Schall und Rauch

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich darüber schon mal gebloggt habe, aber ich finde nichts. Naja, manchmal denke ich auch sehr laut.

Heute gab es eine interessante Diskussion auf Twitter, deren Ursprung in einem Tweet von Journelle lag:

Ich habe dazu eine sehr eigene Meinung (haha): Jede soll die Namensentscheidung so treffen, wie sie für sich am besten passt. (Und damit wäre der Post zu Ende.)

Zwei Replies fand ich besonders aufschlussreich:

und

Gerade zweiteren finde ich sehr klug. Denn irgendwie sind wir mal wieder bei „Frauen erklären Frauen, wie sie zu sein und was sie zu tun oder lassen haben“. Dazu gab es neulich eine ähnliche Diskussion, in der es um Frauen ging, die für die Familie den Job aufgaben und bei Scheidung vor dem Nichts stehen. Was ich – weil ich es in der Familie bereits so erlebt habe – wirklich schlimm finde. Aber wir reden hier über erwachsene Frauen, die die Möglichkeit haben (gehabt hatten) sich zu informieren. Ich bin da etwas abgebrüht und sage: Wer es nicht tut, hat halt erstmal Pech gehabt.

Bei der Namesfrage gilt letztlich das Gleiche – auch wenn es nicht annähernd die gleiche Tragweite hat: Frau kann sich dazu an vielen verschiedenen Stellen vollumfänglich informieren (lassen). Wie sie und ihr Partner (wie sieht das eigentlich bei gleichgeschlechtlichen Ehen aus???) sich dann am Ende entscheiden, ist komplett deren Sache. Und es gibt ausreichend Gründe (s. Tweet von Frau Mutti) für die eine oder die andere Entscheidung. Und ich würde mir im Leben nicht anmaßen, das zu bewerten. Ich – für mich – finde Doppelnamen ja auch doof, würde aber keine Frau deswegen für nicht zurechnungsfähig halten.

Als ich damals heiratete und es um die Namesfrage ging, stand für mich fest, dass ich meinen Namen behalte. Für mich ist mein Name ein Teil meiner Identität. Was auch an der Familiengeschichte liegt. Mein Nachname ist nämlich der Mädchennachname meiner Großmutter. Und diese Frau ist bzw. war mein großes familiäres Vorbild.
Dazu kam, dass ich mir nicht vorstelle konnte, wie meine Schwiegereltern zu heißen. Nein, das Verhältnis war nicht schlecht, aber mit dem gleichen Namen wäre eine Nähe hergestellt worden, die es nicht gab. Eine Nähe, die es halt nur zu meinen Eltern geben kann.
Da aber für den Ex und mich klar war, dass wir einen gemeinsamen Namen wollten, nahm er halt* meinen Namen an. Und er behielt ihn auch nach der Scheidung. Ein Doppelname kam für keinen von uns infrage.

Die Sache mit dem Familiennamen ist ja durchaus nett und auch nachvollziehbar. Und ich fand die Idee, dass meine Kinder mal so heißen wie ich, auch ganz töfte. Aber dann wurde ich ja vom Kv schwanger, mit dem ich – zum Glück – nicht verheiratet war. Damit war klar, dass das Kind entweder den einen oder anderen Nachnamen bekommen wird.** Zumindest war das für mich klar. Ich hätte natürlich die Vaterschafts- und Sorgerechtsgeschichte auf nach Geburt verzögern können. Dann (2009) hätte ich das alleinige Namensrecht gehabt und der midi-monsieur würde heißen wie ich.

Letztlich bekam der midi-monsieur den Nachnamen vom Kv. Weil wir, naja ich, überlegt hatten, dass der Kv ja voraussichtlich mehr mit dem Kind unterwegs sein wird als ich. Da ich ja arbeitete und er zu Hause war (zumindest nach dem ersten Jahr). Und da ein Mann mit Kind, das nicht den gleichen Namen trägt, eher in Erklärungsnöte kommen kann als eine Frau mit Kind, fiel die Namenswahl halt so, wie sie fiel.

Nein, ich habe dem nie nachgetrauert, denn mir wurde die Entscheidung ja nicht aufgezwungen. Wir hatten gute Gründe und ich bin auch – trotz Trennung – immer noch fein damit (schließlich sieht der midi-monsieur ja mir deutlich ähnlicher als dem Kv). Es unterstreicht vielmehr meine Gedanken/ Gefühle zur Elter-Kind-Beziehung:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran

————————————-
* Seine genauen Beweggründe weiß ich gar nicht. Aber ein bisschen schwang wohl auch „Befreiung“ mit. Außerdem fand er es auch ein bisschen cool, mit meinem Nachnamen wie ein bekannter Mathematiker zu heißen.

** Was nur zwei Drittel der Wahrheit ist: Dadurch, dass der Kv Franzose ist, hätte der midi-monsieur auch einen Doppelnamen bekommen können. Aber da ich sowas ja schon für mich ablehne, kann ich das ja schlecht meinem Kind einfach aufs Auge drücken.***

*** Ich hätte natürlich auch Trick17 machen können und meinen Nachnamen, der auch ein Männervorname ist, dem midi-monsieur als Zweitnamen geben können.

4 Gedanken zu „Schall und Rauch

  1. Ich begreife die Verbissenheit, die regelmäßig aufbricht bei solchen Themen – so wie gestern oder letzte Woche mit der Putzfrauendebatte per Twitter – nicht.

    Es erstaunt mich, wie absolut Debatten über alltägliche, auch persönliche Themen geführt werden. Toleranz Fehlanzeige. Davon mal abgesehen, wie erstaunlich schnell frau sich angegriffen und zur Rechtfertigung genötigt fühlen kann.

    Wie Mr. Spock denke ich mir wie faszinierend die Spezies Mensch doch ist.

  2. Ich wollte immer bei einer Hochzeit den Namen meines Mannes annehmen und habe es auch getan und es war für mich eine Befreiung!

    Warum?

    Ganz einfach: Mein Mädchenname war Schimanski. Meistens wurde ich „Schimmi“ gerufen und mein Opa hieß dazu auch noch Horst mit vornamen (Wirklich). Ich glaube mehr muss man dazu nicht mehr sagen, oder? Ich habe es jahrelang gehasst und konnte mich mit 23 endlich befreien.

    LG Anne

  3. Pingback: 40 Jahre | Groß-Stadt-Ansichten

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