Liebes Tagebuch am Fünften (Oktober)

Herrje, schon Oktober. So langsam sollte ich mal zum Adventskaffee einladen. In 12 Tagen sind es nur noch 2 Monate. Aber erstmal beantworte ich Frau Brüllen ihre allmonatliche Frage: WMDEDGT?

Trotz Seuche komme ich später ins Bett als geplant. Als ich dann drinliege, kann ich nicht schlafen, weil immer noch der Hals kratzt und so das Atmen schwer fällt. Aber gut, irgendwann schlafe ich dann doch ein. Es ist vor dem Wecker – ich glaube so 6h30 -, als der midi-monsieur mit Sack und Pack zu mir kommt. Ich bin fertig von der Seuche, sodass ich das nur so halb mitbekomme und wir beide nochmal tief einschlafen. Sehr tief. Zu tief. Denn um 7h40 schrecke ich auf und sehe, dass es zu spät ist, um das Kind noch pünktlich zur Schule zu schicken. Also stehen wir langsam auf, er macht sich fertig, frühstückt, ich schreibe eine Entschuldigung für die erste Stunde und dann geht er los.

Ich könnte ins Bett gehen, also so vom Krankheitsgefühl her, aber ich habe um 11h00 eine Telefonkonferenz und muss mich darauf noch vorbereiten und auch einen Text überarbeiten. Davor mache ich mir einen Ingwertee. Das tut gut. Ich bin ganz froh, dass der Hals nicht mehr kratzt, dafür aber die Nase läuft. Zum Tee gibt es noch eine ASS, denn der Kopf ist halt schon etwas dicht.

Ich arbeite, schreibe, telefoniere, schreibe, telefoniere. Unterhalte mich über die diesjährigen Nobelpreisträger und über Türkisch. (Vielleicht lerne ich das.) Und weil ich gerade beim Thema bin, suche ich nach Musik von der einzigen türkischen Band, die ich kenne. Dann ist es auch schon 12h00 und ich muss schnell Zutaten fürs Mittagessen besorgen. Wie fast jeden Donnerstag kommt nicht nur der midi-monsieur, sondern auch sein Kumpel zum Essen.

Ich koche, die Jungs kommen, dann können wir auch schon essen. Beim Essen stellen wir fest, dass der midi-monsieur heute nicht seinen alldonnerstäglichen Termin hat und so haben die Jungs mehr Zeit zum Spielen. Ich arbeite derweil weiter. Ich muss mir überlegen, wie ich einen Wirkmechanismus visualisiere – sowohl im Bewegt- als auch im 2D-Bild.

Dann müssen die Jungs auch schon los zum Aikido-Training. Und kurz darauf kommt SaBine. Wir quatschen und quatschen und es ist sehr nett. Der midi-monsieur kommt, sagt guten Tag und verzieht sich dann in sein Zimmer. Wir quatschen weiter und dann ist es schon spät und SaBine muss noch in den Süden zurückfahren.

Ich fange an, die Klamotten für des Kindes Aufenthalt beim Kv zusammenzusuchen. Es ist ja nur eine Woche und so reicht tatsächlich mein kleines Boardcase als Koffer.

Der midi-monsieur bekommt Hunger. Ich habe keinen und so sitze ich nur bei ihm, während er isst. Wir unterhalten uns endlich über die gestern geschriebene Sachkunde-Arbeit. Er ist ganz zuversichtlich.

Dann macht er sich bettfertig. Ich lese noch ein Kapitel Jim Knopf vor. Wir sprechen kurz darüber, dass die Vorfreue auf Frankreich sehr begrenzt ist und ich erinnere ihn daran, dass er mich via Skype immer erreichen kann.

Er schläft ein. Ich hadere, ob ich noch den einen Text schreiben kann/ will, der bis morgen fertig sein muss.

Naja, erstmal diesen Post schreiben 😉

Lemming

Ich mag ja bunte, also lackierte Nägel. Allerdings sind zur Zeit nur meine ﹰFußnägel lackiert – trotz Sockensaison. Die Fingernägel sind so bröselig und schilfern ab, dass ich das Gefühl habe, meinen Nägel, also dem eigentlich toten Material, nichts Gutes zu tun, würde ich sie lackieren.

Aber weil ich Nagellack durchaus toll finde und das Lackieren selbst ja auch was Meditatives hat, musste ich meiner – gefühlt kompletten – Twitter-Timeline lemming’esk folgen und mir einen essie-Adventskalender bestellen.*

Bis der Adventskalender beginnt, päppel ich die Nägel mit „grow stronger“ auf.

Und weil ich gerade beim Bestellen war, wanderten auch gleich Babyfüße** mit in den virtuellen Warenkorb. Da bin ich ja auch nur darauf gekommen, weil ich Frau Brüllen gelemmingt habe.

———————
* Na, wer hat gedacht, ich hätte mir auch Gelnägel machen lassen?!

** Diesmal total progressiv nicht das rote Original.

Erwachsen

Ob man will oder nicht, zumindest qua Geburtsdatum und damit wenigstens auf dem Papier wird man irgendwann auch erwachsen.

Und das ist nicht nur der Lauf der Dinge und damit nicht zu ändern, sondern auch prinzipiell nicht schlecht.

Entscheidend ist doch, was man daraus macht und was man mit „erwachsen“ assoziiert. Wenn man meint, dass man mit Wahlberechtigung langweilig, spießig, unspontan, absolut rational und ausschließlich realistisch und vernünftig sein muss, dann denkt man vielleicht so:

Aber man kann auch für sich entscheiden, wieviel Kind in einem bleibt und mit dem regelmäßig schaukeln gehen.

„Das könnt ich nicht“

Dieser Post bzw. die Idee gärt schon eine Weile in mir. Twitter stupste mich dan wieder an:

Ich bin ja gar nicht so: Ich spreche Menschen nicht grundsätzlich ab, dass sie sich trotz Beziehung zu einem anderen Erwachsenen alleinerziehend fühlen können. Oder das Gefühl haben, sie könnten nachvollziehen, wie sich alleinerziehend anfühlt. Oder halt glauben zu wissen, was es bedeutet, alleinerziehend zu sein.

Doch ganz ehrlich: Solange es da einen Partner – im günstigsten Fall der Vater* der Kinder – gibt, mit dem man sich zu Kinder- und Erziehungsfragen (und hoffentlich auch sonst) austauschen kann, ist man – nach meiner Definition – nicht alleinerziehend. Selbst, wenn dieser viel arbeitet und/ oder viel unterwegs ist. Aber in Zeiten moderner Kommunikationstechnik ist das keine Ausrede mehr. (Selbst ich fühle mich nur bedingt alleinerziehend, weil ich mich durchaus mit dem Kv und auch anderen Menschen hinsichtlich der Erziehung des midi-monsieurs austausche.)

Ich tue mich (sehr) schwer damit, dass es oftmals beim Thema Alleinerziehend um den finanziellen Aspekt geht. Das mag sicherlich daran liegen, dass es mich nicht so wirklich betrifft, aber letztlich ist die Rede von „alleinerziehend“ und nicht von „alleinfinanzierend“ (was natürlich viele, aber halt nicht alle Alleinerziehenden betrifft).

Und nun zu meiner eigentlich Idee: Weil viele verpartnerte Mütter auch immer wieder zu Alleinerziehenden sagen „Das könnte ich nicht“ (glaubt mir, könntet ihr auch!), möchte ich hier ein Blog-Stöckchen initiieren/ auslegen. Die Regeln (haha) sind ganz einfach: Bitte beantwortet die Fragen und gebt sie via Blog weiter (nominieren oder auslegen). Ergänzungen sind willkommen – ist ja nichts in Stein gemeißelt.

  1. Wie war Deine Vorstellung von Familie vor Familie? Wieviel ist wahr? Was ist komplett anders geworden?
  2. Wie ist das Familien- und Arbeitsleben bei Dir aufgeteilt? Wer leistet wieviel in welchem Bereich: Haushalt, Kinder (Begleitung / Bringen zu Aktivitäten, Arztbesuche etc), technische Aufgaben (Auto, Reperaturen), Kochen?
  3. Entspricht das aktuelle Familienleben Deiner „Wunschvorstellung“?
  4. Ab wann würdest Du Dich „alleinerziehend“ bezeichnen?
  5. Zu zweit schafft man mehr und es bleibt – im besten Fall – auch mehr Zeit für einen selbst übrig: Was würdest Du als erstes streichen (müssen), wenn als Single-Elter die Zeit nicht mehr reicht? Wo wärst Du am ehesten bereit Abstriche zu machen?
  6. Müsstest Du als Single-Elter Abstriche beim Job machen (z.B. wegen Kinderbetreuung)?
  7. Wo werden die Kinder im Fall einer Trennung bleiben? Mutter oder Vater? Welches Modell (Wechsel, Nest, Ferien) wünschst Du Dir?
  8. Wie würde sich das Alleinerziehendsein auf die Finanzen auswirken? Hast du Angst, finanziell „abzurutschen“ als Single-Elter?
  9. Was ist mit Kindesunterhalt? Würdest Du anstandslos zahlen bzw. würde es anstandslos gezahlt?
  10. Wenn der zahlungspflichtige Elter nicht zahlt: Gang zum Jugendamt für Unterhaltsvorauszahlung?
  11. Vorausgesetzt ihr seid verheiratet: Würdest Du Trennungsunterhalt verlangen/ zahlen?
  12. Müsstet ihr umziehen?
  13. Was glaubst Du, wie schnell schafft Ihr es, von der Paar-Ebene auf die reine Eltern-Ebene zu wechseln? Wie gut würde es Dir gelingen und wie gut Deiner*m Partner*in?
  14. Sorgerecht ist ja – sofern nicht Schlimmes vorgefallen ist – unkritisch, also nicht wirklich verhandelbar. Wie würdest Du das Umgangsrecht regeln wollen: Vereinbarung unter Eltern, in Absprache mit dem JA, in Absprache mit einem Anwalt, gerichtlich?
  15. Würdest Du das alleinige Sorgerecht wollen, wenn die Kinder bei Dir bleiben? Würdest Du es dem anderen Elter „zugestehen“? (sehr hypothetische Frage)
  16. Weißt Du, was eine Sorgerechtsvollmacht ist?
  17. Was sind generell Deine größten Ängste hinsichtlich des Ein-Elter-Daseins (z.B. finanziell/ Job), organisatorisch, bzgl. der Kinder, Selfcare)?

Zuwerfen bzw. auslegen möchte ich das Stöckchen für alle, die mit einer/m Partner*in zusamenwohnen, die/der sich an der Kindererziehung beteiligt, so z.B.

Aber ich freue mich über jede*n, die*der sich das Stöckchen schnappt.

—————————-
* Ich will alleinerziehende Männer hier nicht ausschließen, aber in der Realtität sind es meist die Mütter, die nach einer Trennung den Haupt-Alleinerziehendenpart haben und entsprechend ist der Text formuliert.

Liebes Tagebuch am Fünften (September)

Das Jahr rast. Es passiert so viel. Schön, dass es Konstanten wie den Fünften gibt, an dem Frau Brüllen im Blogdorf fragt: WMDEDGT?

Der Tag ist irgendwie komisch. Was daran liegt, dass ich gestern Abend gegen 21h40 auf dem Sofa einschlafe und erst um

0h45 wach werde. Und irgendwie auch nur wach werde, weil ich träumte, dass der Großvater väterlicherseits meines Ex bei mir zu Hause gestorben ist und ich daraufhin das erste Mal seit 10,5 Jahren bei meinen Ex-Schwiegereltern anrufen musste, um die trauige Botschaft kund zu tun. Sehr komisch.
Nachdem ich mich sortiert habe, blogge ich schnell, putze die Zähne, gucke nach dem midi-monsieur und gehe in mein Bett. Aber der Schlaf will – wie zu erwarten – nicht wirklich kommen. Ich lese und lese und lese.

3h00 (also etwa) muss es sein, denn die Heizungs- bzw. Warmwasseranlage unter mir hat gerade wieder gebrummt, als wohnt ein Bär dadrin, als ich den Kindle beiseite lege und mich tatsächlich einschlafe.

4h36 werde ich wieder wach, weil der midi-monsieur auf dem Flur tappst (eigentlich werde ich davon nur noch selten wach, heute ist halt wieder einer dieser Nächte). Ich hoffe noch, dass er nur auf Klo muss und dann wieder in sein Bett geht, aber er öffnet meine Zimmertür. Ob er mit mir kuscheln dürfte. Ich bin nicht sonderlich kuschelig, aber er darf mit in mein Bett, wenn er sich nicht ankuschel möchte. Wenig Schlaf und Körperkontakt gehen gar nicht (bei mir).

7h15 Ich werde tatsächlich vom Wecker wach. Das Kind ist schon aufgestanden. Jetzt erst sehe ich, dass er von 2,5 Stunden tatsächlich seine Decke mitgebracht hatte. Ich versuche wacher zu werden und rauszufinden, wo sich der midi-monsieur in der Wohnung aufhält. Wir klären, dass er schon dabei sei, sich anzuziehen.

7h35 Ich mache die Frühstücksbox für das Kind fertig, da steht er neben mir und wir stellen fest, dass die neue 146er Hose irgendwie viel zu weit ist. Etwas zu lang war ja zu erwarten, aber die anderen 140er Hosen sitzen obenrum halt etwas eng. Nunja, müssen wir halt das Lochgummi bis zum Anschlag rausziehen.

7h50 Der midi-monsieur hat beim Frühstück getrödelt und kommt nun etwas später, aber immer noch zeitig, los. Ich bin von der zerstückelten Nacht so fertig, dass ich mich nochmal hinlegen muss. Heute muss ich viel lesen und dafür muss ich wach sein (und nicht von Tee oder Kaffee aufgepuscht).

8h55 Sabaton weckt mich. Aber ich döse nochmal weg. Richtig schlafen geht aber nicht, weil im Hof Rasenmäher, Laubbläser, Fräse, Flex und Wasweißichnoch konzertieren.

9h55 Nun aber wirklich aufstehen. Ich mache mir einen Tee, frühstücke einen Madeleine (ich habe das bislang beste Madeleines-Rezept am Sonntag hier gefunden), drucke Briefingunterlagen aus, drehe parallel eine Twitterrunde.

10h50 ENDLICH (seit Freitag versuche ich es immer wieder) erreiche ich eine wichtige Ansprechpartnerin bzgl. midi-monsieur. Ja, wir haben heute um 12h00 einen Termin zusammen (gut zu wissen, dass der AB bei ihr besprechbar ist, da war ich mir gestern auch nicht so sicher, als ich einfach drauflos gesprochen haben).

11h30 Nun muss ich mich aber flott fertig machen.

11h47 Ich verlasse mit einer Retoure unterm Arm das Haus. Ich klebe noch eine Nachricht für den midi-monsieur an die Klingel, da ich mir nicht sicher bin, ob ich pünktlich zurück bin. Unterwegs gebe ich das Paket ab und bin dann pünktlich um

12h00 bei meinem Termin. Der ist gut und hilfreich. Ja, ich weiß eigentlich, dass ich auf mein Bauchgefühl hören kann und sollte, aber sich infrage zu stellen, ist ja auch nicht schädlich.

12h52 Auf dem Weg nach Hause besorge ich zwei Laugenstangen für einen schnellen Mittagssnack mit dem Kind, der um 14h00 einen Termin hat.

12h57 Der midi-monsieur hat meine Nachricht gelesen, sich entsprechend verhalten und ruft mich nun auf dem Handy an, um mir mitzuteilen, dass er in der Wohnung ist. Doch, doch, so ein selbstständiges Kind mit Schlüssel ist schon sehr praktisch.

13h00 Ich bin zu Hause. Wir essen zusammen, besprechen, wie es in der Schule war. Ich vernehme die (für mich) frohe Botschaft, dass die Klassenlehrerin krank ist und somit der Elternabend am Donnerstag ausfällt.

Ich kläre direkt mit der Babysitterin, ob sie Donnerstag auch früher kann. Dann informiere ich die Klasse, dass der Elternabend ausfällt.

13h52 Das Kind ist spät dran für seinen Termin und muss jetzt schnell los. Auch hier: Schön, dass er alleine mit dem Roller durchs Viertel düst. So kann ich endlich mal die Unterlagen zu Ende lesen, die ich am Morgen gedruckt habe.

14h40 Ich versuche die Kollegin zu erreichen, mit der ich die Unterlagen besprechen möchte. Temporär nicht erreichbar. Dann gucke ich mir halt noch andere Unterlagen an.

15h00 Das Kind ist wieder da. Er muss noch Hausaufgaben machen. Er hampelt und trödelt. Ich sitze ihm gegenüber und lese meine Unterlagen. Irgendwann reicht es mir und ich setze ihm ein zeitliches Limit. Er diskutiert, dass das zu wenig sei. Ich rechne ihm die Aufgaben in einem Drittel der Zeit durch. Dann setzt er sich endlich auch dran.
Ich lese weiter. Irgendwann ruft die eine Kollegin an (nein, nicht die, die ich sprechen wollte) wegen Projekten, mit denen ich eigentlich nichts zu tun habe (und zumindest in Teilen nichts zu tun haben will). Ich lese weiter. Daddel im Internet.

17h00 Feierabend. Zumindest bis auf Weiteres. So als Selbstständige habe ich ja nur bedingt Feierabend.

17h05 DIE Kollegin ruft an. Wir reden über diverse Projekte, auch über das neue. Ich mag ja neue Projekte und Themen.

18h00 Nun gehe ich endlich einkaufen. In meiner Twitter-Timeline stand Chili con Carne und das wird es heute abend auch bei uns geben.

18h30 Zurück mit Zutaten für Chili. Während ich koche, verkündet das Kind, er wolle mal allein kochen. Das werde ich dann mal möglich machen.

19h00 Wir essen. Ich habe echt Hunger. Stelle fest, dass man Nacho-artige Chips von der Tortilla brechen kann, wenn die Tortilla zu lang im Ofen bleibt. Das ist durchaus lecker.

19h56 Ich mache versehentlich kika aus, während logo noch läuft. Das führt zu Tränen beim Kind. Hui, da ist jemand wohl müde.

20h00 Das Kind geht Zähne putzen, dann in sein Zimmer, um zum Runterkommen zu spielen und aufzuräumen.

20h30 Bettzeit für den midi-monsieur. Ich kuschel ihn IN seinem Bett. Er genießt das. Er ist halt doch erst acht Jahre alt.

21h00 Ich durfte aufstehen und lege mich direkt aufs Sofa. Mir ist etwas schlecht/ kotzig, aber ich würde trotzdem gleich gerne noch eine kleine Sporteinheit einlegen.

Ansonsten muss ich heute unbedingt früher ins Bett.

Bequemlichkeit

Frau Brüllen sorgte dafür*, dass ich mich heute nicht nur hinsichtlich der #Weltkrigesbombe in Frankfurt sorgte und teilweise aufregte, sondern auch darüber echauffierte, dass Frauen, die eigentlich gute Voraussetzungen (bildungsnahes Elternhaus, Abitur, Wunsch zu studieren) haben, einen Mann kennenlernen, das Hirn ausschalten und sich für eine Beziehung/ ein Familienleben entscheiden, das die Bemühungen der letzten 50 Jahre ad absurdum führt.

Nein, natürlich kann ich keiner Frau vorschreiben, wie sie ihre Beziehung zu führen hat. Aber hin und wieder darauf hinweisen, wie sehr sich die eine oder andere in die Tasche lügt, sollte man durchaus schon.

Und das ist mein Dilemma an Theresas Dilemma. Denn sie hat kein Dilemma als Frau, sondern ein Dilemma mit ihrer selbstgewählten Entscheidung. Wohlwollend könnte man noch von jugendlichem Leichtsinn bzw. jugendlicher Unwissenheit sprechen, aber ganz ehrlich: NEIN. Ich bin es leid, zu „entschuldigen“, dass vermeindlich gebildete Frauen nicht absehen können, was passiert, wenn sie keine Ausbildung beenden. Oder wenn sie komplett zurückstecken, damit der Mann seinen Stiefel durchziehen kann, und für sie nur der (latent prekäre) 450-Euro-Job bleibt, der essentiell für die Familie ist, aber noch auf die ganze Familien- und Hausarbeit draufkommt.

Ich hätte mich nicht so über den Text und Theresa aufgeregt, wenn sie zu ihrer Entscheidung pro Familie stehen würde und nicht ihren verpassten Chancen hinterhertrauen und ihrem Mann die gegebenen Chancen neiden würde. Ich weiß, dass Beziehungen Komisches mit einem anstellen können, aber dennoch unterstelle ich jetzt einfach mal, dass sie die Entscheidungen bei vollem Bewusstsein getroffen hat.

Wenn Theresa also sagen würde „Ja, ich will für die Familie da sein“ und dann ein Dilemma mit dem System hätte, das ihre Care-Arbeit nicht würdigt – denn das ist ein wirkliches Dilemma -, dann wäre ich mit ihr mitgegangen.

Denn das ist tatsächlich eine Krux: Wir haben heute viele Optionen, wie wir unsere Paarbeziehungen und unser Familienleben gestalten wollen. Auch das ist ein Verdienst der feministischen Bewegungen des vergangenen halben Jahrhunderts. Wir können wählen zwischen Kinder oder nicht, Ehe oder nicht, beide arbeiten voll, beide arbeiten Teilzeit, eine*r arbeitet TZ, eine*r VZ, eine*r ist ausschließlich für den Unterhalt und eine*e für Haushalt (und Kinder) zuständig.

Doch letztlich ist nur eine wirkliche Gleichberechtigung gegeben, wenn beide so erwerbstätig sind, dass sie auch ohne den anderen überleben könnten.** Sobald das nicht gegeben ist, besteht wieder eine Abhängigkeit wie in den 1950er. Sobald sich Familien für das klassische Ein-Ernährer-Modell entscheiden, hat der Part, der die Care-Arbeit leistet, das Nachsehen: Am Ende vieler Jahre steht sie (selten er) ohne Rente und finanziell absolut abhängig vom Ehepartner da.

DAS ist aber auch kein Dilemma mehr, sondern ein existentielles systemisches Problem. Denn welche Möglichkeiten haben Paare, denen das Ein-Ernährer-Modell wichtig ist? Dieses Modell zwingt mehr oder weniger zur Ehe, weil sonst der nicht-verdienende Part komplett vor dem Nichts (z.B. keine Krankenversicherung) stünde. Aber muss bzw. sollte der Verdiener ein Gehalt an den anderen zahlen? Oder wenigstens für eine Rentenversicherung? Dafür könnte zumindest der finanzielle Vorteil aus Steuerklasse 3/ Ehegattensplitting verwendet werden. Aber ist es nicht letztlich Aufgabe des Systems, Familien – egal in welcher Form – so zu fördern, dass sie sich wirklich frei entscheiden können?

Und was ist mit Daniel?

Ich kenne nur wenige Männer, die von sich aus zurückstecken würden, damit die Frau Karriere machen sich mit Abinachmachen und Studieren selbstverwirklichen kann. Das ist genehm(igt), solange der Mann selbst nicht zu kurz kommt und die Frau den Mann nicht (übermäßig) übertrumpft.

Auch wenn vom Feminismus mittlerweile die meisten Männer etwas gehört haben, so haben ihn nur sehr wenige verinnerlicht. Was ich ihnen auch nur bedingt verdenken kann. 50 Jahre sind nichts. Gerade mal eine Generation. Und wie sollen Männer etwas verinnerlichen und umsetzen, das zum einen ihre bequeme und anerzogene*** Welt durcheinander bringt und das zum anderen auch noch nicht einmal alle Frauen verinnerlicht haben und anscheinend auch nicht allen wichtig ist****.

Natürlich hätte er sagen können, dass er sich um seine Kinder, die er mit in die Beziehung brachte, primär selbst kümmert. Er hätte darauf bestehen können, dass Theresa ihre Ausbildung zu Ende macht (und bis dahin ausreichend verhüten). Er könnte insistieren, dass die jüngste Tochter bereits in die Kita geht und somit seine Frau endlich Zeit zum Studieren hat.

Theresa und Daniel müssten sich selbst und gegenseitig viel mehr in die Pflicht nehmen. Aber es scheint, dass die Bequemlichkeit – bei beiden (!) – letztlich obsiegt. Das ist nicht zwingend schlimm, aber es ist verwerflich, wenn man nicht dazu steht.

————————————-
* Den ganzen Thread zu lesen, lohnt sich:

** Damit meine ich nicht die ausgemachte Gleichberechtigung zwischen den (Ehe-)Partnern. Auch im klassischen Ein-Ernährer-Modell kann Gleichberechtigung bestehen, wenn beide Partner die Arbeit des anderen wirklich anerkennen, wertschätzen und nicht neiden.

*** Seien wir mal ehrlich, während viele Frauen meines Alters durchaus mit feministischem Gedanken erzogen wurden, konnten die Mütter bei den Söhnen nicht immer aus ihrer Haut.

**** Zur Not sucht er sich halt ein Mäuschen für Heim und Herd. Und bevor frau DEN Mann an so eine verliert, macht sie das Spiel halt mit. „Bestimmt“ wird er sich mit der Zeit ändern. *hust*

Rosinen

Kuchen ist ja so eine Sache. Ich backe gerne Kuchen. Ich esse auch gerne Kuchen. Aber eigentlich gibt es immer etwas, dass ich am Kuchen nicht mag: zu süß, zu klitschig, zu trocken, nicht süß genug, zu viel Tortenguss, zu nussig, zu sahnig, zu dicker Boden, zu viel Frucht, zu fettig, zu wenig Frucht, nicht schokoladig genug, zu schokoladig, zu dunkel, zu hell, zu viel Rand, kein Crunch, zu hefig, zu backpulverig. Meist ist es nicht sooo schlimm, dass ich keinen Kuchen essen würde, aber ich glaube, DEN perfekten allerliebsten Lieblingskuchen gibt es für mich nicht. Ich könnte auch nicht sagen, was mein ultimativer Lieblingskuchen alles haben muss. Denn es ist ja auch ein bisschen Tagesform abhängig, worauf ich gerade Lust habe.

Aber wenn Kuchen da ist, kann ich ihn ja auch essen, oder?!

Ja, das ist auch mein Problem: Aufessen (es könnte ja die nächste Hungersnot unmittelbar bevorstehen). Das Essen bis zum Ende durchhalten, auch wenn es kein Genuss mehr ist. Essen, um zu gefallen. Essen, weil man halt kein Essen wegschmeißt. Das war ein Problem. Zumindest arbeite ich am „war“.

Und weil Kuchen ja nichts Essentielles ist, sondern purer Genuss bei entsprechendem Appetit und Lust, fällt es mir da tatsächlich auch am leichtesten, entweder auf Kuchen, der nicht annähernd an meinen tagesaktuellen Lieblingskuchen rankommt, zu verzichten, oder halt nur das Zeugs, das mir schmeckt, zu essen. Quasi Rosinen rauspicken*.

Das macht mein Leben durchaus leichter.

———————————–
* Wobei ich nie Rosinen aus einem Kuchen rauspicken würde. Mit Teig drum, wie im Rosinenbrötchen, Stollen, Gugelhupf sind sie durchaus genießbar, aber so pur mag ich sie nicht.