Wunderheilung

… als wir nach dem Flammkuchen auf dem Weg zurück zum Hotel noch einen Schlenker machten, kamen wir an so gummierten Hüppeln vorbei, auf denen diverse Kinder turnten. Das war was für den midi-monsieur: Er düste mit seinem Roller darauf rum und hatte Spaß. Ich beobachte ihn von einer Bank aus. Mir gefiel nicht so ganz, wie er den kaputten Fuß in Schonhaltung hielt.

Irgendwann kam er zu mir und guckte etwas kariert aus der Wäsche. Ob ihm der Fuß wieder mehr weh täte, fragte ich. Er wollte erst nicht ganz mit der Sprache rausrücken, denn ihm war schon klar, dass wir das dann nochmal untersuchen lassen müssten. Und er hat Angst vor Krankenhäusern. (Nicht vor Ärzten. Aber mit Krankenhaus assoziiert er OP und Schmerzen.) Ich erläuterte ihm das Prinzip einer Notaufnahme und dass das nicht automatisch bedeutet, dass er operiert wird. Ja, gab er daraufhin zu, die Schmerzen seien schlimmer. Ich guckte dem Fuß an und er war deutlich geschwollener und auch die Rötung hatte sich ausgebreitet.

Auch wenn unser Hotel in unmittelbarer Nähe zum Hôpital Civil liegt, fragte ich doch das Hotel-Personal, wo wir denn hin sollten. Und siehe da: Die Kindernotaufnahme ist am westlichen Ende der Stadt. Zum Glück fährt eine Tram direkt vom Hotel dorthin. Ticketkauf und Bahntaktung waren kein Problem und so waren wir 30 Minuten später da. Es war erfreulich wenig los. Die Verständigung funktionierte erstaunlich gut.

Um sicher zu gehen, dass nichts mehr im Fuß steckte, wurde der Fuß geröntgt. Hier zeigte sich eine gute Organisation des Krankenhauses. Um zum Röntgen zu kommen, mussten wir durch verschlungene Krankenhausflure. Und vermutlich hätten wir uns hoffnungslos verlaufen, wenn es nicht ein gutes Leitsystem gegeben hätte.

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Immer den pinken Bären folgen.

Vom Röntgen zurück wurde das Bild noch besprochen.

Wobei der Arzt auch einräumte, dass ein Rest eines Splitters organischen Ursprungs (also Holz) beim Röntgen schlecht zu erkennen sei. Das könne der Körper zwar selbst rausbefördern, aber um sicher zu gehen, dass sich da nicht entzündet, verschrieb er ein Antibiotikum. Nein, das sei kein Notfall, es würde reichen, das Rezept erst am nächsten Tag, also heute, einzulösen.

Frei nach dem Motto „Er hat gar nicht gebohrt“ war der midi-monsieur auf dem Rückweg total beschwingt. Ich war auch erleichtert, obwohl mir das Publikum in der Straßenbahn nicht ganz behagte. Hatte was von nachts durchs Gallus fahren.

Zurück im Hotel schickte ich das Kind unter die Dusche. Zum einen weil er ziemlich verschwitzt war, aber zum anderen auch, um die Fußhaut aufzuweichen.

Und heute morgen?! Da war der Fuß schon deutlich abgeschwollen. Die Rötung hatte sich verändert. Das Auftreten fiel leichter. Rugby fiel natürlich trotzdem aus. Und die erste Runde durch die Stadt machte er auch mit dem Roller. Aber als wir nach dem Regen nochmal aufbrachen, blieb der im Hotel und der midi-monsieur hüpfte neben mir, als sei nie was gewesen.

Nun haben wir halt ein Urlaubsfotos der anderen Art…

Ach ja, das Antibiotikum-Rezept haben wir dann doch nicht eingelöst. Nach Entzündung sieht da nämlich nichts mehr aus. Selbst nach einem ganzen Tag auf den Beinen ist es nicht mehr rot oder geschwollen.