Nachhang

Anfang der Woche träumte ich – in dieser blöden Schlafphase zwischen etwas zu früh wach werden und Weckerklingeln -, dass ich mit Zwillingen schwanger sei. Ja, vom RB. Wobei das irrelevant* ist. Ein Schwangerschaftstraum fällt für mich ja schon fast unter Albtraum** und entsprechend bin ich auch hochgeschreckt.

Was aber weit irritierender war: In dem Traum hatte ein Schokoosterhase eine zentrale Rolle. Ein angebissener. Und beim Scrollen durch Instagram sah ich auch wieder, woher das Bild kam:

„Meiner“ war allerdings kein Vollmilch-, sondern ein weißer*** Schokoosterhase.****

Und es hängt mir immer noch nach, dass ich nicht mehr weiß, was der Schokoosterhase in dem Traum gemacht hat.

———————
* Naja, es wäre schon komisch, träumte ich, ich sei von wem anders schwanger.

** Das Thema ist bei mir – und zum Glück auch beim RB – durch, durch, durch.

*** Dabei mag ich weiße Schokolade gar nicht so gerne.

**** Ich hoffe, azurgrau ist mit der kulturellen Aneignung dem Screenshot vom Bild einverstanden.

Blutdruckmittel

Freitag, 13h55, kurz bevor die Veranstaltung anfängt, gucke ich auf mein Handy. Es blinkt: Anruf in Abwesenheit. Vom Hort. Ich gehe diverse Notfallszenarien durch, denn viel kann ich ja von Potsdam aus nicht ausrichten, und rufe zurück. Ob der midi-monsieur mit auf einen Ausflug könne. Mir erschließt sich nicht, warum ich deswegen angerufen werde. Zumal das Kind ja weiß, dass er bis Ende im Hort bleibt. Und was bis dahin da passiert, ist mir gewissermaßen egal, denn beeinflussen kann ich es ja eh nicht.

Samstag, 13h00, ich sitze mitten in der Veranstaltung, ruft eine Rugby-Mom an. Als ich nicht drangehe, schickt sie mir eine Sprachnachricht. Orrrr. Ich fürchte, dass dem Kind was beim Spiel passiert ist. 20 Minuten später höre ich sie ab: Sie ist auf dem Weg zum Verein. Joah, ich bin halt noch in Potsdam.

Samstag, 14h02, die Veranstaltung ist zu Ende, ich sitze in der Sonne. Nachricht vom Rugbykumpelvater: Ich solle mich bitte melden. Sehe sie um 14h12 und denke: „Jetzt ist doch was passiert“ und rufe zurück. Der Rucksack vom midi-monsieur ist am Pitch verschwunden. Dadrin halt Schlüssel für Zuhause und das Rad. Die Babysitterin ist aber auch schon da: Sie nimmt das Kind mit zu sich. Gut, klingt nach ner probaten Lösung.

Samstag, 14h16, weitere Nachricht vom Rugbykumpelvater: Der Rucksack ist wieder da.

Na, halleluja, mein Blutdruck ist zwar niedrig, aber mit sowas muss er auch nicht gepusht werden. Gut, dass ich jetzt wieder alles vor Ort regeln kann.

Eine Insel

… zwar nicht mit zwei Bergen, aber dafür mit einem Fluss, der Havel, aus dem sich vier (?) Seen speisen… Dit ist Potsdam.

Viel* Zeit zum Sightseeing hatte ich nicht. Aber dafür bin ich, weil ich eh schon am Wasser war, einmal am Wasser lang, an der Glienicker Brücke vorbei,

durch die Vorstadt und das Holländische Viertel spaziert.

Das Hotel war Nähe Nauener Tor

 

—————————————
* Eher keine

„Hier wird keine Bombe entschärft“

Eigentlich war ich ja wach, nachdem ich den midi-monsieur zur Schule geschickt hatte. Und eigentlich wollte ich mich nur nochmal kurz an den RB kuscheln. Tja, und zack war ich wieder eingeschlafen. Dann klingelte der Wecker vom RB und mein Handy blinkte*. Ich guckte nach, wer bzw. was da nach mir begehrte und sah zwei verpasste Anrufe: Die Nummer konnte ich zuordnen und bevor ich zurückrief, guckte ich in meine e-Mails. Und siehe da, die Anruferin hatte auch schon gemailt: Aufgrund der Bombenentschärfung in Berlin sei meine Anreise am Freitag in die Hauptstadt gefährdet, ob ich auch um 6h20 (statt 10h45) fliegen könne. Tja, und zack hatte ich Rückenschmerzen aus der Hölle. Aber nicht wie üblich im Lendenwirbelbereich, sondern im Bereich der oberen Brustwirbelsäule. Jippie, neues Feature. Nicht. DAS.TAT.SEHR.WEH. Ich konnte noch nicht einmal die Nase schneuzen, geschweige denn mich wirklich bewegen. Der RB musste mir erstmal eine Wärmflasche machen.

Als es wieder halbwegs ging, suchte ich nach näheren Informationen zur Problematik Bombenentschärfung und Flug nach Berlin. Wirklich hilfreiche Informationen fand ich nicht. Also rief ich bei Lufthansa an, denn DIE sollten es ja eigentlich wissen. Eigentlich… Nach dem Telefonat ärgerte ich mich, dass ich es nicht aufgezeichnet habe, denn das war … ähm … speziell. Aber vielleicht bin ich auch einfach etwas zu kritisch, dass ich es … ähm … speziell finde, wenn der Mitarbeiter im CallCenter NICHT weiß, dass am Freitag in Berlin eine Bombe entschärft werden soll. Zudem wollte er mir mehr als einmal erzählen, dass ich ja eigentlich um 8h45 flöge, aber auf 10h55 umgebucht worden sein.** Das war also nur semi-hifreich.*** Also rief ich beim Flughafen Tegel selbst an und fragte dort nach. Das war deutlich hilfreicher.**** Nein, der Flughafenbetrieb sei nicht ernsthaft in Gefahr. Es könne sein, dass der Flieger eine Extrarunde drehen müsse. Damit könnte ich leben.

Dann rief ich die morgentliche Anruferin zurück und beruhigte sie mit meinen Infos und wir beschlossen zusammen, dass ein früher Flug keinen Sinn***** mache und vor allem unnötig sein.

Dann war es auch schon 23 Stunden vor Abflug und ich konnte einchecken.

—————————–
* Ich habe ja sämtliche Töne und Benachrichtigungen am Handy ausgemacht, aber verpasste Anrufe, SMS und WhatsApp-Nachríchten dürfen sich mit Blinken bemerkbar machen.

** Nein. Einfach nur nein.

*** gar nicht

**** Was natürlich wegen *** keine Kunst war.

***** Dann wäre ich vor 8h00 in Berlin, könnte aber nicht ins Hotel und muss zudem bis 18h00 fit sein. Der Tag wäre sehr anstrengend und tendenziell nach hinten raus unproduktiv.

WG

Ich bezeichne das Zusammenleben mit dem Kind für gewöhnlich als Wohngemeinschaft. Keine ganz gleichberechtigte WG, denn irgendwie gibt es ja ein kleines Ungleichgewicht hinsichtlich der Pflichten zu meinen Ungunsten (Miete zahlen, Haushalt). Dadurch habe ich natürlich auch mehr Rechte (länger aufbleiben, Fernsehen, wann ich will, Bestimmung des Essensplans*, etc.). Wenn der midi-monsieur also mehr Rechte will, muss er mehr Pflichten übernehmen. Und ich werde auch nicht müde, ihm zu erklären, dass wir die Wohnung zusammen bewohnen und dass daher jede*r von uns ihren*seinen Beitrag dazu leisten muss, dass das Zusammenwohnen angenehm, lustig und so stressfrei wie möglich ist. Das klappt mittlerweile immer besser.

Nun wohnen wir ja nicht nur zu zweit, sondern haben neben dem RB**, auch noch Herrn Weber und Kevin als Mitbewohner. Der eine wohnt auf dem Balkon und sorgt für unser leibliches Wohl, der andere wohnt hauptsächlich im Wohnzimmer und macht, wenn er nicht gerade zickt, sauber.

Nun sind Herr Weber, Kevin und auch der RB auf mein Bestreben hin eingezogen, weswegen das Kind wohl beschloss, er bräuchte Unterstützung und so ist unser allerneustes WG-Mitglied Knerten:

Leider wissen wir noch nicht, mit welchen Fähigkeiten er unser Zusammenleben bereichern wird.

—————-
* Natürlich werden individuelle Vorlieben und Abneigungen berücksichtigt.

** Die Definition dessen individueller Pflichten und Rechte ist noch zu klären. 😉

Einfach ja sagen

Manchmal ist es ja ganz gut, einfach mal ja zu sagen. Einfach darauf zu vertrauen, dass einer ein anderer Mensch nichts Böses will, wenn sie eine Unternehmung vorschlägt.

So war es, als Silke Herrn Walthers und meine Post-Richard-III.-Euphorie ausnutzte und uns direkt zum nächsten Kulturabend „verdonnerte“. Ich guckte nämlich nur aufs Datum und sagte zu. Später klärte ich dann noch mit dem RB, ob er den midi-monsieur ins Bett bringen könne an dem Abend und das war es dann auch schon. Ich kümmerte mich Nullkommanichts darum, was genau uns nun an dem Abend erwarten würde. Ich hatte noch nicht einmal registriert, dass es eine Lesung sein würde. Aber gut, nach bereits zwei*, naja drei** Lesungen, ist mir nun auch dieses Format geläufig.

Gelesen hat Ferdinand von Schirach, den ich Banausin ja bis heute auch nicht kannte. Wobei er nicht nur aus seinem Buch „Strafe“ vorgelesen hat, sondern auch über den Prozess gegen Sokrates (ja, der olle Philosph aus der Antike) referierte.

Er sieht etwas erleuchtet aus 😉

Das Publikum war sehr aufmerksam und sehr still, sodass ich mir etwas „laut“ vorkam, als ich spontan applaudieren musste, als von Schirach sinngemäß sagte: „Es ist ja schon gut, dass sich der Staat nicht in die Kirche einmischt.*** Aber noch besser wäre es, wenn sich die Kirche nicht auch in den Staat einmischen würde.“ Danach war ich dann aber auch still und lachte auch nur in mich hinein, als das Pärchen vor Herrn Walther total kinoesk die Köpfe zum Knutschen Kuscheln zusammensteckte.****

Da ich nichts wusste, habe ich nichts erwartet und so war es einfach toll: die erzählten bzw. vorgelesenen Geschichten, die Stimme, die Atmosphäre, die Begleitung (nagut, die kannte ich ja vorher, da konnte nichts schief gehen).

Doch, es lohnt sich durchaus, einfach mal ja zu sagen und Dinge zu machen, die eine sich selbst eher nicht rausgesucht hätte.

———————————-
* Sarah Kuttner und Mama Schulze

** Ich weiß immer noch nicht, ob ich die Titanic-Lesung werten soll. Wobei wir ja eigentlich wegen Andrea Diener da waren.

*** Stimmt auch nur bedingt. Aber der staatliche Einfluss auf die Kirche ist sicherlich deutlich unbedeutender, als die umgekehrte Einmischung.

**** Das muss eine Frankfurter Mode sein: Bei Richard III. hatte ich ein Pärchen im Blickfeld, das mitten im Stück tatsächlich knutschte und sie sich auf seinem Schoß räkelte. Ähmja… Ich werde alt und verständnislos.

Wildes Herz

Etwas verantwortungslos kam ich mir ja schon vor. Und auch der RB hatte zwischenzeitlich – zumindest beim Essen – Bedenken, ob das wirklich so eine gute Idee war, dass wir alle, also der midi-monsieur, der RB und ich, zusammen ins Kino gehen und zwar in einen Film, den vor allem der RB gucken wollte. Gut, er hätte auch allein gehen können. Aber da wir ja total aneinander kleben und NIIIICHTS mehr getrennt machen können ich fand den Film auch interessant. Doch er läuft nur* diese Woche im Mal-Seh’n-Kino, einem winzig kleinen, total schnuckeligen und tollem Programmkino, das ich bislang noch gar nicht kannte.

Etwas problematisch neben dem Film selbst war, dass er nur um 20h00 läuft. Das ist eigentlich etwas spät für das Kind, aber die Babysitterin war erst am Sonntag da und am Freitag und am Samstag muss er wieder von ihr betreut werden**. Und so beschlossen der RB und ich, dass wir zusammen reingehen: Der RB befand es inhaltlich für tragbar und ich hinsichtlich des Aufbleibens.

Nach einem etwas anstrengendem Essen zu dritt in einem meiner Lieblingscafés gab es auch kurz nach Beginn von „Wildes Herz“ einen Durchhänger beim midi-monsieur, den ich etwas unpädagogisch mit „Ich gehe auch mit Dir in Filme, die ich nicht gut finde“ im Keim erstickte. Nunja, was soll ich sagen?! Es hat gewirkt und das Kind hat sich dann auf den Film eingelassen: Feine Sahne Fischfilet hat nicht nur einen neuen Fan, sondern das Kind hat ein Ziel für die Pubertät:

Ich bin etwas hin- und hergerissen: Monchi als Vorbild zu haben – zumindest so aus politischer Sicht und hinsichtlich seiner Einstellung – ist sicherlich nicht verkehrt, aber vielleicht können wir, respektive der midi-monsieur, ja doch irgendwie die Pubertät anders gestalten.

Auf jeden Fall fanden wir drei den Film sehr gut:

Und ich verbuche das mal auch unter „politischer Bildung“ fürs Kind*** und fühle mich nicht mehr veranwortungslos.

————————-
* Zumindest sieht es derzeit danach aus.

** Außerdem hatte er Rugby-Training und ihn nach Hause zu bringen und dann ins Kino zu hetzen, wäre auch blöd gewesen.

*** Vielleicht wirkt das ja so auf ihn, wie auf mich die versehentlich mit 11 gegessenen Sp**e-Co*kies und das mit 13 gelesene „Wir Kinder von Bahnhof Zoo“ – halt auf politischer Ebene.