Gastfamilie

Kürzlich erhielt ich ein e-Mail, dass für das kommende Schuljahr eine Gastfamilie für einen 16-Jährigen gesucht wird. Mein erster Impuls war: „Warum nicht?!“ Immerhin habe ich eine ausreichend große Wohnung und Austausch finde ich eigentlich immer gut.

Doch ich habe Null Erfahrung. Ich war selber nie auf Austausch und bei uns war auch nie jemand. Und nun gehen mir ein paar Fragen durch den Kopf.

Die Fakten sind wie folgt:

  • Es ist kein klassischer Austausch. Es wird eine Gastfamilie gesucht.
  • Soweit ich weiß, steht keine Austauschorganisation dahinter.
  • Es ginge um 1 Jahr – ein ganzes Schuljahr.
  • Der potentielle Gast ist bei Austausch 17 Jahre und kommt aus Italien.
  • Schule und auch Hobby sind schon klar 😉

Für mich steht im Raum:

  • Bleibt er die ganze Zeit oder fährt er in den Ferien (z.B. Weihnachten) nach Hause?
  • Was muss ich ihm bieten – außer einem Kost und Logis?
  • Wird erwartet, dass ich ihn zu seinem Hobby kutschiere (nicht möglich, da kein Auto; aber auch nicht zwingend nötig, ob der Nähe)?
  • Ist es in Ordnung „nur“ in einer Mietwohnung zu wohnen und nicht in einem eigenen Haus?
  • „Muss“ ich mit ihm in die Ferien fahren?
  • Ist es komisch/ nicht üblich, dass eine Alleinerziehende Gastmutter ist?
  • Es gehört dazu, dass er mit zu Familienfesten o.ä. käme, oder?

Ich bin für jeden sachdienlichen Hinweis dankbar, der mir bei der Entscheidungsfindung helfen kann. Ob ich’s dann überhaupt werden, wenn ich es machen wollen würde, steht auf einem anderen Blatt.

11 Gedanken zu „Gastfamilie

  1. Wir hatten nur einen amerikanischen Gastschüler für drei Monate, aber der Kontakt zu meinem Gastburder hält bis heute, und beruflich hatte ich viel Kontakt mit Austauschorganisationen, dazu kommen einjährige Austausche im engeren Umfeld. Deswegen sind meine Antworten eine Mischung aus eigener Erfahrung und Theorie. Mit Deinen Fragen kannst Du Dich übrigens auch an die Austauschorganisation wenden, die kann Dir am Besten sagen, was üblich ist / erwartet wird.

    * In den Ferien wird normalerweise nicht nach Hause gefahren, da zu teuer. Die Ferien werden also mit der Gastfamilie verbracht. Mein Gastbruder kam in den Sommerferien und fuhr mit uns in den Urlaub, Da er deutsche Vorfahren hat, besuchten wir seine Familie. Er wohnte dort, wir im Hotel in Laufnähe. In unterschiedlichen Konstellationen unternahmen wir dann was miteinander. Andererseits ist Italien nicht so weit weg wie Amerika. Vielleicht den jungen Mann / die Austauschorganisation direkt fragen?

    * Nichts. Die Austauschorganisation hat normalerweise ein Rahmenprogramm, gerade zu Beginn, um Land und Leute kennenzulernen. Ich würde den jungen Mann so weit wie möglich in die normalen Aktivitäten einbeziehen, sofern das Interesse da ist. Und wenn ein etwa gleichaltriger Jugendlicher im Haushalt lebt, kann der ihn ja mit zu Freunden, Aktivitäten etc. nehmen. Ich habe meinen Gastbruder immer gefragt, ob er Lust hat, mitzukommen – mal ja, mal nein. Da auch noch andere Gastschüler in der Nähe waren, hat er sich auch mal mit denen verabredet.

    * Nein. Ich lebte damals in einer Kleinstadt, ohne gute ÖPNV-Anbindung in die Großstadt oder in die umliegenden Dörfer. Ein Teil der Gastschüler war in der Großstadt, ein Teil in Kleinstädten drum herum, ein Teil auf dem platten Land. Die mussten dann genau wie wir damit zurecht kommen, dass hier nicht jeder 16jährige Auto und Führerschein hat, sondern allenfalls alle Stunde ein Bus fährt, wenn kein Gastelternteil fuhr. Zu Fuß gehen, womöglich über Kilometer – das war für meinen Gastbruder wohl der größte Kulturschock.

    * Ja.

    * Nein. Es wäre aber schon schön, wenn er nicht alleine zu Hause hockt, während Du urlaubst … Er ist halt ein reguläres Familienmitglied auf Zeit, wie das eigene Kind, und ohne das würdest Du ja vermutlich auch nicht urlauben. Vielleicht plant aber auch die Austauschorganisation eine Ferienbetreuung?

    * Kann ich mir nicht vorstellen, weiß ich aber nicht.

    * Wie schon gesagt: Der Gastschüler ist ein Familienmitglied auf Zeit. Da gehören dann auch Familienfeste dazu.

    Generell finde ich ein Jahr eine ziemlich lange Zeit. Nicht umsonst hatten wir uns damals nur für drei Monate entschieden. Im Vorfeld gab’s ziemlich viele Gespräche mit und einen Hausbesuch von der Austauschorganisation. Auch wenn’s im Idealfall irgendwann ein Familienmitglied wird, zuerst ist es halt doch ein Fremder, den Du in Dein Leben lässt.

      • Sorry, das habe ich überlesen. Da wäre für mich die wichtigste Frage, wer sich um eine andere Familie kümmert, falls die Chemie zwischen Euch gar nicht stimmt, oder was passiert, wenn der Austausch abgebrochen werden muss. Aber mit privat organisierten Gastaufenthalten kenne ich mich auch nicht aus (außer mit welchen innerhalb der Familie, aber das ist ja auch noch mal ’ne andere Baustelle).

  2. Wir hatten auch einen austausschüler als ich Teenie war… antworten würde ich wie oben.
    Privat organisiert klingt eher nach wenig Familienanschluss und der Suche nach einer billigen Unterkunft… gibt es keinen Ansprechpartner? Wet hat denn organisiert?

  3. Kannst Du ihn und seine Familie nicht mal ansprechen, was sie erwarten oder was sie sich erhoffen von seinem Aufenthalt? Gibt es da die Möglichkeit der Kontaktaufnahme?

  4. Privat, ohne Organisation stelle ich mir das schwierig vor, denn dann hast im Grunde du alle Last und Verantwortung zu tragen. Niemand bietet ihm die Möglichkeit, das neue Land, die neue Umgebung kennenzulernen, Unternehmungen zu machen, bei evtl. Schwierigkeiten in Schule oder Sportverein zu vermitteln usw., das hängt alles an dir. Und auch einem 17jähriger kann man das noch nicht alles selbst überlassen, vor allem zu Anfang nicht.

    Liebe Grüße von Ilsa

  5. Wenn vor allem wegen seines Sports kommt und erst größeren Aufwand betreiben müsste um von deiner Wohnung dorthin zu kommen, ist das vielleicht im Vorfeld ganz genau abzuklären. Nicht, dass er nachher große Augen macht …
    Privat organisiert bedeutet auch immer, genau zu klären, wie er versichert ist. Bei Organisationen regeln die das alles. Da wäre es für dich wichtig, dass alle Versicherungen im Falle eine Falles vorhanden sind.
    Ohne Organisation dahinter hat er also auch keinen Kontakt zu anderen Austauschschülern, mit denen er sich treffen könnte. Du hast ihn also „an der Backe“. Dein Sohn ist noch zu jung, als dass die beiden zusammen allzuviel unternehmen könnten und dann auch noch die Sprachbarriere. Also ich persönlich stelle mir unter einem Austausch einen Win-Win-Situation für die ganze Familie vor. Hier sehe ich nur Vorteile für den Italiener, der gerne nach Frankfurt möchte. 17 ist ja auch so eine Phase, wo es noch pupertäre Reibereien geben könnte. Ist sicher eine Herausforderung 😉
    Beste Grüße!

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