99 Fragen

Die nido hat in ihrer 07/08-2014-Ausgabe 99 Fragen gestellt.

Im Familienalltag kommt man viel zu selten dazu, über sich selber nachzudenken. Hier kommen 99 Fragen, die einen wieder auf eigene Gedanken bringen.

Blöderweise hatte ich die Ausgabe zu schnell entsorgt. Dabei hatte ich sie extra beiseite gelegt – wegen der Fragen. Nun denn. Die nido war so freundlich und hat sie mir noch einmal zugeschickt.

1 Geht es Ihnen gut?

Psychisch ja. Physisch eher so lala. Ich fühle mich schon wieder kurreif.

2 Was ist der größte Kompromiss, den Sie je geschlossen haben?

Ich fürchte, ich bin ein recht kompromissloser Mensch. Alle Kompromisse in der Vergangenheit waren irgendwie faule, bei denen ich mich verbiegen musste und immer das Gefühl hatte, dass meine Idee/ Lösung/ Herangehensweise die richtige(re) gewesen wäre. Man könnte meinen, dass ich in Bezug auf meine Eltern einen Kompromiss eingegangen bin (s. Frage 78). Aber ich war da so kompromisslos wie selten zuvor in meinem Leben. Nur daraus konnte etwas Neues – ein Nicht-Kompromiss – entstehen.

3 Waren Sie schon einmal in Lebensgefahr?

Zum Glück nicht.

4 Heilt die Zeit wirklich alle Wunden?

Zumindest sind die Wunden irgendwann zu. Aber manche bleiben sehr empfindlich oder sind auch einfach sehr vernarbt und dadurch immer wieder sehr präsent.

5 In welchem Bereich sorgen Sie sich am meisten um Ihr Kind? (Unfall, Krankheit, Missbrauch, Leistung, …)

Meine größte Sorge gilt generell dem Seelenheil vom mini-monsieur. Ich will, dass es ihm gut geht, dass er mit sich im Reinen groß werden kann, dass er stabil ist, dass er nicht Dinge in sich reinfrisst, still leidet.
Von daher fände ich Missbrauch am schlimmsten. Ich habe letztens den Film über die Odenwald-Schule gesehen: Die Auserwählten. Obwohl wenig gezeigt wird, war mir das, was angedeutet wurde, schon zutiefst zuwider. Nicht nur die Handlungen selbst, sondern auch das Verhalten derer, die es nicht wahrhaben wollten. „Was nicht sein darf, das nicht sein kann.“ So furchtbar, was man einer armen Kinderseele damit antut.
Krankheit ist auch kein Zuckerschlecken. Aber das kann ich so mit meinem naturwissenschaftlich-medizinischen Hintergrund ganz gut rational wegstecken. Wobei wir bislang auch – ich klopf auf Holz – auch von Schlimmerem verschont geblieben sind. Obwohl der Gedanke, sein Kind durch eine Krankheit zu verlieren, schon schrecklich ist. Aber sollte es so sein, müsste ich damit weiterleben und nicht er, wie im Falle eines Missbrauchs.
Unfallgefahren lauern blöderweise überall. Würde ich mich da zu viel sorgen, müsste ich den mini-monsieur in Watte packen. Mal abgesehen davon, dass ich es nicht leisten kann, will ich das auch nicht, weil ich ja will, dass er selbstständig wird. Und so bereite ich ihn vor, so gut es eben geht. Prävention ist da einfach das Zauberwort.
Sorgen bezüglich Leistung sind meiner Meinung nach sehr hausgemachte und unnötige Sorgen. Ein bisschen Jammern auf hohem Niveau. Da muss man einfach am Kind dran bleiben und nicht alles an Kindergarten oder Schule abschieben. Die haben zwar auch einen Erziehungs- und Bildungsauftrag. Aber eben nur für eine begrenzte Anzahl von Stunden werktäglich – wir Eltern ein Leben lang.

6 Wie viele Märchen können Sie erzählen?

Da der mini-monsieur sich nicht so für Märchen interessiert, musste ich bislang keine erzählen. Ich denke aber, dass ich in groben Zügen Dornröschen, Der Froschkönig, Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, Aschenputtel und Schneewittchen auf die Reihe bekäme.
Ich habe einige Märchen erzählt vorgelesen bekommen. Aber gar nicht so viele Grimm’schen Märchen. Meine Mama hatte Bücher mit internationalen Märchen und H.C. Andersens Märchen waren auch präsent. Aber die fand ich zum Teil unheimlich oder sehr traurig.

7 Welches Spielzeug aus Ihrer eigenen Kindheit haben Sie Ihrem Kind weitergegeben und warum?

Wenn es nach meiner Mutter ginge, hätte ich möglicherweise noch mehr weitergegeben. Aber ich freue mich sehr, dass der mini-monsieur mit meiner alten Holzeisenbahn spielen kann. Es ist einfach ein zeitloses Spielzeug und durch die gute Qualität auch unverwüstlich.
Und er hat meine komplette „Pettersson und Findus“-Sammlung in seinem Bücherregal stehen. Die Geschichten sind einfach super und machen auch in höherem Alter viel Spaß. Anfangs sind es nur die skurirlen Geschichten selbst, die begeistern. Später entdeckt man dann die ganzen Details. Ich hätte auch gerne einen Muckla bei uns wohnen.

8 Wissen Sie, welches Ihr erstes Wort war? Und das Ihres Kindes?

Ich habe extra meine Mama gefragt, aber so recht erinnern konnte sie sich auch nicht. Vermutlich war es bei mir Mama, Papa und so „Klassiker“, wie sie es nannte. Ihre Lieblinge meiner Neologismen sind bis heute Joljut, kraukeln und Lomschommer.
Und ich als furchtbar schlechte Mutter weiß es beim mini-monsieur auch nicht so ganz genau. Ich überlege, ob Mamama noch vor grue kam. So richtig in meinem Bewusstsein ist nämlich grue. Und kurz drauf kam das deutsche Pendant: Kran.

9 Sind Sie insgeheim froh, wieder Kindergerichte essen zu dürfen?

Was sind denn bitteschön Kindergerichte?
Der mini-monsieur hat, nachdem die Breizeit vorbei war, mit uns normal mitgegessen. Ich habe eine zeitlang aufs Salz geachtet. Aber besonderes Essen nur für ihn gab es nicht. Er hat – wie jeder auch – Vorlieben und Abneigungen. So mag er Kürbissuppe und Spinat. Jagen kann man ihn hingegen mit Pilzen und Brokkoli. Und MEIN Kindheitsgericht schlechthin: Milchreis mag er überhaupt nicht.
Klar koche ich auch, was er gerne mag, und ich freue mich, wenn er später sagt, dass das Gerichte seiner Kindheit waren.

10 Würden Sie lieber in die Vergangenheit oder in die Zukunft reisen?

Prinzipiell weder noch. Ich lebe im Hier und Jetzt. In die Vergangenheit reisen, um etwas zu verändern? Ich bereue nichts, was und wie ich es gemacht habe. Möglicherweise hätte ich es es einfacher gehabt, wenn ich Latein- statt Bio-LK gewählt hätte. Möglicherweise stünde ich jetzt anders da, wenn ich rechtzeitig erfahren hätte, dass man Pharmazie studieren kann. Aber dafür in die Vergangenheit reisen?
Ich lerne gerade, dass ich einfach nicht einfach kann. Und was soll ich in der Zukunft? Gucken, ob es kompliziert bleibt? Erfahren, dass es leichter wird? Was würde das ändern?

11 Wenn Sie an Ihre Heimat denken: Welche Bilder sehen Sie dann?

Stauteiche, Spielplätze, Bückardtschule, Sparrenburg, das Hufeisen um die Altstadt, Süster-Kirche und Neustädter Marienkirche, Teutoburger Wald, PC69, Dr. Oetker, Hünenburg
Aber auch: Skyline, Ebbelwoi, Grie Soß, Main, Bornheim, Günthersburg-Park

12 Können Sie in einem Dialekt fluchen?

Nicht wirklich. Der Bielefelder Dialekt ist ja nicht so prägnant und die entscheidenden hessischen Vokabeln sind mir nicht geläufig.

13 Zu welcher Tageszeit macht Sie Ihre Familie am glücklichsten -Morgens | Mittags | Abends | Nachts?

Also meine kleine Kernfamilie der mini-monsieur macht mich unter der Woche abends am glücklichsten. Wir freuen uns aufeinander und können noch etwas Zeit miteinander verbringen. Schade ist, dass die Zeit so kurz ist. Am Samstag ist es der Nachmittag und der Abend. Und am Sonntag der ganze Tag.

14 Und zu welcher Jahreszeit?

Das ist eine lustige Frage. Prinzipiell würde jede/r ich ja sagen: ganzjährig. Aber ich glaube, der Winter ist schon so eine Zeit, die mich sehr mit dem mini-monsieur verbindet. Wir freuen uns beide sehr über Schnee. Und haben dann einfach viel Spaß miteinander. Im Frühjahr sind wir beide zusammen glücklich auf den Fahrrädern unterwegs. Im Sommer war ich die vergangenen Jahre ja immer für längere Zeit allein, weil der mini-monsieur mit seinem Papa in Frankreich war. Das macht mich auch glücklich, weil diese Zeit nur für mich schon eine sehr besondere ist. Der Herbst ist auch schön, aber irgendwie ist er auch immer etwas stressiger als die anderen Jahreszeiten.

15 Wann haben Sie zuletzt vor Glück geweint?

Ich frage mich gerade allen Ernstes, ob ich überhaupt jemals vor Glück geheult habe. Wann heult man denn so vor Glück?! Abi? Nein. Diplom? Nein. Hochzeit? Nein. Scheidung? Nein. Positiver Schwangerschaftstest? Nein. Geburt? Nein.
Was sagt das jetzt? Habe ich DAS ultimative Glück noch nicht erlebt? Oder bin ich ein emotionsloser Eisklotz?

16 Haben Sie ein Hobby?

Dieser Blog ist schon mein Hobby. Fotografieren auch. Yoga eigentlich auch. Fahrradfahren auf jeden Fall. Ansonsten bleibt leider nicht so viel Zeit.

17 Was würden Sie gerne noch lernen?
Klavierspielen | Schreinern | Paragliding | Meditieren

Klavierspielen würde mich echt am meisten reizen. Ich habe immer meine beste Freundin beneidet, dass sie das lernen durfte. Nach Blökflöte habe ich 1,5 Jahre Geige gelernt, was aber dann am Lehrer gescheitert ist. Schade eigentlich. Ich würde gerne ein Instrument wirklich beherrschen.

18 Können Sie eine Kuh malen?
(nach dem Zeichnen: 19 Sind Sie überrascht, wie schwierig das ist?)

KuhDie Comic-Kuh habe ich zuerst gemalt. Die ist schon als solche erkennbar. Vielleicht am meisten durch die Flecken und den Euter. Und während ich so malte, ploppte ein Kuh-Bild in meiner fb-timeline auf (Danke). Das wollte ich dann abzeichnen. Nun denn, irgendwie stimmen die Proportionen nicht. Und der Kopf ist verdammt schwer. Die Kuh sieht da schnell mal aus wie ein Alien.

20 Aus der Eltern-Erfahrung: Welche Krankheit bei Kindern fürchten Sie am meisten?
Magen-Darm-Virus | Mundfäule | Scharlach | Krupphusten

Der mini-monsieur hatte schon Magen-Darm eine Woche lang. Das war heftig und ich war echt in Sorge, aber in Panik hat es mich nicht versetzt. Den Rest hatte er zum Glück noch nicht. Am unheimlichsten davon ist mir wohl der Krupphusten, weil ich da die potentiell möglichen Panikanfälle („Ich ersticke“) so schlimm finde. Die anderen beiden sind sicherlich unangenehm und fürs Kind schmerzvoll, aber nichts, was mich beunruhigt.

21/22 Können Sie drei Sorten Globuli nennen? Haben Sie, bevor Sie Kinder bekamen, Globuli genommen?

Ja. Nein.

23 Wie oft brechen Sie Ihre guten Erziehungsvorsätze?
Ø 1x pro Monat | Ø 1x pro Woche | Ø öfter | Ø nie

Das ist vielleicht das Gute daran, dass ich kaum Erziehungsvorsätze habe, ich kann sie – ob gut oder schlecht – nur schlecht brechen.
Wie schon bei Frage 5 erläutert, ist das Wichtigste für mich das Seelenheil des mini-monsieurs. Danach richtet sich auch meine Erziehung aus. Letztens las ich einen ganz interessanten Artikel über „Gentle Parenting„. Zunächst dachte ich ja, dass ich, als ich „partnership with their children“ las, mich den ganzen Artikel über aufregen müsste. Aber weit gefehlt. Das ist mehr oder weniger das, was ich versuche beim mini-monsieur anzuwenden umzusetzen. Allerdings etwas „strenger“.
Der mini-monsieur darf ziemlich viel. Es gibt wenig Verbote. Die gelten eigentlich nur für Gefahrensituationen. Begrenzt wird er eigentlich nur im Fernsehkonsum. Ich bitte ihn für gewöhlich etwas zu tun. Und erkläre ihm auch, warum ich möchte, dass er dieses oder jenes tut. Das hilft schon viel. Wenn er einer Bitte nicht nachkommt, überlege ich, wie schlimm für mich die Konsequenz ist. Finde ich nur, dass dieses oder jenes gemacht werden sollte, aber hat es letztlich keine Auswirkungen, dann lasse ich ihn gewähren. Klassisches Beispiel: Zimmer aufräumen. Ganz ehrlich, welcher Zacken bricht aus meiner Krone, wenn er es nicht tut. Es ist sein Zimmer. Und das sage ich ihm auch. Wenn er etwas nicht mehr wiederfindet, dann kann er etwas dagegen tun.
Zähne putzen klappt ja eh ganz gut. Aber wenn es mal in Frage gestellt wird, dann erkläre ich ihm, dass er das nur für sich macht. Dass es seine Zähne sind und dass er im schlimmsten Fall irgendwann zum Zahnarzt müsse. Und schwupps ist die Zahnbürste im Mund.
Grundsätzlich erkläre ich sowieso vieles. So hat er auch gelernt „Bitte“ und vor allen Dingen „Danke“ zu sagen. Ich finde auch das Auffordern zum Bedanken und Bitte sagen nicht schlimm, sofern es eine Aufforderung bleibt und nicht erzwungen wird. Denn wie soll ein Kind denn lernen, wann diese beiden Zauberwörter angebracht sind. Das lässt sich nämlich nicht so einfach abgucken.
Es gibt aber auch Konsequenzen. So gab es letztens Fernsehverbot, weil er sich trotz „Nein“ mein Handy zum Spielen geschnappt hatte. Und klar ertappe ich mich auch mal beim „Wenn …, dann …“-Sagen oder zähle auch mal total unsinnig bis 3.
Ich versuche, ihm immer auf Augenhöhe zu begeben. Manchmal nur im übertragenen Sinne 😉 Ihm die Möglichkeit zu geben, sich einzubringen und mitzuentscheiden.
Und ich lasse ihm Freiraum und lasse ihn Dinge allein machen, wenn er das will. Oder biete es ihm an, wenn ich meine, dass ich es ihm zutrauen kann (oder müsste).
Wenn er mal „kontraproduktiv“ ist, versuche ich herauszufinden, warum.
Eine große Maxime ist auch, Gefühle zulassen und erspüren. Zum Glück (weil er es nicht in sich reinfrisst) kommuniziert der mini-monsieur seine Gefühle recht gut. Er lässt sie zu und lässt mich auch daran teilhaben. Umgekehrt erläutere ich ihm auch, wie und warum es mir geht – insbesondere, wenn es Auswirkungen auf ihn hat.
Grundsätzlich versuche ich aber auch einfach, ich selbst zu bleiben. Das geht nicht immer. Wenn ich schlecht geschlafen habe oder mich geärgert habe, ist das nicht immer ganz leicht. Und wenn er mir zum wiederholten Mal das Badezimmer unter Wasser setzt, ist mein Geduldsfaden auch eher eine Zündschnur.

24 Welche Erziehungsmaßnahme bereuen Sie wirklich?

Bislang (zum Glück) keine. Ich hadere immer noch etwas damit, als ich dem mini-monsieur einen Klaps auf die Finger gegeben habe, nachdem er zu wiederholten Mal ein Netz mit Zitronen auf den Boden geworfen hat, weil er es nicht tragen wollte.

25 Erwischen Sie sich manchmal dabei, dass Sie Ihre Kindheitsträume auf Ihr Kind projizieren?

Der mini-monsieur hat – glaube ich – Glück, dass ich keine Kindeheitsträume hatte. Oder mich nicht daran erinnere. Oder dass ich sie irgendwie erfüllt bekommen habe. Ich wollte unbedingt Ballett machen. Ich habe 6 oder 7 Jahre getanzt. Ich wollte unbedingt Geige lernen, weil ich Mozart so toll fand. Ich habe es 1,5 Jahre ausprobiert.
Ansonsten Dadurch hatte ich wohl nie das Gefühl, irgendwelchen Träumen nachhängen zu müssen. Vielmehr wurde mir suggeriert: Wenn Du etwas wirklich willst, dann klappt das schon irgendwie.

26 Wie werden Sie damit umgehen, wenn Ihr Kind bekifft von einer Party nach Hause kommt?

Oh, das wird ein seeehr schwieriges Thema. Ich habe ein ganz massives Problem mit Drogen. Ich habe – wie fast jeder Teeny – Rauchen ausprobiert. Ihh, bäh! Das war auch ein großes Thema zwischen dem monsieur (als Raucher) und mir. Ich finde den Geruch von kaltem Rauch einfach widerlich und verstehe auch nicht, was man davon hat, sich das Zeug durch die Lungen zu ziehen. Mein Verhältnis zu Cannabis ist noch drastischer. Ich habe im Alter von 11 Jahren mal versehentlich ein oder zwei Cookies gegessen. Seitdem reagiere ich nahezu allergisch auf den Geruch (und auch auf den Komsum). Ich kann, kann, kann es einfach nicht verstehen, warum man sich berauschen muss. Und so sehr ich auch weiß, dass das Zeug auch positive Effekte hat (Schmerzlinderung), komme ich nicht damit klar, wenn Menschen alle negativen Effekte (v.a. psychogene) völlig ignorieren und den Konsum verharmlosen.
Ich kann nur hoffen – für den mini-monsieur -, dass er niemals auf die Idee kommt.

27 Sind Sie manchmal vor Fremden unnötig streng mit Ihrem Kind?

Ja, gelegentlich. Wenn ich das Gefühl habe, dass der mini-monsieur als kleiner Wilder abgestempelt ist. Dass er sich so rüpelig benimmt, weil ich ihm zu viel durchgehen lasse.

28 Können Sie sich an Momente erinnern, in denen Sie es bereuten, Kinder zu haben?

Bereut nie. Aber – ja, das klingt nach aaaber – wenn der monsieur und ich uns gestritten haben wie die Kesselflicker und der mini-monsieur das hörte oder die Stimmung mitbekommen hat, da tat es mir einfach leid für den kleinen Knopf den Scheiß mitbekommen zu müssen.
Und ich gebe zu, dass ich jetzt bei der Trennung kurz gedacht habe, wieviel einfacher es ohne Kind wäre.

29 Was würden Sie Ihrer Schwiegermutter gerne mal sagen, trauen es sich aber nicht?

Es ist keine Frage des Trauens. Es ist viel mehr eine Frage des Effekts. Ich habe ihr schon ein paar Dinge gesagt, die ihr nicht geschmeckt haben. Aber was soll ich machen. Und es gäbe noch ein paar andere Themen. Aber zum einen ist sie ja nun die Ex-Schwiegermutter. Und zum anderen weiß ich, dass bestimmte Themen einfach nicht zu ihr durchdringen. Dass ich von ihr keine Meinung geschweige denn Unterstützung zu erwarten habe.

30 Wem aus Ihrer Vergangenheit möchten Sie lieber nicht begegnen?

Ich bin mal auf einer Hochzeit einem Schatten meiner Vergangenheit begegnet. Also meinem Ex-Freund, der sich zu meinem Ex machte, weil er mit einer meiner damals besten Freundinnen anbandeln musste. So sehr ich wusste, dass es für alle Beteiligten richtig war, so sehr habe ich doch anfangs gelitten.
Und auf der Hochzeit war das schon skurril. Das Brautpaar wusste ob der Brisanz und hatte uns so weit wie möglich von einander entfernt platziert. Doch zum einen hatten sie die Rechnung ohne die Trauzeugen und deren Spielideen gemacht und zum anderen auch ohne den Alkohol. Denn zu später Stunde brannte meine Ex was auf der Seele. Und als ich so mit ein paar Leuten nichtsahnend draußen stand, gesellte er sich dazu und sprach, dass er mir _die_ Sache von damals (zu dem Zeitpunkt mind. 6 Jahre) ja mittlerweile verziehen hätte. Da hab ich mich so uffjerescht, dass ein Glas zerbrach und mein damaliger Mann mich festhalten musste.
Ansonsten muss ich meinem großen Bruder nicht mehr begegnen.

31 Welches Verbrechen würden Sie begehen, wenn garantiert wäre, dass es nie herauskommt?

Irgendwas, um an Geld zu kommen. Aber bei dem keiner zu Schaden kommt.

32 Haben Sie ein Lieblingskind?

Ich habe nur eins…

33 Wofür schämen Sie sich?

Das ist zwar nicht wirklich viel in meinem (bisherigen) Leben, aber das werde ich sicherlich nicht hier preisgeben. Bei ein paar anderen Dingen bin ich etwas genant: So zeige ich sehr ungern meine nackten Beine. Und in einer Gruppe mit guten Englisch-Sprechern traue ich mich oft nicht, den Mund aufzumachen.

34 Sie können für ein Jahr kostenlos einen Dienst in Anspruch nehmen. Was nehmen Sie?
A: Putzfrau/mann | B: Masseur/in | C: Personal Trainer | D: Friseur

Ich glaube am effektivsten wäre der Personal Trainer. Zum Friseur gehe ich nicht sooo oft. Ab und zu Massage gut und schön, aber ein Jahr kostenlos würde sich nicht lohnen. Die Putzhilfe wäre sicherlich verlockend. Aber ich kenne mich und ich würde die dann freie Zeit nicht sinnig z.B. für Sport nutzen. Also brauche ich wen, der mich trietzt.

35 Welche Tätigkeiten im Haushalt machen immer nur Sie?

Tja, bedauerlicherweise mittlerweile alle. Aber das habe ich ja so gewollt. Und ich weiß schon, dass ich mir, wenn ich mir mal wirklich was Gutes tun will, eine Putzhilfe gönne. Aber noch geht’s. Wird halt nicht täglich gesaugt, geschweige denn gewischt.

36 Was sind drei Gerichte, die Sie kochen können, ohne darüber nachzudenken?

Aber darüber nachdenken, ob ich alles dafür im Haus habe, darf ich schon, oder?! Da ich eh sehr viel ohne Rezept koche, sind das mehr als drei Gerichte: Pfannkuchen geht immer. Lassagne auch. Brathähnchen geht auch einfach. Diverse Kartoffelgerichte. Quiche. Kürbissuppe. Ratatouille.

37 Reden Sie oder hören Sie lieber zu?

Das hängt von meinem Umfeld ab. Je wohler ich mich fühle, desto eher rede ich. Kann aber auch gut zuhören. Sobald ich irgendwo fremd(er) bin, höre ich erstmal zu.

38 Wie viele Minuten am Tag schauen Sie auf Ihr Smartphone?

Ich habe mir ja dazu eine App (Menthal) runtergeladen, die das dokumentiert. Und ich bin schon viel mit meinem Handy zugange. Vielleicht ein bisschen zu viel.

39 Wie viel Prozent der Eltern auf dem Spielplatz halten Sie für Vollidioten?
Keinen | unter 25 % | 25 bis 75 % | über 75 % | Alle

Ich halte es ja mit dem Satz „Das Schlimmste/ Gefährlichste am Spielplatz sind die Eltern“. Zum Glück ist der mini-monsieur recht umgänglich, sodass er eher selten in irgendwelche Situationen verwickelt ist, in die man wirklich eingreifen muss. Und auch sonst halte ich mich zurück. Denn letztlich soll es doch jeder machen, wie er mag.
Wobei ich letztens sehr am mich halten musste, als ein Junge den mini-monsieur trat und der Vater daneben nicht eingegriffen hat, obwohl der mini-monsieur dann irgendwann doch weinte (und er ist nun wirklich nicht zimperlich). Auch wurde der andere Junge nicht zum Entschuldigen aufgefordert. Das finde ich dann durchaus grenzwertig.

40 Streiten Sie häufiger, seit Sie Kinder haben?

Nein, wir haben immer gestritten 😦

41 Wann haben Sie das letzte Mal zu zweit gebadet?

Das ist ewig her. Aber das liegt auch daran, dass ich nicht so gerne bade. Ab und an überkommt es mich zwar, aber dann ist auch wieder für lange Zeit gut. Ich würde auch jederzeit ein Wohnung mit Duschbad nehmen. Bei der Wohnung in Hamburg haben wir ja sogar das Bad zum Duschbad umgebaut.

42/43 Lieben Sie Ihren Partner? Wann haben Sie Ihren Partner zuletzt angelogen und warum?

obsolet.

44 Wären Sie noch zusammen, wenn Sie keine Kinder hätten?

Die Frage stand bei vielen Streits im Raum. Und eine zeitlang hätte ich sie voller Inbrunst bejaht. Irgendwann ist es dann gekippt. Und nun sind wir ja nicht mehr zusammen, obwohl wir ein Kind haben.

45 Hat Ihr Kind Sie konservativer gemacht?

Meine konservative Phase hatte ich während des zweiten Studiums. All meine Unkonventionalität war verschwunden. Als hätte ich sie beim Zurückzug von Gießen nach Bielefeld unterwegs verloren. Dazu verheiratet (obwohl das ja in sich schon ein Bruch der Konventionen war) und wohnhaft in einer spießigen wenn auch schönen 3-Zimmer-Wohnung – als Studentin!
Das hat sich dann zum Glück wieder geändert, als ich nach Frankfurt gezogen bin. Ich glaube die konservativen Ansichten meiner damaligen Chefin haben meinen Widerstandsgeist geweckt. Und während in meinem Umfeld geheiratet wurde, habe ich mich getrennt. Bin, noch nicht geschieden, schwanger geworden mit dem Wissen, dass ich für die finanzielle Sicherheit unsere Familie zuständig sein werde, dass ich letzlich die Alleinverdienerin bin.
Nein, ich glaube nicht, dass ich dem mini-monsieur ein „klassisches“ konservatives Leben präsentiere. Sicherlich habe ich bestimmte Grundwerte, die ich ihm vermittel, und von denen ich hoffe, dass er sie wirklich verinnerlicht. Und es mag sicherlich ein paar Revolutionäre geben, die finden, dass „Bitte“, „Danke“ und „Wie bitte?“ statt „Waaas?“ konservativ sind. Aber das definiere bitte letzlich jeder für sich selbst.

46 Würden Sie Ihr Kind auf eine Schule mit einem hohen Ausländeranteil schicken?

Ich bin ja auf einer sogenannten Schwerpunktschule begrundschult worden. In meinem Fall Schwerpunkt für türkische Kinder. In unserer Klasse war das Verhältnis 2/5 zu 3/5 (D vs T). Ich habe es tatsächlich – oh Wunder, oh Wunder – aufs Gymnasium geschafft. Es ist doch wirklich so, dass Schule kein reines Outsourcen der Bildungsarbeit ist, sondern die Eltern auch gefragt sind. Und ja, ich finde auch, dass man das bei Vollzeitarbeit leisten sollte. Wer sich Zeit für Hobbies freischaufelt, kann sich auch Zeit fürs Kind freischaufeln.
Beim mini-monsieur wird es wohl so sein, dass er auf eine Schule mit einem hohen Ausländer-Anteil gehen wird. Denn die bilinguale Grundschule nimmt zum einen halt die Kinder aus dem Viertel auf, aber für die zweisprachigen Klassen haben Kinder mit französischem Hintergrund Gestattungsrecht. (Ja, und ich höre schon die ersten Aufschreie, dass das ja nicht zähle und die Frage ja anders gemeint sei. Sind Franzosen andere Ausländer?)

47 Worin unterscheidet sich die Familienpolitik der SPD von der der CDU?

Gibt es Unterschiede, die an der Partei auszumachen sind? Naja, die CDU ist halt konservativer. Dieses Winden und Wehren gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und die Adoption gleichgeschlechtlicher Paare ist ziemlich nervig. Auch dieses krampfhafte Festhalten am Ehegattensplitting. Warum zahlt eine verheiratetes Paar ohne Kind weniger Steuern als ich als alleinerziehende Mutter – meine Steuerklasse 2 und der Kinderfreibetrag gleichen das NICHT aus.
Über die Position der SPD weiß ich nichts. Und die Frage ist, ob sie wirklich so stark von der CDU abweicht. Gegen das Betreuungsgeld haben sie ja nichts unternommen.
Interessanterweise fühle ich mich im CDU-regierten Frankfurt trotzdem (?) wohler als im „roten“ Hamburg. Im Norden habe ich die politischen Entscheidungen, die Familien betrafen, zum Teil als sehr unsozial empfunden.

48 Darf man das Betreuungsgeld annehmen, auch wenn man es für grundfalsch hält?

Tja, das ist eine gute Frage. Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zur Herdprämie zum Betreuungsgeld. Auf der einen Seite finde ich es ganz gut, dass – wenn auch sicherlich nicht ausreichend – irgendwer, in diesem Fall der Staat, die Leistung des sich Vollzeit kümmernden Elternteils honoriert. Der Betrag ist allerdings ein Witz.
Auf der anderen Seite denke ich aber auch, dass hauptsächlich die Falschen davon profitieren. Denn entweder kann es sich eine Familie per se leisten, dass ein Elternteil – meist die Frau – zu Hause bleibt, oder es sind Familien, bei denen traditionell die Frau zu Hause ist und die möglicherweise die Frühförderung durch Kindergarten nicht in Anspruch nehmen wollen.
Außerdem ärgert es mich, dass man Betreuungsgeld auch beziehen kann, wenn das Kind nicht öffentlich gefördert fremdbetreut wird (z.B. Oma, private Gruppe). Da zeigt sich nämlich erst richtig, warum es eingeführt worden ist: Die Länder, die am lautesten nach der Herdprämie gekräht haben, also Bayern, waren nämlich nicht in der Lage, so schnell wie es per lege vorgegeben war, ausreichend U3-Betreuungsplätze bereitzustellen. Klarer Fall von „freikaufen“. Und das ärgert mich wirklich!

49 Bewundern Sie Erzieherinnen wirklich oder sagen Sie das nur ständig?

Ich bewundere die Arbeit wirklich. Auch wenn ich diesen Job jahrelang verflucht habe. Denn meine Mama ist auch Erzieherin. Und wir mussten ab einem gewissen Alter doch an einigen Stellen zurückstecken.
Der mini-monsieur hatte bislang großes Glück mit den Erzieherinnen (auch in Hamburg). Stets engagierte Frauen, die auf die Kinder im Einzelnen gucken und individuell auf sie eingehen. Das ist eine Leistung bei all dem Gewusel.

50 Haben Sie den richtigen Beruf? Können Sie ihn mit Familie gut ausüben?

Ich habe einen Beruf, der mir Spaß macht und mich auch immer mal wieder fordert. Wobei mittlerweile viel Dinge Routine sind. Ob es ganz, ganz wirklich DER richtige Beruf ist, weiß ich nicht.
Mein Arbeitgeber versucht viel, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen – Vertrauensarbeitszeit, Homeoffice, Teilzeit (sofern gewünscht). Meine Chefinnen kommen mir auch sehr entgegen.
Möglicherweise wäre ich entspannter, wenn ich keine Vollzeitstelle hätte.

51 Haben Sie getrennte Konten? Wissen Sie gerade, wie viel darauf ist?

Noch so ein Grundsatzthema. Also mit meinem Ex-Mann hatte ich lange Zeit ein gemeinsames Konto. Das lag unter anderem daran, dass er in den ersten Monaten unserer Ehe im Auslandseinsatz war und ich ja irgendwie handlungsfähig sein musste. Außerdem hatte wir ja eigentlich nur sein Gehalt – zuzüglich meiner diversen Aushilfsjobs. Das System bekam erste Risse, als er Geschenke für mich mit Karte gezahlt hat. Was etwas blöd ist, wenn ich diejenige bin, die sich um das Konto kümmert. Damals wusste ich eigentlich auch immer, wieviel Geld auf unserem Konto war.
Als ich angefangen habe zu arbeiten und wir eh die Bank wechselten, haben wir getrennte Konten eingerichtet. Mit dem monsieur hatte ich eh getrennte Konten. Immer wieder ploppte die Idee eines gemeinsamen auf. Aber ganz ehrlich: Wofür? Alle Fixkosten habe ich allein gezahlt. Da hätte ein gemeinsames Konto wenig Sinn gemacht, denn jeden Monat einen großen Teil meines Gehalts auf ein gemeinsames Kontos weiterzuüberweisen, damit die Fixkosten bezahlt werden, ist irgendwie Quatsch.

52 Welche Eigenschaft, hoffen Sie, wird Ihr Kind mal von Ihnen übernehmen? Und welche von Ihrem Partner seinem Papa?

Von Mama: Optimismus wäre toll. Und Mut. Und dass es ihm egal ist, was andere von ihm denken.
Von Papa: Charme. Handwerkliches Geschick. Und die Liebe zum Meer.

53 Wissen Sie, was eine Packung Butter kostet?
beim Discounter? | im Supermarkt? | im Bio-Laden?

ad 1) 0,89 Euro | ad 2) 1,19 Euro | ad 3) keine Ahnung. 2,19 Euro vielleicht?

54 Lassen Sie Essen zurückgehen, wenn es Ihnen nicht schmeckt?

Da musste ich echt mal in mich gehen, ob ich schon mal so schlecht gegessen habe. Mir fiel nur das Steak ein, das mir mal zu blutig serviert wurde. Das habe ich nachbraten lassen. Ansonsten lasse ich es eher stehen und sage beim Abräumen, dass ich es nicht so gut fand. Und gebe auch kein Trinkgeld.

55 Würden Sie gerne weniger arbeiten, um mehr Zeit für Ihre Kinder zu haben?

Ja. Sehr gerne würde ich auf 30-35 Stunden runtergehen. Und es wäre in meinem Job auch kein Problem.

56 Sie könnten sofort für eine Woche alleine verreisen, wohin geht es?
A: Mallorca | B: Paris | C: Wandern in den Alpen |
D: Wellnesshotel, egal wo

Wandern in den Alpen. Mallorca reizt mich gar nicht. Schon gar nicht, wenn es warm ist. Eine Woche Paris wäre mir eindeutig zu viel. Im Wellnesshotel würde ich mir schnell selbst auf den Wecker fallen.
Aber Wandern macht den Kopf so schön frei. Einfach nur raus raus raus.

57 Was wünschen Sie sich aus der Zeit vor Ihren Kindern zurück?

Schlaf bzw. Durchschlafen. Dass der mini-monsieur meist irgendwann nachts wandert und dann mein Bett okkupiert, ist da nicht besonders einträglich. Ich werde zwar im Normalfall nicht wach, wenn er kommt, aber sobald er sich neben mir wälzt und Platz in Anspruch nimmt, nimmt meine Schlafqualität drastisch ab.

58 Wann haben Sie zuletzt wild gefeiert und dabei die Zeit vergessen?

Das ist was, was ich wieder lernen muss. In Kopenhagen ging das aber schon wieder ganz gut.

59 Wie oft im Monat gehen Sie aus?

Eindeutig zu selten. Nämlich irgendwie gar nicht. Also zumindest ohne den mini-monsieur. Das habe ich auch die letzten Jahre zu wenig gemacht. Nun muss ich gucken, dass ich das wieder neu geordnet bekomme.

60 Haben Sie mehr Angst vor dem Tod, seit Sie eine Familie haben?

Die Frage impliziert ja, dass ich auch schon vor Familie Angst vor dem Tod hatte. Vor dem Tod an sich habe ich keine Angst (gehabt). Wenn überhaupt habe ich Angst vor dem Sterben, also die letzten Momente (Wochen, Monate?) vor dem Tod selbst. Ich möchte nicht leiden oder Schmerzen haben. Und ich will auch nicht, dass sich das qualvoll (für alle) zieht. Aber dann, wenn ich nicht mehr bin, bin ich halt nicht mehr.
Ich habe vielmehr Angst, den mini-monsieur zu früh allein zu lassen. Daher wünsche ich mir für den mini-monsieur, dass ich ihn noch eine Weile begleiten darf.

61 Würden Sie für Ihr Kind sterben?

Anwortet jeder auf diese Frage mit „ja, klar“?
Im Zweifel würde ich natürlich auch für mein Kind sterben. Denn immerhin hat er noch viel mehr Leben vor sich. Aber mir behangt der Gedanke nicht, dass ich ihn dann zurücklassen würde. Die Löwenmama in mir will ihn doch einfach nur vor solchen Belastungen bewahren. So „natürlich“ es ist, dass die Eltern vor ihren Kindern sterben, so unnatürlich empfinde ich es, ihn noch schutzbedürftig zurückzulassen.

62 Denken Sie manchmal an Ihren Tod und wie Ihre Beerdigung aussehen soll?

Wie ob beschrieben möchte ich kein langwieriges und/ oder qualvolles Sterben. Am liebsten Augen zu und nicht mehr aufwachen. Über meine Beerdigung habe ich mir bislang kaum Gedanken gemacht. Letztens habe ich eine knapp 90-Jährige kennengelernt, die erzählte, dass sie ihre Beerdigung schon organisiert hat: Grab bezahlt, mit dem Bestatter alles geregelt. Irgendwie finde ich das gut. Aber es jetzt schon für mich zu regeln, käme mir komisch vor. Ein bisschen denke ich auch, dass ich es gerne meinen Hinterbliebenen überlassen möchte, wie und wo ich beerdigt werde. Wie es für sie am angenehmsten ist. Ob sie eine Stelle wollen, wo sie hinkommen können.
Mir persönlich ist sowas egal. Meine Großeltern liegen an Stellen in Deutschland, wo ich wohl nicht mal einfach so hinfahren würde, sodass ich seit den Beerdigungen nicht mehr an ihren Gräbern war. Aber das ist mir auch nicht so wichtig.
Was ich definitiv nicht möchte, ist aufgebahrt zu werden. Das finde ich einfach nur gruselig. Sollte es sich lohnen, dürften gerne meine Organe weiterverwendet (Transplantat oder Forschung) werden. Wenn es für meine Hinterbliebenen in Ordnung wäre, fände ich eine Feuerbestattung gut. Gerne dürfte dann meine Asche auch ins Meer gestreut werden oder in einem Friedwald.

63 Was wäre schlimmer: wenn Ihr Kind stirbt oder wenn Ihr Partner stirbt?

Hier ganz klar – und zwar unabhängig von meiner aktuellen Situation: Es wäre viel schlimmer, wenn mein Kind stürbe.

64 Ganz ehrlich: Würden Sie sich Botox spritzen, um jünger auszusehen?

Nee, da hätte ich andere optisch Probleme, die aber nicht mit ner Spritze gelöst werden können. Außerdem bin ich (noch) nicht sonderlich faltig.

65 Haben Sie Haare auf dem Kopf oder eine Frisur?

Eigentlich eine Frisur. Wobei der Friseur beim letzten Besuch etwas zurückhaltend war. Ich hatte bis dahin einen Bob. Wollte nun aber einen gestuften Vokuhila (sozusagen). Ich erklärte es ihm und er schnitt. Und ich meinte irgendwann, dass das noch stufiger werden sollte. Daraufhin meinter er, dass dann der Bob weg sei. Äh ja, das war der Plan. Er muss da aber noch mal intensiver nachschneiden beim nächsten Mal.

66 Welcher Ihrer Körperteile bereitet Ihnen Sorgen?

Die bessere Frage sollte lauten, welcher Körperteil bereitet keine Sorgen.

67 Wie laut können Sie schreien?

Ziemlich laut. Es ist schon der ein oder andere bös zusammengezuckt, als ich mal „brüllen“ musste.

68 Hätten Sie gerne öfter Sex?

Das impliziert ja, dass ich überhaupt welchen hätte. Ganz ehrlich: Zur Zeit so gar nicht – also weder Wunsch noch Wirklichkeit. Mein Leben ist gerade so durcheinander und muss sich erstmal wieder richtig ordnen. Da passen weder ein Mann noch irgendwelche Dates rein.

69 Ist der Sex mit den Jahren besser/schlechter geworden?

Eigentlich besser

70 Fühlen Sie sich begehrt?

Das ist mir offen gestanden gerade egal.

71/72/73 Welchen Körperteil Ihres Partners mögen Sie besonders? Warum? Haben Sie sexuelle Fantasien von anderen Menschen außer Ihrem Partner? Warum gehen Sie nicht fremd?

obsolet.

74 Schlafen Sie häufiger in einem Bett oder in getrennten Betten?

Das war eine große Diskussion bei uns. Aus französischer Sicht eine Grundsatzdiskussion. Aus meiner Sicht eine unnötige. Denn Schlaf ist mir heilig und hier bedarf es pragmagtischer Lösungen. Zu dritt kann ich nicht in einem 140-Bett schlafen. Und neben einem notorischen Schnarcher auch nicht.
Möglicherweise hätte uns ein breiteres Bett mit zwei getrennten und individuell angepassten Matratzen weitergeholfen – beim Platz auf jeden Fall und beim Schnarchen möglicherweise auch. Aber auch das widersprach der französisch Ansicht. Getrennte Matratzen sind ja quasi des Teufels getrennte Betten. Ganz zu schweigen von getrennten Bettdecken.

75 Wissen Sie, ob Ihre Eltern ein Testament gemacht haben? Und auch, was drinsteht?

Ich vermute es. Und ehrlich gesagt hoffe ich es. Denn ich habe keine Lust, mich mit meinem großem Bruder um den Nachlass zu streiten.

76 Wissen Sie, womit Ihre Eltern als Kind am liebsten gespielt haben?

Von meiner Mama weiß ich, dass sie viel draußen war. Von meinem Papa weiß ich es nicht. Ich weiß nur, dass er sich viel mit seiner Schwester gestritten hat.

77 Hat sich Ihr Blick auf Ihre Eltern verändert, seit Sie Kinder haben? Inwiefern?

Ich glaube nicht, dass er sich verändert hat, seit ich ein Kind habe. Der Blick hat sich einfach mit der Zeit geändert. Und mit ein paar entscheidenden Ereignissen.

78 Was verzeihen Sie Ihren Eltern nicht?

Oh, das ist ein sehr schwieriges Thema. Ich habe eine Zeit lang gedacht, dass ich ihnen ihr Verhalten bei meiner Trennung (vor 7 Jahren) nicht verzeihen könne. Das ist soweit eskaliert, dass wir als Familie beim Mediator waren. Was dazu führte, dass wir eine Zeit lang, von mir gewünscht  und auch über die Geburt des mini-monsieurs hinaus, keinen Kontakt hatten.

79 Welchen Erziehungssatz Ihrer Eltern mochten Sie nie und haben ihn trotzdem denm eigenen Kindern gesagt?

Ich bin mir gar nicht sicher, ob meiner Eltern (naja, eher meine Mutter) das gesagt hat, aber irgendwo muss ich es ja herhaben, zu sagen „Ich zähle bis drei…“. Noch klappt es auf wundersame Weise.
Ansonsten kann ich mich gar nicht an irgendwelche Erziehungssätze erinnern, die nicht – wenigstens in der Rückbetrachtung – Sinn gemacht hätten.
Das einzige, was mich wirklich genervt hat, war, wenn meine Mutter mir Fahrradverbot erteilt hat. Das war lange Zeit wirklich das einzige Druckmittel, das gewirkt hat.
Und ein Erziehungssatz, der mir aus Gründen hoffentlich nie über die Lippen kommt, ist die Sache mit dem Aufessen und dem guten Wetter. Wie ich den hasse! Und ich habe letztens echt ne Krise bekommen, als eine Freundin ebendiesen zum mini-monsieur sagte.

80 Was würden Sie Ihre Eltern gerne mal fragen? (Mehrfachnennung möglich)
– Wolltet ihr euch schon einmal trennen?
– Bin ich das Kind, das ihr haben wolltet?
– Habt ihr geheime Laster?
– Wie möchtet ihr beerdigt werden?

ad 1) Die Antwort kenne ich. ad 2) Auch hierzu kenne ich die Antwort. ad 3) Das will ich gar nicht wissen. ad 4) Ja, das könnte interessant sein.

81 Was finden Sie schön am Älterwerden?

Ich mag die Erfahrungen, die ich sammel. Erfahrungen, die mir zeigen, dass alles schon so gut ist, wie es ist. Dass ich so gut bin, wie ich bin – wenn ich denn bei mir bleibe.
Ich finde es toll zu sehen, dass es Verbindungen gibt, die wohl lebenslang halten werden – egal, wie unterschiedlich man sich entwickelt.
Ich mag auch, dass man mir gar nicht so ansieht, dass ich älter werde. Ich bin der 40 näher als der 30. Aber ich fühle mich irgendwie nicht so. Obwohl ich auch nicht weiß, wie man sich mit 40plus fühlen soll.

82 Wie alt würden Sie gerne werden?

Mindestens so alt, dass ich sehe, dass der mini-monsieur auf einem guten Weg ist.

83/84 Freuen Sie sich schon jetzt auf die Ruhe am Strand in ca. 15 Jahren? Oder haben Sie Angst davor?

Wieso, sind in 15 Jahren keine Kinder mehr an irgendwelchen Stränden? Oder – viel wichtiger – keine anderen Menschen?
Ich finde mein Kind am Strand gar nicht so schlimm. Ich finde auch meistens andere Kinder nicht schlimm. So findet der mini-monsieur nämlich meistens wen, mit dem er spielen kann.
Nervig ist es, wenn man dicht an dicht liegt. Dass immer eine/r bei den Sachen bleiben muss.

85 Wie viele Vogelarten erkennen Sie am Gesang?

Keinen??? Naja, vielleicht ein Käuzchen und eine Eule.

86 Wann haben Sie zuletzt im Freien übernachtet?

So richtig im Freien, also ohne Zelt, habe ich 1991 zuletzt im Freien üernachtet. In Südfrankreich am letzten Abend der Jugendfreizeit. Mein letztes Mal Zelten war 1998. Aber ich mag das nicht wirklich. Ich brauche nachts Wände um mich rum.

87 Welche der folgenden Dinge können Sie basteln/bauen?
Steinschleuder | Seifenkiste | Pfeil und Bogen | Baumhaus

Wenn mit Steinschleuder eine Zwille gemeint ist, dann ja. (Ein kurze Befragung des webs bestätigt meine Annahme.) Seifenkiste: nein. Pfeil und Bogen: ja. Sofern ich mal mein Taschenmesser wiederfinde. Baumhaus: würde ich mir zutrauen. Habe ich aber noch nie gemacht. Was ich gerne mal wieder machen würde, wäre eine Weidenlöte… Im Frühjahr wieder.

88 Warum ist der Himmel noch mal blau? Erklärung in drei Sätzen:

Weil – zumindest bei gutem Wetter – das blaue Licht aufgrund seiner kurzen Wellenlänge am stärksten gestreut wird und somit vorranging wahrgenommen wird.

89 Könnten Sie sich vorstellen, ein Kind zu adoptieren?

Das war lange Jahre mein Plan. Ich fand die Vorstellung schwanger zu sein irgendwie nicht so spannend und dachte immer, dass Adoptieren eigentlich eine ganz gute Sache sei.
Wenn meine Situation eine andere wäre, könnte ich mir aber auch vorstellen, als Pflegemutter zu fungieren.

90 Was haben Sie von Ihren Kindern Ihrem Kind gelernt?

Noch mehr bei mir bleiben. Authentisch bleiben.
Ich habe aber auch mit ihm gelernt, dass ich keine Spiel-Mama bin. Ich kann mich nicht stundenlang mit ihm hinsetzen und Dinos gegeneinander kämpfen lassen oder mit irgendwelchen Figuren irgendwelche Geschichten durchspielen.
Dafür gehe ich gerne mit ihm raus: Fahrradtouren, Spielplatz (wobei er sich da ja mittlerweile auch gut selbst beschäftigt). Bücher vorlesen finde ich auch super. Oder mit ihm basteln.

91 Warum haben Sie Kinder bekommen?

Zum einen hat es ticktack gemacht. Und dann war da der monsieur und mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich mit diesem Mann ein Kind wolle.

92 Nehmen Sie Ihr Kind ernst? Sind Sie eine gute Mutter / ein guter Vater?

Diese beiden Fragen bilden anscheinend eine. Aber ist frau eine gute Mutter, nur weil es ihr Kind ernst nimmt?
Ich unterstelle mal, dass prinzipiell jede Mutter eine gute sein möchte. Sicherlich klappt das objektiv und subjektiv nicht immer. Ob das nun am Ernstnehmen liegt?!
Klar versuche ich mein Kind ernst zu nehmen – aber nicht immer. Ich nehme mich ja auch nicht immer ernst. Aber er tut das ja auch nicht und weiß schon ziemlich genau, wie er sich komisch in Szene setzen kann. Ob mich das nun zu einer guten Mutter macht, müssen andere entscheiden. Beim mini-monsieur bin ich noch die „beste Mama der Welt“. Aber wir wissen ja: „alles eine Phase“ (oder wie meine Mama sagt: Der normale Wahnsinn mit kleinen Pausen.)

93 Wie viele Freunde haben Sie? Hätten Sie gerne mehr?

Ich habe einige sehr gute Freunde. Drei begleiten mich schon seit der Schulzeit und das ist wirklich schön. Im Laufe der Jahre sind ein paar dazu gekommen und auch ein paar weggefallen. Interessanterweise ist aus meinen beiden Studienzeiten keiner übrig geblieben. Naja, doch, mit einer Studienkollegin habe ich immer noch sporadischen Kontakt.
Als ich in Frankfurt angefangen habe, sind viele Kontakte eingeschlafen. Dafür habe ich neue Leute kennengelernt und womöglich hätten sich daraus Freundschaften entwickelt. Aber viele Kontakte sind eingeschlafen, als ich zu spüren bekam, wie krankhaft Eifersucht sein kann. Ich bin erstaunt, dass ich trotzdem neue Kontakte geknüpft habe in dieser Zeit. Und in der Tat denke ich zur Zeit oft an frühere Wegbegleiter.
Ich merke aber auch, dass ich etwas scheu bin. So sehr „jeder“ jederzeit bei mit willkommen ist, tue ich mich schwer, mich „aufzudrängen“. Dabei bräuchte ich gerade jetzt ein gutes Netzwerk. Ich muss das noch optimieren.

94 Wie haben sich die Freundschaften verändert, seit Sie Kinder ein Kind haben?

Ich weiß gar nicht, ob sich einige Freundschaften durch das Kind verändert haben, oder ob sie sich nicht eh geändert hätten, als einfacher Lauf der Dinge. Mein Freundeskreis war schon immer etwas verteilter (von Hamburg bis Zürich, zwischendurch sogar auch Dubai). Dadurch hat man sich eh nicht so oft gesehen. Einige Frankfurter sind auch weggezogen. Es ist halt alles im Fluss.
Dafür habe ich ein paar Freundschaften durch das Kind gewonnen. Das ist auch schön.

95 Was erwarten Sie von einer Freundschaft?

Dass Quantität keine Rolle spielt. Sich verbunden fühlen. Sich aufeinander verlassen können. Angenommen werden, wie man ist. Aber auch Kritik bekommen und ertragen. Unterstützung. Zusammen lachen. Gemeinsame Erlebnisse.

96 Eine schöne Erinnerung mit Freunden aus den letzten Monaten:

Kopenhagen mit meinen Mädels.

97/98 Was war das letzte interessante Gespräch, das Sie geführt haben? Worüber ging es und mit wem?

Ich könnte jetzt behaupten, dass ich immer wieder interessante Gespräche führe. Was sicherlich stimmt und für dieses Jahr besonders. Da wäre zum einen das Gespräch mit einer meiner langjährigsten Freundinnen im März. Es ging um alles Mögliche. Wir hatten uns länger nicht gesehen und brachten uns über die vergangenen Jahre auf den aktuellsten Stand.
Im April und Mai führte ich mehrere interessante Gespräch im Rahmen der Kur. Da waren zum einen die Gespräche mit meiner Leidensschwester, bei denen wir beide amüsiert aber auch mit Schrecken feststellen mussten, dass wir die Sätze der jeweils anderen vollenden konnten. Zum anderen waren da die Gespräche mit dem Psychologen, die sicherlich die nachhaltigste Wirkung hatten.

99 Machen Kinder glücklich? Wenn ja, warum? (Mehrfachnennung möglich)
– weil man durch sie selbst noch mal Kind sein darf (Rollenspiele, Kissenschlacht, Arschbomben ins Wasser machen …)
– weil es schön ist, nicht mehr nur um sich selbst zu kreisen, sondern sich um andere zu kümmern
– weil sie gut riechen
– weil man mit Kindern viel mehr lacht
– weil sie aus meinem Fleisch und Blut sind
– weil man mit ihnen weniger Zeit zum Grübeln hat
– andere Gründe, nämlich:

Ja, mich macht mein Kind glücklich. Aber ich bin ohne ihn nicht unglücklich. Ein Kind zu haben entspannt und relativiert viele Dinge.
Und ich freue mich regelmäßig, dass ich durch den mini-monsieur neue Ecken kennenlerne. Genau genommen dadurch, dass ich mit ihm zu irgendwelchen Events, die der Kindergarten anbietet oder irgendwo in der Stadt stattfinden, gehe. Letztens haben wir so z.B. gelernt, wo in Frankfurt die Fledermausen – wie der mini-monsieur sagt – wohnen.

2 Gedanken zu „99 Fragen

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