Wanzen und Tiger

Die befreundete Mutter vom besten Kind-Kumpel und ich haben entdeckt, dass wir ziemlich gut zusammen ins Kino gehen können. Alle Filme, die wir bislang zusammen sahen, kann ich uneingeschränkt empfehlen: Moonlight*, Meine Leben als Zucchini, Die Erfindung der Wahrheit* und auch den jüngst gesehenen – Die Göttliche Ordnung.

Ja, der Film spielt in der Schweiz. Und es geht ums Frauenwahlrecht, das zu dem Zeitpunkt (1971) in Deutschland bereits 53 Jahre existierte. Aber viele andere Rechte, die Frauen heutzutage haben, eben noch nicht.

Der Film ist toll erzählt. Und ich bin sehr mit der Hauptfigur, Nora, mitgegangen. An einigen Stellen schnürte es sich mir alles zu: Zum Beispiel, als sie wieder arbeiten will und ihren Mann darauf anspricht. Der erwidert aber nur, dass er es nicht wolle und dass er es ihr per Ehegesetz verbieten könne. Sie durchlebt viele Höhen und Tiefen und das spürt man auch als Zuschauerin. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie ich wohl agiert hätte. Wäre ich wie sie? Oder eher wie ihr weiblicher Widerpart? Oder doch mehr wie die Arztgattin?

Und so ernsthaft das Thema ist, man durfte auch ein bisschen lachen. Wobei einem das erste Lachen auch gleich wieder im Halse stecken blieb: Ihr jüngster Sohn weigert sich eines Morgens in die Schule zu gehen. Als sie ihn fragt warum – die Zuschauerin ahnt es schon -, antwortet das Kind: „Die anderen Kinder hänseln mich, weil Du eine Wanze bist.“ Da muss man natürlich schon ein bisschen lachen, auch wenn der große Bruder direkt aufklärt, dass das Emanze und nicht Wanze heiße.

Sehr lachen musste ich allerdings – und vielleicht auch ein bisschen aus Scham -, als die Hauptfigur zusammen mit zwei Mitstreiterinnen nach einer Demo im fernen Zürich in einen typischen 1970er-Jahre-Workshop gerät, der den verheißungsvollen Titel „Love you vagina!“ trägt. Die etwas überspitzt esoterische Referentin erklärt, wie wichtig es sei, die eigene Sexualität zu kennen und fordert am Ende alle Workshop-Teilnehmerinnen dazu auf, sich mit einem Spiegel ihre Vaginas anzugucken. Und dann anhand eines Posters (und ich habe lange recherchiert, um Euch das präsentieren zu können) die Form der eigene Vagina zu identifizieren.

Natürlich ist das nicht nur lustig. Und die sexuelle Revolution war sicher auch eine Triebfeder für die anderen Umbrüche, die damals stattfanden, beziehungsweise es bedingte sich ja alles irgendwie gegenseitig. Aber weiterschmunzeln musste ich dann doch, als Nora im Streit ihrem Ehemann, der sie vom Protest wieder an den Herd holen will, an den Kopf wirft: „Ich habe einen Tiger zwischen den Beinen und noch nie einen Orgasmus gehabt.“

Und überhaupt, der „arme“ Ehemann. Auch wenn er seiner Frau irgendwie immer einen Schritt hinterherhinkt, so durchlebt er auch eine Entwicklung…

Doch, das ist ein wirklich feiner Film und wer die Gelegenheit hat, ihn zu sehen, sollte das tun.

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* Wer die Filme noch sehen möchte, sollte nicht zu viel über den Plot lesen.

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