie am morgen bekommen wir den Spielplan erst kurz vor knapp am Pitch. Unser Team muss auch gleich als erstes spielen.

Ab Spiel drei fallen nach und nach die Spieler aus: Der erste wird so hart und dazu unglücklich mit der Gegnerschulter im Zwechfell getacklet, dass er sofort vom Platz muss. Er kann nur flach atmen. Ich gehe mit ihm zu den Sanis: Vielleicht Rippenanbruch. Damit darf er nicht mehr spielen.

Am Nachmittag – wenigstens ist das Wetter mittlerweile gut – sehe ich die freundlichen Sanitäterinnen noch zwei Mal: Einmal mit Verdacht auf Kreuzbandirgendwas und eine gequetschte Hand. Das Knie muss ruhig gestellt werden. Die Hand ist nach Kühlen und Arnikagel wieder schnell in Ordnung.

Die Jungs sind sichtlich froh, dass ich sie begleiten und vor allem auch übersetzen kann. Sie danach dazu zu bringen, sich ruhig zu verhalten ist deutlich schwieriger.

Um 15h20 war unsere Mannschaft durch – so insgesamt, aber auch mit dem Turnier. Viel habe ich von den Spielen am Nachmittag nicht gesehen, da ich ja bei den Sanis war.

Der Bus zurück kann frühestens um 17 Uhr bestiegen werden. Aber wir müssen eh noch auf die U12 warten und zwei weitere Trainer. Das führt dann auch noch fast zu einem Eklat und ich bin echt erschüttert, wie viel Ego so in diesem Verein rumläuft. Ich fürchte, dass die nächste Saison in der U10 noch „spaßig“ wird.

Allen Querelen zum Trotz sitzen wir um 17h40 im Bus (ohne die zwei weiteren Trainer). Der Busfahrer ist auch deutlich organisierter und kooperativer, sodass wir VOR Mitternacht (letztes Jahr waren der midi-monsieur uns ich erst um 1h30 zu Hause) in Frankfurt ankommen und – dank Abholservice durch den RB – auch VOR Mitternacht zu Hause sind.

Der midi-monsieur ist total grumpy und ranzt den RB an, duscht aber doch noch freiwillig und schläft dann sofort ein.

Ich brauch Schnaps, aber vor dem Schnaps muss ich noch als Requisitöse wirken:

Ein Mitra*******

Denn ab morgen führt der midi-monsieur mit der Theater-AG der Schule das einstudierte Stück vor. Und das Kind ist Erzähler, König und Bischof.

Aber jetzt. Jetzt gibt es Schnaps********.

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* freiwillig gemeldet, da ich dachte, dass es bei einem Turnier in Frankreich hilfreich sein kann, wenn eine Französisch kann.

** Toll gelegener Platz: direkt am Fluss mit Freibad. Nur nachts rauscht die Bundesstraße keine 50 Meter Luftlinie am Kopf vorbei.

*** Es bekam auch nicht jedes Team ein Blatt mit dem Spielplan ausgehändigt, sondern eine durfte es sich abfotografieren. ^^

**** Die französischen Regeln sind in den jeweiligen Altersstufen anders und es gibt bereits andere typischen Rugby-Elemente (Gasse, Gedränge, Hand-off, Vorkick).

***** Zwei Halbzeiten à 5 Minuten wären besser gewesen und zeitlich locker zu machen

****** Es gibt eine eine erste und eine zweite Mannschaft, aber für dieses Turnier ist keine der beiden Mannschaften vollständig gewesen.

******* Mit einem klitzekleinen blasphemischen Detail 😉

******** GinTonic

Rugby on Tour

Ob es nun so schlau war, den midi-monsieur für das Turnier in Besançon zu melden, ist noch nicht so sicher. Zumindest so vom Zeitlichen. Aber sein Motivation ist da und ich finde es auch nett, nochmal ein exklusives Wochenende mit ihm zu haben, bevor er ab nächstem Wochenende vier Wochen in Frankreich ist.

Zum Glück Zelten wir nicht.

Wobei ich noch nicht sicher bin, wie die Jugendherberge als Alternative taugt.

Schauen wir mal wie die Nacht wird. Die Kids scheinen zu schlafen.

P wie …

Paris. Mal wieder. Aber dieses Mal erstmals mit dem RB.

Der ursprüngliche Plan war, Belleville, also das Quartier, das rund um die Kreuzung der Arrondissements 10, 11, 19 und 20 liegt, zu erkunden. Das hat ein bisschen geklappt, aber nicht so gut. Zum einen zickte der Fuß heute mal wieder mehr als sonst. Ich lief entsprechend „unrund“. Zum anderen war die empfohlene Brunchlocation 3,4 Kilometer vom Bahnhof entfernt, es ging berghoch und ich hatte ja Fuß (s.o.), sodass es eine gute Stunde brauchte, bis wir da waren. Wir hätten auch Métro fahren können, aber dann hätten wir nichts vom guten Wetter gehabt und nichts gesehen.

Das „Bellevilloise“ liegt in einer schönen Seitenstraße und ist wohl sehr beliebt – zumindest dem Andrang nach.

Ich würde die Empfehlung gerne uneingeschränkt weitergeben, aber … hmmm … fangen wir mal mit dem Positiven an: Die Brunch-Auswahl war recht gut, abwechslungsreich, lecker und qualitativ gut. Alle Getränke (Wasser, diverse Säfte, Tee, Kaffee) waren inklusive (nur Latte Macchiato und Co hätte man extra zahlen müssen). Es gab Live-Musik. Das Personal war aufmerksam.
Negatives gab es aber auch: Eine kann fürs Brunch nur um 11h30 oder um 14h30 reservieren. (Wegen Zug und Hunger kam nur 11h30 infrage.) Wegen Aufräumen und so für 14h30 darf eine im 11h30-Slot bis etwa 13h30 brunchen (bereits um 12h30 wurde uns die Rechnung auf den Tisch gelegt). Unser sehr kleiner Bistrotisch war wirklich sehr klein. Das Café war sehr voll und dadurch relativ ungemütlich. Aber was uns vor allem störte: 29 Euro waren für all das eindeutig zu viel.

Weil der Kv es wohl eilig hatte, das Kind loszuwerden seine Rückfahrmöglichkeit zu erreichen, nahm ich es bereits um 12h45 vor dem Café in Empfang. Der midi-monsieur verabschiedete sich vom Vater und dann sammelten wir drinnen den RB ein. Das Wetter war immer noch gut, das Kind suboptimal gelaunt und so war klar: Irgendwie sollten wir uns lüften, bevor wir wieder in den Zug zurück steigen. Und so verschlug es uns in den Parc de Belleville:

Die Zeit verging – mit Spielplatz fürs Kind – dann doch recht schnell und es war fast etwas knapp, dass wir erst um 14h30 für die 2,6 Kilometer retour zum Bahnhof aufbrachen. Aber noch rechtzeitig kamen wir am Gare de l’Est an, um zwei Stunden früher als ursprünglich gebucht zurückzufahren. Denn dank Streik fiel unser eigentlich gebuchter Zug aus. Aber am – durch die Leere sehr gespenstig wirkenden – Bahnhof war alles sehr gut organisiert.

Drei Punkte für den Zugang* zum angehängten ICE. Da ich keine Lust darauf hatte, einmal durch den ganzen Zug zu wandern, um drei zusammenhängende Plätze zu suchen, setzten wir uns kurzerhand ins Boardrestaurant und entspannt** nach Hause fuhren.

Ach ja, und weil so eine Zugfahrt nach Paris und zurück ja in der Summe recht lang ist, hatten wir Zeit für (P wie …)

Pärchenkackegedöns***

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* Ehrlich gesagt: Keine Ahnung, warum es drei Punkte aufs Ticket gab. Vielleicht gab es eine abgezählte Anzahl Punkte für die Anzahl Sitzplätze im angehängten Zug.

** Mal abgesehen von komischen Menschen im Boardrestaurant

*** Die Wortwahl muss bittedanke nicht kommentiert werden.

**** unterschiedlicher Inhalt

Pläne

Ein großes Ereignis wirft seinen Schatten voraus: Möbel wurden vermessen, der midi-monsieur wurde befragt, welches Zimmer der Wohnung er zukünftig bewohnen möchte, ich überlege, wie ich welche Schränke auf- und umräumen kann und muss, damit weiterer Hausrat Platz finden kann, der RB hat seine Wohnung gekündigt.

Aber weil die Planung dieses großen Ereignis nicht dramatisch ist (die Umsetzung selbst wird einfach mal Zeit kosten), „organisieren“ wir parallel ein mittelgroßes – unseren ersten gemeinsamen Urlaub: Zeitraum und die Übernachtungslocations stehen schon fest bzw. sind gebucht. Eine Google-Map ist angelegt. Nun gucken wir immer mal wieder in die Reiseführer und befragen das Internet.

Vorfreude auf (zum Teil) unbekannte Ecken

Grob geplant wird auch schon der Urlaub im Herbst. Denn wenn alles gut läuft, können wir das Praktische mit dem Nützlichen verbinden: Sprich der RB muss „arbeiten“ und ich kann fangirlen. Und Landschaft gucken können wir beide.

Ansonsten stehen hier ein paar kleine Ereignisse an (die eine*n, zwei oder uns alle betreffen): Konzerte, Hamam, Paris, Theater, Rugby-Jugend-Festival, GartyParty, diverse Rugby-Spiele, Projektwoche, Klassenfahrt, Krefeld, Geburtstag vom midi-monsieur.