Erschöpft

Ich bin immer noch erschüttert, was da letztens mit der lieben Minusch via Twitter passiert ist. Und so sehr ich verstehen kann, dass sich jemand sorgt, wenn mal etwas länger Ruhe auf einem Account ist – insbesondere auch nach einem solchen Tweet -, so wenig Verständnis habe ich dafür, dass direkt die Polizei eingeschaltet wird.

Ich kann nicht wirklich beurteilen, wie nah diese Menschen Minusch stehen, aber sonderlich nah wird es nicht sein, denn sonst hätten sie andere Wege gefunden, ihrer Sorge Ausdruck zu verleihen. Am einfachsten wäre wohl anrufen gewesen. Oder sich wenigstens an wen zu wenden, von der oder dem man weiß, dass sie oder er ihr nahe steht. Gleich die Polizei einzuschalten ging gar nicht. Überhaupt nicht!

Aber eigentlich will ich mich gar nicht aufregen. Das obliegt v.a. Minusch und das hat sie ja zum Glück auch gemacht.

Ich will darüber schreiben, dass ich ihren Tweet überhaupt nicht mit auch nur den allerleisesten suizidalen Absichten in Verbindung gebracht habe. Ja, vielleicht hätte man das können. Aber vielleicht hätte man das nur können, wenn man noch nie in dieser Situation gewesen ist. Und damit meine ich in der Situation des Alleinerziehendseins – des ganz endgültigen und ganz alleinigem Alleinerziehendseins. Ja, das klingt dramatisch. Aber ganz ehrlich: Es ist auch dramatisch. Vor allem am Anfang. Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier.

Denn egal, wer sich von wem trennt, man ist von jetzt auf gleich alleinerziehend. Man kann nicht probehalber alleinerziehend sein (und temporär mit den Kinder alleine zu sein, weil der Partner nicht vor Ort ist, gibt sicherlich Einblick in die „Miesere“, hat aber trotz allem eine ganz andere Qualität). Man kann sich vielleicht, wenn man der trennende Part ist, eine zeitlang mit dem Gedanken anfreunden, aber was es wirklich bedeutet, weiß man erst, wenn die Trennung vollzogen ist.

Ja, so eine Trennung kann manchmal befreiend sein und war – in meinem Fall – auch überfällig. Beziehungen können zerstörerisch sein. Aber nur weil die Trennung, richtig, wichtig oder gar lebensrettend ist, ist man in seinem Alleinerziehendsei nicht weniger allein.

Und man steht allein vor einem Riesenberg:

  • Wie erkläre ich es den Kindern*? Was macht es mit ihnen?
  • Wie geht es finanziell weiter?
  • Wann sehen die Kinder den Vater**?
  • Wie organisiere ich unseren Alltag neu?

Und das sind nur die wichtigsten Fragen, wenn man es schafft, sich halbwegs zivilisiert und einvernehmlich zu trennen.

Doch das ist selten der Fall. Meist kommen viele Frage, Baustellen und Nebenschauplätze dazu:

  • Müssen wir umziehen? Wo finden wir eine schöne günstige Wohnung?
  • Ich will die Kinder nicht aus ihrem Umfeld reißen?
  • Warum kommt der Papa nicht? Warum dürfen wir nicht zum Papa?
  • Wieso schafft es der Ex immer wieder, mich auf die Palme zu bringen?
  • Ich kann nicht Vater und Mutter gleichzeitig sein.
  • Warum zahlt der Kv nicht?
  • Antrag auf Unterhaltsvorschuss stellen.
  • Wo finde ich eine gute Familienanwältin?
  • Warum ist das Jugendamt so doof?
  • Warum muss ich allesallesalles alleine machen und entscheiden?
  • Bekomme ich die Unterschrift vom Kv?
  • Gerichtstermine
  • Warum kann er sich verdammt nochmal nicht an Vereinbarungen halten?
  • Meine Kinderkranktage sind aufgebraucht und nun liegt schon wieder eins fiebernd im Bett?
  • Warum sind Oma und Opa so weit weg?
  • Scheidungsverfahren
  • Ich müsste dringend was für mich tun.
  • Warum kommt denn jetzt noch ein Mist dazu?
  • Klar kann man ner Alleinerziehenden kündigen. Warum auch nicht?!
  • Geschwisterkinder von Alleinerziehenden-Kindern bei der Betreuungsplatzvergaben? Die haben sie doch nicht mehr alle.
  • Elternabend 1, 2, 3, 4 und ganz viele.
  • Das Geld reicht hinten und vorne nicht.
  • Ich kann keine Formulare mehr sehen.
  • Warum darf sich der Kv die Rosinen rauspicken?
  • Die Kinder wollen den Vater nicht sehen. Und ich bin wieder die Dumme.
  • Ich muss funktionieren.
  • Wunden lecke ich dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Diese und noch viele andere Fragen, Aufgaben, Gedanken laufen den GANZEN Tag irgendwie mit. Mal mehr und mal weniger präsent. Dazu kommen noch die ganz banalen Alltagsdinge wie:

  • pünktlich aufstehen
  • ALLE zeitig loskommen
  • Hygiene
  • Essen
  • Einkaufen
  • Wäsche waschen
  • Putzen
  • Freizeitaktivitäten
  • Vorlesen / Gute-Nacht-Rituale
  • zusammen spielen

Da ist irgendwann einfach mal das Limit erreicht. Da kann man nicht mehr. Dann ist man fertig, einfach nur abgrundtief fertig und erschöpft. Und ja, sowohl physisch als auch emotional. Das belastet, das tut weh. Ja, man ist müde. UN.END.LICH müde!

Aber man ist nicht lebensmüde! Alleinerziehende sind nicht lebensmüde.

Denn da sind die Kinder, für die man sorgen und da sein will. Für die man eine Verantwortung hat. Für die man sich wünscht, dass es ihnen gut geht. Die man schlicht und einfach liebt. Und die man nicht, niemals nie allein lassen will.

Und wer helfen möchte, dem empfehle ich:

Alternativ darf auch angeboten werden, in der Wohnung klar Schiff zu machen, zu kochen oder einzukaufen, damit die Alleinerziehende auch einfach mal Zeit für ihre Kinder hat.

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* Ich wähle hier mal den Plural, damit ich mich nicht in tausend Sternchen, Klammern und Schrägstrichen verheddere.

** Auch hier der einfachheithalber das „klassische“ Modell: Die Kinder bleiben bei der Mutter.

12 von 12

Weil mein Instagram-Account irgendwie verwaist, dachte ich mir, dass ich mal wieder bei 12von12 mitmachen könnte.

#1: Zum Duschen brauche ich Musik. Und danach brauche ich leider auch Fenistil, denn ich habe mir am Samstag Nacken und Dekolleté verbrannt. Gar nicht schön das.-

#2: Es ist BalkonOffice-Wetter, aber die Wärme und das Sitzen bekommen meinen Beinen nicht. Also quetsche ich mich ganz uneitel in die Kompressionsstrümpfe.

#3: Vor lauter Arbeiten komme ich nicht zum Essen. Der Skyr transpieriert schon.

# 4: Ich räume das BalkonOffice, weil …

#5a/b: … ich noch schnell (haha) die Griffe vom Mountainbike tauschen will. Zum Glück klappt es wie gewünscht.

#6: Beim Rugby ist heute Elternabend. Saisonrückblick und -ausblick. Wobei uns das nur teilweise betrifft, da der midi-monsieur ja ab Sommer in der nächsthöheren Altersklasse spielt.

#7: Schulelternbeiratssitzung ist heute auch.

#8: Weil der Kv da ist, kann ich nach dem SEB noch in Ruhe einkaufen gehen.

#9: Als ich die Einköufe in die Küche bringen, gucken mich die Gerbera sehr traurig an.

#10: Ich setze mich kurz auf den Balkon und genieße die frische Luft.

#11: Aber die Gedanke an das Gespräch, das mir morgen bevor steht, lassen mich nicht los und ich gucke mir meine Notizen an.

#12: Ich sinniere noch kurz über die magere Dekoausbeute: So ohne Motto bin ich etwas ideenlos.

Alle 12von12 sammelt wie immer Draußen nur Kännchen.

Liebes Tagebuch am Fünften (Juni)

Ist tatsächlich schon Juni?! Will Frau Brüllen wirklich schon zum 6. Mal in diesem Jahr wissen, was ich eigentlich so mache?!

Nun gut. So soll es sein. Vom Tagebuchbloggen hält mich auch kein Kurztrip ab:

Wir sind ziemlich früh im Bett, wir waren ja auch ziemlich früh essen. Der midi-monsieur schnurchelt schon lange, als mir um

1h00 einfällt, dass ich doch noch anfangen könnte zu packen. Denn heute geht es ja wieder nach Hause. Dauert aber nicht lang. Der Rest kann eh erst später eingepackt werden.

8h30 Wir werden wach, brauchen aber einen Moment, bis wir aufstehen. Dann dusche ich, das Kind zieht sich an. Ich packe den Koffer fertig.

9h45 kein. Erfreulicherweise können wir den Koffer sowie Rucksack und Roller vom midi-monsieur noch da lassen. Wir gehen los, uns eine Frühstückslocation zu suchen.

Nicht weit entfernt finden wir das Café wieder, das am Freitag schon so nett aussah. Nunja, wir bekamen ein Frühstück, aber mehr auch nicht.

11h00 Wir gehen Richtung Münster. Da müssen wir ja noch rauf. Und die astronomische Uhr haben wir auch noch nicht gesehen. Wir reihen uns brav in die Einlassschlange ein und folgen dem Menschenstrom durch die Kirche. Ich mag ja Sakralbauten, aber in dieser Kathedrale ist keine Atmosphäre.

Vor DER Uhr ist totales Gedränge. Nunja, und viel Platz ist auch nicht. Wir beschließen nach ein paar Minuten, genug gesehen zu haben und dass wir auch nicht auf die 12 Apostel warten wollen. Also gehen wir den Menschenmassen hinterher nach draußen. Da dann Toilette, Storch und rauf auf die Plattform.

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Sowohl beim Auf- als auch beim Abgang dürfen wir auf Pferdeär… äh … hintern gucken.

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Blick von halboben.

Als wir wieder unten sind, haben wir immer noch viel Zeit bis zu unserem Zug zurück. Museum bietet sich mit Kind nicht an. Also lassen wir uns treiben. Kaufen ein Eis, genießen es am Gutenberg-Platz, kaufen einen Gugelhupf als Andenken, bummelen weiter, bekamen Hunger und suchen eine vom Internet via Twitter empfohlene Essenslocation und lassen es uns da schmecken.

Dann haben wir immer noch Zeit und ich denke, dass wir nochmal nach Petite France wandern können. Bei dem besseren Wetter kann ich nochmal versuchen, ein paar schönere Fotos zu machen. Außerdem ist da ein Spielplatz.

Irgendwann ist dann soviel Zeit rum, dass es sich lohne, zurück zum Hotel zu gehen. Wir holen den Koffer umd beschließen, zu Fuß bzw. per Roller zum Bahnhof zu kommen.

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Ein Ufo als Bahnhof.

Auch am Bahnhof haben wir noch Zeit. Also nutzen wir das kostenlose Wifi auf unseren Endgeräten.

17h13 Der Zug fährt pünktlich ab. Ich bespaße das Internet mit total spannenden Fakten über mich. Der midi-monsieur darf am Tablet datteln … äh… daddeln.

19h45 Wir sind wieder zu Hause. Und direkt hat uns der Alltag wieder. Der midi-monsieur muss noch Hausaufgaben machen und ist davon total gestresst*. Aber mein Angebot, ihm eine Entschuldigung für die Hausaufgaben zu schreiben, will er nicht annehmen. Also schreibt er Klassentagebuch**, macht Deutsch- und Mathe***hausaufgaben.

Ich mache währenddessen etwas Abendbrot: Tomaten-Melone-Avocado-Ziegenkäse-Salat mit Quesadillas.

21h30 Fertig mit Essen und Schulkram. Nun muss das Kind schnell ins Bett. Wir kuscheln noch kurz und dann schläft er ziemlich schnell ein.

Ich atme durch, esse ein Eis, schreibe diesen Post.

Gleich dann auch Bett für mich.

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* Und ich bin total genervt, warum es über ein langes Wochenende wie Pfingsten Hausaufgaben gibt.

** Immer der Reihe nach bekommt ein Kind das Klassentagebuch zusammen mit dem Klassenmaskottchen übers Wochenende. Und dann sollen sie schreiben, was sie gemacht haben und ein Bild malen.

*** Am Freitag vor Pfingsten haben sie eine Mathearbeit geschrieben und bekommen trotzdem Hausaufgaben auf. Ich glaub echt, es hackt.

Bananenbrot (modifiziert)

Immer, wenn der midi-monsieur nicht da ist, werden hier Bananen schlecht sehr reif. Also wenn welche da sind, wenn er nicht da ist. Denn ich esse Bananen sehr wenig und wenn, dann nur in einem sehr frühreifen Stadium (Schale teilweise noch grün). Bananen habe ich eigentlich nur für den midi-monsieur im Haus. Der midi-monsieur isst sie eigentlich nur im Stadium, wenn die die Schale makelos gelb ist. Beim leisesten Anzeichen eines braune Flecks Danach eignen sie sich für ihn wenigstens noch für Bananenmilch. Allerdings finde ich die Kombination aus Banane und Milch ziemlich widerlich.

Das Kind ist jetzt über eine Woche weg. Also hatten die zwei nicht von ihm gegessenen Bananen viel Zeit zum Nachreifen. Und weil ich Lebensmittel so ungern wegschmeiße, habe ich sie erstmal in den Kühlschrank gelegt. Und dann habe ich mit der einen Freundin eine Radtour geplant. Und dann habe ich mir überlegt, dass wir etwas Proviant für unsere Tour brauchen können (geplant waren 30 km, es wurden 66 km). Und dann fielen mir die Bananen wieder ein. Denn Bananen sind schon ziemlich gut beim Fahrradfahen: schnelle Energie, sättigend. Aber braun wie meine Bananen waren, leider für mich ungenießbar (und auch nicht wirklich transportfähig). Aber da fiel mir wieder das gute Bananenbrot-Rezept von der Drehumdiebolzeningenieurin ein. Da in ihrem Rezept 3-4 Bananen gebraucht werden und ich nur zwei hatte, habe ich ihr Rezept modifiziert:

125 g weiche Butter
70 g Rohrzucker
1 Pk Bourbon-Vanillezucker
–> zusammen verrühren

2 sehr reife Bananen
–> pürieren und mit der Zucker-Butter-Mischung verrühren

150 g Mehl (hier: 100 g Dinkelvollkorn- + 50 g Buchweizenmehl)
1 TL Backpulver
2 EL Kakao
–> vermischen und in die Zucker-Butter-Bananen-Masse einrühren

50 g Vollmilchschokolade
–> schmelzen und mit dem Teig verrühren

50 g Mandelstifte
50 g Walnüsse (klein gehackt)
–> in den Teig unterheben

In eine kleine (!!) gebutterte Kastenform (hier: 20 cm x 10,5 cm Öffnungsmaß) geben und bei 150° C backen. Ich habe nicht auf die Uhr geguckt, aber es waren mindestens 30 Minuten (eher mehr). Ich kontrolliere immer mittels Stäbchenprobe.

Perfekter, leckerer Energielieferant gegen den Hungerast für Zwischendurch.

Liebes Tagebuch am 5ten (April)

Mich ficht Frau Brüllens neue Regel für WMDEDGT? ja nicht so an. Ich war ja meistens eine der Letzten, die sich eingetragen hat. So auch heute, wie ich gerade beim URL-Kopieren sah.

0h10 Ich habe mit Else Routen für einen Radausflug am Wochenende geplant.

3h27 Text endlich fertig gestellt. Jetzt warten nur noch sechs Texte auf mich. (Und Texte sind mind. 2 Din A4 Seiten, Arial 10/11pt lang. Alles andere zählt schon nicht mehr.)

3h58 Im Bett mit Wärmflasche.

10h15 Der Wecker klingelt

10h30 Ich stehe auf. Wasser für Tee anmachen, Teekanne vorbereiten. Außentemperatur auf BalkonOffice-Tauglichkeit prüfen. (War zu frisch.)

10h45 Kleine Runde durchs Internet mit Tee und Mini-Brötchen.

11h15 Stunden für gestern und vorgestern eingetragen und damit schon 80% meines Wochensolls erfüllt…

11h35 Meine kommende Nichterreichbarkeit kommuniziert.

11h45 Endlich Start des einen Projekts

13h10 Dramatisch dringende Anfrage meiner Dienste erhalten. Verlockend. Aber ich kann frühestens nächste Woche.

13h30 Projekt fertig und verschickt. Suche Unterlagen zum nächsten Projekt.

14h00 Kann am nächsten Projekt nicht arbeiten, da mir nicht klar ist, was ich machen soll. Drucke erstmal Bäume für ein anderes Projekt tot.

14h15 Telefonat wegen des nicht klaren Projekts. Ich mag es nicht. Ich mag alles daran nicht. Aber gut. Augen zu und durch.

14h40 Kurze Projektbesprechung mit der einen Kollegin. Sie sind ja schon ein bisschen in Panik ob meiner telefonischen Nichterreichbarkeit bis Ostern.

15h35 Das unliebsame Projekt bearbeitet und abgegeben. Jetzt mache ich mich fertig und gehe auf den Markt.

15h55 Abflug.

16h50 Erfolgreiche Runde gedreht: Dichtungsringe, Spargel und Bärlauch, spätes Markt-Mittagessen (Waffel und Worscht), Supermarkt. Jetzt lesenlesenlesen.

17h40 Irgendwie bin ich im Internet hängen geblieben und am Fernseher. Und an privaten To-Dos.

18h10 Balkon regensicher gemacht.

18h15 Nochmal raus: Endlich den letzten Strick-Pussyhat verschickt, ein Retouren-Paket endlich aufgegeben, Chips gekauft, die Hort-Vertragsveränderung eingeworfen.

18h45 Wieder zu Hause. Mal kurz aufs Sofa legen.

19h45 Tatsächlich eingeschlafen. Jetzt aber flott fertig machen.

20h05 Ankunft am Kino. Die Feundin wartet schon.

22h15 Moonlight gesehen. Toller Film.

22h30 Zu Hause fallen mir die Dichtungsringe ein. Direkt mal tauschen. Hmhm, möglicherweise ist der Schlauch kaputt. Was sehr ärgerlich wäre.

22h55 Dieser Beitrag geht online und ich muss noch arbeiten.

Elternbeziehung (Teil M)

Die umtriebige Tante Emma hat eine Blogparade ins Leben gerufen. Zu einem sehr spannenden, vielschichtigen und höchst persönlichem Thema: Elternbeziehungen. Ich könnte einfach auf einen alten Artikel (oder den hier) von mir verweisen, aber das möchte ich nicht (nur). Und weil es beim Schreiben immer mehr wurde, kommt hier erstmal der erste Teil.

Mutti

Für viele ist es bezeichnend, dass ich meine Mutter bei ihrem Vornamen nenne. Für mich ist es einfach normal und hat weniger zu bedeuten, als viele darin sehen wollen. Ich weiß gar nicht, seit wann ich das tue. Gefühlt schon immer, aber ich vermute, dass es auch frühe Phasen gab, in denen ich Mama gesagt habe. Ich vermute Mami habe ich so gut wie nie gesagt. Irgendwann, so mit Mitte-Ende 20 gab es eine Phase, in der ich sie öfter auch Mutti genannt habe. Meine Brüder auch. Und der Ex auch. Wie das aufkam, weiß ich gar nicht mehr. Es war auf einmal da und es verschwand auch wieder.

Meine Mutter ist der reflektierteste Mensch, den ich kenne. Manchmal vielleicht sogar etwas überreflektiert. Da habe ich viel von ihr. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich meine Reflektionen nicht immer und vor allem nicht schwermütig vor mir hertrage. In Bezug auf uns Kinder und unsere Erziehung hat sie oft gehadert und ihren Weg infrage gestellt. Was ich bis heute nicht verstehe – zumindest in Bezug auf mich. Was meine Brüder anbelangt im Großen und Ganzen auch nicht. Aber das sollen letztlich sie beurteilen und nicht ich (kann ich ja auch nur bedingt, da ich ja zu beiden keinen Kontakt mehr habe).

Wir drei sind recht unterschiedlich erzogen worden. Was ich in der Retrospektive oft mit einem Augenzwinkern kommentiere, aber letztlich verständlich finde. Zum einen weil wir drei unterschiedliche Personen sind und man nicht jedes Kind gleich erziehen kann und sollte. Außerdem bin ich sechs Jahre jünger als mein älterer Bruder und vier Jahre älter als der jüngere. Und ja, es gab auch einen Unterschied, weil ich ein Mädchen bin und die Brüder halt Jungs. Zum anderen habe ich sehr junge Eltern. Auch sie haben sich zwischen Kind 1 und 3 weiterentwickelt. Extrem würde ich sagen. Und dass sie beide Pädagogik studiert haben, hat sicherlich auch viel beeinflusst.

Was mich anbelangt, war die Erziehung meiner Mutter sehr geprägt von dem Gedanke, es anders als ihre Mutter – also meine Oma – zu machen. Auch wenn das dazu führte, dass ich in der Verwandtschaft *immer* aneckte, weil ich eben nicht das liebe, süße Mädchen war, das freundlich lächelnd, aber stumm in der Ecke mit Puppen spielte. Meine Mutter hat immer darauf geachtet, dass ich mich nicht verbiegen muss. Mir stand „alles“ offen. Sie hat mich nicht in meinen Interessen eingeschränkt und alles – sofern möglich – gefördert.

Ja, wir hatten unsere Reibereien. Die Pubertät war ein Kampf. Insbesondere die späte. Und wir waren beide sehr froh, dass ich mich dafür entschied, zunächst einmal nicht in der Nähe zu studieren, sondern dass ich ausziehen musste und wollte(!).

Doch dass der Abnabelungsprozess – trotz aller Eigenständigkeit – nicht vollständig vollzogen war, zeigte sich, als ich nach Abbruch des ersten Studiums wieder in die Heimatstadt zurückzog. Zwar nicht wieder zu meinen Eltern, sondern mit meinem damaligen Mann zusammen. Aber die Nähe war „tödlich“. Was allerdings erst richtig deutlich wurde, als ich meine Leben schrittweise umkrempelte: Ende der akademischen Karriere, Umzug nach Frankfurt, Trennung/ Scheidung.

Es kam zum Bruch zwischen meinen Eltern und mir. Einem heilsamen Bruch, der nötig war, um die Eltern-Kind-Erziehungs-Beziehung aufzubrechen. So wenig gut ich es finde, wenn Eltern versuchen, die (besten) Freunde des eigenen Kinds zu sein, so überzeugt bin ich davon, dass sich Eltern und Kind ab einem bestimmten Zeitpunkt als Erwachsene auf Augenhöhe begegnen sollten. Denn die Erziehung ist irgendwann abgeschlossen und dann stehen sich in erster Linie Menschen gegenüber, die sich auch genauso gegenseitig behandeln sollten.

Den Weg, den meine Mutter und ich bislang zusammen gegangen sind, war nicht immer einfach. Aber er war ein guter. Und er war richtig, denn er war nie davon geprägt, dass ich mich als Kind – oder gar Tochter – unterzuordnen hatte. Nein, ich bin nicht antiautoritär erzogen worden, aber ich bin emanzipiert, respektvoll und zur Eigenständigkeit erzogen worden.

Meine Erziehung des midi-monsieurs vergleiche ich nicht mit der, die ich erfahren habe. Sie ist nicht davon geleitet, dass ich etwas partout anders machen möchte. Wenn dann eher im Gegenteil: Ich hoffe, dass ich es schaffe, meinem Kind auch die Werte Respekt, Eigenständigkeit und Emanzipation mit auf den Weg zu geben. Aber ich überlege nicht, wie es meine Mutter gemacht hat und wie ich es gleich machen kann, sondern ich glaube, dass diese Werte einfach so in mir verankert sind, dass ich gar nicht anders kann, als meine Erziehung davon geleitet zu gestalten.

Ich bin froh, dass wir den Bruch hatten, bevor der midi-monsieur auf der Welt war (auch wenn ich da gerade mit ihm schwanger war). Ich kann nur mutmaßen, aber womöglich wäre es nicht zum Bruch gekommen. Und dann wäre die Beziehung zwischen meiner Mutter und mir geprägt gewesen von mütterlichen Ratschlägen an ihre Tochter. Durch den Bruch haben wir ein super Verhältnis, in dem wir uns gegenseitig zur Seite stehen. Sie steht mir – wenn ich es möchte – mit ihrer professionellen Sicht und Erfahrungen als Mutter zur Seite. Lässt mich aber machen. Meine Art der Erziehung wird nicht kritisiert oder mit „bei uns damals“ kommentiert. Dadurch habe ich keine Probleme, sie um Rat zu fragen. Weil ich weiß, dass mein Weg akzeptiert wird.

Und um es kurz zu machen: Mama, Du bist die beste Mutter, die ich mir für mich vorstellen kann. Und ich hoffe, dass ich das für den midi-monsieur auch sein werde.