Zugvogel

Heute beobachteten der midi-monsieur und ich fasziniert die Kraniche, die in tollen Formationen den eh schon vollen Himmel über Frankfurt bereicherten und eindeutig auf dem Weg gen Süden waren.

Neidisch Wehmütig blickte ich ihnen nach. Nein, nicht weil es mich in den Süden zieht oder ich Bock auf eine lange Reise habe. Auch kann ich mir kein Zugvogelleben für mich vorstellen. Aber ich spüre gerade, dass es Zeit ist aufzubrechen. Ich hätte jetzt fast „auszubrechen“ geschrieben, denn:

Aber ausbrechen geht nicht. Und ausbrechen ist es auch nicht. Ich will und kann mein Leben nicht komplett auf den Kopf stellen – ja, „radikal ändern“ klingt danach -, da ich ja auch eine Verantwortung für den midi-monsieur habe. Und der hat mir schon unmissverständlich klar gemacht, dass er diese Stadt – und eigentlich auch das Viertel – nicht verlassen möchte. Aber da braucht er keine Angst haben: Frankfurt und ich, das ist schon eine große Liebe und auch ich habe keine Lust und Muße, mir bzw. uns in einer neuen Stadt alles neu aufzubauen.

Aber es gibt genug andere Stellschrauben, an denen kurz- bzw. mittelfristig gedreht werden muss. Und je klarer ich weiß, welche Stellschrauben ich drehen will, desto unruhiger werde ich. Unruhig, weil Geduld einfach nicht meine Stärke ist und wenn ich erstmal weiß, was in Angriff genommen werden muss, dann möchte ich es am liebsten sofort umsetzen. Aber dafür sind die Stellschrauben etwas zu groß…

Late Adopter

Ich hatte ja lange Jahre keinen Bezug zu YouTube. Mir erschloss sich der Sinn von selbstgedrehten Filmen nicht so wirklich. Klar, habe ich hier und da mal ein Musikvideo angeguckt, weil ich einen Song suchte.

Seit einiger Zeit nutze ich es aber tatsächlich verstärkt. Sei es, weil ich eine Anleitung für irgendwas suche (tendenziell technisches, gar kein Bjuti) oder weil ich irgendwas Entspannendes zum Einschlafen brauchen. Deutlich mehr wurde es, seitdem ich zu Hause vor mich hinturne. Dahingehend findet man nämlich eine ganze Menge Sonderbares Nützliches. Also kleine und größere Programme Workouts und gezielte Übungen.

Doch, das ist alles durchaus praktisch.

Und ich bin den Menschen, die sich die Mühe machen, all diese Videos zu drehen, durchaus dankbar*. So viel Exihibitionismus muss man ja erstmal haben**.

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* Hui, der Muskelkater hat es echt in sich.

** Und auch wenn es in meinem Handy einen Ordner mit dem bedeutungsschwangeren Namen „Gespräche mit dem Internet“ gibt, in dem auch schon 20 Dateien sind, wird es wohl keinen LittleB-Kanal geben.

Abgewendet

Gerne würde ich schreiben, dass ich das Damoklesschwert einer größeren finanziellen Katastrophe abgewendet habe. Doch daran arbeite ich noch. Wenigstens konnte ich eine mittlere finanzielle Katastrophe am Abend abwenden.

Der midi-monsieur und ich waren heute zu einem Geburtstag eingeladen. Luftlinie nur knapp 2,5 Kilometer entfernt und eigentlich eine ganz nette Strecke zum Radeln. Doch als wir los wollten, regnete es. Und wir mit den Öffentlichen nicht so einfach hinkommen, nahmen wir ein Car2Go. Und weil am Abend auch ein Car2Go direkt vor unserer Nase stand, nahmen wir es für den Rückweg.

Natürlich war  das nur eine halbmittel gute Idee, denn ab 18 Uhr werden die Parkplätze in unserem Viertel rar und so fuhr ich etwa genauso lange durchs Viertel, wie die Strecke selbst gedauert hat. Schlussendlich stellte ich mich vor unsere Einfahrt. Die ja keine Einfahrt ist. Zumindest keine, die von Autos benutzt wird. Da stehen ist natürlich nicht optimal, aber ich hoffte, dass das Auto bald wieder einen neuen Nutzer fände.

Eine Stunde später saßen das Kind und ich beim Essen. Da nahm ich orange-farbendes Blinklicht durchs Fenster wahr. Ich guckte raus und sah auf der Straße einen Abschleppwagen. „Mist“, schoss es mir durch den Kopf und ich flitzte nach draußen.

Der Polizist erläuterte, dass das Car2Go nicht richtig stünde und jetzt abgeschleppt würde. Ich erklärte etwas dürftig die Situation und bot an, das Auto umgehend wegzufahren. Ja, das wäre in Ordnung.

Ich ging wieder in die Wohnung um Handy und Papiere zu holen. Der Abschleppwagen wurde verabschiedet und mit einem Auge nahm ich wahr, dass der Polizist mit einer Frau sprach. Ich achtete nicht weiter drauf, sondern bemühte mich, das Auto freizuschalten.

Ich setzte mich ins Auto und setzte etwas zurück. Da sah ich, dass die Frau in den Wagen vor mir einstieg und wohl wegfahren wollte. Ich setzte noch ein bisschen mehr zurück und beobachtete im Rückspiegel, dass die Polizei wegfuhr. Dann war das Auto vor mir ausgeparkt und ich setzte das Auto auf den frei gewordenen Parkplatz.

Und auf einmal fiel der Groschen: Das Car2Go hatte ich sicherlich nicht ganz regelkonform abgestellt (weil halt vor Einfahrt), allerdings wusste ich ja, dass diese Einfahrt nicht genutzt wird und bislang da noch nie ein Auto abgeschleppt worden ist. Also hat wohl die Frau die Polizei gerufen, weil sie ihren Mini nicht ausparken konnte.

Ja, danke auch! Das hätte ganz schön teuer werden können – so mit Abschleppkosten. (Und sooo dicht habe ich nicht geparkt.)

Vordergründige Langeweile

Ich bin erst spät eingeschlafen. Irgendwie auch wegen Laune. Das war doof. Denn entsprechend lang habe ich geschlafen. Allerdings ging das heute, denn der midi-monsieur ist nicht so richtig fit, weswegen ich schon gestern seine Teilnahme am heutigen Rugby-Turnier absagte. Ansonsten weiß ich nicht, wie der Tag heute gelaufen wäre.

Bestimmt wäre ich nicht mit dem Satz „Mama, ich hab die Spülmaschine ausgeräumt“ geweckt worden.

Wir wären auch nicht mal wieder auf dem Markt gewesen. Blöderweise ist dem Metzger das Waffeleisen kaputtgegangen, sodass es keine Waffeln mehr gibt. Allerdings waren wir heute so spät auf dem Markt, dass wir mit Bratwurst bzw. Leberkäs zu Latte Macchiato bzw. großem Kinder-Cappuccino (ohne Kakao!) aufs Wochenende anstießen.

Davor hatten wir bereits auf leeren Magen (zumindest ich) Wein in Auftrag gekauft.

Später verabredete sich der midi-monsieur zu einem Kumpel. Ich brachte ihn hin und ging entspannt einkaufen. Da ich die Wohnung am Mittwoch bearbeitet hatte, drängte an dieser Front nichts.

Das Kind kam selbstständig nach Hause. Ich kochte, wir aßen, machten es uns vor dem TV bequem, ich buk einen Kuchen für morgen, lasen Jim Knopf weiter und der midi-monsieur schlief ein.

***

Ja, das war ein langweiliger Tag. Irgendwie. Irgendwie muss das gerade sein, so oft es geht. Ich brauche das gerade sehr, weil ich so viel im Kopf habe wie lange nicht mehr; auf verschiedenen Dingen rumdenke. Die Gedanken sind breit gefächert und entsprechend spannend, neu, interessant, bereichernd, lehrreich, sorgenvoll, beängstigend, refelktierend, ermutigend, ernüchternd, beängstigend, hoffnungsvoll, routiniert, bewegend, beobachtend…

Sie sind gefühlt immer gleichzeitig da und wollen auch nicht aus dem Kopf. Auch nicht temporär. Das ist schon etwas anstrengend und macht das (Ein-)Schlafen nicht besonderes einfach. Aber ohne Schlaf geht es mir einfach nicht besonders und das Denken ist noch präsenter, doch leider viel ineffektiver.

Also denke ich auch darüber nach, wie ich besser (ein-)schlafen kann.

Hmpf.

Launisch

Orrrrrrr, ich gehe mir selbst auf den Keks. Kurz nachdem ich heute zu Hause war, schlug meine Laune von „müde, aber fröhlich“ auf „boah, mir ist so schwer ums Herz“ um. Als das Kind draußen unterwegs war, legte ich mich aufs Sofa und schlief tatsächlich kurz ein. Aber es half nix. Meine Laune war nach dem Nickerchen nicht besser. Ich habe keinen Bock auf diese Laune. Ich will das nicht. Und ich wüsste gerne, woher das kommt. Dann könnte ich es vielleicht abschalten. Die Analyse bis jetzt hat verschiedene Optionen ergeben:

  • Zu wenig Schlaf (seit Tagen)
  • Beginn der Wechseljahre
  • Oxytocin-Jetlag
  • Alkohol-Nachwehen
  • Freiheits-Jetlag
  • das noch nicht final geklärte Problem
  • Wunsch nach Veränderung
  • fehlender Sport

Der midi-monsieur ist es definitiv nicht. Mit ihm läuft gerade alles ziemlich gut. Vermutlich ist es eine Mischung aus allem.

A.ber.ich.will.das.nicht! Ich will nicht nölig und weinerlich sein. Ich will gute Laune haben.

23

Seit 23 Jahren kennen wir uns. Und nie haben wir uns aus den Augen verloren. Wir haben viele Höhen und Tiefen und auch manch anderes miteinander geteilt.

Mit ihr auf dem Sofa zu sitzen und Wein zu trinken und zu quatschen, ist immer wie „hier bleibe ich, hier geht’s mir gut, egal, wie schlecht es mir geht“.

Und es ist so wunderbar egal, was wir nach außen sind. Es zählt nur, wie es der anderen geht und einander zuzuhören.

Vereinbarkeit?

Morgen das erste Mal ein Business-Trip mit Übernachtung, seitdem ich alleinerziehend bin.

Für 3 Stunden Event werde ich insgesamt 8 Stunden hin- und zurückreisen. Und weil ich nach dem Termin nicht mehr zurückkomme, muss ich über Nacht bleiben. Und der midi-monsieur muss versorgt werden.

Und weil Donnerstag ein Nicht-Hort-Tag ist, wird ihn die Babysitterin von der Schule abholen, ihn betreuen, bis er zum Aikido geht. Von dort wird er dann alleine – mit Ranzen und Übernachtungszeug – zu seinem besten Kumpel gehen, um dann dort zu übernachten.

Und Freitag muss er, weil er seit dieser Woche einen neuen Stundenplan hat, der bedeutet, dass er Freitags nicht mehr fünf, sondern nur noch vier Stunden hat. Ich komme aber anderthalb Stunden nach dem neuen Schulschluss an, sodass er wohl diese Zeit als Schlüsselkind überbrücken wird.

Ich bin nur froh, dass er so kooperativ und selbstständig ist.

Käffchen

Das kommt davon, wenn man beschwingt von der eigenen Playlist (Athena, Pet Shop Boys und Zaz) auf die Bahn wartet und dabei freimütig in die Gegend lächelt. Eigentlich sagt man mir ja eher Ernsthaftigkeit und latent schlechte Laune nach.

Während ich – mit Blick auf meine Aussteigehaltestelle – ziemlich weit hinten einstieg, stieg zwei Türen weiter vorne ein Mann ein, der sich schon am Bahnsteig angelächelt fühlte und mich zurückanlächelte. Und irgendwie war ich etwas flirty drauf und lächelte quer durch die Bahn weiter.

Da passierte es: Er fragte mich per Zeichensprache, ob ich einen Kaffee mit ihm trinken wolle. Ich schnappte mir meinen Rucksack und ging durch die Bahn auf ihn zu. Wir stellten uns vor, wobei er mich zunächst siezte. Was ich komisch fand und direkt klarstellte. Wir fuhren noch ein Stück Bahn und unterhielten uns. Zwei Haltestellen vor meiner eigentlichen stiegen wir aus und suchten uns ein Café.

Dass ich nicht viel Zeit hatte, weil ich pünktlich für des midi-monsieurs Rückkehr aus dem Hort zurück sein musste, klärte ich direkt ab. So blieb uns eine gute halbe Stunde für einen Kaffee, bei dem ich ihm das Rauchen untersagte*, er zu schnell direkt wurde** und ich nun seine Nummer habe***.

Eine nette Begegnung.****

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* „Stört es Dich, wenn ich rauche?“ – „Ja.“
** „Ich bin seit 4 Jahren Single. Da fehlt halt schon was.“
*** Nein, ich gab meine Nummer nicht raus. Und ich glaube auch nicht, dass ich seine nutzen werde.
**** Interessanter Typ, interessante Biographie. Aber halt nicht mein Typ. Außerdem gibt es da ja noch wen.

Lehrgeld

Ich hatte ja noch Hoffnung, dass das Buch in der geheimnisvollen Fundgrube des Vereins wieder auftaucht (zusammen mit der Hoodiejacke und dem Taschenmesser). Aber nein. Mist. Und schade.

Aber natürlich kein Weltuntergang. Dennoch hätte ich das Buch gerne, allein damit ich es dem midi-monsieur bald vorlesen kann (oder er es vielleicht selbst liest). Und so besprach ich heute mit dem Kind, dass ich das Buch gerne bestellen würde. Ich es aber richtiger fände, wenn er es bezahlen würde. Ja, das sah er ein und wir guckten zusammen und fanden tatsächlich noch eine Ausgabe von 1990, die den gleichen Einband wie das verlorene Buch hat. So teuer wird es zum Glück nicht für ihn.

(Und nichts gegen das Lehrgeld, das ich gerade zahlen muss.)

Korrelation

Wir lesen immer noch Jim Knopf. Natürlich, das Buch hat ja auch 27 Kapitel. Heute also Kapitel 16, aus dem ich folgendes zitieren möchte:

‚Nun‘, meinete Herr Tur Tur, ,[…] Eine Menge Menschen haben doch irgendwelche besonderen Eigenschaften. Herr Knopf zum Beispiel hat eine schwarze Haut. So ist er von Natur aus, und dabei ist weiter nichts Seltsames, nicht wahr? Warum soll man nicht schwarz sein? Aber so denken leider die meisten Leute nicht. Wenn sie selber zum Beispiel weiß sind, dann sind sie überzeugt, nur ihre Farbe wäre richtig, und haben etwas dagegen, wenn jemand schwarz ist. So unvernünftig sind die Menschen bedauerlicherweise oft.‘

Ich weiß, dass mich die Bücher meiner Kindheit geprägt haben. Ich in mit sämtlichen Kinderwerken von Astrid Lindgren, Erich Kästner und Michael Ende aufgewachsen. Sie haben mich gelehrt, dass Mädchen stark sind, dass es nicht immer allen gut geht, dass Dinge passieren können, die Welt verändern, dass man seinem Herz folgen soll, dass es immer wieder gilt (eigene) Grenzen zu überwinden, dass man sich trauen kann und soll, dass wir Menschen sind, einfache Menschen, von denen keiner besser oder schlechter ist als der andere, dass wir auf die Welt, in der wir leben, aufpassen müssen. Und nein, das lehren diese Bücher nicht mit der übergroßen Moralkeule, sondern nebenbei oder gar unterbewusst.

Machen das heutige Kinder- und Jugendbücher noch? Ja, Harry Potter macht das sicherlich. Aber die Darstellung zwischen Gut und Böse ist da doch deutlicher. Die Moralkeule ist deutlich sichtbarer. Ansonsten bin ich raus. (Sicherlich komme ich wieder rein, sobald der midi-monsieur mehr liest.)

Mich würde ja interessieren, ob eine Korrelation zwischen dem Wahlverhalten und den Büchern der Kindheit besteht. Gibt es dazu Untersuchungen? Sind Soziolog*innen, Politolog*innen, Linguist*innen anwesend, die sich mit sowas beschäftigen oder wissen, wer sich damit beschäftigt bzw. beschäftigen könnte?

Und wie ist das generell bei Euch: Habt Ihr die Kinderbuchklassiker der 1970er und 1980er Jahre von Lindgren, Kästner und Co gelesen? Habt Ihr sie in guter Erinnerung?