Liebe Männer,

es ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal, wie Ihr es findet, wenn ich (oder halt wer anders) über Menscups, PMS und sonstige assoziierte Themen twittere und blogge.

Ja, das Thema ist sicherlich nicht so rosig-duftig-glattgeleckt wie irgendwelche Hochglanz-Bildchen von irgendwelchen perfekt gephotoshopten Models. Aber glaubt mir: Wenn die es sich nicht durch irgendeine Essstörung kaputt gemacht haben, haben auch diese Frauen einen Zyklus und Menstruation. Und vielleicht menstruierte das Model sogar an dem Tag, an dem eines der Bilder gemacht worden ist. Ja, jetzt guckt nicht so. Man sieht es ja nicht.

Man sieht es nicht und das ist auch gut so. Ich muss davon auch keine Bilder sehen. Aber dass Ihr vom alleinigen Darüberreden/ -schreiben Kopfkino bekommt, ist nicht mein Problem. Wir Frauen haben uns das mit den monatlichen Blutungen auch nicht ausgesucht oder laut hier geschrien, dass wir das unbedingt haben wollen. Aber es ist, wie es ist und damit müssen wir umgehen. Und ich finde wir Frauen machen das im Großen und Ganzen ganz gut. Und ja auch durchaus diskret. Was – zumindest in unseren Gefilden – dank Milliarden verschiedener Monatshygieneartikel* auch möglich ist. ABER: Es passiert trotzdem! Dieser ganze Zyklus passiert – ob wir es wollen oder nicht.

In meinem Dunstkreis habe ich zum Glück keine Frau, die von der eigenen Menstruation unangenehm oder gar peinlich berührt ist. „Jippie“ ruft sicherlich keine und hausieren geht damit auch keine. Aber es guckt auch keine verschämt weg, wenn das Thema zur Sprache kommt.

Und ganz ehrlich: DAS wünsche ich mir auch von Euch Männern. Tut nicht so, als gäbe es das alles nicht oder als ginge Euch das nichts an. Denn es geht Euch sehr wohl etwas an. Zumindest, wenn Ihr mit einer Frau Sex habt (haben wollt) und/ oder in einer Beziehung steckt. Wenn Ihr das so ekelig findet, solltet Ihr vielleicht über Gummipuppen nachdenken.

Ich erwarte nicht, dass Ihr nun Eure Frauen bei der Monatshygiene unterstützt oder Euch mit blutigentsprechendem Bildmaterial sensibilisiert. Ersteres will wohl auch keine Frau und für Zweiteres habt Ihr ja Euer Kopfkino. 😉

Aber einfach eine Vorstellung davon, was allmonatlich im Körper einer Frau passiert, würde durchaus das Verständnis fördern. Ja, der weibliche Hormonzyklus ist ziemlich komplex.**  Doch gerade deswegen täte es Euch gut, sich ein bisschen mehr (also überhaupt mal) mit dem Zyklus der Frau zu beschäftigen. Dann wären Sprüche wie „Oh, so zickig wie die ist, hat die bestimmt ihre Tage“ oder „Die ist bestimmt total untervögelt“ endlich mal passé***. Und an Kommentare wie „Ein wahrer Pirat sticht auch ins rote Meer“ würde dann auch keiner mehr denken, wenn Frau „mal wieder“ keine Lust hat, weil sie ihre Tage hat.

Und bevor jetzt welche von Euch vor lauter „aber“-Schnappatmung*** vor ihrem Device ohnmächtig werden, gebe ich Euch noch was auf den Weg: Auch wenn das grundlegende Prinzip, also wann welche Hormone an- und abfluten und wie sie mit- oder gegeneinander wirken, bei allen Frauen gleich ist, ist die individuelle Wirkung zum Teil sehr unterschiedlich. Das führt dazu, dass bei manchen Frauen die Stimmungsschwankungen minimal sind. Andere haben schlimme PMS-Tage. Wieder andere leiden unter der Menstruation sehr (v.a. Schmerzen), während andere kaum etwas merken. Einige spüren auch viel in den Brüsten (weswegen diese Brustfixierung bei Euch Männern auch manchmal sehr kontraproduktiv bis unangenehm ist).

Und das Blöde – nicht nur für Euch Männer – ist, dass all das von Zyklus zu Zyklus variieren kann. Das macht das Zusammenleben mit uns Frauen nicht unbedingt einfach(er), aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir, also Frauen und Männer, mit ein ein bisschen mehr Verständnis Eurerseits deutlich weniger Stress und mehr Spaß miteinander haben könnten.

Beste Grüße,
B.

(Neben einem unsäglichen Tweet, der die letzten Tage durch Twitter geisterte, hat mich eine sehr gute nächtliche Diskussion inspiriert. Ich hoffe, Du weißt, dass Du gemeint bist. 😉)

—————————————
* Und um da den Markt zu überblicken, ist es durchaus hilfreich, darüber zu reden.

** Nachzulesen z.B. hier und hier. Zumindest kann das mal eine grobe Übersicht geben.+
+ Und wenn Ihr das mal ansatzweise kapiert habt, verstündet Ihr auch besser, warum die Pille für Frauen, insbesondere junge, nicht so der Knaller ist. Aber das ist ein eigenes Thema.

*** französisch korrekt: passés

**** „Aber ich kenne eine Frau, die hat das nie oder die fand Sex immer toll.“++
++ Ja, vielleicht hat sie Glück oder es nicht zugegeben.

3 Gedanken zu „Liebe Männer,

  1. Ich habe schon mit deutlich mehr Männern über ihren Stuhlgang, ihr Ejakulat oder über ihren Haarwuchs an allen möglichen Stellen gesprochen, als mit irgendwem über die Menstruation.

    In wie vielen Gesprächen mit einem Augenzwinkern über Konsistenz und Geschmack von Ejakulat gesprochen wurde oder Witze über die Schluckfähigkeit von Frauen gemacht wurde – ich weiß es nicht. Es sind zahllose. Wie oft Männer über „den dicken Frühschiss“ gesprochen haben, den sie „abgeseilt“ haben. Darüber, dass sie „Heimscheißer“ sind, erstmal „kacken gehen“. Sie pinkeln im Rudel an Gebäudewände und finden es toll, um die Wette weitzupinkeln und Muster in den Schnee zu urinieren. Schon als Kinder lernen sie, dass man nicht gegen Elektrozäune pisst – und probieren es trotzdem aus.

    Männer liken Videos im Internet, auf denen sie erst besoffen ein Maßkrug Bier exen, um es dann wieder ins Glas zu kotzen und erneut zu trinken.

    Was mir das zeigt? Männer sehen ihre Körperausscheidungen wie Trophäen, wie etwas, das sie voller Stolz hervorbringen. Verbunden mit Kraft und Männlichkeit. Testosteron at its best.

    Nur um sich dann angewidert wegzudrehen, wenn eine Frau über eine Menstruationstasse spricht? Ernsthaft?

    Während Männer oft völlig ungeniert über ihre Körperausscheidungen sprechen, wird uns Frauen ein Schamgefühl anerzogen mit Hilfe von Ersatzflüssigkeiten, vaginalsymbolische Hände, die einen Tampon umschließen oder mit zahlreichen Ausdrücken, die unsere Periode möglichst blutfrei aussehen lassen. Mein schlimmstes Wort dabei ist „Erdbeerwoche“. Und wenn ein Mann in einer Beziehung mit dem Thema konfrontiert wird und seine sexuellen Triebe doch befriedigt haben möchte, dann mit einem heroischen „Ein guter Pirat sticht auch ins rote Meer“. Tadaaa. Held der Stunde, oder was?

    Wir schämen uns für das Blut, das aus uns fließt, während Männer in Por.nofilmen ihren Samen genüsslich auf alles spritzen, was Brüste hast. Das ist so krude. Aber so bezeichnend für den genderabhängigen Umgang mit Körperflüssigkeiten.

    Ich habe auf Twitter sowohl einige unglaublich lächerliche „iiiih, Menstassen“- und „iiiih-Blut“-Tweets gelesen, als auch Bilder von mit Blut geschriebenen Botschaften an eben diese Männer.
    Und ich habe tatsächlich mehr Verständnis für die Rebellion, die die Blutbotschaften aussagen, als für die iiiih-Tweets. Ich persönlich brauche sie aber genauso wenig, wie einen Kackhaufen als Bild.

    Worum es mir geht: vielleicht braucht es diese Bilder, dieses Übertreiben, um ins Bewusstsein zu rücken, wie verkrampft und schambehaftet wird mit uns, unserer Vulva, unseren Blutungen umgehen. Um den normalen Umgang damit als „ok“ zu akzeptieren.

    Und es braucht die Gespräche – auch über Menstassen – damit Männer sehen, dass wir uns nicht verstecken müssen (und lassen). Wir bluten, wir haben einen Zyklus. Deal with it. Wir müssen über Monatshygieneartikel und ihre Umweltverträglichkeit, ihre Herstellung, ihren Gebrauch, ihre Entsorgung etc. sprechen können. Denn es betrifft die Hälfte der Bevölkerung.

    Ach, verdammt. Schade, dass ich nicht mehr blute.

    • „Erdbeerwoche“ ist einer der schlimmsten Ausdrücke überhaupt in dem Zusammenhang. Mit dem habe ich ganz fieses Kopfkino. 😀

      Und ja: Männer feiern sämtliche ihrer Körperausscheidungen. Vielleicht ist das ja Kompensation, weil sie sonst nichts eigenes haben bzw. „produzieren“ können. „Seht her, aus mir kommt auch was raus.“ Zumindest ist es teilweise widerlicher als Menstruationsblut.

      • Ich frage mich in dem Zusammenhang eben auch, woher der Ekel vieler Frauen kommt, wenn es um das Thema Periode geht. Es muss anerzogen sein. Tatsächlich gehe ich sogar soweit zu sagen, dass es den Frauen in Jahrzehnten/Jahrhunderten des Patriarchats eingeredet wurde, es sei etwas unreines, unsauberes.

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