Herr Tur Tur

Die aktuelle Abendlektüre mit dem Kind, also das, was ich ihm vorlese, ist „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Und wie vermutlich 90 Prozent der Menschen meines Alters habe ich ständig die Bilder der Augsburger Puppenkiste im Kopf, während ich vorlese, und muss an mich halten, nicht vor jedem Vorlesen „Eine Insel …“ zu singen.

Gelesen wird aus meinem Buch, das im Jahr 1983 aufgelegt wurde. Ja, darin steht noch das einfach falsche N-Wort* und ich habe es nicht vorglesen, sondern halt „schwarzes Baby“ verwendet. Aber darum geht es mir eigentlich nicht:

Heute war Kapitel 16 dran. Das mit der sehr offen Unterüberschrift „in dem Jim Knopf eine wesentliche Erfahrung macht“ angeteasert wird. Und dies ist eine „wesentliche Erfahrung“, die wir alle immer wieder beherzigen sollten. Aber die ich insbesondere all denen wünsche, die Angst vor „dem Unbekanntem“ haben. Und das meine ich durchaus politisch.

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer sind in dem Kapitel mit Emma der Lokomotive in der Wüste unterwegs. Es wird Abend und so ganz sicher ist nicht, was der nächste Tag bringen wird. Sicher sind ihnen nur seit ein paar Tagen die Geier, die sie auch an diesem Abend begleiten. Bis, ja, bis Jim Knopf beobachtet, dass die Geier von den beiden in der Lokomotive ablassen und panisch wegfliegen. Auch Emma dreht um, als sie sieht, was die Geier gesehen haben.

Denn gesehen haben sie: Herrn Tur Tur.

Auch Jim hat Angst vor Herrn Tur Tur, als er ihn erblickt; nur Lukas reagiert besonnen und so kommt es zu einer Begegnung zwischen den beiden Freunden und dem – wer das Buch kennt, weiß es – Scheinriesen. Bei der vorsichtigen Annährung stellen Lukas und Jim fest, dass der Riese kein Riese und schon gar nicht gefährlich ist. Und als Jim dessen gewahr wird, kommt er zu seiner wesentlichen Erkenntnis:

Er schämte sich plötzlich ganz gewaltig […]. Und im stillen nahm er sich vor, nie wieder vor irgend etwas oder irgendwem Angst zu haben, bevor er ihn oder es nicht aus der Nähe betrachtet hätte. Man konnte ja nie wissen, ob es nicht so ähnlich war wie mit Herrn Tur Tur.

(Aus: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“
von Michael Ende; Thienemann, 1983)

Als ich das vorhin vorlas, musste ich daran denken, dass die Angst vor dem Fremden/ Anderen dort am größen ist, wo man am wenigsten damit in Berührung kommt und erinnerte mich an einen Tweet (den ich nicht wiederfinde), in dem diese beiden Grafiken (Quelle: ESRI) gepostet wurden:

Die Geier stürzen sich halt auf das Einfache…

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* Meine eine Tante hat einen Ghanaer geheiratet. Für ihn war das ein Schimpfwort. Er wusste das durchaus zu differenzieren, aber dennoch las mir auch schon meine Mutter von einem „schwarzen Baby“ vor und ich bin mit dem Ausdruck „Schokokuss“ aufgewachsen.

Denkstückchen

Die letzten Tage waren erfreulich produktiv. Vor allem beruflich. Ich bin ohne offene Projekte ins Wochenende gestartet.

Sollte sich nicht in den nächsten zwei Monaten jemand ein Partner finden, der mit in diese Wohnung ziehen möchte, werde ich das Thema Umzug noch weiter forcieren (erste Schritte bin ich diese Woche schon gegangen). So schön die Wohnung ist, sie ist einfach zu groß und zu teuer. (Wobei ich echt fürchte, dass die Mietersparnis beim derzeitigen Wohnungsmarkt in Frankfurt nahezu marginal ist.).

Was wirklich fies ist, ist eine sehr dick entzündete Haarwurzel in der Achsel. In meinem Fall links. Und ich dachte zuerst, dass mein neuer BH seinen Bügel freigeben würde. Zum Glück dann doch nicht.

Das Auge (auch links) ist noch nicht wieder ganz gut. Aber es wird besser. Heute war der erste Tag, an dem ich wieder Wimperntusche benutzt habe.

Nächste Woche darf ich beruflich nach Zürich fahren. Sogar über Nacht. Der midi-monsieur schläft dann bei seinem besten Kumpel.

Für die vorletzte Novemberwoche muss ich mir noch was einfallen lassen. Ich habe definitiv zwei berufliche Termine (1x Berlin, 1x Köln) und vielleicht noch einen dritten.

Nächste Woche kommen die Ausgaben von Brigitte und Für Sie raus, die die Keks-Specials enthalten. Die entsprechende freundin erst in der Woche darauf. Traditionen wollen gepflegt werden.

Man kann es nicht oft genug sagen: Reden hilft. Zumindest mir. Wenn mich was rappelig macht, kann ich das zwar eine Weile mit mir ausdiskutieren, aber irgendwann muss ich die betroffene(n) Person(en) involvieren.

Meine Selbstwahrnehmung – also die meiner äußeren Erscheinung – ist eine Bitch. (Vielleicht blogge ich darüber nochmal ausführlicher.)

Das Projekt „B. lernt Türkisch“ ist angelaufen. Noch etwas holprig. Ich muss noch in den Flow kommen und die richtige Herangehensweise.

Zum Glück zwingen

Der midi-monsieur handelt oft nach dem Lustprinzip. Das ist ihm an manchen Stellen auch gerne vergönnt, an anderen kann ich es nicht durchgehen lassen und an einigen Stellen sehe ich es nicht ein bzw. sehe ich, dass er sich keinen Gefallen tut, wenn er nur danach geht, worauf er Bock hat.

Zu letzterem gehörte das Rugby-Camp, das seit Montag stattfindet. Die ersten beiden Tage war Rugby-Spielen angesagt, an Tag 3 wurde gewandert, heute ging es ins Schwimmbad und morgen ist Abschluss mit Spiel und Grillen angesagt.

Nach dem ersten Tag war das Kind – völlig nachvollziehbar nach 6 Stunden Sport in der prallen Herbstsonne – ziemlich platt. Und beschloss in der kurzen wachen Phase gegen 21h00, dass er am nächsten Tag nicht gehen wolle. Nicht, weil er es doof fand oder irgendwas Blödes passiert war, sondern aus reiner Anstrengungsvermeidungsstrategie. Ähm, nein. Der erste Tag hatte ihm Spaß gemacht und letztlich will er sich ja auch beim Rugby verbesseren, aber halt ohne Anstrengung. Ich insistierte also am nächsten Morgen und ließ ihm, da er topfit war, keine wirkliche Wahl. Tja, kaum angekommen am Vereinsgelände, war auch schon keine Rede mehr von „Ich will nicht“. Und als ich ihn am Nachmittag wieder abholte, war er sehr begeistert und ließ sich nur schwer vom Pitch loseisen.

Beim Abendessen ging das Spiel vom Vortag wieder los: Er wolle nicht wandern. Nein, es tat ihm nichts weh. Und auch sonst sprach nichts gegen wandern. Also brachte ich ihn Mittwoch ohne weitere Diskussion zum Treffpunkt. Da war ich dann schnell abgemeldet und fuhr nach Hause. Beim Abholen grüßte mich dann wieder das Murmeltier: Es wäre total spannend gewesen. Und lustig. Und super. Und überhaupt. Ach, mein Kind, ach.

Den heutigen Tag stellte er nicht infrage. Also meinte ich im Scherz: „Heute bleibst du zu Hause.“ „Nein, Mama“, empörte er sich, „schwimmen geht immer.“ 🙂

Morgen ist natürlich auch nicht kritisch. „Brot und Spiele“ funktionierten ja auch schon im Alten Rom ganz gut.

Tag des unnötigen Papierkrams

Manches ist ja zum Haareausraufen. Papierkram zählt besonders dazu. Und unnötiger noch viel mehr. Ja, ich denke da auch „Le Waldsterben“. Aber noch ein bisschen mehr denke ich an mich, die sich nämlich mit so unnötigem Kram nicht beschäftigen will. Aber das war mir an zwei Stellen nicht vergönnt:

Nachdem das Kind in Strasbourg im Krankenhaus war, wähnte ich mich ja für eine kleine Weile in der trügerischen Sicherheit, das Krankenhaus wäre in der Lage gewesen, die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) so zu verwenden, wofür sie – zumindest in meinen Augen – da ist, nämlich zur direkten Abrechnung mit meiner Krankenkasse. Aber: Satz mit X. Irgendwann kam die Rechnung vom Krankenhaus direkt zu mir.

Da regte ich mich ja zum ersten Mal auf. Aber das half ja nichts. Also bezahlte ich den Betrag und schickte die Rechnung und den Behandlungsbeleg inklusive Anschreiben an meine Krankenkasse mit Bitte um Erstattung. Kurz darauf bekam ich die Rechnung inklusive einem Anschreiben und einem Formular von meiner Krankenkasse zurück mit der Bitte das Formular auszufüllen und zusammen mit der Rechnung erneut einzureichen. Was ich auch brav tat. Zum Dank bekam ich wieder Post von meiner Krankenkasse mit einer Abrechnugsbescheinigung, dem Behandlungsbeleg und der Originalrechnung zurück. Garniert mit einem zweiseitigen Anschreiben, in dem stand, dass sie nur 39 Prozent der Rechnung übernehmen würden. Den Restbetrag könne ich mir – sofern ich denn eine hätte – von der Auslandsreisekrankenversicherung erstatten lassen.

So viel Augenrollen ist bestimmt nicht gesund. Aber änderte auch nichts. Ich rief daraufhin meine Auslandsreisekrankenversicherung an, um mich nach dem Prozedere zu erkundigen. Nicht, dass es dafür auch irgendein Formular gibt und die Papiere wieder sinnlos durch die Lande geschickt werden. Nein, der Abrechnungsbeleg der GKV, der Originalbeleg und ein Anschreiben würden reichen. Das machte ich heute fertig und damit trat die Rechnung ihre sechste Reise an. Mal sehen, was dabei rumkommt zurückkommt.

Danach fischte ich aus dem Briefkasten den Verrechnungsscheck, der vor knapp zwei Wochen bei mir ankam und mich seitdem beschäftigte. Ich meine: ein Scheck. Wer benutzt den heutzutage noch Schecks?! Und wer weiß, was man damit machen muss? Zu allem Überfluss habe ich mein Konto bei einer Direkt-Bank. Also keine Filiale vor Ort, wo ich fragen könnte. Wenigstens ist der e-Mail-Service gut. Doch so ganz einverstanden, dass ich ich neben dem Porto auch noch 2,90 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen sollte, war ich nicht. Also ging ich mit dem Verrechnungsscheck zur Bank meines Sohnes, damit dieser auf dessen Sparkonto gutgeschrieben würde. Mit einem kleinen Haken:

Sie entschieden sich dagegen. Und ich bekam den Scheck mit einem Begleitschreiben zurück. Also doch meine Bank. Grmpf. Wie per e-Mail erläutert, druckte ich ein Formular aus, das mir mitgeschickt worden war, und machte Fotos vom Scheck (für mich) und verschickte dann alles mit der Post. Hoffentlich fällt denen nicht ein, dass der Scheck nicht (mehr) eingelöst werden könne müsse, weil ich über der 8-Tage-Frist bin, die übrigens die Angestellte der Bank des Kindes nicht kannte. Vielleicht entwickelt sich daraus ja auch eine Brieffreundschaft.

Besser

Meine innere Optimistin will mich am Tippen dieses Posts hindern. Denn sie ist davon überzeugt, dass alles wieder wird. Und auch besser wird. Und dass ich nicht darüber jammern sollte, dass heute

… ein Tag mit wenig Schlaf war,
… das Auge immer noch weh tut und auch lustig suppt (nein, nicht wirklich lustig und ich fürchte, dass ich mir mit der blöden Wimper über Stunden unterm Oberlid irgendeine Entzündung gezüchtet habe und dass ich morgen mal wieder zum Augenarzt muss),
… die schwierigen Schwingungen zwischen dem Kv und mir sehr deutlich zu sehen spüren waren (aus irgendwelchen Gründen scheint er angefressen),
… Nachrichten vom Finanzamt kamen, die mich kurz in Schockstarre fallen ließen,
… der Papa-Jetlag beim midi-monsieur sehr ausgeprägt ist,
… nicht weiß, wo ich schlafen soll. Denn mein Bett kann eigentlich nicht benutzt werden, weil das Kind da sehr tief eingeschlafen ist und nun ein Teil gewaschen werden muss,
.. von all dem emotional angestrengt bin und eine Umarmung jetzt toll wäre.

Naja, morgen ist’s hoffentlich einfach besser.

Entspannt

Das war ein sehr entspannter Sonntag. Er hätte sogar noch entspannter sein können, wenn ich besser geschlafen hätte.

Aber das hinderte nicht daran,

… mich mit einer Twitterin zum Frühstück zu treffen (das war sehr schön),
… ihr ein bisschen die Stadt zu zeigen,
… meine Mutter zum Geburtstag anzurufen (und mich freuen, dass wohl mein kleiner Bruder samt Familie hingefahren waren),
… wieder zu Hause die Füße hochzulegen und
… mit der liebsten Freundin zu beschließen, dass wir beide am Nachmittag keine sportlichen Leistungen mehr vollbringen müssten, sondern
… uns in der Sonne zu treffen – auf Apfelschorle und Kuchen,
… zu Hause nur das Nötigste zu tun,
… eine Nachricht zu verschicken,
… ein Buch auf den Kindle zu laden,
… mich über eine Nachricht zu freuen,
… das wieder zurückgekommene Kind in den Arm zu nehmen.

Allerdings stellte ich gerade etwas unentspannt fest, dass ich – obwohl ich den ganzen Tag das Gefühl hatte, dass ich noch was wichtiges machen müsste, mir aber partout nicht einfiel was – völlig vergessen hatte, dass ich noch einen Text schreiben muss.