Achterbahn

Wenn man mich zur Zeit fragt, wie es mir geht, kann ich – für mich – überzeugt sagen: „Gut.“ Klar, gibt es auch Tage, an denen es mir nicht gut geht. Aber trotzdem kann ich „gut“ sagen. Denn das ist meine Grundstimmung. Es läuft gerade eigentlich ganz gut – für mich. Zumal ich ja auch weiß, wie es ist, wenn es mir wirklich schlecht geht. Aber als Optimistin sehe ich im Zweifelsfall das Glas immer halbvoll denn halbleer und bin der Grundüberzeugung, dass alles schon irgendwie wird.

Doch mein Optimismus ist getrübt. Noch hoffe ich, dass es nur eine dunkle Wolke ist, die sich irgendwann, hoffentlich bald, verzieht. Diese Wolke ist der Stress des midi-monsieurs. Immer wenn ich kurz durchatmen und mich darüber freuen möchte, dass es ihm ein My besser geht, passiert etwas, was ihn runterzieht. Und ich schaffe es nicht nachhaltig, ihm mit meinem Optimismus Mut zu geben.

Und so gut es mir geht, so sehr nimmt es mich mit, dass mein Kind leidet, dass ich ihm nicht helfen kann – zumindest nicht ausreichend.

Zauberhaft

Last-Minute-Kostüme werden so langsam aber sicher zu einer geheimen Superkraft meinerseits. Denn mein Problem ist, dass ich Verkleidungsfeste (Karneval und Halloween) nicht so auf dem Schirm habe und daher auch den midi-monsieur nicht rechtzeitig fragen kann. Und selbst wenn ich mal mehr als einen Tag vor Event frage, dann weiß das Kind meistens nicht, als was er sich verkleiden möchte. Das bisher knappste war letztes Halloween, als wir mittags im Zug von Zürich nach Frankfurt überlegten, dass er doch drei Stunden später als Mumie zur Holloween-Party gehen könne. Dafür sah er doch ganz gut aus.

In Anbetracht dessen hatte ich für das diesejährige Karnevalskostüm richtig viel Zeit.

Hey, das waren ganze vier Tage. Direkt nach dem Tweet wurde mir direkt ein Umhang angeboten. Danke, liebe Skrissel! Und am Samstag nutzte ich die freie Zeit, als das Kind beim Geburtstag war, um weitere Accessoirs zu besorgen. Was man nicht für Opfer aus Liebe zum Kind bringt…

Auf dem Weg durch die Massen habe ich mir mehrfach gewünscht, einfach „Accio Wolle. Accio Holzstab. Accio Brille.“ sagen zu können. Aber dann hätte ich mich unterwegs – trotz allem Stress – nicht inspirieren lassen können.

Das Schöne an Harry Potter ist ja, dass es nicht viel Zubehör braucht, damit man ihn erkennt: Die Brille war eine Billigbrille, aus der ich die komischen Totenkopf-Gläser gedrückt hatte. Der Schal strickte sich ganz schnell (Vernähen der Fäden durch den dauernden Farbwechsel war fast genauso lang). Der Zauberstab ist ein einfacher Holzstab, den das Kind mit braunem Acryllack bemalte, ich goldene Akzente setzte und dann mit Modelliermasse (Super Fluffy, amazon-Partnerlink) Griff und Spitze verschöpnerte. Der Schnatz ist eine einfache mit goldenem Acryllack bemalte Styroporkugel, an die ich zwei auch mit dem Lack bemalte Federn klebte. Auch wenn ich mich immer noch ärgere, dass ich den Gryffindor-Pin, den der midi-monsieur hat, zu sicher, also nicht auffindbar verwahrt habe, ist das Resultat doch durchaus gelungen  – zusammen mit dem Leihumhang, schwarzem Haarspray und Blitznarbe.wp-1488226159914.jpgIn diesem Sinne: Helau und Alaaf!

Sammelsurium

In die Frankfurter Bildungspolitik geraten.

Viel geschafft am Samstag – inklusive Karaokesingen.

Eine pinke Strickpause eingelegt, um dem Kind einen Schal in Gryffindorfarben zu stricken.

In den Ausmist-Modus gekommen. ALLES MUSS RAUS!

Mal wieder mit Tofu gekocht.

Dem Kind eine Deutsch-Übungs-App aufs Tablet geladen.

Die 6. Staffel von „The Good Wife“ nun auch beendet.

Mich fürs Kind gefreut, weil er drei Tag hintereinander mit seinem Kumpel zusammen war und dann noch zu nem Geburtstag eingeladen war. Sozialkontakte entspannen ihn sehr.

Darf ich auch etwas sagen?

Elternsprechtag. Mein erstes Mal.* Ich habe nur einen Termin. Als ich etwas verspätet drankomme, stellt die Lehrkraft eine Eieruhr. Jeder nur ein Kreuz 10 Minuten.

Ich habe keine fachlichen Fragen. Ich weiß, wo mein Kind steht. Darüber sind die Lehrkraft und ich uns einig. Es geht um die Kopfnoten. Dass ich über sowas noch reden muss. Ich bin, seitdem ich im hessischen Schulgesetz gelesen hab, dass es die hier noch gibt, kurz davor umzuziehen die Schule zu wechseln** ziemlich irritiert. ICH kannte die bislang nur vom Hörensagen. Bei mir gab es die damalsTM*** nicht.

Das Stichwort reichte zumindest aus, um – wie zu erwarten – einen lehrerlichen Redeschwall auszulösen. Ich hörte zu und lächelte, nickte und suchte Blickkontakt. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, so die 10 Minuten zu überstehen. Aber irgendwann musste ich doch mal einhaken: „Darf ich auch etwas dazu sagen?“

Und wider Erwarten entwickelte sich daraus ein gutes und effektives Gespräch, das mit dem Satz endete: „Sie haben ein tolles Kind.“

Ja, ich weiß. 🙂

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* Im 1. Schuljahr war ich nicht beim Elternsprechtag.
** Die Nachbargrundschule hat die abgeschafft, was per Gesetz durch Beschluss der Gesamtkonferenz möglich ist.
*** 1983-1996

Der Ball …

… ist ein Ei und das Kind ist sehr begeistert. Und ich auch – vom Sport, die Einstellung, die er mitbringt, die Haltung, die die Spieler und Trainer haben.

Ich hoffe, dass ihm dieser Sport in der Mannschaft gut tun und lange begleiten wird.