Das war’s dann wohl

So „schnell“ kann es gehen. Und so einfach macht es sich der Staat.

Um als alleinerziehend zu gelten, darf der Steuerzahler nicht mit einer anderen volljährigen Person als Paar zusammenleben. Nur wenn es sich um eine reine Wohngemeinschaft oder bei der volljährigen Person um das eigene Kind handelt, ist das Zusammenleben gestattet. Dazu darf das Kind jedoch nicht älter als 25 Jahre sein und es muss sich in einer Schulausbildung oder in einem Studium befinden beziehungsweise Zivildienst oder Wehrdienst leisten oder als Entwicklungshelfer arbeiten. Sobald ein alleinstehender Arbeitnehmer mit einem Partner zusammenzieht oder sobald der Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise auf den Freibetrag für das Existenzminimum des Kindes entfällt, verliert die Lohnsteuerklasse 2 ihre Gültigkeit. Tritt eines dieser Ereignisse im Laufe eines Kalenderjahres ein, wird der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende für jeden Monat, in dem die Voraussetzungen gem. § 24b EStG nicht erfüllt werden, um ein Zwölftel gekürzt.

Und damit gelte ich ab heute steuerrechtlich nicht mehr als alleinerziehend. Ja, natürlich entlastet es finanziell, dass der RB nun bei uns wohnt und seinen Beitrag zu Miete und Einkäufen leistet, aber er trägt ja vorrangig seine Kosten. Klar könnten wir das Ganze – die Wohnung gäbe es her – als WG deklarieren. Aber das ist mir ehrlich gesagt zu blöd, weil es ja nicht so ist.

Und was bedeutet das nun für mich?! Ich muss mit Steuerklasse I erstmal prinzipiell ca. 800 Euro mehr Lohnsteuer (als bei Klasse II) im Jahr zahlen – also so 60-70 Euro pro Monat. Das ist sicherlich zu verschmerzen, weil allein der Mietanteil vom RB das locker auffängt. Aber es ärgert mich, denn der RB hat ja nun definitv keinerlei finanzielle Pflichten für den midi-monsieur.*

Denken wir einen Schritt, der nie gegangen wird, weiter: Würden der RB und ich heiraten und wäre ich in Steuerklasse III, müsste ich ca. 5.000 Euro Lohnsteuer weniger pro Jahr abdrücken. Und ja, das ist ein Betrag, der mich weinen lässt.**

Aber warum ist das so? Warum fördert der Staat die Ehe (Ehe, NICHT Familie!!!) so dermaßen? Warum profitieren nur Menschen von der günstigen Steuerklasse, die vor einem Standesbeamten „ja“ gesagt haben? Warum bekommen zwei Menschen, die miteinander leben und damit für einander sorgen (wollen), zwar finanzielle Pflichten aufgedrückt, aber keine Rechte an- und füreinander? Warum sind Rechte so dermaßen von diesem bürokratischen Akt abhängig, aber Pflichten werden nonchalent einfach übertragen? Was bezweckt der Staat damit? Warum wird die Ehe – und definitv nicht die Familie – so extrem geschützt?

Es klingt oft durch, als fände ich Heiraten total doof. Das stimmt so halb: Wer heiraten will, soll bitte heiraten. Wem das für sich, seine Beziehung, sein Leben oder was auch immer wichtig ist, soll das halt tun.

Aber kann mir irgendeine mit wirklich guten Argumenten erklären, warum ein verheiratetes Paar besser als ein unverheiratetes Paar gestellt sein darf? Brauchen die eine finanzielle Entschädigung für die Aufwendungen für die Hochzeit?

Warum ist an die Ehe ein Steuerprivileg geknüpft? Von Patientenrechten und Erbsachen will ich gar nicht erst anfangen…

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* Es wäre ja schon schön, wenn der Kv seinen Pflichten nachkäme.

** Real wäre es, wenn wir heiraten würden, natürlich anders, nämlich vermutlich beide Steuerklasse IV und dann sähe das Ganze nicht mehr groß anders aus. ABER bei Lohnsteuerjahrsausgleich … hach … seufz … Wut schnaub

3 Gedanken zu „Das war’s dann wohl

  1. WARUM das so ist mit dem steuerlichen Vorteil bei der Ehe: weil man, wenn man verheiratet ist, sehr starke finanzielle Verpflichtungen zueinander eingeht. Der Staat wird dadurch entlastet und gibt einen Teil dieser Entlastung zurück. So weit, so logisch. Dass man Kinder da stärker berücksichtigen sollte, finde ich auch, aber wenn man das nur über die Steuer macht, haben wiederum nur Menschen etwas davon, die steuerpflichtig verdienen – auch diskussionswürdig. Das Kindergeld ist z.B. eigentlich eine Steuererleichterung, kommt aber allen zu Gute… Es ist ein faszinierendes Feld, die Familienleistungen!

  2. Den Frust kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich hab als alleinerziehende mit Kind in einer richtigen WG gewohnt (wir hatten sogar jeder sein eigenes Klopapier….) und hatte trotzdem Kl. I, total doof….

  3. Nun, das mit den steuerlichen Vorteilen einer Ehe ist auch so ein Mythos, der sich hartnäckig hält, dabei sind die Vorteile einer „Zusammenveranlagung“ in modernen Beziehungen, in denen beide Partner arbeiten und Geld verdienen, eher marginal. Es gibt überhaupt nur dann einen steuerlichen Vorteil, wenn die Partner unterschiedlich viel verdienen und zwar liegt der dann in dem langsameren Anstieg der Progression bei demjenigen, der mehr verdient.
    Die Steuerklasse ist dabei völlig egal. Die Steuerklasse ist nur ein Hilfsmittel, um die laufenden Vorauszahlungen auf die gesamte Jahressteuer einigermaßen passend zu errechnen/schätzen, da es sich aber eben nur um Vorauszahlungen handelt, die am Ende des Jahres in einer Endabrechnung (Steuererklärung) verrechnet werden, ist das absolut ziemlich Wurscht, welche Steuerklasse man hat oder wählt. Verheiratete haben die Möglichkeit, dass einer die Steuerklasse 3 wählt, dann hat der andere automatisch 5 – oder beide entscheiden sich für 4, die entspricht exakt der Steuerklasse eines Ledigen. Steuerklasse 3 hat die Besonderheit, dass hier alle Freibeträge, die jeder Steuerpflichtige so hat, gleich doppelt verarbeitet sind, dafür sind in Steuerklasse 5 gar keine Freibeträge eingerechnet. Lohnt sich also, um die laufenden Vorauszahlungen klein zu halten, wenn einer ganz viel und der andere nur sehr wenig verdient – aber hey, das ist dann auch üblicherweise die klassische „Versorgerehe“, wo einer arbeitet und der andere von dem Einkommen des Hauptverdieners mitlebt. Dann hat der Hauptverdiener vielleicht einen Steuervorteil, er hat aber auch Unterhaltsverpflichtungen und vor allem schleppt er einen Esser zusätzlich mit durch, der, würde der Ehepartner nicht seinen Lebensunterhalt bezahlen, ansonsten wohl Hartz4 bekäme, weil er ja selber viel zu wenig verdient.
    In einer Beziehung, in der beide in etwa gleich verdienen, ist der Steuervorteil durch eine Ehe tatsächlich gleich Null. Und zwar völlig egal, welche Steuerklasse man wählt.

    Wenn man in einer stabilen und vertrauensvollen Beziehung lebt und Steuern sparen will, dann sollte man auf keinen Fall heiraten, denn „fremde Dritte“ können viel schönere Verträge untereinander vereinbaren als Ehepartner, bei denen deutlich kritischer hingeschaut wird.
    Aber das muss jeder für sich selber entscheiden, ich wollte eigentlich nur sagen, dass die Steuervorteile durch eine Ehe nur in „ungleichen Beziehungen“ gegeben sind, dass man sich die dafür aber als nicht verheiratetes Paar völlig problemlos durch eine entsprechende interne Vertragsgestaltung genauso verschaffen kann.
    Und ich weiß das, weil das mein Beruf ist 🙂

    (Ach, und wenn der Kommentar jetzt mehrfach abgeschickt wurde, bitte nur einen freischalten, ich habe mal wieder meinen üblichen Stress mit WordPress, ich bin für dieses System definitiv zu blond)

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