Das brennt!

Ich predige dem midi-monsieur ja immer wieder: „Nicht quatschen, sondern machen.“ Denn er kann reden, reden, reden und in der Zeit hätte er mindestens einen Bachelor in was auch immer machen können.

Ich quatsche meist weniger und mache stattdessen. Für gewöhnlich habe ich vor dem Machen darüber nachgedacht. Nur halt nicht geredet, was wohl zu der Annahme verleitet, ich würde immer impulsiv agieren. *hüstel*

Seit heute weiß ich, dass ich das vielleicht mehr sollte, also nicht denken, sondern einfach machen. Denn …

… am Dienstag beim Radkauf für den midi-monsieur (second hand; ist sein Geburtstagsgeschenk von Oma und Opa) sah ich direkt, dass die Bremsbelege erneuert werden müssten.

… am Mittwoch fuhr ich an einem Radladen vorbei und dachte daran, dass ich die Gelegenheit ja nutzen könnte, die Bremsbelege zu holen. Aber ich war gedanklich im Tattoo-Modus und schob den Gedanken damit weg, dass wir ja erst am Samstag eine längere Radtour machen wollen und ich dann ja noch den Freitag habe.

… heute dachte ich noch bei unserer kleinen Radtour – wir hatten uns spontan doch auf die Räder geschwungen -, als der midi-monsieur zu Beginn des Downhills (Steigung und Bodenbelag rechtfertigen diese Bezeichnung) unbedingt mit dem neuen Rad – Oma hatte erlaubt, das neue Rad schon vor dem Geburtstag zu nutzen – vorfahren wollte, dass er ganz schön mutig ist. Ich hörte ihn noch juchzen und hatte ihn dann wegen einer kleinen Kurve nicht mehr im Blick. Als ich um diese bog, hörte ich nur mein Kind brüllen. Irgendwie eher panisch denn vor Schmerzen.

Als ich ihn sah, sah ich ihn stehend. Brüllend, aber stehend. Das war schon mal ein gutes Zeichen. Aber irgendwas war passiert. Ein paar Wanderer kümmerten sich um ihn und um sein Rad. Ich stieg vom Rad und ging auf ihn zu. Er konnte nicht sprechen, wedelte nur wie wild mit den Armen und schrie: „Das brennt!“ Ich guckte mich um und da sagte einer der hilfsbereiten Passanten, dass er volle Kanne in Brennnesseln gerauscht sei. Er habe zwar noch gebremst, aber hatte so eine Geschwindigkeit, dass es nicht zu verhindern gewesen sei. Dazwischen brüllte der midi-monsieur immer wieder: „Das brennt!“ und mir schoss durch den Kopf: „Die Bremsen!“ und ich war sehr froh, dass es „nur“ Brennesseln waren, in die er gefahren ist. Wären die nicht gewesen, wäre es ein Gebüsch mit kleinen Bäumen gewesen. Das hätte unschön enden können.

Er tat mir so leid. Ich hätte ihn gerne in den Arm genommen, aber es war klar, dass das keine gute Idee gewesen wäre. Wir konnten den Quaddeln beim Aufblühen zugucken – an beiden Armen, den Unterschenkeln und – besonders fies – im Gesicht. Das musste brennen wie Hölle und tat es auch. Der arme midi-monsieur litt.

Nach einer Weile beruhigte er sich ein wenig und ließ sich die Arme mit Wasser abwaschen. Die Wanderer zogen weiter. Und ich überlegte, was wir nun tun könnten. Wir standen mitten im Enkheimer Ried: Dahin zurück, woher wir kamen, hätte bedeutet, dass wir bergauf hätten schieben müssen. Weiterfahren (bis nach Hause) war halt noch ein Stück. Ich überlegte, ob wir irgendwo mit dem Taxi geholt werden können, denn einen Krankenwagen ins Ried zu beordern, fand ich bei Brennesseln doch etwas zu viel. Ja, der midi-monsieur litt, aber er zeigte zum Glück keinerlei allergische Reaktion.

Ich erklärte dem Kind, dass er noch ein kleines Stück fahren müsste. Er war nicht erfreut, aber biss die Zähne zusammen und stieg aufs Rad. Er fluchte und fluchte und fluchte. Ich konnte es ihm nicht verdenken. Aber er fuhr. Tapfer. Er meinte, beim Bewegen würde er das Brennen nicht so spüren. Das zeigte sich deutlich, als wir anhielten, weil ich gucken wollte, welches die nächste Notdienst-Apotheke war (bei uns im Viertel). Wir kamen an einer U-Bahn-Station vorbei: „Nein, Mama, jetzt ist es ja nicht mehr weit.“ Wir fuhren die Apotheke an und kauften eine große Tube Fenistil, die wir direkt großflächig anwendeten, und fuhren dann nach Hause.

Da schaute ich dann, was man bei Brennnessel-Verbrennungen tun kann / soll und überzeugte den midi-monsieur, dass er sich unter die maximal lauwarme Dusche stellte und auch abseifte. Ich schmierte danach die kritischsten Stellen – Arme – nochmal mit Fenistil ein. Danach legte er sich ins Bett und guckte Netflix leer.

Als ich ihm um 20h30 Momo vorlas, kribbelte es nur noch ein bisschen und wir hoffen beide, dass es morgen überstanden ist.

Ein Gedanke zu „Das brennt!

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