Geteilte Gefühle

Sooo, nun lassen wir die Katze mal aus dem Sack. Die meisten werden es vermutet haben – meine Tweeps kennen mich schon ganz gut:

Ja, die Mehrheit hat natürlich recht. Und ich bin nicht nur verliebt, sondern auch noch glücklich verliebt. Ich muss jetzt ein bisschen an mich halten, dass es hier nicht zu gefühlsduselig wird – so kennt man mich ja nicht, aber: Es geht mir sehrsehr gut.

Diese Beziehung hat einen Raketenstart hingelegt: 3 Tage haben der RB* und ich uns geschrieben. Dann hat er mich besucht und auch direkt die Nacht bei mir verbracht.

Weil es sich irgendwie nicht verhindern ließ, hat der midi-monsieur ihn direkt kennengelernt. Interessanterweise war das für mich total in Ordnung. Und das, wo ich mir IMMER, wenn ich darüber nachdachte, ob ich überhaupt mal eine Beziehung wollen würde, vor allem die Frage stellte, wie ich es dem Kind beibringen würde, wie ich ihn einbeziehen müsstesollte und wieviel Rücksicht ich nehmen solltemüsste. Wie lange sollte ich den Mann mindestens kennen, dass es Sinn macht, dass ihn auch der midi-monsieur kennenlernt und so halt. Und natürlich auch Gedanken darüber: Wie wird das Kind reagieren? Er ist ja nun über 3,5 Jahre das einzige männliche Wesen im Haushalt gewesen. Wieviel Platzhirsch steckt schon in einem 8-Jährigen?

Tja, und dann merkt man auf einmal, dass man sich zwar wie 15 fühlen und teilweise auch benehmen kann, aber es halt mit 41 auch Erwachsenendinge bei so Beziehungskisten zu bedenken gibt – wie eben, dass man, also ich in dem Fall, die Gefühle des eigenen Kindes abfangen muss:

Denn es steckt viiiel Platzhirsch in einem 8-Jährigen, wie sich bei der geplanten (zweiten) Begegnung der beiden zeigen sollte. Huiii.

Zu Beginn war noch alles halbwegs entspannt. Wir trafen uns draußen und gingen zusammen in den Park. Zum einen musste das Kind gelüftet werden und zum anderen fand ich „neutralen“ Boden gar nicht so schlecht.

Allerdings kippte es im Park schnell. Der midi-monsieur nahm Abstand von uns. Machte relativ bewussten Quatsch, beäugte uns aus der Ferne und war – das machte er sehr deutlich – not amused. Ich ging zweimal auf ihn zu, merkte aber, dass es zu früh war. Er war noch viel zu aufgewühlt. Er seilte sich – immer in Blickweite – ab und ich beobachtete das Geschehen auf zwei Ebenen: Als Mutter litt ich mit meinem Kind. Denn er litt und wusste nicht wohin mit sich. Aber ich konnte die Situation auch von außen betrachten und sah, dass jede Intervention nichts bringen würde. Aber auch ein Abbruch würde uns nicht weiterbringen. Da mussten wir durch. Alle zusammen.

Irgendwann kam der midi-monsieur zu uns, mopperte rum und wollte nach Hause. Auch gut, wir gingen zusammen nach Hause. Das Kind sprühte vor Ablehnung, aber ich gab nicht nach. Wir gingen zu dritt nach Hause und das Kind merkte wohl, dass es mir ernst war. Kurz vor zu Hause sprach er uns dann tatsächlich erstmals zusammen an**. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Und zu Hause wollte das Kind den restlichen Galette des Rois essen – zu dritt. Und während ich Kaffee und Tee machte, teilte das Kind das Viertelstück in drei etwas ungleiche Teile und spaßte mit dem Neuen im Gefüge rum. Und als der Kuchen fast gegessen war, schnitt der midi-monsieur von seinem Stück etwas ab, halbierte das und gab sowohl mir als auch dem RB jeweils ein Extrastückchen. Oh, wow.

Dann wollte das Kind auf dem Tablet spielen und der RB und ich hatten noch einen Moment zu zweit, bevor er losmusste.

Als er ging, verabschiedete sich der midi-monsieur formvollendet von ihm. Er gab ihm die Hand und sagte: „Hat mich gefreut, dich kenngelernt zu haben.“ Oh, wow.

Dann waren das Kind und ich allein. Er zeigte mir was am Tablet, wollte noch etwas spielen. Wir besprachen die Essenswünsche der nächsten Tage, ich machte eine Einkaufsliste und drehte dann schnell meine Runde – ohne Kind.

Wieder zu Hause kochte ich und als das Essen fast fertig war, platzte es aus dem Kind heraus: „Mama, hast du _den_ lieber als mich?“
„Wie kommst du darauf?“
„Ich hatte im Park das Gefühl. Ich war da nicht mehr für dich da und du warst nur bei ihm.“
„Ja, aber du bist doch von uns weggefahren.“
„Ihr habt euch ja auch geküsst.“
„Ja und?“
„Mama! Das ist voll peinlich! Stell dir vor, ich bin in der Nähe und das sieht wer, was sollen die denn dann denken?“
Ich muss mir ein Lachen verkneifen: „Naja, aber du hast ja nicht mitgeküsst.“
„Ihgitt.“
„Aber um deine Frage zu beantworten: Nein, ich habe ihn nicht lieber als dich. Wie könnte ich? Du bist mein Kind und das Wichtigste in meinem Leben.“
„Aber das Gefühl hatte ich heute Nachmittag nicht.“
„Ich kann mir vorstellen, dass das komisch für dich ist. Die letzten drei Jahre gab es ja nur uns beide.“
„Ja, ich musste dich nicht teilen.“
„Aber du musst mich doch jetzt auch nicht teilen. Denk doch mal an deinen besten Kumpel: Meinst du, dass der sagt, dass er seine Mama mit seinem Papa teilen muss? Oder dass die Mama sagt, dass sie den Papa lieber hat als deinen Kumpel?“***
Es arbeitet im midi-monsieur.
Dann müssen wir das Gespräch jäh abbrechen, weil das Essen sonst angebrannt wäre.

Wir essen, machen uns einen schönen Abend. Als ich ihn ins Bett bringe, kommt das Thema nochmal auf, ob ich _den_ wirklich nicht lieber mögen würde.
„Ich kann ihn gar nicht lieber haben als dich. Weil das ein ganz anderes Liebhaben ist. Man hat jeden Menschen auf eine eigene Art lieb. Du bist mein Kind und Dich lieb ich, wie man ein Kind liebt. Der RB ist ja kein Kind. Den habe ich anders lieb. Das nimmt auch nichts von meiner Liebe zu Dir weg. Das ist ganz unterschiedlich. Du hast doch auch die Menschen unterschiedlich lieb: Du hast ja auch nicht den Papa lieber als mich, sondern hast eine Papa- und eine Mama-Liebe, die sich nicht teilt.“
Er entspannt sich merklich: „Ja, das stimmt.“

Wir machen noch zusammen Quatsch mit seinen Kuscheltieren. Ich kuschel ihn in den Schlaf. Im Halbschlaf sagt er noch: „Aber heute Abend kommt er nicht vorbei, wenn ich schlafe, oder?!“ Ich muss grinsen: „Nein, er kommt heute nicht vorbei.“

Aber er kam den Tag darauf und danach und auch wenn der midi-monsieur irgendwann konstatierte, ob er nun _immer_ da sei, sagte er auch nach ein paar Tagen Bedenkzeit: „Mama, ich weiß jetzt, dass der RB keine Liebe von Dir für mich wegnimmt.“

OH, WOW!

——————————–
* Nein, das steht nicht für seine Initialen.

** „Ihr seid ja auch nicht so schnell wie ich mit dem Roller.“ (Davor immer nur „Mama“ und „der da“.)

*** Original habe ich nicht Mama und Papa gesagt, sondern die Namen der Eltern, damit das Mama-Papa-Thema gar nicht erst strapaziert wird.

6 Gedanken zu „Geteilte Gefühle

  1. Oh, wow!

    Ich freu mich sehr. Für Dich und für Euch. Und hoffe, dass Dein Beziehungsgrinch nur selten Anteil an der Zwei-/Dreisamkeit nimmt 😉

    Was den Midi angeht: Das wird noch ein ordentliches Stück Arbeit. Vielleicht auch mit Höhen und Tiefen. Aber vielleicht ist es auch eine große Chance für ihn, einen anderen Mann zu erleben und auch zu sehen, wie es Dir damit (anders) geht, als mit dem Kv. Nämlich besser.

    Und wofür steht RB? Rudeboy? Reallifebeziehung? 😀

  2. Wow – wie schön! Ich wünsche euch alles Glück und ein gutes Händchen im Umgang miteinander! Für mich hört sich die bisherige Entwicklung gut an, ich freue mich so für euch!

  3. Herzlichen Glückwunsch!
    Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen – Essen bricht das Eis ungemein. 🙂
    Geniess es!
    K.

  4. Herzlichen Glückwunsch ❤️
    Du erklärst deinem Sohn die Dinge so wunderbar passend, das wird sicher werden…. ich wünsche dir alles Glück der Welt mit deinem RB, du hast es verdient!

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