So schnell groß

Ganz ehrlich, diesen Spruch „Sie – also die Kinder – werden so schnell groß“ finde ich ja ziemlich bescheuert. Klar, passiert bei ihnen in einem Jahr mehr als bei einem Erwachsenen – zumindest so auf körperlicher Ebene. Natürlich auch auf geistigen. Und wenn sie dann in die Schule gehen, auch kommt auch noch ein intellektueller Sprung. Ich sage immmer, in einem Menschenleben passiert im ersten Lebensjahr und im ersten Schuljahr am meisten. Insbesondere am meisten gleichzeitig. Aber Kinder werden nun mal groß. Zum Glück will ich sagen. Denn so knuffelig ich den mini-monsieur fand, mindestens genauso cool finde ich den midi-monsieur. Und besonders „cool“ finde ich, diese ganzen vielen Entwicklungsschritte bei ihm zu sehen und zu begleiten. Ich habe nie dem vorherigen Stadium hinterher getrauert.* Heute Nacht jedoch sprang mich im Halbschlaf kurz der Gedanke „jetzt isser groß“ kurz an:

Nachdem ich den wegen Halsschmerzen wimmernden midi-monsieur um 1h20 zu mir ins Bett holte, wachte er um 3h40 vor Ohrenschmerzen schreiend auf. Bis ich das erstmal einsortiert hatte, dauerte es eine Weile. Ohrenschmerzen – na prima. DAS hatten wir zum Glück ja bislang noch nie. Ich sah schon die erste MOE auf uns zukommen, aber hoffte erstmal, dass die fiese und sehr klebrige Rotznase Schuld sei. Ohrenschmerzen sind neben Zahnschmerzen meiner Meinung nach das Fieseste was es gibt, also stand außer Frage, dass der midi-monsieur analgetisch versorgt werden muss. Ich tappte mit ohne Brille ins Bad und suchte die orange Packung mit dem Kinder-Schmerzsaft: Mist! Abgelaufen**/***. Der midi-monsieur hatte – natürlich – immer noch Schmerzen. Also hielt ich mir die Gebrauchsanweisung 10 cm vor die Augen, um herauszufinden, wie viel Ibuprofen in einer Dosis für seine Gewichtsklasse enhalten sei (7,5×40 mg). Ich überlegte kurz und beschloss dann, dass er mit einer halben „normalen“**** Ibu wohl auch ausreichend versorgt wäre.

Das Problem allerdings: Er hatte bis dato noch nie Tabetten/ Kapseln o.ä. eingenommen. Dementsprechend saß er da und litt und ich saß ihm gegenüber mit der halben Tablette und einem Glas Wasser in den Händen und er guckte mich fragend an. Ich erklärte ihm, dass er sie in dem Mund nehmen und mit Wasser runterschlucken müsse. Der erste Versuch scheiterte prompt und ich fürchtete, dass er das gute Stück ausspucken würde. Aber die Schmerzen obsiegten und er versuchte es noch einmal, riss den Mund weit auf, um mir zu zeigen, dass die Tablette nicht mehr da war. Die Wirkung setzte ausreichend schnell ein. Das Zwiebelsäckchen auf dem Ohr tat sein Übriges, sodass er heute morgen – abgesehen von der Rotznase – wieder fit war.

Tja, damit ist nun die Ära des Kinder-Schmerzsaftes hier endlich und zum Glück vorbei. Den zu bevorraten, hat sich bei den wenigen Einsätzen*** nämlich wirklich nicht gelohnt.

———————-
* Doch, einmal ganz kurz, als er als erster in der „Clique“ laufen lernte und alle anderen Mamas „Oh, wie toll, dass er schon läuft“ sagten und ich nur an das Hinterhergerenne dachte.
** Bei Twitter schrieb ich fälschlicherweise „alle“.
*** Wir haben bislang – zum Glück – wirklich selten Schmerzmittel gebraucht.
**** 400 mg Wirkstoff/ Filmtablette

Interessant: Während bei sämlichen Imbuprofen-Tabletten für größere Kinder (30-39 kg) eine Einzeldosis von 200 mg (Tagesdosis 800 mg) empfohlen wird, ist es beim Saft 300 mg bzw. 900 mg. Das finde ich in Relationen doch schon viel.

Ein Gedanke zu „So schnell groß

  1. Vielleicht ein Gedanke zu dem Satz „sie werden so schnell groß“ … :
    Ich habe das bisher so verstanden, dass man halt am Größerwerden merkt, wie schnell die Zeit – auch die eigene – vergeht. So ein durchschnittliches Erwachsenenleben ist doch irgendwann auch ein bisschen eintönig. Ich meine das nicht negativ, sondern nur, dass halt in der Regel nicht jedes Jahr etwas Neues passiert (arbeiten, arbeiten, Wochenende, arbeiten arbeiten Wochenende, arbeiten arbeiten Sommer, Herbst, arbeiten, arbeiten …ZACK Weihnachten, ZACK Jahr schon wieder rum … so ungefähr).
    Es gibt nicht mehr die großen Veränderungen und ersten Male wie eben Laufen lernen, Fahrrad fahren, Kindergarten, 1. Klasse, weiterführende Schule, erstes Mal verliebt usw.
    Und bei jedem neuen Schritt merke ich, ZACK ZACK es ist schon wieder Zeit vergangen, während es im eigenen Leben vielleicht nicht so viel passiert ist. Nur halt schon wieder ein Jahr rum ..

    Ich finde, dass das eigene Zeitempfinden sich ändert, die eeewig langen Sonntagnachmittage von früher, wenn die Freunde nicht raus durften, habe ich jedenfalls nicht mehr. Und deshalb „werden sie halt so schnell groß“.

    (Und wirklich ich mag mein Leben mit arbeiten arbeiten usw. … und den Kindern.
    Und ja, ich finde es wird immer schöner, je größer werden und das sage ich jetzt seit 10 Jahren … ;-))

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