Non c’est non!

Einen Anfang für diese Geschichte zu finden ist nicht einfach. Und ich merke, dass ich zum einen eine Schere* im Kopf habe und zum anderen sich dieser Gedanke einschleicht: „Warum, wenn Du es doch schon geahnt hast?“

Diese Geschäftsreise an den Genfer See ist etwas anstrengend. Ich bin müde. Lustig ist, dass ich mich selbst per instastory begleite. Als ich endlich in Genf ankomme, ist es dunkel und wir werden noch knapp eine Stunde am See entlang kutschiert. Ich schlafe fast ein. Kurz vor knapp kommen wir erst an und ich habe gerade noch kurz die Zeit, die Klamotten zu wechseln, bevor es zum Aperó geht. Hier wollte ich gerade einfügen, was ich anhatte, aber das tut NICHTS zur Sache!

Man smalltalkt, macht sich bekannt und dann geht es zum Essen. Entgegen der Ankündigung (und Auswahl) gibt es kein gesetztes Dinner, sondern Buffet. Es ist nicht schlecht, aber auch kein kulinarisches Highlight. Ich sitze mit meinen beiden Mitfahrerinnen vom Flughafen an einem Tisch. Wir sprechen Französisch. Dazu noch eine Französin.

Irgendwann kommt Unruhe auf. Ein Gast kommt noch. Irgendwie wichtig, er solle einen guten Platz haben und bei den „Franzosen“ sitzen, denn er ist Franzose. Er kommt und sitzt mir daraufhin schräg gegenüber. Er unterhält sich mit seiner rechten Sitznachbarin und seiner linken. Er spielt den Grandseigneur und ich spüre den einen oder anderen Blick. Die Unterhlatung wird allgemeiner und meine Sitznachbarin und ich werden auch involviert. Dann kommt der alte Franzose auf Feminismus zu sprechen und gibt echt gute Statements ab. Für so einen alten Mann und dann auch noch Franzosen. Ja, der klischeetriefende Seitenhieb muss sein. Die Diskussion ist ganz interessant.

Dann verabschiedet sich seine eine Sitznachbarin und eine viertel Stunde später löst sich unsere Runde auf. Der alte Franzose fängt mich ab und fragt, ob ich noch Lust auf einen Drink hätte. Da ich schon gesehen hatte, wie die Hotelbar aussieht, sage ich ja. Ich nehme schon mal Platz. Er regelt noch was, kommt dazu. Ich habe schon die Karte sondiert

Der Gin-Hype ist noch nicht am Genfer See angekommen.

… und mich für einen Negroni entschieden. Er nimmt eine Margarita und bestellt für mich – seine Freundin, wie er mich dem Kellner gegenüber nennt – mit. Joah, ich habe auch einen eigenen Mund. Aber gut.

Er setzt sich neben mich, aber der Platz zwischen uns reicht für eine dritte Person. Wir stoßen an und unterhalten uns – auf Französisch.

Er hat seinen Drink fast ausgetrunken, da meint er: „Ich würde jetzt gerne kurz auf mein Zimmer gehen, mich frisch machen, Zähne putzen und dann zu Dir kommen.“ Bis die ersten Teile seine Aussagen bei mir ankommen, habe ich erstmal nur den Schluss verstanden und reagiere entsprechend direkt: „Non!“

Er guckt mich irritiert an. Ich wiederhole mein „non“ und er fängt an zu insisiteren und fragt, wovor ich Angst hätte. Ich bin froh, dass mein Französisch ausreichend gut ist: „Nein heißt Nein. Und ich erwarte einfach, dass das jetzt akzeptiert wird. Ich muss mich für mein Nein nicht rechtfertigen.“ Er guckt sehr sparsam. Ich setze fort: „Du hast vorhin am Tisch von Feminismus und mehr Respekt Frauen gegenüber gesprochen und jetzt so was? Das geht gar nicht und mein Nein heißt Nein. Und ich erwarte, dass Du nicht weiter insistierst.“ Nein, das würde er nicht machen. „Gut“, sage ich, „denn das würde auch nichts bringen.“

Die Stille ist kurz peinlich. Aber für ihn wohl mehr als für mich.

Dann unterhalten wir uns noch kurz. Ich beende meinen Drink und damit ist auch der Abend beendet. Ob wir denn zusammen Fahrstuhl fahren können, fragt er noch im Gehen. „Ach und übrigens: Meine Zimmernummer ist 000. Nur für den Fall, dass Du irgendwas brauchst“, kann er sich dann doch nicht verkneifen. Ich überlege kurz, ob ich die Treppe nehmen möchte, aber da steht noch jemand vor den Fahrstühlen und steigt mit uns ein.

Ich bin froh, als ich endlich – allein! – in meinem Zimmer bin. Das war schon skurril und ich habe mich zwischenzeitlich auch kurz unwohl gefühlt. Letztlich überwiegt aber der Gedanke „Ich glaube, es hackt“.

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* Schere dahingegend, dass ich mich nicht traue, seinen Namen zu veröffentlichen. Denn er ist nicht irgendeine Privatperson, sondern ein relativ nicht unbekannter französischer Fernsehjournalist.

Ach, was soll’s

Der midi-monsieur war heute so gut drauf, dass ich kurz davor bin, die 350 Euro unter „was soll’s, ist letztlich nur Geld“ zu verbuchen. Das kann ich mir allerdings nicht wirklich erlauben. Und deswegen habe ich jetzt erstmal die offiziellen Papiere angefordert, um hoffentlich noch Einspruch einlegen zu können. Wobei ich mich echt frage, wieso das erst 3 Monate später wieder aufploppt und ich dadurch echt befürchte, dass ich mich jetzt bemühe und rumhampel und es am Ende heißt: Einspruchsfrist abgelaufen. Dann ploppt kurz der Gedanke auf, angestiftet von einer Tweep: „Wenn mir die Hälfte meiner Follower*innen einen Euro spendete, wäre das Thema erledigt.“ Aber was habt Ihr mit meinen Verkehrsverstoßen zu tun.

Bis dahin freue ich mich aber erstmal darüber, dass der midi-monsieur heute …

… bester Laune aus der Schule kam,
… höchst erfreut über die Lösung für seine Klasse war,
… eine 2+ in der letzten Deutscharbeit bekam (und er hat wirklich ordentlich gearbeitet),
… kooperativ beim Schuhkauf war,
… höchst motiviert beim Rugby-Training mitmachte und so
… selbst die kassierte dicke Lippe abtat mit „das gehört dazu“ und einfach weiterspielte.

Ich möchte schreien

Hey, ich bin gerade dabei meine Finanzen zu ordnen und irgendwie sah es danach aus, dass es wird. Aber frei nach dem Motto „Der Teufel scheißt auf den größten Haufen“ macht es ja fast [hysterisches Lachen] nichts mehr [Lachen bricht jäh ab], wenn ich wegen vermeintlichen Falschparkens 350 Euro latzen darf.

ICH.MAG.NICHT.MEHR.

Ein Hoch auf …

… die Freundin, die heute zum kinderlosen Geburtstags-Mittagessen-Kaffetrinken-Aperó nur unter Frauen einlud.

Dänischer Silvesterkuchen, weil Königin Margrethe sich für 2018 mehr Normabweichungen wünscht.

… auf den Vater vom besten Kindkumpel, der von 13 bis 21h30 nicht nur seinen Sohn, sondern auch den midi-monsieur bespaßte (und auf den Altkönig scheuchte).

… auf die Großstadt, in der ich auch um 22h00 noch problemlos einkaufen gehen kann.

… den Chlorreiniger, der entscheidend dazu beitrug, dass der Duschvorhang wieder wie neu aussieht.

… mich, weil ich endlich mal wieder den Kühlschrank grundgereinigt habe.

… das morgendliche Rugby-Training, wegen dessen ich heute nicht den Vormittag verschlafen konnte und so auf den Markt kam und nun (23h10) so müde bin, dass ich hoffentlich endlich wieder in einen normalen Schlafrhythmus komme.

… den midi-monsieur, der heute motiviert alles mitmachte und es so zu keinen Verzögerungen im morgendlichen, recht eng getacktetem Betriebsablauf kam.

Flockig

Weil in eine meiner Lieblingskekse Haferflocken kommen, habe ich immer welche im Haus, sofern sich die Motten nicht wieder zu wohl bei mir fühlen. Nicht weil ich das ganze Jahr über diese Kekse backen will, sondern weil das Rezept nicht so viel Haferflocken benötigt, wie in einer Packung sind.

Und meistens steht die Packung, sofern sich die Motten nicht drüber her machen, dann 11 Monate im Vorratsschrank bis zur nächsten Backaktion. Denn hier isst keiner Haferflocken. Gleiches gilt auch für diverse andere Cerealien. Bei mir liegt es vor allem an der Milch. Und daran, dass Cerealien mit Milch so schnell matschig* werden.

Heute allerdings habe ich schon den ganzen Tag Lust auf Haferflocken mit Schokoraspeln. Zum Frühstück gab es diese Kombi noch mit Joghurt. Danach noch zweimal mit Milch. Mit ganz wenig Milch.

Jetzt ist aber auch mal wieder gut.

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* Weswegen ich auch Porridge nie essen könnte.

Kunst

Das Kind sitzt am Tisch und guckt auf die gegenüberliegende Wand. Die Wand, an der diverse Kunst hängt: Harry Potter vom Kind, eine Rose von mir …

Die Belichtung ist etwas suboptimal.

und seit neustem die Frankfurter Skyline von der tollen Jette.

„Mama, das Bild“, meint das Kind zum Neuzugang, „ist echt toll. Der Künstler oder die Künstlerin kann das echt gut.“
„Eine Künstlerin hat das Bild gemalt.“
Er nickt anerkennend. „Ja, das ist echt gut. Die Farben sind auch total toll.“
„Ja. Die durfte ich mir wünschen.“
„Echt?! Warum?“
„Weil ich die Künstlerin kenne.“

Tja, liebe Jette, sollte der midi-monsieur Dir mal begegnen, dann solltest Du eine Autogrammkarte parat haben.

Mobilität

Wie meine Leserinnen mittlerweile wissen sollten, habe ich aus Überzeugung kein Auto. Stattdessen habe ich zwei Fahrräder, zwei halbwegs gesunde Beine und die Möglichkeit, bei vier verschiedenen CarSharing-Anbietern kurzfristig ein Auto für mittelkurze Strecken zu leihen. Mein Luxus ist gewissermaßen das ÖPNV-Abo für das Frankfurter Tarifgebiet. Luxus halt, weil ich es eher weniger nutze als ich dafür bezahle. Aber es gibt mir die Freiheit, jederzeit bei meinen Gängen durch Frankfurt einfach in die Bahn (selten Bus) zu steigen, wenn es regnet, wenn ich keine Lust mehr auf Laufen habe, wenn ich doch schnell(er) von A nach B muss.

Bewusst reise ich ja mit dem ÖPNV vor allem über die Tarifgrenzen Frankfurts hinaus. Nach Wiesbaden in die Agentur. In irgendein Nest am Main oder im Taunus oder Richtung Wetterau, um von dort aus zu radeln. Nach Offenbach (ja, ich fahre da freiwillig und gerne hin*).

Für die Strecke zwischen Tarifgrenze und Ziel brauche ich also ein „Anschlussticket“. So hieße das zumindest, wenn ich das am Automaten ziehen würde. Doch Fahrscheinautomaten sind das, was mich am meisten an jedem ÖPNV nervt. Bedienerunfreundlich, langsam, geld(stück)verweigernd. Also habe ich die RMV-App auf dem Handy, mit der ich dann immer die jeweilige Reststrecke als „normales“ Ticket buche**. Das führt zwar hin und wieder zu komischen Diskussionen mit den Kontrolleuren, weil sie ein Anschlussticket sehen wollen oder weil sie behaupten, dass das Anschlussticket am Automaten günstiger sei als das reguläre Ticket in der App. Nunja, ich mache das mit der App, weil schneller und einfacher.

Seit einer Weile schon gibt es ergänzend zum normalen RMV-Tarif RMVsmart. Angeblich soll alles transparenter sein und auf diversen Strecken günstiger. Für die paar Strecken extra dachte ich immer, dass sich das nicht für mich lohnen würde.

Würde es auch nicht.

ABER es gibt – relativ neu – RMVsmart50. Da zahlt man 5 Euro im Monat und bekommt alle RMVsmart-Tickets zum halben Preis. Das würde sich dann schon bei zwei Fahrten nach Wiesbaden und zurück lohnen.

Tja, aber das haben wohl auch schon 30.000 andere Menschen berechnet …

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* Ich sehe ja schon kommen, dass ich da irgendwann mal wohnen werde.

** Richtung Westen (Wiesbaden, Mainz) entweder „Frankfurt Sindlingen“ (VIAS bzw. Nordtrasse) oder „Frankfurt Stadion“ (Südtrasse über Flughafen), Richtung Süden (Langen, Darmstadt) ist es „Frankfurt Louisa“, Richtung Osten (Offenbach, Hanau) „Kaiserlei“ (Südtrasse) oder „Mainkur“ (Nordtrasse) und Richtung Norden (Bad Vilbel, Friedberg) „Berkersheim“.
Anosonsten sind noch Nieder-Eschbach, Niederursel, Eschborn, Sossenheim, Liederbach, und Zeilsheim wichtige Frankfurter Tarifgrenzstationen.

Gemischte Platte

Ich habe sehr intensiv und sehr real geträumt. Es kam ein Tweep drin vor. Ein nicht unangenehmer Traum. Und als ich aufwachte, hing er mir so nach, dass ich mich am liebsten wieder eingeschlafen wäre, um weiterzuträumen. Er hängt mir bis jetzt immer noch nach. Vielleicht träume ja heute Nacht weiter. Wäre auf jeden Fall interessant.

Das Kind war heute nach dem Rugby-Training so gut drauf. Er ist wohl gelobt worden und hat eine besondere Position zugewiesen bekommen von seinem einen Trainer.

Abends hatten wir noch ein internes Schulelternbeiratstreffen. Und für alle, die immer glauben, dass ich so schul- und lehrerkritisch bin: Ihr hättet mal Mäuschen spielen sollen. Die Probleme, die ich sehe, haben auch andere. Es ist ein grundlegend strukturelles Problem unserer schnuckeligen kleinen Stadtteilgrundschule. Und die haben erstmal nichts mit der eh schon angespannten schulpolitschen Situation – allem voran der Lehrermangel – zu tun, sondern sind schlicht und ergreifend hausgemacht.

Und weil ich morgen mal wieder zu meiner Agentur nach Wiesbaden fahre und vorletzte Woche Geburtstag hatte, aber seitdem noch nicht da war, habe ich noch spät einen Kuchen zum Mitnehmen gebacken.

Fast zu perfekt zum Anschneiden und Essen.