Fünfe gerade sein lassen

Schrieb ich nicht kürzlich erst: „Wem der Schuh passt und/ oder gefällt, zieht ihn sich an.“ Mal abgesehen davon, dass mir der Schuh von Frau Rabe überhaupt nicht passt und ich die heutige Diskussion dazu auch nur peripher mitbekommen habe, werde ich das Gefühl nicht los, dass sich viele den Schuh gar nicht richtig angeguckt haben.

Mir ist das mit den „Hochglanz“-Blogs ja ziemlich egal. Ich kenne nur wenige und die lese ich nicht. Und zwar nicht, weil sie mich sonst total unter Druck setzen würden, sondern weil es mich schlichtweg nicht interessiert. Das ist einfach nicht meine Welt – war es noch nie. Ich meine damit übrigens nicht diejenigen, bei denen „immer“ aufgeräumt ist, weil es den Personen halt wichtig ist. Denn ich finde, man sieht bzw. merkt schon, ob jemand einfach ein Aufräumer ist, oder ob halt eine bestimmte Bildsprache erzeugt werden soll und man hinter den Fotografen nicht gucken darf.

Ich bin seit jeher eine Chaosqueen.* Eine höchst-organisierte Chaosqueen, die eigentlich immer weiß, wo im Chaos die Dinge zu finden zu sind. Nein, ich bin bestimmt kein Messie – dafür schmeiße ich viel zu gerne weg-, aber manchmal macht es für mich keinen Sinn, Dinge immer und umgehend wieder an ihren Platz (sofern sie einen haben) zurückzuräumen, weil ich sie ja eh wieder brauche. In solchen Momenten seufze ich manchmal über mich und denke an Menschen, die das können, also immer aufräumen, und frage mich kurz, warum ich das nicht kann. Tja, aber ich kann ja nicht nicht, ich will nicht. Also meistens. Manchmal will ich ja auch und dann räume ich penibelst auf.

Aber meistens sieht es an unserem Esstisch so aus:20170124_183744.jpgZum Essen kommt der Laptop natürlich weg und oft stehen auf dem hinteren Drittel tatsächlich nur Blumen. Aber meine Arbeitsunterlagen habe ich für gewöhnlich auf dem kurzen Bankschenkel verteilt. Einfach, weil ich sie täglich brauche und es keinen Sinn macht sie abends in mein Zimmer (oder woanders hin) zu schleppen und morgens wieder zurück. Zum Wochenende mache ich das sogar manchmal.

Die Küche sieht nicht immer so aus:20170124_174840.jpgAber der Zustand ist auch nicht unbedingt ein Ausnahmezustand. Regelmäßig bringe ich da Grund rein und dann steht auf der Arbeitsfläche nur die Mikrowelle und rechts vom Herd die zwei Gefäße mit den Küchenutensilien, die da immer stehen. Und dann halte ich den Zustand eine Weile und dann kommt mir was dazwischen – das Leben, ein stressiger Tag, Zahnschmerzen, Harry-Potter-Vorlesen – und dann lasse ich Fünfe gerade sein und die Entropie bricht sich Bahn. Bis es mich wieder nervt.

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* Das ist meiner Meinung nach auch mein Glück in meinem Alleinerziehendendasein: Weil ich schon immer eher chaotisch war, sehe ich keinen Bedarf, mich als Alleinerziehende in der Anstrengung zu verlieren, dass die Wohnung stets wie aus dem Katalog aussieht. Ich weiß, dass sich viele Alleinerziehende auch hier noch zusätzlichen Druck machen.

2 Gedanken zu „Fünfe gerade sein lassen

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