Frau des Tages

Diese Sache mit den Gedenktagen finde ich immer etwas grenzwertig. Auf der einen Seite ist es ja schon mal gut, dass Themen irgendwann mal so im Bewusstsein waren, dass man sich überlegte, dass man regelmäßig darüber nachdenken sollte. Auf der anderen Seite ist es immer etwas blöd, wenn die restlichen 364 (365) Tage im Jahr nicht so viel passiert. So auch beim Internationalen Frauentag. Da sind eigentlich noch so viele Themen offen, dass man ein Internationales Frauenjahrhundert daraus machen könnte. Themen, die für mich zum Teil gar nicht mehr relevant sind. Denn ich habe einfach viel Glück gehabt:

  • Eltern, die an mich glaubten und unterstützten
    • relativ genderneutrale Erziehung
    • nie „Das kannst Du nicht, Du bist ein Mädchen.“
    • regelmäßig „Du musst nichts Soziales machen, weil Du ein Mädchen bist.“ (eher: „Wehe, Du machst das“)
    • Lego war nicht nur für meine Brüder
    • „Geh raus, spiel am Bach, kletter auf Bäume.“
    • Gleichberechtigung war bei uns zu Hause immens wichtig.
    • „Ja, Du musst keinen Rock anziehen.“
    • „Ich war auch schlecht in Sprachen.“
    • Meine Mutter hat „immer“ gearbeitet und war auch zeitweise immer mal wieder die Hauptverdienerin.
    • „Hätte ich bessere Lehrer gehabt, wäre ich vermutlich auch gut in Mathe gewesen.“
    • „Du macht das schon richtig so.“
    • „Du musst Dich keinem Mann unterordnen.“

Dazu noch

  • Kaum Lehrer*innen, die mir naturwissenschaftlichen Unterricht madig machten
  • Professor*innen, die die Studierenden nicht nach Geschlecht unterschieden

Das Ergebnis: Ich bin eine weiße, gut gebildete, auch gut bezahlte und recht priviligierte Frau. Ich bin auch gerne die Frau, die ich bin. Manchmal wäre ich gerne etwas kämpferischer und (politisch) engagierter, denn was ich dank dem vielen Glück wenig brauchte: für meine Rechte wirklich kämpfen. Zumindest habe ich nicht das Gefühl. Aber vielleicht habe ich sie mir auch einfach „genommen“ und genutzt, weil sie nicht infrage gestellt wurden.

Dafür sage ich DANKE. Doch widmen möchte den heutigen Tag meinem großen Vorbild: meine Großmutter.

Meine Großmutter (links) und ich

Die stets ihr Ding machte und meinen Vater und meine Tante nach dem Krieg bewusst allein aufzog. Und die mich stets darin bestätigte, wenn ich wieder mal „Wildfang“ und so wenig „mädchenhaft“ war. Die mich Haltung und Anstand lehrte, aber immer dazu aufforderte, den Mund aufzumachen. Die stets opportun war und bereit dazu, auch unkonventionelle Wege zu gehen bzw. zu akzeptieren.