Ich könnte

Ich könnte mich jetzt aufregen und ranten. Über die Schule. Dieses leidige Thema. Dieses Thema, dass ich nie leidig werden lassen wollte.

Ich hätte nie gedacht, dass mich das Thema Schule so umtreiben würden. Ich selbst bin so gerne in die Schule gegangen. Ich habe kein Problem mit dem deutschen Schulsystem (auch wenn es sicherlich Verbesserungen vertragen könnte). Ich habe den midi-monsieur bewusst auf eine staatliche Schule geschickt. Bewusst auch auf die Stadtteilschule, da wo er hingehört. Sein Leben findet größtenteils hier im Viertel statt. Da macht es doch keinen Sinn, ihn täglich irgendwie quer durch die Stadt zu karren für DIE eine Schule. Zumal ich auch nicht glaube, dass es DIE eine gibt. Es steht und fällt mit den Lehrerinnen, deren Motivation und letztlich auch der Chemie zwischen Kind und Lehrkraft.

Zuerst dachte ich: Blöd gelaufen. So richtig gut ist die Chemie zwischen ihm und den Lehrkräften nicht. Das ist nicht gut, aber hoffentlich kommen wir da irgendwie durch. Doch dann zeigte sich mehr und mehr, dass die Motivation der Lehrkräfte zum einen nicht homogen und dadurch zum anderen teilweise auch nicht sonderlich ausgeprägt ist. Dienst nach Vorschrift. Wer, also welches Kind, nicht in die Norm passt, wird pathologisiert, damit sich die Lehrkraft nicht damit auseinander setzen muss. Nicht nur bei meinem Kind. Mehrere Kinder in dieser Klasse haben angeblich massive Probleme, die sich interessanterweise nur in der Schule zeigen. Einige Kinder sollten schon auf psycho-soziale Schwierigkeiten hin getestet werden.

Und je mehr Einblicke ich in Schulalltag und -strukturen bekomme, desto mehr sehe ich, dass vieles aus der Schule selbst kommt: strukturelle Probleme, sehr hohe Leistungsmaßstäbe, (nicht vorhandene) pädagogische Leitfäden.

Wenn ich es mit meiner Grundschulzeit vergleiche – und ich bin 1983 eingeschult worden -, dann frage ich mich, ob es bei uns damals so fortschrittlich war oder ob es an dieser Schule einfach besonders rückständig ist.

Ich möchte das nicht für mein Kind, aber ob die Alternativen wirklich besser sind?! Ich bin kurz davor zu resignieren. Und ein wenig fühlt es sich auch wie eine Kapitulation an, zu sagen: Ich werde alles daran setzten, den midi-monsieur so heil wie möglich durch die Grundschule zu bringen. Ich werde meine Energien dafür einsetzen, ihn so zu stärken, dass er die Grundschule nicht mehr so nah an sich ranlässt und sich hoffentlich auf die weiterführende Schule, die wir ja prinzipiell aussuchen können, freut. Denn der Wille zu lernen ist da. Und wehe dem, der ihm den nimmt.

Ich könnte auch ein bisschen heulen.

3 Gedanken zu „Ich könnte

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