Gut

Wenn mich wer fragt, wie der heutige Tag für mich war, dann kann ich aus tiefstem Herzen „gut“ antworten, denn

… das ungute Gefühl mit dem einen Auftraggeber wird wieder besser.

… ich habe es endlich geschafft, meinen Personalausweis wiederzuholen.

… am Morgen konnte ich mich nochmal hinlegen.

… die liebe Barbara bekam die besten Nachrichten, die es geben konnte.

… ich hatte endlich Zeit, mir die Haare nachzufärben.

… die BRD ist endlich im 21. Jahrhundert angekommen – zumindest was die Gleichstellung / -beRECHTigung von allen Partnerschaftsformen anbelangt.

… das Zeugnis vom Kind war deutlich besser als befürchtet bzw. angedroht.

… der midi-monsieur war auch zufrieden mit seinem Zeugnis.

… meine Sonnenbrille konnte gerettet werden.

… wir haben leckere Zeugnis-Burger gegessen.

… jetzt sind endlich Ferien.

Olsenbande 2.0

Gut, die Olsenbande waren eigentlich zu Dritt – drei alte ältere Männer, die sich als Ganoven am „großen Coup“ versuchten. 14 Filme lang.

Nunja, der midi-monsieur und ich sind nur zwei – eine halbmittelalte Frau und ihr Sohn. Wir sind auch keine Ganoven. Und meinen „großen Coup“ würde ich gerne legal erreichen. Und nein, Filme mit und über uns gibt es (zum Glück) auch nicht.

Aber trotzdem boten wir heute filmreifen Einbruchsslapstick:

Wir kommen vom gemeinsamen Einkaufen. Wir gehen durchs Tor und die Haustür. Ich bin froh, dass ich die große und unhandliche Tasche (den Rucksack hatte ich vergessen) endlich fast in der Wohnung habe. Wir stehen vor der Wohnungstür. Ich schließe auf. Der midi-monsieur sagt mir was, ich wende mich ihm zu, antworte ihm. Die Wohnungstür will gerade zufallen und ich halte meinen Fuß dazwischen. Ich nehme die Tasche und hebe sie ein Stück mehr zur Tür, stoße die Tür auf und hänge den Schlüssel an den Schlüsselfisch, der direkt an der Tür hängt.

Das Kind sagt wieder etwas. Ich wende mich ihm zu, nehme ihn in den Arm.

RUMMS.

Da fällt die Tür ins Schloss.

Ich lasse den midi-monsieur los und sage: „Mist.“

Nein, ich fluche nicht. Das ist nicht nötig. Es ist Mist. Nicht mehr und nicht weniger. Ich gehe schnell die Möglichkeiten durch, während das Kind fragt, was wir nun machen. Die zwei einfachsten Möglichkeiten fallen aus, weil die Rolläden unten sind. Das Kind fragt derweil, ob wir einen Schlüsseldienst rufen können. Klar, könnten wir, aber das Geld will ich eigentlich nicht ausgeben. Von den verbleibenden drei Möglichkeiten fallen zwei auch aus. Wir haben eine Chance. Aber eine gute. Ich gehe in den Keller, der offen ist, um zu gucken, ob ich eine Leiter finde. Zum Glück ist der Handwerker-Nachbar gerade im Keller und kann mir mit einer Leiter aushelfen.

Ich positioniere die Leiter an entsprechender Stelle, klettere hoch und drücke gegen das Fenster. Jippie, es geht auf. Ich versuche durch den Spalt zukommen, aber ich bin zu dick keine Kontorsionistin. Ich rufe den midi-monsieur, der vor der Wohnungstür darauf wartet, dass ich von innen öffne.

Ich erkläre ihm, was er machen soll. Er klettert die Leiter rauf, guckt etwas unsicher in den Fensterspalt und versucht durchzukommen. Es klappt nicht. Er hat nichts hinterm Fenster, worauf er seinen Fuß stellen kann. Wir begucken die Lage und er versucht es noch einmal. Er macht das prima. Er findet Halt. Das halbe Kind ist durch. Er nimmt meine Hand und dann ist er ganz in der Wohnung. Jippie!

Ich klappe die Leiter ein und gehe zur Wohnungstür, wo mich der midi-monsieur schon freudestrahlend erwartet.

So, jetzt haben wir aber alles durch mit meinem Schlüssel.

À la fin

Die ungeplante Strasbourg-Septologie geht hiermit zu Ende. (Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber ich fand es ja etwas grenzwärtig viel. Aber was ins Internet will, muss raus.) Ein paar Tipps, Informationen, Erfahrungen und ein paar allerletzte Fots gibt es nun noch:

Anreise: Wenn irgendwie möglich, empfehle ich die Anreise mit der Bahn. Außer man hat vor, das Umland noch zu erkunden (Wanderungen oder so). Aber IN Strasbourg selbst braucht man kein Auto. Es stört eher. Denn Parkplätze sind rar. Außerdem gibt es viele Einbahnstraßen, sodass Verfahren vorprogrammiert ist.

Unterkunft: Wir waren in einem Hotel. Logis-Hotels sind in Frankreich weit verbreitet und haben für gewöhnlich einen guten Standard. Alternativ kann man auch bei Gite de France oder Chambre d’hotes gucken. Das sind die französischen Pendants zum englischen B’n’B. Bei AirBnB habe ich diesemal gar nicht geguckt.
Unser Hotel lag wirklich sehr zentral und – wie man es so schön nennt – verkehrsgünstig. Unser Zimmer ging nach vorne raus, sodass ich doch Ohrenstöpsel zum Schlafen brauchte. Nach hinten sollten die Zimmer aber schön ruhig sein.

Unterwegs: Strasbourg ist jetzt nicht soooo riesig. Man kann vieles problemlos erlaufen. Für alles andere gibt es ein wirklich gut ausgebautes ÖPNV mit sehr moderaten Preisen. Praktisch: Es gibt ein 24-Stunden-Ticket. Es gibt auch die Möglichkeit, sich so ein Stadt-Leihrad zu besorgen. Da kann ich aber nicht viel zu sagen. Und in der Innenstadt selbst würde ich auch nicht Fahrrad fahren.

Sightseeing: Wir haben so ziemlich alles gesehen, was ich sehen wollte. Zumindest fürs erste Mal Strasbourg. Wir haben uns viel treiben lassen. Das geht ganz gut. Das funktioniert auch mit Kind gut. Und überhaupt fand der midi-monsieur die Stadt toll. Besonders toll fand er die Orangerie. Aber auch sonst gefiel ihm die Stadt. Beim nächsten Mal geht es auf jeden Fall ins Vaisseau. Und ich würde auch gerne in das eine oder andere Museum.
Eine Bootsfahrt auf der Ill um die Innenstadt, durch Petite France bis zu den EU-Gebäuden kann ich auf jeden Fall empfehlen.

Essen: Wie für überall in Frankreich gilt: Man muss sich schon sehr blöd anstellen, um schlecht zu essen. Wobei die tendenziell deftige(re) elsässische Küche bei Hitze etwas speziell ist. Aber Flammkuchen geht zur Not immer. Wir waren in: La Stub, L’Épicerie, Au Petit Bois Verte, La Crêpe Gourmande, Au Vieux Strasbourg, Le Roi et son Fou, Café Bâle. Davon empfehle ich die markierten besonders. Die anderen sind ok, wobei ich nicht nochmal ins Café Bâle gehen würde und Crêpes isst man auch besser in der Bretagne.
Ach ja, in Frankreich gibt es an vielen Stellen Trinkwasserspender. Wenn man eine Flasche oder Becher dabeihat, wird man beim Flanieren durch die Stadt nicht verdursten.

Sprache und Stimmung: Strasbourg gehört zu Frankreich und so ist Französisch natürlich die Amtssprache. Aber es sprechen auch viele Deutsch (und Englisch). Ich würde noch nicht einmal sagen, dass sie widerwillig Deutsch sprechen, aber so ganz happy scheint der Straßburger über die Touristenströme nicht zu sein. Es war manchmal etwas hamburgerisch stieselig. Da fühlte ich mich in Paris willkommener.

So, aber nun noch ein paar allerletzte Eindrücke.

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* Strasbourger Hauptbahnhof

Stadt mit Wasser

So, nach drei Tagen Unterbrechung geht es weiter mit Strasbourg-Bildern. Bald habt Ihr’s geschafft, nur noch dieser Post und der morgen und dann hab ich nichts mehr. (Also hätte schon, aber irgendwann ist ja auch mal gut.)

Wenn ich schlau oder zumindest nicht so gestresst gewesen wäre letzte Woche, weil viel Arbeit, Kindergeburtstag, Wochenende in Frankreich, wenig Schlaf, ach und überhaupt, dann gäbe es diesen Post gar nicht, weil ich die Bilder schon längst gezeigt hätte. Denn sie passen eigentlich prima zu den Innenstadt- bzw. Ill-Insel-Bildern.

Nun bekommen die Bilder, die auf oder an der Ill entstanden sind, halt einen eigenen Post. Voilà und viel Vergnügen:

Sinneswandel

Um ziemlich genau Mitternacht wachte das Kind auf und fluchte über eine Stunde. Grundaussage:

Ich hasse Zelten.

Es war durchaus nachvollziehbar. Denn zum einen hasse finde ich Zelten auch eher nicht suuuper. Zum anderen war die Straße, an der der Campingplatz lag, selbst zu dieser vorgerückten Stunde sehr laut.

Dennoch musste ich verhindern, dass er sich allzu sehr reinsteigert, damit er doch noch ein bisschen Schlaf bekam.

Um 6h30 weckte ich ihn und fürchtete schon, dass er direkt weiter schimpfte.

Er schlug die Augen auf und meinte

Ich glaub, ich habe mich daran gewöhnt.