Internette Kommunikation

Man sagt mir Boshaftigkeit und eine spitze Zunge nach. Das mag nicht so falsch sein, wobei ich aber glaube, dass die meisten meiner Blogleser jetzt vielleicht etwas irritiert gucken. Hier auf meinem Blog bin ich eigentlich selten wirklich boshaft. Auch versuche ich nicht allzu verklausuliert zu schreiben.* Denn so ein Blog ist – mal abgesehen von der Kommentarfunktion – eine kommunikative Einbahnstaße. Eine sehr enge Einbahnstraße, auf der nur geschriebene Wörter Platz haben. Man sieht weder meine Mimik, noch hört man Unter- und Zwischentöne. Und so gerne ich schreibe und – ich glaube auch – mich gut schriftlich ausdrücken kann, so sehr können (kann! muss nicht!) die Mimik und Tonfall fehlen.

Nebenan bei Twitter ist es etwas anders. Also nicht der Punkt, dass es schriftlich ist. Aber man kommuniziert miteinander. Was lustig ist, denn ursprünglich ging Twitter als „Microblogging“-Dienst an den Start – quasi unendlich viele Mini-Einbahnstraßen auf einem Blick.

Doch immer mehr „verkommt“ (nicht meine Meinung) Twitter zu einem Chat. Ich finde das nicht schlimm. Ich finde auch nicht schlimm, dass man dort Fotos und gifs mitposten kann. Die Kandidaten, die mehr als einmal ihren aktuellen Blogpost via Twitter promoten, habe ich nicht mehr in meiner Timeline und daher auch Ruhe. Auch sonst bin ich immer wieder fröhlich dabei, meine Timeline zu bereinigen (erst muten, dann entfolgen**).

Und auch wenn die eine oder der andere eine App zum Twittern nutzt, die mehr als 140 Zeichen zulässt, darf man einfach nicht vergessen, dass manchmal 140 Zeichen einfach zu wenig sind. Klar kann man „Gefühle“ mit Emojis verdeutlichen, aber die Emojis werden auf den verschiedenen Systemen unterschiedlich dargestellt. Dazu kommt, dass man, also ich zumindest, über den eigenen Tweet oder Reply nicht erstmal stundenlang brütet, sondern dass es einfach schnell geht. Da sind Missverständnisse gewissermaßen inklusive. Außer man kennt sich persönlich wirklich so gut, dass man immer weiß, wie die*er andere es meint.

Aber egal ob Blog, Twitter oder welches andere soziale Medium: Man kann immer jedes Wort auf die Goldwaage legen. Man kann es aber auch lassen. Und wenn man sich – warum auch immer – ganz persönlich gemeint fühlt, dann sollte man sich überlegen, warum und wie fest man bei seiner Meinung steht. Stehe ich hinter dem, was ich sage, kann mir das „Geschwätz“ anderer im einfachsten Fall egal sein oder mich dazu bringen, einen anderen/ weiteren/ neuen Aspekt zu bedenken oder vielleicht auch zu berücksichtigen. Und wenn man sich – warum auch immer – ganz persönlich angegriffen fühlt, dann hilft, wenn einem der Absender wichtig ist, direkte Kommunikation immer noch am besten. Die meisten Medien bieten das. Und ganz verwegen: Wenn man sich persönlich kennt, hat man vielleicht sogar eine Telefonnummer.

Darüber hinaus ist nicht immer alles, was der Empfänger (im Sinne von Leser, nicht als alleiniger und einzig gemeinter Empfänger der gesendete Botschaft gemeint) als Kritik empfindet und versteht, auch als solche gemeint, sondern es ist einfach nur eine andere Meinung. (Und natürlich kann ich die auch total achtsam bei Räucherstäbchen und Kräutertee mit „Hey duuu, also, ich hoffe, das ist okee für dich, aber ich sehe das ein bisschen anders“ ansprechen oder man macht’s wie die Ostwestfalen: Man sagt was man zu sagen hat. Nicht mehr und nicht weniger.)

Und um im Thema zu bleiben: Dieser Post bezieht sich nicht auf Einzelschicksalepersonen, sondern nährt sich aus einer Vielzahl von Beobachtungen der letzten Monate, naja, eher Jahre. Aber um noch eine kleine Phrase zu dreschen: Wem der Schuh passt und/ oder gefällt, kann ihn sich gerne anziehen.

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* Ja klar, ist es mein „Wohnzimmer“ und ich darf alles (was legal ist) machen, wie ich will. Aber das ist ein bisschen, als würde ich zu einer Party einladen und es gäbe nur Gurkenwasser und keine anderen Getränke zum Trinken, nur weil ich es total lecker finde (nein, finde ich übrigens nicht). Dann kämen die Gäste vermutlich genau einmal.

** Geblockt habe ich eigentlich nur Fakeaccounts, die mich mal komisch autoreplyt oder retweetet haben. Dazu noch Jamie Oliver, weil mir der mal ne Weile vermehrt in die TL gespült wurde und ich den nicht leiden kann. Und noch eine RL-Person, die ich geblockt habe, bevor ich überhaupt richtig mit Twitter angefangen hatte.

2 Gedanken zu „Internette Kommunikation

  1. Ja, sehr wahr.

    Die Möglichkeit der Missverständnisse ist groß, zu viele Menschen nehmen zu viel persönlich und auf sich bezogen und noch mehr Menschen haben vergessen, dass es nur ein Kanal, ein Medium ist und es immer noch eine Form der Kommunikation gibt, mit der man Missverständnisse ausräumen kann – oder sich einfach mal kennenlernt, um sein Gegenüber uns seine kurzen Statements besser einordnen zu können.

    Aber scheinbar ist das persönliche, der direkte Kontakt, das direkte Miteinandersprechen, aus der Mode gekommen. Von dem ich ein großer Fan bin. Immerhin hätte ein Anruf, wenn man sich auf den Schlips getreten fühlt, oft einen Kleinkrieg oder eine Verletzung geklärt, bevor sie zu dem wurden.

    Und ich bin froh, dass ich Dich persönlich kenne und weiß, wie Du einige Dinge intonieren würdest, wie Du schauen würdest, wenn Du sie sagst, habe Dich bei den geschriebenen Worten vor Augen und weiß dadurch, wie Du einiges meinst, das vielleicht schriftlich ein wenig missverständlich klingt.

    Das würde ich aber generell jedem raten: Im Hinterkopf behalten, dass man sein Gegenüber nicht wirklich kennt. Ja, man weiß viel übereinander. Aber es fehlt eine Ebene, um ein geschriebenes Wort wirklich richtig einordnen zu können.

  2. Pingback: Fünfe gerade sein lassen | Groß-Stadt-Ansichten

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