Felsenmeer

Vor langer Zeit haben im Lautertal zwei Riesen gelebt – der eine auf dem Felsberg, der andere auf dem Hohenstein. Eines Tages bekamen sie Streit und begannen, Felsbrocken aufeinander zu werfen. Der Hohensteiner Riese war im Vorteil: Er hatte viel mehr Steine zum Werfen. Er traf den Felsberger Riesen und dieser wurde unter einem „Meer aus Felsen“ begraben …

Ich bin nicht nur bekennende Frankfurterin, sondern auch Hessen-Liebhaberin. Es gibt so viele schöne Ecken. Der häsische Rundfunk tut auch sein Bestes, einem dieses interessante Bundesland schmackhaft zu machen.

Schon lange stand das Felsenmeer auf meiner Bucketlist. Jetzt war es endlich soweit. Ich fragte die sporty Freundin, ob sie und ihr Freund mitkommen wollen würden. Sie wollten und wir planten, da wir beide keine Auto haben, mit den Rädern im Zug bis Bensheim zu fahren und von da dann die knapp 9 km per Pedale zu erledigen.

Hier auch ein Lob an die Bahn (ja, ein Lob), denn zuerst dachten wird, dass ein Schönes-Wochenende-Ticket eh schon ziemlich günstig ist: Für 3 Erwachsene und ein Kind hätten wir für den ganzen Tag 48 Euro zahlen müssen. Aber bei der Recherche auf der website, „empfahl“ die Bahn, auch alternativ nach den Länder-Tickets zu gucken und siehe da: Das Hessen-Ticket ist noch günstiger – nur 35 Euro (für bis zu 5 Personen).

Gestern standen wir etwas später auf als geplant. So hatten wir nur anderhalb Stunden für Frühstück, packen, Bremsbelege wechseln und losdüsen. Während ich duschte, ging der midi-monsieur Brötchen holen. Dann kurzes Frühstück, kurze Klamotten-Panik, bis mir einfliel, dass ich die eine Jeans, die am Saum so ausgefranst ist, einfach abschneiden kann, Rucksack packen und schnell (Cantilever sei dank) die Bremsbelege gewechselt. Pünktlich fuhren wir los zum Bahnhof.

In Bensheim fanden wir schnell auf unser Strecke. Ich hatte ja zwei Alternativen geplant und mich dann für die mountainbikigere entschieden (und dabei das Höhenprofil etwas unterschätzt). Nach dem ersten Anstieg noch in der Stadt „munterte“ uns ein ortskundiger Fußgänger auf: „Das wird noch heftiger.“

Puuh, ja. Er hatte recht. Zwischen den Weinbergen ging es sehr steil hoch, was wir doch nur schieben konnten. Zumal die Sonne direkt über uns stand. Aber bald kam Schatten und das Höhenprofil war spannend. Der midi-monsieur hat sich bestens gemacht. Und einen Großteil der Steigungen haben wir nicht wegen ihm geschoben. Es ging halt lange berghoch. Aber schön war es:

Unterwegs fuhren wir am hessischen Stonehenge vorbei.

Nein, kein Stonehenge-Nachbau, sondern ein „Jerusalem Friedensmal„. Nunja. Da hatten wir zumindest schon den fiesesten Teil der Strecke hinter uns und waren bald an der „target destination“*.

Wir schlossen die Räder an, erhaschten einen ersten Blick aufs Felsenmeer, mussten dann aber erst was trinken, denn unsere Vorräte hatten wir auf der Fahrt aufgebraucht. Der midi-monsieur war nach zwei Schluck trinken und einer halben Laugenstange wieder fit und erkundete schonmal das Terrain, während wir Erwachsenen picknickten. Irgendwann waren dann auch unsere Energien wieder da und los ging es: Natürlich zu Fuß über die Felsen …

Der midi-monsieur und der Freund der Freundin kletterten bis zur Brücke. Die Freundin und ich nahmen ab der dritten Station den Weg. Dann gingen wir alle zusammen durch den Wald zurück.

Dann tranken wir noch was, füllten die Wasserflaschen auf und schwangen uns dann etwas übersützt auf die Räder. Die Rückfahrt ging super. Durchs Lautertal ging es konstant leicht bergab, sodass wir die knapp 9 km in 30 Minuten schafften und rechtzeitig den nur stündlich fahrenden Zug zurück erwischten. (Ich danke meinem total unmütterlichen Fahrrad-Ich, dass ich keine Angst habe, mit dem midi-monsieur im Straßenverkehr Rad zu fahren.)

Die Rückfahrt mit dem klimatisierten (!) Zug war entspannt. Dann trennten sich unsere Wege.

Der midi-monsieur und ich radelten nach Hause. Schon auf der Fahrt überfiel mich ein schlimmer Melonen-Jieper und ich überlegte die Fahrt über, ob der auf dem Weg befriedigt werden kann. Aber ich wollte erstmal nach Hause. Wir legten die Sachen ab und dann verkündete ich dem Kind, dass ich nochmal kurz zum türkischen Lädchen wolle und rechnete schon mit Gemeckere. Aber er schnappte sich seinen Helm und begleitete mich (zu Fuß) auf seinem Roller.

Auf dem Rückweg checkten wir, welche Essenslocation fussballfrei wäre und klärten mit unseren Mitradlern, dass wir noch zusammen essen gehen wollen.

Als wir uns frisch geduscht trafen, fiel die Wahl auf die Weiße Lilie, in der man ja samstagabends sonst eigentlich nie spontan einen Tisch bekommt, aber dank Fußball und Lage weit entfernt von irgendwelchen Fußball zeigenden Restaurants konnten wir draußen sitzen und bei leckeren Tapas, Paella und weißem Rioja den schönen Tag ausklingen lassen.

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* Der Freund der Freundin ist Ire und spricht nur Englisch. Auf dem Rückweg sprachen wir nochmal über die Tour und ich mir fiel kurzfristig nicht der richtige Ausdruck für „Ziel(ort)“ ein, wusste aber, dass „target“ falsch ist. Dann fiel mir destination ein und wir verstanden uns und diskutierten noch target vs destination und er meinte, für den Ausflug, als Ende der Strecke, würde es „target destination“ heißen.-

Ein Gedanke zu „Felsenmeer

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