100

Vor 25 Tagen rief mich mein Papa an. Es ist eher selten, dass mich mein Papa von sich aus anruft. Obwohl wir im Januar bereits zweimal lang telefonierten, als ich eigentlich meine Mutter erreichen wollte. Aber dass er von sich aus anruft… Da muss schon was vorgefallen sein. Und das war es auch: Zwei Tage zuvor war er beim Pneumologen, nachdem er bereits knapp zwei Wochen davor schon einmal da war und nach einem Röntgen-Thorax ein Thorax-CT gewonnen hatte. Und danach hieß es:
Verdacht auf Lungenkrebs. So schnell wie möglich ins Lungenzentrum.

Da wurde er vor 23 Tagen aufgenommen und das Warten und Zittern fing an. Ihm wurde Blut agenommen, er wurde bronchoskopiert, er kam in Quarantäne, er bekam zwei heftige Antibiosen, er wurde erneut bronchoskopiert und wurde zum Schluss dann doch punktiert. Dazwischen wechselte er ein paar Mal das Zimmer und die Station, bekam kaum Infos, lange stand offene Tuberkulose als (zusätzliche) Verdachtsdiagnose im Raum. Die Quarantäne wurde angeordnet, weil eine Infektion mit Haemophilus influenzae bestand. Gefühlt fiel den Ärztinnen* jeden Tag etwas neues ein, ohne dass die Ideen vom Tag davor bestätigt oder ausgeräumt wurden.

Liebe Ärztinnen* unter meinen Leserinnen*: So etwas macht total mürbe. Ihr könnt doch nicht von offener Tbc reden, aber dann nicht entwarnen. Und nur weil Ihr wisst, dass Haemophilus influenzae nichts mit der echten Influenza Grippe zu tun hat, wissen das nicht automatisch alle Nicht-Medizinerinnen* und machen sich vielleicht auch etwas Sorgen.

Achja, nicht nur „vielleicht“ und nicht nur „etwas Sorgen“, sondern ziemlich viel und ständig und eigentlich drehen einige Teile in einem total durch – und das, obwohl ich mich problemlos einlesen und auch meine Eltern – jeden Teil auf seine Weise – beruhigen konnte.

Irgendwann in dem ganzen Drama sagte ich, dass ich am Ende, wenn eine endgültige Diagnose feststünde – egal, wie sie lautet -, mit Entspannungs-Kopfschmerzen zusammenbrechen würde. Die habe ich heute. Trotz Ibu fühle ich mich matschig und habe zur Ablenkung Streuselkuchen gebacken, Ingewersirup angesetzt und Ghee gemacht. Denn:

Heute morgen um kurz nach 9h00 telefonierte ich mit meinem Papa und das erste, was er sagte, war: „Es ist kein Krebs.“ Ich nahm die Information erstmal auf, aber noch nicht wirklich an. Ich musste etwas schmuzeln, als er sagte, dass er stattdessen eine Pilzinfektion in Mandarinengröße habe (hatte ich doch noch zum RB gesagt, dass mein Vater vermutlich etwas total Absurdes hat, wenn es kein Krebs sein sollte). Es wird nun versucht, die Pilzinfektion medikamentös in den Griff zu bekommen. Sollte das nicht innerhalb der nächsten 6 Wochen gelingen, wird der Pilz (der midi-monsieur** stellt sich einen Champignon vor) operativ entfernt. Aber wir waren uns einig, dass das trotzdem besser als Krebs wäre und dass er – wenn alles auskuriert ist – auch noch problemlos 100 Jahre alt werden kann***.

Teddy bekam ich vor 34 Jahren von meinem Papa geschenkt.

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* Ärzte, Leser und Nicht-Mediziner sind übrigens #mitgemeint

** Der midi-monsieur wusste, dass der Opa im Krankenhaus ist und es ihm nicht gut geht. Aber von dem Lungenkrebsverdacht habe ich ihm erst heute erzählt, nachdem es Entwarnung gab.

*** Dann könnte er erleben, wenn ich in Rente gehe…

5 Gedanken zu „100

  1. Ich habe als stiller Mitleser alles verfolgt – und merke, wie wahnsinnig erleichtert ich gerade bin. Alles Gute für den Vater!

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