Gedanken zur Zeit

Meine ganze Filterbubble regt sich – zu Recht – über einen heute erschienen Artikel in Die Zeit auf. Ich auch. Sehr. Hier ein paar ungeordnete Gedanken dazu:

  1. Ich kann es nicht mehr hören/ lesen/ ertragen, wenn Frauen anderen Frauen erklären wollen, wie sie sich verhalten sollen.
  2. Insbesondere kann ich es nicht mehr hören/ lesen/ ertragen, wenn Frauen anderen Frauen erklären wollen, wie der eine einzig wahre Feminismus funktioniert.
  3. Ich bin es leid, dass es IMMER WIEDER heißt: Die Männer sind halt so*, darum, liebe Frauen, nehmt darauf bitte Rücksicht und verhaltet/ kleidet euch entsprechend.
  4. Die (weibliche) Leserschaft der Zeit ist die falsche Zielgruppe für diesen Text.
  5. Die Botschaft des Textes ist eigentlich adressiert an Frauen, die nichts mit Feminismus zu tun haben. Aber mal abgesehen davon, dass diese Frauen wohl eher weniger Die Zeit lesen, wäre auch die Arroganz, von der dieser Text trieft, unerträglich. Damit bringt man keine zum Feminismus.
  6. Viele Frauen meiner Generation und meines Alters definieren Feminismus nicht über die – v.a. äußerliche – Gleichmachung zwischen Mann und Frau. Diese Frauen haben kein Problem mit ihrer Weiblichkeit, sondern für sie bedeutet Feminismus Gleichbereichtigung – monetär, bei der CareArbeit, Chancen etc.
  7. Die Diskussionen zu und über diesen Artikel sind sehr lesenswert und helfen mir, meine feministische Position zu überdenken. (Für irgendwas muss es ja gut sein.)
  8. Ich gehe oft genug in bequemsten Sachen und ungeschminkt aus dem Haus.
  9. Schicke*** Kleidung und Make-Up können auch als Uniform und als Schutz funktionieren.
  10. Es gibt auch eine Menge Männer, die sehr auf ihr Äußeres achten und es schade finden, dass sie im Geschäftsumfeld auf mindestens Jackett, besser Anzug festgelegt sind.
  11. Ich empfinde den aktuellen Feminismus manchmal als Prestigeobjekt weißer, gebildeter Mittelschichtfrauen. Es ist keine gesamtgesellschaftliche Idee (mehr). Bestimmte Gesellschaftsschichten fühlen sich nicht angesprochen und/ oder sehen nicht, warum er sie auch etwas angeht.
  12. Ich wünsche mir einen Feminismus und einen feministischen Wandel ohne Vorschriften und Diskussionen zu Äußerlichkeiten.

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* Wie eigentlich? Archaisch, animalische, dauergeile Wesen, die NUR an Sex denken, sobald sie einen Frauenkörper in „normaler“ Kleidung sehen?**

** Sorry, aber wir werden den einen Sexismus nicht los, indem wir einen anderen heraufbeschwören bzw. benutzen.

*** Schick als Gegenteil zu bequem. Das MUSS kein Kostüm sein. Einfach gute Business-Kleidung.

Ein Gedanke zu „Gedanken zur Zeit

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