Luxus

Im Vergleich (wobei „Vergleich“ auch falsch ist, ich will mich nicht vergleichen) zu vielen anderen Alleinerziehenden habe ich Glück, denn ich bin durch die Trennung nicht finanziell abgerutscht. Was bei mir hauptsächlich daran liegt, dass ich schon immer die Alleinverdienerin war. Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich auch schon in der Beziehung alle Fixkosten getragen. Ich habe aus anderen nicht nachzuvollziehenden Gründen auch deutlich mehr variable Kosten (Lebensmittel, Unternehmungen) getragen, als das ursprünglich besprochen war, sodass sich die Trennung nicht nennenswert auf meinen Kontostand auswirkte. Eher im Gegenteil: Es war ja ein Esser weniger da und für mich sind auch fleischfreie und auch kalte Gerichte vollwertige Mahlzeiten.

Auch der Sprung in die Selbstständigkeit hat meine Finanzen nicht nennenswert beeinflusst. Und ja, ich weiß, dass ich da verdammt viel Glück gehabt habe.

Mit dem Geld, das ich verdiene kann ich dem midi-monsieur und mir ein vernünftiges Leben ermöglichen, bei dem auch hier und da mal ein kleines Extra drin ist: Eis, Ausflüge, Kino, Konzerte, Babysitter, Kurzurlaube, Bio-Fleisch. Ja, das ist unser Luxus. Wenn ich den wegließe, könnte ich sicherlich Geld zurücklegen, aber das ist nicht meins: Ich lebe jetzt, also nutze ich das Geld jetzt.

Der größte Luxus, den ich uns leiste, ist unsere Wohnung: Sie ist eigentlich ein Zimmer zu groß und insgesamt 20-30 qm weniger würden uns sicherlich reichen. Aber zum einen ist es nicht einfach, eine kleinere und entsprechend deutlich günstigere Wohnung (mind. 300 Euro/Monat weniger) zu finden und zum anderen habe ich schlichtweg keine Rücklagen für einen Umzug, Renovierungskosten und Möbelneuanschaffungen (v.a. Küche). Dazu kommt noch, dass ich es sehr schön finde, dass Leute uns einfach über Nacht besuchen kommen können, weil wir den Platz dafür haben.

Meine finanzielle Lage ist nicht schlecht, aber riesen Sprüngen oder „großen“ Luxus wie ein eigenes Auto (mal abgesehen, dass ich es für uns unsinnig finde) oder langer Urlaub sind nicht drin.

Einen für mich mittelgroßen Luxus, den ich mir gerne gönnen würde, ist eine Putzfrau. Insbesondere um meine Kräfte und Nerven zu schonen.* Aber wirklich regelmäßig kann ich mir das nicht leisten, ohne nicht an anderen Stellen Abstriche machen zu müssen.

Als es mir letztens so schlecht ging, war ich kurz davor mir wenigstens einmalig einen Putzdienst zu bestellen. Ich recherchierte auch schon, war aber nicht überzeugt. Aber wenn wenigstens mal wer die Fenster machen könnte, dachte ich weiter. Die müssen** ja nicht monatlich geputzt werden.

Und durch Zufall bot kurz drauf jemand im Viertel Fensterputzdienste an. Bei einer solchen Fügung muss ich mir wohl den Luxus gönnen. Wir kamen in Kontakt und machten für heute einen Termin. Ich räumte gestern und heute morgen alle Fenster frei, machte noch eine Besorgung, um dann eine halbe Stunde vor Termin die Absage zu bekommen. Orrrr, ich war schon angefressen. Ich war im Modus „Jippiie, später hast Du saubere Fenster“ und das sollte sich nun nicht erfüllen. Sowas kann mir ja den Tag verhageln. Ich überlegte kurz mit Blick auf die freigeräumten Fenstern und entschied dann:

Ich machte! Gut 26 qm Glasfläche habe ich gereinigt. Nicht nur, dass mich der Gedanke trug, dass ich ja Geld spare, nein, ich habe sogar welches gefunden:

Ein Glückspfennig – ja, Pfennig – versteckte sich im Küchenfensterrahmen.

Und der eigentliche Lohn der Mühe: Ich kann wieder rausgucken ohne das Gefühl zu haben, meine Brille putzen zu müssen, die Lichtverhältnisse in der Wohnung sind ganz anders und ich habe die Gardinen auch gleich gewaschen.

Und natürlich ist der Aufwand nicht so groß und ich putze sicherlich auch Fenster, als wischen oder Bügeln. Denn es ist ja nicht so, als wäre ich nicht ausgerüstet:

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* In der Zeit kann ich halt auch andere sinnvolle Dinge machen wie zum Beispiel arbeiten.
** können schon. Bei der Lage der Wohnung vielleicht auch sollten, aber das geht zu weit.

Ein Gedanke zu „Luxus

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