Wie verzögere ich den Abend, dass ich am nächsten Morgen nicht gut aufstehen kann

Das ist der längste Posttitel meines Blogs bisher. Und eigentlich wollte ich heute abend über das schreiben, worüber ich gestern schreiben wollte, aber beim Recherchieren für den ursprünglichen gestrigen Post hat das Thema dann eine anderen Fokus bekommen und nun habe ich hier immer noch einen Film und ein Bild, die ich vielleicht ja morgen poste.

Zurück zum heutigen Post:

Das Kind und ich sind beide tendenzielle Langschläfer. Und dieser beknackte preussische Schulrhythmus ist alles andere als ideal für uns. ABER wir können es nicht ändern. Zum Glück hat es der midi-monsieur nicht weit zur Schule und rein theoretisch sind 30 Minuten zwischen Aufstehen und Losgehen mehr als großzügig. Was bedeutet, dass wir um 7h15 aufstehen sollten. Das wiederum bedeutet, dass der midi-monsieur, der 10 Stunden Schlaf bekommen sollte, um 21h00 im Bett sein sollte. Das schaffen wir durchaus zu 90%, denn irgendwann möchte ich auch Feierabend haben.

Seit ein paar Tagen ist allerdings der Wurm drin. Obwohl er zeitig im Bett ist, spukt er noch eine mehr oder weniger lange Weile rum. Ich meine, wenn er wenigstens im Bett bliebe und lesen oder die Noppen der Raufaser zählen würde, aber nein: Er hat Durst, muss auf Toilette, hört komische Geräusche, hat Hitze, will ein bestimmtes Kuscheltier, er will kein Kuscheltier, will doch unten schlafen, will lieber oben schlafen, hat Bauchschmerzen, muss nochmal kuscheln. Und nein, es ist NIE nur eines dieser „Probleme“, die ihn vom Schlafen abhalten, es sind immer mindestens zwei, eher drei.

Mich macht das auf mehreren Ebenen ungehalten:

  1. Je später er einschläft, desto schlechter kommt er morgns aus dem Bett.
  2. Je schlechter er morgens aus dem Bett kommt, desto mehr Stress haben wir morgens, weil ich – neben Brotdose und Frühstück richten – ihn noch antreiben muss, sich zu waschen – und nicht Faxen vor dem Spiegel zu machen, sich anzuziehen – und nicht zu spielen.
  3. Ich will meinen Feierabend. Ich brauche meinen Feierabend.
  4. Nur selten ist mein Feierabend wirklich mein Feierabend. Oft genug muss/möchte ich mich noch an einen Text setzen. Allerdings brauche ich nach dem Ins-Bett-geh-Ritual mit dem midi-monsieur mindestens 30 Minuten für mich, bevor ich wieder geistig arbeiten kann.
  5. Wenn also das Kind den Abend verlängert, verlängert sich auch meiner, was – leider – darin endet, dass ich erst um 1h00 den Rechner ausmache. (Nein, nicht immer und auch nicht regelhaft, aber halt oft genug.)

Normalerweise versuche ich dem Kind beim Geistern das Gefühl zu geben, dass ich seine Bedürfnisse verstehe, aber das es ein Limit gibt. Er darf also gerne einmal von unten nach oben wechseln, aber dann ist gut. Und es wird auch nicht alle zwei Minuten die Kuscheltier-Besatzung ausgetauscht. Manchmal singe ich auch für ihn, wenn ich das Gefühl habe, dass er damit schneller zur Ruhe kommt. Aber auch hier: Einmal durchsingen, dann ist Schluss.

Heute aber kamen ein paar Dinge zusammen: So habe ich letzte Nacht sehr wenig geschlafen (ja, da konnte das Kind nichts für, aber irgendwann sind dann meine nerven etwas dünn). Am Nachmittag klappte es nur leidlich mit den Hausaufgaben. Ich bin etwas angespannt wegen eines Gesprächtermins. Ich musste trotz Kind und Kumpel zu Hause und wenig Schlaf einen Text fertig machen. Meine Hormone sind auf dem Rückzug.

Und so war ich sehr froh, als das Kind um kurz nach 20h30 im Bett war und hörte noch ein Hörspiel. Ich legte mich aufs Sofa und … nickte weg. Um 21h25 hörte ich den midi-monsieur übern Flur tappsen. Er wollte mich nochmal umarmen. Na, dann. Er tappste zurück. Um 21h35 hörte ich wieder Kinderfüße im Flur. Er müsste noch was trinken. Ich verdrehte innerlich die Augen „Und in 15 Minuten muss er dann aufs Klo“, aber natürlich durfte er trinken. Er tappste wieder ins Bett.

Um 21h40 hörte ich, wie er wieder aufstand und bevor im Flur tappsen konnte, fing ich ihn ab. Er hatte Bauchschmerzen. Ich guckte ihn fragend an (und ja, ich war schon genervt): Naja, es wäre eher ein Bauchgrummeln. Eine Wärmflasche sollte es richte. Die Wärmflasche war nicht aufzufinden. Ich schickte ihn ins Bett zurück. Er litt sehr demonstrativ. Ja, das klingt jetzt herzlos, aber ich kenne mein Kind und die Bauchschmerzen waren maximal ein Pups, der querhing. Und so war ich mittlerweile sehr genervt und auch immer noch müde, wodurch ich sehr ungehalten war und auch laut wurde und mit dem Satz: „Ich schalte alle Wecker für morgen früh aus und dann kannst Du selbst gucken, wie Du pünktlich zur Schule kommst.“ und die Tür laut schließend sein Zimmer verließ.

Besser fühlte ich dann auch nicht. Also suchte ich erstmal die Wärmflasche, befüllte sie und brachte sie ins Zimmer. Mehr ging aber noch nicht. Ich schnaufte auf dem Sofa durch und fühlte mich schlecht. Sehr schlecht. Pädagogisch absolut unwertvoll. Genervt von mir selbst.

Als ich mich wieder beruhigt hatte, guckte ich natürlich nochmal nach dem midi-monsieur. Er schlief noch nicht. Ich entschuldigte mich.

Und nun hoffe ich – neben, es ist nur eine Phase -, dass es die Winterzeit in 8 Wochen wieder etwas richten wird.

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